Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Notizen aus Suriname III

Doppelte Affen und lautmalende Vögel

Grietjebie (Foto: PK)

Wer Vögel faszinierend findet, is in Suriname terecht. Oben am Himmel kreisen die Raubvögel, in den Zweigen zwitschert und piepst es. Wenn es von oben so klingt, dann weißt man: Dort sitzt ein Grietjebie. Der Name leitet sich lautmalerisch vom sehr charakteristischen Ruf her – ziemlich nachvollziehbar.

Wenn es in den Zweigen raschelt statt piept, ist es manchmal kein Vogel, sondern ein Affe. Davon gibt es einige Sorten im Land, und wer mit niederländischen Vokabeln nicht ausgelastet ist, kann zugleich noch die Tiernamen in Sranan lernen. Etwa beim Totenkopfäffchen (nl. doodshoofdaapje), das auf Sranan monkimonki heißt.

Reduplikation ist in Kreolsprachen relativ gängig. In diesem Fall geht es eher nicht darum, eine große Menge, Intensität oder Wiederholung anzuzeigen. Vermutlich handelt es sich beim monkimonki eher um ein Selbstkompositum: Ein Affe, der ganz besonders als Affe hervorsticht. Oder vielmehr einer, der besonders prototypisch ist, also der Affe schlechthin.

Erläuterungen zum monkimonki. (Foto: PK)

Wie soll das Kind denn heißen?

Um den Stellenwert des Sranan in Suriname, der am weitesten verbreiteten Kreolsprache, entspinnen sich immer wieder Debatten: Soll man es standardisieren, zur offiziellen Sprache machen, neben dem Niederländischen oder stattdessen? Oder ist es als informelle, oft auch ethnisch übergreifende Sprache gerade flexibel genug, dass man die Finger davon lassen sollte?

Wenn die Bedeutung des Sranan für den Zusammenhalt im Land betont wird, liegt es für manche nahe, die Sprache auch auf Niederländisch oder Englisch mit dem Landesnamen zu benennen. So auch auf dem Erklärschild zum monkimonki: Surinamese bzw. Surinaams.

Als das auf der Konferenz jemand tat, regte sich hinten im Raum sofort empörter Protest. Die Benennung auf Niederländisch, wahrscheinlich ist sie einfach zu kolonial. Sranan hat weiterhin Sranan oder Sranantongo zu heißen, finden viele. Das heißt zwar im Prinzip auch nichts anderes als Surinamisch bzw. surinamische Sprache, aber in welcher Sprache die Sprache so heißt, das macht nun einmal einen großen Unterschied.

Aukaans: autark

Gedenkstele für eines der Opfer beim Massaker von Moiwana im Bürgerkrieg 1986. (Foto: PK)

Zu den Sprachen der marrons im Osten Surinames gehört das Aukaans oder Ndyuka. Es ist eine englischbasierte Kreolsprache und soweit bekannt die einzige, für die es ein eigenes Schriftsystem gibt: Die Afaka-Schrift. Das macht die Sprache für die Linguistik, jedenfalls die Kreolistik, enorm interessant. Nicht zuletzt deshalb, weil das Schriftsystem kein Alphabet ist, sondern jedes Zeichen für eine Silbe steht, die aus einem Konsonanten und einem Vokal besteht. Mit ihrer eigenen Schrift ist die Sprache sozusagen unabhängig von allen anderen Sprachen und damit fast schon symbolisch genauso autark, wie es die Marron-Gemeinschaften immer waren.

Es ist selten, dass man die Schrift in Benutzung sieht. Sehr prominent ist sie im Dorf Moiwana. Dort erinnert ein Denkmal an die grausame Ermordung von Unschuldigen im surinamischen Bürgerkrieg in den 1980er Jahren. Die Namen der Opfer sind in lateinischer und in Afaka-Schrift geschrieben. So wird nicht nur die Erinnerung an die Menschen sichtbar, sondern zugleich auch ein Stück ihres kulturellen und sprachlichen Erbes.

Notizen aus Suriname II

Wahlmöglichkeiten

De beste keus! (Foto: PK)

Wer die Wahl hat, hat die Qual – etwa zwischen zwei Varianten eines Wortes. Die Auswahl ist im Niederländischen häufig de keuze, verwandt etwa mit kiezen und dem Deutschen auserkoren. Daneben existiert aber auch de keus, wie im Werbeslogan dieses Autohauses auf dem Nummernschildträger. Der Van Dale sieht beide als gleichwertig an und markiert keine davon als besonders. In manchen Ohren klingt keus aber merkwürdig altmodisch, gerade in einem Werbekontext.

Lückenbüßer

Mitten im Vortrag einer Kollegin auf der Konferenz stolperte das gesamte Publikum über eine kleine, aber wichtige terminologische Frage: Wie nennt man einen Wissenschaftler, der sich mit Papiamentu beschäftigt? Offenbar hat das Niederländische hier – genau wie das Deutsche – eine lexikalische Lücke.

