Was bedeutet Open Science für das künftige Geschäftsmodell von Bibliotheken?

Vorträge und Diskussion

Donnerstag, 17. Februar 2022, 14-15.30 Uhr

Anmeldung

Eine Veranstaltung in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Open Science hat weitreichende Auswirkungen auf das tradierte Geschäftsmodell von Bibliotheken und eröffnet zugleich Perspektiven für völlig neue Serviceangebote.

Unter einem Paradigma völliger „Offenheit“ wissenschaftlicher Inhalte wäre beispielsweise fraglich, welche Rolle Bibliotheken in Bezug auf die Bereitstellung wissenschaftlicher Informationsressourcen künftig noch spielen. Es geht dann möglicherweise nicht mehr primär um die Auswahl und Erwerbung – mit begrenzten Mitteln – kostenpflichtiger Ressourcen, sondern eher um inhaltsgetriebene Kuratierungs-, Vernetzungs-  und Vermittlungsleistungen in Bezug auf die unüberschaubare Menge frei verfügbarer Inhalte oder auch um die Sicherstellung von deren Langzeitverfügbarkeit. Gleichzeitig müssen Mittel für publikationsbasierte Open-Access-Kosten verwaltet und ggf. eingeworben werden, oder es gilt, Infrastrukturen für die Bereitstellung „offener“ Inhalte zu betreiben und/oder zu finanzieren. Auch müssen nachhaltige, möglichst kosteneffiziente Lösungen für die Verfügbarmachung von Forschungsdaten z.B. nach den FAIR-Prinzipien entwickelt werden. Mit Blick auf diese und viele andere Services gibt es zudem Beratungsbedarfe der wissenschaftlich Tätigen, nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit komplexen rechtlichen Fragen.

Die Veranstaltung beleuchtet die eben skizzierten Entwicklungen aus der Perspektive von drei sehr unterschiedlichen Bibliotheken: des Bereichs „Wissenschaftliche Information“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Dabei soll es um die folgenden Fragen gehen:

  • Welche Services bieten die Einrichtungen an, um Forschende bei der Umsetzung der Prinzipien von Open Science zu unterstützen?
  • Wie entwickelt sich – z.B. in Bezug auf die eingesetzten Sachmittel und Personalressourcen – das Verhältnis zwischen Services, die fokussiert sind auf die Bereitstellung und ggf. Bewahrung kostenpflichtiger Informationsressourcen, und Services z.B. im Zusammenhang mit Open Access für Publikationen oder offenen (Forschungs-)Daten? Können Ressourcen ggf. auch dadurch gewonnen werden, dass bestehende Services kritisch hinterfragt werden?
  • Inwiefern müssen infolge von mehr „Openness“ Werkzeuge wie z.B. Bibliotheksmanagementsysteme an neue Anforderungen angepasst werden?
  • Welche Auswirkungen hat ein sich sukzessive in Richtung Open Science weiterentwickelndes Service-Portfolio in Bezug auf die notwendige Qualifikation der Mitarbeitenden?
  • Welche Rolle spielt Open Science mittel- und langfristig bei der strategischen Weiterentwicklung der Einrichtungen?

Vorträge von und Diskussion mit

Reinhard Altenhöner

Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Prof. Dr. Klaus Tochtermann

Direktor ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Moderiert wird die Veranstaltung von N.N.

2 von 5: Kritische Betrachtung der Auswirkungen von DEAL auf Bibliotheken

Von Friederike Borchert und Marcus Heinrich

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist über das TIB AV Portal verfügbar.

Bericht zur Veranstaltung #2 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung am 22. November 2021 zu dem Thema „Sind wir mit dem kommerziellen Open Access auf dem richtigen Weg?“ setzte die Folgeveranstaltung den Fokus auf die viel diskutierten DEAL-Verträge. Die zweite Veranstaltung aus der Reihe „Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg“ mit über 250 Teilnehmer*innen widmete sich am 7. Dezember 2021 der kritischen Auseinandersetzung mit den DEAL-Verträgen und den Auswirkungen dieser auf Bibliotheken unterschiedlichen Typs.

In Kurzvorträgen gaben Jenny Delasalle (Open Access Beauftragte der Charité – Universitätsmedizin Berlin), Jürgen Christof (Direktor der Universitätsbibliothek Technische Universität Berlin), Dr. Claus Dalchow (Leitung Bibliothek Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.) und Dr. Karin Ilg (Leitung Hochschulbibliothek FH Bielefeld) einen Einblick in die Auswirkungen der DEAL-Verträge auf die jeweiligen Einrichtungen. Die Moderation hatte Dr. Klaus-Rainer Brintzinger (Direktor der Universitätsbibliothek Ludwig-Maximilians-Universität München) inne.

Im ersten Vortrag von Jenny Delasalle aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurde die Perspektive einer publikationsstarken Einrichtung mit jährlich ca. 6.000 Zeitschriftenartikeln beleuchtet (Präsentation Jenny Delasalle). Durch die Teilnahme an den DEAL-Verträgen sind die Ausgaben für Publikationskosten an der Einrichtung in hohem Maße gestiegen. Hinzukommen würde – nach dem DEAL-Modell – eine hohe Nachzahlung, der die Einrichtung nicht nachkommen könne. Neben der hohen finanziellen Mehrbelastung bringen die Verträge einen großen Kommunikationsbedarf innerhalb der Einrichtung und gegenüber den teilnehmenden Verlagen mit sich. Hinzu kommt die Tatsache, dass durch die Verträge eine Konzentration von öffentlichen Mitteln auf die DEAL-Verlage stattfindet. Neben diesen Herausforderungen werden auch die positiven Auswirkungen der DEAL-Verträge betont: Seit der Teilnahme steige die Anzahl der Open-Access-Artikel rasant an (Gold und Hybrid), und die Ergebnisse deutscher Wissenschaft seien im Sinne des Open Access deutlich sichtbarer. Für die nächsten Verhandlungsrunden empfiehlt Jenny Delasalle insgesamt mehr Transparenz in der Vertragsgestaltung und eine stärkere Orientierung an den Förderbedingungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), idealerweise mit einer Einführung der bewährten Kostenobergrenze von 2.000 Euro, um den Kostenanstieg handhabbar zu machen. Auch die Rolle der kleineren und mittleren Verlage solle insgesamt verstärkt in den Blick genommen werden, um fairere Bedingungen auf dem Publikationsmarkt zu schaffen.

