Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

In 30 Tagen durch die Niederlande

Von Aniko Schusterius

Das Studium in den Niederlanden, gleich welchen Faches, ist eine Herausforderung für deutsche Studierende. Hohe Ansprüche und strenge Noten lassen neben dem Uni-Alltag nicht viel Freizeit übrig. Schon vor meinem Auslandssemester in Groningen spielte ich mit dem Gedanken, eine Rundreise durch das „Platteland“ zu machen. Land, Leute und Kultur kennenzulernen war mir besonders wichtig. Nach vier Wochen im neuen Studiensystem musste ich feststellen, dass eine Erkundung der umliegenden Provinzen nicht während des Semesters möglich sein würde. Der daraus folgende Zeitpunkt meiner Städtetour im Juli hätte nicht besser sein können.

Zum Beginn meiner Reise stiegen die Temperaturen in den Niederlanden und egal wohin ich kam, die Einheimischen erzählten mir, dass es bei ihnen sonst immer regnen würde. Der strahlende Sonnenschein motivierte mich auf der Insel Texel, meinem ersten Zwischenstopp, zu einem Surfkurs. Wer glaubt, dass man für ordentliche Wellen andere Kontinente bereisen muss, liegt falsch. Neben wunderschönen Stränden bietet Texel tolle Radwege entlang an endlosen Landschaften aus grünen Feldern. Und hier und da grasen Schafe blökend vor sich hin.

Käsemarkt in Alkmaar.

Mit der Sonne im Gepäck fuhr ich weiter nach Alkmaar. Mit dem Zug lassen sich Entfernungen in den Niederlanden günstig und schnell zurücklegen. Drei Tage in der Käsestadt ermöglichten es mir, den berühmten Käsemarkt zu besuchen, der jeden Freitagmorgen auf dem Marktplatz veranstaltet wird. Heute nur noch eine Touristenattraktion, verschafft er den Besuchern Eindrücke über den einstigen Umschlagplatz langer Reihen von Käserädern. Sehr schön ist auch die Aussicht vom Kirchendach der Sint-Laurenskerk. Zum 800. Jubiläum lautet hier das Motto: Klim naar de Hemel. Ich erinnere mich zu gern an die nette Dame im Museum, die einfach nicht fassen konnte, dass Niederländische Philologie tatsächlich ein Studienfach in Deutschland ist.

Die Reiseroute. (Bonuspunkte für alle, die den Fehler in der Karte finden!)

Die älteste Universität der Niederlande befindet sich in Leiden. Nicht nur der Hortus Botanicus (Botanischer Garten), auch die zahlreichen Museen sind einen Besuch wert. Sie bieten bei 30 Grad Außentemperatur angenehme Abkühlung. Zu den interessantesten gehören für mich das Rijksmuseum Boerhaave und das Volkenkunde Museum. Der Tipp meiner Sprachlehrerin, eine Museumskaart während meines Erasmusaufenthaltes zu erwerben, erwies sich als goldrichtig. Für eine einmalige Gebühr von 60 Euro gelangt man ein Jahr lang gratis in über 400 Museen, Galerien und Ausstellungsräume in den ganzen Niederlanden. Schon nach fünf Besuchen hatte ich den Geldwert wieder zurück.

Tweede Kamer in Den Haag.

Die perfekte Mischung aus Großstadt und Küste bietet Den Haag. Mit seiner Architektur aus modernen und historischen Gebäuden, den politischen Institutionen, großen Parkanlagen und der langen Strandpromenade sechs Kilometer vom Zentrum entfernt, ist es eine meiner Lieblingsstädte geworden. Ich habe an einer Führung durch das Vredespaleis (Sitz des Internationalen Gerichtshofes, Schiedshofes, Haager Akademie für Völkerrecht) und den Binnenhof (Sitz des Niederländischen Parlaments) teilgenommen. Beides war sehr interessant und informativ gestaltet. Für Kunstliebhaber ist zudem das Mauritshuis ein Muss. Das berühmte Mädchen mit dem Perlenohrring von Vermeer hatte ich mir allerdings viel größer vorgestellt.

Nur 20 Zugminuten entfernt von Den Haag liegt die kleine Stadt Delft. Auch wenn sie bei meinem kurzen Aufenthalt etwas verschlafen wirkte, birgt sie doch ein kleines Wunder in sich. Am Fluss De Vliet liegt die bekannte Töpferei De Delftse Pauw. Das blau-weiße Porzellan ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt und konkurriert mit der deutschen Manufaktur in Meißen. Die Kombination aus Fabrik und Museum ermöglicht es, bei der Produktion zuzusehen, die bis heute per Hand geschieht.

Sechster Halt meiner Rundreise: Rotterdam. Hier erlebte ich einen kleinen Kulturschock. Enge Straßen, schmale Grachten und niedrige Fachwerkhäuser findet man nicht. Durch den zweiten Weltkrieg schwer zerstört, ist Rotterdam heute für seine moderne Architektur bekannt. Wie ein typischer Tourist betrachtete ich die Erasmusbrücke und fuhr mit dem Speedboot durch den großen Hafen. Ich fragte mich auch, wie man die Wohnungen in den Kubushäusern wohl einrichtete und stieß fast mit einem Passanten zusammen, nachdem ich minutenlang die Decke der Markthalle durch die Linse meiner Kamera angestarrt hatte. Rotterdam bietet dem Besucher alles, was das Großstädterherz begehrt, nur keine Ruhe. Selbst die Aussicht vom Euromast Tower auf die Stadt herunter hat etwas Hektisches an sich. Touristengruppen schieben sich über die Plattform von Norden nach Süden und Osten nach Westen.

Im Nijntje-Museum.

In Utrecht lernte ich gleich zu Beginn, das mein Kindheitsheld, das Häschen Miffi, eigentlich Nijntje heißt. Sogar ein kleiner Platz in einer Wohngegend Utrechts wurde nach ihr benannt. Bei einem Spaziergang entlang der Grachten taucht Nijntje immer wieder in Form von kleinen Statuen auf, mal in schlichter Bronze, dann wieder bunt gestaltet. In Utrecht bietet es sich zudem an, bei schönem Wetter ein Motorboot zu mieten und die Stadt vom Wasser aus zu betrachten. Den größeren Nervenkitzel fand ich bei einem Tagesausflug zum Efteling Erlebnispark südlich von Utrecht in Tilburg. Achterbahnen, Zuckerwatte und ein musikalisch unterlegtes Wasserspektakel am Abend versetzten mich ein Stück weit zurück in meine Kindheit.

