Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Dänische Miszellen IV

Woher die Zuiderzee ihren Namen hat, haben wir schon einmal geklärt: Sie liegt zwar für den größten Teil der Niederlande eigentlich im Norden, aber eben südlich der Nordsee. Die Nordsee heißt auch auf Niederländisch Noordzee, geographisch logisch. Man behauptet, den Namen hätten die Friesen geprägt, deren Siedlungsgebiet entlang der Küste die Blickrichtung bestimmte. Von da aus hat sich der Name auch dort festgesetzt, wo er etwas unsinnig ist: die North Sea ist aus Großbritannien gesehen im Osten; für Norwegen liegt Nordsjøen im Südwesten. Nur Dänemark schert aus der Reihe. Man spricht zwar auch von Nordsøen, mindestens ebenso verbreitet ist aber die Bezeichnung Vesterhavet: das Westmeer.

Auf Schwedisch ist Västerhavet enger begrenzt, nämlich auf Skagerrak und Kattegat – die beiden Meeresteile direkt westlich von Schweden, die Dänemark von der skandinavischen Halbinsel trennen. So sehr diese zwei Meerengen auch eine innerskandinavische Angelegenheit sein mögen, beide Namen sind ursprünglich niederländisch. Ein kattegat bezeichnet in der Seefahrt allgemein eine gefährliche Engstelle: ein Loch, durch das nur eine Katze durchschlüpfen kann. Inzwischen hat sich die Bezeichnung auf die Durchfahrt von der Nord- zur Ostsee beschränkt.

Am dänischen Westmeer. (PK)

Auch Skagerrak kommt aus der niederländischen Seefahrtssprache, kann aber genauso gut niederdeutsch sein. Ein rak ist eine (meist gerade) Fahrtstrecke eines Gewässers, in diesem Fall diejenige bei der Küstenstadt Skagen in Nordjütland. Ein anderes bekanntes Beispiel ist der Straßenzug Damrak in Amsterdam.

Die Seefahrt hat auch außerhalb der Landschaftsnamen in Dänemark Spuren hinterlassen. In der Stadt Ringkøbing an der Küste des Westmeeres weist eine Tafel auf einen traditionellen Bootstyp hin: die smakkejolle. Die Tafel erklärt: „Smak kommt aus dem Plattdeutschen und Holländischen und bezeichnet einen speziellen Segeltyp.“ Gemeint ist ein Segel, das man mit einem kräftigen Schwung wenden kann, mit einem smak eben. Aber ein Wort aus dem Plattdeutschen und Holländischen? Ausgeschlossen ist es nicht, dass die beiden nah verwandten Sprachen dasselbe Wort haben – oder dass das Wort so weit zurückgeht, dass man sowieso historisch nicht von klar getrennten Sprachen ausgehen kann.

Auch der Van Dale kennt übrigens den Begriff smak noch als eine Art Boot „van de vorm van een tjalk, met een gro­te en een klei­ne mast en zwaar­den.” Bei tjalk und zwaard im Bootsbau bin ich als Binnenlandkind mit der Übersetzung ins Deutsche endgültig überfordert.

Wer übrigens mehr niederländische Geschichte in Dänemark kennenlernen will, kann in der Ausgabe von VakTaal aus dem Dezember 2018 den Beitrag von Joost Robbe lesen: Auf der Insel Amager, auf die sich inzwischen die Stadt Kopenhagen ausgebreitet hat, findet man Spuren von Siedlern aus den Lage Landen – aber waren es Holländer, oder doch eher Flamen?

Dänische Miszellen III

Zu den faszinierenden kleinen Unterschieden zwischen Deutsch und Niederländisch gehört der Plural auf -eren, den das Deutsche nicht kennt. Als Ansammlung von gleich zwei Pluralendungen, die jeweils einzeln auf Deutsch durchaus bekannt sind, werden manche Substantive in der Mehrzahl so gebildet: blad – bladeren, kind – kinderen.

In den germanischen Sprachen kommen bei den Worten für Kind interessanterweise praktisch alle unterschiedlichen Möglichkeiten vor, die unsere Sprachfamilie überhaupt für Plurale zur Verfügung hat. Das Dänische hat dabei, ähnlich wie das Niederländische, eine Besonderheit auch gegenüber seinen direkt verwandten Nachbarsprachen (wie sonst nur die „altertümlichen“ Sprachen im Atlantik, nämlich Isländisch und Färöisch).

