Virtuelle Podiusmdiskussion „Informationsbudget“

Veranstaltung in der Reihe „Quo vadis offene Wissenschaft“ am 16. April 2024

Termin: 16. April 2024, 15:30 bis 17:00 Uhr
Ort: Online via Zoom (Link zur Anmeldung folgt)
Veranstaltende: Berliner Arbeitskreis Information (BAK) „Virtuelle Podiusmdiskussion „Informationsbudget““ weiterlesen

Open Access in der Region Berlin-Brandenburg: Was wurde erreicht und wo geht es hin?

Hybride Podiumsdiskussion zum Stand von Open Access 20 Jahre nach der Berliner Erklärung

 

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Quo vadis offene Wissenschaft in Berlin und Brandenburg: Open Access Week 2023/24 (#OAWeekBBB)

Open Access ist seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit der Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg. Beide Bundesländer setzen sich seit Jahren aktiv für die Open-Access-Transformation ein, indem sie strategische Rahmenbedingungen schaffen (Open-Access-Strategie des Landes Berlin 2015, Open-Access-Strategie des Landes Brandenburg 2019) und Ressourcen für die Transformation bereitstellen, insbesondere das Open-Access-Büro Berlin, die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg, aber auch durch lokales Engagement, vor allem an den Bibliotheken der Wissenschaftseinrichtungen in den beiden Bundesländern.

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Berlin goes Open Research!?! Wir diskutieren mit Berliner Wissenschaftspolitiker*innen (4. Mai 2023)

Auf dem Weg zur Open-Research-Strategie für Berlin

+++ Zur Veranstaltung ist hier im Blog ein ausführlicher Bericht zu finden +++

Termin: 4. Mai 2023, 17-19 Uhr mit anschließendem gemeinsamem Ausklang bei Getränken und Snacks

Ort: Henry-Ford-Bau an der Freien Universität Berlin (Garystraße 35), Hörsaal C (2. Etage)

Die im Jahr 2015 durch das Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete Open-Access-Strategie war ein Meilenstein für die Berliner Wissenschaftslandschaft.

Wissenschaftlich begleitet und unterstützt durch die Politik wurden die Chancen der digitalen wissenschaftlichen Kommunikation aufgegriffen, um die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung allen Interessierten uneingeschränkt verfügbar zu machen. Das Land Berlin hat diesen Weg seitdem weiter durch vielfältige Maßnahmen unterstützt. In den vergangenen Jahren hat sich die Entwicklung hin zu offener Wissenschaft massiv beschleunigt. Globale Krisen haben gezeigt, wie wichtig die schnelle, offene und verlässliche Bereitstellung von Forschungsergebnissen ist. Die Lehre aus der Covid-19-Pandemie ist: Den weltweiten Herausforderungen wird nur durch gemeinsames Handeln und gemeinsame Strategien für größtmögliche Offenheit im gesamten Forschungsprozess zu begegnen sein.

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Wieviel offene Wissenchaft ist drin? // Update zur Wiederholungswahl in Berlin 2023

Open Access und Open Science in den Wahlprogrammen der Parteien zur Wahlwiederholung am 12. Februar 2023

Am 12. Februar 2023 findet die Wiederholung der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das OABB hat sich die Wahlprogramme der Parteien in Bezug auf die Themen Open Access und Open Science und die Wahlprüfsteine der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LKRP) angesehen.

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Wissenschaft – Politik – Akteur*innen: Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten

Registrierung

26. Oktober 2022, 14h00

Die Wissenschaftspolitik spielt eine wichtige Rolle für das erfolgreiche Gelingen einer Open-Access-Transformation. Neben der Verabschiedung von Open-Access-Strategien auf Landesebene ist die Einrichtung von landesspezifischen Open-Access-Initiativen ein vielversprechender Ansatz. Diese Initiativen unterstützen die jeweilige Wissenschaftslandschaft und insbesondere die Hochschulen der Länder mit Expertise, Impulsen und Infrastrukturen. Die Vernetzungsstellen können als Intermediär zielorientiert auf agile Entwicklungen reagieren und eine Open-Access-Praxis ermöglichen, die alle Interessen ausgewogen berücksichtigt. 

Die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verfolgen gerade diesen Weg. In der Veranstaltung werden die Motivation, die Konzepte und die Aktivitäten der jeweiligen Initiativen präsentiert. Anschließend diskutieren wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Best-Practices und Desiderate vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Initiativen und der Teilnehmenden.

Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung der Landesinitiative openaccess.nrw, dem Open-Access-Büro Berlin (OABB) und der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) im Rahmen der Internationalen Open Access Woche 2022. Den Zugangslink erhalten Sie nach einer Registrierung über Webex.

International Open Access Week 2022 „Open for Climate Justice” – Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg

#OpenForClimateJustice

#OAWeek22

Die internationale Open Access Week findet vom 24.-30. Oktober 2022 unter dem Motto „Open for Climate Justice“ statt.  Das Open-Access-Büro Berlin sammelt wieder Aktionen der Berliner Einrichtungen.

Interviewreihe: Auch in diesem Jahr setzt die Technische Universität die Interviewreihe „Wie halten Sie es mit Open Access?“ auf dem eigenen Blog fort. Weitere Informationen finden Sie hier.

Videoreihe: Quo vadis Offene Wissenschaft in Berlin und Brandenburg: Let’s talk! Mit einer Reihe von Videobeiträgen sollen verschiedene Aspekte der Offenen Wissenschaft erörtert und die Diversität der Perspektiven sichtbar werden. Täglich wird einer dieser Beiträge veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Die Reihe wird organisiert von der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg und der Technischen Hochschule Wildau und setzt die Veranstaltungsreihe „Quo vadis Offene Wissenschaft“ aus dem Jahr 2021/2022 fort. 

