Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Amsterdam, Berlin, Windhoek – eine Analogie in der Werbesprache

von Henning Radke

Führen ähnliche Wortbildungsmuster in verschiedenen Sprachen zu parallelen Werbeausdrücken über die Sprachräume hinweg? Diesen Eindruck könnte man fast bekommen, wenn man sich das folgende Beispiel mit Bürger (Deutsch) bzw. burger (Niederländisch/Afrikaans) anschaut, das in allen drei Sprachen über eine auffallende phonetische Ähnlichkeit mit dem Fast-Food-Gericht Hamburger verfügt.

Wortwitz bringt Aufmerksamkeit – in Berlin gibt es nicht nur ein Burger-Restaurant.

Wie könnten Besitzer von Hamburger-Restaurants diese Ähnlichkeit nun mit einem treffenden Werbebegriff für sich nutzen? „Wer meisterhafte Hamburger will, der geht zum – Achtung Wortspiel – Burgermeister“, müssen sich einige da gedacht haben. Dieses Kompositum besticht aus Sicht der Werbesprache durch seine Doppeldeutigkeit: Erinnert es die geneigten Konsumenten nicht nur an die kulinarischen Qualitäten des Hamburgers, sondern lässt sie gleichzeitig auch an das Verwaltungsoberhaupt ihrer Stadt denken. Inhaltlich hat das eine mit dem anderen zwar wenig zu tun, aber einprägsam ist es auf jeden Fall und das zählt. Und so verwundert es nicht, dass es in Berlin-Kreuzberg bereits ein Restaurant mit dem Namen Burgermeister gibt. Guten Appetit!

In Amsterdam gibt es zwar drei ‚burgermeester‘, aber nur einen burgemeester.

Blickt man nun von Berlin nach Amsterdam, so finden sich dort gleich drei Restaurants mit dem klingenden Namen burgermeester, der den niederländischen Kunden dieselbe Assoziation entlockt wie sein Berliner Pendant. Auch im Niederländischen funktioniert die Logik der Doppeldeutigkeit durch Wortkomposition. Hier gibt es jedoch einen feinen Unterschied zum Deutschen. Das niederländische Stadtoberhaupt schreibt sich nämlich ohne <-r> und heißt burgemeester. Während sich der deutsche Begriff Bürgermeister von dem Wort Bürger ableitet, stammt das niederländische Pendant burgemeester laut Onze Taal von borg oder burg ab, womit eigentlich eine Stadt oder ein Stadtteil gemeint war. Die ursprüngliche Form lautete demnach borghmeester oder burchmeester, zu der später der Schwa-Laut [ə] als Fugenelement hinzukam. Doch selbst Onze Taal erkennt an, dass die Assoziation mit dem Wort burger nicht von der Hand zu weisen ist. Und so funktioniert das Wortspiel jenseits und diesseits der Ems-Dollart-Region wunderbar.

Eine andere Besonderheit ist der Wortakzent, der im Niederländischen auf der dritten Silbe liegt, wenn man vom Stadtoberhaupt spricht: burgemeester. Wie sollte man jetzt aber das Wortspiel burgermeester betonen? Geht es um den Meister der Hamburgerzubereitung? Dann würde der Wortakzent auf der ersten Silbe liegen. Oder möchte man bewusst die unfreiwillige Assoziation mit dem Verwaltungsoberhaupt einer Stadt beibehalten? Dann bliebe der Wortakzent faktisch auf der dritten Silbe. Eine kleine Stichprobe unter Muttersprachlern brachte hierzu keine eindeutigen Ergebnisse und so bleibt es wohl den Sprechern selbst überlassen, welche Form sie wählen. Dieses prosodische Dilemma gibt es übrigens nur im nördlichen Teil des niederländischen Sprachraumes, denn in Flandern kann man wie im Deutschen die erste Silbe betonen – egal ob burge(r)meester mit oder ohne <-r>.

Hier wäre dieser Artikel eigentlich zu Ende, gäbe es im südlichen Afrika nicht eine Schwestersprache des Niederländischen, die über parallele Wortbildungsmuster und ein ähnliches Lexikon verfügt: Afrikaans. Es verwundert also nicht, dass findige Werbetreibende auf denselben Einfall kamen und ihre Hamburger ebenfalls unter der Überschrift burgermeester anpreisen, wie ein Plakat aus Windhoek zeigt. Offiziell wird auch der Afrikaanse burgemeester ohne <-r> geschrieben; dieser Umstand ist laut Prof. Daan Wissing von der Noordwes-Universiteit jedoch kaum bekannt. In der Umgangssprache wird gewöhnlich ein <-r> mitgesprochen und der Wortakzent fällt oft auf die erste Silbe.

