4 von 5: Was bedeutet Open Science für das künftige Geschäftsmodell von Bibliotheken?

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist über das TIB AV Portal verfügbar.

Von Sebastian Nix

Bericht zur Veranstaltung #4 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Nachdem die ersten drei Veranstaltungen der virtuellen Open Access Woche Berlin Brandenburg den Fokus zunächst auf das Für und Wider gewinnorientierter Modelle von Open Access gerichtet hatten, außerdem auf die konkreten Folgen der DEAL-Verträge für Bibliotheken und auf die Frage, inwiefern Wissenschaftseinrichtungen verlegerische Aufgaben übernehmen können und sollten, nahm die vierte Veranstaltung am 17.02.2022 die – weitreichende – Frage in den Blick, wie die Inkorporierung von Praktiken „offener Wissenschaft“ das Geschäftsmodell von Bibliotheken inklusive ihres eigenen, transparent zu haltenden Betriebs jetzt und in Zukunft beeinflusst. Dies wurde im Rahmen von Kurzvorträgen ganz konkret dargestellt aus der Perspektive drei sehr unterschiedlicher wissenschaftlicher Bibliotheken:

  • der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, vertreten durch ihren Direktor, Professor Dr. Klaus Tochtermann,
  • des Bereichs „Wissenschaftliche Information“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), repräsentiert durch den Bereichsleiter Mathis Fräßdorf, Ph.D., sowie 
  • der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK), für die Reinhard Altenhöner, Ständiger Vertreter des Generaldirektors, einen Beitrag beisteuerte.

Die Moderation der mit bis zu rund 270 Teilnehmer*innen erneut sehr gut besuchten Veranstaltung lag in den Händen von Professor Dr. Ellen Euler (Fachhochschule Potsdam).

Den Auftakt machte Klaus Tochtermann (Präsentation Klaus Tochtermann). Er führte zunächst aus, dass es keine einheitliche Definition von „Open Science“ gebe. Den verschiedenen Definitionsansätzen sei jedoch gemeinsam, dass Open Science abziele auf möglichst große Transparenz und Glaubwürdigkeit der wissenschaftlichen Arbeit, was letztlich auch einer Verbesserung der Qualität des Forschungsprozesses diene. Für sein Haus stellte Tochtermann verschiedene Serviceangebote vor, die sämtlich dazu beitragen sollen, die von der ZBW hauptsächlich angesprochene Zielgruppe der Forschenden und Studierenden in den Wirtschaftswissenschaften mit Prinzipien und Werkzeugen von Open Science vertraut zu machen und sie bei der Umsetzung von Open Science im gesamten Forschungsprozess zu unterstützen. Das Spektrum reicht hier vom Betrieb eines Repositoriums für wirtschaftswissenschaftliche Open-Access-Publikationen über Online-Informationsplattformen bis hin zu Veranstaltungen wie der jährlichen „Open Science Conference“, die die ZBW in einem Netzwerk zahlreicher Partner ausrichtet. In diesem Zusammenhang betonte Tochtermann, wie wichtig der Dialog und die Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaften und Informationsinfrastruktur seien, um bedarfsgerechte Serviceangebote zu entwickeln. Zudem betreibe die ZBW selbst informationswissenschaftliche Forschung und bedenke dabei stets auch Open Science aus verschiedenen Blickwinkeln mit.  Die Herausforderung bestehe hier darin, die eigenen, informationswissenschaftlich fundierten Erkenntnisse einfließen zu lassen in ein Serviceangebot, das auf die disziplinäre Praxis einer ganz anderen, sehr spezifischen Fachcommunity zugeschnitten sein müsse. Auf diese Herausforderung hat die ZBW mit der Gründung einer eigenen Abteilung „Open-Science-Transfer“ reagiert. Der Referent betonte auch, dass die Entwicklung neuer ebenso wie die Verstetigung projektbasiert entwickelter Services angesichts stets begrenzter Ressourcen eine permanente Aufgabe sei. Die ZBW nutzt hier ein dezidiertes Servicekonzept zur kriterienbasierten Evaluation ihres Portfolios. Ein Eckpunktepapier „Offenheit als Handlungsfeld für die ZBW“ mit sechs konkreten Themenfeldern und konkret formulierten Zielen soll dazu beitragen, verschiedene Facetten von Open Science, z.B. Open Access oder Open Data, systematisch im Serviceangebot der ZBW zu verankern. Zugleich müssten die Mitarbeitenden bei der Umstrukturierung von Services – dies beinhalte auch die Einstellung von Angeboten, die heute nicht mehr dieselbe Bedeutung wie zu ihrer Entstehungszeit hätten – mitgenommen werden; dabei gelte es auch Überzeugungsarbeit zu leisten und Widerstände zu überwinden. Hilfreich dabei seien auch externe Impulse, wie sie bei Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft, zu denen auch die ZBW gehört, beispielsweise durch regelmäßige externe Evaluationen gegeben sind. Eine besondere Bedeutung kommt hier auch der kontinuierlichen, vor allem fachlichen Weiterqualifikation zu, wobei an der ZBW eine stark wachsende Bedeutung kompakter Formate zu beobachten ist, die sich – anders als z.B. mehrtägige Schulungen – gut in den Arbeitsalltag integrieren ließen. Aber auch eine inhaltlich andere Profilierung freiwerdender Stellen sah Tochtermann als weitere Möglichkeit, mit begrenzten Personalressourcen Serviceveränderungen umzusetzen. Neue Tools wie Jira helfen zudem dabei, sich stetig ändernde Geschäftsprozesse im Blick zu behalten und zu dokumentieren.

Screenshot des Beitrags von Klaus Tochtermann: Ressourcen und neue Services im Erwerbungsetat der ZBW

Mathis Fräßdorf (Präsentation Mathis Fräßdorf) nahm dann die Perspektive einer vor allem auf eine hausinterne Klientel fokussierten Informationsinfrastruktureinrichtung ein; im Fall des WZB sind dies vor allem Ökonom*innen, Sozialwissenschaftler*innen und Rechtswissenschaftler*innen. Fräßdorf wies zunächst auf die überwiegende öffentliche Finanzierung des WZB hin; schon diese sei ein gewichtiger Grund dafür, aus öffentlichen Mitteln finanzierte Forschungsergebnisse der interessierten (Fach-)Öffentlichkeit zur weiteren Nutzung zur Verfügung zu stellen. Die Schwerpunkte am WZB liegen hier infrastrukturseitig vor allem in den Bereichen Open Access und Open Data. Für die Wahrnehmung entsprechender Aufgaben stehen am WZB ca. 2,5 Vollzeitäquivalente (ca. 16% aller Stellenanteile im Bereich „Wissenschaftliche Information) zur Verfügung, verteilt auf insgesamt sechs Personen. Eindrucksvoll konnte der Referent anhand konkreter Zahlen belegen, dass die zentral erbrachten Services rund um Open Science von den Forschenden Hauses sehr gut angenommen werden. In diesem Zusammenhang unterstrich er, dass die Bereitstellung zentraler Fachkompetenz letztlich eine Ressourcenersparnis an anderer Stelle bedeute: So müssten sich Forschende nicht selbst Spezialwissen z.B. zu Open-Access-Publikationsmodellen oder der FAIR-kompatiblen Dokumentation und Bereitstellung von Forschungsdaten aneignen. Fräßdorf ging aber auch darauf ein, dass die Entwicklung von neuen Services sich vollziehe in einem von wachsender Unsicherheit gekennzeichneten Kontext. So sei es beispielsweise eine Herausforderung, mit einem konstanten Erwerbungsbudget wachsende, aber nur begrenzt gut prognostizierbare Ausgaben für Open-Access-Publikationen zu bestreiten. Auch sei mitunter schwer einzuschätzen, wie nachhaltig der oft langwierige Aufbau hochspezialisierter Kompetenzen bei Mitarbeitenden in einem dynamischen Umfeld nutzbar sei. In einem eher kleinen Team stelle auch die Sicherung institutionsspezifischen Knowhows unabhängig von einzelnen „Wissensträger*innen“ eine Herausforderung dar. In diesem Zusammenhang betonte Fräßdorf, wie wichtig es sei, Dienstleistungen in Kooperation mit Partnern zu erbringen, die beispielsweise auf hohem professionellen Niveau Infrastrukturen für die Veröffentlichung frei zugänglicher wissenschaftlicher Publikationen und Daten betreiben.