Montag, 24.10.2022

Puzzle (und Quiz) an der TU Berlin: Die Technische Universität lädt eine zu einem kleinen Quiz and der Puzzlewand in der Zentralbibliothek. Weitere Informationen finden Sie hier.

Werkstattgespräch Quo Vadis Offene Wissenschaft? Let’s Talk!
Open Access in Brandenburg und die Wirkungen der OA-Strategie des Landes – mit Ben Kaden und Prof. Dr. jur. Ellen Euler, LL.M.
Link: https://open-access-brandenburg.de/lets-talk/

13.00-13.30 ONLINE | (What if…?) Open Science by Default!: In this talk representatives of Berlin Exchange Medicine (BEM), a student-run journal, will share their vision for Open Science at the heart of academic education.

15.00-15.30 ONLINE | „Ich will doch nur das PDF!“ – Tools für’s Auffinden von Literatur: In diesem Kurztutorial zeigt Berlin Universities Publishing Wege und Kniffe, um schnell und einfach an Volltexte von wissenschaftlicher Literatur zu gelangen. (Registrierung erforderlich)

Dienstag, 25.10.2022

Werkstattgespräch Quo Vadis Offene Wissenschaft? Let’s Talk!
Post-LMS-Discovery-Systeme – Frank Seeliger (TH Wildau)  im Interview mit Linda Thomas (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitätsbibliothek), Dr. Axel Kaschte(OCLC), Dr. Klaus Ceynowa (Bayerische Staatsbibliothek München) und Björn Muschall (AG Anwendungsmanagement in der Universitätsbibliothek Leipzig)
Link: https://open-access-brandenburg.de/lets-talk/

13.00-13.45 ONLINE | BerlinUP stellt sich vor: In diesem Webinar stellt der neu gegründete Verlag seine 3 Sparten (BerlinUP Books, BerlinUP Journals, BerlinUP Beratung) und deren Leistungen vor.

Ab 16.00 | Get Together und Posterausstellung im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum: Zusammen mit dem Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS) organisiert das Open-Access-Büro Berlin eine Posterausstellung und Get Together zum Austausch der Berliner Open Access / Open Research Community.

Mittwoch, 26.10.2022

Werkstattgespräch Quo Vadis Offene Wissenschaft? Let’s Talk!
Desinformation und Open Access – mit Juliane Stiller und Violeta Trkulja (beide Grenzenlos Digital e.V.), moderiert von Julia Boltze (Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg – KOBV)
Link: https://open-access-brandenburg.de/lets-talk/

13.00-13.45 ONLINE | Von Zugang zu Überwachung – neue Geschäftsmodelle der alten Verlage: In dieser durch Berlin Universities Publishing organisierten Veranstaltung sprechen Björn Brembs und Konrad Förstner über die Überwachung der Wissenschaftler*innen und die Sammlung von Nutzerdaten durch große Wissenschaftsverlage. Daran anschließend wird gemeinsam diskutiert.

14.00-15.00 ONLINE | Wissenschaft – Politik – Akteur*innen: Die Open-Access-Transformation nachhaltig gestalten: Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung der Landesinitiative openaccess.nrw, dem Open-Access-Büro Berlin (OABB) und der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK). Den Zugangslink erhalten Sie nach einer Registrierung über Webex.

15.00-15.45 ONLINE | Coffee Lecture: Open Access Basiswissen: In einer gemeinsamen Coffee Lecture informieren die Evangelische Hochschule und die Alice Salomon Hochschule Berlin über die Grundlagen von Open Access. Die Auswahl der Inhalte orientiert sich dabei konsequent an den konkreten Bedürfnissen und Fragen der Forschenden. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites von EHB und ASH.

19.00 am HIIG & LIVESTREAM | Digitaler Salon: Wissen MACHT Klima: Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) veranstaltet eine Podiumsdiskussion zur Frage, wie gerecht der weltweite Zugang zu Wissen gerade im Fall von Klimagerechtigkeit wirklich ist. Der Digitale Salon findet jeden letzten Mittwoch im Monat unter einer anderen Fragestellung statt. Aufzeichnungen vergangener Digitaler Salons und mehr Informationen finden Sie hier.

Donnerstag, 27.10.2022

Werkstattgespräch Quo Vadis Offene Wissenschaft? Let’s Talk!
Open Access im Gefüge der wissenschaftlichen Karriere – Initiiert vom Berliner Arbeitskreis Information (BAK) mit dem ERC Starting Grant-Gewinner und Associate Member am Nuffield College (University of Oxford) Félix Krawatzek
Link: https://open-access-brandenburg.de/lets-talk/

13.00-13.30 ONLINE | Kann ich mir Open Access leisten? Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten: In diesem von Berlin Universities Publishing veranstalteten Vortrag von Sandra Golda (HU Berlin) erhalten Sie einen Überblick über die Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Registrierung erforderlich.

15.00-16.00 ONLINE | Open Science und Klimagerechtigkeit: In diesem von Berlin Universities Publishing veranstalteten Vortrag spricht Claudia Frick, Meteorologin und Bibliothekarin, zum Thema Wissenschaftskommunikation rund um den Klimawandel. Registrierung erforderlich.

