Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Freie Universität gibt Raubgut zurück

Provenienzforschung (onderzoek naar de herkomst) ist mittlerweile ein Bereich, in dem sich, namentlich bei den deutschen Museen (Raubkunst), viel tut. Auch unsere eigne Alma Mater, die Freie Universität Berlin, hat in der Universitätsbibliothek eine Abteilung Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut. Von dort erhielten wir die Nachricht über einen ganz besonderen Fund und die überaus glückliche Restituierung desselben an den niederländischen Erben, wohnhaft in Maastricht.

In der Fachbibliothek Judaistik der Campusbibliothek wurde ein Pentateuch (die fünf Bücher des Mose) aus dem Jahre 1914 gefunden; darin eine Widmung vom Oberrabbiner Levy an Fritz Berets (21.6.1906 Krefeld – 28.3.1945 KZ Buchenwald) zu dessen Bar-Mizwa 1919 in Krefeld. Da die Provenienz nicht klar war, wandte man sich an obengenannte Stabstelle der UB. Die machte sich an die Arbeit.

Dabei stellte sich heraus, dass die Familie Berets in den 30. Jahren von Krefeld in die Niederlande ausgewandert war. Fritz Berets wurde mit seiner Frau und zwei Kindern im Februar 1944 ins Durchgangslager Westerbork gebracht. Im September wurde die Familie nach Auschwitz transportiert, wo Fritz‘ Frau Lena und die 4-jährigen Zwillinge Erik und Irene im Oktober ermordet wurden. Nach der Räumung des Vernichtunglagers durch die Nazis, kam Fritz Berets nach Buchenwald. Dort wurde er am 28. März ermordet. Die meisten seiner neun Geschwister wurden ebenfalls in verschiedenen Konzentrationslagern umgebracht.

Foto: A.E. van Kooten (CC BY-SA 4.0)

Fritz‘ Bruder Ernst David Berets (1898-1943) war bereits im Mai 1940 in den Niederlanden verhaftet und wegen ‚landesverräterischen Beziehungen‘ zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte im belgischen Grenzgebiet Informationen für den niederländischen Nachrichtendienst gesammelt. Im Dezember 1940 war er nach Auschwitz gebracht worden, wo er im Januar 1943 ermordet wurde.
Für ihn wurde in Maastricht am 22. Oktober 2013 dieser Stolperstein gelegt.

Darüber stolperten bei ihren Nachforschungen die FU-Mitarbeiter. Man nahm Kontakt auf zu Struikelsteentjes Maastricht. Ein Mitarbeiter von Struikelsteentjes brachte die Forscher mit dem Neffen des ermordeten Fritz Berets in Kontakt: Alexander Ernst Berets.

Alexander Ernst Berets war zweieinhalb als sein Vater festgenommen wurde. Er hat an ihn also keine Erinnerungen, wie er in diesem Interview (ab 05:15) für den Maastrichter Fernsehsender erzählt; und wen man nicht kennt, den kann man auch nicht vermissen. Seine Mutter habe ihm ein gute Erziehung angedeihen lassen, weshalb er ein (er lächelt) guter Staatsbürger geworden sei. Die Ehre, die seinem Vater zuteil wurde (Stolperstein), habe ihn tief gerührt.

Berets met boekUnd jetzt dieses Pentateuch aus Berlin!
Er fühle sich sehr geehrt, dieses Buch, das mal seinem Onkel gehört hat, am 4. Mai 2017 in der Maastrichter Synagoge in Empfang nehmen zu dürfen… und er sei nicht mal jüdisch!
(Seine Mutter war nicht jüdisch.)

Schauen Sie sich dieses Interview mal an. Sehen Sie über das gezeigte Bibliotheksbild hinweg (das ist nicht die FU). Alexander Berets spricht Mestreechs, was es für mich – Limburgerin – noch anrührender macht.
Am Ende (09:33): bewegende Bilder der Übergabe in der Synagoge …

Gut gemacht FU!

Iep, olm und Frühlingsschnee

Jedes Frühjahr schneit es in Amsterdam. Zuverlässig ungefähr im Mai kommt der lentesneeuw über die Stadt. Das hat nichts mit den Eisheiligen zu tun. Die Nordsee sorgt schließlich für temperiertes Wetter, so dass Frost um diese Jahreszeit nicht mehr allzu oft vorkommt.