Screenshot des Beitrags von Mathis Fräßdorf: Entwicklung der Open-Access-Leistungen am WZB

Reinhard Altenhöner (Präsentation Reinhard Altenöner) schließlich näherte sich dem Thema der Veranstaltung aus dem Blickwinkel einer der größten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands an.  Die SBB-PK ist integraler Bestandteil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die jüngst Open-Science-Leitlinien verabschiedet hat, um im Verbund der Stiftungseinrichtungen Open-Science-Praktiken in verschiedener Weise zu stärken. Die SBB-PK setzt mittlerweile einen inhaltlichen Schwerpunkt in den Kultur- und Geistwissenschaften und bedient damit, in dieser Hinsicht ähnlich wie die ZBW, eine heterogene Klientel von Forschenden und Studierenden verschiedenster Disziplinen im In- und Ausland. Darin liegt auch eine Herausforderung, wenn es darum geht, Bibliotheksdienstleistungen bedarfsgerecht zuzuschneiden auf konkrete Bedarfe einer – mangels einer direkten „institutionellen Verbindung“ zwischen der Bibliothek und ihren Nutzer*innen wie z.B. am WZB – immer ein Stückweit auch „diffusen“ und „ephemeren“ Klientel. Auch Altenhöner stellte diverse Serviceangebote seines Hauses mit Open-Science-Bezug vor. Eine wichtige Stoßrichtung ist dabei eine freie Bereitstellung von Inhalten, z.B. Digitalisaten, über offene, gut dokumentierte Schnittstellen. Ziel sei es, über die Distribution frei zugänglicher, interoperabler Informationsressourcen zu einer Vernetzung von und Interaktion mit den Nutzer*innen dieser Inhalte beizutragen. Angesichts der Tatsache, dass Personalkosten den weitaus größten Teil des Budgets der SBB-PK ausmachen, betonte Altenhöner, dass die Umsetzung von Open Science eng gekoppelt sei an die Verankerung eines entsprechenden „Mindsets“ bei den Mitarbeitenden und in möglichst allen Geschäftsgängen. Dabei benannte er eine verstärkte Ausrichtung von Personalentwicklungs- und -gewinnungsmaßnahmen als wichtigen Erfolgsfaktor. Zugleich prognostizierte er, dass künftig verstärkt eine Umwidmung von Stellen zugunsten hoch vergüteter, wissenschaftlicher Stellen stattfinden werde. Weiterhin warnte er davor zu erwarten, dass eine perspektivisch weitreichende Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Informationsressourcen im Open Access quasi automatisch zu einer Kostensenkung und damit zur Freisetzung von durch bislang für den Bestandsaufbau gebundenen Mitteln für andere Services führe: „Es wird nicht billiger!“

Screenshot des Beitrags von Reihard Altenhöner: Auswirkungen von Open Science auf die strategische Weiterentwicklung

Fazit und Diskussion

Sowohl die Beiträge der drei Referenten als auch die Fragen aus dem Publikum machten deutlich, dass ein Aufgreifen von Open-Science-Ansätzen durch Bibliotheken Chancen für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung bedarfsorientierter Services bietet und auch bereits in der Praxis gelebt wird. Folgende Aspekte wurden dabei besonders deutlich:

  • Die Umsetzung von Open Science durch Infrastruktureinrichtungen erfordert mehr denn je auch seitens der Infrastruktureinrichtungen ein vertieftes Verständnis für die disziplinären Kulturen und die disziplinspezifischen Besonderheiten jeweils des gesamten Forschungsprozesses.
  • Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Mitarbeitenden durch einen transparenten Entscheidungsfindungsprozessbei der Weiterentwicklung entsprechender Serviceportfolios  „mitzunehmen“. Dies schließt angesichts nur begrenzt verfügbarer Personal- und Sachressourcen auch die kritische Reflexion über den Fortbestand vorhandener Services ein. Wichtig dabei sind klare strategische Zielsetzungen unter Einbeziehung der Nutzer*innen-Perspektive und im Idealfall auf Basis einer kriterienbasierten, iterativen Bewertung von Services.
  • Systematische Personalentwicklungsmaßnahmen sind neben der inhaltlichen Transformation des Stellentableaus im Zusammenhang mit Personalfluktuation ein wichtiges Instrument, um Mitarbeitende zur Erbringung wissenschaftsnaher Open-Science-Services zu befähigen. Hilfreich können hier zeitlich kompakte, gut in den Arbeitsalltag integrierbare Fortbildungsangebote sein.
  • Es gilt, sorgfältig abzuwägen, welche Services „inhouse“ entwickelt und gepflegt werden und in welchen Fällen eine Kooperation mit Dritten unter Ressourcengesichtspunkten die bessere Option sein kann.
  • Angesichts der Dynamik der Digitalisierung im Wissenschaftsbereich wir die künftige Entwicklung forschungsunterstützender Services, gerade im Bereich „Open Science“, stärker als in der Vergangenheit geprägt sein von Unsicherheit. Dies setzt bei allen Beteiligten eine kontinuierliche Bereitschaft zur Veränderung und zum Hinterfragen von bestehenden Praktiken voraus.

Unter anderem anknüpfend an diese Erkenntnisse wird die nächste und vorerst letzte Veranstaltung im Rahmen der virtuellen Open Access Woche unter dem Titel „Mit Volldampf voraus in Richtung ‚Openness‘: Kompetenzen und Infrastrukturen mit Perspektiven“ im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Frage in den Blick nehmen, wie es im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure aus Wissenschaf(spolitik), Ausbildungs- und Infrastruktureinrichtungen gelingen kann, den Wandel hin zu Open Science aktiv zu gestalten. Sie sind herzlich eingeladen, sich am 25. März 2022, 14:00 bis 15:30 Uhr, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.

Wir wollen mehr Open Access wagen!

Online-Workshop: Wege, Modelle und Services für die Politikwissenschaft

Von Linda Martin und Regina Pfeifenberger

Unter diesem Motto teilten Wissenschaftler*innen, Fachreferent:innen und Publizierende  am 9. Februar 2022 ihre Erfahrungswerte und Fragen zu Open Access in der Politikwissenschaft.
Der thematische Workshop ist Teil des Projektangebots von open-access.network und wurde gemeinsam von dem Open-Access-Büro Berlin und dem Fachinformationsdienst Politikwissenschaft (Pollux)  ausgerichtet. Neben einer Einführung zu Möglichkeiten verschiedener Publikationswege und Services von Infrastrukturbetreibenden, konnten die knapp 30 Teilnehmenden in einen direkten Austausch mit zwei Open-Access-Publizierenden gehen.

Es sei Glück, wenn die Co-Autorin Corresponding Author sei und ihre Einrichtung Open Access fördere, so Jun.-Prof. Arndt Leininger, Ph.D., derzeit an die TU Chemnitz berufen. Die Erfahrungswerte – Zugriff auf eine breitere Quellenlage durch Open-Access-Literatur zu haben – prägten die Zeit seiner Affiliation an einer kleineren Einrichtung, der Hertie School of Governance. Auch die erhöhte Sichtbarkeit der eigenen Forschung zählten zu seiner Motivation Open Access zu publizieren. Darüber hinaus beschrieb Leininger die Vielfalt der von ihm genutzten Wege der Veröffentlichung: von der Publikation im Portfolio der DEAL-Zeitschriften, über die Möglichkeit zur Zweitveröffentlichung auf dem disziplinspezifischen Repositorium bis zur Publikation im eigenständigen Gold Open Access Journal. Dabei verriet der Juniorprofessor für Politikwissenschaftliche Forschungsmethoden seine Tricks zur erfolgreichen Umsetzung des Open-Access-Publizierens:

  • Co-Autor*innen frühzeitig anschreiben, ob eine Zweitveröffentlichung eines gemeinsam verfassten Artikels in einem Repositorium möglich ist.
  • Ein wichtiges Auswahlkriterium einer Zeitschrift: Das Vorhandensein von Gold Open Access Publikationsmöglichkeiten.
  • Auf die Affiliation kommt es an. So sollte derdie Wissenschaftlerin als Corresponding Author auftreten, deren*dessen Einrichtung über Transformationsverträge oder Vereinbarungen mit Verlagen verfügt.
  • Informationen über bestehende Transformationsverträge der eigenen Einrichtung einholen und Netzwerke bilden.

Wie die eigenen Forschungsschwerpunkte Einfluss auf die Entscheidung des Publizierens haben können, führte Dr. Philipp Schulz von der Universität Bremen aus. Open Access ermöglicht es den Menschen, die er in Uganda interviewte und auf dessen Aussagen seine Dissertation fußt, die wissenschaftlichen Erkenntnisse nachzunutzen. Die zentralen Beweggründe für die Entscheidung gegen Closed Access seien Transparenz, Sichtbarkeit, aber auch im Besonderen ethischer und moralischer Art.
Der am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien Tätige veröffentlichte seine Hochschulschrift als Monographie bei University of California Press. Damit einher gingen Aspekte der Qualitätssicherung in Form eines Editorial Boards sowie der Begutachtung seines Manuskripts.
Trotz aller Open-Access-Euphorie verwies Schulz auch auf die daraus resultierende Verstetigung eines konstanten Ungleichgewichtes zwischen Wissenschafltler*innen weltweit: Die Erhöhung der eigenen Sichtbarkeit, der Abschluss einer Karrierestufe mithilfe einer Open-Access-Publikation ist häufig nur durch die Unterstützung von Forschungsförderorganisationen möglich. Wiederum erleichtert der Zuwachs des eigenen Renommees die Einwerbung neuer Fördergelder. Open Access sollte somit immer auch aus einer postkolonialen Perspektive beleuchtet werden.