In Windhoek ist das Wort Teil einer Werbekampagne.

In dieser Hinsicht ähnelt die afrikaanse Variante des Wortes also eher der Deutschen. Das eingefügte <-r> im Wortspiel burgermeester erweckt bei vielen Lesern anders als im Niederländischen jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Das afrikaanse Beispiel ist besonders bemerkenswert, da ein Großteil namibischer Werbesprache auf Englisch gehalten ist. Im Falle von burge(r)meester ist es jedoch unübersetzbar und so erobert es gleich drei Sprachräume und verspricht dabei Qualität beim Burgeressen. Wie viele Kunden sich aufgrund dieses Wortspieles haben überzeugen lassen, ist übrigens nicht überliefert. Weder aus Namibia, noch aus Deutschland noch aus den Niederlanden.

 

Kurz erklärt: das Wortspiel auf Afrikaans (Simon Jacobs, Kapstadt)

 

Kurz erklärt: das Wortspiel auf Niederländisch (Maja Verburg, Amsterdam)

 

Mehr Gesichter in der Zeitung?

Von der Taalunie war längere Zeit in der Öffentlichkeit wenig zu hören. 😴 Vielleicht ganz gut so, denn die letzte große Debatte drehte sich vor allem um Kürzungen und Sparzwänge bei der Förderung der Niederlandistik im Ausland.

In den letzten Wochen hat nun Hans Bennis, der aktuelle Vorsitzende der Taalunie, wieder Schlagzeilen gemacht, aber mit einem weniger strengen Thema: Warum benutzt man eigentlich Smileys oder Emoticons nur in der informellen Online-Kommunikation? 🤔 Bestimmte Zeitungstexte könnten damit zum Beispiel verständlicher werden, wenn man Ironie besser markieren kann, erklärt er u.a. De Morgen in Belgien und Het Parool in den Niederlanden.

Die Zeitungen, um die es schließlich unmittelbar geht, haben darüber berichtet – und die Artikel dazu erst einmal hinter ihrer betaalmuur versteckt. 🤑 Eine richtig ausgefeilte Diskussion über den Vorschlag hat sich nicht entfaltet. Die beiden oben verlinkten Artikel sind übrigens identisch, von derselben Journalistin, es hätte also endlich wieder einmal eine niederländisch-flämische Sprachdiskussion daraus werden können. Denn man kann den Vorschlag durchaus ernsthaft diskutieren. Es haben sich im informellen Sprachgebrauch praktische Möglichkeiten für gelungene Kommunikation herausgebildet, bei der das Risiko für Missverständnisse abgemildert wird. Es wäre also eine Überlegung wert, ob man diese Möglichkeiten nicht auch woanders produktiv einsetzen kann.

In den Zeitungen waren die Beiträge aber leider nicht unbedingt tiefgreifend. Der Vorschlag wurde als Kuriosität dargestellt, nicht als ernstzunehmende Überlegung. Es werden munter Emoticons und Emojis durcheinander gebracht 🙄, die Taalunie reduziert auf „de organisatie achter het Groene Boekje“ (De Morgen) und die Frage gestellt: „Wat als we in officiële teksten voortaan een knipoog zouden gebruiken om aan te duiden dat we wat we schrijven niet letterlijk menen?”

Ja, was wenn? Dann, liebe Redaktion von De Morgen, dann wäre es höchstwahrscheinlich kein offizieller Text mehr. 😅 Denn in welchem Behördenbescheid, in welchem Bußgeldzettel oder welchem Schulzeugnis kommt Ironie vor? Oder die Notwendigkeit, Gefühlsregungen zu übermitteln? Das Charakteristikum offizieller Texte liegt gerade darin, dass sie unzweideutig sein sollen, Informationen nicht zwischen den Zeilen versteckt sind, dass man sie wörtlich und ernst nehmen soll.