Freitag, 28.10.2022

Werkstattgespräch Quo Vadis Offene Wissenschaft? Let’s Talk!
Open Access und Datentracking – Im fünften Werkstattgespräch spricht Thomas Arndt (Arbeitsgemeinschaft der Spezialbibliotheken) mit Prof. Dr. Björn Brembs (Universität Regensburg), Dr. Arne Upmeier (Karlsruher Institut für Technologie – KIT) und Dr. Robert Altschaffel (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)
Link: https://open-access-brandenburg.de/lets-talk/

13.00-14.00 ONLINE | Design + Diversity – Critical Approaches through Open Tech: This talk will give examples of experimental transdisciplinary practices from Europe and Sub-Saharan Africa in order to discuss the potential of bending the boundaries of research, opening up the parameters of who produces knowledge and on whose terms. Speakers are Michelle Christensen and Florian Conradi who share the visiting professorship for Open Science (Critical Culture / Critical Design) at TU Berlin and the Einstein Center Digital Future, as well as co-heading the research group ‘Design, Diversity and New Commons’ at the Berlin University of the Arts / Weizenbaum Institute.

14.00-15.00 ONLINE | Open up your Past – Publikationen nachträglich frei zugänglich machen: In diesem Workshop von Berlin Universities Publishing erfahren Sie von Sandra Golda und Marc Lange (beide HU Berlin), wie Sie Open Access auch für bereits veröffentlichte Closed-Access-Publikationen erreichen können. Registrierung erforderlich.

Der Stand von Open Access und Open Science Policies. Eine Diskussion am Beispiel Berliner Hochschulen

Von Maike Neufend

In Berlin haben aktuell 10 von 14 öffentlich-rechtlichen bzw. konfessionellen Hochschulen eine eigene Open Access Policy verabschiedet bzw. veröffentlicht. Die Freie Universität Berlin (FU, 5.5.2021) und die Humboldt-Universität zu Berlin (HU, 26.10.2021) haben ihre Open-Access-Policies bereits einmal aktualisiert. Eine Übersicht aller Policies findet sich auf der Website des OABB.

Als erste Universität in Berlin hat die Humboldt-Universität zu Berlin am 9. Mai 2006 eine Open Access Policy verabschiedet. Rund zwei Jahre später veröffentlichte die Freie Universität Berlin ihre Open Access Policy, am 23. Juli 2008. Zuletzt haben auch die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB, 2021) und die Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH, 6.1.2022) eine eigene Open Access Policy verabschiedet.

Aktuelle Open Access Policies – Beispiele

Obwohl Studien bspw. aus dem Projekt Open Access Policy Alignment Strategies for European Union Research belegen, dass verpflichtende Policies wirksamer als empfehlende sind (vgl. Swan et al. 2015, S. 20), werden Wissenschaftler*innen in Deutschland und Europa kaum ausdrücklich dazu verpflichtet, ihre Forschungsergebnisse Open Access zur Verfügung zu stellen (Gold oder Grün). Anstatt dessen wird eine Open-Access-Publikation gefordert oder empfohlen (vgl. Swan et al. 2015, 18). Die Uniersität Konstanz hatte erstmalig in ihrer Satzung zur Ausübung des wissenschaftlichen Zweitveröffentlichungsrechts vom 10. Dezember 2015 Wissenschaftler*innen dazu verpflichtet, ihr Recht auf Zweitveröffentlichung wahrzunehmen. Gegen diese Satzung klagen 17 Hochschullehrende der Universität Konstanz mit der Begründung, diese verstoße gegen das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG).

Ob es rechtlich bindende Veröffentlichungspflichten auch in Deutschland geben kann, hängt maßgeblich von den verfassungsrechtlichen Anforderungen ab. Dies erklärt auch die Zurückhaltung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die zwei größten deutschen Förderinstitutionen für Wissenschaft fordern und fördern Open Access umfangreich, aber auch sie verpflichten nicht zur Open-Access-Veröffentlichung. In der Open Access Strategie des BMBF aus dem Jahr 2016 wird „Open Access als Standard in seiner Projektförderung auf[genommen]“, aber verpflichtet werden Wissenschaftler*innen beim Erhalt von Forschungsförderung dazu nicht (S. 8). Anders formulieren es europäische Forschungsförderprogramme wie Horizon2020, die ausdrücklich zur Open-Access-Publikation verpflichten.

Die Open Access Policies der Hochschulen sind wiederum nicht an Forschungsförderung gebunden und richten sich an alle Hochschulangehörigen. Allerdings verpflichten sich die Hochschulen selbst dazu, Eigenpublikationen, „sofern dem keine rechtlichen Rahmenbedingungen entgegenstehen, unter einer offenen Lizenz (vorzugsweise CC BY)“ zu veröffentlichen (HU Policy, 26.10.2021, Punkt 5). Ähnlich formulieren es auch die aktualisierte Policy der FU Berlin, und die Policies der KHSB und der ASH.

Im Vergleich zu den Policies der ersten Generation sind einige Inhalte hinzugekommen. In der Policy der HU von 2006 werden das Einreichen von Publikationen in OA-Journalen oder auf OA-Plattformen empfohlen und auf die Veröffentlichung von Pre- und Postprint-Versionen auf Publikationsservern verwiesen. Die aktuelle HU Policy „empfiehlt für Forschungsergebnisse die Erstveröffentlichung unter freier Lizenz (bevorzugt CC BY)“ und fordert „ihre Mitglieder auf, ihr Zweitveröffentlichungsrecht aktiv wahrzunehmen und alle Publikationen parallel oder nach jeweils geltenden Embargofristen ausschließlich über Repositorien zu veröffentlichen“ (Punkt 2). Des Weiteren wird den Mitgliedern der HU Berlin empfohlen, positiv auf das Reputationssystem von Open-Access-Publikationen einzuwirken, indem diese als Gutachter*innen oder Herausgeber*innen von OA-Publikationen tätig sind bzw. werden sollen (Punkt 4). Für die eigene Forschungstätigkeit sollen Hochschulangehörige den offenen persistenten Identifikator ORCID iD verwenden (Punkt 8). Darüber hinaus werden Hochschulangehörige in Form von Verlagsverträgen ermutigt, ihre Urheberrechte auch wahrzunehmen, indem sie nur einfache Nutzungsrechte an die Verlage übertragen (Punkt 3).