Dipl.-Wirt.Jur. Thomas Hartmann, LL.M., vom FIZ Karlsruhe – Leibniz- Institut für Informationsinfrastruktur gab den Teilnehmenden einen Einblick in das Thema (Urheber-)Recht und sprach sich dafür aus, dass Open Access gestärkt werden sollte. Es braucht mehr Openness, so sein Credo. Denn gerade in der digitalen Welt seien “some rigths reserved”, welches durch die Möglichkeit der Wahl einer Creative-Commons-Lizenz betont würde. Wo Autor*innen oder Herausgeber*innen eine CC-Lizenz auch restriktiverer Art vergeben, sei ein wichtiger Schritt zu mehr Offenheit in der Wissenschaft und zur Wahrung eigener Rechte getan.

Neben einem Austausch im Peer-to-Peer-Format, hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit einen Einblick in die Services dreier Infrastrukturen – das Social Science Open Access Repository (SSOAR), die transcript Open Library Politik und das International Journal of Conflict and Violence (IJCV) – zu gewinnen.

Dr. Agathe Gebert erläuterte, wie Wissenschaftler*innen auf dem Grünen, aber auch dem Goldenen Weg im größten sozialwissenschaftlichen Open-Access-Repositorium (SSOAR) publizieren können. Die Langzeitarchivierung von Forschungsergebnissen, die Vergaben von persistenen Identifikatoren (z.B. DOI), die Wahl freier Creative-Commons-Lizenzen und die Anwendung von Suchmaschinenoptimierung sind nur einige Vorteile des Publizierens auf dem Dokumentenserver von GESIS – dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Besonders einfach ist das Hochladen eigener Publikationen über Pollux, da die Metadaten der ausgewählten Publikation automatisch an SSOAR übertragen werden.

Die transcript Open Library Politik ist ein auf Basis von Crowdfunding – mit besonderer Unterstützung seitens des FID Politikwissenschaft  – geschaffenes Angebot des Verlages transcript. Stefanie Hanneken erläuterte wie die Forschungsliteratur über Plattformen wie JSTOR oder OAPEN an Sichtbarkeit gewinnt. Hanneken betonte die Idee, dass die Forschenden durch die eigenständige Wahl einer Creative-Commons-Lizenz und die ledigliche Abgabe einfacher Nutzungsrechte an den Verlag zu Co-Herausgeber*innen würden. Am häufigsten wählten bisherige Autor*innen die Lizenz CC-BY, aber auch die restriktivere Variante CC-BY-NC

Dr. Kurt Salentin (Universität Bielefeld) stellte das von ihm und weiteren Herausgeber*innen betreute, interdisziplinär ausgerichtete Journal of Conflict and Violence vor. Das Journal wird über BieJournals (Software: Open Journal Systems der Universität Bielefeld) gehostet und bietet den Autor*innen die Möglichkeit des kostenfreien Publizierens (Diamond Open Access), inklusive eines Peer Reviews. Inhaltlich und technisch fußt das Medium auf der Arbeit des Editorial Boards. Auch Salentin hob wie die Referenten des Vormittags hervor, dass seine Motivation für das Diamond-Open-Access-Publizieren darin begründet ist, selbst etwas zur Bildungsgerechtigkeit beizutragen und der Zivilgesellschaft das öffentlich finanzierte Wissen frei zur Verfügung zu stellen.

Wichtige, aber nicht allumfassende, Takeaways des Workshops sind:

 

 

  • Die Motivation der Publizierenden reicht von dem Wunsch nach erhöhter Sichtbarkeit der eigenen Forschung, hin zu globaler Gerechtigkeit und dem Verständnis öffentlich finanzierter Wissenschaft, die auch der Zivilgesellschaft zu Gute kommen sollte.
  • Die zentrale Rolle der Forschungsförderorganisationen, die Open Access weitere Relevanz einräumen sollten.
  • Die wiederkehrenden Unsicherheiten bei der Wahl einer passenden Creative-Commons-Lizenz, sei es für eigene Publikationen oder aber als Herausgeber*in eines Zeitschriftenangebotes.
  • Die Unsicherheiten bzgl. der Finanzierung und die Herausforderungen bei der Publikation einer Qualifikationsarbeit innerhalb Deutschlands.
  • Die Frage nach der Positionierung und passgenauer Services, die verschiedene Wege des Publizierens berührt. Welche Konfliktlinien zeichnen sich ab? Einen Blick auf die Chancen von Diamond-Open-Access-Angeboten und auf das Angebot von kleineren und mittleren Verlagen zu werfen, scheint lohnenswert. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der persönlichen Motivation der Herausgebenden.

Mit Volldampf voraus in Richtung „Openness“: Kompetenzen und Infrastrukturen mit Perspektiven

Podiumsdiskussion

Freitag, 25. März 2022, 14-15.30

Anmeldung

Eine Veranstaltung in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Wissenschaftspolitische Strategien auf nationaler und europäischer Ebene fordern seit Jahren, das „Prinzip Offenheit“ in der Wissenschaft zu verankern. In diesem Prozess braucht es nicht nur die oft geforderten digitalen Infrastrukturen und angepassten Governance- und Finanzierungsmodelle. Auch die Kompetenzprofile des wissenschaftsunterstützenden Personals – fachliche, methodische wie soziale Kompetenzen – müssen sich verändern. Dies gilt besonders für Bibliotheken und ist für diese Herausforderung und Chance zugleich. Ob Digital Humanities oder neue Publikationsformate wie „ausführbare“ Publikationen, digitale Langzeitarchivierung oder die Umsetzung der FAIR-Prinzipien, die Unterstützung der Arbeit mit Forschungsdaten und -software oder der Einsatz von Forschungsinformationssystemen, in allen diesen Themenfeldern sind Aspekte der offenen Wissenschaft (Open Research) präsent. Zugleich erheben Bibliotheken aufgrund ihres Selbstverständnisses den Anspruch, hier als Partnerin aufzutreten und die Diskurse entscheidend mitzuprägen. Dies erscheint auch vor dem Hintergrund bedeutsam, dass kommerzielle Akteur*innen in diesen Feldern neue Märkte für sich erschließen.

Für das Personal selbst bieten sich damit vielfältige Entwicklungsoptionen, etwa in den Bereichen Datenkompetenz (data literacy), Projektmanagement oder Strategieentwicklung. Somit erscheinen Bibliotheken zunehmend als spannende Stationen in der beruflichen Qualifizierung, auch für den Quereinstieg.

Der Raum Berlin/Brandenburg mit seinen beiden wissenschaftlichen Ausbildungseinrichtungen – dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Fachbereich Informationswissenschaft der Fachhochschule Potsdam – und einer Vielzahl verschiedenster Bibliotheken als Ausbildungs- wie auch Beschäftigungsorte spielt für die Entwicklung des bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Personals eine zentrale Rolle.  

Wir möchten auf diesem Podium mit Vertreter*innen der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Lehre, von Bibliotheken und der Wissenschaftspolitik folgende Aspekte diskutieren:

  • Sind Ausbildungs- und Studiengangs-Curricula ausreichend darauf angelegt, dem Wissensstand stetig und sogar vorausschauend angepasst werden zu können?
  • Bieten die institutionellen Rahmenbedingungen genug Flexibilität für die rasche Entwicklung neuer Tätigkeitsfelder?
  • Sind die Bibliotheken in der Lage, im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung notwendige Maßnahmen umzusetzen?
  • Wie können sich Bibliotheken aufstellen, um ihre Rolle als Mittlerin zwischen Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken, etwa durch Engagement in den Feldern Citizen Science, OpenGLAM oder kollaborativer Wissensgenerierung und -verknüpfung (z.B. Wikidata)?
  • Wie kann die Hochschulpolitik den Wandel praktisch unterstützen und dabei für gute Arbeitsbedingungen sorgen?

 

 

Diese und andere Fragen diskutieren gemeinsam

Elisa Herrmann

Abteilungsleitung Informationsbeschaffung und Informationsmanagement

Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Biodiversität

 

 

Prof. Dr. Ariane Jeßulat

Erste Vizepräsidentin der Universität der Künste

Prof. Dr. Antje Michel

Professorin für Informationsdidaktik und Wissenstransfer an der Fachhochschule Potsdam

Prof. Vivien Petras, PhD

Professorin für Information Retrieval an der Humboldt-Universität zu Berlin

 

Dr. Jan-Hauke Plaßmann

Referent in der Abteilung Wissenschaft und Forschung des Brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung

 

 

Moderiert wird die Veranstaltung von

Dr. Frank Seeliger

Hochschulbibliothek der TH Wildau

 

Um eine Anmeldung zur Veranstaltung wird gebeten.

