„Wieder einmal rief Moritz etwas unüberhörbar Lautes in den Unterricht hinein, …“

Ein Beitrag von Marcus Rachow

Die im Folgenden beschriebene Situation ereignete sich während des Unterrichts einer 8. Klasse im Fach Biologie. Es war während des dritten Unterrichtsblocks und es war ein sehr heißer Tag. Beide Faktoren haben einen Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler (SuS) genommen. Die SuS dieser Klasse sind, wie so viele Jugendliche in ihrem Alter, recht energiegeladen und suchen bei jeder Gelegenheit die Möglichkeit, etwas anderes zu tun, als dem Unterricht zu folgen. Besonders einem Schüler, im Folgenden nur noch Moritz genannt (Name geändert), fällt es besonders schwer, dem Unterricht zu folgen und er nutzt jede freie Sekunde auch andere SuS vom Unterricht abzulenken.
Die SuS befanden sich am Anfang des Themas Organsysteme und sollten zur Wiederholung als Klasse gemeinsam tierische und pflanzliche Zellmodelle beschreiben. Im Anschluss sollten die SuS ihre Ideen zu Organsystemen, die sie bereits kennen, nennen, sodass die Lehrerin diese an ein Whiteboard schreiben konnte. Während dieses Einstiegs in das Thema war die Klasse größtenteils konzentriert und vor allem waren die Beiträge meist konstruktiv und wurden nicht einfach in den Raum gerufen. Allerdings machte sich vor allem im hinteren Teil der Klasse Unruhe bemerkbar. Es begannen sich viele SuS zu unterhalten und dem Unterricht keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken.
Viele dieser Unruhen entstanden durch Moritz, der in seinen Sachen herumsuchte, mit Kaugummis spielte, einfach aufstand und herumlief, sich mit seinen Banknachbarn unterhielt und wahllos Dinge in den Raum hineinrief. Auf mich wirkte es so, als würden die allermeisten dieser Aktionen von Moritz die anderen SuS eher nerven, als dass sie sie interessierten. Die Lehrerin konnte nahezu alle dieser Störungen durch direktes Ansprechen des Betroffen unterbinden. Mir ist aufgefallen, dass Sie dabei, wie auch im restlichen Unterricht, eine ruhige Stimme beibehielt. Sie ließ sich auf keine Diskussionen ein und machte meist noch kleinere Scherze. Diese waren nie herabwürdigend und haben oft die gesamte Klasse zum Kichern gebracht, auch die betroffen SuS. So hat sie die Aufmerksamkeit der SuS wieder auf sich gezogen und konnte mit dem Unterricht fortfahren.
Doch die eigentlich interessanteste Situation war die, in der die Lehrerin gar nicht reagierte. Wieder einmal rief Moritz etwas unüberhörbar Lautes in den Unterricht hinein, doch keiner der SuS reagierte. Anscheinend waren sie von seinem Kommentar genervt und ignorierten ihn einfach. Auch die Lehrerin ignorierte den Kommentar von Moritz und was zurückblieb war nur ein Moritz der neben seinem Stuhl stehend auf eine Reaktion der Klasse wartete. Nach einem kurzen Augenblick voller Stille setzte er sich wieder hin und der Unterricht nahm seinen Lauf von dort an, ohne weitere Störungen von Moritz, fort.

Meine Einsichten

In dieser Situation habe ich erkannt, dass es beim Umgang mit Störungen oft mehrere Handlungsmöglichkeiten gibt und dass diese sehr abhängig von der jeweiligen Situation sind. Moritz scheint mit seinen Aktionen nach der Aufmerksamkeit anderer zu suchen und nachdem diese ihm verweigert wurde, hat er kurzer Hand aufgegeben. Was die Reaktion der Lehrerin angeht, so war es aus meiner Sicht ein etwas riskantes Vorgehen: Nicht zu agieren hätte auch nach hinten losgehen können und dem Schüler signalisieren können: „Ich toleriere dein Verhalten, mach weiter.“
Des Weiteren hätte es sicher Möglichkeiten gegeben, Störungen im Unterricht präventiv zu verhindern. Konkret stelle ich mir vor, dass die SuS selbst Begriffe an das Whiteboard hätten schreiben können, um sie so aktiver in den Unterricht zu integrieren. Die perfekte Lösung für den Umgang mit sämtlichen Störungen wird es – denke ich – nicht geben. Es bleibt also eine Fähigkeit des Lehrers, schnell zu erkennen, ob und wie auf eine bestimmte Störung reagiert werden sollte. Dennoch sollte vor allem Moritz weiter beobachtet werden und ggf., nach weiteren Wochen der Beobachtung und bei kontinuierlichem störenden Verhalten, ein persönliches Gespräch mit ihm in Betracht gezogen werden.

Meine Anschlussfragen

  • Welche Möglichkeiten gibt es, Störungen präventiv zu verhindern?
  • Wie findet man heraus, welche Reaktion auf eine Störung die Beste ist?

50 Gedanken zu „„Wieder einmal rief Moritz etwas unüberhörbar Lautes in den Unterricht hinein, …““

  1. Lieber Marcus,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag und deine Einsichten, denen ich mich nur anschließen kann. Auch ich habe mich, wie du, gefragt, inwiefern dieses Vorgehen der Lehrerin wirklich die beste Lösung ist, um mit Störungen umzugehen. Da auch die SuS genervt von dem Verhalten von Moritz waren, frage ich mich, warum die Lehrerin nicht anders mit der Situation umgegangen ist, obwohl dadurch die Konzentration der anderen SuS gestört wird. Ich finde es trotzdessen interessant, dass das Nichtbeachten von Moritz dazu geführt hat, dass er irgendwann aufgehört hat und ruhig war. Ich frage mich, was die Lehrerin gemacht hätte, wenn Moritz weiterhin den Unterricht gestört hätte und ob ein Gespräch mit ihm etwas gebracht hätte.

    Liebe Grüße,
    Rosa

  2. Lieber Marcus,

    ich fand deinen Beitrag sehr interessant und nachvollziehbar! Danke dafür! Ich bin auch der Meinung, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt Störungen zu unterbinden. Man muss jedoch herausfinden welche in dem Moment am effektivsten ist. Du hast gut beschrieben, welche unterschiedlichen Methoden die Lehrerin nutze, um die Störungen von Moritz zu verhindern. Erst ihn direkt, aber eher ruhig ansprechen und wenn es nicht klappt, die Störung ignorieren. Und man konnte gut sehen, wenn sowohl die SuS, als auch die Lehrkraft, unangebrachte Sprüche ignorieren, dann hilft dies und er hört von ganz alleine auf. Das ist meiner Meinung nach ein sehr faszinierender und interessanter Verlauf, obwohl zu sagen ist, dass diese Methode nicht immer hilft, vor allem wenn die SuS auf solche Störungen, wie die von Moritz, eingehen.

    Liebe Grüße,

    Jasmin

    1. Lieber Marcus,

      vielen Dank für den aufschlußreichen Beitrag. Es ist erstaunlich zu lesen, dass die SuS von dem Verhalten ihres Mitschülers genervt gewirkt haben. Außerdem ist es schön zu lesen, dass die Lehrkraft ruhig geblieben ist. Das Verhältnis zwischen der Lehrkraft und den SuS scheint sehr gut zu sein, da sie sehr gut einschätzen konnte wie sie zu reagieren hat. Sie hat auf einer humorvollen Art versucht die Aufmerksamkeit der SuS zurück zu gewinnen. Außerdem stimme ich dem Punkt zu, dass das ignorieren von Störern negativ ausgehen kann.