Im Anschluss zog Jürgen Christof ein Zwischenfazit aus seiner Sicht als Direktor der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin (Präsentation Jürgen Christof). Der Open-Access-Anteil bei den ca. 2.200 jährlich erscheinenden Zeitschriftenartikeln lag in den Jahren 2020/21 bereits bei 68 Prozent, nicht zuletzt aufgrund der DEAL-Artikel, die ca. ein Drittel dieser Publikationen ausmachten. Open Access setze sich zusehends als Standard durch, und die DEAL-Verträge leisteten an dieser Stelle ihren Beitrag zur Open-Access-Transformation und zur Erreichung wissenschaftspolitischer Ziele. Die TU Berlin hatte sich bereits in den Anfangsjahren öffentlich klar zu DEAL bekannt. Intern wurde der Vertrag jedoch aufgrund der vielfältigen Herausforderungen durchaus auch kritisch diskutiert, so z.B. bezüglich der Kostenentwicklung. Insbesondere die PAR-Fee wird als deutlich zu hoch bewertet. Zudem sei die steuernde Wirkung auf andere Wissenschaftsverlage durchaus kritisch zu betrachten. Aus Sicht der Wissenschaftler*innen hingegen würden die DEAL-Verträge aufgrund der scheinbaren Kostenfreiheit und Einfachheit durchaus positiv bewertet. Zudem konnte das Zeitschriftenportfolio erweitert werden. Als Anforderungen an die zweite Phase der DEAL-Verträge fordert Jürgen Christof eine Absenkung der PAR-Fee und – wie Jenny Delasalle von der Berliner Charité – eine Kostenobergrenze für Gold-OA-Beiträge. Zudem müssten das Dashboard und anhängige Workflows verbessert werden. Dennoch fällt sein Resümee positiv aus: „Lassen Sie uns positiv nach vorne schauen: Das Glas ist halb voll.“

Abbildung 1: Vortrag Jürgen Christof (TU Berlin)

Dr. Claus Dalchow berichtete als Bibliotheksleiter des Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in einem dritten Vortrag über die Teilnahme an den DEAL-Verträgen aus Sicht einer außeruniversitären Forschungseinrichtung mit natrurwissenschaftlichem Schwerpunkt (Präsentation Dr. Claus Dalchow). Die 150 Forschenden des Instituts publizieren pro Jahr ca. 270 Artikel mit einem OA-Anteil von 60 bis 70 Prozent. Die Teilnahme an den DEAL-Verträgen hätte dabei bis dato keine erkennbaren Auswirkungen auf den OA-Anteil, jedoch sei der administrative Aufwand hoch. Am ZALF seien so nicht die DEAL-Verlage die großen Gewinner, sondern der OA-Verlag MDPI mit wesentlich höheren Wachstumsraten. Auch am ZALF wird das vermeintlich kostenfreie Publizieren als kritisch angesehen, da eine Übergehung der Bibliothek zum Verlust der eigenen Erwerbungshoheit führen könne . Herr Dalchow sieht zudem in der gerechten Verteilung der innerhalb einer Einrichtung verfügbaren Mittel ein zu klärendes Problem.

Im vierten Vortrag berichtete Dr. Karin Ilg, Leiterin der Hochschulbibliothek der FH Bielefeld, über DEAL aus Sicht der Fachhochschulen bzw. Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) (Präsentation Dr. Karin Ilg). Dieser Hochschultypus zeichne sich durch seine große Vielfalt aus, und so erscheint es wichtig, auch die Besonderheiten dieser Gruppe zu betrachten. Frau Ilg stellte in ihrem Vortrag acht Thesen und Beobachtungen zu den DEAL-Verträgen in Bezug auf die Fachhochschulen auf. HAWen unterstützen grundsätzlich die DEAL-Verträge bzw. das Ziel der Open-Access-Transformation. Zudem seien sie mitunter sehr publikationsstark und kämen den Nachzahlungsaufforderungen nach. HAWen mit einem geringeren Publikationsoutput wären indes bereit, eine Read Fee für den Zugriff zu zahlen. Hier bedürfe es der Kostentransparenz sowie fairer Kostenverteilungsmodelle. Jedoch werde die Umsetzung von DEAL, neben einem Finanzierungsproblem, auch zu einem Problem der Personalressourcen. Diese Hindernisse würden begleitet durch grundlegende Kultur- und Wertediskussionen. Hier gelte es, Chancen zu ergreifen und die Thematik mit einem Schwerpunkt auf den Hochschultypus bundeslandübergreifend zu thematisieren.

Abbildung 2: Vortrag Dr. Karin Ilg (FH Bielefeld)

Fazit und Diskussion

Das Projekt DEAL hat einen entscheidenden Beitrag zur Open-Access-Transformation der letzten Jahre beigesteuert. Dennoch bleiben viele herausfordernde Zukunftsfragen offen. Anhand von vier Vorträgen aus unterschiedlichen Informations- bzw. Wissenschaftseinrichtungen wurde der Versuch unternommen, eine multiperspektivische Betrachtung der DEAL-Verträge zu ermöglichen.

