Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Flederhunde und holländische Tauben

Warum sollte man sich eigentlich mit Kreolsprachen beschäftigen? Gründe gibt es viele: Sie haben eine spannende (und oft tragische) Geschichte, sie haben interessante grammatische Strukturen zu bieten – und natürlich: man darf zu ihrer Erforschung in wunderschöne Länder reisen. Kürzlich fand wieder eine Kreolistik-Konferenz statt, nämlich auf den Seychellen.

Flughund. (PK)

Dort fiel mir als erstes auf, dass der Landesname im Deutschen ebenso wie im Niederländischen immer einen Artikel hat: die/de Seychellen. Auf Englisch liest man dagegen ganz oft einfach nur Seychelles. Das Land heißt offiziell Republic of Seychelles, man spricht von the government of Seychelles usw.

Auch im Deutschen gibt es die Tendenz, bei Ländernamen den Artikel immer häufiger wegzulassen. Dann sagt oder schreibt man in Iran statt im Iran und ähnliches. Die Formen mit Artikel wirken mit der Zeit etwas altbacken, in unterschiedlichen Stufen. Mir kommt der Jemen jedenfalls etwas ältlicher vor als der Iran. Auf Niederländisch braucht man sich darum keine Gedanken zu machen, denn hier gibt es bei all diesen Ländern gar keinen Artikel.

Aber bei Pluralen sind sich Deutsch und Niederländisch noch einig: Sie sind normalerweise nicht weglassbar. Das Englische verhält sich da etwas inkonsequent. Während die Seychellen ihren Artikel weitgehend verloren haben, haben The Bahamas ihren praktisch immer. Und man schreibt ihn sogar häufig groß, was noch stärkere Zugehörigkeit zum Namen signalisiert.

Aber zurück zu den Seychellen. Die Inselgruppe ist benannt nach dem französischen Adligen und Politiker Jean Moreau de Séchelles (noch ohne Y). Der war im 18. Jahrhundert zeitweise intendant von Flandern. Man hätte also eigentlich den Norden Belgiens genauso gut Seychellen nennen können, dann vielleicht eher im Singular bzw. ohne Artikel. Jedenfalls sind beides regenreiche Gegenden, die Inseln im Indischen Ozean haben zwischen den Regenschauern mehr Sonne statt Nebel.

Pizon olande. (PK)

Wenn man auf den Seychellen nicht nur die Sprache studiert, sondern auch die Natur, findet man interessante Tiere. Da wäre zunächst der Seychellen-Flughund. Der heißt auf Niederländisch vleerhond. Dass es sich irgendwie um Hunde handeln sollte, ist natürlich biologisch gesehen Unsinn, aber in beiden Sprachen gleich abwegig. Da sind wir also wieder im Bereich der Tiere, die nach anderen Tieren benannt sind. Der Wortanteil vleer- kommt natürlich auch im Deutschen vor, etwa bei der Fledermaus. Dahinter steckt der Flügel bzw. letztendlich das Flattern beim Fliegen.

Flattern kann auf den Seychellen nicht nur der Flughund, sondern auch die pizon olande. Mit etwas Konzentration erkennt man darin die französischen Wörter pigeon (Taube) und Hollande. Die holländische Taube kommt entgegen ihrem Namen nur auf den Seychellen vor und heißt auf Deutsch Paradies-Fruchttaube. Ihre niederländische Bezeichnung Seychelse blauwe duif ist etwas irreführend, denn den kreolischen Namen trägt die Taube nämlich wegen der Kombination von gleich drei Farben ihres Federkleids. Roter Kopf, der Körper oben weiß, unten bläulich: Ganz eindeutig die niederländische Flagge. Dass sie sich heimlich zum Koningsdag auch mal in Orange kleidet, konnte bisher aber noch nicht beobachtet werden.

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Der Beitrag wurde am Montag, den 3. Dezember 2018 um 17:07 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Etymologie, Grammatik, Wortschatz abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Eine Reaktion zu “Flederhunde und holländische Tauben”

  1. JanZ

    Einen Artikel haben Ländernamen im Deutschen genau dann, wenn Genus und Numerus ungleich Neutrum Singular sind. Bei (dem) Iran verschwindet also nicht einfach nur der Artikel, sondern das Genus wechselt von Maskulinum zu Neutrum. Daher halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir in naher Zukunft sagen werden „Ich war auf Seychellen“ oder „in Niederlande“. Wobei Letzteres (gerne auch im Singular „Niederland“) auch für die Umgangssprache eine echte Alternative zu „Holland“ sein könnte, da „die Nie-der-lan-de“ doch etwas umständlich ist (Sprachökonomie!).

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