In Nijmegen war ich besonders froh über meine kühle Ferienwohnung im Souterrain. Die Temperaturen stiegen in der dritten Woche meiner Rundreise auf über 30 Grad. Das Wetter hielt mich trotzdem nicht davon ab, die Stadt zu erkunden und im Valkhof Museum mehr über ihre römische Vergangenheit zu erfahren. Mit einem Eis in der Hand ließ es sich danach zwischen den Bäumen im Kronenburgerpark wunderbar entspannen.

Street Art in Eindhoven.

Der vorletzte Stop auf meiner Reise war Eindhoven. Für mich ein kleines Rotterdam. Als Standort der Philips-Werke wurde es von den Alliierten im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert und erst Stück für Stück wiederaufgebaut. Die Modernität des Design- und Technologiezentrums der Niederlande spiegelt sich in den Gebäuden wie dem Evoloun, dem Vesteda Tower oder dem Blob wieder. Aber auch Streetart und viele begrünte Wohnanlagen lassen sich in den Seitenstraßen entdecken. Das Van Abbemuseum gibt einen Eindruck über die aktuelle Kunst- und Designszene in den Niederlanden und im internationalen Kontext. Besonders nett sind dort die rotbehemdeten Guides, die in jedem Raum angesprochen werden können, um mehr über die Ausstellungsstücke zu erfahren.

Buchhandlung in Maastricht.

Endstation meiner Reise wählte ich Maastricht. In der Hauptstadt der Provinz Limburg kam ich oft in die Situation, dass ich nicht erraten konnte, ob mein Gegenüber Deutscher oder Niederländer war, denn der Dialekt der Einheimischen kam der deutschen Sprache sehr nahe, verglichen mit der Sprache die ich aus Groningen kannte. Der Vrijthof sowie das Bonnefantenmuseum sind ein Muss, genauso wie die wunderschöne Dominicanen-Buchhandlung in einer entwidmeten Kirche. Hier verbrachte ich Stunden zwischen den Regalen und Bücherstapeln. Nach zwei Tagen hatte ich mich auch daran gewöhnt, in jedem Laden und jeder Straßenecke einen André-Rieu-Aufsteller auf mich herabblicken zu sehen. In der Geburtsstadt des berühmten Violinisten wird er fast genauso verehrt wie die königliche Familie.

Nach einem Monat Rollkofferleben, mit Chocomel auf Eis und der brennenden Sonne im Nacken, kehrte ich mit einem Rucksack voller neuer Erfahrungen und bunter Erinnerungen zurück. Jedem angehenden Erasmusstudenten empfehle ich, eine Rundreise in den Aufenthalt zu integrieren, soweit es die Zeit zulässt. Meine Reise nach Groningen und die anschließende Städtetour betrachte ich im Nachhinein als sehr wertvoll. Sie hat meinen Horizont erweitert und bildet einen wichtigen Baustein für mein Studium der Niederländischen Philologie. Man muss die Kultur eines Landes selbst erlebt haben und es nicht nur aus der Ferne beobachten.

Alle Fotos von Aniko Schusterius.

Groningen 050

Von Aniko Schusterius


illustratieAls ich mich vor über einem Jahr für einen Erasmusaufenthalt in den Niederlanden bewarb, war ich gerade Erstsemester und beschäftigt mit dem Stunden- und Raumplan der FU. Doch schon bald stand für mich fest,dass ich für ein Semester im Ausland studieren möchte. Meine Fachkombination Theaterwissenschaft
/ Niederländische Philologie brachte mich für mein viertes Semester an die Rijksuniversiteit in Groningen.

Groningen (GFDL)

Aller Anfang ist schwer (Alle begin is moeilijk)
Ähnlich wie in Berlin lief ich die ersten Wochen verwirrt über den neuen Campus. Hinzu kam der kalte Februar, den ich nur mit heißer chocomel (Kakao) in der Bibliothek und lauwarmen stroopwafels (± Sirupwaffel) bekämpfen konnte. Schnell lernte ich trotz Schnee und gefrorenen Straßen mit dem Rad zur Universität zu fahren. Einer meiner liebsten Erinnerungen ist ein Wochenende im März, an dem ganz Groningen auf den vereisten Grachten unterwegs war. Schlittschuhe, Schlitten und dicke Winterstiefel kratzten und stapften an dem im Eis gefangenen pannenkoekenschip vorbei unter den zahlreichen Brücken hindurch.

Der Kampf mit den Sprachbarrieren

Schnell kam bei mir die Erkenntnis, dass Groningen mit seiner renommierten Universität sehr international ist. Auf den Straßen hört man Studenten mehr Englisch als Niederländisch miteinander sprechen. Im Laden um die Ecke und auf dem Wochenmarkt trifft man junge Menschen aus der ganzen Welt, jedoch nur vereinzelt aus Groningen. Meine Versuche auf Niederländisch ins Gespräch zu kommen, endeten in den meisten Fällen damit, dass mein Gegenüber ins Englische oder auch Deutsche wechselte, um höflich zu sein. Nur eine Stunde von der deutschen Grenze entfernt, sprechen die Niederländer in Groningen genauso gut Deutsch wie Englisch. Dass ich aufgrund von Kursüberschneidungen keines der ohnehin wenigen Seminare in niederländischer Sprache belegen konnte, ärgerte mich sehr. Trotzdem bekam ich die Chance, mein Studium in meinem Nebenfach in einem englischsprachigen Kurs über Niederländische Literatur fortzusetzen.

Eine fremde Kultur kennen lernen

Stamppot (M.Minderhoud, GFDL)

Die niederländische Kultur erlebte ich unter anderem bei einem landestypischen Abendessen bei einer Gastfamilie. Die Teilnahme an einem Projekt ermöglichte es uns, in ihrem Haus mehr über das Leben in den Niederlanden zu erfahren. Zwischen mosterdsoep (Senfsuppe) und stamppot (Eintopf) erzählten sie uns von ihrer Arbeit, Familie und dem Alltag in Groningen.
Darüber hinaus steckten sie uns an mit der Vorfreude auf den Besuch der niederländischen Königsfamilie am nahenden
Koningsdag im April. Bis wir diesen allerdings begehen konnten, stand die erste Prüfungsphase an.