Eingangs stellten sich dabei die Fragen nach neuen Aufgaben im Zusammenhang mit der Administration der DEAL-Verträge sowie den vielfältigen finanziellen Herausforderungen. Doch wie hoch ist der Wert der DEAL-Verträge in Hinblick auf den Kulturwandel hin zu Offenheit in Wissenschaft und Forschung einzuschätzen? Auf Grundlage dessen, sowie der Beiträge und der Diskussion, kann zusammenfassend konstatiert werden:

  • DEAL ist ein Baustein der Open-Access-Transformation und ermöglicht es Bibliotheken, zentraler Akteur einer vernetzten Informationsinfrastruktur zu sein.
  • Die Steuerungswirkung von DEAL mit Blick auf die Preispolitik der involvierten Verlage scheint eher begrenzt, aber DEAL ist ein Motor für strukturelle Veränderungen in Forschungseinrichtungen. Zukunftsthemen wie Open Science sind Gemeinschaftsthemen. DEAL bringt Open-Access-Akteur*innen zusammen und ermöglicht Chancen. Das gilt nicht zuletzt für Bibliotheken und Einrichtungsleitungen.
  • Die Diskussion um DEAL dreht sich vermehrt um die Finanzierungsproblematik und entfernt sich im Kern dabei von den ursprünglichen Transformationszielen: Erhöhung des Open-Access-Anteils von Forschungsergebnissen; Verbesserung der Informationsversorgung; Etablierung eines fairen, zukunftsorientierten Preismodells (orientiert am Publikationsaufkommen).
  • Forschungseinrichtungen sind vielfältig und stehen daher vor mannigfaltigen Herausforderungen, die gerade im Zusammenhang mit publikationskostenbasierten Open-Access-Modellen zum Teil von grundlegenden Kultur- und Wertediskussionen begleitet werden.
  • Nachzahlungsforderungen stellen für einzelne Einrichtungen mitunter große Herausforderungen dar.
  • Die finanzielle Hauptlast kann nicht dauerhaft von Bibliotheken getragen werden. In der Konsequenz müssen die Durchschnittskosten angepasst werden. DEAL kann einen solidarischen Finanzierungsansatz für Open Access bedeuten. Finanzielle Mehrbedarfe durch institutionsinterne Umlenkungsprozesse abzudecken, ist allerdings kaum praktikabel. Noch viel herausfordernder sind Umverteilungsprozesse in einem Bundesland, ganz zu schweigen von einer – vermutlich illusorischen – bundesweiten Umverteilung von Mitteln.
  • Das Projekt DEAL hat zur Folge, dass sich ein erheblicher Teil der öffentlichen Gelder auf Großverlage konzentriert, wodurch sich die Marktposition der Verlagsseite gegenüber nicht gewinnorientierten Lösungen disparat entwickelt. Alternative Open-Access-Publikations- und Finanzierungsmodelle müssen aktiver in den Blick genommen werden.

Die DEAL-Verträge stellen Hochschul- und Forschungseinrichtungen vor vielfältige Herausforderungen, und es wird deutlich, dass derartige Verträge in der aktuellen Form keine Blaupausen für andere Verlage darstellen können. Doch wie sehen Alternativen aus? Wohin können uns andere Wege führen? Sie sind herzlich eingeladen, am 19. Januar 2022 von 14:00 bis 15:30 Uhr mit uns zu der Frage zu diskutieren: Sind Wissenschaftseinrichtungen die besseren Verlage?

1 von 5: Sind wir mit dem kommerziellen Open Access auf dem richtigen Weg?

Von Linda Martin, Sebastian Nix und Frank Seeliger

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist über das TIB AV Portal verfügbar.

Bericht zur Veranstaltung #1 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Week Berlin-Brandenburg

Open Access rückt den routinierten Abläufen der Erwerbung und Publikationsunterstützung in den Bibliotheken immer mehr zu Leibe! Wurde vor dreißig Jahren noch mit Distanz zum Preprint-Server arXiv und den nachfolgend entsprechenden Impulsen wie der Budapest Open Access Initiative (BOAI) geblickt, besteht nun Handlungsbedarf. Spätestens seit der Impulsgebung durch einige Länder- und Hochschulinitiativen oder durch die bundesweiten Transformationsverträge im Rahmen des Projekts DEAL ab dem Jahr 2019 treffen Verantwortliche in Informationseinrichtungen regelmäßig Entscheidungen, um diese strategischen Instrumente für ihre Häuser, an lokale Bedingungen angepasst zu operationalisieren.

Open Access ist über alle betrieblichen Einheiten einer wissenschaftlichen Bibliothek hinweg eine Querschnittsaufgabe geworden. Die Länder Berlin und Brandenburg unterstützen eigene Open-Access-Vernetzungsstellen für die Umsetzung der jeweiligen Landesstrategien an den Einrichtungen. Aus dieser Nähe zu Open Access entstand eine Interessengruppe aus Personen und Institutionen, die zusammen die Zukunft der Open-Access-Transformation anhand einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe kritisch reflektieren möchte.

Mit einem Vorlauf von einem guten halben Jahr konnte am Montag, 22. November 2021, der Auftakt der Open Access Week Berlin-Brandenburg virtuell über die Bühne gehen, und das gleich mit einer “Einschaltquote” von annähernd 300 Interessent*innen. Bis März 2022 werden an einem fortschreitenden Wochentag pro Monat Fokussierungen auf Open Access gesetzt. Die thematische Klammer bilden Fragen zu Bedarfen und Erfahrungen, bislang verborgenen Aspekten und Blickwinkeln, neuen Anforderungen an die Mitarbeiter*innen von Bibliotheken sowie die Perspektive auf die Zukunft der Open-Access-Transformation. Alle fünf Diskussionsveranstaltungen werden aufgezeichnet und sind über das TIB AV Portal dauerhaft frei verfügbar.