Sprache Singular Plural Verfahren
Deutsch Kind Kinder –er
Niederländisch kind kinderen -eren
Dänisch, Isländisch, Färöisch barn børn / börn Umlaut
Norwegisch, Schwedisch barn barn formgleich
Friesisch bern bern formgleich
Englisch child children -ren, Monophthong

Umlaute im Plural kennen wir auch im Deutschen (Ton – Töne), aber in der Regel mit einem zusätzlichen Pluralmorphem am Ende. Nur in manchen Dialekten spielt sich etwas anderes ab. Aus älteren Generationen meiner Familie vom Mittelrhein kenne ich beispielsweise noch den Plural mit Stammreduktion: das Kind – die Kinn.

Die Wurzel des Wortes für Kind ist übrigens eines der auffälligen Beispiele, bei denen sich das Friesische sowohl von Niederländisch als auch von Deutsch unterscheidet, und den skandinavischen Sprachen näher ist.

Aus Belgien kommen mir Beschwerden von Puristen zu Ohren, dass dort im Verkehrsfunk inzwischen immer wieder von wegwérkzaamheden die Rede sei. Mit Betonung auf werk statt auf weg. Nun ist Sprache natürlich immer eine Baustelle, und hier könnte sich eine Akzentverschiebung andeuten.

Normalerweise werden Komposita im Deutschen wie im Niederländischen auf dem ersten Element betont. Aber weg wirkt hier mit seinem kurzen Vokal und der einzelnen Silbe vielleicht zu sehr wie ein Präfix, das in solchen Fällen eher keine Betonung bekommt. Regelhaft ist das im Niederländischen wie im Dänischen – und anders als im Deutschen. Dort betonen wir gerne auch mal Präfixe, beispielsweise dann, wenn sie aus einer Präposition hervorgegangen ist:

opmerkzaam

opmerkzaamheid

opmærksom

opmærksomhed

aufmerksam

Aufmerksamkeit

overzichtelijk overskuelig übersichtlich
aantrekkelijk

aantrekkelijkheid*

anzüglich

Anzüglichkeit*

optrækkelig aufziehbar

*Die Bedeutung ist im Deutschen und Niederländischen nicht exakt identisch (aantrekkelijk wäre eher anziehend, attraktiv). Es geht bei diesem Beispiel also nur um die Struktur.

Dass wir im Deutschen selbst bei langen Wortbildungen wie Aufmerksamkeit mit zwei Ableitungen (-sam und -keit) den Akzent ganz nach vorne tragen, ist im Vergleich ziemlich ungewöhnlich. Das Niederländische ist sich hier mit dem Dänischen einig, dass man lieber die Betonung auf dem Kern lassen sollte – und zwar auch bei Lehnwörtern, denn opmærksom ist ausgerechnet aus dem Deutschen ins Dänische gekommen. (Ob das ebenso fürs Niederländische gilt oder ob es einfach eine Parallelbildung ist, ließ sich nicht nachprüfen, dazu sagt leider auch die Etymologiebank nichts.)

Oostig?

In diesen Tagen geht durch die Zeitungen und Feuilletons eine Debatte: Wer oder was ist eigentlich „ostdeutsch“? Zur umfassenden Identitätssuche gehört oft auch die Frage, ob es in der Sprache noch DDR-Erbe gibt.

Ob auf Dauer Kombinat oder die Kaufhalle überleben werden – wer weiß? Übersehen wird manchmal, dass auch die Wiedervereinigung selbst einen neuen Wortschatz geprägt hat, darunter den Wendehals oder die Treuhand. Zu den recht oft benutzten, aber wenig beachteten Neuerungen gehört ein Adjektiv: ostig.

Der Duden umschreibt das Wort mit „ostdeutsch [wirkend], (aus westdeutscher Sicht) für die DDR typisch“. Eingebaut ist also schon eine bestimmte Perspektive, oft auch eine Wertung. Als ostig gelten Dinge, die eher nicht für wertvoll, ästhetisch oder fortschrittlich gehalten werden. (Hier mehr Belege und eine gute Erläuterung.)

Im Van Dale gibt es keine niederländische Entsprechung für das Adjektiv; vielleicht ist es einfach zu spezifisch? Eine Übersetzung lässt sich schwer spontan erfinden. Oostijk oder oosterijk (sieht zu sehr aus wie Oostenrijk),vielleicht oostachtig? Auch auf das schon bestehende oostelijk kann man schwer zurückgreifen: Ich vermute, einen Satz wie Het behang in deze kamer ziet er erg oostelijk uit würden nur wenige verstehen oder sinnvoll finden.

