„Wieder einmal rief Moritz etwas unüberhörbar Lautes in den Unterricht hinein, …“

Ein Beitrag von Marcus Rachow

Die im Folgenden beschriebene Situation ereignete sich während des Unterrichts einer 8. Klasse im Fach Biologie. Es war während des dritten Unterrichtsblocks und es war ein sehr heißer Tag. Beide Faktoren haben einen Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler (SuS) genommen. Die SuS dieser Klasse sind, wie so viele Jugendliche in ihrem Alter, recht energiegeladen und suchen bei jeder Gelegenheit die Möglichkeit, etwas anderes zu tun, als dem Unterricht zu folgen. Besonders einem Schüler, im Folgenden nur noch Moritz genannt (Name geändert), fällt es besonders schwer, dem Unterricht zu folgen und er nutzt jede freie Sekunde auch andere SuS vom Unterricht abzulenken. „„Wieder einmal rief Moritz etwas unüberhörbar Lautes in den Unterricht hinein, …““ weiterlesen

„Die Schülerinnen und Schüler konnten selbst entscheiden, ob sie eine Hilfskarte brauchen und wenn ja welche.“

Ein Beitrag von Lisa Galert

Die folgende Darstellung bezieht sich auf eine Unterrichtsstunde in einem Biologie-Grundkurs der 11. Klasse. Der Großteil der Stunde wurde mit einer Sicherungsphase verbracht, da zuvor die Stunde ausgefallen war und die Arbeitsergebnisse besprochen werden mussten. Die mündliche Beteiligung der Schülerinnen und Schüler (SuS) war eher schlecht und der Lehrer musste sie mehrfach ermutigen, doch ihre Ergebnisse vorzutragen. „„Die Schülerinnen und Schüler konnten selbst entscheiden, ob sie eine Hilfskarte brauchen und wenn ja welche.““ weiterlesen

„Pausen müssen nicht immer starr sein, …“

Ein Beitrag von einem Lehramtsstudenten im 2. Semester

In meiner Praktikumsschule wird neben JüL (= jahrgangsübergreifendem Unterricht) auch Unterricht in 90-Minuten-Blöcken praktiziert, weswegen oft innerhalb eines Blocks zwei Fächer behandelt werden, wie zum Beispiel an diesem Tag Mathematik und Deutsch. Die Klassenlehrerin Frau X der JüL Klasse 4-6 arbeitet im Unterricht mit selbst erstellten „Lernwegen“ für die Kinder. Dies sind Aufgabenhefte unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die es den Schülerinnen und Schülern (SuS) ermöglichen, entsprechend ihres Leistungsniveaus Aufgaben in Selbstarbeit und durch Kooperation mit Tischnachbarn zu lösen. Die individuellen Leistungsziele werden am Ende einer jeden Woche für die jeweils nächste Woche von den Kindern selbst definiert und in ihren Logbüchern eingetragen.
Am Montag im ersten Block besprach die Lehrerin mit den SuS noch einmal deren selbst gesteckte Wochenziele. Dabei gab sie lediglich vor, dass zunächst mit den Deutschaufgaben angefangen werden sollte, um im zweiten Teil des 90-Minuten-Blocks dann die Mathematik-Lernwege zu bearbeiten. Nach individueller Absprache mit der Lehrerin und unter Angabe von konkreten Gründen durften einige SuS auch mit den Mathematik Aufgaben beginnen.
In (für mich) erstaunlich ruhiger und motivierter Weise bildeten sich selbstständig Lerngruppen, die die jeweiligen Aufgaben in konzentrierter und kooperativer Weise durchgingen. „„Pausen müssen nicht immer starr sein, …““ weiterlesen

„Ich finde es wichtig, den Kindern auch schon in der Grundschule etwas zuzutrauen.“

Ein Beitrag von Desiree B.

In der Deutschstunde einer 4. Klasse der Grundschule XY kommt es bei der Besprechung und Wiederholung, der in der Stunde zuvor erarbeiteten Grammatikregeln, zu folgender Situation. Ein Mädchen (Sandrine, Name geändert) meldet sich um der Lehrerin mitzuteilen, dass sie einen Teil der Grammatikregeln noch nicht in ihrem Hefter hat, weil sie in der letzten Stunde krank – also nicht da – war. Die Lehrerin Frau Z. reagiert zunächst verärgert und fragt die Sandrine, ob sie denn nicht wisse, was sie im Falle einer Abwesenheit zu tun hätte. Sandrine ist zunächst verunsichert, gibt aber schließlich zögerlich wider, dass sie ihre “Anrufpartnerin” Pia (Name geändert), wie vorgesehen, angerufen habe. „„Ich finde es wichtig, den Kindern auch schon in der Grundschule etwas zuzutrauen.““ weiterlesen

„Mir ist klargeworden, dass diese Kategorisierung in gut und schlecht nicht so einfach ist.“

Ein Beitrag von Mirjam K.