Die erste Open Access Policy der FU Berlin aus dem Jahr 2008 ist recht kurz gehalten, weist aber doch einige Besonderheiten auf. Auffällig ist, dass den Hochschulangehörigen für die Herausgabe von Open-Access-Zeitschriften eine eigene Publikationsplattform durch das Center für Digitale Systeme (CeDiS) zur Verfügung gestellt wurde. Heute betreut CeDiS über 30 Zeitschriften über das Open Journal System (OJS). Auch für Verlagsverträge empfiehlt die Policy den Autor*innen sich „möglichst ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation bzw. Archivierung ihrer Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung fest und dauerhaft vorzubehalten“. Diese Klausel wird in der aktualisierten Policy (10.6.2021) noch deutlicher formuliert, indem bei Verlagsverträgen empfohlen wird, „lediglich das einfache Nutzungsrecht einzuräumen. Sollte das nicht möglich sein, wird empfohlen, sich das Recht auf parallele Online-Veröffentlichung im Refubium ausdrücklich vorzubehalten“. Neben dem Open Journal System (OJS), stellt die FU jetzt auch das Open Monograph Press (OMP) für Universitätsangehörige zur Verfügung. Wie die Open Access Policy der HU spricht diejenige der FU eine Empfehlung für Nutzung der ORCID iD aus und ermutigt ihre Mitglieder, „sich bei anerkannten Open-Access-Publikationsorganen in Herausgabe-, Redaktions- und Begutachtungsfunktionen zu engagieren“. In der Open Access Policy der FU wird zudem darauf hingewiesen, dass die Universitätsbibliothek „Hochschulangehörige bei allen Fragen des wissenschaftlichen Publizierens“ durch Beratung und Finanzierung unterstützt (Punkt 7).

Es sind mittlerweile Infrastrukturen wie Repositorien und Finanzierungs- sowie Beratungsangebote an vielen Hochschulen etabliert, so dass sich die Inhalte und der Tenor der aktuellen Open Access Policies, im Vergleich zur ersten Generation, verändert haben. Sie geben häufig eine Richtung vor, die auch den Diskussionsstand in der Open Access Community widerspiegelt. Dies zeigt sich beispielsweise in dem Zusatz, den die ASH in ihrer Policy anführt: „Das Engagement für nicht-kommerzielle Angebote wird besonders befürwortet.“ Im Allgemeinen ist die Aufforderung an Wissenschaftler*innen, das Ökosystem Open Access selbst durch ein gezieltes Engagement in Begutachtungs- und Herausgebertätigkeit zu unterstützen, begrüßenswert. Es zeigt jedoch auch, dass der Kulturwandel weniger durch verpflichtende Leitlinien seitens der Hochschulleitungen ausgebaut wird. Der Erfolg der Open-Access-Transformation baut weiterhin auf das Handeln einzelner Wissenschaftler*innen auf. Eine Möglichkeit für Hochschulleitungen das Open-Access-Publizieren der Hochschulangehörigen verantwortungsvoller zu unterstützen, ist die Anerkennung von Open-Access-Publikationen bei der Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen. Obwohl dieser Aspekt bereits 2018 in 6 Open Access Policies deutscher Hochschulen benannt wurde (vgl. Riesenweber und Hübner, 2018), nimmt keine der hier besprochenen aktuellen Open Access Policies dazu Stellung.

Von Open Access zu Open Science

Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit die ersten Open Science Policies auf Einrichtungsebene veröffentlicht. Dazu gehören die Open Science Policy der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (16.2.2021), die Open-Science-Richtlinie der Hochschule Anhalt (17.3.2021), die Open Science Policies der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (13.10.2021) und der Universität Konstanz (24.11.2021). In den Policies wird mitunter gefordert, „alle Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses offen zugänglich und nachnutzbar zu machen“ und dies „in allen Phasen des Forschungsprozesses“ (vgl. Präambel, Universität Konstanz). Hier wird deutlicher, wie nicht nur das Engagement einzelner Wissenschaftler*innen die Transformation vorantreibt, sondern dieses Engagement als wissenschaftliches Leistungsmerkmal anerkannt wird bzw. werden soll. Die Universität Konstanz markiert diese Leistungsanerkennung in ihrer Open Science Policy als bestehenden Sachverhalt (Präambel). Die Friedrich-Alexander-Universität formuliert etwas detaillierter, dass die Einrichtung selbst für „[d]ie Einbettung von Open-Science-Praktiken in Rekrutierungs-, Forschungs- und Evaluierungskriterien“ verantwortlich ist (Seite 3, Punkt 3).