Academiegebouw (Esdert, CC-BY-SA-3.0-NL)


Hohe Ansprüche und ein strenges Notensystem

Das Semester wird in den Niederlanden unterteilt in zwei Blöcke, sodass es die ersten Klausuren und Hausarbeiten bereits Mitte April gab. Der Anspruch speziell an der RUG ist sehr hoch und das Notensystem streng. Schon in der ersten Woche wurde ich von meinen Kommilitonen vorgewarnt, dass die höchste Note, eine 10, niemals vergeben würde und für eine 9 mehr als das Dreifache geleistet werden musste. Die wöchentlichen Seminare und Vorlesungen schließt man nicht nur mit einer Prüfungsleistung ab, wie an der FU, sondern meist mit einer Klausur, einer zusätzlichen Hausarbeit sowie einer Gruppenarbeit, die in einer Präsentationsprüfung mündet. Eine konsequente Anwesentheitspflicht sorgt dafür, dass niemand den Kurs abschließt, ohne etwas dazugelernt zu haben. Die Qualität der Lehrveranstaltungen ist dabei sehr gut. Dozentinnen und Dozenten, die meist geduzt werden wollen, nehmen sich viel Zeit für ihre Studierenden. Fragen und Anregungen zum Kurs beantworten sie nach meiner Erfahrung sogar am Sonntagabend um 23:00 Uhr. Die Universitätsgebäude sind modern eingerichtet und vernetzt. Eine App ermöglicht es Bücher vorzubestellen. Sämtliche Hausarbeiten werden über ein Onlineportal eingereicht. Der Papierweg ist ausgeschlossen.

Das Fazit (Slotsom)

Zurückblickend würde ich bei der Kurswahl einiges anders machen und mich auch um einen Niederländisch-Sprachkurs an der Uni bewerben.

Ich habe Freunde aus der ganzen Welt gefunden, darunter auch eine Freundin auch aus den Niederlanden, die ich jetzt nicht mehr missen möchte. Die Vorteile einer Kleinstadt wie Groningen, im Vergleich zu Berlin, werde ich vermissen.

(R.Gerrits,CC-Zero)

Der Koningsdag, das eten uit de muur (etwas im Automatenrestaurant essen – s. Foto rechts) und die Radfahrten durch das Groninger Umland haben mir die Niederlande nahe gebracht.

Doch ich weiß, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt. Groningen war deshalb ein sehr guter Start für eine Rundreise zum Abschluss des Semesters.

Rotterdam 010

Von Undine Günther

Ich werde nie vergessen, wie ich, auf der Suche nach einer Wohnung in Rotterdam, immer wieder über den Satz stolperte: „In der Nähe von Albert Heijn“ und mich gefragt habe, wo denn dieser Ort sei, in dessen Nähe alle zu wohnen scheinen. Es stellte sich heraus, dass Albert Heijn einer der besten, wenn auch teuersten, To-Go Supermärkte ist, in dem ich je gewesen bin und der Liebling aller Niederländer.

Mlefter, CC-BY-SA-3.0

Gewohnt habe ich schlussendlich allerdings nicht in Rotterdam, sondern in Schiedam, eine Stadt, die direkt an Rotterdam grenzt. Daher bin ich jeden Morgen und jeden Nachmittag mit meinem gemieteten Fahrrad 25 Minuten nach Rotterdam rein und wieder rausgefahren. Ich muss allerdings zugeben, dass es mich bei Regen und Kälte in die U-Bahn verschlagen hat, wo ich, zu meiner Verwunderung, fast alleine saß, denn Regen ist kein Grund nicht Fahrrad zu fahren. Es gibt im Grunde keinen Grund nicht Fahrrad zu fahren. Wozu gibt es denn Regenhosen und Jacken und Mützen? Und da man sich des Wetters in den Niederlanden nie sicher sein kann, hat man zudem immer alles dabei, selbst wenn es wolkenlose 30 Grad werden sollen. Dass die Niederländer immer gerne Fahrrad fahren, ist den gut ausgebauten Fahrradwegen und Schnellstraßen zu verdanken. Aber ich glaube, darüber brauche ich hier kaum ein Wort zu verlieren, denn wir wissen alle, dass die Niederländer in der Hinsicht sehr viel weiter sind. Allerdings muss man bemerken, dass dies nicht in allen Städten zutrifft. Amsterdam hat es mit seinen schmalen Gassen etwas schwerer zweispurige Fahrradwege in das Stadtbild zu integrieren. Rotterdam hatte es da nach dem Krieg leichter.

R. Yasmeen CC-BY-SA-4.0

R´dam, wie es auch so schön heißt, setzt sich aber nicht nur dahingehend von Amsterdam ab. Es ähnelt nämlich nur noch an sehr wenigen Stellen einer niederländischen Stadt, so wie sie im Buche steht. Manchmal schien es mir als wäre der Bürgermeister von Rotterdam eines morgens aufgewacht und hätte gesagt: „Wir holen uns jetzt Architekten hierher, die alle einmal machen dürfen, was sie wollen.“ So schießen an jeder Ecke die verrücktesten Gebilde aus der Erde, die grundsätzlich erstmal von den Rotterdamern gehasst und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit geliebt werden.
Dass ich hier so viele Vergleiche zwischen Rotterdam und Amsterdam ziehe, liegt wahrscheinlich daran, dass man, wohnt man in einer der beiden Städte, ziemlich schnell mitkriegt: Rotterdam und Amsterdam hassen sich. Und man sollte sich hüten, den einen Städtenamen in der anderen Stadt überhaupt laut auszusprechen. Stattdessen sagt man einfach 020 für Amsterdam und 010 für Rotterdam. Die Zahlen stehen für die Vorwahlen der beiden Städte. Und man bemerke: Rotterdam ist ausnahmsweise Nummer eins!

Was meine Arbeit am Goethe-Institut angeht, habe ich mich gefühlt als hätte ich Deutschland nie verlassen. Alle sprachen Deutsch, aßen Deutsch, beschäftigten sich konstant und konsequent 40 Stunden die Woche mit Deutschland. Dies hat allerdings dazu geführt, dass ich mich mit der Kultur meines eigenen Landes so intensiv auseinandergesetzt habe, wie ich es in Berlin nie getan hätte. Ich habe Lesungen und Filmabende mitorganisiert und durchgeführt, deutsche Literatur recherchiert und die Bibliothek und ihre Besucher betreut. Aber vor allem habe ich unter Anleitung der neuen Bibliotheksleiterin die Social-Media-Präsenz des Institutes auf Vordermann gebracht. Dabei habe ich mir Quizze ausgedacht und gestaltet, Posts zur deutschen und niederländischen Sprache entwickelt und Gifs und Videos für die Sprachabteilung entworfen. Ich durfte unglaublich kreativ sein und meiner Fantasie freien Lauf lassen, solange es Follower und Likes zur Folge hatte, und ich bin mir jetzt sicher, dass der Bereich Social Media auch der sein wird, in dem ich später gerne einmal arbeiten möchte.
Doch trotz der deutschen Kultur, die hier hinter jeder Ecke lauerte, gab es hier und da immer wieder Kleinigkeiten, die mir versicherten, dass ich mich in den Niederlanden befand, wie z.B. das all freitägliche borrelen. Bei diesem wunderbaren niederländischen Brauch sitzt man jeden Freitagnachmittag nach der Arbeit zusammen und trinkt Wein und Bier, isst Chips und lässt die Woche ausklingen. Es gibt meiner Meinung nach keine bessere Art und Weise das Wochenende willkommen zu heißen.