Für den Schnee sorgt nicht etwa die Kälte, sondern eher die Wärme: Die vielen Ulmen in Amsterdam werfen ihre Samenkapseln ab. Das tun die meisten Pflanzen und Bäume im Herbst und nur wenige im Frühling. Um das zu googeln, muss man kein Sprachwissenschaftler sein. Um die spezielle Schönheit dieser Erscheinung zu genießen auch nicht – die fängt die Fotostrecke im NRC treffend ein.

Ulmus x hollandica ‚Wredei‘: die Goldulme. (W. Hagens, PD)

Amsterdam ist bekannt für vieles, von Museen über Grachten bis zur Prostitution. Aber wer weiß schon, dass es auch die Ulmenhauptstadt ist? Die Bäume wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt in einer Art demokratischen Bemühung um Erholungswert in der Stadt, als „gebruiksgroen voor het volk“, wie es die Stadtverwaltung selbst ausdrückt. Deutsche Bürokratensprache könnte nicht treffender sein. Wozu man Ulmen praktisch gebrauchen kann, bleibt dabei offen, denn Obst liefern sie nicht. Der Nutzen bleibt doch eher abstrakt, von der Luftreinigung bis zum hübschen Anblick – beides natürlich trotzdem viel wert.

Die Ulme heißt auf Niederländisch iep oder olm. Vielleicht beides keine extrem ansprechende Lautgestalten, aber immerhin beruht darauf (wahrscheinlich – Etymologien sind trügerisch) der Name von Ieper, dem Ort mit der blutigen Geschichte. Der liegt an einem Wasserlauf, der von Ulmen gesäumt wurde. Ob das noch immer so ist, bleibt fraglich in einer Zeit, in der Flandern sogar Verkehrsinseln zu Wäldern erklärt. (Vielleicht kann mal jemand den aktuellen Baumbestand an der Ieperlee überprüfen, ist uns jetzt gerade ein bisschen weit.) Warum ist bloß noch niemand darauf gekommen, dass die deutsche Partnerstadt von Ieper auf jeden Fall Ulm sein müsste?

Berührungspunkte: Ostbelgien

Hallo Nachbar!
Zur Germanistik gehört ganz selbstverständlich die deutschsprachige Literatur der Schweiz (Max Frisch u.a.) und von Österreich (Thomas Bernhard u.a.). Auch die historisch deutschsprachigen Gebiete gehören dazu: Josef Roth, Paul Celan…
Und der Linguist Horst Simon hat ein Forschungsprojekt zur deutschen Sprache in Namibia.

NordNordWest, CC-BY-SA-3.0-DE

Aber Ostbelgien?
Wieso denn das, fragen Sie?

Nun, im Osten von Belgien wird Deutsch gesprochen und geschrieben (Eupen, Malmedy, St. Vith). Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat sogar eine eigene Regierung. Diese zeichnet unter anderem verantwortlich für die Kulturpolitik in weitestem Sinne. Was den öffentlichen Raum betrifft (Infrastruktur und so) gehört dieses Gebiet zum französischsprachigen Wallonien.

Und die Literatur?
Josef Ponten (1883 in Raeren bei Eupen geboren) – ich gebe zu: nicht der sympathischte unter den Literaten – gehört dazu. Aber auch Peter Schmitz. Er schrieb den sehr lesenswerte anti-Kriegsroman Golgatha. Beim Verlag Peter Lang erschien Umstrittenes Grenzland: Selbst- und Fremdbilder bei Josef Ponten und Peter Schmitz, 1918 – 1940.

Aus der von der Romanistin [sic] Anne Begenat-Neuschäfer ebenfalls bei Peter Lang herausgegeben Reihe Belgien im Fokus hat die Philologische Bibliothek bislang die Teile Comic und Jugendliteratur in Belgien von ihren Anfängen bis heute (Band 2) und Die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Eine Bestandsaufnahme (Band 3). Und bald, so hoffe ich doch, auch den ersten Band: Belgien im Blick: Interkulturelle Bestandsaufnahmen – Regards croisés sur la Belgique contemporaine – Blikken op België: Interculturele Beschouwingen.
Mal sehen, ob es einen Geldtopf gibt, aus dem gleich 3 Philologien bedient werden könnten…

Freddie Derwahl schrieb Bosch in Belgien.
Nein, dieser Roman hat nichts mit dem großen Maler aus dem brabantischen ’s-Hertogenbosch zu tun. Bosch dürfen Sie in diesem Fall deutsch aussprechen, und Sie landen dann beim französischen (es lebe Europa!) boche. Die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien wurde gerüttelt und geschüttelt von Kriegen. Auch im Königreich Belgien (ab 1945), wo der Sprachenstreit zwischen Französisch und Niederländisch ausgefochten wurde, hatten es die Deutschsprachigen nicht leicht.

