Lehraufenthalt in Argentinien

Sara Bellezza, Universidad de Buenos Aires, Argentinien. 10.04.-23.04.2023

Die Universidad de Buenos Aires sowie die Stadt Buenos Aires bieten viele Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern. Sowohl Professorinnen als auch Doktorandinnen und Studierende vor Ort sind überaus gastfreundlich, interessiert und offen. Durch die intensive Betreuung von Wissenschaftlerinnen vor Ort habe ich einen tiefen Einblick in Arbeitserfahrungen und Praktiken am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie erhalten. Zudem wurden mir zahlreiche Türen geöffnet, um auch Kontakte zu anderen örtlichen Instituten und zivilgesellschaftlichen Organisationen herzustellen. Besonders hat mich die Begeisterungsfähigkeit der Studierenden und des akademischen Lehrkörpers für internationale Erfahrungen und Forschung beeindruckt. Der rege Austausch sowohl bei Lehrveranstaltungen als auch im Job-Shadowing und bei verschiedenen Arbeitstreffen des Lehrkörpers war sowohl für mich als auch für Studierende und Wissenschaftlerinnen vor Ort sehr wertvoll.

So werte ich meine Erfahrungen an der UBA als eine große Bereicherung für die Analyse, Verbreitung und Rezeption meiner Forschung, sowie meiner akademischen Arbeit als Ganzes. Durch den Lehr- und Trainingsaufenthalt an der UBA konnten sowohl ich als auch die Kolleginnen vor Ort ihr internationales akademisches Netzwerk in der politischen- und Rechtsanthropologie stärken, um auch in Zukunft junge Studierende und Wissenschaftlerinnen verschiedener Karrierestufen für diese Forschungsperspektive zu interessieren. Buenos Aires ist eine Stadt voller Kultur und politischer Bewegung, die einen Aufenthalt nicht nur wegen der akademischen Exzellenz an der UBA interessant macht, sondern auch um andere Lebensrealitäten kennenzulernen. Durch meinen Aufenthalt haben sich zahlreiche Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit ergeben.

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Lehraufenthalt in Argentinien

Iris Roebling-Grau, Universidad de Buenos Aires, Argentinien. 19.03.-26.03.2022

In den Tagen vor der Abfahrt hatte ich Angst. Das Auswärtige Amt rät dazu, sich bei einem Raubüberfall nicht zur Wehr zu setzen und alle Wertgegenstände einfach auszuhändigen. Die Reiseversicherung für Argentinien schließt den Rücktransport der eigenen Leiche ein. Es war nicht nur meine erste Reise nach Buenos Aires, es war auch meine erste Reise nach Lateinamerika. Ich hatte einiges gelesen, um mich vorzubereiten, aber was taugt schon Bücherwissen?
Doch bereits das Gespräch mit dem Fahrer (den Transport vom Flughafen in die Stadt hatte ich im Internet gebucht und bezahlt) beruhigte mich. Fürsorglich hat er mich nicht nur zu meiner Unterkunft gebracht, sondern mir auch erklärt, wo man am besten Geld wechselt. Meine Unterkunft (eine kleine Wohnung) hatte ich über Kollegen gemietet. Das Viertel: bürgerlich, ruhig, aber gelegen in einem Land mit 60% Inflation. Fast an jeder Ecke schlafen Personen auf der Straße. Trotzdem gibt es in der Bar köstlichen Kaffee mit ‚medialunas‘.
Für den Austausch mit den KollegInnen und den Studierenden an der UBA hatte ich zwei Vorträge ausformuliert. Im Gespräch wurde dann schnell klar, dass die Verlesung eines ganzen Manuskriptes eher unüblich ist. Besser, man spricht frei. Es blieb mir ein Tag, um meine Präsentationen anzupassen. Aber es hat sich gelohnt. Die Diskussion war fantastisch. Plötzlich hatte sich die große Distanz zwischen Argentinien und Deutschland in Nähe verwandelt. An der UBA liest man mit Engagement u.a. Walter Benjamin und Carl Schmitt. Geschichtserfahrung und Diktatur sind Themen, die in beiden Ländern sehr präsent sind. Leicht lassen sich Brücken bauen.
Auf dem Rückflug habe ich mir die Karte dieses großen Landes angeschaut und Pläne geschmiedet. Ich hoffe, die Reise war ein Anfang.

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