Toolbox-Newsletter Nr. 8

Liebe Lehrende und Toolbox-Interessierte,

kurz vor Ende des Wintersemesters melden wir uns mit einer neuen Ausgabe des Newsletters zurück.

(Anti-)Rassismus an Hochschulen

Bereits im vorletzten Newsletter haben wir angekündigt, uns zukünftig stärker mit (Anti-)Rassismus an Hochschulen zu beschäftigen. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe, die wir zusammen mit Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisieren, machte im Dezember eine digitale Podiumsdiskussion. Themen waren zum Beispiel Ausschlussmechanismen an der Hochschule, Rassismus in Lehrplänen und natürlich auch mögliche Gegenstrategien. Wir sprachen darüber mit Diskutant*innen aus Forschung, (Hochschul-)Politik, Medien und Verwaltung: Mohamed Amjahid (Autor und Journalist), Dr. Denise Bergold-Caldwell (Philipps-Universität Marburg), Nataly Castillo Bennett, Naledi Mmoledi und Santiago Velez Vargas (BIPoC-Referat des AStA der FU), Dr. Doris Liebscher (Ombudsstelle der Landes-Antidiskriminierungsstelle Berlin) und Saboura Naqshband (DeZIM Berlin).

Die Veranstaltung traf offensichtlich einen Nerv: Mehr als 200 Interessierte waren dabei. Wir haben das Gespräch über (Anti-)Rassismus an Hochschulen zum Nachhören aufgenommen. In der verlinkten Dokumentation sind neben dem Audio-Mitschnitt auch eine Literaturliste und Informationen zu unseren Panelist*innen zu finden.

Auch das Interesse an unserem Workshop ‚Rassismuskritisch lehren und lernen‘ am 19.03.21 war groß. Leider konnten wegen der Teilnahmebegrenzung bei Weitem nicht alle Interessierten teilnehmen. Wir prüfen gerade die Möglichkeit, den Workshop erneut anzubieten.

Workshops in Kooperation mit dem Dahlem Center for Academic Teaching (DCAT)

Unsere bisherige Kooperation mit SUPPORT für die Lehre setzen wir mit der neu gegründeten Nachfolgeeinrichtung DCAT fort. Im Sommersemester gibt es wieder zwei Termine unseres beliebten Halbtages-Workshops zur gender- und diversitätsbewussten Gestaltung von Lehrveranstaltungen:

Donnerstag, 29.04.21, 14.00-17.30 Uhr

Freitag, 28.05.21, 9.00-12.30 Uhr

Darüber hinaus führen wir Workshops und Präsentationen auch auf Anfrage durch, z.B. für Tutor*innen, Arbeitsbereiche oder Kollegs. Kontaktieren Sie uns gerne!

Aktualisiertes Gender- und Diversity-Quiz

Was ist die ‚Charta der Vielfalt‘? Wann erwarb die erste Frau ihren Doktortitel an einer deutschen Universität? Und welche Dimension sozialer Ungleichheit wird im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eigentlich nicht berücksichtigt?

Diese und weitere Fragen können Interessierte in unserem aktualisierten Quiz zum Thema ‚Institutionalisierung von Gender & Diversity‘ beantworten, das nun im H5P-Format zur Verfügung steht. Es kann so unkompliziert in Blackboard eingebunden und für die Lehre genutzt werden. Weitere offene Bildungsmaterialien finden Sie auf unserer Übersichtsseite zu digitaler Lehre.

Neuigkeiten aus der FU rund um Gender und Diversity

Wir freuen uns sehr, dass die FU am Diversity-Audit des Stifterverbands teilnimmt! Sie können sich hier über den Prozess informieren und auch eine Mailingliste zu den wichtigsten Entwicklungen abonnieren.

Außerdem wurde bereits im November die aktualisierte Richtlinie zum Umgang mit sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt verabschiedet. Sie ist nun auch auf Englisch verfügbar. Alle Informationen zum Thema, wie z.B. Beratungsangebote, finden Sie auf der Website NEIN heißt NEIN.

Mit gleich zwei hochaktuellen Schwerpunkten beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs des Teams Zentrale Frauenbeauftragte: Abwehrkräfte gegen Antifeminismus‘ und Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise‘.

Ein Jahr Corona – das ist auch ein guter Anlass, um Sie auf die spannenden Beiträge im #DossierCorona #TransnationalFeminisms hinzuweisen, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe ‚Transnational Feminist Dialogues in Times of Corona Crisis‘ des Margherita-von-Brentano-Zentrums entstanden sind und im Trafo-Blog veröffentlicht wurden.

Kommen Sie gesund durch die nächsten Monate und bis zum nächsten Mal!