So eine Frage kann natürlich nur die Fachgemeinschaft beantworten. Und die trifft man bekanntlich auf Twitter. Eine kurze (und völlig unrepräsentative) Umfrage dort brachte bei 88 Stimmen ein relativ knappes Resultat zustande:

55% finden papiamentoloog die passende Bezeichnung.

45% stimmten dagegen für papiamentist.

Einige versuchten es in der Debatte ernsthaft mit Sachargumenten, etwa: –loog klingt nicht richtig bei Wörtern, die auf Basis von Sprachnamen gebildet sind. Oder: Auf Papiamentu selbst sagt man papiamentista, das könnte man doch einfach übernehmen. Die Mehrheit ließ sich davon nicht beeindrucken, aber zumindest wissen wir jetzt, dass offenbar gleich zwei Optionen vorhanden sind, um die Lücke zu füllen.

Im Busch

Moengo ist nicht nur ein Siedlungszentrum im dünn besiedelten Osten, sondern es war auch ein wichtiger Bergbaustandort. (Foto: PK)

Gleich zu Beginn unseres Aufenthalts ist erst einmal Feiertag: Srefidensi Dey, der Unabhängigkeitstag. Die offiziellen Feierlichkeiten mit Militärparade finden jedes Jahr in einem anderen Distrikt des Landes statt, dieses Jahr in Moengo im Osten. In dieser Region leben, erklärt man uns, die boscreolen oder boslandcreolen. So nennt man die Nachkommen von marrons: Sklavinnen und Sklaven, die sich befreit haben und in den Waldgebieten niederließen, dort eigene Gemeinschaften gründeten, eigene Kulturtraditionen pflegen und nicht zuletzt separate Kreolsprachen entstehen ließen. Von diesen Communities unterscheiden sich die stadcreolen, vor allem in Paramaribo. Ihre Vorfahren kamen erst durch die Abschaffung der Sklaverei frei.

Für die soziale Zusammensetzung des Landes und die Identität vieler Menschen ist das eine wichtige Unterscheidung. Trotzdem bleibt immer wieder ein etwas fader Geschmack, wenn von boscreolen die Rede ist, besonders aus dem Mund von Weißen, niederländischen Diplomaten gar. Zu sehr klingt der Begriff nach Busch, nach unzivilisierten Wilden. Eine zynische Sicht, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Menschen mit ihrem Kampf gegen die koloniale Sklaverei lange Zeit eigentlich die Zivilisiertesten im ganzen Land waren.

Eine Mitarbeiterin im Hotel warnt uns, nicht in den Osten zu den boslandcreolen zu fahren. Ressentiments? Nicht in diesem Fall. Ihr geht es weniger um die kulturhistorischen Hintergründe der Menschen, sondern um unsere Sicherheit. Am Unabhängigkeitstag fahren viel zu viele Leute betrunken Auto: zu gefährlich!

Notizen aus Suriname I

In der vergangenen Woche fand in Paramaribo die Konferenz der Caribische Associatie voor Neerlandistiek statt. Darin sind all jene zusammengeschlossen, die sich mit Sprache, Literatur und Kultur mit Niederländisch- oder Niederlandebezug in der Karibik beschäftigen. Suriname ist dabei eingeschlossen, denn das Land wird häufig aus historischen und kulturellen Gründen zum karibischen Raum gerechnet.

Wir – Truus De Wilde und Philipp Krämer – hatten das Glück und die Ehre, bei dieser sehr besonderen bijeenkomst die Berlin-Brandenburgische Niederlandistik zu repräsentieren.* Unsere Eindrücke von der beeindruckenden Reise und der lehrreichen Konferenz haben wir als kurze Notizen zusammengetragen.

„Bij ons bent u terecht“ (Foto: PK)

Am rechten Fleck

Wenig überraschend sieht man in Suriname im öffentlichen Raum überall Niederländisch. Trotzdem überrascht die eine oder andere Formulierung oder grammatische Konstruktion, weil sie in den europäischen Varietäten so nicht verwendet wird. Ein Beispiel: Jede Menge Reklameschilder wie dieses von einem Autoteilehändler: Bij ons bent U terecht voor… Ins Deutsche ist das relativ einfach übersetzbar mit „bei uns sind Sie richtig, wenn Sie…“ In Flandern und den Niederlanden ist als Entsprechung bij ons kunt U terecht voor… möglich.

Kein Bild sagt mehr als tausend Worte

Es scheint in Suriname eine Vorliebe zu geben, öffentliche Hinweise oder Anweisungen eher zu versprachlichen als zu bebildern. Wo man andernorts oft beispielsweise Piktogramme oder Grafiken anbringen würde, hängt man sorgfältig gestaltete Anweisungen oder Warnungen auf. Das verwundert vor allem deshalb, weil die Texte oft nicht nur sehr umfangreich sind (siehe der Autoteilehändler), sondern dazu auch häufig mehrsprachig. Und selbst wenn nicht: Auch mit einer einzigen Sprache ist der Platz schnell gefüllt – und wenn es nur um eine ausführliche Gebrauchsanweisung für eine Toilette geht.