Berlin Open GLAM: Open-Access-Praktiken in Berlins Kulturerbeinstitutionen

Workshop, 26.4.2022, 9.30-12 Uhr

Um Berliner Initiativen und Projekten Sichtbarkeit zu verleihen und die Stärkung von Open Research in Berlin voranzutreiben, hat das Open-Access-Büro Berlin im Herbst 2020 gemeinsam mit You, We & Digital und mit Unterstützung der Berlin University Alliance (BUA) das Projekt „Berlin Open Research and Culture“ gestartet. Zum Projekt gehört die Online-Konsultation, die wissenschaftliche und kulturelle Landeseinrichtungen in Berlin zu wichtigen Handlungsfeldern, zu bestehenden und geplanten Aktivitäten und zu den Werten und Prinzipien von Offenheit in der Wissenschaft befragt.

An die Konsultation haben wir im Herbst 2021 eine Interviewstudie angeschlossen, in der ausgewählte Berliner Kulturerbeinstitutionen zu strategischen Positionen sowie zu Maßnahmen und ihren Bedarfen hinsichtlich Open Access und Open Research befragt wurden. Hierzu haben wir Interviews mit Einrichtungen geführt, welche die Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and the Humanities bereits unterzeichnet haben, eine eigene Openness-Strategie besitzen oder sich im Bereich der offenen Kulturdaten engagieren.

In Gesprächen ist erörtert worden, welche Berührungspunkte zwischen den Handlungsfeldern von Open Access und den Bemühungen bei der offenen Bereitstellung digitaler Objekte vorliegen. Die Ergebnisse der Studie möchten wir in einem Workshop vorstellen und mit unseren Gesprächspartner*innen und diskutieren.

Wir richten diesen Workshop gemeinsam mit dem Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS) aus. Dabei interessiert uns, wie eine engere Verzahnung einer landesweiten Initiative für Open Research mit den Zielen von Kulturerbeinstitutionen in Einklang gebracht werden kann und welche Kooperationsbedarfe und -potentiale insbesondere mit den Universitäten und Hochschulen gesehen werden.

Agenda

  • 9.30-9.45 | Begrüßung
  • 9.45-10.15 | Input #1: You, We & Digital: Vorstellung der Interview-Studie „Berlin Open Research and Culture“
  • 10.15-10.45 | Diskussion
  • 10.45-11.00 | Kaffee / Tee Pause
  • 11.00-11.15 | Input #2: Open-Access-Büro Berlin: Stand der Landesinitiative und Blick auf den Strategie-Prozess für Berlin
  • 11.15-11.45 | Diskussion in Kleingruppen: Was können konkrete Maßnahmen für eine Strategieempfehlung sein?
  • 11.45-12.00 | Ausblick: Was folgt nach diesem Workshop

 

 

 

Open4DE: Emfpehlungen für eine Open-Access-Strategie für Deutschland entwickeln

Open Access ist inzwischen ein selbstverständlicher Bestandteil der wissenschaftlichen Kommunikations- und Publikationskultur in Deutschland. Etwa jeder zweite Forschungsartikel ist bereits frei zugänglich. Zwischen Anspruch und Realität besteht jedoch weiterhin eine erhebliche Lücke: Forschungsförderorganisationen und wissenschaftliche Institutionen proklamieren das Ziel einer vollständigen Transformation hin zu Open Access, während die praktische Umsetzung in unterschiedlichen Geschwindigkeiten voranschreitet.   

Das zum 1. Februar 2021 gestartete BMBF-geförderte Projekt “Open4DE – Stand und Perspektiven von Open Access am Standort Deutschland” zielt daher auf eine Erhebung des Status Quo der Verankerung von Open Access auf unterschiedlichen Ebenen ab:

  • Universitäten und Hochschulen
  • Forschungsorganisationen
  • Bundesländerebene
  • nationale Ebene
  • fachwissenschaftliche Perspektive

Vor dem Hintergrund der Öffnung der Wissenschaft, einschließlich ihrer Prozesse (Open Science), lässt sich zudem das Themenfeld Open Access kontextualisieren und neu positionieren – als ein Schritt im Zyklus des verantwortungsvollen und transparenten wissenschaftlichen Arbeitens und Kommunizierens. Zentraler Gegenstand des Projekts ist dabei die Analyse der gegenwärtig angewandten internationalen Strategien und Leitlinien mit dem Ziel, sowohl Zusammenhänge explizit zu machen als auch Perspektiven für die Weiterentwicklung aufzuzeigen. Unter Einbeziehung internationaler Entwicklungen sollen zudem in enger Zusammenarbeit mit den sich bereits engagierenden Institutionen und Interessengruppen eine nationale Open-Access-Strategie und -Roadmap für Deutschland entworfen werden.   

Das Projekt Open4DE leistet somit einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Open-Access-Ökosystems und beleuchtet gleichzeitig Schnittstellen und Überschneidungen mit Prozessen der Öffnung der Wissenschaft (Open Science). 

Team

Eine Beschreibung des Projekts auf Englisch finden Sie auf der Webseite von open-access.network.

Zeitraum: 01.02.2021 – 31.01.2023

Die nicht-profitorientierte Perspektive auf Open Access

Bericht zum Stakeholder-Workshop mit dem scholar-led.network

Open-Access-Strategien, die auf staatlicher Ebene verankert sind, bewirken dynamische Diskurse rund um das Thema Open Access, sie positionieren Länder gegenüber global operierenden Wissenschaftskonzernen und haben nicht zuletzt eine Leitbildfunktion für die Einrichtungen und Wissenschaftler*innen des betreffenden Landes. Dennoch hat Deutschland bislang, anders als viele andere europäische Staaten, keine nationale Open-Access-Strategie.

Um Vorschläge für die Gestaltung des Politikprozesses und die Inhalte einer Open-Access-Strategie für Deutschland zu erarbeiten, planen wir im Projekt Open4DE: Stand und Perspektiven einer Open-Access-Strategie für Deutschland eine Serie von Stakeholder-Workshops. Den Anfang machte am 28. Januar 2022 ein 60-minütiger Workshop mit dem scholar-led.network.

Das scholar-led.network diskutiert und artikuliert Interessen der im deutschsprachigen Raum operierenden, von Wissenschaftler*innen geführten Publikationsprojekte. In ihrem 2021 veröffentlichten Manifest treten sie unter anderem für eine Vielfalt von Publikationsformaten, nachhaltig und öffentlich finanzierte Publikationsinfrastrukturen und eine Community-basierte Entwicklung des non-profit Publikationsökosystems ein: ideale Anknüpfungspunkte für die Diskussion über Anforderungen an eine bundesweite Open-Access-Strategie.

Der Workshop teilte sich in zwei Phasen. Im ersten kollaborativen Teil sammelten wir auf einem virtuellen Whiteboard Aspekte, die unter die im Manifest genannten Handlungsfelder – Vernetzung, Finanzierung und Bibliodiversität – fallen. Der Workshop startete also mit der Frage, welche konkreten Herausforderungen aus Sicht der Teilnehmer*innen als besonders bedeutsam für einen bundesweiten Policy-Prozess empfunden werden. Die Antworten aus dieser Diskussion wurden nach Wichtigkeit bewertet und daraufhin im zweiten Teil des Workshops in drei Kleingruppen vertieft und aufbereitet.

Vernetzung

In der Gruppendiskussion zum Handlungsfeld Vernetzung wurde die strategische Rolle offener, sozio-technischer Infrastrukturen diskutiert, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Tools zur Organisation von Workflows entlang des Publikationsprozesses lag. Insbesondere die bereits in der Community erfolgreich zum Einsatz gebrachte Publikations- und Kollaborationplattform Open Journal Systems (OJS) bedürfe einer stetigen Weiterentwicklung, Anpassung und Verbreitung. Dabei sehen sich sowohl die Nutzer*innen (Autor*innen und Herausgeber*innen) als auch die Serviceprovider (oft wissenschaftliche Bibliotheken) zahlreichen Herausforderungen gegenübergestellt. Vertreter*innen beider Interessengruppen waren an der Diskussion beteiligt und bemerkten übereinstimmend, dass fehlende Konzepte zur nachhaltigen Finanzierung dieser Services dazu führen, dass die technischen Potentiale der bereits in vielen Anwendungsfällen erprobten und bewährten Softwarelösungen nicht in vollem Maße ausgeschöpft werden können.