Am Nachmittag des 22. November 2021 gingen Dr. Jens Peter Gaul (Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz), Dr. Ulrich Herb (Leiter Abteilung Elektronische Publikationsangebote an der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek) und Dr. Anja Oberländer (Leitung Team Open Science am Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz) in die Diskussion, die gekonnt moderiert wurde von Dr. Christina Riesenweber (Ansprechpartnerin für Open Access und wissenschaftliches Publizieren an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin). Nicht teilnehmen konnte krankheitsbedingt Prof. Dr. Thomas Grebel (Institut für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Ilmenau), welcher mit Kolleg*innen APCs (article processing charge, mithin Gebühren für die Veröffentlichung von Open-Access-Artikeln in wissenschaftlichen Journalen) in Bezug auf Fachgebiete, Substitutionsmöglichkeiten und die Marktmacht von Verlagen analysierte. Die Ergebnisse der Untersuchung bieten einige Erkenntnisse, die in absentia andiskutiert wurden:

“The results suggest that Health Sciences and Life Sciences, i.e. the fields with the highest financial endowments and a lack of substitutes for accessing non-OA papers, display the highest APC levels, whereas Social Sciences, i.e. a field with a lower willingness-to-pay and widespread use of preprints shows significantly lower prices. … In addition, we could show – in line with the existing literature – that the strategy to amend the traditional subscription-based model with an OA option, i.e. to create so-called hybrid journals, pays off for established publishers. They seem to be able to convey their market power from the traditional to the new world of digital publication. […] As our empirical exercise shows, in spite of roughly homogeneous production costs of publishing OA journals across publishers, which we believe to be a legitimate assumption, APC to be paid by libraries/authors vary significantly across disciplines and publishers, which to a large extent can be attributed to their market power – even when controlling for reputation” (S. 16 f.).

Derartige ökonomische Erkenntnisse sollten in die künftigen Debatten einfließen, um die Bepreisung von Open Access an den aufwandsgerechten Publikationskosten und weniger an der Gewinnmaximierung auszurichten. Wie in der Diskussion herausgestellt wurde, stammen 85 % der Einnahmen der Verlage aus öffentlichen Geldern. Mit dem Wissen um Alternativen und damit verbundene Kosten sollte sich die Marktmacht ‘öffentlicher Sektor’ stärken lassen, auch wenn Jens-Peter Gaul bemerkte, dass man nach 500 Jahren Subskriptionsgeschichte in Deutschland nicht direkt auf bedingungsloses Open Access umlegen könne. Die Moderatorin Christina Riesenweber ergänzte diese Aussage um ein Zitat aus zuvor benannter Studie: Das durchschnittliche Alter der darin berücksichtigten Verlage beträgt 135 Jahre. 

Ziel der Diskussion unter der Überschrift “Sind wir mit dem kommerziellen Open Access auf dem richtigen Weg?” – wobei “kommerziell” in diesem Zusammenhang, wie die Moderatorin zu Beginn ausführte, abhebt auf publikationskostenbasierte, gewinnorientierte Open-Access-Geschäftsmodelle – war jedoch nicht, einen Antagonismus zwischen privatwirtschaftlichen und öffentlichen Trägerschaften abzubilden. So geht es nicht um eine Disintermediation von Verlagen, sondern den neuen Zuschnitt von sich ergänzenden Kompetenzfeldern und Reputationsmechanismen. 

Nachfolgend seien einige der artikulierten Einsichten und Statements in einem Florilegium erfasst:

  • Die Roadmap von DEAL ließ Nebenstraßen unbeachtet und verlor damit Verlage, die aufgrund ihres Geschäftsmodells gegenüber Open Access prinzipiell aufgeschlossen gegenüberstehen , ebenso ein Stückweit aus dem Blick wie alternative Open-Access-Publikations- und Finanzierungsmodelle.
  • Die ausgehandelten DEAL-Verträge sind getragen vom kleinsten gemeinsamen Nenner der sehr divers eingebundenen Protagonist*innen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Verhandlungszielen.
  • Die drei DEAL-Verträge haben zu einer deutlichen Ausweitung der Open Access-Quote geführt.
  • Die DEAL-Verträge bewirken allerdings keine Strukturveränderung, zum Beispiel bezüglich. der Abhängigkeiten von großen, marktbeherrschenden Verlagen. Im Gegenteil könnte die Fokussierung auf ein Modell, bei dem für das – für Forschende gewissermaßen “überlebenswichtige” und in Bezug auf die dafür geeigneten Medien, nämlich jeweils fachlich renommierte Journale – Publizieren von wissenschaftlichen Inhalten Geld zu bezahlen ist statt für Möglichkeit, diese Inhalte zu “konsumieren”, die Abhängigkeit des Wissenschaftssystems von den dominanten “Playern” in der wissenschaftlichen Verlagsbranche noch wachsen. Denn: Diese “Player” verfügen über eine “Quasi-Monopol” in Bezug auf die renommeeträchtigen Publikationsmedien. Es ist auch noch keineswegs absehbar, wie die jüngst von Bernhard Mittermaier publizierte Untersuchung “Transformationsverträge – Stairway to Heaven oder Highway to Hell?” zeigt, dass es durch die DEAL-Verträge überhaupt zu einer flächendeckenden “Transformation” des Geschäftsmodells von Wissenschaftsverlagen hin zu Open Access kommt.
  • Das im White Paper der MPDL angenommene “Nullsummenspiel” in der Umstellung von Lizenzierungskosten auf publikationsbasierte Abrechnungen greift absehbar nicht in der Praxis. Es ist festzustellen, dass – anders als zum Beispiel von der BOAI intendiert – im Gegenteil die Transformation erforderte, mehr Geld in das System zu geben als zuvor.
  • Open Access verändert die Ausrichtung der verlagsseitigen Geschäftsfelder in Richtung (auch) technikgetriebener,forschungsbegleitender Services (inkl. eines wachsenden Innovationsvorsprungs, auch finanziert mit öffentlichen Geldern in einer oligopolistischen Marktsituation ), wodurch der Wettbewerb mit nicht gewinnorientierten Lösungen sich verschärft, beispielsweise mit von Forschungs- und/oder forschungsnahen Infrastruktureinrichtungen betriebenen und weiterentwickelten Plattformen für Open-Access-Journale auf Basis der freien Software “Open Journal Systems” (OJS).
  • Ein etwaig dennoch entstehender Preisdruck auf Verlage durch Open Access darf nicht “kompensiert” werden, indem den Verlagen seitens der Wissenschaftseinrichtungen weitgehende Möglichkeiten zur Erschließung von Geschäftsfeldern wie dem Datentracking zur Erstellung von Nutzendenprofilen eröffnet werden. Siehe hierzu auch das Informationspapier des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) der DFG zu Datentracking in der Wissenschaft: Aggregation und Verwendung bzw. Verkauf von Nutzungsdaten durch Wissenschaftsverlage.
  • Publikationsbasierte Modelle erschweren die Planbarkeit von Budgets.
  • Ziel der Open-Access-Transformation ist es, das Nord-Süd-Gefälle in der Wissenschaftskommunikation zu verringern, nicht die Schieflage zu verstärken. Zwar ermöglicht Open Access weltweit nun in größerem Umfang den kostenfreien Zugriff auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Zugleich besteht aber die Gefahr, dass die Länder des globalen Südens durch die Notwendigkeit des Bezahlens für das Publizieren ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Möglichkeiten einer aktiven Beteiligung an der Wissenschaftskommunikation beschränkt werden.
  • DEAL muss in einer zweiten Phase besser auf das Preis-Leistungs-Verhältnis bzw. den Kostenfaktor insgesamt und, auch in Bezug auf die beteiligten institutionellen Akteure, auf Transparenz ausgerichtet sein.
  • APC-freie, wissenschaftsgetragene Angebote, etwa auf Basis von OJS, oder die “Open Library of Humanities” (OLH) werden längst noch nicht so breit genutzt wie erhofft. Ähnliches gilt für andere Varianten von Open Access wie beispielsweise den sogenannten “grünen Weg”, das heißt die freie Zugänglichmachung von wissenschaftlichen Publikationen, die auch im “closed access” erschienen sind, unter möglichst klaren, leicht praktisch umsetzbaren Rahmenbedingungen. Diese könnten beispielsweise auch Bestandteil “konventioneller” Lizenzverträge sein, die im Wesentlichen zum kostenpflichtigen Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen berechtigen.
  • Es besteht die Gefahr einer “Zersplitterung” der von Forschungseinrichtungen und wissenschaftsnahen Infrastruktureinrichtungen betriebenen Open-Access-Infrastrukturen; hier muss eine stärker konzertierte Vorgehensweise Abhilfe schaffen.
  • “Big Deals” für den Ausbau von Open Access sollten nicht nur auf nationaler, sondern auch europäischer Ebene verhandelt werden und im besten Falle “community-driven” sein.
  • Qualitätskriterien für Open Access können ähnlich wie neue Reputationsnomenklaturen nur in den wissenschaftlichen Communities entwickelt werden und werden absehbar fachspezifisch unterschiedlich ausfallen.
  • Auch Bibliotheken sollten künftig einen Teil ihres Budgets dafür reservieren, ihn in „offene Infrastrukturen“zu investieren.

Nach diesem vielbeachteten Auftakt der virtuellen Open Access Week Berlin-Brandenburg wird innerhalb der nächsten Veranstaltung das Thema DEAL vertieft behandelt.  Am Nachmittag nach Nikolaus werden wir uns mit DEAL speziell aus der Perspektive von operativ mit der Abwicklung der Verträge befassten Einrichtungen beschäftigen. Diskutieren Sie mit am 7. Dezember 2021 von 14:00 bis 15:30 Uhr zum Thema “Kritische Betrachtung der Auswirkungen von DEAL auf Bibliotheken”.

Kritische Betrachtung der Auswirkungen von DEAL auf Bibliotheken

Vorträge mit Diskussion

Dienstag, 7. DEZEMBER 2021, 14-15:30 UHR

Anmeldung

Eine Veranstaltung in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Das Projekt DEAL hat einen entscheidenden Beitrag zur Open-Access-Transformation der letzten Jahre beigesteuert, und Bibliotheken blicken inzwischen auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz im Umgang mit den DEAL-Verträgen zurück. 

Kurz vor Beendigung des dritten DEAL-Jahres ist es an der Zeit, den Blick auf das Erreichte sowie die Auswirkungen der DEAL-Verträge auf Bibliotheken zu richten. Die vier Vortragenden geben einen Einblick in die Herausforderungen für die praktische Umsetzung der DEAL-Verträge in ihren Einrichtungen. Beleuchtet werden dabei u.a. die folgenden Aspekte:

  • Welche neuen Aufgaben entstehen im Zusammenhang mit der Administration der DEAL-Verträge, und was bedeutet das für die Mitarbeiter*innen?
  • Inwieweit stehen die für DEAL aufgewandten Sach- und Personalressourcen in Konkurrenz zu den für andere Open-Access-Aktivitäten (z.B. Betrieb von Publikationsinfrastrukturen, Umsetzung des „grünen Wegs“) zur Verfügung stehenden Ressourcen?
  • Vor welchen finanziellen Herausforderungen stehen publikationsstärkere Einrichtungen? Welche Rolle spielen interne Mittel (Umschichtung, Hochschuletat, Hochschulverträge) und externe Fördermöglichkeiten (DFG)?
  • Beeinflussen die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure (Verlage, Wissenschaftler*innen, Bibliotheken) die Open-Access-Transformation?
  • Haben die Open-Access-Transformationsverträge bereits einen Beitrag zum Kulturwandel hin zu einer Kultur der Offenheit in Wissenschaft und Forschung geleistet?