Es wird nicht einfacher dadurch, dass sich die Adjektive mit Bezug zum Osten im Deutschen und Niederländischen teils überschneiden, aber nicht vollständig. Eine ungefähre Zuordnung könnte so aussehen:

oostelijk östlich
oosters östlich
? ostig

Oostelijk bezieht sich in erster Linie auf die Himmelsrichtung, also auf ein geographisches Kriterium. Wo Osten ist, ist immer relativ, je nach Standpunkt. Deshalb ist es merkwürdig,

Ziemlich ostig: die Sprelacart-Schrankwand im DDR-Museum Pirna. (F. Lehmann, CC-BY SA 4.0)

wenn etwas oostelijk aussehen soll. Oosters ist tendenziell stärker verbunden mit einem östlichen Kulturraum und an den Standpunkt (West)Europa geknüpft. Was oosters ist, liegt in Osteuropa oder sogar eher in Asien, im früher so genannten Orient oder kolonialhistorisch bisweilen auch in de Oost. Eine Tapete, die oosters aussieht, wirkt wie aus Asien oder dem Nahen Osten – jedenfalls nicht ostig.

Interessanterweise nennt der Van Dale bei beiden Wörtern als Alternative noch oriëntaal, etwa beim Beispiel de oostelijke uithoek van Azië. Ob man den östlichsten Rand Asiens ohne seltsame Blicke des Gegenübers auch de oriëntale uithoek van Azië nennen könnte, da habe ich meine Zweifel.

Das Gegenstück zu oosters ist westers, während oostelijk und westelijk einander gegenüberstehen. Die Bedeutungen verhalten sich in etwa parallel; auf Deutsch kennen wir auch hier nur westlich (oder im Höchstfall noch okzidental). Ein Gegenstück zu ostig gibt es dagegen nicht. Dabei könnte man typisch westdeutsch anmutende Erscheinungen ohne Probleme auch westig nennen. Mir würde dazu jede Menge einfallen: von Autobahnen zerschnittene Innenstädte, 3-stöckige Mehrfamilienhäuser mit alttürkisfarbenen Kacheln im Eingangsflur, insgesamt die Ästhetik ungefähr jeder durchschnittlichen Seitenstraße in Wilmersdorf.

Interessanterweise kennt das Deutsche sehr wohl Unterscheidungen bei Nord und Süd:

zuidelijk südlich
zuiders südländisch
noordelijk nördlich
noords nordisch

Nun hat südländisch inzwischen viele Konnotationen angehäuft, entweder ein halb romantisiertes und halb paternalistisches Bild von Lebensgefühl und Nichtstun im Mittelmeerraum, oder aber eine kaum verhüllte Chiffre für rassistische Umschreibungen von Menschen, die man nicht im Land haben möchte. Zumindest das erste Bündel von Konnotationen trifft auf zuiders auch zu. Das Wort sehen der Van Dale und Taaladvies übrigens als belgisch an; in den Niederlanden gibt es nur zuidelijk. Dass im Norden des Sprachgebiets ausgerechnet die Unterscheidung zuiders – zuidelijk nicht funktionieren soll, da wäre ich neugierig auf muttersprachliche Einschätzungen.

Und auch warum es im Niederländischen noords und nicht noorders heißt, darf mir gerne jemand erklären. Mit etwas Nordischem geht es jedenfalls demnächst weiter: In den Dänischen Miszellen III und IV, unter anderem mit der Nord- und Westsee.

Dänische Miszellen II

Bei Sonderburg fanden im deutsch-dänischen Krieg in den 1860er Jahren entscheidende Schlachten statt. Ein Erinnerungsort, der für das dänische Geschichtsbewusstsein äußert wichtig ist, liegt bei der Ortschaft Dybbøl: die Düppeler Schanzen. Düppel ist der deutsche Ortsname, der einigen an unserer Universität bekannt vorkommen dürfte. Im Triumph direkt nach dem Ende des Krieges benannten die Preußen ein Gut vor den Toren Berlins Düppel. Heute liegt es als Ortsteil von Zehlendorf innerhalb der Stadtgrenzen, nicht weit von unserer Universität, und ist unter anderem für das dortige Museumsdorf und das Tierklinikum der FU bekannt.