In der Hoffnung, dass sich Synergieeffekte erzielen und Redundanzen vermeiden lassen, wurde daher über Möglichkeiten diskutiert, die Entwicklung und Bereitstellung von OJS in übergeordneten, öffentlich finanzierten Organisationseinheiten zusammenzuziehen. Dabei bestand keine Einigkeit darüber, auf welcher administrativen Ebene ein solches „Kompetenzcenter für Publikationsdienste“ anzusiedeln sei. Genannt wurden die Bibliotheksverbünde und die Bundesländer. Eine nationale Lösung wurde in Anbetracht der Heterogenität des hiesigen Publikationsökosystems und seiner traditionell föderalen Struktur mit hohem Anpassungsbedarf kritisch betrachtet. Um die Interessen von Herausgeber*innen, Autor*innen und Verleger*innen in die Gestaltung und den Betrieb konsortialer Publikationsinfrastrukturen einfließen zu lassen, bedürfe es keiner komplexen Gouvernancestruktur: Kleinere Kompetenzzentren ermöglichen eine Community-basierte, dynamische und partizipative Form der Gestaltung. Dies kann beispielsweise in thematisch fokussierten Workshops, Sprints und anderen agilen Arbeitszusammenhängen stattfinden, in denen sich Überschneidungen mit der aktiven internationalen Entwicklerszene nutzen ließen.  

Finanzierung

Publikationsorte, die über ein medienbezogenes Modell finanziert sind und gebührenfreie Publikationsmöglichkeiten bieten („Diamond-OA“), können zur Diversität des Systems beitragen und Druck auf die Anbieter gebührenfinanzierter Publikationsorgane ausüben. Für einen Ausbau dieses Segments ist es jedoch nötig, dauerhaft tragfähige Finanzierungsmodelle für Diamond-Zeitschriften und -Reihen aufzubauen.

Empfehlungen des Wissenschaftsrats, S. 68.

Die zweite Kleingruppe diskutierte zum Handlungsfeld Finanzierung von Open Access. Dort wurde zunächst festgestellt, dass in Deutschland zwar die Notwendigkeit von Finanzierungsmodellen jenseits von Article Processing Charges (APCs) gefordert wird – wie zuletzt in den Empfehlungen des Wissenschaftsrats -, aber bislang wenig praktische Ansätze und Initiativen existieren.

Wichtig war den Teilnehmenden, den Fokus auf nicht-kommerzielle Formen des Open Access zu legen. Transformationsverträge wie die im Projekt-DEAL ausgehandelten Verträge mit Wiley und Springer Nature betrachteten die Teilnehmenden eher kritisch: diese böten keine befriedigende Antwort auf die drängende Frage der Open-Access-Finanzierung. Als Schlussfolgerung aus der Erfahrung der DEAL-Verhandlungen seien alternative Ansätze zu entwickeln.

Ein Ansatzpunkt in der Diskussion waren die Universitätsverlage: Könnten diese alternative Publikationsmöglichkeiten bieten? Dagegen spricht, dass Universitätsverlage vorrangig den eigenen Einrichtungsangehörigen offen stünden. Es würden allerdings Publikationsoptionen benötigt, die für Autor*innen unabhängig von ihrer institutionellen Anbindung zugänglich sind. Darüber hinaus wurde die Notwendigkeit nicht-kommerzieller Angebote auch im Bereich der Universitätsverlage hervorgehoben, diese können auch gewinnorientiert handeln. Der Blick auf den angelsächsischen Buchmarkt zeigt, wie Universitätsverlage als wichtige kommerzielle Player fungieren. Open-Access-Publizieren solle, so eine weitere Position, auch in kleinen scholer-led-Initiativen und -Verlagen stattfinden können und sich damit eine eigensinnige Praxis bewahren.

Eine zukünftige Finanzierungstrategie sollte deshalb ein klares Bekenntnis zu Diamond- und scholar-led-Open Access beinhalten. Dies müsse allerdings idealerweise mit einem Wandel des akademischen Anerkennungsystems einhergehen, z.B. durch die Integration von Open-Access-Aktivitäten als Anforderung in universitären Berufungsverfahren.  

Bibliodiversität

In der Diskussion zum dritten Handlungsfeld der Bibliodiversität wurde die Vielfalt der Publikationsformate thematisiert. Dabei waren sich die Teilnehmenden einig, dass eine Anerkennung der Vielfalt von Publikationsformaten im Wissenschaftssystem auch notwendig eine höhere Anerkennung inhaltlicher Qualitätssicherung zur Folge habe. Die Förderung von Bibliodiversität sei damit ein wichtiger Schritt zum Kulturwandel im wissenschaftlichen Reputationssystem und damit auch institutionell zu fördern, wie bspw. im Jussieu-Appell für offene Wissenschaft und Bibliodiversität gefordert wird.

Dabei stand generell zur Diskussion, wie eigentlich wissenschaftliche Qualitätssicherung weiter gedacht werden kann und muss: Braucht es die herkömmlichen Begutachtungsverfahren noch oder gibt es andere Möglichkeiten, wie bspw. eine Community-basierte Begutachtung, Open-Review-Modelle oder redaktionelle Begutachtung im scholar-led Bereich? Neben der Bedeutung des experimentellen Publizierens und der nötigen Offenheit für vielfältige Formate und Formen des Publizierens, diskutierte auch diese Gruppe über die dafür notwendige sozio-technische Infrastruktur. Die Idee einer überregionalen Publikationsplattform wurde dabei positiv beurteilt, denn dadurch könne zum einen der Workflow kooperativ genutzt werden und zum anderen die Wissenschaftscommunities besser vernetzt werden. Insbesondere die fehlende Vernetzung zwischen neuen und bereits vorhandenen Publikationsprojekten wurde als Mangel formuliert. Ein Weg aus der Projektförderung und eine strategisch bessere Vernetzung unter den Stakeholdern wurde als Herausforderung formuliert.

Empfehlungen

Aus der Diskussion mit dem scholar-led.network lassen sich einige Empfehlungen formulieren, die in einem nationalen Strategieprozess diskutiert werden können:

  • Plattformgestütze Publikationsinfrastruktur

Eine plattformgestütze sozio-technische Publikationsinfrastruktur und damit zusammenhängend ein Kompetenzcenter für Publikationsdienste, das nicht nur den institutionell angebundenen Wissenschaftler*innen offen steht, ist eine der Hauptforderungen des scholar-led.networks. Die Möglichkeiten des plattformgestützen Publikationsmanagements sind jedoch nicht hinreichend bekannt, weshalb eine professionelle, digital gestützte Organisation von Publikationsprozessen in der Wissenschaftscommunity ansprechender und breiter kommuniziert werden sollte.

  • Diamond Open Access

Der ausdrückliche Wunsch, sich auf Bundesebene zur Finanzierung von Diamond Open Access zu bekennen, wird von dem scholar-led.network als notwendiger Aspekt der weiteren Open-Access-Transformation in Deutschland betont. Eine nationale Strategie sei in der Lage, eine nicht-profitorientierte Ausprägung von Open Access nicht nur zu empfehlen, sondern Wege der Implementierung und damit auch Finanzierung aufzuzeigen.

  • Die Reputationsökonomie verändern

Der viel diskutierte Kulturwandel in der Wissenschaft ist eine dritte wichtige Forderung des scholar-led.networks. Viele praktizieren in ihren Publikationsprojekten bereits einen hohen Grad an Bibliodiversität, wie Mehrsprachigkeit oder alternative Begutachtungsverfahren und Publikationsformate. Doch dies ist längst nicht im Mainstream des Wissenschaftssystems angekommen. Ein Bekenntnis zur Veränderung des bisherigen Anerkennungssystems durch die Unterstützung von Bibliodiversität und einer positiven Bewertung von Open-Access-Praktiken, sei eine wichtige nationale Aufgabe.

Im Verlauf diesen Jahres werden wir weitere Workshops mit Stakeholdern aus dem Bereich des wissenschaftlichen Publizierens veranstalten. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Nachfragen und Anregungen haben. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch mit der Open Access Community. Weitere Berichte und Beiträge zu unserem Projekt werden unter anderem hier auf dem Open Access Blog Berlin erscheinen.

Open Access Update Berlin & Brandenburg 1/2022

Vorbemerkung
Zugunsten dieser neuen Rubrik „Open Access Update Berlin/Brandenburg“ werden wir keine separate Newsletter-Webseite mehr erstellen. Die Rubrik wird gemeinsam von der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg und dem Open-Access-Büro Berlin erstellt. Wir wünschen viel Freude beim Lesen.

Neues aus dem Open-Access-Büro Berlin

Das Open-Access-Büro Berlin ist nun komplett besetzt: Linda Martin hat im BMBF-Projekt oa.network im Oktober 2021 die Arbeit aufgenommen und im Januar 2022 startete Maaike Duine im BUA-Projekt BUA Open Science Dashboards.

Aus der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg

Die VuK hat seit Dezember 2021 eine neue Webseite. Hier finden Sie aktuelle Informationen zum Publikationsfonds für Open-Access-Monografien des Landes Brandenburg, zu den Veranstaltungen und zu Open-Access-Themen im Allgemeinen.

Rückschau und Ausblick: Open Access Week Berlin-Brandenburg

Alle fünf Diskussionsveranstaltungen, an denen jeweils Moderator*innen und Diskutant*innen aus Brandenburger und Berliner Einrichtungen beteiligt waren und sind, werden aufgezeichnet und durch kurze Reports dokumentiert. Eine Übersicht und Links zur Nachlese gibt es auf der Veranstaltungsseite.