      Liebe Grüße
      Selin Ünlü

  3. Lieber Markus,
    danke für den interessanten Einblick! Anhand deines Beitrages kann man gut sehen, wie vielseitig Störungen unterbunden werden können. Interessant ist die Herangehensweise der Lehrkraft auch dahingehend, dass sie verbal eingegriffen hat, sobald andere SuS auf die Störungen eingingen und im hinteren Raum Unruhe herrschte und das Ignorieren bevorzugte, als auch die Klasse die Störung ignorierte. Wozu sollte sie die Aufmerksamkeit dann noch extra auf die Störung lenken. Ich frage mich auch, wie man die Störungen vielleicht präventiv hätte verhindern können. Deine Idee, dass die SuS selber ans Whiteboard hätten schreiben dürfen, sehe ich als einen guten Ansatzpunkt. Ich denke im Allgemeinen, dass es einiger Erfahrung bedarf, um zu wissen, wie man am besten in welchen Situationen mit Störungen umgeht und ich denke, dahingehend wird man nie „auslernen“. Ich freue mich, dass du mich durch deinen Beitrag schon früh dazu anregst, mir über den Umgang mit Störungen Gedanken zu machen 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

  4. Lieber Marcus,

    die Situation, die du beschreibst ist äußerst spannend und ja, du hast recht, auch sehr risikoreich. Anstatt mit Aufgeben hätte Moritz auch noch stärker versuchen können Aufmerksamkeit zu bekommen, in dem er noch lauter wird oder ihm andere Dinge einfallen.
    Ich denke, eine Lehrkraft weiß erst, was die richtige Reaktion ist, wenn sie die Klasse und ihr Verhalten schon länger kennt und somit spezielle Schüler im Blick hat. Die Lehrerin musste sich auf die Klasse verlassen, dass sie auch nicht reagieren würde. Dazu ist Kenntnis über die Klassendynamik unwahrscheinlich wichtig. Bei schwierigen Schüler kann es auch sein, dass man einfach alle Tricks ausprobieren muss, eh man einen findet, der Wirkung zeigt.
    Ich hoffe, eines Tages eine ähnlich ruhige Art und Weise an den Tag legen zu können, wenn jemand meinen
    Unterricht stört.

    Liebe Grüße
    Sandra

  5. Hallo Marcus,
    ich finde deinen Unterrichtseinblick sehr interessant!
    Natürlich geht es mit einem gewissen Risiko einher, Störungen zu ignorieren. Aber ich denke, falls der Schüler dies als Aufforderung betrachtet hätte, weiterhin zu stören oder diese Störungen sogar zu verstärken, hätte die Lehrerin ihre Form der Reaktion ergänzen/ersetzen können.
    Ich denke jeder kennt die Situation nicht beachtet oder gar ignoriert zu werden und weiß, wie ätzend sich das anfühlt. Als Konsequenz einer störenden Handlung im Unterricht finde ich die Maßnahme, dieses Gefühl zu erwecken durchaus angebracht und wie man in dem Beispiel sieht, hat dies auch etwas positives für die restliche Klasse bewirkt.

    Liebe Grüße,
    Amelie

  6. Lieber Marcus,
    ich finde deine beobachtete Situation sehr interessant und sehr lehrreich. An dieser Situation sieht wie komplex der Umgang mit Störungen ist und es für jede Situation je nach Schüler mehrere Möglichkeiten gibt damit umzugehen. Natürlich kann das ignorieren des Verhaltens auch nach hinten losgehen, ich denke aber das solche Schüler wie Moritz, die sich nach Aufmerksamkeit durch ihre Störungen sehnen, mit aktivem einschreiten der Lehrkraft nicht beruhigt werden sondern das verhalten eher schlimmer wird da man ihnen genau das gibt was sie wollen und zwar Aufmerksamkeit mit Störungen zu erreichen. Natürlich kommt das auch wieder je nach Situation und Schüler an.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Kevin Menden.

  7. Lieber Marcus,

    vielen Dank für diesen Einblick in Dein Beobachtungspraktikum. Ich teile Deine Auffassung, dass es wahrscheinlich keine universell anwendbare Reaktion/ Lösung bei Störungen im Unterricht geben kann und bin gleich wie Du in Teilen überrascht von dem Ausgang dieser Situation. Ich sehe auch ein gewisses Risikopotenzial in der Reaktion der Lehrerin auf Moritz Fehlverhalten. Da jeder Mensch und somit auch SuS unterschiedlich handelt, erfordert es Vorwissen und feinstes Gespür im Umgang mit oben genanntem Schüler und die erfolgten Maßnahmen hätten, meiner Ansicht nach, auch eskalierend wirken können. Deinen alternativen Handlungsvorschlag sehe ich als guten Ansatz, dennoch bedarf es, wie bereits erwähnt, einiger Erfahrungswerte. Methoden, wie diese würden nicht in jedem Klassenverbund Wirkung zeigen.

    Mit liebem Gruß,
    Maria Christoph

  8. Vielen dank für deinen Mikroartikel!
    Wie in vielen Kommentaren zuvor schon erwähnt gibt es natürlich sehr viele Möglichkeiten mit einer Störungssituation umzugehen. Ich könnte mir Vorstellen, dass es vor allem darauf ankommt wie das Arbeitsbündniss oder die Beiziehung sowie die Historie zwischen der Lehrkraft und des/der Störer:in ist. Je nachdem kann die Lehrkraft auf Störungen eingehen, sie ignorieren oder andersweitig intervenieren. Interessant wäre zu wissen, welche Regeln die Lehrkraft mit der Klasse vereinbart hat.

  9. Lieber Marcus,

    deine Beobachtungen und Schlussfolgerungen sind sehr interessant. Das Alter der SuS und die Hitze an diesem Schultag tragen höchstwahrscheinlich nicht zu einem reibungslosen Verlauf einer Unterrichtsstunde bei. Trotzdem hat die Stunde funktioniert und abgesehen von Moritz gab es nicht allzu viele Störungen. Mir scheint, dass zwischen Lehrerin und SuS prinzipiell ein gutes Arbeitsbündnis besteht. Auf Störungen geht die Lehrerin souverän und mit Humor ein, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und hat die Fäden in der Hand. Du schreibst, dass die Aktion vom „Störenfried“ Moritz vor allem die SuS genervt hat, denn diese sind nicht auf ihn eingegangen. Das wird der Lehrerin nicht entgangen sein, daher konnte sie sein Verhalten einfach ignorieren. Dadurch konnte der Unterricht ungestört fortgesetzt werden, was in diesem Fall auch im Sinne der anderen SuS war. Gleichzeitig wurde so das bestehende Arbeitsbündnis bekräftigt. Störendes Verhalten zu ignorieren hat hier gut funktioniert. Doch was, wenn Moritz‘ Verhalten bei den anderen Bestätigung gefunden hätte? Oder was, wenn die Lehrerin die Störung thematisiert hätte, gerade weil sie gemerkt hat, dass die anderen SuS von Moritz genervt sind? Ich denke, dass es Fingerspitzengefühl und Erfahrung braucht, um einschätzen zu können, welche Reaktion am besten funktioniert. Und vielleicht auch ein bisschen Glück.