Um eine Anmeldung zur Veranstaltung wird gebeten.

Eine Diskussion mit

Jürgen Christof

Direktor der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin

https://orcid.org/0000-0001-8642-0425

Dr. Claus Dalchow

Leitung Bibliothek Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.
https://orcid.org/0000-0002-6797-303X

Jenny Delasalle

Open Access Beauftragte der Charité –
Universitätsmedizin Berlin

https://orcid.org/0000-0002-2241-4525



Dr. Karin Ilg

Leitung der Hochschulbibliothek der FH Bielefeld

https://orcid.org/0000-0002-9893-6610

Moderiert wird dieses Panel von

Dr. Klaus-Rainer Brintzinger
(Direktor der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München)

https://orcid.org/0000-0001-5948-1820

Sind wir mit dem kommerziellen Open Access auf dem richtigen Weg?

Podiumsdiskussion

22. November, 14-15.30 Uhr

Eine Veranstaltung in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Im Vordergrund stehen dabei aktuell im kommerziellen Bereich Open-Access-Modelle, die einen Paradigmenwechsel vollziehen: weg vom Prinzip „Kostenpflichtigkeit der Inhalte“ und hin zum Prinzip „Kostenpflichtigkeit des Publizierens“.

Ein prominentes Beispiel für diesen Paradigmenwechsel sind die Verträge, die die deutschen Wissenschaftsorganisationen unter dem Dach von „Projekt DEAL“ mit den Großverlagen Wiley sowie Springer Nature ausgehandelt haben. Dank dieser Verträge gelang es in kurzer Zeit, nicht nur einen deutlichen Anstieg der Zahl und des Anteils von Open-Access-Publikationen in Deutschland zu erzielen, sondern den an den Verträgen teilnehmenden Einrichtungen zugleich auch Zugriff auf umfassende kostenpflichtige Inhalte der beiden Verlage zu ermöglichen.

Gleichwohl stellen sich im Zusammenhang mit kommerziellen Open-Access-Modellen – namentlich solchen, die einer publikationsbasierten Kostenlogik folgen – auch Fragen in Bezug auf deren Auswirkungen auf Marktstrukturen und das wissenschaftliche Publikationswesen generell:

  • Inwiefern tragen solche Modelle zu einer Zementierung oligopolistischer Marktstrukturen bei und verstärken damit die Abhängigkeit der Wissenschaft von kommerziellen Verlagen? Welche Kosteneffekte haben solche Modelle mittel- und langfristig, auch mit Blick auf die Frage, welche Rolle künftig noch Kostenbeiträge z.B. aus der forschenden Industrie für das wissenschaftliche Publikationswesen spielen? 
  • Inwieweit führen solche Modelle dazu, dass die Publikationschancen nicht mehr „nur“ von der Qualität einer Publikation abhängen, sondern auch von der „finanziellen (Im-)Potenz“ der Autor*innen – und das nicht „nur“ im nationalen, sondern auch im globalen Kontext?

Anmeldung

Diese und andere Fragen diskutieren gemeinsam

Dr. Jens-Peter Gaul,
Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz

Prof. Dr. Thomas Grebel, Institut für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Ilmenau
orcid.org/0000-0001-5207-7227

Dr. Ulrich Herb, u.a. tätig als Wissenschaftsberater mit Schwerpunkten im Bereich „wissenschaftliches Publizieren und Open Access“
orcid.org/0000-0002-3500-3119

Dr. Anja Oberländer,
u.a. Projektkoordinatorin im Projekt open-access.network
orcid.org/0000-0003-4388-2552

Die Diskussion wird moderiert von Dr. Christina Riesenweber, Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
orcid.org/0000-0002-7449-9209

Scholar-led and community-paid?

Eine Podiumsdiskussion zum Stand von scholar-led publishing

Nachtrag: Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist via YouTube verfügbar.

Termin: Dienstag, 26. Oktober 2021, Einlass 18.30 Uhr; 19 Uhr Beginn

Ort: Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, Französische Straße 9, 10117 Berlin

“It Matters How We Open Knowledge” — die diesjährige Internationale Open-Access-Woche legt thematisch ein besonderes Augenmerk auf Bibliodiversität. Wesentlicher Bestandteil eines diversen Open-Access-Ökosystems ist das freie, unabhängige Publizieren (scholar-led) fernab der Großverlage: kooperativ, community-basiert und nicht-profitorientiert. Zugleich ist dieses Segment chronisch unterfinanziert und wird oftmals übersehen. Mit einem jüngst publizierten Manifest weist das scholar-led.network auf diese Missstände hin und fordert Wissenschaftler*innen, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, Forschungsförderung und Fachgesellschaften zum Handeln auf.

Während der Open-Access-Woche schließt eine Podiumsdiskussion hier an: Vertreter*innen der Community überlegen, wie man sich für scholar-led-Projekte einsetzen und diese unterstützen kann. Die Gäst*innen sind Jürgen Christof (Direktor der Universitätsbibliothek an der Technischen Universität Berlin), Evin Dalkilic (Redakteurin beim Verfassungsblog und Projektleitung „Offener Zugang zu Öffentlichem Recht“, OZOR), Lars Rinsdorf (u.a. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, DGPuK). Die Veranstaltung wird moderiert von Christina Riesenweber (Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin).

Die Podiumsdiskussion wird veranstaltet vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) und dem Open-Access-Büro Berlin (OABB) an der Freien Universität Berlin.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Veranstaltung findet unter der 3G-Regel statt, Zugang nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Auch eine vorherige Anmeldung ist zwingend erforderlich.

Wer nicht vor Ort dabei sein kann, der kann an dieser Stelle zeitnah Zugang über einen live stream erhalten.