Ein Tag, den es sich lohnt hier noch zu erwähnen, ist der 27. April: Koningsdag! An diesem Feiertag verwandeln sich die Straßen zu Flohmärkten, überall wird Musik gespielt und wer nicht Orange trägt, sollte sich gar nicht erst draußen blicken lassen. Alle Menschen sind gut gelaunt und wenn das Wetter mitspielt, geht man morgens aus dem Haus und kehrt bis abends nicht mehr zurück. Es ist wunderbar.

Eins ist jedenfalls klar: die Niederländer sind ein witziges Volk, mit ihrem Käse und ihrer Fahrradpolizei, wenn sie am Strand uitwaaien (was soviel heißt wie frische Luft schnappen), oder Kroketten aus Automaten ziehen.

Ein grundsätzlicher Brexit

Dass Kenntnisse verschiedener Sprachen nützlich, hilfreich, oft gar notwendig sind – keine Überraschung für uns in der Niederlandistik und in den anderen Philologien. Einen neuen Beleg lieferte dafür die britische Regierung. Sie hat ein Papier verfasst, in dem sie ihre Vorschläge für den Brexit darlegt. Das vollständige Dokument gibt es auf Englisch und als Übersetzung ins Walisische – soweit, so lobenswert für die Anerkennung der Regionalsprache.

Eine Zusammenfassung wurde dann in die restlichen offiziellen EU-Sprachen übersetzt, damit man sich in der eigenen Sprache ein Bild von den Vorstellungen der britischen Regierung machen kann. Ob das wirklich notwendig ist oder ob die englische Fassung nicht reichen würde, das ist eine andere Frage. Jedenfalls ist es ein Zeichen des Respekts gegenüber Europa und seiner Vielsprachigkeit.

Das Problem dabei war bloß: Die Vielsprachigkeit hat in Großbritannien offenbar einige vor große Hürden gestellt. Viele der Übersetzungen sind so grotesk geraten, dass man an den Sprachkenntnissen oder zumindest dem Sprachgefühl der Übersetzer zweifeln kann. Die deutsche Variante ist inzwischen wohl überarbeitet worden. Sie klingt zwar noch ein wenig gestelzt, aber sie ist einigermaßen lesbar.

Dramatisch getroffen hat es aber die niederländische Fassung, die man gemeinsam mit den anderen Übersetzungen hier herunterladen kann. Schauen wir uns fünf Beispielsätze an, um eine Diagnose zu versuchen, wie so ein Text zustande gekommen sein könnte (darunter jeweils das Original):

De regering zal het resultaat hebben geleverd van het 2016 referendum.

The Government will have delivered on the result of the 2016 referendum.

Die Zukunftsform verweist auf den Zeitpunkt des EU-Austrittes im Frühling 2019. Das Futur II wirkt auf Englisch schon etwas verschwurbelt, wirft aber auch im Niederländischen Fragen auf. Zum Beispiel: Glaubt die Regierung nicht an ihren eigenen Erfolg? Weil ein Futur II so eine ungewöhnliche Zeitform ist, liest man das zullen zuerst eher als eine Art Distanzierung, etwa wie „die Regierung wird das wohl (wahrscheinlich, hoffentlich) getan haben“. Und het 2016 referendum ist wortwörtlich dem Englischen nachempfunden, funktioniert aber auf Niederländisch genauso wenig wie auf Deutsch.

Om deze missie te voltooien, legt de regering een gedetailleeerd voorstel voor van een principiële en praktische Brexit

To fulfil that mission, the Government is advancing a detailed proposal for a principled and practical Brexit.

Vielleicht kann die Fähre auf der nächsten Überfahrt nach England ein paar Grammatiken mitnehmen. (J.v.Houdt, Rijkswaterstaat)

Hier wäre zunächst einmal der Schreibfehler in gedetailleerd. Das überzählige „e“ deutet darauf hin, dass den Text tatsächlich ein Mensch und kein Computer geschrieben hat. Der fehlende Punkt am Ende des Satzes geht vermutlich auf das gleiche Maß an Sorgfalt zurück. Die Übersetzung von principled hat in vielen Sprachversionen seltsame Blüten getrieben, im Französischen beispielsweise als vertueux („tugendhaft“). In der deutschen Fassung steht hier prinzipientreu. Auf Niederländisch kann eine Frage oder ein Grund principieel (also „grundsätzlich“) sein, aber einen von Prinzipien geleiteten Prozess müsste man anders umschreiben. Der Van Dale schlägt beispielsweise trouw aan principes vor, ähnlich wie das italienische Brexit-Dokument von basata su principi („auf Prinzipien gegründet“) sagt.

Dit voorstel ondersteunt de visie uiteengezet door de premier in Lancaster House […] en richt zich daarbij op kwesties die door EU naar voren werden gebracht gedurende de tussenliggende maanden – daarbij uitleggende hoe de relatie zal werken […].

This proposal underpins the vision set out by the Prime Minister at Lancaster House […] and in doing so addresses questions raised by the EU in the intervening months – explaining how the relationship would work […].

Zunächst einmal ist der EU in der Übersetzung ein Artikel verloren gegangen. Dazu kommt, dass der Satz wunderbar die Verwendung von englischen Partizipien (set out, explaining) anstelle von Nebensätzen ins Niederländische kopiert. Das Partizip Präsens wie in uitleggende findet man gelegentlich in der sehr formellen Sprache politischer Grundlagentexte, wie etwa der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

Overwegende, dat erkenning van de inherente waardigheid en van de gelijke en onvervreemdbare rechten van alle leden van de mensengemeenschap grondslag is voor de vrijheid…

In solchen Formeln wird üblicherweise eine allgemeingültige Grundüberlegung zu einer darauffolgenden Entscheidung angeführt. Im Brexit-Text geht es eher um eine bequeme Formulierung, um einen Sachzusammenhang auszudrücken. Im Zweifelsfall könnte man statt einer zu wörtlichen Übersetzung davon ausgehen, dass das Brexit-Papier sich an den würdevollen Stil großer internationaler Verträge anlehnen möchte. Die enorm häufige Verwendung von etwas schrägen Präsens- und Perfektpartizipien im gesamten Text legt aber nah, dass man in erster Linie die englische Syntax ins Niederländische kopiert hat.