Wenn schon in den Zeitungsredaktionen so wenig Verständnis herrscht für die Bandbreite von Textsorten und ihre Stilnuancen 🤯, dann ist der Vorschlag von Hans Bennis vielleicht nötiger als gedacht. Damit auch der oder die Letzte ohne Rückgriff auf die schwächliche Textkompetenz noch versteht, ob das Geschrieben ernst gemeint ist oder nicht. 😇

Integration bis ins Wohnzimmer

Vor einiger Zeit trötete die CSU in Deutschland wieder eine ihrer berühmten Provokationsforderungen in den Raum: In Migrantenfamilien solle gefälligst zuhause Deutsch gesprochen werden. Dass das sowohl für den Spracherwerb der Kinder als auch für die gesellschaftliche Anerkennung von Mehrsprachigkeit ziemlich unsinnig ist, kümmerte die Partei wenig.

Weniger plakativ, dafür ausgestattet mit ähnlich vielen unterschwelligen Annahmen, kommt nun der neue Integratierapport der flämischen Regierung daher. Dass dafür Liesbeth Homans (die Ministerin mit dem meterlangen Ressortnamen) von der N-VA verantwortlich ist, überrascht wenig. Wie sehr die Tageszeitung De Morgen Grundannahmen aus dieser politischen Richtung übernimmt – wahrscheinlich ohne es zu merken –, das überrascht schon mehr.

Auffällig ist zuerst einmal die Auswahl der Personen, die für den Bericht befragt wurden, nämlich „Vlamingen en Brusselaars van Belgische, Turkse, Marokkaanse, Poolse, Roemeense en Congolese origine“. Mit anderen Worten: Man vergleicht Menschen mit langer belgischer Familiengeschichte und solche aus sorgfältig ausgewählten Herkunftsländern. Migration zum Beispiel aus den Nachbarländern, aus West- und Südeuropa kommt in dem Bericht nicht vor. Bei wem man „Integration“ überhaupt beurteilen muss, ist damit klar.

Ein Kennwert, für den man sich De Morgen und die flämische Regierung besonders interessieren, ist genau die alte CSU-Forderung: Wird in den Familien zuhause Niederländisch gesprochen? Die Zahlen für die verschiedenen Herkunftsgruppen werden nicht nur genannt, sondern auch bewertet. In Familien mit rumänischem Hintergrund wird zuhause beispielsweise wenig Niederländisch gesprochen – dagegen: „Turkse en Marokkaanse Vlamingen doen het een pak beter.“

Wie hinter diesen Fenstern und Türen in Brügge gesprochen wird, will die N-VA unbedingt wissen. (CEphoto, U. Aranas, CC-BY-SA-3.0)

Warum das besser ist, bleibt das Geheimnis der Redaktion. Aus Sicht der Mehrsprachigkeitsforschung ist das keineswegs unbedingt wünschenswert. Wichtig ist vor allem, dass Eltern und Kinder viel, ungezwungen und konstruktiv miteinander sprechen, egal in welcher Sprache. Und die Familie ist der wichtigste Ort, an dem die Herkunftssprachen weitergegeben werden, so dass Mehrsprachigkeit überhaupt wachsen kann.

Aus dem knappen Sätzlein in der Zeitung wird eine ziemlich harte Sichtweise deutlich: Ein gut integrierter Migrant ist der, der sich auch in den eigenen vier Wänden an die umgebende Gesellschaft anpasst. Letztendlich steht die Erwartung im Raum, die Herkunftssprache aufzugeben oder zumindest das Niederländische als weitere Familiensprache anzunehmen – ob das nun für die Kommunikation in der Familie natürlich ist oder nicht.

Warum man überhaupt diese Frage in einer Untersuchung zur Integration stellen muss, bleibt das Geheimnis der flämischen Regierung. Und die Zeitung stellt sich offenbar auch keine Fragen zu den Hintergründen dieses Kriteriums. Sie übernimmt die Angaben einfach als eine Art der Information, mit der sich Integration messen lassen soll.

Wie die „ur-belgische“ Vergleichsgruppe genau aussieht, auch darüber lässt uns die Zeitung im Unklaren. Über das Sprachverhalten von Frankophonen in Flandern oder umgekehrt erfahren wir nichts. Einerseits gut, weil damit ein Stück Fixierung auf das Zweierverhältnis wegfällt. Andererseits gar nicht gut, weil die Obsession mit Migration in Flandern langsam anstelle des innerbelgischen Konflikts zu treten scheint.