  10. Lieber Marcus,

    die von dir beschriebene Situation tritt sicher nicht selten auf. Wie man auf solche Störungen eingeht, ist von vielen Faktoren abhängig und etwas, dass man erst über viele Erfahrungen lernt. Zum Großteil hat auch das Verhalten der Klasse seine Wirkung getan. Dadurch, dass diese nicht positiv auf das Störverhalten reagiert hat, wurde dem Schüler ein großer motivationaler Aspekt entzogen: der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung durch die Mitschüler/Innen. Großartig finde ich, dass die Lehrkraft die Störungen mit Humor löst – was sicher nicht jeder kann. Gleichzeitig schafft sie es aber auch, wie von dir hervorgehoben, dem Schüler auf Augenhöhe zu begegnen und nicht zu erniedrigen. Beschämung eines Schülers sehe ich ohnehin kritisch, habe ich zum Teil in meiner Schulzeit erlebt und würde das so nie wollen. Wichtig finde ich auch, dass wenn das Störverhalten noch länger anhält, die Gründe genauer zu erörtern. Ist der Unterrichtsstoff zu leicht, ist er unterfordert? Oder ist er ggf. überfordert? Wie sehen seine Noten aus – gibt es da Probleme, nimmt er deshalb nicht teil und versucht sich stattdessen abzulenken. Oder ist es schlichtweg der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung? Und wie könnte man ihn aktiver/direkter einbeziehen? Wenn sich das Verhalten langfristig nicht ändert und sich auch negativ in den Leistungen spiegelt, sollte es definitiv thematisiert werden.

    LG, Laura 🙂

  11. Lieber Marcus,

    ich finde die beschriebene Situation sehr interessant, denn wenn nur eine Person dem Störer Aufmerksamkeit schenkt, funktioniert diese Methode der Störungsunterbindung meist nicht mehr. Ich finde es gut, dass die Klasse nicht auf Moritz eingegangen ist und dass die Lehrerin so gut damit umgegangen ist. So hat dieser den Spaß daran verloren, die anderen zu stören und bekam keine Bestätigung seiner Mitschüler. Denn oftmals hängen solche Störungen damit zusammen, dass Kinder Aufmerksamkeit erhalten wollen.

    Liebe Grüße

    Annina

  12. Lieber Marcus,

    was Du schreibst, ist sicher sehr richtig. Darin mag jedoch das Problem liegen. Ich frage mich: Wer ist Moritz? Wer ist dieser Mensch, dem wir zum Besten aller nicht zuhören (und von dem wir, wie selbstverständlich, in diesem Artikel nichts im Wortlaut hören, als wäre von Beginn an jedes seiner Worte irrelevant, einzig eine Störung)? Der wenig herabwürdigende Witz der Lehrkraft mag schließlich noch tiefer zielen als der obszöne und scharfe Witz, weil er ein Zeichen einer strukturellen Überlegenheit ist; damit ein Zeichen von Macht.

    Mir fällt auf, dass uns Moritz im Beitrag zunächst nur als Privation begegnet. Dabei ändert sich unser Blick auf ihn, sobald wir uns vergegenwärtigen, welche Eigenschaften einer Schülerin/ eines Schülers bei Moritz mangelhaft sind. Er bewegt sich im Raum, wo Bewegungslosigkeit gefordert ist. Er spricht, wo Schweigen gefordert ist. Er spielt, wo Spiellosigkeit gefordert ist. Er kramt in seinen Sachen, wo Kramenslosigkeit gefordert ist. Das mag zunächst nur eine Störung des primären Handlungsvektors sein. Doch was bedeutet das? Nichts mehr als das, falls wir nicht den Anspruch verfolgen, über eine Fabrikmoral hinauszugehen und falls wir nicht ablehnen, dass die Disziplinierung und Abrichtung Moritzens alternativlos ist. Aber ich sehe in Moritz einen jungen Menschen mit Kraft und Beziehungsfähigkeit zur seiner Umgebung. Zugleich sehe ich einen Menschen, der sich nicht einfach Autoritäten unterwirft. Das zeigt sich in seiner Beziehung zur Lehrkraft, deren überlegenen Ausbildung und Rhetorik gegenüber Moritz sich nur als einsamer Prometheus bewähren kann.

    Ich will sagen: Vielleicht müssen wir von Moritz lernen? Es reicht nicht, ihm nicht zuzuhören, wie es die Lehrkraft im Artikel tut. Es wäre auch nicht genug, Moritz zuzuhören. Viel mehr müssen wir als Lehrer*innen Moritz werden.

    Viele Grüße
    Nikolaj

  13. Hallo Marcus,
    Vielen Dank für deine interessante Beschreibung einer Unterrichtssituation.
    Ich finde das Verhalten der von dir beschriebenen Lehrkraft in dieser Situation sehr unverständlich. Zwar geht
    es darum bei einer Störung mitten im Unterricht diese gezielt und schnell zu beseitigen um den weiteren Unterrichtsfluss beizubehalten um sein Handlungsprogramm ohne große Verzögerungen durchzuziehen. Dazu scheint die Taktik der Lehrkraft ja dann
    auch tatsächlich geholfen zu haben.

    Aber Moritz hat es ja mal so überhaupt gar nicht geholfen. Der sinnvollste Weg meiner Meinung nach mit einer Störung umzugehen ist es zunächst einmal herauszufinden, warum diese überhaupt entsteht. Moritz scheint diese Aufmerksamkeit dringend zu benötigen, weswegen er sie auch so penetrant sucht. Dabei bestärkt das (fast schon) hämische Verhalten, der Lehrkraft, dass die Suche Moritz nach Aufmerksamkeit Erfolg hat. Er fühlt sich endlich wahrgenommen, wie er es will und wird nun überhaupt nicht verstehen warum er danach dann direkt komplett ignoriert wird. Natürlich macht er danach gar nichts mehr, aus Scham und Angst. Aber sollte ein Schüler tatsächlich so von einer Lehrkraft zurückgelassen werden?

    Besser wäre gewesen sich als Lehrkraft intensiv mit Moritz zu beschäftigen und überhaupt erstmal zu verstehen was die Gründe für Moritz störendes Verhalten sind. So lassen sich Störungen am besten im Vorraus vermeiden. Man muss die Bedürfnisse der Kinder erkennen und dementsprechend dann auch handeln.

    Viele Grüße
    Vincent

  14. Hallo Marcus,

    danke für deinen schönen Einblick in eine deiner Hospitationsstunden! Ich finde es interessant, dass das Nichtbeachten von Moritz ihn dazu geführt hat, nicht mehr den Unterricht zu stören. Andererseits ist es aber wiederum auch eine logische Konsequenz. Denn meistens wollen Schüler wie Moritz andauernd die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, da es ihnen ein gutes Gefühl gibt und nicht wissen, wie sie dieses Gefühl anderweitig erzeugen sollen. Dabei empfinden andere zum Beispiel ähnliche gefühle, wenn sie beispielsweise eine gute Note schreiben, sich mit Freunden treffen, oder Anerkennung von der Lehrkraft erhalten.
    Letztlich hat Moritz durch das Ignorieren bemerkt, dass seine Verhalten unangebracht ist und er nicht nur die Lehrerin nervt, sondern auch seine Mitschüler, weshalb es ihm in diesem Moment nicht mehr möglich war, dieses Gefühl durch sein Verhalten hervorzurufen.

    Ich finde es schön, dass der Umgang der Lehrerin mit dieser Sitation zu einer Besserung geführt hat, aber ich kann mir gut vorstellen, dass andere das Ignorieren womöglich fehlinterpretiert hätten, sodass es schließlich zum gegenteiligen Effekt käme…

    Grüße

  15. Hallo Marcus,
    vielen Dank für deinen Beitrag.
    Der Beitrag hat mich an meine Schulzeit erinnert, in der es auch oft zu solchen Ereignissen kam. Die Lehrerin wirkt meines Erachtens sehr erfahren und dementsprechend fand ich es gut, wie sie gehandelt hat.
    Es scheint, als ob die Lehrerin genau wusste, wie Moritz tickt und was das in der nachfolgende Zeit mit sich bringt.
    Auch fand ich es interessant zu sehen, wie die Schüler mit Moritz umgegangen sind, denn das wirkt auch sehr „erwachsen“. Vielleicht haben die Schüler der Lehrerin „abgeschaut“ wie man in solchen Situation handelt, denn sie waren genervt von Moritzs Verhalten und haben gesehen, wie sich die Lehrerin in solchen Situation benimmt, was dann auch für die nachfolgende Stunde positiv zugeschrieben werden konnte.
    Ich bin auch der Meinung so wie du, dass man vielleicht Moritz aktiv in den Unterricht miteinbeziehen hätte können, denn das Ignorieren hätte auch in die falsche Richtung laufen können. Vielleicht hätte die Lehrerin ihn selbst auffordern können, die gesagten Dinge der Schüler an die Tafel zu schreiben und so verursacht, dass er nicht stören kann und auch nebenbei was lernt.