Melanie Bittner

Wenn Sie diesen Newsletter direkt von uns erhalten möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de.

 

#Twitterview mit Prof. Dr. Andrea Geier: Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Auf dem Twitter-Account der Toolbox ging gestern ein neues Format an den Start: Das #Twitterview! Wir stellten der Germanistin und Geschlechterforscherin Prof. Dr. Andrea Geier 10 Fragen zu gendersensibler Lehre, digitalen Tools und Wissenschaftskommunikation. Heraus kam ein langes und intensives Gespräch, und wir stellten fest: So schön es ist, ein Interview häppchenweise und live zu verfolgen, so praktisch ist es, den zusammenhängenden Text in Ruhe nachzulesen. Verändert haben wir ihn  kaum, schließlich ist das Gespräch auf Twitter entstanden und so soll es auch aussehen: Da ersetzt ein „&“ mal ein „und“, eine „1“ einen unbestimmten Artikel, da werden Texte verlinkt und Accounts von anderen Nutzer*innen erwähnt.

Uns hat es großen Spaß gemacht, weitere Gespräche sollen folgen. Sagen Sie uns gern: Wie gefällt Ihnen das Format? Mit wem würden Sie gern ein #Twitterview lesen?

Hier nun die komplette Unterhaltung:

Prof. Dr. Andrea Geier: Auf Twitter habe ich mir das Etikett „Komplexitätsdienstleisterin“ gegeben –😎 –  im sogenannten Real Life bin ich seit 2009 Professorin an der Uni Trier für Germanistik und Gender Studies. Für @realsci_DE habe ich mal meinen wissenschaftlichen Weg so beschrieben als Antwort auf die Frage: Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Toolbox: Sehr aufschlussreich! Aber auf Twitter schwindet die Aufmerksamkeit schnell, deswegen: Welches GIF beschreibt Ihr Forschungsgebiet am besten?

Prof. Dr. Andrea Geier: Spontan dachte ich an ‚irgendwas mit Büchern‘, aber habe schlauerweise erstmal auf Twitter gefragt. Mein Favorit aus den Antworten ist

T: Kooperation schätzen wir immer! Damit Einsteiger*innen erst gar nicht auf die Idee kommen, Ihr Fach zu unterschätzen: Welches Buch oder Video würden Sie ihnen empfehlen?

A.G.: Da ich mehr als 1 wissenschaftlichen Hut aufhabe, müsste ich Beispiele für Literaturwissenschaft & Gender Studies nennen. In beiden Fällen sage ich Studierenden, dass sie unbedingt vergleichen sollen. Schon der Blick in verschiedene Inhaltsverzeichnisse ist aufschlussreich! Es ist wichtig, dass man gleich anfangs 1 Eindruck von interdisziplinärer Arbeit an & mit Theorien & Themen bekommt, & zugleich Einblicke in disziplinenspezifische Zugänge & Forschungstraditionen. Konkret: Ich empfehle zB die Einführung in die Gender Studies meiner Trierer Kollegin Franziska Schößler sowie das Handbuch der Gender-Theorien „Gender@Wissen“ & „Gender Studien. Eine Einführung“, beide herausgegeben von Christina von Braun & Inge Stephan.

Vielen Dank für die Tipps! Nun würden wir behaupten, dass etwa die Gender Studies nicht nur Forschungs- und Lehrinhalt sind, sondern auch die Durchführung von Forschung und Lehrveranstaltungen beeinflussen. Deshalb: Was bedeutet gender- und diversitysensible Lehre für Sie?

Auch als Geschlechterforscherin muss man sich klar machen, dass gender- & diversitysensible Lehre nicht automatisch durch die Themen mit ‚abgedeckt‘ ist. Das gibt es schon auch: Wenn ich z.B. über Kanon spreche ->  Kanonkritik -> Gelegenheit, über Lehrmaterial zu reden. Also: Wie organisiere ich Lehrmaterial, welche Forscher:innen & Künstler:innen mache ich sichtbar? Es betrifft die Organisation von Inhalten genauso wie die Kommunikation im Seminarraum (schön auf Zoom z.B. dass Studierende neben dem Namen Pronomina eintragen können). Allerdings gehören auch Rahmenbedingungen dazu, die man nicht als Einzelne*r in der Hand hat. Für 1 möglichst inklusives, barrierefreies Studium braucht es 1 Konzept der Uni zu Infrastruktur etc. Es sind also viele kleine & große Fragen von Anrede bis Ausstattung.

Spannender Hinweis: Ohne strukturelle Bemühungen geht es also nicht. Zur notwendigen Infrastruktur, von der Sie sprechen, gehören seit spätestens einem Jahr auch digitale Kanäle. Für Sie ist das schon lange Alltag. Welche digitalen Tools nutzen Sie für Ihre Arbeit am liebsten?

