Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Han

Die Feinheiten der niederländischen Kurz- und Kosenamen habe ich nie so richtig verstanden: Wie werden sie gebildet, wie werden sie benutzt, und warum hat der Kurzname oft kaum etwas mit dem Taufnamen zu tun?

In einem Fall habe ich das System allerdings doch durchschaut, nämlich bei unserer (jetzt ehemaligen – kaum zu glauben!) Kollegin Johanna Ridderbeekx. Wer sie kennt, spricht sie auf einer von drei Stufen der Vertrautheit an: Studierende und viele andere an der Universität sagen natürlich Frau Ridderbeekx. Den vollständigen Vornamen nutzen nach meiner Wahrnehmung nicht so viele – aber wer sie besser kennt, hat eine spezielle Ehre und darf sie Han nennen. Von Johanna zu Han, diesen Weg kann ich tatsächlich nachvollziehen. Macht schließlich Sinn, sich für die betonte Silbe zu entscheiden. Genauso wie unsere Kollegin ist auch das Wörtchen Han äußerst vielseitig.

Han in Belgien.

Meine erste Begegnung mit Han fand in Belgien statt. Nicht mit unserer Mitbloggerin, aber mit dem kleinen Städchen, das diesen Namen trägt: Han-sur-Lesse in den Ardennen. Dort liegen die grotten van Han, was selbstverständlich nichst Unanständiges ist, sondern einfach eine wirklich beeindruckende Tropfsteinhöhle. Dort habe ich einmal eine Führung miterlebt, auf Niederländisch mit einem herrlichen französischen Akzent. Han, also Johanna, also Frau Ridderbeekx hätte ihre Freude daran gehabt!

Han in China.

Han ist außerdem in den skandinavischen Sprachen das Pronomen der dritten Person Singular Maskulinum. Also Vorsicht vor Zweideutigkeiten! Der Satz „Han liker å blogge“ kann sich zum Beispiel auf unsere Kollegin beziehen („Han bloggt gern“) oder zum Beispiel auf mich („Er bloggt gern“). In China verbindet man den Begriff Han dagegen mit der größten ethnischen Gruppe im Land und mit der historischen Han-Dynastie. Keine Frage: Eine neue Han-Dynastie hat hier an der FU in den letzten Jahrzehnten einen Anfang genommen und wir werden uns bemühen, sie weiterleben zu lassen. Das könnte irgendwann zum Urheberrechtsstreit führen, denn mit dem Namen HAN schmückt sich auch die Hogeschool van Arnhem en Nijmegen, und das können wir unmöglich zulassen.

Han im Weltall.

Bis nach Ostasien oder an den Niederrhein muss man eigentlich gar nicht unbedingt gehen, denn in Berlin und Umgebung sieht man Han relativ oft im Straßenbild. Genauer gesagt: HAN. So heißt ein Tiefbauunternehmen, das auf Rohrleitungen spezialisiert ist. Wir vermeiden wieder jede anzügliche Assoziation, aber das Tiefgründige scheint allem zu eigen zu sein, das sich mit dem Namen Han schmücken darf.

Zugleich ist Han natürlich auch mit den Weiten des Weltalls verbunden. Wer Han Solo nicht kennt, kennt zumindest sein Gesicht, das nämlich Harrison Ford erstaunlich ähnlich sieht. Glücklicherweise ist die Freie Universität eine friedliche Umgebung, in der man ohne Laserschwert auskommt. Ob wir aber tatsächlich auf Dauer ohne Han, also Johanna, also Frau Ridderbeekx auskommen werden, das steht in den Sternen…

 

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 1. Mai 2018 um 00:20 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

2 Reaktionen zu “Han”

  1. JanZ

    Und dann tendieren Deutsche ja auch noch (wegen der in diesem Punkt inkonsequenten Rechtschreibung) dazu, den Namen „Han“ wie „Hahn“ auszusprechen, wie eine mir bekannte Niederländerin, deren Sohn so heißt, klagte. Jedenfalls sowohl an Frau Ridderbeekx als auch an die Niederlandistik alles Gute für die Zukunft :)!

  2. Henk Smout

    Turnvater Jahn, maar geen Duitser komt op het idee om Pohtsdahm te zeggen.

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