Im folgenden Beitrag wird die „Unterrichtsführung“ in einer Willkommensklasse einer Berliner Grundschule genauer dargestellt. Die Willkommensklasse der Grundschule wird hauptsächlich von der Klassenlehrerin Frau T. unterrichtet. Sie ist Mitte 50 und ist seit sechs Jahren als Lehrerin tätig. Sie geht streng mit den Kindern um, ist leicht genervt und meiner Meinung nach oft auch ungerecht.
Wenige Stunden in der Woche unterrichtet Frau P. die Willkommensklasse. Sie ist Ende 30, eine ausgebildete DaZ-Lehrerin (DaZ = Deutsch als Zweitsprache), methodenstark und sehr fair den Schüler*innen gegenüber.
In der Klasse sind zwei Jungs, die ständig laut sind, viel reden und oft dazwischenrufen. Frau T. (Klassenlehrerin) hat die Klasse fest im Griff. Durch Anschreien, Drohungen und Strafarbeiten bringt sie besonders auch die beiden Jungen immer wieder zur Ruhe und zum Arbeiten. Frau P. (DaZ-Lehrerin) hingegen versucht sehr sachlich und methodisch den Unterricht zu leiten. Dies führt jedoch nicht immer zum gewünschten Ergebnis. „„Mir ist klargeworden, dass diese Kategorisierung in gut und schlecht nicht so einfach ist.““ weiterlesen

„Sie hat reagiert, bevor es überhaupt zu Störungen kam.“

Ein Beitrag von Cindy O.

Die folgende Unterrichtseinheit erlebte ich in der NaWi-Stunde (NaWi = Naturwissenschaften) einer JüL-Klasse (JüL = jahrgangsübergreifendes Lernen) der Jahrgangsstufen 4, 5 und 6 in einer Berliner Grundschule. Im NaWi-Unterricht waren nur die Schüler der 5. und 6. Klasse. Das waren insgesamt vier Mädchen und sieben Jungen. Bei den Jungen sind einige sehr laute und sich viel bewegende Kinder dabei. Es war die erste Stunde der Schüler im NaWi-Raum der Lehrerin Z. Da es ein spezieller NaWi-Raum ist, gibt es einige Besonderheiten. Die auffälligste Besonderheit waren die Stühle. Es waren Drehstühle aus Metall, die mit einem Hebel hoch- und runtergestellt werden konnten. Nachdem Frau Z. die Kinder begrüßt und sich kurz vorgestellt hatte, forderte sie die Kinder sofort auf, eine Minute lang alles an den Drehstühlen auszuprobieren, was sie wollten und erforschen mussten. „„Sie hat reagiert, bevor es überhaupt zu Störungen kam.““ weiterlesen

„Verliebte Zahlen“ oder „Lehrkräfte sind auch nur Menschen …“

Ein Beitrag von  Laura J.

Die folgende Situation spielte sich in einer reinen 2. Klasse einer Gemeinschaftsschule ab. Die Lehrerin sprach meistens mit recht lauter Stimme und fing auch recht schnell an zu schreien, wenn die Kinder nicht gehorchten, da dies ihrer Meinung nach eine sehr „schwierige“ Klasse sei. Um die folgende Situation besser verstehen zu können, möchte ich vorerst das Prinzip der „Verliebten Zahlen“ erläutern. Die Zahlen sind dann verliebt, wenn sie zusammen das Ergebnis 10 ergeben. Sprich die 3 ist mit der 7 verliebt, die 4 mit der 6 und so weiter.
Die Klassenlehrerin erklärte kurz und knapp nochmal das Prinzip, weil die Schülerinnen und Schüler (SuS) damit bereits vertraut waren. Nun sagte die Lehrerin immer: „Wenn ich die 6 bin, bist du die ….“ und forderte anschließend immer ein Kind auf, die jeweilige verliebte Zahl zu sagen. Die Kinder mochten diese Aufgabe und warteten erfreut darauf, als Nächstes an der Reihe zu sein. Bis dann ein Junge dran war, welchen sie aufforderte, die verliebte Zahl zur 2 zu finden. Der Junge guckte leicht nach oben und es sah so aus, als würde er überlegen. „„Verliebte Zahlen“ oder „Lehrkräfte sind auch nur Menschen …““ weiterlesen

„Dabei stellte sich heraus, dass kein Schüler die genaue Aufgabenstellung verstanden hatte.“

Ein Beitrag von Friederike L.

