Ist das Theorie oder kann das weg?

Was ist das eigentlich, politische Theorie? Und wozu braucht man das? Das sind die Fragen mit denen wir uns in der heutigen Sitzung beschäftigt haben und die sicher immer mal wieder im Verlauf des Seminars mehr oder weniger prominent auftreten werden. Uns bleiben vor allem zwei wesentliche Erkenntnisse:

  1. Politische Theorie ist nicht eine Sache, es gibt eine breite Vielfalt an Herangehensweisen, Perspektiven und Ansätzen. Das heißt aber nicht, dass alles Nachdenken an sich schon politische Theorie ist. An politische Theorie  sind höhere Ansprüche hinsichtlich der internen Widerspruchsfreiheit, der diskursiven Verankerung im bisher bekannten und der argumentativen Stringenz zu stellen. Politische Theorie – sei sie analytisch, deskriptiv, normativ oder kritisch – ist mehr als nur eine abstrakte politische Meinung zu einer allgemeinen Frage.
  2. Politische Theorien erfüllen ganz unterschiedliche Funktionen:
    • Sie verweisen auf die Entwicklung einer Ordnung und oder Idee.
    • Sie beleuchten Probleme aus normativer Perspektive.
    • Sie beschreiben die Wirkungsbeziehungen innerhalb eines politischen Problemfeldes und tragen so zum Verständnis politischer Probleme bei.
    • Sie liefern klare Begriffe für politische Analysen.
    • Sie verweisen auf ihre eigene Begrenztheit und Zeitgebundenheit und damit auch auf die Möglichkeit einer ganz anderen Welt.
    • Sie bilden die Basis für unterschiedliche Formen von Kritik.

Wie in unserer Diskussion auch herauskam, ist damit politische Theorie zumindest implizit in allen Bereichen der Politikwissenschaft ein wesentlicher Bestandteil der wissenschaftlichen Analyse. Es lohnt sich zu lernen, wie man die theoretischen Grundlagen und Annahmen die hinter bestimmten Fragen stehen auch dann erkennt, wenn sie nicht explizit gemacht werden. Das ist ein Ziel unseres Seminars.

Tafelbild

In der kommenden Woche werden wir uns mit Niccoló Machiavelli beschäftigen. Machiavelli gibt aus zwei Gründen den Auftakt zu unserer Beschäftigung mit Menschenbildern der westlichen Moderne:

  1. Er prägt eine neuartige, wenn auch eben stark durch die Veränderungen seiner Zeit geprägte Sicht auf politische Zusammenhänge. Für ihn zählt das, was wirklich ist, und weniger das, was sein sollte.
  2. Sein Menschenbild ist demnach von empirischer Beobachtung geprägt und wird oftmals als negatives Menschenbild bezeichnet. Ob das so ist, können wir am kommenden Freitag diskutieren.

Als kleine Einführung in den Kontext des Textes lohnt sich folgendes Video – vor oder nach dem Lesen. Ich würde nicht alle Interpretationen teilen, aber im Grundsatz wird alles richtig dargestellt.

Weiterführende Literatur

Skinner, Quentin 2004: Nicholó Machiavelli. Zur Einführung. Hamburg: Junius.

Münkler, Herfried 2004: Niccoló Machialli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz. Frankfurt a.M.: S.Fischer .

3 Gedanken zu „Ist das Theorie oder kann das weg?“

    1. Lieber Joseph, das gehört als Kommentar wahrscheinlich eher woanders hin als unter diesen Beitrag und ich werde künftig in solchen Fällen bitten, den Kommentar an richtiger Stelle zu posten, zum Beispiel beim Seminarplan. Aber, um deine Frage zu beantworten, im Seminarplan sind alle Gruppen aufgeführt UND alle sollten eine e-mail mit weiteren Erläuterungen am Freitag erhalten haben. Beste Grüsse, Ulrike

  1. Gerade in der heutigen Zeit des Szientismus und Methodenoptimismus und einer weitestgehend empirischen Orientierung der Politikwissenschaft, ist es notwendig, den Bereich der politischen Theorie als eigenständigen Bereich zu verteidigen. Dies heißt keineswegs die politische Theorie aus den anderen Bereichen der Politikwissenschaft herauszuhalten, im Gegenteil sollte auch hier politische Theorie als Reflexionsmedium einen festen Platz finden, indem sie beispielsweise implizite Annahmen deutlich macht. Holger Zapf versucht mit seiner Definition von politischer Theorie normative, deskriptive und reflexive Momente zu verbinden. Das deskriptive empirische Moment der politischen Theorie wird meiner Meinung nach hierbei allerdings überbetont. Es ist für eine politische Philosphie oder Theorie wichtig, sich auch auf empirische Forschung zu beziehen, damit sie den Bezug zur Welt und ihre praktischen Ziele nicht verliert. Aber da die Politikwissenschaft hauptsächlich empirisch orientiert ist, bleibt für eine Grundlagenrefelxion, wie in den anderen Wissenschaften auch, nur wenig Raum. Die politische Theorie als eigenständiger Bereich kann als Reflexionsmedium die Politikwissenschaft von einem szientistischen Selbstmissverständnis bewahren.

Kommentare sind geschlossen.