Davon zeugt auch Grenzlandfrau. Ein Frauenschicksal im belgisch-deutschen Grenzgebiet von Maryanne Becker.

Schauen Sie sich unsere Bibliotheksvitrine mal an. Auf Anfrage können Sie diese Bücher auch ausleihen.


Das kleine föderale Königreich Belgien ist schon etwas ganz Besonderes…
Es gibt 1. die Bundesregierung (federale regering). Dann gibt es die Regierungen der Gemeinschaften: der Flämischen (2), der Französischen (3) und der Deutschsprachigen Gemeinschaft (4). Und es gibt die Regierungen der Regionen: der Flämischen Region (5), der Region Brüssel-Hauptstadt (6) und der Wallonischen Region (7).
Die Regierungen der flämischen Gemeinschaft und der flämischen Region sind fusiert. Insgesamt also 6! Provinzen und Kommunen gibt es auch noch.

Berührungspunkte: Französisch-Guayana

Wo kommt der niederländische Sprach- und Kulturraum mit anderen in Berührung? Wo gibt es gemeinsame Interessensgebiete der Niederlandistik und ihrer Nachbarfächer? Solche Berührungspunkte stellen wir in einer kleinen Serie vor.

Die französische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft ist im romanischen Bereich sicher die privilegierte Nachbarin der Niederlandistik. Wo haben Frankreich und die Niederlande eine gemeinsame Grenze? Auf Sint Maarten bzw. Saint-Martin. (Wir erinnern uns: An island so nice, they named it twice) Wo grenzt das französische an das niederländische Sprachgebiet? In Belgien.

Fertig, alle Nachbarschaften abgehandelt. – Natürlich nicht! Denn die Sprachgebiete des Niederländischen und Französischen treffen sich auch am Maroni, der auf Niederländisch Marowijne heißt: zwischen Suriname und Französisch-Guayana. Die beiden ex-kolonialen Schwestern gehören zum Trio der drei Guyanas, die heute alle verschieden heißen. Suriname hat sich einen ganz eigenen Namen gesucht. Die Republik Guyana hat ein „a“ weniger als der geläufige deutsche Name von Französisch-Guayana (das man aber auch Französisch-Guyana schreiben kann und auf Französisch selbst sowieso Guyane).

Das heutige Französisch-Guayana und das ehemalige Niederländisch-Guayana haben mehr gemeinsam als man glaubt, obwohl das eine ein Überseegebiet Frankreichs ist und das andere ein unabhängiger Staat. Beide haben als einzige Amtssprachen die jeweilige Kolonialsprache behalten (in Französisch-Guayana hat man auch kaum eine andere Wahl, da gilt schließlich die französische Verfassung). Und beide kennen trotz der übersichtliche Bevölkerungszahl eine Vielzahl anderer Sprachen, etwa lokale indigene Sprachen und Kreolsprachen. Sranan, das in Suriname weit verbreitet ist, wird zum Beispiel auch nebenan gesprochen – also eine englischbasierte Kreolsprache in ehemaligen niederländischen und französischen Kolonien.

Am „französischen“ Ufer des Maroni, gegenüber Suriname. (P. Wilhelm, CC-BY-SA-3.0)

Die sprachlichen Realitäten im Grenzgebiet sind ungemein kompliziert. Die Sprachgemeinschaften selbst haben unterschiedlichste Wahrnehmungen, wie man die Sprachen in ihrer Umgebung einteilt, zu welchen Gemeinschaften sie sich selbst zählen und wie man die Sprachen nennt. (Dazu gibt es interessante Forschungsergebnisse von Kolleginnen aus Paris und Dublin.)

Egal wie man die Sprachen systematisiert – Bildung, sozialen Einfluss und Wohlstand bleiben an die dominanten europäischen Sprachen geknüpft. Während man in Suriname langsam Bewusstsein für eine eigene Standardform des Niederländischen entwickelt, bleibt in Französisch-Guayana das Ideal des Französischen aus Paris weiter stark. Aus der Sicht von Suriname ist Französisch-Guayana ein ziemlich wohlhabendes Land und Kontakte dort sind viel wert, z.B. wenn man Familie oder Freunde hat. Im Grenzgebiet findet man deshalb auch westlich des Maroni viele Menschen, die sich auf Französisch verständigen können. Was genau dort gesprochen wird, wie man dort Französisch lernt und in welchen Kontexten man es benutzt, wäre ein spannendes Forschungsthema für unsere Nachbardisziplin.