In Berlin wird dieser Blickwechsel ebenso gefordert: Das Berliner Hochschulgesetz, gültig ab dem 25. September 2021, legt unter § 41 Abschnitt 5 fest: „Die Hochschulen fördern die Anerkennung von Praktiken offener Wissenschaft (Open Science) bei der Bewertung von Forschungsleistungen im Rahmen ihrer internen Forschungsevaluation und bei Einstellungsverfahren“. Wie diese Forderung zukünftig in die Praktiken, Policies und Strategien von Berliner Einrichtungen Einzug hält, ist Gegenstand des weiteren Aushandlungsprozess, unter anderem im Rahmen der Hochschulverträge. Das Open-Access-Büro Berin hat im Auftrag von und in Abstimmung mit der AG Open-Access-Strategie für Berlin unter Leitung des ehemaligen Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach und des Direktors der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin Andreas Brandtner eine Empfehlung für eine Landesinitiative für mehr offene Wissenschaft in Berlin vorgelegt, die in diesem Blog in einer kurzen Fassung veröffentlicht wurde. In der Empfehlung für eine Landesinitiative Open Research Berlin streben die Berliner wissenschaftlichen und kulturellen Landeseinrichtungen gemeinsam an, die Förderung von Offenheit und Transparenz in Bezug auf den gesamten Forschungsprozesses im Sinne einer offenen Wissenschaft (Open Science bzw. Open Research) umzusetzen.

Die Universität Konstanz und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben mit ihren Open Science Policies primär den Bezug auf Handlungsfelder im Bereich der Hochschulen erweitert: Neben dem offenen Zugang zu Bildungsinhalten und Lehrmaterialien (Open Educational Ressources), der nachvollziehbaren Dokumentation von Methoden (Open Methodology), der Publikation von Forschungsdaten (Open Data) und Software (Open Source), der Publikation von Verwaltungsdaten sowie der offenen Wissenschaftskommunikation in und mit der Gesellschaft, wird Open Access als die uneingeschränkt zugängliche Publikation von Forschungsergebnissens zu einem Handlungsfeld von Vielen.

Ein Blick auf das Handlungsfeld Open Access innerhalb der Open Science Policy der Universität Konstanz zeigt, dass zwar wichtige Impulse aufgenommen werden, wie bspw. die Unterstützung offener Begutachtungsverfahren, doch werden diese Aussagen seitens der Einrichtung nicht mit verbindlichen Verantwortungsbereichen oder konkreten Unterstützungsangeboten untermauert. Die Friedrich-Alexander-Universität zählt hingegen das „Experimentieren mit Open-Peer-Review“ zu einer möglichen Open-Science-Praktik, die auch in Rekrutierungs-, Forschungs- und Evaluierungskriterien eingebettet wird (S. 3, Punkt 3). Ähnlich wie in den aktualisierten Open Access Policies der HU und FU wird auch dort die Verwendung von Identifikatoren wie ORCID iD empfohlen (S. 4).
Insgesamt bleibt der Verpflichtungsgrad zu Open Access in der Open Science Policy der Universität Konstanz hinter aktuellen Open Access Policies zurück. So wird die Erst- und Zweitveröffentlichung von Forschungsergebnissen (Goldener und Grüner Weg zu Open Access) nicht direkt adressiert, die Universität selbst verpflichtet sich nicht ausdrücklich zu Open Access in ihren Eigenpublikationen und ORCID iD findet keine Erwähnung. Auch die Open Science Policy der Hochschule Anhalt führt diese Open-Access-Praktiken nicht auf. Positiv hervozuheben ist jedoch, dass – ähnlich wie es die Alice Salomon Hochschule formuliert – auch dort Angehörige der Hochschule darin unterstützt werden, „verlagsunabhängige[r] Publikationsstrukturen“ zu nutzen (Abs. 4). Auffällig ist zudem, dass nur die Open Science Policy der FAU und die Open Access Policies der FU und der ASH selbst unter einer offenen Lizenz (Creative Commons) und mit einer doi (digital object identifier) veröffentlicht sind.

Den Erfolg von Policies bemessen?

Auch wenn Policies gemeinhin keine eigenen Quoten zur Bemessung von Open Access festlegen, formuliert die Open Science Policy der Friedrich-Alexander-Universität, dass die Einrichtung verantwortlich dafür ist, den Fortschritt von Open Science zu messen. Die Erhebung von Kennzahlen und die damit einhergehende institutseigene Dokumentation oder ein kooperierendes Monitoring müssen implementiert werden. In diesem Falle werden Hochschulangehörige darin unterstützt, ihre Forschungsergebnisse über das Forschungsinformationssystem FAU CRIS zu importieren, „mit einem entsprechenden Kennzeichen, ob es sich um eine Open-Access-Publikation handelt“ (FAU Policy).
Auch in Berlin werden Zahlen zum Bemessen des Fortschritts im Bereich Open Access erhoben. Die Open-Access-Strategie des Berliner Senats von 2015 formuliert unter anderem das Ziel, dass bis 2020 60% aller Zeitschriftenartikel aus wissenschaftlichen Einrichtungen in der Zuständigkeit des Landes Berlin im Sinne von Open Access zugänglich sein sollen. Die Zahlen des aktuellen Monitoring Berichts 2019 suggerieren, dass dieses Ziel höchstwahrscheinlich erreicht wird.

Doch wie kann die Quantifizierbarkeit von Fortschritt im Bereich Open Science über die reine Erhebung von Veröffentlichungen hinaus gehend bemessen werden? Diese Frage muss Bestandteil weiterer strategischer Überlegungen und einer offenen Diskussion, auch auf Länderebene sein. Das Open-Access-Büro beteiligt sich an dem Projekt „BUA Open Science Dashboards – Entwicklung von Indikatoren und Screening Tools für prototypische Umsetzung“ zusammen mit dem QUEST Center an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, um gemeinsam mit den Communities disziplinspezifische Indikatoren zu entwickeln, die neben Kriterien einen offenen Wissenschaftsparaxis auch die FAIR-Kriterien berücksichtigt.