    Liebe Grüße
    Jaimee

  16. Lieber Marcus,
    ein sehr interessanter Mikroartikel! Ich finde ihn auf mehreren Ebenen spannend, weil er zum einen den von dir beschriebenen Handlungsspielraum beleuchtet, aber auch andererseits die Frage bei mir aufwirft, warum dieser Junge so viel stört. Passiert es öfter? Ist sein familiäres Umfeld vielleicht schwierig? Oder stört er vielleicht weiter, weil ihn die lustigen Kommentare der Lehrerin und das Lachen der SuS kränken/ärgern? Auf jeden Fall regt dein Beitrag sehr zum nachdenken an, vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße,
    Anne

  17. Lieber Marcus,

    Als ich deinen Beitrag gelesen habe, hatte ich die ganze Zeit in meinem Hinterkopf zwei Gedanken: konsequent sein und negative Aufmerksamkeit ist besser als keine Aufmerksamkeit. Als Max diese negative Aufmerksamkeit nicht bekommen hat, war es für ihn nicht mehr interessant den Unterricht zu stören. Die Lehrerin hat das in meinen Augen sehr geschickt erkannt und dementsprechend gehandelt. Sie ist in der Sache sehr konsequent geblieben und Max nichts mehr gegeben, bis zum Ende, egal wie sehr er es versucht hat. Ich finde es auch sehr geschickt, wie sie mit den Schülern Scherze gemacht hat und die Sache mit Leichtigkeit aufgelockert hat, dabei hat sie den Schülern gezeigt, dass sie mit/ bei Ihnen ist, nicht gegen sie.

    Liebe Grüsse,

    Seda Boran-Krüger

  18. Hallo Markus,
    Ich finde das dein Beitrag sehr gut zeigt, das die Reaktion auf Strörungen nicht immer die selbe sein kann sondern von der Art und dem Hintergrund der Störung abhängt. Für den Umgang mit Störung gibt es eben kein Universalrezept. Außerdem wird deutlich, das nicht unbedingt die ganze Klasse involviert sein muss, wenn es sehr unruhig ist. Einzelne Schüler, die bewusst stören können sich stark auf andere auswirken.
    Liebe Grüße
    Cara

  19. Lieber Markus,
    ich habe deinen Beitrag sehr genoßen, die Beschreibung deinerr Beobachtung kann ich sehr wohl nachvollziehen. Ich vermutte, dass die Lehrerin in dieser Klasse schon vieles unternommen, um auf die Störungen dieses Schülers präventiv oder korrektiv zu reagieren. In deiner Beochachtung konnte ich auch herauslesen, dass die SuS auch sehr entspannt mit der Situation umgehen konnten. Ich denke, dass es auch ein großer Faktor ist, dass die gesamte Gruppe die Situation auffängt und positiv darauf reagieren kann. Ich kann daraus interprätieren, dass die gesamte Klasse die Klassenregeln kooperativ folgen können. Wie Du das schreibst, ich denke auch, dass es kein Rezept geben kann, wie es auf Störungen reagiert wird. Es wird nicht immer klappen.
    Grüße
    Gastón

  20. Lieber Markus,
    ich habe deinen Eintrag mit viel Interesse gelesen. Ich finde es sehr bemerkenswert, wie die Lehrerin, in der von dir geschilderten Situation, reagiert hat. Nicht nur, dass sie die Schülerinnen und Schüler, durch Ansprechen mit ruhiger Stimme, dazu gebracht hat dem Unterricht wieder konzentriert zu folgen, sondern auch, dass sie dabei noch kleine Scherze eingelegt hat. Auch mit der lauten Störung von Moritz ist sie und auch die Klasse sehr gut umgegangen. Wahrscheinlich kennt sie Moritz und weiß, dass er nur Aufmerksamkeit will. Es ist dennoch sehr faszinierend, dass Moritz danach keine weiteren Störungen verursacht hat und das, weil die Lehrerin und die Klasse seine Störung ignoriert haben.
    Vielen Dank für den guten Blogeintrag!
    Liebe Grüße
    Sarah

  21. Lieber Marcus,
    vielen Dank für das Teilen dieses Artikels. Wie du hier bereits festgestellt hast, gibt es natürlich viele Möglichkeiten mit Störungen im Unterricht umzugehen. Ich persönliche halte das schlichte Ignorieren einer Störung allerdings nicht für die beste Methode. Das Ganze mag zwar in dieser Situation funktioniert haben, weil scheinbar Klasse und Lehrerin bereits mit dem Verhalten des Schülers vertraut waren, aber sowas kann auch anders ausgehen und wie du schon sagtest, kann es auch als Toleranz solches Verhaltens interpretiert werden. Dass vorab keine Regeln kommuniziert wurden schließe ich aus, da es bei dem Rest der Klasse gut zu klappen scheint. Dass die Störungen durch den Schüler aber scheinbar keine Konsequenzen mit sich ziehen, halte ich für falsch, da die vermehrten Störungen und die damit verbundene Ablehnung durch die Klasse dafür sorgen könnten, dass er aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt wird. Ein persönliches Gespräch könnte daher möglicherweise helfen und auch eventuelle Probleme des Schülers klären, die sein Verhalten hervorrufen.
    LG
    Marijke

  22. Hallo Marcus,

    Wie schon mehrere Studierende kommentierten, bin auch ich der Meinung, dass man sich eingehender mit Moritz beschäftigen sollte. Lehrkräfte haben mehr als nur einen Bildungsauftrag, es geht auch um Erziehung und soziale Einbindung. Besonders Schüler*innen, die „schwierig“ sind, dürfen wir nicht einfach ignorieren. Zwar geht aus deiner Beschreibung nicht hervor, wie du die Schüler-Lehrkraft-Beziehung davor und danach wahrgenommen hast, völlig ignorieren darf aber wohl keine langfristige Lösung sein (und damit meine ich auch eine, die die ganze Unterrichtsstunde lang geht). Es ist klar, dass Moritz Aufmerksamkeit sucht und eigentlich nur kommuniziert: „Hallo, hier bin ich, nehmt mich wahr!!!!!!!!!“ Meiner Ansicht nach ist es Aufgabe der Lehrkraft, sich mit dem Grund hierfür zu beschäftigen und Moritz Möglichkeiten aufzuzeigen und anzubieten, wo er positiv wahrgenommen werden kann.

  23. Hallo Marcus,

    eine spannende Beobachtung, die du da beschreibst. Mit gefällt die Professionalität der Lehrerin, mit Witz auf den störenden Schüler einzugehen, das verlangt viel vertrauen in seine eigene Fähigkeiten. Auch das Wissen, darüber dass der Moritz aufhört wenn man ihm die Bühne entzieht, zeugt von Professionalität. Denn die Lehererin handelt vorausschauend und hat wahrscheinlich von früheren Erfahrungen gelernt.
    Sehr guter Umgang, wie ich finde.

    LG Tobias

  24. Hallo Marcus,
    vielen Dank für Deinen Beitrag! Ich finde die Reaktionen der Lehrerin auch sehr spannend. Dein Bericht davon ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie viele Möglichkeiten es gibt auf Störungen zu reagieren (oder eben nicht zu reagieren). Ich finde es ermutiend, wie die Lehrerin sich von den Störungen nicht hat verunsichern lassen. Das ist ein sehr sympatischer Weg, Störungen mit Humor aufzugreifen. Ich glaube, dass es sich lohnt diese Geduld der Lehrerin aufzubringen. Es braucht halt manchmal Zeit bis der Unterricht wieder ungestört läuft.