In de kern is het een hervormingspakket dat een nieuw en eerlijk evenwicht zal vinden tussen rechten en verplichtingen. Een die de regering hoopt, een verdubbeling van inspanning zal opleveren gedurende de onderhandelingen.

At its core, it is a package that strikes a new and fair balance of rights and obligations. One that the Government hopes will yield a redoubling of effort in the negotiations.

Das die im zweiten Satz hängt ziemlich in der Luft. Es bezieht sich wohl auf het pakket, mit falschem Genus und auch sonst ungrammatischem Anschluss. Hier wurde wieder versucht, den englischen Relativsatz direkt zu übertragen, was aber im Niederländischen nicht funktioniert. Man müsste zum Beispiel zu so etwas greifen wie waarvan de regering hoopt dat

Deze vrijhandelszone zal de unieke integrale toeleveringsketens en ‘precies op tijd’ procedures beschermen.

It would protect the uniquely integrated supply chains and ‘just-in-time’ processes that have developed across the UK and the EU.

Die putzige Übersetzung von just-in-time mit precies op tijd ist ein besonderes Goldstück im Text, denn dieser Fachbegriff aus der Logistik ist selbstverständlich auch im Niederländischen in der Regel eine englische Entlehnung. In der deutschen Fassung hat man das offenbar erkannt und den englischen Begriff stehen lassen.

Zugegeben: In der umgekehrten Richtung geht auch mal was schief, z.B. in diesem Hotel in Leiden. (PK)

Zu diesen ausgewählten Beispielen gesellen sich zahlreiche weitere, zum Beispiel auch Konjugationsfehler, Inkongruenzen beim Numerus, ein seltsames Schwanken zwischen einem Sprachgebrauch von Pergament bis Smartphone. Die Ursache dafür ist ganz offenkundig zum Teil die reine Eile und Schlamperei, aber auch eine technisch und stilistisch misslungene Übersetzungsarbeit. Wahrscheinlich kommt dazu die Überzeugung, dass Niederländisch doch eigentlich quasi Englisch mit ein bisschen fremdartigen Wörtern ist, so dass man mehr oder weniger mit dem Wörterbuch in der Hand einfach die englischen Sätze neu bestücken kann.

Das alles ist nicht nur sprachlich schräg, sondern es zeigt das Maß an Unverständnis der Brexiteers selbst für die nächsten Nachbarn auf der anderen Seite der Nordsee. Der unprofessionelle Umgang mit der Nachbarsprache lässt vermuten, dass man auch von deren Nachbarkulturen und -gesellschaften wenig versteht. Für uns in Deutschland sollte das eine Mahnung sein: Wir können und sollten nicht einfach darauf zählen, dass viele Menschen in Flandern und den Niederlanden ziemlich gut mit der deutschen Sprache und Kultur umgehen können. Wir müssen uns auch um Verständnis in die andere Richtung bemühen.

Diwan statt Stau

Belgien feiert, überall wehen Flaggen. Nicht wegen Fußball, fast muss man inzwischen sagen: ausnahmsweise. Sondern weil der 21. Juli der Nationalfeiertag ist. Einer der wenigen Tage, an denen auch in Flandern die Sprache so föderal aussieht wie selten, weil flämische Zeitungen kaum an französischen Lehnwörtern vorbeikommen. Beispielsweise De Morgen:

An erster Stelle steht die jährliche Parade, das defilé. Eine seltsame Kreatur ist dieses Wort, denn auf Französisch schreibt man es défilé. Im Niederländischen hat man den zweiten Akzent übernommen, den ersten aber weggelassen. Warum? Vielleicht, weil man einerseits in der niederländischen Orthographie nur selten Akzente benutzt, außer z.B. wenn das betonte Zahlwort één vom unbetonten und unbestimmten Artikel een genau unterschieden werden muss. Ganz ohne Akzente kommt das Wort für die Parade aber trotzdem nicht aus, sonst könnte man es zu leicht mit einer anderen belgischen Tradition verwechseln: de file. Der Unterschied mag marginal sein: viele Fahrzeuge bewegen sich sehr langsam und dicht hintereinander vorwärts. Trotzdem freut man sich am defilé mehr als an de file.

Eine ordentliche ‚drache nationale‘ brachte 2011 noch Albert II. zum Triefen. (P. Hermans, CC-BY-SA 3.0)

Am zivilen Teil der Parade nimmt unter anderen de douane en accijnzen teil, kurz für die Zoll- und Steuerverwaltung, die auf Französisch administration générale des douanes et accises heißt. Für den Zoll ist im Niederländischen douane das gebräuchlichste Wort, in Nord und Süd. Kaum jemand spricht üblicherweise vom toldienst. Etymologischer fun fact: Das Wort kam ursprünglich aus dem Persischen und via das Arabische nach Europa, ist über ein paar Ecken mit dem Diwan verwandt und hat sich auch durch das Niederländische weiter verbreitet bis ins Sranantongo und Papiamentu. Die accijnzen machen es der Etymologie auch nicht viel leichter, denn mit einer simplen Entlehnung von accises ist die Erklärung nicht getan.

Wer offenbar auch nur mit einem französischen Begriff unterwegs ist, ist Prinz Laurent –  anders als sein Bruder König Filip bzw. Philippe. Laurent dürfte auf Niederländisch zwar offiziell Laurens heißen, daran hält sich aber niemand. (Ob er selbst Wert darauf legt?)

Dass die Feierlichkeiten in Belgien zonovergoten waren, hat übrigens in der Zeitung auch Nachrichtenwert. Ein weiteres französisches Spezifikum in Belgien ist schließlich die drache nationale, der nationale Regenguss. Mit dem kann man sonst zuverlässig mitten im Sommer zum Nationalfeiertag rechnen. Wahrscheinlich ist die Angst vor der Nässe der wahre Grund dafür, dass wie auch in den letzten Jahren bei der Parade zum föderalen Feiertag keine Vertretung des flämischen Parlaments anwesend war.