Han

Die Feinheiten der niederländischen Kurz- und Kosenamen habe ich nie so richtig verstanden: Wie werden sie gebildet, wie werden sie benutzt, und warum hat der Kurzname oft kaum etwas mit dem Taufnamen zu tun?

In einem Fall habe ich das System allerdings doch durchschaut, nämlich bei unserer (jetzt ehemaligen – kaum zu glauben!) Kollegin Johanna Ridderbeekx. Wer sie kennt, spricht sie auf einer von drei Stufen der Vertrautheit an: Studierende und viele andere an der Universität sagen natürlich Frau Ridderbeekx. Den vollständigen Vornamen nutzen nach meiner Wahrnehmung nicht so viele – aber wer sie besser kennt, hat eine spezielle Ehre und darf sie Han nennen. Von Johanna zu Han, diesen Weg kann ich tatsächlich nachvollziehen. Macht schließlich Sinn, sich für die betonte Silbe zu entscheiden. Genauso wie unsere Kollegin ist auch das Wörtchen Han äußerst vielseitig.

Han in Belgien.

Meine erste Begegnung mit Han fand in Belgien statt. Nicht mit unserer Mitbloggerin, aber mit dem kleinen Städchen, das diesen Namen trägt: Han-sur-Lesse in den Ardennen. Dort liegen die grotten van Han, was selbstverständlich nichst Unanständiges ist, sondern einfach eine wirklich beeindruckende Tropfsteinhöhle. Dort habe ich einmal eine Führung miterlebt, auf Niederländisch mit einem herrlichen französischen Akzent. Han, also Johanna, also Frau Ridderbeekx hätte ihre Freude daran gehabt!

Han in China.

Han ist außerdem in den skandinavischen Sprachen das Pronomen der dritten Person Singular Maskulinum. Also Vorsicht vor Zweideutigkeiten! Der Satz „Han liker å blogge“ kann sich zum Beispiel auf unsere Kollegin beziehen („Han bloggt gern“) oder zum Beispiel auf mich („Er bloggt gern“). In China verbindet man den Begriff Han dagegen mit der größten ethnischen Gruppe im Land und mit der historischen Han-Dynastie. Keine Frage: Eine neue Han-Dynastie hat hier an der FU in den letzten Jahrzehnten einen Anfang genommen und wir werden uns bemühen, sie weiterleben zu lassen. Das könnte irgendwann zum Urheberrechtsstreit führen, denn mit dem Namen HAN schmückt sich auch die Hogeschool van Arnhem en Nijmegen, und das können wir unmöglich zulassen.

Han im Weltall.

Bis nach Ostasien oder an den Niederrhein muss man eigentlich gar nicht unbedingt gehen, denn in Berlin und Umgebung sieht man Han relativ oft im Straßenbild. Genauer gesagt: HAN. So heißt ein Tiefbauunternehmen, das auf Rohrleitungen spezialisiert ist. Wir vermeiden wieder jede anzügliche Assoziation, aber das Tiefgründige scheint allem zu eigen zu sein, das sich mit dem Namen Han schmücken darf.

Zugleich ist Han natürlich auch mit den Weiten des Weltalls verbunden. Wer Han Solo nicht kennt, kennt zumindest sein Gesicht, das nämlich Harrison Ford erstaunlich ähnlich sieht. Glücklicherweise ist die Freie Universität eine friedliche Umgebung, in der man ohne Laserschwert auskommt. Ob wir aber tatsächlich auf Dauer ohne Han, also Johanna, also Frau Ridderbeekx auskommen werden, das steht in den Sternen…

 

„Niets bestaat dat niet iets anders aanraakt“ (J. Brouwers)

Kapitein Haddock + Jeroen Brouwers (M.Hendryckx, PD-self)

 

Vandaag is het 30 april en Jeroen Brouwers, groot schrijver en in 1940 in Batavia (tegenwoordig: Jakarta) geboren, wordt 78.

VAN HARTE GEFELICITEERD!

 

En ik?
Ik ben nog lang niet jarig! (Geburtstag haben / Probleme haben).

 

Vandaag is mijn laatste werkdag.
Mijn laatste blogbijdrage? Wie zal het zeggen – misschien mag ik nog wel eens een gastbijdrage schrijven…

Hartelijk dank voor uw interesse!
Ik hoop dat mijn enthousiasme voor taal, voor idiomatische uitdrukkingen, voor variatie en voor de geschiedenis, kunst en literatuur van het taalgebied een beetje is overgekomen, al waren de bijdrages niet altijd even interessant en correct.