  25. Lieber Marcus,
    ich kann meinen Vorkommentatoren nur Recht geben, vielen Dank für diesen schön zu lesenden Beitrag!
    In den Unterricht eine Schippe Humor zu integrieren, bringt meiner Meinung nach oft die Freude zum Ausdruck, die dieser Beruf eigentlich mit sich bringt. Warum sollte man sich in Unterrichtssituationen verstellen, wenn man normalerweise in bestimmten Momenten einen kleinen Witz reißen würde? Seinen persönlichen Charakter in den Unterricht mit einbringen zu können, erfordert sicherlich etwas Mut, da man über eine „Gefährdung“ des nötigen Abstands zu den SuS reden könnte. Wie viel Persönliches ist okay, was ist zu viel?
    Humor ist dabei sicherlich eine gute Möglichkeit, um den SuS zu zeigen, dass man auch nur ein Mensch ist, ohne dabei zu viel Einblicke in sein Privatleben zu geben. Mir persönlich sind solche Lehrer auch am ehesten in Erinnerung geblieben, wenn ich an meine Schulzeit zurück denke.
    Dass Humor auch ein Umgang mit Störungen sein kann, hast du ebenfalls beschrieben. Ich finde generell alle Möglichkeiten zur Bewältigung von Konflikten, die nichts mit rumbrüllen, Erniedrigung oder sonstigem zu tun haben, sehr gut. In meiner Schulklasse gab es damals Lehrer, die sofort laut wurden, als der Unterricht nicht wie geplant lief. Stattdessen einen lustigen, aber bestimmten Kommentar von sich zu geben, finde ich da weit aus effektiver.

  26. Lieber Markus,

    vielen lieben Dank für diesen Beitrag. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie diese Methode der Lehrerin bei Moritz funktioniert hat. Ich denke jedoch, dass es nicht immer bei allen Schüler/innen hilfreich ist. Es ist eine gute Frage, wie man sich als Lehrkraft am besten bei Störungen der Kinder verhält. Meiner Meinung nach kann man Methoden zur Vermeidung von Störungen nicht verallgemeinern. Die Lehrkraft muss gut beobachten und einschätzen können, welche Maßnahmen bei welchen Kindern wirkt und somit individuell auf diese eingehen. Jedes Kind reagiert auf jede Methode anders. Bei dem einen wirkt sie, bei anderem nicht.

    LG
    Samantha

  27. Lieber Marcus,
    dein Beitrag finde ich sehr interessante, weil es ziemlich viele Kinder wie Moritz gibt, die einfach nur die Aufmerksamkeit ihrer Klassenkameraden und Klassenkameradinnen und der Lehrkraft wollen. Solchen Schüler*innen ist es meistens egal, ob sie diese Aufmerksamkeit dadurch bekommen, weil sie stören und deshalb ständig ermahnt werden müssen, oder ob sie sie bekommen, weil sie besonders gut mitarbeiten. Meistens wählen sie aber den vielleicht einfacheren Weg der Störung. Es war zwar eine riskante Handlung von der Lehrkraft Moritz einfach zu ignorieren, aber es war meiner Meinung nach die richtige. Kinder wie Moritz geben nämlich meistens auch sehr schnell auf, wenn sie niemand beachtet und das hat ja auch in deinem Beispiel funktioniert. Ich gebe die aber Recht, dass es nicht immer leicht ist, zu entscheiden, welcher der beste Weg der Unterbindung der Störung ist, die Lehrkraft muss intuitiv, spontan und schnell reagieren und das kann sehr schwierig sein. Mein hätte tatsächlich,wie auch du schon sagtest, den Unterricht interaktiver gestalten können, trotzdem gehe ich davon aus, dass Moritz auch dann gestört hätte, weil er einfach die Aufmerksamkeit braucht.
    LG
    Zita

  28. Hallo Marcus,

    vielen Dank für diesen Einblick in den Unterricht. Zum einem fand ich es sehr gut, dass du auch auf die äußeren Einflüsse eingegangen bist. Ein heißer Tag und ein dritter Block beeinflussen natürlich auch die Schüler.
    Außerdem erkannte die Lehrerin den Grund der Störung. Moritz suchte nach Aufmerksamkeit. Es war interessant von dem Feingefühl der Lehrerin zu hören. Zuerst entschied sie sich das Verhalten anzusprechen und zu einem späteren Zeitpunkt schenkte sie dem Schüler keine Aufmerksamkeit mehr. So konnte sie weitere Störungen verhindern.

    Liebe Grüße
    Emily

  29. Vielen Dank für die interessane Situation.
    Was du beschrieben hast, das es keine generelle Lösung für Störungen gibt find ich am wichtigsten. Jede*r Schüler*in ist anders und so können auch die Störungen sein. Ich freue mich sehr gelesen zu haben, dass die Lehrkraft hier in dieser Situation einen kühlen Kopf behalten hat und vor allem nicht hearbwürdigend war. Meiner Meinung nacht ist das einer, wenn nicht sogar die, schlechten Lösungsansätze, die ich noch zu häufig erlebe.

  30. Lieber Marcus,
    was ich von dir gelesen habe, hat mich an die Zeiten erinnert als ich selber Schüler war. Klassenclown gibt es fast in jeder klasse. Aber die frage ist warum, laut sein und Aufmerksamkeit suchen. Ich möchte einfach darüber hinweisen, das solche kinder haben das Problem von Zuhause aufgebaut. Mutter, Vater und andere Geschwister geben unserem Moritz keine genügende Aufmerksamkeit, die er braucht. Deshalb wird er laut und lenkt andere Sus ab.
    Meiner Meinung nach, ein Lehrer sollte ein bisschen individuell mit den Sus arbeiten um etwas herauszufinden, wie man mit ihre Störungen umgehen könnte. Was sie brauchen und ihre Aufmerksamkeit dem Unterricht zu schenken. Was sie brauchen um mit dem stören aufzuhören.
    Jedes Situation ist anderes und alle Sus sind unterschiedlich, ob mit Scherzen oder mit einer Kleinen Pause. Es hängt davon ab wann ist die klasse, und was ist die Störung.

  31. Lieber Marcus,

    Danke für deinen Blogbeitrag! Du hast recht, die Reaktion der Lehrerin hätte auch nach hinten losgehen können. Ich glaube zu wissen wie man zu reagieren hat, läuft wirklich nach dem Prinzip: Übung macht den Meister“. Die Störungen von Moritz sind bestimmt schon häufiger vorgekommen. Ich stelle es mir besonders schwer vor, zu wissen wie man auf Störungen reagieren soll, wenn man gerade erst sein Studium abgeschlossen hat und vor seiner ersten Klasse steht. Der Umgang mit Störungen ist dennoch immer situationsabhängig, was alles nur noch schwieriger macht. Aber ich denke auch mit ein bisschen Übung kann es realisierbar werden, wenigstens die meisten Störungen präventiv zu verhindern.