Bei den sprachlichen Gemeinsamkeiten ist aber noch lange nicht Schluss. Beide Gebiete sind zum Beispiel erfolgreich im Export von ebenso bekannten wie umstrittenen Frauen in der europäischen Politik. Aus Suriname kommt Sylvana Simons, die sich in besonders der antirassistischen und antikolonialen Politik verschrieben hat, dabei aber bei den vergangenen Parlamentswahlen nicht allzu viel Erfolg hatte. Das ist bei Christiane Taubira aus Cayenne anders, die zwar bei den Präsidentschaftswahlen 2002 nur wenige Prozente holte, später aber als Justizministerin unter anderem mit der Ehe für Alle das konservative Frankreich zur Weißglut trieb.

Die sozialen Probleme in den zwei Gebieten sind leider auch sehr ähnlich: Niedrige Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit und teure Lebenshaltungskosten durch eine extreme Abhängigkeit von Importen machen links wie rechts des Maroni das Leben schwierig. Kein Wunder, dass sowohl in Suriname als auch in Französisch-Guyana in jüngster Zeit Proteste ausgebrochen sind, die nur mühsam befriedet werden konnten. Die Nachbarschaft wird dadurch nicht einfacher, im Gegenteil. Umso erleichterter ist man in Suriname, dass Marine Le Pen die Präsidentschaftswahl nicht gewonnen hat und sie nicht ihr Vorhaben durchsetzen kann, die Grenze entlang des Maroni abzusperren.

Gelingt es eher als unabhängiger Staat oder als Überseegebiet eines EU-Landes, die Verhältnisse für die Menschen zu verbessern? Das zu beobachten und natürlich vor allem weiter zu erforschen, wie die sprachlichen und kulturellen Realitäten sich entwickeln – darin steckt viel Potenzial für Niederlandistik und Romanistik gemeinsam. Und die Anglistik sollte am besten auch gleich mitmachen, denn sie hat ja noch ein ganz eigenes Guyana für sich.

Moeders mooiste…

De ontkenning (Verneinung) van „een“ is „geen“: ik heb een idee – hij heeft geen idee. Niet moeilijk, toch? De ontkenning „niet“ wordt in de regel net zo gebruikt als het Duitse „nicht“. Ook niet moeilijk dus.

Maar…!
In het Nederlands kunnen we aan „niet“ een bijzondere klemtoon geven door het woord achter het te ontkennende woord te plaatsen.

Donald Trump is moeders mooiste niet! En dat is voor dat heerschap (Typ, Kerl, Bursche) nog een compliment! En de snuggerste (klug, gescheit) is hij ook niet, laat staan (geschweige denn) de leukste thuis.
Er zijn ook andere mannen die niet bepaald tot moeders mooisten gerekend kunnen worden maar ze schrijven prachtige boeken of je kunt een geweldig leuke avond met ze doorbrengen – Nee, ik noem geen namen.

 

Ik ben moeders mooiste niet, ik denk dat jij dat ook wel ziet
Maar ik kan van je houden, zoals geen ander dat kan doen
Misschien kan jij me redden als in een sprookje met een zoen.

Mijn neus is krom, mijn tanden staan scheef, ik heb ontzettend grote oren,
mijn benen te lang, mijn armen te kort, mijn kin is ongeschoren;
je hebt misschien nog niet gezien dat ik naar jou heb zitten kijken
want mijn ogen staan zo scheel als weet ik veel…

Ik ben geen Don Juan maar een gewone man waarmee je lachen kan…

Een liefde op het eerste gezicht, daarvan moet ik het echt niet hebben,
maar ik ben echt de slechtste niet, je moet me beter leren kennen,
je hebt misschien nog niet gezien dat ik naar jou heb zitten kijken
want mijn ogen staan zo scheel als weet ik veel…

Maar ik kan van je houden zoals geen ander dat kan doen
misschien kan jij me redden als in een sprookje met een zoen
Ik ben moeders mooiste niet – ik denk dat jij dat ook wel ziet.

Tja…
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/79/Face-smile.svg/48px-Face-smile.svg.pngIk heb een antwoord gevonden: ook al ben je moeders mooiste niet, ook al staan je ogen en je tanden scheef, al heb je flaporen (Segelohren), al staan je benen krom en zijn je armen te kort, al ben je een donjuan: je mag er zijn! Had je zeker niet gedacht…

ook al = auch wenn – maar let op de plaats van het werkwoord: in het NL twee hoofdzinnen, in het Duits bijzin en hoofdzin!