 

 

 


*An dieser Stelle eine Notiz in eigener Sache: Seit Anfang Oktober bin ich für zwei Jahre an der Freien Universität Berlin beurlaubt und vertrete an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) den Lehrstuhl für Sprachgebrauch und Sprachvergleich. Ich werde sicher auch künftig hin und wieder Gelegenheit für einen Blog-Beitrag haben, aber wahrscheinlich nicht so regelmäßig wie bislang. Wer sich über die Stille in den letzten beiden Monaten gewundert hat: Das ist der Grund dafür.

Desi Bouterse is veroordeeld tot twintig jaar celstraf

Of dat „eind goed, al goed“ betekent, is nog maar helemaal de vraag. De verdediging gaat uiteraard in hoger beroep (wird Berufung einlegen).

Gedenkteken voor de Decembermoorden in Fort Zeelandia. (Otter, GFDL)

Ter herinnering…
Vijf jaar na de onafhankelijkheid (1975) pleegde legerleider Bouterse (met hulp van de militair attaché van de NL ambassade Hans Valk) een staatsgreep (Putsch). Zijn militaire opleiding had hij in NL gekregen; ook was hij als soldaat (Feldwebel) gestationeerd in het Duitse Seedorf.

De Decembermoorden, waarvoor Bouterse nu veroordeeld is, vonden in 1982 plaats op Bastion Veere in Fort Zeelandia.

Het proces nam in 2007 een aanvang. In 2010 werd Bouterse tot president verkozen. Twee jaar later werd door het parlement een amnestiewet aangenomen (28 stemmen voor, 12 tegen). Het Surinaamse Hof van Justitie oordeelde op 1 december 2015 echter dat het Openbaar Ministerie (die Staatsanwaltschaft) de verdachten van de Decembermoorden dient te vervolgen ondanks (trotz) deze amnestiewet.

Uitspraak op 29 november 2019: schuldig aan medepleging van moord. De huidige president van Suriname besloot in 1982 tegenstanders te „elimineren” om „de macht te behouden”. (NRC)

Reacties
Nabestaanden barsten in tranen uit en vallen elkaar opgelucht in de armen. Vanachter uit de zaal van het gerechtsgebouw aan de mgr. Wulfinghstraat klinkt applaus. (NRC)

Vicepresident Ashwin Adhin: „Wat ons betreft zal de veroordeling nooit rechtskracht hebben. We hebben genoeg middelen om binnen de rechtsstaat te handelen.“ (dwtonline)

De NDP (Na­ti­o­na­le De­mo­cra­ti­sche Par­tij), Bouterses eigen partij, treft voorbereidingen om president tevens partijvoorzitter Desi Bouterse zondagochtend groots te ontvangen op de Johan Adolf Pengel Luchthaven. Het staatshoofd keert op die dag terug uit China […] Wij gaan onze voorzitter een daverend welkom geven“, zei NDP-ondervoorzitter Ramon Abrahams. (dwtonline)
En: „Er is gewacht tot wanneer de president uitlandig (außer Landes) is, op staatsbezoek in China, om hem op zo een wijze te veroordelen“, zegt de ondervoorzitter. (dwtonline)

À propos China: op 28 november stelde Stuart Rahan in zijn column vragen bij dit staatsbezoek: Het verzet tegen het Nederlands kolonialisme is in- en intriest als je uitgerekend op de dag van jouw staatkundige onafhankelijkheid vertrekt naar China om je officieel te laten adopteren.

De NOS meldt dat Bouterse vanochtend teruggekeerd is naar Suriname en door 1500 aanhangers is ontvangen op de luchthaven.

On verra!

Nog meer weten?
De Groene Amsterdammer of deze uitzending m.b.t. Bouterse en de drugshandel.
Over de Binnenlandse Oorlog hebben we het nog niet eens gehad!

Eine Informatikerin in Eindhoven

illustratie

von Franziska Boenisch

Der Beginn

Seit Beginn meines Studiums hatte ich den Plan gehabt, mal ein Auslandssemster zu machen, am besten in den Niederlanden. Denn dort haben die Unis einen guten Ruf, dort wird viel Rad gefahren und Wert auf die Umwelt gelegt. Das waren meine Gedanken. Im letzten Semester meines Masterstudiums war es endlich so weit und ich machte mich im Februar 2019 auf den Weg nach Eindhoven – meine neue Heimat auf Zeit.