Der Policy-Prozess als aktiver Kulturwandel

Häufig werden Aktualisierungen von Open Access und Open Science Policies sinnvoll durch Programme von Forschungsförderern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) angestoßen (Putnings und Söllner 2022). Um die Möglichkeit eines dynamischen Policy-Prozesses zu etablieren, sollten diese einer Form der Aktualisierungspflicht unterliegen. Mit der Anpassung an gegenwärtige Herausforderungen und der Ausweitung der Handlungsfelder von Open Access zu Open Science können Policies als Prozess verstanden werden, in dem die Einrichtung einen gemeinsamen Standpunkt erarbeitet. Um einen Kulturwandel voranzutreiben, können Policies als verantwortungsvolle Positionierung der Einrichtung im Diskurs und als Motivation für die Forschenden dienen. Ob eine Policy auch Wirksamkeit zeigt, lässt sich jedoch nur durch den Erfolg von Open-Access- und Open-Science-Praktiken an den jeweiligen Einrichtungen bemessen.

Empfehlung für eine Landesinitiative Open Research Berlin

Zitiervorschlag: Open-Access-Büro Berlin (2022). Empfehlung für eine Landesinitiative Open Research Berlin, Open Access Blog Berlin. DOI: https://doi.org/10.59350/gbv5b-p6y47.

 

Hintergrund: In ihrer Sitzung vom 8. Dezember 2020 begrüßte die AG Open-Access-Strategie Berlin unter der Leitung des damaligen Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach und des leitenden Direktors der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin Dr. Andreas Brandtner, zeitnah die Entwicklung einer Berliner Landesinitiative für Open Research aufzunehmen. Diese soll auf der derzeit geltenden erfolgreichen Open-Access-Strategie für Berlin aus dem Jahr 2015 aufbauen und aus mehreren Komponenten bestehen. Die von der AG empfohlenen Komponenten fassen wir in diesem Blogpost zusammen. Wir greifen zusätzlich einige neue Entwicklungen auf.

„Empfehlung für eine Landesinitiative Open Research Berlin“ weiterlesen

4 von 5: Was bedeutet Open Science für das künftige Geschäftsmodell von Bibliotheken?

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist über das TIB AV Portal verfügbar.

Von Sebastian Nix

Bericht zur Veranstaltung #4 in der Reihe: Quo vadis offene Wissenschaft? Eine virtuelle Open Access Woche für Berlin-Brandenburg.

Nachdem die ersten drei Veranstaltungen der virtuellen Open Access Woche Berlin Brandenburg den Fokus zunächst auf das Für und Wider gewinnorientierter Modelle von Open Access gerichtet hatten, außerdem auf die konkreten Folgen der DEAL-Verträge für Bibliotheken und auf die Frage, inwiefern Wissenschaftseinrichtungen verlegerische Aufgaben übernehmen können und sollten, nahm die vierte Veranstaltung am 17.02.2022 die – weitreichende – Frage in den Blick, wie die Inkorporierung von Praktiken „offener Wissenschaft“ das Geschäftsmodell von Bibliotheken inklusive ihres eigenen, transparent zu haltenden Betriebs jetzt und in Zukunft beeinflusst. Dies wurde im Rahmen von Kurzvorträgen ganz konkret dargestellt aus der Perspektive drei sehr unterschiedlicher wissenschaftlicher Bibliotheken:

  • der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, vertreten durch ihren Direktor, Professor Dr. Klaus Tochtermann,
  • des Bereichs „Wissenschaftliche Information“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), repräsentiert durch den Bereichsleiter Mathis Fräßdorf, Ph.D., sowie 
  • der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK), für die Reinhard Altenhöner, Ständiger Vertreter des Generaldirektors, einen Beitrag beisteuerte.

Die Moderation der mit bis zu rund 270 Teilnehmer*innen erneut sehr gut besuchten Veranstaltung lag in den Händen von Professor Dr. Ellen Euler (Fachhochschule Potsdam).