Geen flauw idee waarom deze blogpost zo allesbehalve (alles andere als) genderneutraal is geraakt…

Strauchelblock und Sollbruchstelle

Die Koalitionsverhandlungen in den Niederlanden sind gescheitert. Das ist eigentlich keine Überraschung, denn die beteiligten Parteien haben tatsächlich sehr unterschiedliche Grundüberzeugungen. Vor allem beim Thema Migration konnte man sich nicht einigen. Der niederländische Rundfunk meldet dann auch:

Formatie nieuw kabinet vastgelopen op migratie

Gründlich auf Grund: Ein Frachter am Strand von Castricum, N-Holland. (K. Heemskerk, CC-BY-SA-3.0)

Eine Metapher, die in dem Zusammenhang nicht niederländischer sein könnte. Vastlopen können zum Beispiel Schiffe – sie laufen auf Grund. Besonders passend ist der Begriff, weil die Informateurin auch noch Schippers heißt. Mit dem deutschen Hang zum Autoverkehr würde man wohl sagen, die Verhandlungen haben sich festgefahren (was im Niederländischen aber genauso möglich ist: auch Autos können vastlopen).

Die Metaphorik geht noch weiter, nun ohne Seefahrerromantik:

Migratie was het struikelblok

Das wäre auf Deutsch in einer ganz wörtlichen Übersetzung einigermaßen verständlich, auch wenn es den Begriff so nicht gibt: Migration als Strauchelblock. Die gängigere Bezeichnung wäre wohl ein Stolperstein. Das Wort ist aber inzwischen schon sehr eng verbunden mit den Initiativen zur Erinnerung an Holocaust-Opfer, nämlich den Stolpersteine in den Straßen vor den früheren Wohnorten von ermordeten Jüdinnen und Juden. Dazu gibt es demnächst mehr zu berichten, mit FU-Bezug.

Wenn man diese Assoziation umgehen will, bliebe noch der Stein des Anstoßes. Der kann aber manchmal eine etwas zu starke moralische Bedeutung haben und passt dann nicht unbedingt. Der Van Dale schlägt noch den Stolperdraht vor. Allerdings weckt der wiederum den Gedanken an ein absichtlich errichtetes Hindernis, was beim struikelblok nicht unbedingt der Fall sein muss.

Nun sagen einige politische Kommentatoren: Diese „gescheiterten“ Koalitionsverhandlungen waren schon immer eingeplant. Die Parteien müssen ihrer Anhängerschaft signalisieren, dass man sich schwer getan hat und wichtige Positionen nicht zu leichtfertig aufgibt. Deshalb müssen die Verhandlungen zuerst scheitern, man verhandelt probeweise mit anderen Parteien und kehrt am Ende „schweren Herzens“ zur ursprünglichen Kombination zurück. Ob das tatsächlich so kommen wird, weiß niemand. Wenn das die Taktik wäre, dann wäre der struikelblok aber tatsächlich mit Absicht ausgelegt worden. Dafür gibt es wiederum ein wunderbares deutsches Wort: Sollbruchstelle. Die niederländische Entsprechung breukveiligheid kommt an die poetische Kraft der Sollbruchstelle nicht einmal annähernd heran. Warum? Weil sollen als Stufe zwischen können und müssen im niederländischen Verbsystem nicht mehr in dieser Form vorkommt. Das Modalverb zullen hat sich inzwischen als Tempusverb für das Futur festgefahren. Das Futur einer fertigen Koalition für die Niederlande kann jedenfalls noch sehr, sehr weit entfernt sein.

Der Nonchalantivsatz

Fast wäre der diesjährige Koningsdag berührungslos an uns vorbeigezogen. Es gab ja genug andere Sorgen: Frankreich (erste Wahlrunde), Großbritannien (Neuwahl), USA (eigentlich alles, was mit Trump zu tun hat). Trotzdem lohnt es sich, kurz an den Feiertag zurückzudenken, nämlich wegen eines Artikels, der zum Koningsdag im NRC erschienen ist.

In ihrer Sprachkolumne schreibt Japke-d. Bouma, dass wir wieder zur Bezeichnung Koninginnedag zurückkehren sollten.

