Clara Schumann, Ilia State University – Oktober 2025
Im kleinen Land Georgien kann man wunderbar und komfortabel wandern (in Swanetien hatten wir in unseren Guesthouses jeden Abend eine warme Dusche und meistens auch funktionierendes Wifi), baden (im Schwarzen Meer), gut essen und trinken (ich empfehle bernsteinfarbenen, in der Amphore gereiften Weißwein) und in der Hauptstadt (Tbilisi) auch lange ausgehen. Außerdem braucht man kein eigenes Haustier, da überall friedliche (Straßen)Hunde, Katzen, aber auch Kühe, Pferde und Schweine unterwegs sind, die sich für einen Apfel oder ein Stück Wurst die Köpfe kraulen lassen. Trotz vieler Streicheleinheiten habe ich mir keine Flöhe eingefangen.

Im Gespräch mit Mitarbeiter*innen, Professor*innen und Doktorand*innen der Ilia State University in Tbilisi habe ich gelernt, wie dürftig die georgischen Universitäten im Vergleich zu den deutschen mit öffentlichen Geldern ausgestattet sind, und dass sie fast vollständig auf internationale Konsortien angewiesen sind, um Forschung betreiben zu können. Die Promotion ist im Vergleich zu hier eine höchst kompetitive Angelegenheit, zu der nur sehr wenige Absolvent*innen zugelassen werden, und die fast immer neben einem Vollzeitjob geleistet werden muss. Ich bewundere das Durchhaltevermögen meiner Gesprächspartner*innen, die sich trotz widriger Bedingungen darum bemühen, dass die Doktorand*innenausbildung höchsten internationalen Standards entspricht, und wünsche Ihnen noch mehr davon, um sich unter den immer repressiveren politischen Bedingungen behaupten zu können.



