Forschungspraktikum an der Harvard Medical School in Boston, USA

Im Rahmen meiner Promotion wollte ich gerne die Chance nutzen einen Auslandsaufenthalt zu machen und so ein anderes Lab mit anderem Forschungsschwerpunkt kennenzulernen. Die Arbeit des Mental Health for All Lab an der Harvard Medical School in Boston verfolge ich schon seit einigen Jahren und die Forschungsthemen ergänzen meine eigenen Forschungsarbeiten im Rahmen meiner Promotion sehr gut. Das Mental Health for All Lab forscht zu verschiedenen Möglichkeiten, den Zugang zu psychosozialer Versorgung zu verbessern. In diesem Rahmen gibt es mehrere große Forschungsprojekte im Globalen Süden, aber auch in ressourcenarmen Settings, wie zum Beispiel ländlichen Regionen in den USA. Diese Perspektive finde ich sehr wichtig und spannend, wenn es um die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen geht und die ich gerne mehr in meine eigene Arbeit integrieren möchte. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass ich über die ERASMUS Förderung einen Monat in Boston verbringen konnte.

Ich wurde sehr freundlich von den Lab Mitarbeitenden in Empfang genommen und hatte wie vor dem Aufenthalt besprochen ein eigenes Auswertungsprojekt, an dem ich gearbeitet habe. Ich konnte an Teammeetings und Labmeetings teilnehmen und hatte auch die Möglichkeit an Department- übergreifenden Veranstaltungen der Harvard Medical School teilzunehmen. Das Angebot war breit gefächert und mich hat positiv überrascht, das mehrmals pro Woche spannende guest lectures angeboten wurde, mit teils sehr bekannten Forschenden.

Die Atmosphäre im Lab habe ich als sehr angenehm wahrgenommen. Meine Forschungsgruppe dort war sehr international und man hat schnell Anschluss gefunden. Die Universität ist sehr gut organisiert und gut auf internationale Studierende und research visits vorbereitet. Nachdem ich von der Lab Leitung die Einladung für den Aufenthalt bekommen habe, lief die Kommunikation zu allen organisatorischen Aspekten über admin staff im Department selbst und im International Office. Obwohl es einiges zu organisieren gab, empfand ich den Prozess als unkompliziert. Insbesondere die Ausstellung der Harvard ID, mit der man Zutritt zu allen Gebäuden bekommt und die daher unerlässlich ist, war schnell und unkompliziert.

Boston ist eine sehr teure, aber lebenswerte Stadt. Besonders positiv überrascht war ich vom public transport System, was vergleichsweise gut ausgebaut war. Obwohl ich etwas außerhalb gewohnt habe, war ich gut angebunden und zum Glück nicht auf ein Auto angewiesen. Boston ist sehr schön am Wasser gelegen und bietet tolle Freizeitmöglichkeiten. Im März ist das Wetter in Boston zwar leider nicht das beste, denn es ist meistens sehr kalt und windig, aber dafür schien die Sonne relativ viel. Mir wurde aber gesagt, dass Sommer und Herbst besser für einen Besuch sind, was für mich leider zeitlich nicht gepasst hat. Trotzdem konnte ich viel unternehmen und war zum Beispiel auch bei der St. Patricks Day Parade.

Es gibt eine große Anzahl von tollen (Seafood) Restaurants und Museen. Mit einem Studierendenausweis bekommt man in vielen Museen auch freien oder ermäßigten Eintritt. Das Sportangebot an der Uni ist sehr groß und Sport spielt generell eine große Rolle. Die Social Events meines Labs finden zum Beispiel regelmäßig bei Sportevents der Celtics oder Red Sox statt.

Die Umgebung um Boston lohnt sich auch für Tages- oder Wochenendausflüge. Viele Orte wie Salem und Cape Cod lassen sich auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Ich war für ein Wochenende in Maine unterwegs, was landschaftlich wahnsinnig toll war. Für weitere Trips wie etwa nach Maine, Rhode Island oder New Hampshire ist jedoch auf jeden Fall ein Auto notwendig. Autos kann man unkompliziert über die Autovermietung am Flughafen mieten. Hier sollte man darauf achten, dass man eine „echte“ Kreditkarte hat, oder bei einem Anbieter bucht, der internationale Debitkarten zulässt.


Tipps für andere Praktikant:innen

Vorbereitung

Beginnt früh genug mit der Vorbereitung und überlegt euch, wie ihr die Zeit finanziert. Boston ist, insbesondere was Wohnen angeht, sehr teuer. Man muss für Harvard nachweisen, dass man über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, die in etwa den Studiengebühren für die Anzahl der Monate, die man in Boston verbringen möchte, entsprechen.

Beantragung Visum

Ich hatte nur wenige Wochen und mit Einschränkung durch die Weihnachtsfeiertage Zeit für die Beantragung des Visums, aber dank sehr guter Organisation des Departments und des International Office in Harvard, sowie an der FU, hat alles gut geklappt.

Praktikumssuche

Ich habe etwa 1 Jahr bevor ich den Aufenthalt machen wollte per Mail angefragt.

 

Wohnungssuche

Ich konnte bei einer Bekannten unterkommen. Die Wohnungssuche läuft ansonsten vor allem über facebook und WhatsApp-Gruppen. Generell hatte ich den Eindruck, dass es für einen Zeitraum ab 3 Monaten deutlich einfacher ist eine Unterkunft zu finden, als für kürzere Aufenthalte. Ist man länger vor Ort, kann man auch günstigere Unterkünfte finden. Mit etwa 1000 – 1500 USD sollte man aber rechnen. Achtet auf die Anbindung und schaut euch genau an, wo eure Arbeitsstelle in Boston sein wird und wie ihr dort hinkommen könnt.

Versicherung

Ich habe die Gruppenversicherung vom DAAD abgeschlossen, die mit einem Anbieter für Krankenversicherungen in den USA zusammenarbeitet.

 

Telefon-/Internetanschluss

Ich habe über Mint Mobile einen Vertrag über drei Monate abgeschlossen (90 USD). Ich habe mich für diese Variante entschieden, da man bei Mint eine eSIM mit einer US-Nummer bekommt und so auch ganz normal telefonieren kann, was durchaus praktisch war. Es gibt auch günstigere eSIM Angebote, aber nicht mit US-Nummer.

 

Bank/Kontoeröffnung

Ich habe mein deutsches DKB Konto genutzt.

 

Ausgehmöglichkeiten

Boston hat einige tolle Pubs und Brauereien, sowie Bars mit guten (aber sehr teuren) Drinks.

 

Sonstiges

Ich hatte eine sehr tolle Zeit in Boston und kann die Stadt und die Uni sehr empfehlen. Den Aufenthalt in einer anderen Forschungsgruppe habe ich als sehr bereichernd empfunden!

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