Auf dem Kopf ein klassisches Königinnendach. (P. Blank, CC-BY 2.5)

Nach Jahrzehnten mit Beatrix, Juliana und Wilhelmina fällt es schwer, sich an etwas Neues zu gewöhnen. Für überzeugte Traditionalisten ist das die schlimmste aller Vorstellungen: das man die weibliche Form als vertrauter empfindet als die männliche und man das Gefühl hat, sie könne doch einfach so stehen bleiben. Der Mann ist dann eben „mitgemeint“, wie man das beim generischen Maskulinum für die weibliche Welt auch gerne postuliert. Natürlich ist hier im engeren Sinne nichts generisch, denn es gibt jeweils immer nur ein Staatsoberhaupt zur gleichen Zeit, das an dem Tag gefeiert wird. Nicht umsonst hängt der Feiertag mit dem royalen Geburtstag zusammen. Aber das Wort an sich ist eben dennoch verallgemeinernd. Damit benennt man den Feiertag, mit dem das jeweils amtierende Staatsoberhaupt gefeiert wird, mal Frau, mal Mann. Ungefähr so wie wir weiter vom Bundeskanzleramt sprechen, obwohl seit ebenfalls gefühlten Jahrzehnten dort eine Frau regiert. Nun wird der Koninginnedag erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überhaupt gefeiert, und seitdem regierten in den Niederlanden durchweg immer nur Frauen. Mit Fug und Recht kann man also behaupten, dass der Begriff dauerhaft mit der weiblichen Form gebildet wurde und so lexikalisiert ist.

Abseits dieser monarchischen Geschlechterfragen bietet die NRC-Artikel noch ein anderes schönes Phänomen, das nicht selbst Thema des Artikels ist: den Nonchalantivsatz. Im letzten Absatz finden wir davon gleich drei:

Wat zeg ik: we maken Máxima óók ons staatshoofd. Hebben we er twee, kan ons het schelen.

En als we dan toch bezig zijn, maken we er ook weer 30 april van. Kunnen de toeristen met een Lonely Planet van 2002 ook weer meedoen.

Van 27 april maken we dan Republikeinendag. Hebben die mensen ook eens een feestje.

Gemeint sind die Sätze, die alle mit einem Verb anfangen. Auf Deutsch funktionieren sie ganz genauso, man kann sie mehr oder weniger direkt übersetzen – auf Englisch wegen der strikten SVO-Stellung dagegen nicht. Das hat mit der relativ einfachen Art und Weise zu tun, wie sie zustande kommen:

Vor dem Verb könnte ein dan oder ein zo stehen, das den vorhergehenden Satz wieder aufgreift. Damit ist das Vorfeld vor dem Verb besetzt und das Subjekt tritt dahinter. Nur dass das Vorfeld wegfallen kann, weil der Inhalt des Weggelassenen ohnehin der vorherige Satz ist. Wenn kein Satz vorausgeht, wird die Konstruktion schwierig. (Aber nicht unmöglich, z.B. bei sowas wie „Haben wir das auch geschafft!“ wenn eine Aufgabe erledigt ist.)

Die spannende Frage ist eher: Was genau sagt diese Konstruktion eigentlich aus? Wie unterscheidet sie sich von einem Satz, in dem das Vorfeld explizit genannt wird? Die stilistische Konnotation wird anders. Ein wenig Ernsthaftigkeit geht verloren, die Aussage klingt ungezwungen, beiläufig, oder wie im ersten Beispiel wörtlich: „kan het ons schelen!“ – Was macht das schon, was soll’s. Deshalb also ein Nonchalantivsatz, oder wenn man lieber deutsche Terminologie möchte, ein Wurstigkeitssatz. Also eigentlich genau das, was den verbissenen Kämpfern gegen geschlechtergerechte Sprache so oft fehlt.

Letterlijk

De vakantie was een rib uit mijn lijf, schreef mijn collega. Dat is een idomatische uitdrukking: het is niet letterlijk bedoeld. Gelukkig maar, stel je voor dat er écht een rib uit haar lijf gehaald werd.

Vaak kan zo’n uitdrukking zowel letterlijk als figuurlijk gebruikt worden. “Niet elkaars taal spreken” heeft een figuurlijke betekenis, namelijk dat je elkaar niet begrijpt, zelfs als je Nederlands met elkaar praat. Maar het kan ook zijn dat je letterlijk niet elkaars taal spreekt: jij spreekt Pools en zij spreekt Fins.

So far, so good. Wat je vaak ziet en hoort gebeuren, is dat iemand een uitdrukking gebruikt, die ook figuurlijk bedoelt, en er toch letterlijk bij zegt. Lees even mee:

Leiespiegel maar dan letterlijk (Spotter2, CC-BY-SA-4.0)

We kunnen helemaal niet letterlijk terug naar de middelleeuwen. En dat kijkje in de eigen keuken, blijkt ook niet letterlijk te zijn, noch stonden de mensen onmiddellijk na de Franse presidentsverkiezingen met hun armen wijd gespreid te wachten op de nieuwe Franse president om hem eens stevig te knuffelen.

