Lehraufenthalt in Südkorea

Jiachuan Li, Seoul National University – März 2026

Die Seoul National University, die als eine der führenden Universitäten Südkoreas gilt, war mir bereits vor meinem Aufenthalt ein Begriff. Ich wusste, dass der Zugang sehr selektiv ist und Studierende anspruchsvolle Auswahlverfahren durchlaufen müssen. Umso beeindruckender war mein erster persönlicher Eindruck: Der wunderschöne Campus liegt in den Bergen am südlichen Rand von Seoul und bietet zahlreiche Wanderwege. Man kann stundenlang über das weitläufige Gelände spazieren, das kontinuierlich erweitert und modernisiert wird.

Die Germanistikabteilung befindet sich in unmittelbarer Nähe des idyllischen Teichs „Yahayeon“ im Gebäude 2 des College of Humanities. Während meines Aufenthalts wurde ich sehr herzlich empfangen – unter anderem durch eine Campusführung und ein gemeinsames Essen in der Mensa mit einem DAAD-Kollegen. Die Abteilung ist bemerkenswert groß und umfasst mehr als zehn Professorinnen und Professoren sowie über zwanzig promovierte Lehrbeauftragte. Besonders beeindruckt hat mich die Abteilungsbibliothek, die jederzeit zugänglich ist. Regelmäßig sind auch internationale Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vor Ort; ich hatte das Glück, an einem Gastvortrag teilzunehmen und dabei zahlreiche Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen.

Von dem hohen Leistungsdruck und der starken Konkurrenz in Südkorea hatte ich bereits im Vorfeld gehört – und konnte dies auch im Unterricht bestätigen. In den Deutschkursen auf B1- und B2-Niveau, die ich mehrfach im Co-Teaching begleitet habe, zeigte sich, wie engagiert und leistungsstark die Studierenden sind. Viele von ihnen haben bereits in der Schule Deutsch gelernt, um überhaupt an der Universität oder im Fach Germanistik studieren zu können. Ihr Wissen über Europa und den deutschsprachigen Raum ist entsprechend beeindruckend. Nicht wenige studieren zusätzlich zu ihrem Hauptfach noch weitere Fremdsprachen.

Darüber hinaus nahm ich an einem Seminar der Germanistik teil, das sich mit nordischer Mythologie beschäftigte. Die Gruppe war interdisziplinär zusammengesetzt – etwa 90 % Germanistikstudierende und 10 % aus der Kunstabteilung. Die Diskussionen waren ausgesprochen lebendig; ich wurde mit vielen differenzierten und kritischen Fragen konfrontiert, was ich als besonders bereichernd empfand.

Das Erasmus-Programm hat mir zudem die Möglichkeit gegeben, Südkorea aus nächster Nähe kennenzulernen – weit über K-Pop und K-Dramen hinaus, die in Europa oft im Mittelpunkt stehen. Insgesamt ist das Wissen über Korea dort noch vergleichsweise begrenzt. Südkorea lässt sich für mich als eine faszinierende Mischung aus westlichen Einflüssen, insbesondere durch das Christentum, rasanter Modernisierung und einer weiterhin stark konfuzianisch geprägten Gesellschaft beschreiben. Gleichzeitig ist spürbar, dass das Land aktiv nach einer eigenen kulturellen Position sucht. Ein besonders wichtiger kultureller Meilenstein ist die Entwicklung des koreanischen Alphabets Hangul, das nicht nur die Alphabetisierung, sondern auch die Verbreitung von Literatur und kulturellen Narrativen maßgeblich gefördert hat.

Auch das Stadtbild Seouls ist weit mehr als die im Reiseführer beschriebenen modernen Hochhäuser und historischen Paläste: Über 600 Meter hohe Berge liegen direkt im Stadtgebiet, und nur wenige Schritte vom geschäftigen Großstadtleben entfernt findet man plätschernde Bäche und von Bergen umgebene Naturlandschaften. Gleichzeitig wird auch die große soziale Ungleichheit deutlich sichtbar.

Ich danke dem Erasmus-Programm herzlich für diese wertvolle Gelegenheit, an einer exzellenten Universität am anderen Ende des Kontinents mit herausragenden Dozentinnen und Dozenten sowie Studierenden in Austausch zu treten. Die Erasmus-Kolleginnen und -Kollegen der Freie Universität Berlin haben mich zudem bei organisatorischen Fragen stets schnell, zuverlässig und äußerst unterstützend begleitet. Ich kann meinen Kolleginnen und Kollegen eine Bewerbung nachdrücklich empfehlen.

Lehraufenthalt in Seoul, Südkorea

Christin Krüger, Seoul National University – Juli 2025

Mein Erasmus+ Aufenthalt an der Seoul National University, bei dem ich einer Gruppe von Germanistik-Studierenden bei der Erarbeitung einer Aufführung von Wolfgang Borcherts Stück „Draußen vor der Tür“ unterstützen durfte, war für mich nicht nur in beruflicher Hinsicht eine wertvolle Erfahrung. Neben der Freude daran, den Studierenden dieses Theaterprojekts bei Fragen und Problemen bezüglich des Textes und seiner schauspielerischen Darstellung zur Seite zu stehen, schätze ich vor allem die interkulturelle Perspektive, die mir der Auslandsaufenthalt eröffnet hat. Der Einblick in die landeseigenen kulturellen Gewohnheiten während und abseits der Arbeit ist das eine. Noch entscheidender ist für mich aber, festzustellen, wie sehr sich das Studieren und wissenschaftliche Arbeiten sowie deren aktuelle Herausforderungen hier wie dort gleichen. Den Studierenden bei einem ganz konkreten Projekt auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen bei Fragen der Lesart(-en) und Umsetzung zur Hand zu gehen und die spezifisch deutschen Sichtweisen auf Borcherts Theatertext zu vermitteln, war eine sehr befriedigende Aufgabe. Dabei war es für mich besonders spannend, zu beobachten, wie die südkoreanischen Studierenden mit dem Text umgehen, was sie streichen oder hinzufügen. Denn auch das verrät viel über die Kultur, Geschichte und Eigenheiten eines Landes. So war ich nicht nur in der Position der Lehrenden und „Erklärenden“, sondern die Studierenden haben auch mich immer wieder über ihre Ideen zum Text aufgeklärt und ihre Motive deutlich gemacht. Kurzum: Ich habe mich an der Seoul National University sehr willkommen gefühlt und bin dankbar darüber, dass ich sowohl meine Fähigkeiten in der Lehre als auch meine interkulturelle Kompetenz durch diesen Aufenthalt ausbauen und festigen konnte. Vielleicht hat der Aufenthalt sogar den Grundstein dazu gelegt, um die Zusammenarbeit der beiden Institute im Rahmen dieses an der Seoul National University alljährlich stattfindenden Theaterprojektes zu verstetigen.