Rede im Akademischen Senat zur Übergabe der Petition an das FU-Präsidium

Am 12. Februar 2020 vor dem Akademischen Senat der Freien Universität gehaltene Rede anlässlich der Übergabe der Petition „Für Entfristung und faire Arbeitsbedingungen“ mit mehr als 1.300 Unterschriften.

Lieber Herr Präsident, liebe Kanzlerin, liebe Mitglieder des Akademischen Senats,

es kommt wohl nicht alle Tage vor, dass Ihre Beschäftigten auf die Barrikaden gehen und hier das Wort ergreifen. Aber der Wind steht günstig für Protest — und für Veränderung.

Die ganze Wissenschaft ist von der neoliberalen Jagd nach Drittmitteln besessen. Die ganze Wissenschaft? Nein. In ganz Deutschland haben sich an Hochschulen kleine gallische Dörfer gebildet, Initiativen von Beschäftigten im Mittelbau und darüber hinaus. Sie haben sich im Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) zusammengeschlossen und sie prangern an:

  1. Dass durch den Drittmittelwahnsinn ein System geschaffen wird, das Forschung zum Privileg befristetet Projekte werden lässt;
  2. Die Einheit der Wissenschaft, von Forschung und Lehre, ist nicht mehr nur in Gefahr, sie driftet bereits bedrohlich auseinander.

Auch wir, die Initiative FU:fair&unbefristet, stellen unsere Uni an den Pranger, wo es fast immer nur heißt: Sekt auf die Exzellenz der Forschung, stilles Selters auf den Rest. Unsere Initiative wird getragen von Doktorand*innen, wissenschaftlichen Beschäftigten und beschäftigten Studierenden sowie sogenannten wissenschaftsunterstützenden Kolleg*innen. Wir kooperieren mit den Gewerkschaften GEW, FAU und verdi, und werden unter anderem unterstützt von den Scientists for Peace: Wissenschaftler*innen für den Frieden Deutschland  und sind Teil des bundesweiten Netzwerks NGAWiss.

Wir sind heute hierher gekommen, um dem Präsidium der FU eine Petition zu überreichen, für die wir in diesem Wintersemester über 1.300 Unterschriften gesammelt haben – Für Entfristung und faire Arbeitsbedingungen an der FU!

Wir fordern für die Beschäftigten im wissenschaftsunterstützenden, technischen und administrativen sowie dienstleistenden Bereich: Outsourcing unterbinden: TV-L FU für alle an der FU Tätigen; keine Verträge mit „sachgrundloser Befristung; Eingruppierung der nicht-wissenschaftlich beschäftigten Studierenden in den TV-L.

Und auch für das wissenschaftliche Personal in Forschung und Lehre fordern wir Maßnahmen. Perspektivlosigkeit kann nicht der Standard sein: Über 90 Prozent des wissenschaftlichen Personals im Mittelbau der FU Berlin sind befristet angestellt. Die Befristungsquote steht im Vergleich zu den 8,3 Prozent auf dem gesamtdeutschen Arbeitsmarkt komplett Kopf! Um ein Missverständnis von vornherein auszuräumen: Wir fordern keine Dauerstellen für alle, sondern dauerhafte Bleibeperspektiven nach der Promotion und diese jenseits der Beamtenprofessur! In diese Richtung fordern wir konkrete Maßnahmen und Konzepte für PostDocs, Promovierende und Privatdozent*innen; darüber hinaus Verbesserungen auch für Lehrbeauftragte, Studentische Hilfskräfte, LfbA und Titellehrende.

1.300 Personen an der FU haben die Petition gezeichnet, 800 davon haben haben wir persönlich gesammelt, Gespräche geführt und diskutiert, der Rest hat online das Anliegen unterstützt. Liebe Frau Bör, lieber Herr Ziegler, im Namen der an der FU Tätigen – symbolisch in diesem Glas von 1.300 Bohnen dargestellt – übergeben wir Ihnen heute unseren Forderungskatalog in Form eines nach §3 WissZeitVG befristeten Werkvertrags. Sie haben bis zum 1. April Zeit, und das ist kein Scherz, einen Maßnahmenkatalog vorzulegen. Darüber hinaus fordern wir einen jährlichen Rechenschaftsbereicht über die Situation und Entwicklung der beanstandeten Arbeitsbedingungen an der FU Berlin.

Wir rufen alle Vertreterinnen und Vertreter im Akademischen Senat dazu auf, dieses Anliegen weiter zu unterstützen und auf die Tagesordnung zu setzen. Und wir laden insbesondere auch die Professor*innen dazu ein, sich hier für Ihre Mitarbeitenden stark zu machen.

Wir sind uns wohl alle einig, dass das erst der Anfang ist.

Wir machen weiter!

Dankeschön.

 

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