Den Auftakt machte Klaus Tochtermann (Präsentation Klaus Tochtermann). Er führte zunächst aus, dass es keine einheitliche Definition von „Open Science“ gebe. Den verschiedenen Definitionsansätzen sei jedoch gemeinsam, dass Open Science abziele auf möglichst große Transparenz und Glaubwürdigkeit der wissenschaftlichen Arbeit, was letztlich auch einer Verbesserung der Qualität des Forschungsprozesses diene. Für sein Haus stellte Tochtermann verschiedene Serviceangebote vor, die sämtlich dazu beitragen sollen, die von der ZBW hauptsächlich angesprochene Zielgruppe der Forschenden und Studierenden in den Wirtschaftswissenschaften mit Prinzipien und Werkzeugen von Open Science vertraut zu machen und sie bei der Umsetzung von Open Science im gesamten Forschungsprozess zu unterstützen. Das Spektrum reicht hier vom Betrieb eines Repositoriums für wirtschaftswissenschaftliche Open-Access-Publikationen über Online-Informationsplattformen bis hin zu Veranstaltungen wie der jährlichen „Open Science Conference“, die die ZBW in einem Netzwerk zahlreicher Partner ausrichtet. In diesem Zusammenhang betonte Tochtermann, wie wichtig der Dialog und die Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaften und Informationsinfrastruktur seien, um bedarfsgerechte Serviceangebote zu entwickeln. Zudem betreibe die ZBW selbst informationswissenschaftliche Forschung und bedenke dabei stets auch Open Science aus verschiedenen Blickwinkeln mit.  Die Herausforderung bestehe hier darin, die eigenen, informationswissenschaftlich fundierten Erkenntnisse einfließen zu lassen in ein Serviceangebot, das auf die disziplinäre Praxis einer ganz anderen, sehr spezifischen Fachcommunity zugeschnitten sein müsse. Auf diese Herausforderung hat die ZBW mit der Gründung einer eigenen Abteilung „Open-Science-Transfer“ reagiert. Der Referent betonte auch, dass die Entwicklung neuer ebenso wie die Verstetigung projektbasiert entwickelter Services angesichts stets begrenzter Ressourcen eine permanente Aufgabe sei. Die ZBW nutzt hier ein dezidiertes Servicekonzept zur kriterienbasierten Evaluation ihres Portfolios. Ein Eckpunktepapier „Offenheit als Handlungsfeld für die ZBW“ mit sechs konkreten Themenfeldern und konkret formulierten Zielen soll dazu beitragen, verschiedene Facetten von Open Science, z.B. Open Access oder Open Data, systematisch im Serviceangebot der ZBW zu verankern. Zugleich müssten die Mitarbeitenden bei der Umstrukturierung von Services – dies beinhalte auch die Einstellung von Angeboten, die heute nicht mehr dieselbe Bedeutung wie zu ihrer Entstehungszeit hätten – mitgenommen werden; dabei gelte es auch Überzeugungsarbeit zu leisten und Widerstände zu überwinden. Hilfreich dabei seien auch externe Impulse, wie sie bei Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft, zu denen auch die ZBW gehört, beispielsweise durch regelmäßige externe Evaluationen gegeben sind. Eine besondere Bedeutung kommt hier auch der kontinuierlichen, vor allem fachlichen Weiterqualifikation zu, wobei an der ZBW eine stark wachsende Bedeutung kompakter Formate zu beobachten ist, die sich – anders als z.B. mehrtägige Schulungen – gut in den Arbeitsalltag integrieren ließen. Aber auch eine inhaltlich andere Profilierung freiwerdender Stellen sah Tochtermann als weitere Möglichkeit, mit begrenzten Personalressourcen Serviceveränderungen umzusetzen. Neue Tools wie Jira helfen zudem dabei, sich stetig ändernde Geschäftsprozesse im Blick zu behalten und zu dokumentieren.

Screenshot des Beitrags von Klaus Tochtermann: Ressourcen und neue Services im Erwerbungsetat der ZBW

Mathis Fräßdorf (Präsentation Mathis Fräßdorf) nahm dann die Perspektive einer vor allem auf eine hausinterne Klientel fokussierten Informationsinfrastruktureinrichtung ein; im Fall des WZB sind dies vor allem Ökonom*innen, Sozialwissenschaftler*innen und Rechtswissenschaftler*innen. Fräßdorf wies zunächst auf die überwiegende öffentliche Finanzierung des WZB hin; schon diese sei ein gewichtiger Grund dafür, aus öffentlichen Mitteln finanzierte Forschungsergebnisse der interessierten (Fach-)Öffentlichkeit zur weiteren Nutzung zur Verfügung zu stellen. Die Schwerpunkte am WZB liegen hier infrastrukturseitig vor allem in den Bereichen Open Access und Open Data. Für die Wahrnehmung entsprechender Aufgaben stehen am WZB ca. 2,5 Vollzeitäquivalente (ca. 16% aller Stellenanteile im Bereich „Wissenschaftliche Information) zur Verfügung, verteilt auf insgesamt sechs Personen. Eindrucksvoll konnte der Referent anhand konkreter Zahlen belegen, dass die zentral erbrachten Services rund um Open Science von den Forschenden Hauses sehr gut angenommen werden. In diesem Zusammenhang unterstrich er, dass die Bereitstellung zentraler Fachkompetenz letztlich eine Ressourcenersparnis an anderer Stelle bedeute: So müssten sich Forschende nicht selbst Spezialwissen z.B. zu Open-Access-Publikationsmodellen oder der FAIR-kompatiblen Dokumentation und Bereitstellung von Forschungsdaten aneignen. Fräßdorf ging aber auch darauf ein, dass die Entwicklung von neuen Services sich vollziehe in einem von wachsender Unsicherheit gekennzeichneten Kontext. So sei es beispielsweise eine Herausforderung, mit einem konstanten Erwerbungsbudget wachsende, aber nur begrenzt gut prognostizierbare Ausgaben für Open-Access-Publikationen zu bestreiten. Auch sei mitunter schwer einzuschätzen, wie nachhaltig der oft langwierige Aufbau hochspezialisierter Kompetenzen bei Mitarbeitenden in einem dynamischen Umfeld nutzbar sei. In einem eher kleinen Team stelle auch die Sicherung institutionsspezifischen Knowhows unabhängig von einzelnen „Wissensträger*innen“ eine Herausforderung dar. In diesem Zusammenhang betonte Fräßdorf, wie wichtig es sei, Dienstleistungen in Kooperation mit Partnern zu erbringen, die beispielsweise auf hohem professionellen Niveau Infrastrukturen für die Veröffentlichung frei zugänglicher wissenschaftlicher Publikationen und Daten betreiben.