Die nächsten beiden Termine sind:

 

Aus den Einrichtungen

Berlin

Alice Salomon Hochschule Berlin

Die Bibliothek der Alice Salomon Hochschule Berlin hat erfolgreich Mittel im Förderprogramm „Open-Access-Publikationskosten“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben. Als einzige Hochschule für angewandte Wissenschaften kann die ASH Hochschulangehörige bei ihren Open Access publizierten Artikeln und Büchern mit DFG Mitteln finanziell unterstützen.
Am 14. Dezember 2021 hat die Alice Salomon Hochschule Berlin eine Open-Access-Policy verabschiedet. Die Policy finden Sie hier. Zudem hat die Alice Salomon Hochschule die Berliner Erklärung unterzeichnet.

Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch
Die Open-Access-Aktivitäten und Ansprechpartnerinnen an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch stellen wir in einer neuen Blog-Rubrik vor.

Katholische Hochschule Berlin

Auch die Katholische Hochschule Berlin hat in 2021 eine Open-Access-Policy verabschiedet und die Berliner Erklärung unterzeichnet. Damit haben in Berlin nun 10 öffentlich-rechtliche bzw. konfessionelle Hochschulen eine Open-Access-Policy und 11 von 14 zählen zu den Unterzeichner*innen der Berliner Erklärung.

Charité – Universitätsmedizin Berlin

Die Lightning Talks im Rahmen der Open Access Week im Oktober 2021 waren ein voller Erfolg und haben Open Access an der Charité gut ins Gespräch gebracht. Die Themenauswahl, der Mix aus internationalen und Charité-affiliierten Referent*innen und das knackige Format (30 min für Talk und Diskussion) der Lightning Talks wurden gut aufgenommen. Die Folien einiger Vorträge stehen auf der Webseite der Charité zur OA-Week 2021 zur Verfügung.
Details zu den kommenden OA-Workshops und Veranstaltungen finden Sie im Kalender der Medizinischen Bibliothek.

Der Antrag der Medizinischen Bibliothek der Charité im DFG-Förderprogramm „Open-Access-Publikationskosten“ war erfolgreich; die Charité freut sich über eine Förderung in Höhe von 2 Mio Euro für die Jahre 2022 – 2024. Neue Fördervoraussetzungen ab 2022 werden derzeit mit der Fakultät der Charité definiert.

Freie Universität Berlin

Seit Anfang Januar 2022 ist Steffi Grimm als Open-Access-Referentin an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin im Team „Open Access und wissenschaftliches Publizieren“ tätig. Sie ist in dieser Rolle vor allem für die Beratung von Publizierenden zuständig und begleitet strategische Entwicklungen rund um Open Access an der Universitätsbibliothek.

Humboldt-Universität zu Berlin

Im Mai 2006 gehörte die Humboldt-Universität zu den ersten Einrichtungen in Deutschland, die eine Open-Access-Policy verabschiedeten. Am 26. Oktober 2021 hat der Akademische Senat der Humboldt-Universität einstimmig eine Aktualisierung der Open-Access-Policy beschlossen.

Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität hat erfolgreich Mittel im neuen DFG- Förderprogramm „Open-Access-Publikationskosten“ beantragt. Neu ist, dass aus diesen Mitteln auch Kosten für die offene Bereitstellung von Monografien aus DFG-Forschungsprojekten bezuschusst werden können. Die UB kann hierbei auf ihre inzwischen mehrjährigen Erfahrungen mit einem Publikationsfonds für Open-Access-Monografien und -Sammelbände zurückgreifen.

Die HU Berlin hat auch für das Jahr 2021 Kostendaten für Book Processing Charges (BPC) gemeldet: In diesen Daten sind Publikationen und Kosten enthalten, die im Rahmen des stark nachgefragten Open-Access-Publikationsfonds für Monografien und Sammelbände gefördert oder teilgefördert wurden. Mittlerweile sind bereits fast 50 geförderte Publikationen erschienen.

Die Humboldt-Universität ist seit 2022 außerdem unterstützendes Mitglied bei SciPost. SciPost ist eine wissenschaftliche Publikationsplattform und wird von der Nonprofit-Organisation „The SciPost Foundation“ mit Sitz am Institute of Physics an der Universität Amsterdam getragen. Alle Zeitschriften und Publikationen auf SciPost erscheinen ausschließlich nach den Prinzipien des FAIR Open Access bzw. gehen über diese hinaus. Das Publizieren in den Zeitschriften von SciPost ist für Autor*innen kostenlos. Die HU Berlin ist damit neben der TU Berlin die zweite Berliner Hochschule, die SciPost unterstützt.

An der HU ermöglicht außerdem ein neuer Konsortialvertrag den Forscher*innen der teilnehmenden Institutionen, unbegrenzt und kostenfrei im Open-Access-Modell in den meisten Zeitschriften von IOP Publishing zu veröffentlichen. Die Vereinbarung gilt bis 31.12.2024 und wird von der TIB Hannover organisiert.

Der Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie und das Open-Access-Team der Humboldt-Universität zu Berlin haben im September 2021 im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie gemeinsam eine fachbezogene Informations- und Diskussionsveranstaltung zu Open Access unter dem Titel ‚Ist die Ethnologie reif für Open Access? Wege in die Transformation zu einer offeneren Wissenschaft‘ ausgerichtet. In einem zusätzlichen Praxistraining wurden Kenntnisse zu Publikations- und Fördermöglichkeiten für Open Access vermittelt. Im April diesen Jahres werden vergleichbare Veranstaltungen im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (zukünftig: Deutsche Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft) stattfinden.

Im Dezember haben HU Berlin und Technische Universität Berlin am ORCID DE Online-Seminar teilgenommen und über Persistent Identifier in Publikations- und Affiliationsrichtlinien informiert. Die Beiträge sind hier dokumentiert.

Technische Universität Berlin

Ergänzend zur jährlichen Lieferung der Ausgaben für Open-Access Publikationsgebühren aus dem DFG-geförderten Publikationsfonds der TU Berlin an OpenAPC sind im November zusätzlich die Daten für OA-Artikel aus Transformationsverträgen (vgl. Wiley DEAL & Springer Nature DEAL bzw. RSC) für 2020 gemeldet worden (zur Treemap).

Über die Neuerscheinungen des Universitätsverlages wird regelmäßig auf der Webseite informiert. Im Blog „Publizieren an der TU Berlin“ werden neue Titel regelmäßig zusammengefasst präsentiert.

Laut open-access-monitor.de liegt der Open-Access-Anteil für Zeitschriftenartikel, die Angehörige der TU Berlin 2021 publiziert haben, bei 65% – dabei wurden etwa gleich viele OA-Artikel in echten OA-Zeitschriften wie in hybriden Zeitschriften veröffentlicht (26%), der Anteil an Zweitveröffentlichungen liegt bei ca. 13 % und wird erwartungsgemäß mit dem Ablauf von Embargofristen weiter wachsen (s.a. Grafik in diesem Tweet).

Brandenburg

Universität Potsdam

Die Universität Potsdam wurde vom Stifterverband gemeinsam mit zwei weiteren Hochschulen für das Programm Road2Openness ausgewählt.

Fachochschule Potsdam

Miriam Zeunert (https://orcid.org/0000-0003-2425-3590) verstärkt seit dem 01. Dezember 2021 das Bibliotheksteam der Fachhochschule Potsdam. Nach ihrer FaMI-Ausbildung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin (MDC) schloss sie im März 2021 erfolgreich ihr Studium der Bibliothekswissenschaft an der Fachhochschule Potsdam mit einer Abschlussarbeit über das Forschungsdatenmanagement als Arbeitsschwerpunkt für Informationswissenschaftler*innen ab. Schon während des Studiums war sie, zuerst als studentische Hilfskraft und später als wissenschaftliche Mitarbeiterin, in dem MWFK geförderten Projekt Forschungsdatenmanagement Brandenburg (FDM-BB) tätig und erhielt dadurch einen Einblick in die Prozesse und Herausforderungen der Weiterentwicklung des Forschungsdatenmanagements in Brandenburg.In ihrer neuen Position an der Fachhochschule Potsdam wird sie sich u.a. mit den Themen Open Access und Forschungsdaten beschäftigen.

Filmuniversität Konrad Wolf Babelsberg

Die Filmuniversität Konrad Wolf Babelsberg ist dem Bibliothekskonsortium Open Library Medienwissenschaft beigetreten und hat für das KU Amsterdam University Press Communication & Media Studies 2022 – 2024 gepledged. Dies ist die erste Teilnahme der Filmuniversität an Konsortien dieser Art. Zudem wurde die erste Dissertation Open Access auf dem Publikationsserver veröffentlicht.