In der Lehre sind Vorgaben zu beachten & es gibt (immer noch/immer wieder) offene datenschutzrechtliche Fragen, auch deshalb bin ich da nicht sehr fancy unterwegs. Ich setze Zoom & Tools unserer Lernplattform ein. Alles jenseits davon ist nicht verpflichtend für Studierende. Twitter ist für mich auch 1 Tool in der Lehre, & ich ermuntere Studierende seit den digitalen Semestern konsequent, digital was auszuprobieren: Mal statt 1 Text zu schreiben 1 Podcast machen & ihn in die Lernplattform stellen oder wie ich ‚rausgehen‘ & zeigen, was man macht. Im 1. digitalen Semester waren Studierende eher zögerlich, im 2. wurden Arbeitsaufgaben auch auf Twitter & Insta erledigt. Es klappt besonders gut, wenn Studierende das auf Plattformen machen, auf denen sie sowieso unterwegs sind. Da haben sie 1 Community & bekommen Feedback.

Das sind viele tolle Hinweise für Lehrende! Und apropos Feedback: Was würden Sie solchen raten, die sich in ihren Veranstaltungen noch nicht mit Gender & Diversity beschäftigt haben, sich vielleicht noch nicht trauen, aber gern damit anfangen würden? (Für mehr Inspiration, wie insbesondere Twitter für Lehrveranstaltungen genutzt werden kann, empfehlen wir unser Gespräch mit Dr. Levke Harders.)

Wenn 1 Person soweit ist, dass sie anfangen möchte, hat sie beste Voraussetzungen: 1 Interesse & sicher auch 1 Idee, wo sie ansetzen möchte: Geht es um Forschung? Oder um die Organisation der eigenen Lehre? Wie für viele andere Fragen ist hier Teamteaching 1 tolles Tool! In der Forschung fängt man am besten mit Fragen an, die im eigenen Forschungsfeld schon bearbeitet wurden, & unterhält sich mit Expert:innen. Gastvorträge sind dafür 1 sehr niedrigschwelliger & guter Zugang. Meine Empfehlung ist, auf jeden Fall das Gespräch mit anderen Lehrenden über 1 gender- & diversitätssensible Gestaltung von Lehre zu suchen & den Austausch auch an der eigenen Uni/im eigenen Fach zu suchen & selbst mitzugestalten.

An Mitgestaltung sind Sie auch außerhalb des Fachs und Ihrer Uni interessiert, etwa in Interviews für  den Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur oder in Beiträgen für 54books. Oft geht es dabei um die viel beschworene „Cancel Culture“ und um Identitätspolitik. Warum polarisieren diese Themen so?

An diese Begriffe binden sich mittlerweile grundsätzliche Gesellschaftsdiagnosen der Gegenwart. Dabei geht es eigentlich um wichtige Werte, aber die Prämissen von #CancelCulture oder das Verständnis von Identitätspolitik sind teilweise stark verkürzt bis falsch. Haben sich falsche Problembeschreibungen & Kampfbegriffe – #CancelCulture – einmal etabliert, haben solche Debatten 1 Tendenz sich zu verselbstständigen. Man muss immer wieder versuchen, Ruhe reinzubringen & dazu auffordern sich anzusehen, worum es tatsächlich gehen sollte.

Auffällig ist, dass Personen wie Sie, die sich um eine differenzierte Debatte bemühen, dabei aber die Gender Studies klar verteidigen, immer wieder mit Häme und Hass konfrontiert werden. Wie kann sich das aus Ihrer Sicht ändern? (Für alle Mitlesenden: Die Debatten um #CancelCulture oder Identitätspolitik lassen sich natürlich nicht in zwei Tweets abhandeln. Aber keine Sorge, ausführliche Beiträge von Andrea Geier dazu verlinken wir am Schluss)

Es braucht 1 Bündel von verschiedenen Aktionen: Wichtig wäre, dass es mehr institutionelle Unterstützung gäbe: Ressourcen, Anerkennung, & natürlich auch Schutz bei Angriffen. Gerade wer #wisskomm auf Social Media macht, wird von Unis noch selten angemessen unterstützt. Diffamierende Fremdbilder darf man nicht zu sehr an sich ranlassen. Wer dich hasst nur weil du Geschlechterforscher:in bist, hat garantiert nichts von dir gelesen & ist auch einfach nicht dein Zielpublikum. #wisskomm soll zugänglich sein, aber immer mit Selbstschutz! Geschlechterforscher:innen müssen öffentlich viel zu oft aus 1 Verteidigungshaltung heraus agieren. Das kann 1 Person nicht ändern. Aber man kann sich sichtbar machen. Dafür öffnet insbesondere Social Media neue Wege. Das kann gute Anschlusskommunikationen erzeugen!