Gedenkstein für Appia und van de Velde in Dybbøl. (A. List, CC-BY SA 3.0)

In Dybbøl wiederum war ein wichtiger Niederländer aktiv: Charles van de Velde. Zusammen mit dem Schweizer Louis Appia gehörte er der allerersten Delegation des Roten Kreuzes an – eine Delegation von exakt zwei Mann –, die in einem Krieg als neutrale Beobachter vor Ort eingesetzt waren und insbesondere die Verpflegung der Verwundeten inspizierten. Van de Veldes Arbeit in Dänemark war ein Meilenstein bei der Gründung und Entwicklung des Roten Kreuzes.

Der Historiker Tom Buk-Swienty schrieb über van de Veldes Erfahrungen: „Die Dänen betrachteten diesen Mann, der vier Sprachen sprach, nämlich Französisch, Deutsch, Englisch und Niederländisch, aber kein Dänisch, mit Misstrauen.“* In einem Brief an Henri Dunant, den Mitgründer des Roten Kreuzes, schrieb wiederum van de Velde über die Dänen, sie ließen sich keine Ratschläge geben und seien verschlossen: „Sie haben eine deutliche Angst vor dem Fremden.“** Wenn man heute auf dem Weg nach Norden die Grenzkontrollen an der Autobahn sieht, könnte man fast ein paar historische Parallelen entdecken…

 

*Buk-Swienty, Tom. 2008. Slagtebænk Dybbøl: 18. april 1864. Historien om et slag. Kopenhagen: Gyldendal. (Quelle)

**idem.

Dänische Miszellen I

In diesem Winter hatte ich gleich zweimal das Vergnügen, Dänemark zu besuchen: Einmal im Urlaub und einmal zu einem Workshop der Kolleginnen und Kollegen an der Universität Aarhus, die zu einer spannenden Diskussionsrunde über Kreolsprachen eingeladen hatten. Viele Gelegenheiten um ein paar unfertige Gedanken über Dänisch, Niederländisch, Deutsch sowie dieses und jenes zu sammeln.

Dänemark und Dänisch heißt auf Niederländisch bekanntlich Denemarken und Deens, auf Dänisch Danmark und dansk. Simpel. Im Deutschen gibt es aber mindestens zwei Aussprachevarianten. Im Süden mit einem klaren [ɛ], im Norden eher mit [e] – dort, wo man auch zwischen säen und sehen keinen Unterscheid hört. Es überrascht wenig, dass auch das Niederländische ein geschlosseneres [e] hat. Und zwar eins, bei dem man auch grob Nord und Süd auseinanderhalten kann, einmal gerne mit Diphthongierung (Dejnemarke, manchmal auch mit Gooise R), einmal eher ohne. Im Dänischen hört man dagegen deutlich stärker ein [ɛ] (hier oder hier hörbar.)

Schloss Sonderburg. (PK)

Wie kommt es, dass südliches Deutsch und Dänisch im [ɛ] übereinstimmen, dazwischen aber das [e] liegt? Zufall, oder gibt es eine Erklärung? Jedenfalls schafft es nur das Afrikaans, sogar noch ein [i] unterzubringen.

Der Workshop fand in einem Gästehaus der Uni Aarhus statt, ganz im Süden von Dänemark in der Nähe von Sønderborg, das auf Deutsch Sonderburg heißt. Die Stadt ist sozusagen das Nassau des Nordens: Eine der Herkunftsstädte der Königshäuser von Dänemark und Norwegen, die der Familie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg entstammen. Wenn man die vielen Verknotungen des europäischen Hochadels kennt, dann verwundert es wenig, dass durch Heirat im 20. Jahrhundert auch eine Verbindung mit der belgischen Monarchie besteht.

Pech!

Nadat Matthias Hüning onze lezers zoveel geluk heeft toegewenst, hier nog een paar woorden over het aan het Duits ontleende PECH!

P.H. Schröder op de etymologiebank:

Het uiterlijk van het woord pech doet al vermoeden dat het van Duitse oorsprong is. In de achttiende eeuw was het een Duits studentenwoord voor: tegenslag [Rückschlag, Missgeschick – JR]. Uit de studententaal drong het de algemene spreektaal binnen en in de negentiende eeuw werd het in het Nederlands overgenomen. Het woord is hetzelfde als ons pek of pik. ‘Im Pech stecken’ is dus eigenlijk: aan iets blijven kleven, zoals aan pek. Thans zegt men in het Duits: Pech haben en in het Nederlands: pech hebben. Ook uit het Duits overgenomen is de samenstelling pechvogel, in letterlijke zin: vogel die aan de vogellijm blijft kleven en gevangen wordt.