Technische Hochschule Wildau

Die von der TH Wildau herausgegebene und bei TIB Open Publishing veröffentlichte Konferenzbandreihe TH Wildau Engineering and Natural Sciences Proceedings (TH Wildau ENSP) ist seit kurzem in DOAJ indexiert.

 

Fokus: Open Access an der Hochschule für Schaupielkunst Ernst Busch

Diese neue Blog-Rubrik nimmt Open Access an Berliner Einrichtungen und interessante Projekte in den Fokus. Neben den aktuellen Entwicklungen werden auch neue Gesichter aus der Community vorgestellt.

Von Dr. Anna Luise Kiss und Anika Wilde

Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin ist eine der herausragenden Hochschulen der Darstellenden Künste im deutschsprachigen Raum. Diverse künstlerische Handschriften wurden und werden durch renommierte Theater-, Tanz- und Film-Persönlichkeiten in die Hochschule hineingetragen. International anerkannte Dozent*innen prägen bis heute das Profil der Hochschule und tragen zu ihrem bemerkenswerten internationalen Ruf bei. Zahlreiche Absolvent*innen zählen zu einflussreichen Künstler*innen des Landes. Eine tiefe Verwurzlung in der Theater-, Tanz- und Filmlandschaft zeichnet die Hochschule aus. In den sieben Studiengängen – Schauspiel, Regie, Dramaturgie, Puppenspielkunst, Spiel & Objekt, Choreographie und Bühnentanz – stehen die Studierenden und ihre exzellente Ausbildung in den Theaterkünsten im Zentrum.

Arbeitsplätze in der neuen Bibliothek in der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.
Arbeitsplätze in der neuen Bibliothek in der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.

Das Thema Open Access ist an der HfS Ernst Busch auf mehreren Ebenen von Relevanz. Zum einen profitieren die Studierenden und Lehrenden von einem zunehmend umfangreichen Angebot an wissenschaftlicher und pädagogischer Literatur sowie von künstlerischen Werken und Materialien, die „open“ angeboten werden – sei es im Kontext der Lehre oder in der künstlerischen Praxis. Die HfS Ernst Busch engagiert sich durch zahlreiche beratende Tätigkeiten gegenüber Studierenden und Lehrenden für die Umsetzung der Open-Access-Bewegung. Zum anderen steht die Frage im Vordergrund, wie künstlerische Arbeiten, die in der Lehre entstehen, künftig zu dokumentieren sind, damit sie im Sinne der „Openness-Bewegung“ zur Verfügung gestellt werden können. Open Access wird als ergänzendes Werkzeug verstanden, um lehrbezogene künstlerische und kreative Werke unter Einhaltung der besonderen Rechtelage einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Und schließlich verfügt die HfS Ernst Busch an ihrem Standort in Berlin-Mitte über ein neues Inszenierungsarchiv, das danach verlangt, insbesondere für das Fach Theaterwissenschaft durch Erfassung, Digitalisierung und Bereitstellung als Ort der Forschung erschlossen zu werden. Die engagierte Open-Access-Beauftragte Anika Wilde bringt das Themenfeld durch ein kooperatives Repositorium, das gemeinsam mit der weißensee kunsthochschule berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin eingerichtet wird und mithilfe einer erfolgreichen Bewerbung in der Berliner digiS-Förderlinie voran.

Ansprechpersonen zum Thema Open Access und Openness-Bewegung in den Künsten sind an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin:

Anika Wilde | Open-Access-Beauftragte

Anika Wilde studierte Information Science im Master an der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Seit ihrem Abschluss 2018 ist sie Open-Access-Beauftragte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Bis 2020 war sie als Bibliotheksmitarbeiterin tätig, bevor sie das Arbeitsgebiet Campus digital bestritt. Darüber hinaus ist Frau Wilde Mitbegründerin der Arbeitsgemeinschaft Open Access in den Künsten und derzeitige stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Kunst- und Museumsbibliotheken.

Anna Luise Kiss | Rektorin

Dr. Anna Luise Kiss ist seit Oktober 2021 Rektorin der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Sie ist Herausgeberin des Sammelbandes Jede Menge Perspektiven. Der Regisseur Herrmann Zschoche (CineGraph Babelsberg, Berlin 2014) und – gemeinsam mit Dieter Chill – von Pathenheimer: Filmfotografin. DEFA Movie Stills (Ch. Links Verlag, Berlin 2016). Sie ist eine der Herausgeber*innen des ffk Journals Nr. 5 (AVINUS Verlag, Hamburg 2020). Ihre Dissertation Topografie des Laiendarsteller-Diskurses. Zur Konstruktion von Laiendarstellerinnen und Laiendarstellern im Kinospielfilm (Springer VS, Wiesbaden) ist im März 2019 erschienen. Zwischen 2020 und 2021 war sie Produzentin und Moderatorin des Podcasts „Film Studies bling-bling“. Ein aktueller Open Access Aufsatz zu Humorous Audio-Visual Lockdown Works ist 2021 im Galactica Media: Journal of Media Studies erschienen. Am 12. Februar 2022 kommt ihr Open-Access-Buch Die filmische Strassenlandschaft in Potsdam. Palimpsest – Kulturelle Arena – Performativer Raum (mit Beiträgen von Johann Pibert) heraus.

Anna Luise Kiss war bereits als Vizepräsidentin der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf mit dem Thema Open Access an Kunsthochschulen befasst. Als Film- und Medienwissenschaftlerin hat sie Erfahrungen in der Konzeption und Veröffentlichung von Open-Access-Publikationen, einer Wissenschaftskommunikation im Sinne der „Openness-Bewegung“ sowie mit geisteswissenschaftlicher Bürger*innen-Forschung (Citizen Science).

3 von 5: Sind Wissenschaftseinrichtungen die besseren Verlage?

Von Maike Neufend, Anita Eppelin, Sebastian Nix und Frank Seeliger

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist über das TIB AV Portal verfügbar.

Bericht zur Veranstaltung #3 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin und Brandenburg.

Die dritte Veranstaltung der Reihe “Quo vadis offene Wissenschaft” mit rund 250 Teilnehmer*innen beschäftigte sich mit der Frage der Kostentransparenz im wissenschaftlichen Verlagswesen und dem nicht-kommerziellen Publizieren an Wissenschaftseinrichtungen. Unter dem Titel “Sind Wissenschaftseinrichtungen die besseren Verlage?” wurde diskutiert, ob sich hochschuleigene Verlage und Publikationsinfrastrukturen perspektivisch zu “besseren Verlagen” entwickeln könnten, weil diese sich bei den Kosten von Open Access an aufwandsgerechten Publikationskosten orientieren und nicht an der Gewinnmaximierung. An die Frage der Kosten schlossen sich weitere Diskussionspunkte an, zur Rolle wissenschaftsgetragener Publikationskultur (Scholar-led), Qualitätssicherung, Publikations-Workflows und auch Fragen zum Reputationssystem in der Wissenschaft.

Auch wenn die Diskussion keine “einfachen” Lösungen aufzeigen konnte, machten die Podiumsgäste deutlich, dass mehr Zusammenarbeit von allen gewünscht wird.

Zur Diskussion eingeladen waren Vertreter*innen verschiedener Interessengruppen, darunter Detlef Büttner, Geschäftsführer von Lehmanns Media, einer Unternehmensgruppe, die als Intermediär mit dem An- und Verkauf von wissenschaftlichen Informationsressourcen wirtschaftet. Des Weiteren vertrat Kathrin Ganz, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg und Redaktionsmitglied beim Open Gender Journal, auf dem Podium die Scholar-led-Perspektive, die unter anderem in einem kürzlich erschienenen Manifest ausformuliert wurde. Miriam von Maydell leitet das Lektorat und die Herstellung im Verlag Barbara Budrich und sprach damit aus der Perspektive der mittelständischen und kleinen Verlage. Als Leiterin der Abteilung Publikationsdienste an der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin nahm Dagmar Schobert  die Position der Universitätsverlage ein. An der TU Berlin wird bereits seit 50 Jahren ein Universitätsverlag geführt, der seit 2013 zu einem Open-Access-Verlag umgestaltet wurde. Die Moderation übernahm Thomas Mutschler, Leiter der Abteilung Medienerwerbung und -erschließung an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena.