Belgienluft

Über Belgiens Himmel tut sich was. Die altehrwürdige Sabena ist lange Geschichte. Seit es die Société Anonyme Belge d‘Exploitation de la Navigation Aérienne nicht mehr gibt, spricht der Luftraum über Flandern und Wallonien Englisch, mit Brussels Airlines am Brussels Airport. Und neuerdings mit Air Belgium. Die neue Fluggesellschaft sollte eigentlich Ende April starten, mit einer Direktverbindung nach Hongkong. Leider hat das Unternehmen bisher keine Überflugrechte für den russischen Luftraum und musste deshalb den Erstflug verschieben.

Dynamische Trikolore. (MisterQ, CC-BY-SA 4.0)

Bei ihrem Namen war die neue Fluggesellschaft wenig phantasievoll. Die Kombination Air + X gibt es hunderfach. Strukturell ist sie etwas wunderlich: Ist Air + X eigentlich ein Kompositum? Und wenn ja, hat es wirklich einen Kopf, bzw. woraus setzt es sich zusammen? Angenommen, Air steht kurz für Airline und der Zusatz soll näher bezeichnen, woher die Fluglinie kommt oder wer sie betreibt. Dann wäre für das Englische die Reihenfolge relativ ungewöhnlich. Wir hätten es dann mit der Fluglinie Belgien zu tun, nicht mit der Belgien-Fluglinie. Belgium Air wäre also die morphologisch naheliegendere Wahl, und die Form X + Air wird natürlich von anderen Fluggesellschaften auch häufig gewählt. Aber die umgekehrte Variante Air + X gibt es eben auch zuhauf. Noch ist uns Air Berlin in relativ frischer Erinnerung.

Anders als bei Brussels Airlines kommt jetzt jedenfalls bei Air Belgium wieder der Landesname zur Ehre (eine Air Belgium gab es auch früher schon einmal). Auch in der Farbgebung und beim Logo gibt man sich föderal bis royal. Mit der neuen Verbindung könnte es zumindest am Boden wieder etwas frankophoner zugehen, denn die Flüge starten und landen nicht in Zaventem, sondern in Charleroi, das im Flugtourismus großzügig „Brüssel-Süd“ heißt.

Im Detail scheint die Fluggesellschaft aber noch ein wenig Nachhilfe in Sprachfragen zu brauchen. Sie bietet ihre Webseite zwar unter anderem auch auf Deutsch an und vernachlässigt damit nicht die dritte Landessprache. Bei den Informationen über Brüssel schlägt man dann aber ein wenig über die Stränge und erklärt alle drei Sprachen sogleich auch zu offiziellen Sprachen der Hauptstadt – also Französisch, Deutsch und… Flämisch (nicht Niederländisch). Immerhin wird der Fehler konsequent in allen Sprachfassungen der Internetseite durchgehalten.

Ob man in Charleroi künftig mehr Kantonesisch in den Straßen hören wird? Warten wir’s ab – vorausgesetzt, die Sache mit Russland klärt sich bald.

Springer

In het Duits is een Springer een paard – in het schaakspel tenminste.

In Nederland springt een springer: bijvoorbeeld van NL naar Nieuw Guinea. Het westelijke deel van dit eiland maakte tot 1962 deel uit van het Koninkrijk. Daarheen trok Carel Jan Schneider (1932-2011) als bestuursambtenaar (trad als het ware in Multatuli’s voetsporen). In 1962 verscheen zijn roman „Bericht uit Hollandia“ onder het pseudoniem F. Springer.

© JR

In de jaren 60 bezocht ik het gymnasium en leerde in de Duitse les een andere Schneider kennen: de auteur van het boek „Deutscher Wortschatz“ was Carel Jans vader.

„Ich habe schon recht früh viele Grausamkeiten gesehen“, zei Carel Jan Schneider in dit interview met Tagesspiegel-medewerker Rolf Brockschmidt (oud-student).

Geboren in 1932 in Batavia, bracht hij tijdens de Tweede Wereldoorlog een tijd in een Japans interneringskamp (Jappenkamp) door; zijn vader Jan Schneider was dwangarbeider bij de Birma-spoorlijn.