Im Rahmen meines Orientierungspraktikums hospitierte ich zwei Unterrichtsstunden im „Themenbezogenen Unterricht“ (TZU), in dem zurzeit Physik der Schwerpunkt ist. Die Klasse ist jahrgangsübergreifend zusammengesetzt (Jahrgangsstufen 7 bis 10). Im TZU wird den Schüler*innen die Möglichkeit geboten, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven und fachübergreifend zu bearbeiten. In dieser Stunde waren 23 Schüler*innen (SuS) anwesend.
Zum Anfang der Stunde fasste der Lehrer kurz den Inhalt der letzten Stunde, ein Struktogramm zum Thema Elektrizität, zusammen. Im Anschluss leitete er die neue Aufgabe an, indem er erklärte, dass die Aufgabe in 2er-Gruppen bearbeitet werden sollte, die die SuS selbstständig bilden sollten. Es entstand Unruhe, da die SuS aufstanden und sich einen Partner suchten. „„Dabei stellte sich heraus, dass kein Schüler die genaue Aufgabenstellung verstanden hatte.““ weiterlesen

„Man sollte sich sicher sein, was genau passiert ist, bevor man eine Strafe erteilt.“

Ein Beitrag von Thore Hinrichsen

Die Situation fand in der 5. Stunde im Englischunterricht einer siebten Klasse statt. Die Klasse besteht aus 28 Schülern, davon 15 weiblich und 13 männlich. Die Schüler*innen sollen eine Vokabelübung in Stillarbeit machen. Währenddessen fallen zwei Schüler wiederholt auf, weil sie miteinander reden, wobei es nach meiner Einschätzung nur einer der Schüler war, der zu dem anderen sprach. Nachdem die Lehrerin Frau H. sie bereits ermahnt hatte, entschied sie bei der zweiten Störung, einen der beiden Schüler wegzusetzen, und zwar den meiner Meinung nach stilleren Schüler (im Folgenden Paul genannt, Name geändert). Paul reagiert verständnislos, da er seiner Ansicht nach nichts falsch gemacht hat. Er soll dann mit einer Schülerin aus einer anderen Reihe (im Folgenden Frida genannt, Name geändert) die Plätze tauschen. Frida ist entrüstet und beschwert sich: „Warum immer ich?“ Auch sie will nicht von ihren Nachbarn getrennt werden. Für den Rest der Stunde ist Frida beleidigt und anfangs sogar den Tränen nahe. Auch Paul ist danach eher noch abgelenkter als zuvor, unter anderem auch durch denselben Mitschüler wie zuvor, der jetzt nur zwei Plätze vor ihm sitzt. „„Man sollte sich sicher sein, was genau passiert ist, bevor man eine Strafe erteilt.““ weiterlesen

„Durch den Vergleich der verschiedenen Lösungsansätze wurden den Schülern verschiedene Denkweisen klargemacht …“

Ein Beitrag von Thore Hinrichsen

Dieser Mikroartikel bezieht sich auf eine Mathestunde am zweiten Tag meines Praktikums. Es handelte sich um eine neunte Klasse, das Thema der Stunde war Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Schüler hatten in der vorherigen Stunde ein Aufgabenblatt bekommen, das sie auch schon angefangen hatten. Am Anfang der Stunde sollten die Schüler mit Moderation der Lehrerin Frau D. eine neue, leichtere Aufgabe zusammen in der Klasse lösen. Daraufhin sollte ein einzelner Schüler, der sich freiwillig gemeldet hatte, seine Ergebnisse zu einer der bereits gelösten Aufgaben präsentieren.
Frau D. begibt sich währenddessen nach hinten und lässt den Schüler in den Vordergrund. Man merkt, dass er zwar etwas nervös ist, aber dennoch Spaß daran hat, vorne zu stehen und die Diskussion in der Klasse zu leiten. „„Durch den Vergleich der verschiedenen Lösungsansätze wurden den Schülern verschiedene Denkweisen klargemacht …““ weiterlesen