Ein ganzes sehr starkes Adverb

Ferienzeit ist Serienzeit. Jedenfalls wenn es regnet. Eines der großen Streamingportale hat inzwischen eine niederländische Serie aus dem Jahr 2014 im Angebot, mit dem Originaltitel Nieuwe Buren. Sie beruht auf einer Romanvorlage von Saskia Noort mit demselben Titel. Nicht zu verwechseln übrigens mit der flämischen Produktion Nieuwe Buren, die zwei Jahre später erschien. Für den deutschen Markt trägt die Serie aus den Niederlanden den Titel The Neighbors. Das ist etwas ungeschickt, denn es gibt bereits mehrere gleichnamige Serien aus den USA.

Die Handlung ist nicht übermäßig originell, vielleicht ganz geeignet als Sommerunterhaltung. Allerdings überraschte die Serie mit ein paar interessanten Sätzen – zum Glück ist sie in Originalsprache verfügbar. Eine der Hauptfiguren ist eine junge Frau, die unter anderem diese Sätze sagt:

(1) Dat zijn hele belangrijke waarden.

(2) Mijn vader is een hele erg trotse man.

(3) Ze heeft het mijn ouders heel moeilijk gemaakt.

Satz (1) ist nicht ungewöhnlich für das Niederländische, würde aber auf Deutsch nicht funktionieren:

(1b) *Das sind ganze wichtige Werte.

Schauplatz von „Nieuwe Buren“: Vorstadtidylle in Almere. (M. Ahsmann, CC-BY-SA 4.0)

In einer Reihung von Adverb – Adjektiv – Nomen kann man im Niederländischen das Adverb heel mitflektieren, vielleicht eher in der Umgangssprache als im formellen Sprachgebrauch. Das Deutsche lässt das für ganz nicht zu. Es würde sonst als Adjektiv angesehen, etwa im Sinne von „nicht kaputt“ oder „vollständig“.

Bei Satz (2) ist genau diese Bedeutung im Niederländischen anscheinend strittig. Ich habe ein bisschen herumgefragt, und manche waren der Meinung, dass dieser Satz so nicht funktioniert bzw. sogar „hartstikke fout“ sei. Nämlich weil dann der Vater ein ganzer („unbeschädigter“), sehr stolzer Mann sein müsste. In Satz (1) war heel aber noch ein ganz normales Steigerungsadverb, obwohl es aussieht wie ein flektiertes Adjektiv. Der Unterschied dürfte darin liegen, dass bei (2) noch ein weiteres Wörtchen dazwischen kommt, nämlich erg. Auch das dient hier als Steigerungsadverb. Aber im Unterschied zu heel kann es nicht mitflektiert werden:

(4) *Mijn vader is een hele erge trotse man.

(5a) *Mijn vader is een heel erge trotse man.

(5b) Mijn vader is een heel erge, trotse man.

Satz (4) und (5a) sind unschön, weil erg weder alleine noch zusammen mit heel flektiert werden kann. Nur wenn man die Satzbedeutung und damit auch die rhythmische Aufteilung des Satz komplett ändert, wie in (5b) durch das Komma angedeutet, dann funktioniert es. Dann ist der Vater ein ganz schlimmer, stolzer Mann – und damit erg tatsächlich ein Adjektiv mit der Bedeutung schlimm und kein Steigerungsadverb mehr.

Fehlt noch Beispiel (3). Dort verhält sich heel wie es soll, ohne Flexion. Die ist deshalb unmöglich, weil ein Nomen fehlt, das die Flexion auslösen könnte. Wir können sogar die Steigerung noch intensivieren:

(3b) Ze heeft het mijn ouders heel erg moeilijk gemaakt.

In diesem Fall bleiben heel und erg so stehen, wie man es erwartet. Völlig unmöglich wäre also die Variante

(3c) *Ze heeft het mijn ouders hele erg moeilijk gemaakt.

Kurz gesagt: heel hat im Niederländischen die Superpower, sich in seiner Funktion als Steigerungsadverb wie ein Adjektiv verhalten zu können. Weder die deutsche Entsprechung ganz noch die etwas drögen Schwestern erg oder arg haben diese Zauberkraft.

Die besondere Fähigkeit des Adverbs heel ist allerdings an Bedingungen gebunden: Adverbien stehen in der Regel bei Verben, Adjektiven oder anderen Adverbien. Heel braucht zusätzlich noch einen neuen Nachbarn, nämlich das Nomen, um flektieren zu können. Und das funktioniert manchmal sogar, wenn der neue Nachbar drei Häuser weiter wohnt, dazwischen also noch erg und ein Adjektiv stehen.

Hier in Berlin ist inzwischen das Semester vorbei – viel Zeit, um noch weitere Serien zu entdecken. Oder vielleicht sogar einmal an die frische Luft zu gehen. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern een hele erg prettige zomervakantie!

Rente

Dag allemaal, daar ben ik weer!

www.elbpresse.de – CC-BY-SA-4.0

Weliswaar in Rente – zoals de Duitser pleegt te zeggen – maar nog niet met pensioen.

Laten we het eerst maar eens hebben over Beamte (ambtenaren) en Angestellte. Dat verschil wordt in Nederland niet gemaakt. Ben je in Nederlandse overheidsdienst, ben je ambtenaar (vast aangesteld of niet), dan krijg je vanaf je 66e pensioen, een uitkering van het ABP (Algemeen Burgerlijk Pensioenfonds).

Daarnaast kent Nederland de AOW (Al­ge­me­ne Ou­der­doms­wetgesetzliche Altersrente in den Niederlanden), een basispensioen (Grundrente) dat uitgekeerd wordt voor de jaren die men in NL doorgebracht heeft.

Ik zie de de vraagtekens in uw ogen.
Ja! Iedereen, of hij/zij gewerkt heeft – met arbeidscontract of als huisvrouw/huisman en moeder/vader met enkel een huwelijks- of samenlevingscontract – of überhaupt niet – krijgt deze uitkering.
Daar kan de Bondsrepubliek nog wat van opsteken (sich ein Beispiel nehmen)!

RENTE in het Nederlands zijn de Zinsen op je kapitaaltje. Heeft u ook nog een restje staan op een bank die 0,2 % rente (Zinsen) geeft?

Etymologisch is dit woord afgeleid van het Latijnse reddere (teruggeven, ter vergelding geven).
Problematisch wordt het bij „interest“ – in het Duits Zins (NL: rente). Dat lijkt verdomd veel op het Franse intérêt dat zowel rente (Zins) betekent als interesse, belangstelling… (en ook belang). Voor interesse, in de betekenis van zakelijk belang, geeft de NL etymologiebank volgende verklaring:

latijn interesse [zijn tussen, deelnemen aan], interest [er is aan gelegen, het is van belang], van inter [tussen, speciaal] + esse [zijn]

 

das Rentier (Mfiskum, CC-BY-3.0)

der Rentier (CC-BY-SA-2.0)

Een rentenier is in het NL iemand die van zijn rente (Zinsen) kan leven. Zo iemand renteniert dus.