Wenn du nicht für das Produkt bezahlst, bist du selbst das Produkt?

Eine Podiumsdiskussion zur Kommerzialisierung von Offener Wissenschaft

Donnerstag, 9. Dezember, 16.30-18.30 h online via zoom (english below)

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Das Video ist bereits über das TIB AV-Portal zur Verfügung gestellt. Es ist auch ein Bericht geplant. Weitere Infos folgen hier.

Ein zentrales Ziel der Offenen Wissenschaft ist die Förderung der Transparenz bei der Produktion und dem Austausch von Wissen über die Grenzen der einzelnen Disziplinen hinweg. Sie beruht auf dem Verständnis, dass die Wissensproduktion transparent, offen und kooperativ sein sollte, um die Qualität der Forschung zu verbessern. Open Access vertritt insbesondere den Grundsatz, dass alles, was mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, der Öffentlichkeit zugänglich sein muss. Dieser Anspruch soll der Kommerzialisierung der Wissenschaft widersprechen. Aber stimmt das?

Längst haben Verlage ihre eigenen Geschäftsmodelle für Open Access entwickelt: Einerseits werden Gebühren für Autoren fällig, die Open Access publizieren wollen, andererseits ist – wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft kürzlich feststellte – das Daten-Tracking zu einer lukrativen Einnahmequelle geworden: Verlage verfolgen nicht nur das Online-Verhalten von Forscher*innen, um ihr Angebot zu verbessern, sondern sie verkaufen diese Daten. Diese Überwachungspraxis kann zu Datenmissbrauch und Spionage sowie zur persönlichen Benachteiligung von Forscher*innen führen (vgl. DFG 2021,4). Bezahlen die Nutzer*innen von frei zugänglichen digitalen Ressourcen diese Transformation also doch mit ihren Daten?

In einer Podiumsdiskussion möchten wir die Errungenschaften der Open-Research-Bewegung kritisch reflektieren: Wie können Wissensproduktion und -kommunikation transparent, offen und nachvollziehbar gemacht werden? Wie muss Offene Wissenschaft gestaltet sein, um als Alternative zur kommerzialisierten Wissenschaft aufzutreten? Und wie können sich Forscher*innen vor der Überwachung durch Großkonzerne schützen? Gleichzeitig möchten wir alternative Szenarien skizzieren, die darauf abzielen, wirklich offene Wissenschaftspraktiken zu realisieren.

Diese und andere Fragen diskutieren wir gemeinsam mit

Björn Brembs, Professor für Neurogenetik an der Universität Regensburg,

Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin und Bundesvorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv),

Angela Holzer, ist Referentin in der DFG Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgung und  Informationssysteme,

Julia Reda, Politikerin und Expertin für Urheberrecht und Kommunikationsfreiheit und leitet seit 2020 bei der Gesellschaft für Freiheitsrechte das Projekt control © – Freie Kommunikation verwirklichen.

Die Podiumsdiskussion wird von Jan Martin Wiarda moderiert.

Diese Veranstaltung wird von Wikimedia Deutschland und dem Open-Access-Büro Berlin organisiert. Das Open-Access-Büro stößt mit einer Empfehlung zu einer “Landesinitiative Open Research Berlin” einen Prozess hin zu einer offenen und partizipativen Wissenschaft an, die sich auch für strukturelle Gerechtigkeit und Inklusion verantwortlich zeigt. Nachdem Wikimedia Deutschland (WMDE) mit seinem Fellow Programm Freies Wissen dazu beigetragen hat, Open Science in Deutschland weiter zu etablieren, fokussiert sich WMDE in den kommenden Jahren auf die Frage, wie Open Science gestaltet werden muss, um zu einer gerechten (“equitable”) Wissenschaft beizutragen. Vor diesem Hintergrund laden OABB und WMDE mit diesem Panel dazu ein, den Stand von Openness angesichts neuer Geschäftsmodelle kritisch zu reflektieren und alternative Szenarien und Modelle zu skizzieren.

Das Center for Open and Responsible Research (CORe) der Berlin University Alliance (BUA) und der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) unterstützen diese Veranstaltung.

If you are not paying for the product, you are the product?

Panel discussion on the commodification of Open Research

Thursday, December 9, 16.30-18.30 ONLINE

Promoting transparency in the production and the sharing of knowledge across disciplinary cultures is a central goal of Open Research. It relies on the understanding that knowledge production should be transparent, open and collaborative in order to advance research quality. Open Access in particular holds up the principles that everything publicly funded must be open to the public. This claim is supposed to contradict the commercialization of science. But is this true?

Publishers have long since developed their own OA business models: on the one hand, fees apply for authors who want to publish open access, and on the other hand – as the German Research Foundation recently pointed out – data tracking has become a lucrative source of income: not only do publishers track behavior of researcher  online to improve their services  but they sell these data.This practice of surveillance could potentially lead to abuse of data and espionage as well as personal disrimination of researchers (cf. DFG 2021,4).Are users of unrestricted digital resources paying for this transformation with their data after all? 

By addressing these and further questions in a panel discussion, we would like to reflect critically on the achievements of the Open Research movement: How can knowledge and research be made transparent, open and accountable? How must Open Access or Open Research be designed to serve as an alternative to commercialized science? And how can researchers protect themselves from the surveillance of these large corporations? At the same time, we would like to sketch alternative scenarios aiming to realise practices of Open Science which are truly open.

With a recommendation on a state initiative „Open Research Berlin“, the Open Access Office Berlin initiates a process towards an open and participatory science that is also responsible for structural justice and inclusion. Wikimedia Deutschland has helped to further establish Open Science in Germany with its Open Science Fellows Program and will focus in the coming years on the question of the way research must open up in order to contribute to equitable science. The Open Access Office Berlin and Wikimedia Deutschland invite this panel to critically reflect on the state of openness in light of new business models and to outline alternative scenarios and models.