Er is iets anders aan de hand. Dat wordt in voorbeelden als deze twee nog duidelijker:

Ik sta soms letterlijk in de brand, dan heb ik het zo warm ineens (hier)

En nog eentje, waarin gespeeld wordt met de oorspronkelijke idiomatische uitdrukking, zich groen ergeren:

Toch komt het voor dat inwoners zich letterlijk groen en geel ergeren aan overhangend groen. (hier)

Natuurlijk staat de bezoeker van het forum niet letterlijk in brand, en laten we maar hopen dat de inwoners niet écht geel en groen uitslaan. Bedoeld is het heel erg warm hebben of zich heel erg ergeren. De betekenis van letterlijk verschuift, en het woord wordt als intensiveerder of hyperbool gebruikt. Door letterlijk toe te voegen, versterkt de spreker het spreekwoord. Dat gebruik van letterlijk ergert sommige mensen enorm (hier) net als veel taalveranderingen.

Maar je kan het natuurlijk ook gewoon opmerken en beschrijven. Wat blijkt: in het Engels vindt een gelijkaardige betekenisverschuiving plaats, wat de makers van het Merriam Webster woordenboek ertoe leidt in een langer artikel (aanrader!) te traceren welke attestaties er te vinden zijn. Ze concluderen met een knipoog:

Literally every modern dictionary includes a definition for the metaphoric or intensifying sense of the word literally.

Hoe het in het Duits zit? Zelfs al breek ik letterlijk mijn hoofd, ik vind niet zoveel voorbeelden als in het Nederlands. Ook een knipoog.

Zij is van vóór de mammoet

Onze Taal maakt reclame voor de boekjes Mijn moeder zei altijd en (nieuw!) Mijn vader zei altijd … en levert meteen een paar prachtige voorbeelden van wat onze ouders zo zeiden:

Lieverkoekjes worden niet gebakken (antwoord op: ik wil liever dit of dat…) – ± Es gibt keine Extrawurst
Wat je niet lust, slik je maar door – Schluck einfach runter, was dir nicht schmeckt

Er waren ook ouders met minder gevoel voor humor die zeiden: je heb de oorlog niet meegemaakt!
Dat betekende dan: Jij, kind, wees blij dat je een bord eten voor je neus hebt; opeten!

De oorlog (de tweede) begon in Nederland en België op 10 mei 1940: een scheidslijn!
Dat is van vóór de oorlog betekende in mijn jeugd: dat is hartstikke oud. Die vriend van haar is van vóór de oorlog: een ouwe lul dus, of – indien een compliment – een krasse knar.

Ik ben – ik geef het aarzelend toe – van vóór de mammoet.

Mammoet (PD Old)

Niet dat ik miljoenen jaren tel… ik ben schoolgegaan vóór de Mammoetwet die (1968) het hele Nederlandse onderwijssysteem op z`n kop zette. We hadden destijds, na het zes-jarige lagere onderwijs, het klassieke (altsprachliche) gymnasium α (zwaartepunt talen) en β (zwaartepunt exacte vakken+Grieks en Latijn), de Hogere Burgerschool: HBS a (talen) en b (exacte vakken), de MMS (Middelbare Meisjesschool), de MULO (Middelbaar Uitgebreid Lager Onderwijs), de ambachts- en de huishoudschool: de eerste voor jongens, de laatste voor meisjes.

Aan de eerste klas van de huishoudschool
Wordt les gegeven in rode kool (drs P)

In deze indeling herkent u wellicht de 19e eeuw waarin het schoolsysteem geopend werd voor de zogenaamde lagere klassen en voor het vrouwelijk geslacht … Op katholieke en christelijke (protestantische) scholen (door de overheid gefinancierd) werd de scheiding naar sekse (Geschlechtertrennung) afgeschaft. Wij van vóór de mammoet zaten op meisjes- dan wel jongensscholen. Er waren, zelfs in het katholieke Limburg, ook zogenaamde rijksscholen: daar gingen altijd al zowel meisjes als jongens school.