Die Begrüßung durch meine diese neue Heimat war nicht so herzlich, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Kurz vor Antritt meines Aufenthaltes hatte ich von der Uni spontan eine Absage bekommen für das Studentenwohnheimszimmer, das mir von Anfang an zugesagt worden war. In einer Stadt, in der der Wohnungsmarkt sowieso schon aus allen Nähten platzt, ist es keine Freude, noch in letzter Minute eine Unterkunft auf Zeit zu finden. Schon gar nicht für Ausländer. Alle online Anzeigen für WGs waren ausdrücklich an Niederländer gerichtet. Da ich an der FU Berlin durch die Kurse der Niederlandistik ja schon viel Niederländisch gelernt hatte, dachte ich, ich könnte mich ja einfach trotzdem bewerben, wenn es denn wohl um die Sprache gehen sollte. Die vielen – und teilweise sehr unfreundlichen –  Rückmeldungen auf meine in niederländischer Sprache verfassten Bewerbungen überzeugten mich schnell davon, dass ich bei dieser Einschätzung wohl falsch gelegen hätte. Es blieb mir also nur übrig, mir ein Zimmer im Student Hotel Eindhoven zu nehmen, einem Hotel, das gleichzeitig (und für sehr stolze Preise) Langzeit-Zimmer für Studenten anbietet. Die Unterkunft war dafür allerdings auch sehr schön und bot jeglichen Komfort, von einem Lernzimmer bis hin zu einem Fitnessstudio.

Weniger einladend war dann der Campus auf den ersten Blick. Als ich an meinem ersten Tag ankam, um meine Dokumente und meinen Studentenausweis abzuholen, musste ich schnell feststellen, dass die TU Eindhoven zwar sehr modern, wohl aber nicht besser organisiert war, als ich es von zu Hause gewöhnt bin. Durch kalten Wind und Schneeböen kämpfte ich mich von Gebäude zu Gebäude (die alle zwar interessante Namen haben, aber keine wirklichen Adressen auf dem Campus). Dies, und die Tatsache, dass sie teilweise ineinander übergehen, durch über- oder unterirdische Gänge miteinander verbunden sind oder direkt nebeneinander stehen, machte das Finden der richtigen Räume fast unmöglich.

Die Kurse

Ähnlich orientierungslos war ich, was den Beginn der Vorlesungszeit betraf. Dadurch, dass die Universität komplett durch-digitalisiert ist, gibt es keinen Erasmuskoordinator mehr, der einem erklärt, wo man seine Kurse bucht, wo man hin muss, wie das System läuft. Man hat die online Plattform, auf der man sich Kurse, zugehörige Tutorien und alles Sonstige bucht und raussucht und das war es. Glücklicherweise lernte ich durch Zufall ein paar andere Erasmusstudenten an meinem Fachbereich kennen und gemeinsam schafften wir es schon in Woche zwei immer bei den Veranstaltungen zu landen, zu denen wir hin wollten. Dies war auch nötig, denn in Eindhoven gibt es keine Semester, sondern Quartale. Und diese sind dann nur 8 Wochen lang, so geht es in Woche zwei schon sehr heiß her. Neben den anspruchsvollen Vorlesungen waren wöchentliche benotete Programmieraufgaben abzugeben, Paper zu lesen, Übungen zu machen. Das ist zwar bei den Informatikern an der FU Berlin nicht sehr anders, aber doch fühlte ich mich da nie so überfordert. Ich glaube, den größten Unterschied machte es für mich, dass die theoretischen Übungen, die einen für die Klausur vorbereiten, nicht abgegeben werden, sondern nur die praktischen, die man also sozusagen „on-top“ machen muss. Und dabei muss man die Zettel auch nicht nur bestehen, wie bei uns, sondern die Note der Zettel fließt bis zu mehr als die Hälfte in die Endnote des Kurses ein. Der Druck ist daher wirklich hoch. Von den Kursen her konnte ich meinen Aufenthalt in Eindhoven also nicht besonders genießen, sondern bin immer leicht an der Überforderung mit dem Pensum und der Menge der Online-Tools und -Plattformen vorbeigeschrappt.

TU-Campus -© F. Boenisch

Von der Ausstattung war die TU aber sehr beeindruckend. Die Gebäude sind alle neu, gut ausgestattet, es gibt riesige Bibliotheken, die Vorlesungssäle sind modern und mit neuster Technik ausgestattet. Die Professoren müssen technische Probleme mit Beamer und Co. nicht mal mehr selber lösen, sondern es gibt Techniker, die sie anrufen können und die dann kommen, falls etwas nicht läuft. Generell gibt es viele zusätzliche Mitarbeiter, die Rezeptionen in jedem Gebäude betreuen, einen Sicherheitsdienst und ein Studienbüro, wo auch der Erasmuskoordinator sitzen würde und man für Fragen einfach hingehen könnte, sollte er denn vor Ort sein.  Auch der Campus ist sehr weitläufig und wunderschön gepflegt. Wohl fühlen kann man sich also. Nur eine Mensa habe ich bis zu meinem letzten Tag nie gefunden. Ich beobachtete die anderen Studenten immer, wie sie über ihren Laptop sitzend irgendwelche in Plastik eingeschweißten Sandwiches aßen. In dem Punkt habe ich auf die Anpassung verzichtet und dann lieber an der Uni nichts gegessen, sondern bin in den Freistunden lieber nach Hause geradelt.