Nee, ik niet.

In het Duits onderscheiden we tussen Rentier [rɛnˈti̯eː] (rechts) en Rentier (links).

Nog twee idiomatische uitdrukkingen voor wie NL leert:

* Wohltun bringt Zinsen: ± wie goed doet, goed ontmoet
* iets van zins zijn: gesonnen/gewillt sein, vorhaben   –   grapje!

Wat betekent ‚koloniaal‘?

„Dankzij de migratiecrisis krijgt ‚koloniaal‘ een nieuwe betekenis.“ Dat schrijft lexicograaf Ton den Boon op de website van Trouw. Zijn voorbeeld: De kritiek op Europese politici die opvangcentra voor migranten of vluchtelingen buiten Europa willen opzetten. Er wordt vaak gezegd dat dit een ‘koloniaal’ voorstel zou zijn.
Volgens Den Boon zijn deze kampen “wel wat anders dan de voormalige wingewesten” in de koloniale tijd. Het zou hier gaan om “het ten eigen bate uitoefenen van economische of politieke druk of invloed door grootmachten (zoals Amerika, China en de EU) op en in andere, minder machtige landen”. Met andere woorden: de betekenis van ‚koloniaal‘ wordt uitgebreid. Europa tracht niet alleen economische winst uit andere delen van de wereld te slaan, maar het wil zich ook het machtsverschil met andere landen ten nutte maken en daaruit politiek voordeel halen.

Kolonialiteit, 1922 in Indonesië. (Tropenmuseum, CC-BY-SA 3.0)

De vraag is echter: is dit een nieuwe betekenis? Als dat zo was, zou dat betekenen dat het Europese kolonialisme slechts een economisch project was. Maar wij weten inmiddels dat de strategieën achter de koloniale expansie meer waren dan de uitbuiting van koloniën. Economische winsten waren uiteraard een heel belangrijke doelstelling, o.a. omdat de groeiende Europese bevolking op die manier voedsel, grondstoffen en ook arbeidskracht (met name slaven) wist te verkrijgen. Toch was het kolonalisme altijd evenzeer een politiek project. Het in bezit nemen van nieuwe koloniën, de verovering van koloniën van concurrerende Europese landen en het gebruik van gebieden, mensen en ressourcen als onderhandelingstroef was een belangrijke factor in de eeuwenlange wedstrijd tussen grote en minder grote machten in Europa.

De politieke invloed op en door de koloniën was dus – naast of in verband met de economische dimensie – altijd deel van het koloniale systeem. Dit omvatte ook altijd het onder druk zetten van lokale machten om eigen politieke doelen te bereiken. Als politici vandaag het cynische en strategische gebruik van vluchtelingen en van politieke en economische afhankelijkheid ‘koloniaal’ noemen, dan is dit in de enge zin van het woord correct en historisch gepast.

Ton den Boon wijst er verder op dat “dit woord onder invloed van het Engels aan het inburgeren is.” Dat lijkt me weinig waarschijnlijk want de vrij ruime betekenis van ‘koloniaal’ bestaat in het Nederlands en in het Engels al heel lang. Dat geldt ook voor andere talen, zie bv. de discussie rond het gedrag van Frankrijk in ‘Françafrique’, de politieke en militaire verwikkeling met dictaturen en crises die vaak ook ‘colonial’ wordt genoemd. De Van Dale en ook de etymologiebank vermelden inderdaad dat het woord uit het Engels is overgenomen – maar met een bewijsplaats van ongeveer 200 jaar geleden. De omschrijving van de betekenis van ‘koloniaal’ in het woordenboek (waarvoor Den Boon zelf werkt) bevat niet meer dan “be­trek­king heb­bend op, van een ko­lo­nie of de ko­lo­niën, daar­toe be­ho­rend”. Dat is niet bijzonder specifiek, in elk geval is er geen beperking tot de economische dimensie van kolonialisme of een uitsluiting van politieke druk op lokale machten. Ter herinnering: de Van Dale is anders graag ietwat té specifiek wat koloniale begrippen betreft.

In de laatste alinea vermeldt Ton den Boon echter heel kort een ontwikkeling die inderdaad een belangrijke verandering in het gebruik van het adjectief ‘koloniaal’ toont: de bijzonder perfide verdraaiing van de feiten door met name extreemrechtse politici die achter de migratie naar Europa een ‘koloniale’ ontwikkeling zien. Dit is volgens mij inderdaad een poging om doelgericht een nieuwe betekenis van het woord te ontwikkelen: een omkering van de logica waarin ineens de rijke en machtige Europese landen en maatschappijen in de rol van het slachtoffer worden gepresenteerd, uitgebuit en onderworpen. Deze strategische verschuiving van de semantiek was misschien een beter onderwerp voor het artikel van Den Boon geweest.

Ben JIJ onze nieuwe collega?

Wij – de afdeling Nederlandse taalkunde aan de Freie Universität Berlin – zijn op zoek naar een promovendus/promovenda.

Ben je net afgestudeerd? Heb je belangstelling voor bv. contrastieve taalkunde, historische taalkunde, sociolinguïstiek of (post)koloniale taalkunde? We kijken uit naar je sollicitatie!

Carrièreladder. (soir, CC-BY-SA 3.0)

Vacature

Stellenanzeiger der Freien Universität Berlin, 25. Juni 2015

Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften – Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Wiss. Mitarbeiter/-in (Praedoc)
mit 1/2-Teilzeitbeschäftigung
befristet bis zu 4 Jahre
Entgeltgruppe 13 TV-L FU
Kennung: WM 10 / 2018

Aufgabengebiet:

Mitarbeit in Forschung und Lehre auf dem Gebiet der niederländischen Sprachwissenschaft und in interdisziplinären Zusammenhängen (Arbeitsbereich Prof. Dr. Matthias Hüning); es wird Gelegenheit zur Promotion gegeben.
Einstellungsvoraussetzungen:

Abgeschlossenes wiss. Hochschulstudium (Master oder vergleichbar) in Niederländischer Philologie oder in einem anderen Fach mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt.

Erwünscht:

Interesse an soziolinguistischen, historischen und/oder sprachvergleichenden Fragestellungen; sehr gute Beherrschung der niederländischen, der deutschen und der englischen Sprache; Interesse an Wissensvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit; Affinität zu computergestützter Forschung und Lehre (Digital Humanities, E-Learning).

