Dr. phil.habil. Tilo Grätz

Research Associate,Institute for Media and Communication Studies

Erste Ergebnisse

 

Radio-Anrufersendungen gewinnen durch die Verbindung verschiedener Medien-Technologien und Öffentlichkeiten an Wirksamkeit. Es entstehen

  • verknüpfte Öffentlichkeiten
  • kombinierte Medienstrategien von Journalisten und Anrufern, letztere werden gleichermaßen zu Medienproduzenten

 

Interaktive Sendungen und ihre Produzenten (Anrufer in Ko-Produktion mit Radiojournalisten) verändern nachhaltig öffentliche Räume, in dem eine neue, spezifische Transparenz jenseits der gewohnten Massenmedien, aber auch neuer digitalen Medien entsteht. Es bilden sich neue Kreisläufe der Information und Diskursivität, die wiederum die öffentliche Meinung sowie in Teilbereichen auch das Regierungshandeln beeinflussen.

Bei den häufigen Anrufern (“grogneurs”) handelt es sich um mediale Intermediäre, die zwischen Öffentlichkeiten und medialen Akteuren vermitteln.

Ihre Medienstrategien schließen inhaltliche (Informationsgewinnung und -aufbereitung), performative (Anruftechniken) wie technologische (Aneignungsmodi) Ebenen mit ein.

Die grogneurs in Benin unterhalten – im Gegensatz zu anderen Fallbeispielen in Afrika – äußerst ambivalente Beziehungen zu Journalisten, Lokalpolitikern, den (in urbanen mündlichen Informationskreisläufen sehr wichtigen) Motorrad-Taxifahrern und dem breiteren Publikum. Sie beteiligen sich mitunter auch an Informationskampagnen und nehmen Auftragsdienste wahr. Die grogneurs entstammen der Mitte der Gesellschaft, nicht Institutionen der politischen- oder Zivilgesellschaft. Sie nehmen meist kritische Positionen ein, vermeiden es aber, Falschinformationen zu verbreiten, um ihren Ruf nicht zu gefährden. Die grogneurs können daher nicht als Medienaktivisten, sondern vor allem als information broker bezeichnet werden. Sie sind, so meine Hypothese, Intermediäre, denn sie vermitteln zwischen verschiedenen Öffentlichkeiten, d.h. zwischen Foren mündlicher und technologisch-massenmedialer Kommunikation, die auch in Afrika immer durchlässiger werden, d.h. zwischen informellen Informationskreisläufen und einer medialen Öffentlichkeit, sowie den Anforderungen verschiedener Kommunikationstechnologien. Sie sind mehr als mediale Nischenakteure: Als information broker gewinnen sie Prestige und Selbstbestätigung (und z.T. auch finanzielle Vorteile) aus der Vermittlung von Informationen.

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