    Liebe Grüße

    Dominique

  32. Es ist eine schwierige Situation, wenn ein Schüler oder eine Schülerin ununterbrochen den Unterricht stören möchte. Noch schwieriger wird es, wenn der oder die Störerin ein Publikum hat, dass ihn in seinen Aktionen unterstützt. Den goldenen Weg gibt es bei solchen Situationen nicht, das denke ich auch. Hier hat die Lehrerin noch Glück, dass der störende Schüler bereits mit seinen Aktionen isoliert ist und die Lehrerin diese Stimmung in der Klasse nutzen kann. Dennoch scheint es mir wichtig, in einem persönlichen Gespräch den Grund seiner Unruhe zu ermitteln. Falls dieses Verhalten sich wiederholt oder sogar zum Standard wird, dann ist ein Elterngespräch absolut zu empfehlen. Man muss Bündnisse eingehen und gemeinsam darüber reden, was für ein solch störendes Verhalten verantwortlich ist. Das Problem ist leider oft, dass gerade in schwierigen Fällen, die Eltern nicht erreichbar sind für eine Ansprache. Versuchen sollte man es aber trotzdem.

  33. Hallo Marcus,
    ich persönlich finde ebenfalls riskant, dass die Lehrerin nichts zu Moritz sagte. Ob das funktioniert, den Schüler/ die Schülerin zu ignorieren ist sehr vom Charakter des Schülers abhängig. Ein anderer Schüler hätte vielleicht, wie doch schon sagtest, gedacht, dass die Lehrkraft das unangemessene Verhalten toleriert und so weiter den Unterricht gestört. Oder der Schüler könnte das auch auch Provokation auffassen.

    Meiner Meinung nach ist es immer besser vor dem Unterricht ein „Prozeduren-Plan“ zu erstellen , um so Störungen generell vorzubeugen. Generell hilft es auch gemeinsam mit der Klasse Regeln zu erstellen und diese schriftlich im Klassenraum festzuhalten. Falls dann ein Schüler so wie Moritz den Unterricht stört, können die anderen Schüler mithilfe der schriftlich festgehaltenen Regeln Moritz signalisieren, dass er es bitte unterlassen soll. Sollte dies nicht funktionieren, kann auch die Lehrerin intervenieren und Moritz in aller Ruhe auf die Klassenregeln hinweisen.

    Das ignorieren von Schülern kann nur dann Erfolg zeigen, wenn der jeweilige Schüler nur stört, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Sollte der Grund der Störung bei z.B. Desinteresse des Schülers am Thema sein, so sollte meiner Meinung nach die Lehrkraft direkt intervenieren.

  34. Lieber Marcus,

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich finde die von dir beschriebene Situation sehr interessant, da sie einem eine zentrale Herausforderung des Klassenmanagements aufzeigt. Viele SuS, vor allem in dieser Altersgruppe, haben das Bedürfnis von ihren MitschülerInnen anerkannt zu werden, was sich häufig dadurch äußert, dass sie im Unterricht stören. Ich denke das Verhalten der Lehrkraft hat sehr gut demonstriert, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, um mit Unterrichtsstörungen umzugehen. Indem sie das unerwünschte Verhalten ignoriert, schwächt dieses ab und die Lehrerin kann das vorgesehene Handlungsprogramm weiterhin durchziehen. Ich denke wie man in solchen Situationen reagiert, kommt auf die bereits gemachten Erfahrungen mit dem Störer an. Wahrscheinlich war es nicht das erste Mal, dass er den Unterricht gestört hat und die Lehrerin konnte bereits Erfahrungen sammeln, wie man mit Ihm in solchen Situationen am Besten umgeht.

  35. Hallo Marcus,
    danke für deinen Beitrag. Wie du schon so schön beschrieben hast, gibt es verschiedene Möglichkeiten mit Unterrichtsstörungen umzugehen. Es ist die schwierige Aufgabe der Lehrkraft die Situationen einzuschätzen, sowie sensibel und bestimmend zu unterbinden. In diesem Beispiel hat die Lehrkraft das relativ gut gelöst, auch das die Klasse die Störungen von Moritz weitgehend (genervt) ignorierten. Aber alleine die Tatsache, dass du als Beobachter erkennen konntest, dass die SuS schon von Moritz genervt sind, deutet darauf hin, dass Moritz sehr oft zu stören scheint, was den Lernfluss der anderen SuS beeinflussen könnte. Daher sollte es ein klärendes Gespräch mit Moritz und seinen Eltern geben.

  36. Hallo Marcus,
    als Lehrer gibt es oft keine richtigen und falschen Antworten. Es hängt ganz von der Klassendynamik und den einzelnen Schülern ab. Was in einer Klasse gut funktioniert, funktioniert in einer anderen vielleicht garnicht. Wichtig ist es, nicht vertieft auf sein Handlungsrepartoir zurückzugreifen, sondern immer eine gute Übersicht über das Klassengeschehen zu behalten und sein Verhalten reflektiert. Dieses Beispiel zeigt gut, wie man mit Störungen umgehen sollte. Ich denke solche Beiträge werden mir in meinem späteren Alltag als Sonderpädagogin weiterhelfen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Alexandra

  37. Hallo Marcus,
    vielen Dank, dass du diesen Eintrag mit uns geteilt hast. Die Handlungsmöglichkeit, die die Lehrerin in dieser speziellen Situation gewählt hat, war sehr professionell und wirkunsvoll. Mich interessiert jedoch sehr, wie man mit Moritz mit dem Blick auf die Zukunft umgeht. Das Ziel sollte doch sein, dass es langfristig nicht mehr zu diesen Unterrichtsstörungen kommt und dass die Lehreren sich nicht jede Stunde erneut mit Moritz auseinandersetzen muss. Du hast ein persönliches Gespräch vorgeschlagen: Es würde mich besonders interessieren, wie man als Lehrkraft ein solches Gespräch aufbaut und leitet, oder wann man vielleicht sogar die Eltern mit einbezieht. Ich hoffe das wir im Laufe unseres Studiums auch noch über den Verlauf von Einzelgesprächen sprechen und diskutiern.

  38. Hallo Marcus,
    einfacher lässt sich über Situationen reden, die gelungen sind, als Situationen, die schwierig sind. Kinder wie Moritz gibt es immer wieder im Schulalltag. Und genau darauf sollten sich künftige Lehrer vorbereiten. Dabei gibt es keinen Goldweg, wie du schon richtig bemerkt hast. Wird das Kind bei einer Störung ignoriert, könnte es sich akzeptiert fühlen in seinem negativen Verhalten. Andererseits könnte es auch spüren, dass das eigene Verhalten durch die Ignoranz der Lehrkraft und der SuS absolut nicht toleriert wird. Damit ließe sich überlegen, ob die Lehrkraft die Stimmung der Klasse richtig eingeschätzt hat und gemerkt hat, wie genervt auch schon die anderen waren. Somit sie das Ignorieren der anderen einfach mit übernommen hatte und der ,,Stimmung“ der Klasse gefolgt war.
    Schwierig zu sagen, ob diese Stimmung immer einbezogen werden kann. Allerdings auch eine Überlegung wert diese Unmittelbarkeit von SuS nicht außer Acht zu lassen. Kind sind eher direkt und anhand dem allgemeinem Verhalten könnten Tendenzen abgeleitet werden.
    Nichts desto Trotz wäre ein persönliches Gespräch mit Moritz ein guter Ansatz. Schließlich sollte er auch eine Rückmeldung bekommen wie sein Verhalten ihm in erster Linie schadet. Und das im Bezug nicht nur auf seine Leistung, sondern in der Gemeinschaft. Denn ohne Rückmeldung könnte er der Überzeugung bleiben, sein Verhalten sei in Ordnung.
    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel!

  39. Hallo Marcus,

    eine interessante Beobachtung; Moritz verursachte die Störungen aus welchen Gründen? Dies wäre interessant herauszufinden, daher wäre ein Gespräch mit ihm sehr schnell zu suchen. Langweilt er sich sogar? Ist er unter-/überfordert? Oder gibt es ganz andere Gründe, die der Lehrkraft, ohne mit Moritz ein Gespräch zu führen, nicht klar werden können. Sind nicht auch andere SuS beteiligt, wenn im hinteren Teil der Klasse Unruhe herrscht und geredet wird? Die unterschiedlich ausfallende Reaktion der Lehrkraft (von „cool“ bis ignorierend) auf Unterrichtsstörungen ist ein Zeichen dafür, dass es nicht die EINE Möglichkeit gibt, auf Störungen zu reagieren. Selbst einen ruhigen Ton in der Stimme zu behalten und den störenden Moritz nicht zu überschreien, ist m.E. extrem wichtig, wenn man für Ruhe sorgen möchte.