Das Leben

Generell hat es mich überrascht, wie anders doch die Esskultur zwischen den Niederlanden und Deutschland sein muss. Fast jede Art von Gemüse und Obst gibt es schon fertig verpackt, geschnitten und verzehrfertig im Supermarkt zu kaufen. Von geriebenen Kartoffeln, geraspelten Möhren, geschnittenem Obst, Fertigmischungen für alle möglichen Teige, belegte Pizzen, Burger usw. gab es eigentlich alles zu kaufen. Für mich sprach das dafür, dass sich viele Leute vielleicht nicht mehr viel Zeit für Essen nehmen. Das passte mit dem Eindruck der Sandwiches zusammen. Und irgendwie passte das auch nicht in mein Bild der umweltfreundlichen Niederländer. Wenn je 200g Karottenraspeln in Plastik eingepackt sind, ist es mit der Umwelt nicht so weit bestellt. Praktisch ist es aber schon, das musste ich nach einiger Zeit zugeben.

Auch die Imbissbuden, die überall in der Stadt verteilt waren, und wo es im Automaten zur Selbstbedienung Frikandeln und andere – für mich nicht ganz zuordenbare frittierte Gerichte – gab, bestärkten diesen Eindruck. Für das Essen aus den Automaten konnte ich mich zwar nie besonders begeistern, die Pommes waren allerdings die besten, die ich je gegessen hatte.

Die Stadt

Karnaval – © F. Boenisch

Die Lebensqualität in Eindhoven habe ich als sehr hoch wahrgenommen, die Stadt war immer  schön sauber, den anstehenden Festivitäten entsprechend geschmückt und es wurden viele Feste veranstaltet. Ein ganz großes Highlight war der Karneval, für den die Innenstadt bestimmt 5 Tage still stand, überall Bühnen aufgebaut waren und gefeiert wurde. Genauso passierte es auch zum Königstag. Man konnte immer richtig spüren, wie die Stadt zusammenrückte, alles herausgeputzt wurde und die Menschen gemeinsam auf der Straße Spaß hatten.

Auch im Alltag kommt man gut auf seine Kosten, das Theater der Stadt ist wirklich nett und bietet ein überrauschend abwechslungsreiches Programm an. Zwei Mal die Woche ist Markt, wo man sein Gemüse auch in seiner unverpackten, unverarbeiteten Rohform erwerben kann, es gibt eine hervorragende Fahrradinfrastruktur und gerade um den Campus herum wurde es, als langsam der Frühling kam, sehr grün und schön. Es gibt sogar einen See, den wir Erasumus-Studenten als häufigen Wochenend-Treffpunkt auserkoren hatten.

Festival auf dem Campus – © F. Boenisch

Besonders die TU trägt auch zu einem ausgefüllten Leben in der Stadt da. Als sich der Sommer näherte, war eigentlich jedes Wochenende ein großes Event auf dem Campus. Einmal gab es klassische Musik mit Orchestern, die teilweise sogar aus anderen Städten und Ländern angereist waren. Mein Highlight dabei war wohl die Aufführung von Peter und der Wolf auf Niederländisch, da es eine der wenigen Gelegenheiten bot, auf dem Campus Niederländisch zu hören. Aber auch die Festivals, Partys und Konzerte, die auf dem Campus organisiert wurden, standen kommerziellen Veranstaltungen in nichts nach. Es war immer für genügend Bier gesorgt, es waren gute Bands da und dabei fand ich es ganz erheiternd zu sehen, wie die Studenten sich auf dem Campus gehen ließen, in einer Form, wie ich es zu Hause an der Uni noch nie erlebt hatte. Die Verbindung zwischen Uni und Freizeit scheint dort also perfekt zu klappen, auch wenn ich das vielleicht manchmal etwas befremdlich fand. Insbesondere die enormen Mengen an Bier, die stets zu den Events gehörten.

Die Studienvereinigung

Königstag – © F. Boenisch

Schnell merkte ich, dass sich unter den anderen Erasmusstudenten vorher niemand die Mühe gemacht hatte, Niederländisch zu lernen. Generell war die Hauptsprache zwischen Studierenden und Dozierenden an der TU immer nur Englisch. Auch die ausländischen Studenten, die länger dort waren – teils für ihr ganzes Studium – sprachen kein Wort Niederländisch. Und da sie zu größten Teilen die Tutorien betreuten, war für mich weder im privaten noch im universitären Kontext die Möglichkeit vorhanden, Niederländisch zu sprechen, was ich sehr schade fand. Als ich kurz vor dem Aufgeben war, was meine Träume, doch noch Niederländisch zu sprechen, betraf, lernte ich GEWIS kennen.