Pech onderweg (Nationaal Archief, CC-Zero)

Pech onderweg is Panne unterwegsalleen al vanwege het rijm een veelgebruikte verontschuldiging voor telaatkomers.
En
met pech onderweg blijven steken betekent: mit einer Panne liegen bleiben. Voor pech langs de snel-weg (!) heeft de wegenwacht een een paar tips!

Onze zuiderburen kennen de uitdrukking: in panne vallen (mit Motorschaden) liegen bleiben. Zouden ze dat aan het Frans hebben ontleend?

De Duden geeft het antwoord: französisch panne, ursprünglich = das Steckenbleiben des Schauspielers, Herkunft ungeklärt.
Tevens wordt erop gewezen: Dieses Wort gehört zum Wortschatz des Goethe-Zertifikats B1.  ZO!

Wat leert ons de tweetalige Van Dale over de Duitse Panne?

im Examen Panne habenpech/tegenslag bij het examen hebben
der Motor hat eine Pannede motor heeft een defect
eine technische Panneeen technische storing

Maar ook ik wens u van harte een gelukkig 2019. Ne tombez pas en panne!

Viel Glück!

Das neue Jahr ist ja jetzt schon eine Woche alt, und in den vergangen Tagen haben wir uns vielfach gegenseitig ein glückliches neues Jahr gewünscht. Oder auf Niederländisch een gelukkig nieuwjaar.

Fortuna

Die Glücksgöttin Fortuna (Fortuna, Gemälde von Tadeusz Kuntze, 1754), Wikimedia

Nun ist es mit dem Glück so eine Sache. Man kann Glück haben und Glück empfinden. Wirklich glücklich ist man ja in der Regel nur im zweiten Fall, aber das Adjektiv kann auch entsprechend der ersten Bedeutung von Glück verwendet werden, z.B. in der Verbindung ein glücklicher Zufall. Für solche Zufälle und für das Glück haben ist Fortuna zuständig, um das Glücklichsein müssen wir uns aber selber kümmern.

Das Englische untescheidet hier bekanntermaßen zwischen lucky und happy. Luck ist das (zufällige) Zusammentreffen von günstigen Umständen; happiness dagegen ein Gefühl, ein angenehmer Gemütszustand. Das schließt einander zwar nicht aus, ist aber auch nicht dasselbe.

Glück hat viel mit Gelingen zu tun. Wenn etwas gut klappt, wenn einem etwas gut gelingt, dann kann das zu einem Glücksgefühl führen. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch sprachlich: dem deutschen gelingen entspricht das niederländische Verb gelukken, gerne auch in der verkürzten Form lukken. Und auch auf Deutsch sind wir meist zufrieden (und bestenfalls auch glücklich), wenn uns etwas glückt.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Ihnen vieles gelingt, was Sie sich für das neue Jahr vorgenommen haben. Viel Glück!

 

Gelukkig nieuwjaar!

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern einen angenehmen Oudejaarsavond (vielleicht ja sogar mit leckeren Oliebollen) und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Frische Oliebollen

Oliebollen zu Silvester
Foto: Teunie bei Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Das vergangene Jahr war für die Berliner Niederlandistik ein Jahr des Umbruchs. Zunächst hat uns im Frühjahr Johanna Ridderbeekx verlassen; sie ist in den Ruhestand gegangen. Glücklicherweise konnten wir unser Lektorat aber direkt neu besetzen, mit Truus De Wilde, der besten Niederländisch-Dozentin der Welt (diesen Titel teilt sie sich übrigens mit Johanna Ridderbeekx). Im September gab es dann gleich noch was zu feiern: die Promotion von Truus, zu der wir auch an dieser Stelle noch einmal gratulieren.

Die frei gewordene Mitarbeiterinnenstelle im Bereich der Niederländischen Sprachwissenschaft konnten wir zum Oktober mit Kristin Stöcker neu besetzen, die kurz zuvor an der FU den Masterstudiengang Sprachwissenschaft mit einer tollen sprachvergleichenden Masterarbeit abgeschlossen hatte.

