Schenkung an die Jüdische Gemeinde zu Berlin

Am 23.06.2021 konnte die Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Freien Universität Berlin fünf Fragmente von mindestens zwei verschiedenen Toraschriftrollen als Schenkung an die Jüdische Gemeinde zu Berlin (JGzB) übergeben.

© Marcus Dost, FU Berlin

In den 1970er-Jahren wurden diese unvollständigen Teilstücke anonym vor den Türen des Instituts für Judaistik abgelegt. Über den Ursprung der Fragmente ist nichts bekannt. Nachdem diese als Anschauungsmaterial im Lehrbetrieb genutzt worden sind, erfolgte erst 2019 die Wiederentdeckung durch die Mitarbeiter*innen der Universitätsbibliothek.

Die Fragmente weisen mittlere bis starke Gebrauchsspuren auf und es fehlen die Rollstäbe. Auf einem Pergament war ein mutwilliger Ausschnitt zu erkennen. Mithilfe einer Toraschriftgelehrten (hebr. Soferet) gelang es, zwei unterschiedliche Schrifttypen (hebr. ktav Admor HaZaken und ktav Beit Yosef) zu identifizieren, die eine geografische Zuordnung ermöglichten. Die Herkunft ist deshalb im osteuropäischen Raum zu vermuten.

Deutlich zu erkennen, dass hier mutwillig im Fließtext (Kapitel 8, zweites Buch Moses) ein Ausschnitt vorgenommen wurde.
© Marcus Dost, FU Berlin

Da ein NS-verfolgungsbedingter Entzug oder eine andere Form der unrechtmäßigen Entwendung nicht ausgeschlossen werden konnte, war es der Wunsch der Freien Universität Berlin, die Tora-Fragmente an die JGzB als Schenkung zu übergeben. Die entweihten Teilstücke sollen in die Genisa (dt. Archiv) überführt und im Anschluss auf einem jüdischen Friedhof bestattet werden. Damit möchte die FU Berlin dem jüdischen Brauch nachkommen, der sich von dem 3. Vers im Traktat Schabbat 115a der Mischna ableitet: „Man darf alle heiligen Schriften aus einer Feuersbrunst retten, ob man aus ihnen liest oder nicht. Auch wenn sie in irgendeiner anderen Sprache geschrieben sind.“

Wir freuen uns außerordentlich, dass wir mit der JGzB einen Ort gefunden haben, womit diese Fragmente in die jüdische Religionsgemeinschaft zurückkehren können.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://db.lootedculturalassets.de/index.php/Detail/objects/262083

Oberrat der Israeliten Badens

Stempel des Oberrates der Israeliten Badens

Am 23.02.2021 konnte die Universitätsbibliothek der Freien Universität ein Buch aus dem ehemaligen Bibliotheksbestand des Oberrates der Israeliten Badens an die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden K.d.ö.R (IRG Baden) restituieren.

Am 13. Januar 1809 wurde der Oberrat der Israeliten Badens durch den Erlass des 9. Konstitutionsedikts von Großherzog Karl Friedrich (1728-1811) gegründet. Damit hatte das Großherzogtum Baden als erster deutscher Staat eine jüdische Religionsgemeinschaft dauerhaft legitimiert.

Bis zum März 1938 fungierte der Oberrat als Dachverband für die jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Baden. Als die Nationalsozialisten dem Verbund den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts entzogen hatte, wurde er 1939 als „Bezirksstelle Baden-Pfalz“ der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland unterstellt. Am 22. Oktober 1940 deportierten die Nationalsozialisten einen Großteil der noch verbliebenen Jüdinnen und Juden Badens in das französische Internierungslager Camp de Gurs deportiert. Die jüdischen Gemeinden waren vollständig liquidiert. In diesem Zusammenhang zerstörten die Nationalsozialisten Synagogen, Archive, beschlagnahmten Bibliotheken, raubten wichtige Kultus- und Wertgegenstände. Nur wenige Jüdinnen und Juden aus Baden überlebten die Shoah.

1953 schlossen sich der wiederbegründete Oberrat der Israeliten (Nordbaden) und die jüdische Landesgemeinde (Südbaden) zur IRG Baden zusammen. Sie tritt als Rechtsnachfolgerin des Oberrates der Israeliten Badens auf. Als K.d.ö.R. umfasst sie heute zehn jüdische Gemeinden und zählt mehr als 5.000 Mitglieder.

Das Buch wurde von der Universitätsbibliothek der FU Berlin 1968 antiquarisch erworben. Da der Band keine weiteren Provenienzspuren enthält, lässt sich der Weg, den das Buch genommen hatte, nicht genau rekonstruieren.