An der TU gibt es verschiedenen „Studie Associaties“, also Studienvereinigungen. Das ist ähnlich einer Studentenvereinigung, allerdings mit Fachbezug zum Studium und an den Fachbereichen angesiedelt. Die GEWIS ist die Vereinigung für Informatik und Mathematik in Eindhoven. Ich bin auf sie aufmerksam geworden, da sie (anders als die offiziellen Stellen der Uni) eine kleine Einführung für uns Erasmusstudenten organisiert hat, bei der wir etwas über die Niederlande erfahren haben. Ich bin dann Mitglied geworden, um niederländische Freunde zu finden und das war die beste Entscheidung meines Aufenthaltes. Für 15€ Halbjahresbeitrag kann man ab dann an allen Veranstalungen der GEWIS teilnehmen. Diese sind ganz verschiedener Natur: Wandern, Spiele spielen, gemeinsam Backen, Vorlesungen zu Themen und Kompetenzworkshops. Weiterhin wird jeden Donnerstag in den Räumen der GEWIS auf dem Campus der sog. „Borrel“ organisiert. Dann wird für 75ct Bier verkauft, alle stehen zusammen, es ist irgendwie wie in einer Kneipe. Die Studenten dort waren unglaublich nett zu mir, haben mit mir Niederländisch gesprochen, mir viel über die Studienvereinigungskultur, die Uni, die Niederlande usw. erzählt. Das war sehr bereichernd, teilweise, wenn es um die Aufnahmeriten in irgendwelche Teams der Vereinigung ging, die alle das schnelle und viele trinken von Bier beinhalteten, vielleicht auch ein bisschen befremdlich.

Wieder zu Hause

Mein Fahrradweg zur Uni – © F. Boenisch

Jetzt, wieder zu Hause, fehlen mir die schönen Radwege der Niederlande. Es fehlen mir auch die Studienvereinigung und all meine Freunde. Der Uni allgemein in Deutschland fehlt vielleicht auch die Studienvereinigung, denn den meisten Studenten hier, könnte ein bisschen Zusammenhalt am Fachbereich, ein paar gemeinsame Aktivitäten und fachbezogene Unterstützung nicht schaden. Es fehlen mir die Pommes, es fehlt mir die niederländische Sprache. Was aber bleibt sind viele schöne Erinnerungen an eine Stadt, die viel spannender ist, als alle immer behaupten, und die Erfahrung, wie anders Studium im Ausland sein kann, auch wenn man im direkten Nachbarland bleibt.

9 november 2019

Het ging niet alleen om de val van de muur…

In de Berlijnse Hortensienstraße werd stil aan de pogromnacht van 9 november 1938 herinnerd (foto rechts).

En niet alleen daar. In de aanloop naar 9 november werden her en der door scholieren Stolpersteine (struikelsteentjes) schoongemaakt: van Perleberg tot in de Eifel, van Cottbus tot in het Saarland

Het woord „Kristallnacht“, in Nederland nog steeds in gebruik, wordt hier in Duitsland overigens als cynisch ervaren en vermeden.

Eseleien, Eselinnen, Eslereien

Belgien ist ein wichtiges Herkunftsland für viele Produkte, zum Beispiel Schokolade, Bier, Eselsmilch. Ja: Eselsmilch.

Auf der Suche nach einem Geschenk stolperte ich kürzlich über die Webseite von Anes & Sens, einem Unternehmen im Hennegau direkt an der Sprachgrenze. Dahinter verbirgt sich ein Betrieb von einer Sorte, die es weltweit nur äußerst selten gibt. So selten, dass mir dafür kein etabliertes deutsches Wort einfällt. Vielleicht: ein Eselsmilchhof. Auf Französisch ist es jedenfalls eine asinerie, weil man mit –erie ziemlich produktiv alle möglichen Institutionen, Hersteller und Läden für unterschiedlichste Produkte benennen kann. Nicht zu verwechseln ist die asinerie mit der ânerie, der Eselei. Die gibt es auf Niederländisch auch, allerdings braucht man dazu das erweiterte Suffix, um zur ezelarij zu gelangen. Im Van Dale ist das Wort als niet algemeen verzeichnet, bekannte Chiffre des Wörterbuchs für – ganz folgerichtig: ‚gebräuchlich vor allem in Belgien‘.

Eselsmilch: Herstellung und Konsum. (Lilly M., CC-BY-SA 3.0)

Bliebe für den Hof, auf dem Esel zur Milchproduktion gehalten werden, eigentlich in beiden Sprachen genug Raum für ein eigenes Lexem – nur die morphologischen Mittel müsste man andersherum anwenden: nl. de ezelij, dt. die Eselerei oder zur Vermeidung der beiden unbetonten Silben in der Wortmitte auch die Eslerei. Die Morphologie ist auch ohne erfundene Wörter schon voller Fallstricke. Beim standarddeutschen Plural war ich mir unsicher. Mein Sprachgefühl sagte mir der Esel – die Eseln (im Dialekt würde ich die Esele sagen). Nicht so der Duden, der kennt nur der Esel – die Esel. Dann doch lieber gleich niederländischeen ezel – twee ezels.
Jedenfalls beschreibt jene Eslerei in Wallonien auf ihrer Webseite die Vorzüge der Eselsmilch, die sehr gesund sein soll, weil ihre Zusammensetzung offenbar der menschlichen Muttermilch ähnelt. Klickt man die niederländische Fassung der Internetseite an, erfährt man dort dasselbe über ezelinnenmelk. Das wirft Fragen auf.

Die weiblichen Tiere heißen ebenso auf Deutsch Eselin oder auch Eselstute. Man muss sich nicht besonders gut auskennen um zu wissen, dass nur das weibliche Tier Milch gibt. Eselstutenmilch ist sicher eine mögliche Wortbildung, aber etwas umständlich. Eselinnenmilch dagegen: unüblich. Stattdessen sprechen wir von Eselsmilch.