In 1967 kwam ik in ’s-Hertogenbosch op de Jeroen-Bosch-tentoonstelling Eric Schneider (acteur en broer) tegen. Hij had echter geen tijd, laat staan (geschweige denn) belangstelling, voor een puber die een handtekening wil. Maar Eric Schneider heeft een paar foto’s van zijn ouders en broers in het net geplaatst: Schneiders familiealbum.

Carel Jan Schneider (F. Springer), op diplomatieke posten in Angola (Quissama), in Iran (Teheran, een zwanezang), werd ambassadeur in Berlijn (1985 – 1989); en daar was ik intussen ook beland: hij in de hoofdstad van de DDR, ik in de Amerikaanse sector van Berlijn-West, aan de FU.
En daar, aan de FU, kwamen we elkaar tegen, mede dankzij gastdocent Wiel Kusters.
Quadriga is de titel van F. Springers roman die zich in Berlijn afspeelt.

Spargelsuffix

Heute beginnt trotz des langen Winters pünktlich die Spargelsaison. Ein guter Anlass, über Morphologie nachzudenken. Morphologie kennt man auch in der Biologie: der Aufbau, die Zusammensetzung, die Anatomie von Organismen fällt darunter.

Nun kann ich wenig über die biologische Morphologie des Spargels sagen, über die linguistische dagegen wohl. Wahrscheinlich sind die Namen der einzelnen Sorten von Spargel nur Kennern geläufig. Die verbreitetste Sorte, in Deutschland und auch woanders, ist der Gijnlim. Daneben gibt es weitere Sorten wie etwa den Aspalim, den Maxilim oder den Vitalim. Offenbar müssen Spargelsorten also auf –lim enden. Das ist natürlich kein zauberhaftes historisches Sprachgesetz, sondern eine menschengemachte Regel.

Vielleicht auch verschiedene Sorten auf -lim? (Aceera BV, CC-BY-SA 3.0)

Wie so oft in der kommerziellen Landwirtschaft stammen die meisten Spargelsorten, die zum Anbau gezüchtet und als Samen oder Setzlinge verkauft werden, von demselben Anbieter. Die Limgroup in den Niederlanden ist anscheinend Marktführer oder zumindest sehr einflussreich, und zur Markenbildung benennt sie alle eigenen Sorten mit Formen auf –lim.

Das Unternehmen ging hervor aus den Proeftuinen Noord-Limburg, also einem landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb. Daraus gründete man das Unternehmen Asparagus B.V. und laut Webseite der Firma benannte man es dann um – wegen der zunehmenden internationalen Aktivitäten. Latein war also offenbar nicht international genug.

Ein Konkurrenzunternehmen ist die Südwestdeutsche Saatzucht. Deren Spargelsorten heißen zum Beispiel Ramada, Raffaello oder Ravel. Das Kriterium ist hier wohl eher phonologisch als morphologisch, jedenfalls muss offenbar ein Ra- vorkommen. Vermutlich weil das Unternehmen in Rastatt sitzt.

Damit sind erst einmal alle Geheimnisse rund um die Sprachstrukturen von Spargelsorten geklärt. Eine Frage bleibt offen: Wenn die meisten Sorten aus Limburg kommen, warum isst man sie dann mit sauce hollandaise?

„Kijk, daar was het café waar ik met Henny had afgesproken“

Een herinnering uit het professorenloze tijdperk (1985-1988)…

In mijn boekenkast staat een werk met de persoonlijke opdracht:

Berlijn, opnieuw, revisited – 1921-1986: de „erlebte Geschichte“ herbeleefd in een lange vierdaagse mars door de Berlijnsche instituten – dankzij jouw initiatief. Arthur Lehning

Eredoctoraat van de Amsterdamse Universiteit (Anefo, CC-BY-SA-3.0)

Paul Arthur Müller-Lehning (Utrecht, 23 oktober 1899 – Lys-Saint-Georges, 1 januari 2000), zoon van Duitse ouders, was een Nederlandse anarchist, publicist en vertaler.

In de jaren 20 studeerde hij in Berlijn. Hij was de oprichter van het tijdschrift Internationale revue i10 waarin de avantgarde van die tijd, schrijvers en kunstenaars als Kurt Schwitters, László Moholy-Nagy, Piet Mondriaan, Gerrit Rietveld, Joris Ivens, Jan Romein, Wassily Kandinsky, Menno ter Braak, Ernst Bloch en Walter Benjamin, publiceerden.