Ik heb de lagere school bezocht – die nu basisschool heet (klinkt ook beter). Daarna het gymnasium α (alfa). Geëxamineerd (Abitur) werden alfa’s in NL, Frans, Duits, Engels, Grieks (bijv. Euripides + Homerus of Herodotes), Latijn (bijv. Tacitus + Vergilius of Cicero), geschiedenis en algebra. Mijn β (bèta)-vriendinnen hadden ook Grieks en Latijn (maar slechts 1 schrijver elk) en werden geëxamineerd in natuur-  en scheikunde (Physik, Chemie) en wat wiskunde (Mathematik) betreft in twee van de drie vakken stereometrie, goniometrie en analytische meetkunde (geometrie).
Deze mammoetpakketten werden gereduceerd.

Niet dat de wet haar naam aan de examenomvang te danken had. Het was een ARP-politicus die tegen was, die het wetsvoorstel minachtend een mammoetwet noemde.

Alles wat we tegenwoordig kennen – de basisschool, het vwo (het voorbereidend wetenschappelijk onderwijs), waartoe het gymnasium α en β en het atheneum a en b (modernsprachlich) behoren, … het havo, mavo, en vmbo, is van ná de mammoet.

De kleuterschool (Kindergarten) voor 4- en 5-jarigen werd later afgeschaft. Vierjarigen gaan tegenwoordig (vrijwillig) naar groep 1 van de basisschool; vijfjarigen gaan (verplicht) naar groep 2. Na groep 8 gaan ze naar het voortgezet onderwijs (weiterführende Schulen).

Maria Sibylla Merian

Im Kupferstichkabinett findet zur Zeit die Ausstellung Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes statt (bis zum 2. Juli). Bis zum 25. Juni kann man als Ergänzung in der Gemäldegalerie die kleine schmucke Ausstellung Der Reiz des Kleinen – Naturstudien in Hollands Goldenem Jahrhundert besuchen.

Gehen Sie hin: es lohnt!

Aus gegebenem Anlaß haben wir in der Philologischen Bibliothek eine kleine Vitrine zu Maria Sibylla Merian eingerichtet. Warum wir, die Niederländische Philologie?
Nun, Maria Sibylla Merian (als Kind hatte sie die Raupen und ihre Verwandlung, die Insekten lieben gelernt) landete nach der Trennung von ihrem Ehemann bei den Labadisten in Friesland. Das Anwesen, das sie bewohnten, gehörte den Schwestern von Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk, dem Gouverneur der Kolonie Surinam. Später zog es sie nach Amsterdam, wo auch die Schiffe der WIC (West-Indischen Compagnie) anlegten.

„In Holland sah ich jedoch voller Verwunderung, was für schöne Tiere man aus Ost- und West-Indien kommen ließ, … In jenen Sammlungen habe ich diese und zahllose andere Insekten gefunden, aber so, dass dort ihr Ursprung und ihre Fortpflanzung fehlten, das heißt, wie sie sich aus Raupen in Puppen und so weiter verwandeln. Das alles hat mich dazu angeregt, eine große und teure Reise zu unternehmen und nach Surinam zu fahren (ein heißes und feuchtes Land …), um dort meine Beobachtungen fortzusetzen.“ Quelle

Zitrone (PD-Art)

Die Neugier siegte: 1699 schiffte sie sich ein. In Surinam entstanden die Zeichnungen, die zusammen mit ihren Beschreibungen zu ihrem allerschönsten Buch führten: im Jahre 1705 erschien Metamorphosis insectorum Surinamensium.
Die Universität Göttingen hat den Band digitalisiert; Sie können hier durch dieses prächtige Buch blättern.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Merian sich auch interessiert mit der einheimischen Bevölkerung unterhalten hat, und so von Indianerinnen einiges über Kräuter, Pflanzen und deren heilsame Wirkung erfuhr, u.a. Informationen darüber, wie Abtreibungen eingeleitet wurden.
Alexander von Humboldt blieben, exakt 100 Jahre später, solche, eher ‚weiblich‘ konnotierten Zusammenhänge, die Merian als Pionierin ausweisen, trotz seiner umfassenden ‚zweiten Entdeckung‘ Lateinamerikas verborgen.

 

Berlijn-Suriname_klein

In unserer Vitrine finden Sie auch zwei Biographien – die eine von Dieter Kühn: Frau Merian! Eine Lebensgeschichte.

Die andere von der niederländischen Autorin Inez van Dullemen: Maria Sibylla: een ongebruikelijke passie.

Beide Bücher sind demnächst wieder auszuleihen…

Jetzt sind Sie bestimmt neugierig geworden auf dieses Land in den Tropen, wo man sogar in Berlin, am Rande des Regenwaldes, Niederländisch spricht, oder?