Buch: Festschrift zu Simon Dubnows siebzigstem Geburtstag (2. Tischri 5691).(1930)

Rechercheergebnis: NS-Raubgut, Rechtsnachfolgerin ist die IRG Baden

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Israelitische Gemeinde Karlsruhe, Bibliothek

Bibliotheksstempel mit Signatur der Israeltischen Gemeinde in Karlsruhe

Am 28.01.2021 konnte die Universitätsbibliothek der Freien Universität ein Buch aus dem ehemaligen Bibliotheksbestand der Israelitischen Gemeinde Karlsruhe an die Jüdische Kultusgemeinde Karlsruhe (JKG) restituieren.

Die Israelitische Kultusgemeinde in Karlsruhe wurde im 18. Jahrhundert gegründet. Bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten existierten zwei Synagogen, in denen nach dem orthodoxen und liberalen Ritus gebetet wurde. Bis zu der Liquidation durch die Nationalsozialisten war die Israeltische Gemeinde in Karlsruhe von einer liberalen und orthodoxen Strömung geprägt. Neben den Synagogen entstanden dem entsprechenden Ritus folgend jüdische Friedhöfe und weitere Einrichtungen wie Schulen und andere Lehrstätten.

Es existieren heute keine Quellen mehr, die darüber Aufschluss geben, ob eine oder mehrere jüdische Gemeindebibliotheken unterhalten worden sind. Sicher ist nur, dass es eine solche Bibliothek gegeben hatte. Vermutlich wurden die Bestände im Zuge der Pogromnacht vom 9./10. November beschlagnahmt oder zerstört. Bei dem 1951 gestellten Wiedergutmachungsantrag äußerte die Gemeinde die Vermutung, dass sich in den Synagogenräumen auch wertvolle Büchereien befunden haben müssen. Während des Novemberpogroms wurden die Liberale und die Orthodoxe Synagoge geschändet, verwüstet und im Anschluss abgetragen. Erst im Jahre 1971 erfolgte ein Neubau an der Knielinger Allee.

In Abstimmung mit dem Oberrat der Israeliten Badens fungiert die Jüdische Kultusgemeinde Karlsruhe als Rechtsnachfolgerin der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Karlsruhe. Die JKG versteht sich heute als Einheitsgemeinde.

Buch: Die Juden in Russland. Urkunden und Zeugnisse Russischer Behörden und Autoritäten. (1900)

Rechercheergebnis: NS-Raubgut, Rechtsnachfolgerin ist die JKG Karsruhe

Weitere Informationen finden Sie unter: https://lootedculturalassets.de/index.php/Detail/objects/257861

Israelitisch-Theologische Lehranstalt Wien

Bibliotheksstempel der ehemaligen Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien

Am 15. November 2020 hat die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin ein Exemplar aus dem ehemaligen Bibliotheksbestand der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt Wien (ITLA) an die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) restituiert.

Die Israelitisch-Theologische Lehranstalt wurde am 15. Oktober 1893 gegründet und diente bis 1938 als Ausbildungsstätte für Rabbiner, Prediger und Religionslehrer. Der Lehrplan und das Selbstverständnis standen im Einklang mit der intellektuellen Strömung der Wissenschaft des Judentums. Die Gründung der ITLA geht auf Rabbiner Moritz Güdemann (1835-1918), die Gebrüder Gutmann und Adolf Jellinek (1820 oder 1821-1893) zurück. Für die Organisation und den Aufbau der Lehranstalt diente das Jüdisch-Theologische Seminar Fraenckel’sche Stiftung in Breslau als Vorbild.

Das Lehrgebäude befand sich in der Tempelgasse 3 in Wien. Es war im heute noch existierenden Verwaltungsgebäude 2 der IKG Wien untergebracht. Im selben Gebäude befanden sich auch das 1863 von Adolf Jellinek gegründete „Beth Ha-Midrash“ und eine Mikwe. Im März 1938 wurde die Bibliothek der ITLA beschlagnahmt. Teile des Bibliotheksbestandes sind unter anderem in das Institut für politische Geistesgeschichte zu Berlin gelangt.

Buch: Antisemiten-Spiegel. Die Antisemiten im Lichte des Christenthums, des Rechtes und der Moral. (1892)

Rechercheergebnis: NS-Raubgut, Rechtsnachfolger ist die IKG Wien

Weitere Informationen finden Sie unter: https://lootedculturalassets.de/index.php/Detail/objects/257846