The Center for Open and Responsible Research (CORe) at Berlin University Alliance (BUA) and Deutsche Bibliotheksverband (dbv) support this event.

Information on how to attend the discussion online you’ll soon find here.

Quo vadis offene Wissenschaft. Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg

Open Access ist seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg. Beide Bundesländer setzen sich seit Jahren aktiv für die Open-Access-Transformation ein, durch die Schaffung von strategischen Rahmenbedingungen (Open-Access-Strategie des Landes Berlin 2015, Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg 2019) und die Zurverfügungstellung von Ressourcen, insbesondere das Open-Access-Büro Berlin, die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, aber auch durch lokales Engagement, vor allem an den Bibliotheken.

Das Aktivitätsspektrum der Wissenschaftseinrichtungen in der Region ist dabei breit gefächert. Beispielhaft neben vielen weiteren Impulsen und Einzelinitiativen seien hier genannt: 

  • die Bereitstellung von Publikationsinfrastrukturen (z.B. Repositorien und Hochschulschriftenserver), 
  • die Übernahme von Open-Access-Publikationskosten bzw. der Kosten sogenannter „Publish & Read“-Modelle (z.B. durch Beteiligung an den OA-Transformationsverträgen mit Verlagen im Rahmen von „Projekt DEAL“ samt einer aufwändigen publikationsbasierten Kostenabrechnung) 
  • die Entwicklung automatisierter Prozesse u.a. für die Open-Access-Zweitveröffentlichung wissenschaftlicher Texte über Repositorien (Projekt „DeepGreen“)

Gerade vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Veränderungen des wissenschaftlichen Publikationswesens durch das „Projekt DEAL“ scheint die Zeit reif für eine erste Bilanz und für Reflexionen darüber, was mit welchem Weg erreicht wurde und was wir noch erreichen wollen. Zudem steht die Frage im Raum, wie sich das Geschäftsfeld und die entsprechenden Arbeitsprozesse der Bibliotheken nicht nur im Zuge der Digitalisierung, sondern insbesondere durch die Open-Access-Transformation verändern werden: Was bedeutet dieser Prozess z.B. im Hinblick auf zukünftige Funktionen von Bibliothekssystemen, gewissermaßen den “Flagschiffen” bibliothekarischer Tools?

Einige dieser Fragen will die erste “Virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg” aufwerfen und zu beantworten versuchen. Wir widmen uns gemeinsam mit verschiedenen Akteur*innen in fünf Veranstaltungen in verschiedenen Formaten an wechselnden Wochentagen von November 2021 bis März 2022 der Zukunft von Open Access. Das Programm dieser gestreckten Woche will Denkanstöße geben und Möglichkeiten des Austausches eröffnen.

Die Veranstaltungsreihe wird ausgerichtet von


In Kooperation mit

Alle Veranstaltungen finden online statt. Für eine Teilnahme können Sie sich direkt im Webex anmelden, sobald der jeweilige Link zur Veranstaltung freigeschaltet ist (siehe unten). Die Veranstaltungen werden zudem aufgezeichnet und nachnutzbar zur Verfügung gestellt.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Team im Open-Access-Büro Berlin. Email: oabb@open-access-berlin.de

Termine 2021 / 2022

Montag / 22. November 2021

Sind wir mit dem kommerziellen Open Access auf dem richtigen Weg?

Diskussion mit Dr. Jens Peter Gaul (Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz), Prof. Dr. Thomas Grebel (Institut für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Ilmenau), Dr. Ulrich Herb (Leiter Abteilung Elektronische Publikationsangebote an der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek) und Dr. Anja Oberländer (Leitung Team Open Science am Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz). Moderiert wird diese Diskussion von Dr. Christina Riesenweber (Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin).

14.00-15.30 Uhr

Nachlese

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Dienstag / 7. Dezember 2021

Kritische Betrachtungen der Auswirkungen von DEAL auf die Bibliotheken

Diskussion mit Jürgen Christof (Direktor der Universitätsbibliothek Technische Universität Berlin), Jenny Delasalle (Open Access Beauftragte der Charité – Universitätsmedizin Berlin), Dr. Claus Dalchow (Leitung Bibliothek Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.) und Dr. Karin Ilg (Leitung der Hochschulbibliothek der FH Bielefeld).

14.00-15.30 Uhr

Nachlese

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Mittwoch / 19. Januar 2022

Sind Wissenschaftseinrichtungen die besseren Verlage?

Diskussion mit Detlef Büttner (Geschäftsführer Lehmanns Media), Dr. Kathrin Ganz (Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Gender, künstliche Intelligenz und die Arbeit der Zukunft“, Universität Hamburg, Redaktionsmitglied Open Gender Journal), Miriam v. Maydell (Leitung Lektorat und Herstellung Verlag Barbara Budrich, Budrich Academic Press), Dagmar Schobert (Leitung Publikationsdienste an der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin). Moderiert wird diese Diskussion von Dr. Thomas Mutschler (Leiter Abteilung Medienerwerbung und -erschließung an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena).

14.00-15.30 Uhr

Anmeldung

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Donnerstag / 17. Februar 2022

Was bedeutet Open Science für das künftige Geschäftsmodell von Bibliotheken?

Vorträge von und Diskussion mit Reinhard Altenhöner (Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz), Mathis Fräßdorf, Ph.D. (Leiter Abteilung Wissenschaftliche Information am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und Prof. Dr. Klaus Tochtermann (Direktor ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft). Moderiert wird die Veranstaltung von N.N.

14.00-15.30 Uhr

Anmeldung

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Freitag / 25. März 2022

Mit Volldampf voraus in Richtung „Openness“: Kompetenzen und Infrastrukturen mit Perspektiven

14.00-15.30 Uhr

Anmeldung