Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Wenn nicht NAOC, dann COA oder NOC*NSF

Gendersternchen? Nein, mit Geschlechtergerechtigkeit hat das NOC*NSF nicht viel zu tun, jedenfalls nicht hauptberuflich. Sicher wird man sich beim NOC*NSF hinter zentrale Werte wie die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Anerkennung von Diversität stellen, daran besteht gar kein Zweifel. Aber wer oder was in aller Welt ist das NOC*NSF? Oder der oder die?
Das Kürzel steht für Nederlands Olympisch Comité * Nederlandse Sport Federatie. Und damit hat der Name gleich drei Merkwürdigkeiten in sich vereint. Zum Einen das seltsame Sternchen – was es zu bedeutet hat, dafür lässt sich auch auf der Website des NOC*NSF so leicht keine Erklärung auftreiben. Man erklärt zwar ausführlich, was man mit dem Logo der Olympischen Spiele, des Komitees und so ziemlich allen anderen Begriffen, Grafiken oder Slogans nicht tun darf (Vorsicht: selbst die Worte Rio 2016 können in eine Copyrightfalle führen). Klar, wegen der olympischen Werte und weil der Sport geschützt werden muss. Oder damit die Lizenzgebühren weiter schön fließen können, aber das sagt man lieber nur zwischen den Zeilen.

Warum da nun ein Sternchen im Kürzel auftaucht, auch in sämtlichen Texten, das dürfen wir uns wohl selbst ausdenken. Vielleicht multiplizieren sich die Kräfte von NOC und NSF zur sportpolitischen Superpower. Oder wir sollen irgendwo eine Fußnote suchen, in der das mit dem Copyright nochmal ganz genau erläutert wird. Oder aber das Sternchen bedeutet, dass die Sache mit dem Sport einfach nur supertoll und total klasse ist. Vermutlich ist es vor allem Marketing – und es funktioniert: Wir haben jetzt schon minutenlang darüber nachgedacht. Und vergessen, dass es wie oben erwähnt noch zwei weitere Merkwürdigkeiten gibt. Nämlich die Frage, warum die Sport Federatie getrennt geschrieben wird (vielleicht eher etwas für kommaneukers). Und die Frage, warum das NOC*NSF im Niederländischen keinen Artikel bekommt, zum Beispiel unter den veel gestelde vragen auf der Website:

Der Sprinter Churandy Martina aus Curaçao startete früher für das NAOC, heute gezwungenermaßen für das NOC*NSF. (E.v.Leeuwen, CC-BY-SA-3.0)

Hoe kan ik lid worden van NOC*NSF?

Hoeveel leden heeft NOC*NSF?

Offenbar ist das Kürzel so sehr zum Markenzeichen geworden, dass das C nicht mehr unmittelbar auf het comité zurückgeführt wird, sondern der Verband seinen Namen einfach nur noch als eine Ansammlung von Buchstaben sieht.

Abgelenkt hat uns das alles außerdem von der Frage, was denn neben dem NOC*NSF nun das COA oder das NAOC tun. Letzteres tut gar nichts mehr. Das NAOC war das Nederlands Antilliaans Olympisch Comité, also der olympische Sportverband der Niederländischen Antillen. Mit deren Auflösung vor sechs Jahren musste auch das Olympische Komitee der Inseln die Arbeit einstellen. Aruba hatte sich glücklicherweise schon früher losgesagt und hat seitdem sein eigenes Olympisches Komitee, nämlich das COA, mit papiamentischem Namen: Comité Olímpico Arubano. Dummerweise hat das Internationale Olympische Komitee (das kennen wir alle: das IOC) vor einiger Zeit die Regeln geändert und es dürfen nur noch wirklich unabhängige Länder neue Komitees gründen. Die alten bestehen weiter, Aruba kann seins behalten, weil es das schon vor der Regeländerung gab. Curaçao und Sint Maarten dürfen aber nun als neue autonome Länder des Königreichs keine neuen gründen. Das hat ziemlich doofe Folgen für Sportlerinnen und Sportler dieser Inseln, wie die NOS-Redaktion aufschlüsselt.

In der öffentlichen Wirkung bedeutet das, dass wir in der Eröffnungsfeier nicht die Fahnen der Inseln sehen konnten und dass Sint Maarten und Curaçao nicht im Medaillenspiegel auftauchen. Sprachlich bringt es uns um das schöne Kürzel KOK, denn ein Komité Olímpiko di Kòrsou dürfte es auf absehbare Zeit nicht geben. Die curaçaischen Athletinnen und Athleten müssen sich nun einiges gefallen lassen: Nicht nur fehlt ihnen bis heute ein vernünftiges deutsches Adjektiv (Curaçaoisch? Curaçanisch? Curassesisch?), sondern sie müssen das Komitee der Nachbarinsel auch noch in der ‚falschen‘ Rechtschreibung ertragen. Das Komitee von Aruba trägt nämlich seinen Namen selbstverständlich in der Papiamento-Variante wie sie dort geschrieben wird und nicht in der Orthographie, die Curaçao benutzt.

Mit am Start sind in Brasilien auch ein paar Sportler*innen aus dem nördlichen Nachbarland, die das Surinaams Olympisch Comité schickt, sowie die Auserwählten des Belgisch Olympisch en Interfederaal Comité (BOIC), oder auf Französisch wie immer verkehrtherum: Comité olympique et interfédéral belge (COIB). Anders als das NOC*NSF rechtfertigt sich das BOIC auf seiner Internetseite durchaus für die seltsame Benennung:

Het BOIC is een „interfederale“ vzw. Het Comité overkoepelt de nationale sportbonden die gewoonlijk uit twee of zelfs drie communautaire liga’s bestaan.

Den Athletinnen und Athleten aus dem niederländischsprachigen Raum wünschen wir jedenfalls weiter viel Erfolg in Rio. Also… dem von 2016. Mit © und so.

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 13. August 2016 um 09:53 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Belgien, Niederlande, Sprachvergleich, Suriname, Wortschatz abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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