Daß meine Eltern so weitsichtig waren, sich von ihrem einzigen Sohn zu trennen und mich 1936 mit der sogenannten Jugend-Alijah nach Palästina zu schicken, rechne ich ihnen hoch an. Es rettete mir das Leben.
Ernst Loewy
Zum Hintergrund des Zitats: Die Jugend-Alijah war eine bedeutende jüdische Organisation, die 1933 gegründet wurde, um möglichst viele jüdische Kinder aus Deutschland in Sicherheit und nach Palästina zu bringen. Während des 2. Weltkriegs gelang es der Jugend-Alijah, etwa 21.000 Kinder und Jugendliche vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu retten.
Spuren nach Palästina
Da sich das Exilmuseum noch in der Planung befindet, haben wir die sogenannte Werkstatt Exilmuseum besucht, welche für Interessierte schon jetzt offensteht. Die Eröffnung des Museums, welches am Anhalter Bahnhof entstehen soll, ist für 2028 geplant.
Derzeit befasst sich der Großteil des Museums mit Exilanten, die zwischen 1933-45 aus Nazideutschland geflohen sind. Teilweise vom Anhalter Bahnhof aus. Überwiegend finden sich darunter Geschichten, wie deutsche Jüdinnen und Juden nach Palästina auswanderten. Auf den ausgestellten Fotowänden werden jedoch einige Menschen vorgestellt, welche in den vergangenen Jahren auch aus arabischen Ländern nach Deutschland geflohen sind. In der Konzeption der zukünftigen Dauerausstellung gibt es somit definitiv Platz für arabische Spuren.
Obwohl der Kern des Museums die Zeit des Nationalsozialismus ist, verweist es ebenso auf die heutige Zeit und die Geflüchteten die heute in Deutschland im Exil leben. Das Museum wird eine durchaus wechselhafte Perspektive auf Deutschland als Exilland bieten – gerade auf für einen arabischen Kontext: Zum einen da viele Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach Palästina und später nach Israel geflohen sind – ihre Situation im dortigen Exil wird definitiv ein Schwerpunkt des Museums werden. Und zum anderen werden zum Themenkomplex Exil heute noch deutlich mehr arabische Spuren in dem Museum zu finden sein.
Werkstatt eines Museums
Die Werkstatt Exilmuseum ist ein Vorgänger und quasi ein Prototyp für das Museum, welches 2028 am Anhalter Bahnhof eröffnet werden soll. Die Werkstatt besteht derzeit aus zwei Etagen: Die untere umfasst drei Räume zum Thema Exil und dem Aufbau des künftigen Museums und die obere Etage ist eine Art Kinoraum.
Im ersten Raum lassen sich zwei Fotowände finden, an denen Porträts von Menschen, welche in den vergangenen Jahren nach Deutschland oder vor 80 Jahren ins Ausland flüchteten, zu sehen sind. Im zweiten Raum können Besucher sich einen Überblick über die zentralen Inhalte des Museums und die geplante Konzeption verschaffen. Es stehen mehrere Vitrinen mit Zitaten, Bildern und Gegenständen zur Verfügung. Die Zitate sind von Holocaustüberlebenden, in denen sie von ihrer Flucht nach Palästina, ihrem Leben im Exil und auch ihrer Rückkehr nach Deutschland berichten. Im dritten Raum wird die architektonische Gestaltung des zukünftigen Museums vorgestellt und auch auf die wichtige Bedeutung des Themas Exil bezüglich des Anhalter Bahnhofs eingegangen.
Der Besuch hat uns nochmal vor Augen geführt, inwiefern sich Flucht und Exil unterscheiden können und wie Menschen jeglicher Herkunft davon betroffen waren und sind. Erstaunlicherweise fanden wir dort sogar Anknüpfungspunkte zu Arabischen Spuren in Deutschland.