Im Oktober hat auch Lea Schneider neu bei uns angefangen. Sie studiert ebenfalls den Masterstudiengang Sprachwissenschaft und ist jetzt studentische Hilfskraft am Arbeitsbereich.

Und auch unser Sekretariat musste neu besetzt werden. Es ist uns gelungen, dafür eine neue Sekretärin zu gewinnen, die bereits einige Erfahrung am Sprachenzentrum der FU mitgebracht hat. Elena Sottil hat zum 1. November bei uns angefangen, und es hat sich schon sehr schnell gezeigt, dass wir damit einen Glücksgriff getan haben!

Ich hoffe, dass das neue Jahr etwas ruhiger wird und dass wir in diesem Jahr ein paar neue Initiativen in Angriff nehmen können. Ich freue mich jedenfalls auf die Zusammenarbeit in der neuen Konstellation.

Unseren Leserinnen und Lesern wünsche ich im Namen aller MitarbeitInnen der FU-Niederlandistik einen wunderbaren Start ins neue Jahr. Möge 2019 für Sie und uns ein gutes Jahr werden.

Matthias Hüning

Flederhunde und holländische Tauben

Warum sollte man sich eigentlich mit Kreolsprachen beschäftigen? Gründe gibt es viele: Sie haben eine spannende (und oft tragische) Geschichte, sie haben interessante grammatische Strukturen zu bieten – und natürlich: man darf zu ihrer Erforschung in wunderschöne Länder reisen. Kürzlich fand wieder eine Kreolistik-Konferenz statt, nämlich auf den Seychellen.

Flughund. (PK)

Dort fiel mir als erstes auf, dass der Landesname im Deutschen ebenso wie im Niederländischen immer einen Artikel hat: die/de Seychellen. Auf Englisch liest man dagegen ganz oft einfach nur Seychelles. Das Land heißt offiziell Republic of Seychelles, man spricht von the government of Seychelles usw.

Auch im Deutschen gibt es die Tendenz, bei Ländernamen den Artikel immer häufiger wegzulassen. Dann sagt oder schreibt man in Iran statt im Iran und ähnliches. Die Formen mit Artikel wirken mit der Zeit etwas altbacken, in unterschiedlichen Stufen. Mir kommt der Jemen jedenfalls etwas ältlicher vor als der Iran. Auf Niederländisch braucht man sich darum keine Gedanken zu machen, denn hier gibt es bei all diesen Ländern gar keinen Artikel.

Aber bei Pluralen sind sich Deutsch und Niederländisch noch einig: Sie sind normalerweise nicht weglassbar. Das Englische verhält sich da etwas inkonsequent. Während die Seychellen ihren Artikel weitgehend verloren haben, haben The Bahamas ihren praktisch immer. Und man schreibt ihn sogar häufig groß, was noch stärkere Zugehörigkeit zum Namen signalisiert.

Aber zurück zu den Seychellen. Die Inselgruppe ist benannt nach dem französischen Adligen und Politiker Jean Moreau de Séchelles (noch ohne Y). Der war im 18. Jahrhundert zeitweise intendant von Flandern. Man hätte also eigentlich den Norden Belgiens genauso gut Seychellen nennen können, dann vielleicht eher im Singular bzw. ohne Artikel. Jedenfalls sind beides regenreiche Gegenden, die Inseln im Indischen Ozean haben zwischen den Regenschauern mehr Sonne statt Nebel.

Pizon olande. (PK)

Wenn man auf den Seychellen nicht nur die Sprache studiert, sondern auch die Natur, findet man interessante Tiere. Da wäre zunächst der Seychellen-Flughund. Der heißt auf Niederländisch vleerhond. Dass es sich irgendwie um Hunde handeln sollte, ist natürlich biologisch gesehen Unsinn, aber in beiden Sprachen gleich abwegig. Da sind wir also wieder im Bereich der Tiere, die nach anderen Tieren benannt sind. Der Wortanteil vleer- kommt natürlich auch im Deutschen vor, etwa bei der Fledermaus. Dahinter steckt der Flügel bzw. letztendlich das Flattern beim Fliegen.