Pferdemilch geht, Stutenmilch auch; bei Rindern kennt man nur Kuhmilch. Auf Niederländisch ist koemelk völlig normal, der Van Dale kennt als Beispiel für ein Kompositum mit melk daneben auch die etwas seltsame rundermelk. Das ist jedenfalls praktisch, weil das Rind geschlechtsneutral ist. Nun ist ausgerechnet bei Eseln und Eselinnen das Niederländische so gewissenhaft bei der Movierung, wo man doch bei Menschen oft generische Formen bevorzugt. Ist der niederländische Sprachraum dem deutschen bei der Gleichstellung der Geschlechter im Bereich der Huftiere voraus?

Eins ist sicher: Aus Eselsmilch lassen sich hervorragende Kosmetikprodukte herstellen und die Inhaber der Eselerei versichern fest, dass die Tiere auf dem Hof unter besten Bedingungen gehalten werden. Mensch wie Tier, geschützt vor Verwahrlosung.

Vermere was here… ?

Een kleine toevoeging aan de laatste bijdrage in de serie Berührungspunkte: Namibië.

Wat doe je als eerste in zo’n vreemd land: geld wisselen.
Dus óp naar de Windhoeker Bank in de Independence Avenue (die tot 1990 Kaiserstraße heette) om Namibische dollar in te slaan.

Ha! Daar hebben we ǃNanseb ǀGabemab alias Hendrik Witbooi weer.

 

Maar de verrassing werd nog groter.
Aan de muur hing notabene „ons“ Meisje met de parel!
Maar… geen parel!
En haar sjaal, haar hoofddoek?

 

Verdulleme (verflixt noch mal): een beetje wit (blank? bleek?) maar bijna een Herero-schoonheid, toch?

Berührungspunkte: Namibia

Wo kommt der niederländische Sprach- und Kulturraum mit anderen in Berührung? Wo gibt es gemeinsame Interessensgebiete der Niederlandistik und ihrer Nachbarfächer? Solche Berührungspunkte stellen wir in einer kleinen Serie vor.

Die Serie Berührungspunkte, die wir im Mai 2017 starteten, werden wir in loser Folge fortsetzen.

Namibische Berührungspunkte zum niederländischen Sprachraum findet man eigentlich eher über den Umweg des Afrikaans. Aber ein Besuch beim Nationalarchiv Namibias veranlasst mich zu diesem Blogbeitrag, denn dort gab es Auszüge aus der Korrespondenz und den Tagebüchern von Hendrik Witbooi – auf Niederländisch!
Wie das?

Hendrik Witbooi wurde um 1830 in Pella (Kapkolonie) geboren. Sein wirklicher Name: ǃNanseb ǀGabemab. Die Zeichen ! und ǀ stehen für Laute, die von unserer Zunge eine schwer zu erlernenden Akrobatik erfordern.

Die Geräuschbildung dieser Laute entsteht durch das Öffnen des primären Verschlusses der entstandenen oralen Luftkammer, in welche die umgebende Luft infolgedessen schnell hineinströmt, um den Unterdruck auszugleichen. Die Klicks werden auf verschiedene Weise durch Schnalzen mit der Zunge gebildet. Um die Klicks zu erzeugen, muss die Zunge eine saugende Bewegung ausführen. Die Stellung der Zunge und die Art des Atemholens bringt ganz verschiedene Klicks hervor. Quelle

Ein Erbsenzähler (pietje-precies) würde beim Lesen von Witboois Notizen rufen: Kapholländisch!
Ja, richtig!
Aber … die Zeilen lesen sich (ein paar Abweichungen) wie das heutige Niederländisch.
Witbooi hat am Kap das dortige NL gelernt und beherrschte das in Wort und Schrift (in woord en geschrift). Allein schon in seinem Namen erkennt man (wit=weiß, booi=boy) die Namensgebung einer Kolonialmacht. Das Volk der Nama wanderte in den Norden aus und ließ sich nieder in dem Gebiet, das 1884/1885 (Kongokonferenz) dem deutschen Reich zugeschlagen wurde: Deutsch-Südwestafrika – dem heutigen Namibia.

Erst 1925 wurde in Südafrika das Niederländische als Staatssprache abgeschafft und Afrikaans neben Englisch als Amtssprache in der Südafrikanischen Union anerkannt.

Auch die Baster (Afrikaans für „Bastard“ – sie selbst bestehen auf diese Bezeichnung), Nachkommen aus Beziehungen zwischen Nama-Frauen und Buren in Südafrika, haben die niederländische Sprache mitgenommen. Sie wanderten unter Führung von Hermanus van Wyk in den Norden aus und leben im namibischen Rehoboth. Ihre Sprache ist meist Afrikaans und sie haben in der Regel niederländisch klingende Namen: Hans Beukes gehörte z.B. zu den Namibiern, die sich bei der UNO für die Unabhängigkeit Namibias einsetzten.