  40. Die Vorgehensweise bei solch drastischen Störungen, ist wirklich nicht einfach zu bestimmen. Sowohl das aktive Eingreifen in die Situation, als auch das strikte Ignorieren hätten beide fatale Auswirkungen auf die gesamte Situation haben, sowie die Lernatmosphäre nachhaltig zum negativen beeinflussen können. Jedoch ist es der Lehrerin erfolgreich gelungen, dem störenden Schüler das perfekte Maß an Aufmerksamkeit und Gleichgültigkeit entgegenzubringen und damit den Unterrichtsfluss nur geringfügig zu unterbrechen.

  41. Lieber Marcus,
    danke, dass du Deine spannende Beobachtung mit uns teilst.
    Die Einführung der Schüler in einen neuen Themenblock ist immer eine heikle Situation. Verliert man hier das Interesse der Schüler wird es schwierig in den nächsten Stunden auf dem Wissen aufzubauen, welches in der Einführung vermittelt werden sollte.
    Der Umgang der Lehrerin mit den Störungen war routiniert und wohl überlegt, es muss Spaß gemacht haben einer Expertin bei der Arbeit zuzusehen.
    Dein Blogeintrag hat mir sehr geholfen, meine Möglichkeiten als zukünftiger Lehrer besser einschätzen zu können. Ein unerfahrener Lehrer hätte sicher versucht Moritz die Regeln zu erklären, die ihm allerdings durchaus bewusst sein könnten. Der Junge ringt nach Aufmerksamkeit, das kann viele Gründe haben, die dramatischer sein könnten als die Pubertät.
    Wie du richtig erkannt hast ist eine weitere Beobachtung seines Verhaltens wichtig.
    Ich bezweifle, dass man eine Unterrichtseinheit bei den gegebenen Bedingungen wie geplant durchführen kann, deswegen würden mich Ideen zu Präventivmaßnahmen auch sehr interessieren.
    Viele Grüße Niklas

  42. Ich finde die gewählte Methode des Brainstormings der Leherin sehr gut, weil sie etwas chaotischer und unstrukturierter ist als die „normalen“ Lernmethoden. Durch das etwas andere Nachdenken über das Thema bleiben die Lerninhalte gut hängen. Ich denke mit der Methode können auch alle Schüler gut beschäftigt werden. Ich stelle es mir wirklich nicht einfach vor immer die am besten passende Handlung zur Unterbindung von Störungen zu finden. Ich denke je mehr Erfahrung man im Unterrichten hat, desto besser wird man darin. Die Ansicht, dass es nicht die „perfekte“ Methode zur Unterbindung von Störungen gibt, sondern diese immer situationsabhängig sind, teile ich. Es kann möglicherweise sinnvoll sein die Ursache für die Störung herauszufinden und diese wenn möglich zu beseitigen. Warum stört der Schüler oder die Schülerin? Aus Langeweile etc.? Wenn ein Schüler oder Schülerin stört um Aufmerksamkeit zu bekommen, kann meiner Meinung nach Ignorieren eine gute Möglichkeit sein, solange sich die Klassenkameraden nicht von ihm ablenken lassen. Beim Ermahnen würde der Schüler nur für sein Verhalten durch die Aufmerksamkeit belohnt werden. Dies wäre eher kontraproduktiv und wahrscheinlich würde er/sie auch in Zukunft weiter stören.

  43. Hallo Marcus,

    danke für diesen interessanten Beitrag. Es gibt viele Möglichkeiten, Störungen präventiv zu verhindern. So wie die Lehrperson reagiert hat ist sicherlich eine Möglichkeit, die aber nicht bei jedem Schüler anwendbar ist. In der Situation war das Ignorieren des Schülers, der vermutlich den Unterricht störte, um Aufmerksamkeit zu bekommen, die richtige Möglichkeit, die Störung zu unterbinden. Auch das direkte Ansprechen wäre eine gute Möglichkeit, Unruhen zu unterbinden. Aber das wichtigste ist meiner Meinung nach die Körpersprache der Lehrperson und ihr Handlungsprogramm. Durch unklare Handlungsprogramme und nervöses Auftreten steigen die Unruhen in der Klasse. Das ist durch klare Handlungsprogramme und einem selbstbewussten Auftreten gut zu verhindern. Wie man am besten herausfindet, welche Reaktion auf eine Störung die Beste ist, ist schwer zu sagen. Dafür muss man meiner Meinung nach die SuS kennen. Und das wiederum braucht Zeit.

    LG Eren

  44. Lieber Markus,

    danke für deinen interessanten Blogpost.
    Das Thema Unterrichtsstörungen und wie man mit diesen umgehen kann, ist gerade für Lehramtsstudenten ein ungeheuer Spannendes. Ohne viel Eigenerfahrung gilt es hier so viel nützliches wie möglich aus Beobachtungen und den Berichten der erfahrenen und begabten Lehrkräften zu ziehen. Erfahrungsgemäß aus meiner Schulzeit ist sogar zu erwarten, dass dies an einer öffentlichen Schule, die Häufigste Aufgabe einer Lehrkraft sein wird.
    Das Verhalten der Lehrerin war wohl richtig und zeigte auch gewünschte Ergebnisse, dennoch hinterließ es bei mir einen gewissen bitteren Nachgeschmack. Der Geist eines jungen Heranwachsenden ist nicht unbedingt leicht zu verstehen und in vielerlei Hinsicht wird wohl auch seine frühere Kindheit mit seinem jetzigen Verhalten zu tun haben. Ich glaube nicht das „Moritz“ das ausschließlich tut, um andere zu stören oder weil ihm langweilig ist, sondern das seine Hyperaktivität und impulsive Art auf ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hinweisen und die Natur seiner Handlungen darin zu ergründen ist. In meinem Lateinkurs hatte ich einen Mitschüler, welcher aufgrund von privaten Problemen (welche außerhalb seines Einflussbereiches waren) ebenfalls Hyperaktiv war und als Resultat waren alle genervt von ihm und keiner wollte wirklich mit ihm zusammenarbeiten, wenn ich das lese wie jeder „Moritz“ ignoriert, obwohl er wahrscheinlich auch nicht wirklich was für sein Verhalten kann gibt mir das ganz ähnliche Vibes und er tut mir Leid.

    Effektive Planung, gutes Zeitmanagement und eine starke Klassengemeinschaft mit dem ziel sich gegenseitig zu unterstützen, stellen für mich drei Säulen potentieller Störungsprävention dar.

    Letzteres kommt wohl leider zu kurz, denke ich. Wenn „Moritz“ von der Klassengemeinschaft nicht ganz aufgenommen wird, dann kann er nur schwer ein eigenes Interesse daran bilden, die anderen nicht Stören zu wollen, wenn sie ihn nicht beachten und genervt von ihm sind und nicht mit ihm arbeiten wollen, warum sollte er dann von sich aus denken, er müsse jetzt Rücksicht nehmen auf andere, die es ihm nicht gleich tun? (wobei ich hoffe dass der Ausschnitt nur eine Momentaufnahme und nicht unbedingt der Regelfall ist) Zusammenarbeit wird hierbei wohl eher zu langfristigen Erfolgen führen,
    aber ich bin leider auch kein Profi und das ist nur eine Vermutung.
    Wenn ich weiß, dass ich einen Schüler mit sehr viel überschüssiger Energie habe, wieso gestalte ich den Unterricht nicht etwas interaktiver, ich denke man kann immer einige Aufgaben an die SuS delegieren, so wie das schreiben an dem Whiteboard ggf. „Moritz“ hätte überlassen werden können.