Bewerbungen sind mit aussagekräftigen Unterlagen bis zum 16.07.2018 unter Angabe der Kennung im Format PDF elektronisch per E-Mail zu richten an Frau Jule Winner: winner@zedat.fu-berlin.de oder per Post an die

Freie Universität Berlin
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Frau Jule Winner
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin (Dahlem)

Mit der Abgabe einer Onlinebewerbung geben Sie als Bewerber/in Ihr Einverständnis, dass Ihre Daten elektronisch verarbeitet und gespeichert werden.

Wir weisen darauf hin, dass bei ungeschützter Übersendung Ihrer Bewerbung auf elektronischem Wege von Seiten der Freien Universität Berlin keine Gewähr für die Sicherheit übermittelter persönlicher Daten übernommen werden kann.

Heb je nog vragen? Contact: niedphil@zedat.fu-berlin.de

Amsterdam, Berlin, Windhoek – eine Analogie in der Werbesprache

von Henning Radke

Führen ähnliche Wortbildungsmuster in verschiedenen Sprachen zu parallelen Werbeausdrücken über die Sprachräume hinweg? Diesen Eindruck könnte man fast bekommen, wenn man sich das folgende Beispiel mit Bürger (Deutsch) bzw. burger (Niederländisch/Afrikaans) anschaut, das in allen drei Sprachen über eine auffallende phonetische Ähnlichkeit mit dem Fast-Food-Gericht Hamburger verfügt.

Wortwitz bringt Aufmerksamkeit – in Berlin gibt es nicht nur ein Burger-Restaurant.

Wie könnten Besitzer von Hamburger-Restaurants diese Ähnlichkeit nun mit einem treffenden Werbebegriff für sich nutzen? „Wer meisterhafte Hamburger will, der geht zum – Achtung Wortspiel – Burgermeister“, müssen sich einige da gedacht haben. Dieses Kompositum besticht aus Sicht der Werbesprache durch seine Doppeldeutigkeit: Erinnert es die geneigten Konsumenten nicht nur an die kulinarischen Qualitäten des Hamburgers, sondern lässt sie gleichzeitig auch an das Verwaltungsoberhaupt ihrer Stadt denken. Inhaltlich hat das eine mit dem anderen zwar wenig zu tun, aber einprägsam ist es auf jeden Fall und das zählt. Und so verwundert es nicht, dass es in Berlin-Kreuzberg bereits ein Restaurant mit dem Namen Burgermeister gibt. Guten Appetit!

In Amsterdam gibt es zwar drei ‚burgermeester‘, aber nur einen burgemeester.

Blickt man nun von Berlin nach Amsterdam, so finden sich dort gleich drei Restaurants mit dem klingenden Namen burgermeester, der den niederländischen Kunden dieselbe Assoziation entlockt wie sein Berliner Pendant. Auch im Niederländischen funktioniert die Logik der Doppeldeutigkeit durch Wortkomposition. Hier gibt es jedoch einen feinen Unterschied zum Deutschen. Das niederländische Stadtoberhaupt schreibt sich nämlich ohne <-r> und heißt burgemeester. Während sich der deutsche Begriff Bürgermeister von dem Wort Bürger ableitet, stammt das niederländische Pendant burgemeester laut Onze Taal von borg oder burg ab, womit eigentlich eine Stadt oder ein Stadtteil gemeint war. Die ursprüngliche Form lautete demnach borghmeester oder burchmeester, zu der später der Schwa-Laut [ə] als Fugenelement hinzukam. Doch selbst Onze Taal erkennt an, dass die Assoziation mit dem Wort burger nicht von der Hand zu weisen ist. Und so funktioniert das Wortspiel jenseits und diesseits der Ems-Dollart-Region wunderbar.

Eine andere Besonderheit ist der Wortakzent, der im Niederländischen auf der dritten Silbe liegt, wenn man vom Stadtoberhaupt spricht: burgemeester. Wie sollte man jetzt aber das Wortspiel burgermeester betonen? Geht es um den Meister der Hamburgerzubereitung? Dann würde der Wortakzent auf der ersten Silbe liegen. Oder möchte man bewusst die unfreiwillige Assoziation mit dem Verwaltungsoberhaupt einer Stadt beibehalten? Dann bliebe der Wortakzent faktisch auf der dritten Silbe. Eine kleine Stichprobe unter Muttersprachlern brachte hierzu keine eindeutigen Ergebnisse und so bleibt es wohl den Sprechern selbst überlassen, welche Form sie wählen. Dieses prosodische Dilemma gibt es übrigens nur im nördlichen Teil des niederländischen Sprachraumes, denn in Flandern kann man wie im Deutschen die erste Silbe betonen – egal ob burge(r)meester mit oder ohne <-r>.

Hier wäre dieser Artikel eigentlich zu Ende, gäbe es im südlichen Afrika nicht eine Schwestersprache des Niederländischen, die über parallele Wortbildungsmuster und ein ähnliches Lexikon verfügt: Afrikaans. Es verwundert also nicht, dass findige Werbetreibende auf denselben Einfall kamen und ihre Hamburger ebenfalls unter der Überschrift burgermeester anpreisen, wie ein Plakat aus Windhoek zeigt. Offiziell wird auch der Afrikaanse burgemeester ohne <-r> geschrieben; dieser Umstand ist laut Prof. Daan Wissing von der Noordwes-Universiteit jedoch kaum bekannt. In der Umgangssprache wird gewöhnlich ein <-r> mitgesprochen und der Wortakzent fällt oft auf die erste Silbe.

In Windhoek ist das Wort Teil einer Werbekampagne.

In dieser Hinsicht ähnelt die afrikaanse Variante des Wortes also eher der Deutschen. Das eingefügte <-r> im Wortspiel burgermeester erweckt bei vielen Lesern anders als im Niederländischen jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Das afrikaanse Beispiel ist besonders bemerkenswert, da ein Großteil namibischer Werbesprache auf Englisch gehalten ist. Im Falle von burge(r)meester ist es jedoch unübersetzbar und so erobert es gleich drei Sprachräume und verspricht dabei Qualität beim Burgeressen. Wie viele Kunden sich aufgrund dieses Wortspieles haben überzeugen lassen, ist übrigens nicht überliefert. Weder aus Namibia, noch aus Deutschland noch aus den Niederlanden.

 

Kurz erklärt: das Wortspiel auf Afrikaans (Simon Jacobs, Kapstadt)

 

Kurz erklärt: das Wortspiel auf Niederländisch (Maja Verburg, Amsterdam)