In Namibia kam es 1904 zu einem Aufstand der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialmacht. Hendrik Witbooi fiel 1905. Der „Konflikt“ – wie Deutschstämmige diesen Krieg manchmal nennen – endete in einen Genozid; ihm fielen 10.000 Nama (und 40.000-60.000 Herero) zum Opfer.

Zurück zum Anfang:
Diese Dokumente von Hendrik Witbooi gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Das Überseemuseum in Bremen hat diese Dokumente vor etwa 20 Jahren zurückgegeben.
Inzwischen hat auch das Stuttgarter Museum Witboois Bibel und Peitsche zurückgegeben.

Die Niederländerin Connie Braam (eine der GründerInnen der Anti-Apartheidsbeweging der NL) schrieb den Roman Ik ben Hendrik Witbooi – noch nicht übersetzt.

Hände hoch!

Wer in den Niederlanden unterwegs ist, hört alles mögliche: Niederländisch, Friesisch, Limburgisch, Türkisch, Arabisch, Englisch usw. Was man nicht hört: Gebärdensprache. Sehen kann man sie dagegen hier und da schon. Aber noch zu selten.

Das findet nicht nur die Sprachgemeinschaft selbst, sondern auch ein gewichtiger Teil des Parlaments. Die sozialdemokratische PvdA, die christdemokratische CU und die liberale D66 möchten gemeinsam einen Gesetzesvorschlag einbringen: Niederländische Gebärdensprache soll endlich offiziell anerkannt werden. Ähnliche Forderungen gab es schon früher immer wieder, bisher erfolglos.

Mit der Anerkennung sollen auch Ansprüche auf Unterstützung ausgebaut werden. Dazu gehört unter anderem, noch häufiger auch Dolmetscher*innen einzusetzen, denn viele schriftsprachige Übersetzungen helfen nur bedingt. Untertitel oder Beschriftungen sind nicht für alle Gehörlosen und Schwerhörigen problemlos zu nutzen. Wer gar nicht mit einer Lautsprache aufgewachsen ist, findet auch Schriftsprache nicht so naheliegend, weil schließlich das hörbare Gegenüber des Schriftbilds fehlt. Übersetzungen direkt in Gebärdensprache sind dann mit weniger Verstehensaufwand verbunden – und zunehmend auch mit weniger technischem Aufwand, denn mit mobilem Internet und allgegenwärtigen Displays lässt sich vieles machen, was früher nicht möglich war. Dabei ist auch nicht zu vernachlässigen, dass die Sichtbarkeit von Gebärdensprache eine Rolle spielt. Genauso wie bei Schrift- und Lautsprachen zeigt die Präsenz um uns herum, wie selbstverständlich die Sprachgemeinschaft dazugehört. Vielleicht wird die Niederländische Gebärdensprache also mit der Zeit ein allgegenwärtiger Teil der Linguistic Landscapes.

 

ACHTUNG: Daten nach YouTube werden erst beim Abspielen des Videos übertragen.

Miriam Stolk übersetzt bekannte Lieder in Niederländische Gebärensprache. Weitere Videos gibt es auf ihrem Youtube-Kanal.

 

Der Schutz von Minderheitensprachen ist in den Niederlanden schon recht weit ausgebaut – jedenfalls auf dem Papier, auch wenn die Umsetzung nicht immer flott verläuft. Die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen schützt einige Sprachen des Landes und immer wieder wird diskutiert, ob man weitere Sprachformen hinzunehmen müsste, beispielsweise das Bildts. Ob die Gebärdensprache künftig auch in den Rahmen der Charta fallen soll? Es wäre jedenfalls denkbar, denn es ist zwar keine Regionalsprache, die auf einen bestimmten Teilraum des Landes begrenzt ist. Aber auch überregionale Sprachen können geschützt werden und sind es längst, nämlich Romani und Jiddisch. Nichts wäre doch passender, als die Gebärdensprache als Teil des handvest voor regionale talen en talen van minderheden anzuerkennen.

Interessant ist die Nederlandse Gebarentaal (NGT) unter anderem wegen ihrer historischen Hintergründe. Die meisten Lautsprachen, die in den Niederlanden anerkannt sind, gehören der germanischen Sprachfamilie an. Die NGT hingegen geht – wie viele andere Gebärdensprachen – auf die Französische Gebärdensprache zurück. Die Klassifikationen der Gebärdensprachen sind oft umstritten, unklar und unübersichtlich, aber zur Deutschen Gebärdensprache bestehen deutliche historische Unterschiede. Und auch die Vlaamse Gebarentaal (VGT) sieht wieder anders aus – deutlich unterschiedliche Verhältnisse der Nachbar- und Verwandtschaft, als wir es bei den Lautsprachen kennen. Eine Herausforderung also für uns Hörende, das Vertraute nicht als völlig selbstverständlich zu verstehen.

Die Initiative zur Anerkennung jedenfalls hat Applaus verdient. Und das bedeutet auf NGT genau wie in Deutscher Gebärdensprache: Hände hoch!