    Ich halte es für sehr wichtig mit „Moritz“ zu sprechen, weshalb er das Verhalten an den Tag legt, wenn er beispielsweise zuhause schon Ignoriert wird und nun versucht dies in der Schule auszugleichen, ist es wohl nicht ratsam ihn zu ignorieren, auch wenn dies die effizienteste Methode der Störungsunterdrückung darstellt.

    Liebe Grüße Julien

  45. Ich finde den geduldigen Umgang der Lehrerin mit den Störungen und ihre akkurate Reaktion sehr beeindruckend. Es ist sicherlich nicht selbstverständlich immer und zur jeder Zeit die angemessenste Reaktion auf eine Störung zu finden. Ich denke dazu ist schlicht Erfahrung und auch das Kennenlernen der individuellen SchülerInnen sowie der Klassendynamik von Nöten. Grundsätzlich könnte dennoch eine grobe Orientierung sein, kleinere Störungen eher zu ignorieren und größere Störungen zu adressieren, wobei sich hier die Frage stellt, wo die Grenze zu ziehen ist. Im Falle von Moritz hat die Lehrerin wohl klug erkannt, dass sein Ziel scheinbar war, eine Reaktion, also Aufmerksamkeit, von der Gruppe zu bekommen. Sicherlich kann man ein solches Verhalten nicht für jeden Schüler auf eine Ursache zurückführen, sondern diese unterscheiden sich wohl individuell (z.B. mangelnde Wertschätzung/Aufmerksamkeit zu Hause oder Austesten von Grenzen, etc.) und die Schule bietet auch nicht den Rahmen, die jeweiligen Umstände der einzelnen SchülerInnen im Elternhaus zu bearbeiten. Dennoch würde es mich interessieren, wie man einem solchen Schüler helfen kann, das ursächlich Bedürfnis, das zu den Störungen führte, zu erfüllen, ohne eben Störungen zu verursachen. Eine Idee hierzu wäre, bei bekanntem Verhalten, den Schüler direkt schon vor dem Auftreten von Störungen präventiv einzubinden und eine Aufgabe zu geben, bei der er aufmerksam sein muss. Dies ist jedoch sicherlich nicht in jeder Situation möglich, zudem könnte das auch, gerade aus Sicht der anderen SchülerInnen, als „bevorzugte“ Behandlung wahrgenommen werden. In diesem Kontext möchte ich nur anmerken, dass die Wahrnehmung für „problematische“ Schüler häufig auf laute/auffällige Schüler begrenzt ist, während ruhige SchülerInnen, die evt. psychologische/sozialpädagogische Unterstützung benötigen „hinten herunterfallen“ (logischerweise, da erstere das Handlungsprogramm im Unterricht stören und zweitere eben nicht). Das heißt natürlich nicht, dass das eine über das andere gestellt werden sollte, sondern dass eben beides beachtet werden sollte.

    Als ich einem Bekannten, der als Quereinsteiger in einer Schule arbeitet, von dem Mikroartikel erzählt habe, hat dieser mir von einer interessanten Vorgehensweise berichtet, die ihm von seinem zu gewiesenen „Mentor“ empfohlen wurde. Diese bezog sich auch auf einen Schüler, der ein ähnliches Verhalten wie „Moritz“ zeigt. Der Vorschlag war, dass mit der gesamten Klasse und dem Betroffenen über das Thema gesprochen wird, d.h. anzusprechen, dass der Schüler große Schwierigkeiten hat sich z.B. nicht ständig laut zu äußern, zu kommentieren etc. und deshalb mit den Mitschülern vereinbart wird, dem Betroffenen bei dem Problem zu helfen, indem sie nicht auf seine Kommentare reagieren (wichtig hier ist klar zu machen, dass es nicht darum geht, dass die Klasse sich gemeinsam gegen den Schüler zu „verbündet“, sondern, dass es darum geht, ihm zu helfen sich zu regulieren und am Unterricht besser teilnehmen zu können). Ich fand diesen Vorschlag sehr interessant, aber er wirkte gleichzeitig auch riskant auf mich, da es auch zu einer Art organisierter Ausgrenzung führen könnte, wenn das Ganze nicht sensibel umgesetzt wird.

  46. Der Umgang mit Störungen und Schülern die sich komplett dem Unterricht verweigen, ist eines der Themen die mich beim Gadanken an meine Zukünftige Arbeit am meisten beschäftigen und mir dabei auch etwas Sorgen bereiten.
    In diesem Artikel wird klar, dass es sehr viele verschiedene Möglichkeiten gibt mit schwierigen Situationen umzugehen und dass es auch keine leichte Aufgabe wird immer auf die richtige Art und weise zu reagieren.
    In diesem Fall war die Reaktion der Lehrerin die richtige in einem andere Klassenkollektiv oder bei einem andere Schüler hätte dies aber auch nach hinten losgehen und das Verhalten des Schülers bekräftigen können.

  47. Lieber Marcus,

    deine Beobachtung und Schlussfolgerung sind sehr interessant. Ich stimme dir zu, die Lehrkraft hätte vermutlich die Gruppe aktiver mobilisieren können. Vielleicht hätte sie sogar Moritz aktiv einbinden können (vorausgesetzt, dass Moritz nicht vorgeführt wird aufgrund fehlender Kenntnisse etc.), um die „Quelle der Störung“ ohne grossen Konflikt zu reduzieren. Die Lehrkraft scheint erfahren und sehr sensibilisiert im Umgang mit Störungen…zu wissen, wann es angebracht ist zu intervenieren und wann Störungen ignoriert werden können erfordert sicherlich ein Feingefühl, was man erst durch Erfahrung verbessert. lg onur

  48. Lieber Marcus,

    ich finde die Situation sehr spannend, da in einem solchen Fall natürlich mehrere Handlungsoptionen bleiben.
    Die Frage welche Handlungsoption die richtige ist, lässt sich natürlich nicht im vorhinein klären. Da die Lehrerin die Klasse bereits kannte, konnte Sie warscheinlich sehr gut einschätzen wie welche Handlung ankommt. Trotzdem hat sie ihre Handlungsweise geändert. Falls eine Handlungsweise nicht weiterführt ist es durchaus möglich eine andere Handlungsweise zu wählen. Hierbei müssen natürlich weitere pädagogische Prinzipien betrachtet werden (Ringmodell etc.).

    Liebe Grüße

  49. Hallo Markus,
    danke für deinen Beitrag!
    Ich finde, dass deine Beobachtungen und die Reaktionen der Lehrkraft sehr gut zeigen, dass es nicht immer eine richtige Reaktion gibt. Die Lehrkraft ist wie beschrieben mehrfach auf die Störungen eingegangen und hat sich schlussendlich dazu entschieden Weitere zu ignorieren, was in diesem Fall funktioniert hat. Ich frage mich aber auch, ob dies in jeder Situation funktionieren würde. Was wäre, wenn die anderen SuS ihn nicht ignoriert hätten? Hätte er dann vielleicht doch weiter gemacht?
    In diesem Fall hat die Lehrkraft meiner Meinung nach aber sehr gut reagiert. Durch ihre, von dir beschriebene, ruhige aber auch lustige Art, hat sie es geschafft die Aufmerksamkeit wieder von Moritz auf sich zu lenken und so den Unterricht fortzuführen.
    Zudem finde ich, dass dein Beitrag hervorhebt, dass einzelne SuS den Unterricht ebenso stören und aufhalten können wie eine ganze Klasse zusammen.

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