Flattern kann auf den Seychellen nicht nur der Flughund, sondern auch die pizon olande. Mit etwas Konzentration erkennt man darin die französischen Wörter pigeon (Taube) und Hollande. Die holländische Taube kommt entgegen ihrem Namen nur auf den Seychellen vor und heißt auf Deutsch Paradies-Fruchttaube. Ihre niederländische Bezeichnung Seychelse blauwe duif ist etwas irreführend, denn den kreolischen Namen trägt die Taube nämlich wegen der Kombination von gleich drei Farben ihres Federkleids. Roter Kopf, der Körper oben weiß, unten bläulich: Ganz eindeutig die niederländische Flagge. Dass sie sich heimlich zum Koningsdag auch mal in Orange kleidet, konnte bisher aber noch nicht beobachtet werden.

Tierischer Zuwachs an der Rijksuniversiteit Groningen

von Aniko Schusterius

Würde Prof. Dr. Doerak eigene Seminare und Vorlesungen geben, stünden wohl Veranstaltungstitel wie „Die Entwicklung des Wollknäuels zwischen dem 19. und 21.Jahrhundert“ oder „How to stroke cats – The beginner course“ im Vorlesungsverzeichnis. So merkwürdig diese Studienthemen auch klingen, klar ist, dass kein Student diese Lehrveranstaltung verpassen wollen würde. Denn Doerak ist der Star an der Rijksuniversiteit in Groningen (RUG).

Doekan. (RUG/Facebook)

Mit seinen leuchtend gelben Augen beobachtet er genau, was auf die Leinwand vor ihm projiziert wird, während ihm ein Student über das weiß-braune Fell streicht. Der Kater hat einen eigenen Instagramaccount (@universitycat), der täglich gefüllt wird mit Bild- und Videomaterial der Studenten, die ihn auf dem Campus antreffen. Er spaziert durch die langen Flure der Gebäude, legt sich auf Tastaturen und Pulte und lässt sich ausgiebig knuddeln. Kein Wunder, dass sein Besitzer Ekko Ros ihn offiziell an der Universität einschreiben wollte. Seiner auf Instagram gestellten Anfrage wurde innerhalb von 24 Stunden stattgegeben. Seit November besitzt Prof. Dr. Doerak nun einen offiziellen RUGpas. Erst einmal nur für Studenten, aber wer weiß ob die Veterinärmedizin ihn nicht bald als Gastdozenten für eine Vortragsreihe einlädt.

Die RUG ist nicht die einzige Hochschule mit einem eigenen Haustier. Auf der ganzen Welt streunen Katzen und Kater durch die Hörsäle und Seminarräume. Die Saint Mary University in Kanada ist offizielles Terrain von Kater Carlton. Seinen Spitznamen „The littlest Hobo“ gaben ihm die Studenten, weil er immer nur wenige Minuten in einer Vorlesung verweilt. Sonst könnte man all die Leckerlies und Streicheleinheiten gar nicht an einem Tag schaffen. Auch Carlton hat einen eigenen Instagramaccount (@carlton_the_cat) und war bereits in den US-Medien präsent.

Carlton. (CBC News)

Schaut man die deutschen Universitäten an, hat sich der Trend zum Uni-Haustier noch nicht durchgesetzt. Die wenigen Exemplare sind dafür landesweit bekannt. Kater Pep machte 2015 Schlagzeilen als tierischer Student der Universität Regensburg. Seine Facebookseite hat rund 22.500 Likes und sein eigenes Buch „Pep, der Unikater – Wie ich das Leben der Menschen studierte“ erschien 2016 im Bastei Lübbe Verlag. Die Berühmtheit schien ihm jedoch zu viel geworden zu sein, denn kurz nach seinem Durchbruch in den Medien wurde Pep nicht mehr in der Bibliothek und auf dem Campus gesichtet.

Noch hat die Freie Universität (FU) kein eigenes Haustier. Für eine samtpfötigen oder einen bellenden Ehrenstudenten sprechen allerdings viele Gründe. Zum einen wirken Tiere im Hörsaal beruhigend und zugleich konzentrationsfördernd. Das gleichmäßige Streicheln von weichem Fell versetzt sowohl Tier als auch Student in eine ruhige Stimmung inmitten der stressigen Uni-Atmosphäre. Zum anderen hätte die FU im Konkurrenzkampf mit andere Hochschulen einen entscheidenden Vorteil. Denn neben dem Kultur- und Partyangebot einer Stadt zählt für angehende Studenten auch das soziale Umfeld. Einzig Allergiker wird das von einer Bewerbung abhalten, aber für die könnte man ja auch Fische anschaffen.