Herr Büttner konnte aufzeigen, dass sein Interesse sich nicht mit dem der Großverlage deckt, denn der Paradigmenwechsel zu Open Access sorge dafür, dass die Dissemination von Wissen immens verbessert würde. Seine Aufgabe sehe er darin, die stetig steigenden Wissensmengen zu ordnen, zu katalogisieren und in effizienten Prozessen den Einrichtungen und Wissenschaftler*innen verfügbar zu machen. Dies sei ein unverzichtbarer Beitrag für die Informationsversorgung der Wissenschaft. Miriam von Maydell betonte, dass das Aufgabenspektrum des Verlags unterschiedliche Abteilungen umfasst, die sich um die Produktion kümmern. Dazu gehören auch die Schaffung und Pflege eines inhaltlichen Profils, durch welches ein Verlag eine bestimmte Reputation aufbaut. Dadurch bieten Verlage wie Barbara Budrich bspw. in den Sozial- und Erziehungswissenschaften eine große Sichtbarkeit für die Autor*innen. In dieser erhöhten Sichtbarkeit oder auch Zugänglichkeit für Autor*innen  sieht auch Kathrin Ganz den Vorteil für Wissenschaftler*innen, doch diese Zugänglichkeit werde bereits durch Open-Access-Publikationen erreicht, in deren Publikationsprozess Wissenschaftler*innen ohnehin schon umfassend involviert sind, z. B. durch die Begutachtungsverfahren, die Reviews nach Veröffentlichung und häufig auch das Layout und den Satz. Warum sollte die Fachcommunity also nicht direkt die Publikation selbst komplett in die Hand nehmen?

Dagmar Schobert sieht wiederum den größten Unterschied zwischen privatwirtschaftlich-gewinnorientierten Verlagen und Universitätsverlagen in der kommerziellen Ausrichtung. Denn gerade weil Publikationsprojekte an Wissenschaftseinrichtungen sich nicht nach einer Gewinnmaximierung ausrichten müssen, sei es ihnen möglich, den Kulturwandel im Bereich des Open-Access-Publizierens besser  zu unterstützen. Dies sei insbesondere in Berlin von Bedeutung, denn dort sollen Open-Science-Praktiken in Zukunft bei der Bewertung von Forschungsleistungen einbezogen werden. Die Technische Universität Berlin habe Schritte in diese Richtung bereits unternommen und bspw. die DORA-Erklärung unterzeichnet. 

Für die Diskussion ergaben sich folgende weitere Fragestellungen, Thesen und Forderungen:

  • Die Publikationsdienstleister sollen statt quantitativer Metriken verstärkt inhaltliche Merkmale der Qualitätssicherung fördern, um den Kulturwandel im Publikationssystem der Wissenschaft zu unterstützen. 
  • Die Mittel der Qualitätssicherung wie Beiräte, Peer-Review oder die Inanspruchnahme von Netzwerken unterscheiden sich zumeist nicht zwischen  gewinnorientierten und nicht-kommerziellen Verlagsangeboten.
  • Die Diskussion zum Open-Access-Publizieren sollte unter der Voraussetzung geführt werden, dass Mehrwerte für alle Beteiligten in der Open-Access-Community gegeben sind – und unter Nutzung der  jeweiligen Stärken der Beteiligten.
  • Insbesondere bei technischen Entwicklungen und der Umsetzung einheitlicher Standards (bspw. XML-Workflows) sollte es Kooperationen geben, um allen Beteiligten das Publizieren in Open Access gleichermaßen zugänglich zu machen.
  • Innovative Projekte (wie Open Peer Review, Einbindung von Forschungsdaten in Artikel, etc.) werden gefördert, aber es fehlt die Nachhaltigkeit.
  • Eine konsortiale Finanzierung von Daueraufgaben sollte ermöglicht werden.
  • Im Bereich der Infrastruktur ist mehr kollaboratives Arbeiten notwendig. 
  • Es bedarf einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung und einer Beteiligung an wissenschaftspolitischen Diskussionen, um die Nachhaltigkeit von Publikationssystemen zu gewährleisten.
  • Internationale Projekte wie  “Copim: Community-led Open Publication Infrastructures for Monographs” können als Good-Practice-Orientierung dienen.

Zusammenarbeit findet bereits auf vielen Ebenen statt. Insbesondere im Buch- und im Scholar-led-Bereich gibt es in Deutschland überregionale Initiativen, wie bspw. die AG Universitätsverlage, die Enable!-Initiative, sowie die Fokusgruppen Open-Access-Bücher und scholar-led.network im Rahmen von open-access.network. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt im laufenden Förderprogramm zur Beschleunigung der Open-Access-Transformation verstärkt auf den Austausch zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Verlagen und auf die Förderung von Scholar-led-Projekten. 

Am Ende konnte die Diskussion zeigen, dass die Transformation des Publikationsmarktes durch den Paradigmenwechsel hin zu Open Access aus Sicht der Podiumsteilnehmer*innen Herausforderung und Chance zugleich ist. Es haben sich sowohl neue Geschäftsmodelle als auch neue Publikations- und Verlagspraktiken entwickelt. Will die Community  aber der Entwicklung entgegenwirken, in der Publikationsinfrastrukturen wiederholt von großen kommerziellen Unternehmen aufgekauft werden, gilt es, sich zusammenzuschließen, um offene und kollaborative Formen von Infrastrukturen und Workflows zu schaffen. Dabei können Bibliotheken mit ihren nicht-gewinnorientierten Open-Access-Verlagen eine wichtige Rolle und Funktion übernehmen.

Im Hinblick auf die nächste Veranstaltung der Reihe schließt sich hier unmittelbar die Frage an, welche Rolle Bibliotheken generell in Zukunft einnehmen. Wenn es unter dem Paradigma der Offenheit nicht mehr “nur” um die Bereitstellung wissenschaftlicher Informationsressourcen geht, sondern eher um inhaltsgetriebene Kuratierungs-, Vernetzungs-  und Vermittlungsleistungen, wie können solche Dienstleistungen dann nachhaltig betrieben und finanziert werden?

Wir freuen uns auf die Diskussion am 17. Februar 2022 zum Thema “Was bedeutet Open Science für das künftige Geschäftsmodell von Bibliotheken?”.

Was bedeutet Open Science für das künftige Geschäftsmodell von Bibliotheken?

Vorträge und Diskussion

Donnerstag, 17. Februar 2022, 14-15.30 Uhr

Anmeldung

Eine Veranstaltung in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Open Science hat weitreichende Auswirkungen auf das tradierte Geschäftsmodell von Bibliotheken und eröffnet zugleich Perspektiven für völlig neue Serviceangebote.

Unter einem Paradigma völliger „Offenheit“ wissenschaftlicher Inhalte wäre beispielsweise fraglich, welche Rolle Bibliotheken in Bezug auf die Bereitstellung wissenschaftlicher Informationsressourcen künftig noch spielen. Es geht dann möglicherweise nicht mehr primär um die Auswahl und Erwerbung – mit begrenzten Mitteln – kostenpflichtiger Ressourcen, sondern eher um inhaltsgetriebene Kuratierungs-, Vernetzungs-  und Vermittlungsleistungen in Bezug auf die unüberschaubare Menge frei verfügbarer Inhalte oder auch um die Sicherstellung von deren Langzeitverfügbarkeit. Gleichzeitig müssen Mittel für publikationsbasierte Open-Access-Kosten verwaltet und ggf. eingeworben werden, oder es gilt, Infrastrukturen für die Bereitstellung „offener“ Inhalte zu betreiben und/oder zu finanzieren. Auch müssen nachhaltige, möglichst kosteneffiziente Lösungen für die Verfügbarmachung von Forschungsdaten z.B. nach den FAIR-Prinzipien entwickelt werden. Mit Blick auf diese und viele andere Services gibt es zudem Beratungsbedarfe der wissenschaftlich Tätigen, nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit komplexen rechtlichen Fragen.

Die Veranstaltung beleuchtet die eben skizzierten Entwicklungen aus der Perspektive von drei sehr unterschiedlichen Bibliotheken: des Bereichs „Wissenschaftliche Information“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Dabei soll es um die folgenden Fragen gehen:

  • Welche Services bieten die Einrichtungen an, um Forschende bei der Umsetzung der Prinzipien von Open Science zu unterstützen?
  • Wie entwickelt sich – z.B. in Bezug auf die eingesetzten Sachmittel und Personalressourcen – das Verhältnis zwischen Services, die fokussiert sind auf die Bereitstellung und ggf. Bewahrung kostenpflichtiger Informationsressourcen, und Services z.B. im Zusammenhang mit Open Access für Publikationen oder offenen (Forschungs-)Daten? Können Ressourcen ggf. auch dadurch gewonnen werden, dass bestehende Services kritisch hinterfragt werden?
  • Inwiefern müssen infolge von mehr „Openness“ Werkzeuge wie z.B. Bibliotheksmanagementsysteme an neue Anforderungen angepasst werden?
  • Welche Auswirkungen hat ein sich sukzessive in Richtung Open Science weiterentwickelndes Service-Portfolio in Bezug auf die notwendige Qualifikation der Mitarbeitenden?
  • Welche Rolle spielt Open Science mittel- und langfristig bei der strategischen Weiterentwicklung der Einrichtungen?

Vorträge von und Diskussion mit

Reinhard Altenhöner

Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Mathis Fräßdorf (Ph.D.)

Leiter Abteilung Wissenschaftliche Information am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Prof. Dr. Klaus Tochtermann

Direktor ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Ellen Euler

Bibliothekswissenschaft, Professur für Open Access/ Open Data, FH Potsdam