Screenshot des Beitrags von Mathis Fräßdorf: Entwicklung der Open-Access-Leistungen am WZB

Reinhard Altenhöner (Präsentation Reinhard Altenöner) schließlich näherte sich dem Thema der Veranstaltung aus dem Blickwinkel einer der größten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands an.  Die SBB-PK ist integraler Bestandteil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die jüngst Open-Science-Leitlinien verabschiedet hat, um im Verbund der Stiftungseinrichtungen Open-Science-Praktiken in verschiedener Weise zu stärken. Die SBB-PK setzt mittlerweile einen inhaltlichen Schwerpunkt in den Kultur- und Geistwissenschaften und bedient damit, in dieser Hinsicht ähnlich wie die ZBW, eine heterogene Klientel von Forschenden und Studierenden verschiedenster Disziplinen im In- und Ausland. Darin liegt auch eine Herausforderung, wenn es darum geht, Bibliotheksdienstleistungen bedarfsgerecht zuzuschneiden auf konkrete Bedarfe einer – mangels einer direkten „institutionellen Verbindung“ zwischen der Bibliothek und ihren Nutzer*innen wie z.B. am WZB – immer ein Stückweit auch „diffusen“ und „ephemeren“ Klientel. Auch Altenhöner stellte diverse Serviceangebote seines Hauses mit Open-Science-Bezug vor. Eine wichtige Stoßrichtung ist dabei eine freie Bereitstellung von Inhalten, z.B. Digitalisaten, über offene, gut dokumentierte Schnittstellen. Ziel sei es, über die Distribution frei zugänglicher, interoperabler Informationsressourcen zu einer Vernetzung von und Interaktion mit den Nutzer*innen dieser Inhalte beizutragen. Angesichts der Tatsache, dass Personalkosten den weitaus größten Teil des Budgets der SBB-PK ausmachen, betonte Altenhöner, dass die Umsetzung von Open Science eng gekoppelt sei an die Verankerung eines entsprechenden „Mindsets“ bei den Mitarbeitenden und in möglichst allen Geschäftsgängen. Dabei benannte er eine verstärkte Ausrichtung von Personalentwicklungs- und -gewinnungsmaßnahmen als wichtigen Erfolgsfaktor. Zugleich prognostizierte er, dass künftig verstärkt eine Umwidmung von Stellen zugunsten hoch vergüteter, wissenschaftlicher Stellen stattfinden werde. Weiterhin warnte er davor zu erwarten, dass eine perspektivisch weitreichende Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Informationsressourcen im Open Access quasi automatisch zu einer Kostensenkung und damit zur Freisetzung von durch bislang für den Bestandsaufbau gebundenen Mitteln für andere Services führe: „Es wird nicht billiger!“

Screenshot des Beitrags von Reihard Altenhöner: Auswirkungen von Open Science auf die strategische Weiterentwicklung

Fazit und Diskussion

Sowohl die Beiträge der drei Referenten als auch die Fragen aus dem Publikum machten deutlich, dass ein Aufgreifen von Open-Science-Ansätzen durch Bibliotheken Chancen für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung bedarfsorientierter Services bietet und auch bereits in der Praxis gelebt wird. Folgende Aspekte wurden dabei besonders deutlich:

  • Die Umsetzung von Open Science durch Infrastruktureinrichtungen erfordert mehr denn je auch seitens der Infrastruktureinrichtungen ein vertieftes Verständnis für die disziplinären Kulturen und die disziplinspezifischen Besonderheiten jeweils des gesamten Forschungsprozesses.
  • Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Mitarbeitenden durch einen transparenten Entscheidungsfindungsprozessbei der Weiterentwicklung entsprechender Serviceportfolios  „mitzunehmen“. Dies schließt angesichts nur begrenzt verfügbarer Personal- und Sachressourcen auch die kritische Reflexion über den Fortbestand vorhandener Services ein. Wichtig dabei sind klare strategische Zielsetzungen unter Einbeziehung der Nutzer*innen-Perspektive und im Idealfall auf Basis einer kriterienbasierten, iterativen Bewertung von Services.
  • Systematische Personalentwicklungsmaßnahmen sind neben der inhaltlichen Transformation des Stellentableaus im Zusammenhang mit Personalfluktuation ein wichtiges Instrument, um Mitarbeitende zur Erbringung wissenschaftsnaher Open-Science-Services zu befähigen. Hilfreich können hier zeitlich kompakte, gut in den Arbeitsalltag integrierbare Fortbildungsangebote sein.
  • Es gilt, sorgfältig abzuwägen, welche Services „inhouse“ entwickelt und gepflegt werden und in welchen Fällen eine Kooperation mit Dritten unter Ressourcengesichtspunkten die bessere Option sein kann.
  • Angesichts der Dynamik der Digitalisierung im Wissenschaftsbereich wir die künftige Entwicklung forschungsunterstützender Services, gerade im Bereich „Open Science“, stärker als in der Vergangenheit geprägt sein von Unsicherheit. Dies setzt bei allen Beteiligten eine kontinuierliche Bereitschaft zur Veränderung und zum Hinterfragen von bestehenden Praktiken voraus.

Unter anderem anknüpfend an diese Erkenntnisse wird die nächste und vorerst letzte Veranstaltung im Rahmen der virtuellen Open Access Woche unter dem Titel „Mit Volldampf voraus in Richtung ‚Openness‘: Kompetenzen und Infrastrukturen mit Perspektiven“ im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Frage in den Blick nehmen, wie es im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure aus Wissenschaf(spolitik), Ausbildungs- und Infrastruktureinrichtungen gelingen kann, den Wandel hin zu Open Science aktiv zu gestalten. Sie sind herzlich eingeladen, sich am 25. März 2022, 14:00 bis 15:30 Uhr, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.