In 1936 was hij in Spanje aan de kant van de republikeinen te vinden. In Indonesië richtte hij op verzoek van de regering in 1952 een bibliotheek voor politieke en sociale wetenschappen op.
Van 1961 tot 1981 gaf Lehning in opdracht van het IISG (Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis) de Archives Bakounine uit: de belangrijkste werken van Michail Alexandrovitsj Bakoenin.

Arthur Lehning hield in mei 1986 in Hörsaal 1A (Rostlaube) voor neerlandici en germanisten een bijzonder goed bezochte voordracht over zijn ervaringen.

Ik denk eveneens graag terug aan onze uitstap (Wiljan van den Akker was er ook bij) in mei 1986 naar Oost-Berlijn: met de S-Bahn naar Friedrichstraße, een doolhof van controles, „entree“ betalen… (als ik me goed herinner: 25 DM) – en vervolgens wandelden we vandaar naar Unter den Linden.

Op de hoek Friedrichstraße/Unter den Linden bleef Arthur Lehning staan, greep mijn arm en wees naar rechts:

Kijk, daar was het café waar ik met Henny had afgesproken!“

Henny was zijn vriend, de dichter Hendrik Marsman.

Zerbröckelung durch schwebende Wähler

Wichtige Ereignisse gab es in den letzten Wochen genug: Korea zwischen Versöhnung und Atombombe, USA zwischen Strafzöllen und Schulschießereien. Hier und da eine Schlagzeile wert waren trotzdem auch die Kommunalwahlen in den Niederlanden.

Nicht weil es uns in Deutschland so enorm beeinflusst, wer Bürgermeister von Delfzijl oder Terneuzen ist. Sondern weil das Wahlverhalten bei unseren Nachbarn oft als Trend für die Entwicklung in anderen Ländern Europas gedeutet wird. Vom Aufschwung der Rechtspopulisten bis zum Niedergang der Sozialdemokratie: Was nebenan passiert, kommt irgendwann auch bei uns an.

Die Lokalpolitik war auch 2012 schon ziemlich bunt. (Bouke, CC-BY-SA 3.0)

Was stellen wir also bei den Kommunalwahlen fest? Nun, zunächst einmal die Bedeutung des zwevende kiezer. Der ist auf Deutsch ein Wechselwähler, also jemand, der nicht dauerhaft auf eine Partei festgelegt ist. Dadurch werden die Umfragen weniger zuverlässig und die Wahlen im besten Falle etwas spannender. Auf Niederländisch schweben die Wahlberechtigten in diesem Fall über den Parteien, um sich am Wahltag mehr oder weniger spontan bei einer Partei niederzulassen – und für die folgende Wahl sogleich wieder weiter zu schweben zur nächsten Partei. Auf Englisch spricht man ähnlich vom floating voter oder auch vom swing vote, der mit seiner Schaukelbewegung eher nur in einem Zwei-Parteien-System sinnvoll klingt.

Die Niederlande sind nun aber gerade das Gegenteil eines Zwei-Parteien-Systems. Denn der zunehmende Trend heißt verbrokkeling und das Resultat davon ist bunt. Das Zerbröckeln (mit ver- statt zer-, das kennen wir schon) betrifft die politische Landschaft insgesamt und besonders die Gemeinderäte: Viele kleine Parteien sind mit wenigen Sitzen vertreten und es müssen sich Bündnisse mit sieben, acht, neun Parteien zusammenfinden, um überhaupt eine Mehrheit zu bekommen. Auf Deutsch spricht man eher von Zersplitterung, und parallel dazu kommt auch versplintering auf Niederländisch vor. Kommt eine Mehrheit zustande, können die beteiligten Parteien ein college van B en W bilden: das gemeinsame Gremium von Bürgermeister/in und Beigeordneten.

Damit keine Missverständnisse aufkommen, weil schon seit Wochen Semesterferien sind: Ein college ist in diesem Fall ein Rat, kein Universitätsseminar. Deshalb ist ein afspiegelingscollege keine selbstsüchtige Lehrveranstaltung, sondern eine Sonderform der Gemeindeverwaltung: Die Gruppe aus Bürgermeister und Beigeordneten ist proportional zusammengesetzt nach den stärksten Parteien, ähnlich wie die Regierung in der Schweiz, und nicht nach verhandelten Koalitionen. Das wiederum ist kein Trend, der erst später aus den Niederlanden zu uns kommen wird: Die Berliner Bezirksämter funktionieren schon lange so.