Wie bei der Lehre gilt also: Ein starker institutioneller Rahmen ist gefragt. Auch beim Stichwort „Sich sichtbar machen“ sind wir neugierig auf Ihre Expertise: Wie sieht gelungene Wissenschaftskommunikation (#wisskomm) für Sie aus, gerade in den Gender Studies?

Möglichst viele verschiedene Geschlechterforscher:innen sollten öffentlich präsent sein & ihre Expertise, auch disziplinär spezifisch, sichtbar machen! Interdisziplinarität zeichnet die Gender Studies aus, ist aber öffentlich auch 1 Kommunikationsproblem, denn: Gender Studies werden oft als homogen wahrgenommen. Daher wäre mehr disziplinäre Vielfalt zu sehen gut & – auch wenn das paradox klingt – mehr wissenschaftliche Kontroverse. Mehr Raum für den Austausch von Argumenten vor interessiertem Publikum, das täte gut. Dazu braucht es auch 1 Wissenschaftsjournalismus, der die öffentliche Auseinandersetzung über Gender Studies informiert zum Thema macht. & wir brauchen allgemeiner Räume, in dem wir nicht aus 1 Defensive heraus sprechen müssen. Das ist in Interviews oft der Fall.

Die schauen wir uns alle an! Dann bleibt uns nur noch zu sagen: Vielen, vielen Dank  @geierandrea2017 für Ihre Zeit und Ihr Wissen, es war uns ein Fest!

🙏

Wie versprochen folgen jetzt die Links zu weiteren Ressourcen. Allen, die mehr von Andrea Geier lesen, hören, lernen wollen, sei etwa dieses Interview ans Herz gelegt, außerdem ihr YouTube-Kanal mit Vorlesungsmitschnitten und Vorträgen zu Wissenschaftskommunikation oder dieser ihr Open-Access-Artikel „Logik und Funktion von Misogynie. Probleme und Perspektiven“ in der Fachzeitschrift „Ethik und Gesellschaft“.

 

Dokumentation der Online-Podiumsdiskussion „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ vom 15.12.20

 

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es? 

Die Podiumsdiskussion am 15.12.20, bei der diese Fragen diskutiert wurden, war Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies. Dieser fand 2020 bereits zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember statt. Beim Wissenschaftstag #4GenderStudies geht es darum, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies/Geschlechterforschung sichtbarer zu machen. 2020 beschäftigten sich die Angebote der Berliner Hochschulen mit dem Themenschwerpunkt Rassismus.

Die Podiumsdiskussion war außerdem der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021. Sie wurde von Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisiert, um zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen beizutragen und Räume zu schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität Berlin entwickelt werden können.

 

Die Expert*innen auf dem Podium

AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch:
Santiago Velez Vargas studiert Politikwissenschaft an der OSI, ist Mitgründer des BIPoC Referat des AStA und Mitbegründer der Hochschulgruppe „Decolonize FU“
Nataly Castillo Bennett macht den Master in Interdisziplinäre Lateinamerikanische Studien am LAI der FU. Nataly ist hochschulpolitisch aktiv seit 2018 und ist Mitbegründerin und Vertreterin des BIPoC Referat in der ersten Legislaturperiode (2019-2020). Außerdem ist Nataly Beraterin für Internationale und BIPoC Studierende
Naledi Mmoledi studiert Politikwissenschaft am OSI. Naledi ist hochschulpolitisch aktiv seit 2018. Auch Naledi ist Mitbegründerin und Referentin des BIPoC Referats an der FU Berlin und Beraterin für internationale Studierende und BIPoC Studierende

Mohamed Amjahid hat an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften studiert. Er ist freier Journalist und Buchautor. Amjahid arbeitet für verschiedene Medien, unter anderem für die ZEIT, den Spiegel und die taz. Sein neues Buch „Der weiße Fleck. Eine Anleitung zu antirassistischem Denken“ erscheint im März 2021 im Piper-Verlag.

Dr. Denise Bergold-Caldwell ist wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg). Sie interessiert sich für Schwarze Feministische Theorie, kritische post- und dekoloniale Theorien, sowie für Bildungstheorie(n). Sie ist aktiv in sozialen Bewegungen, z.B. der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland.

Dr. Doris Liebscher ist Juristin mit den Schwerpunkten: Antidiskriminierungsrecht, feministische Rechtswissenschaft und rassismuskritische Rechtswissenschaft. Sie ist seit September Leiterin der LADG-Ombudsstelle, zuständig für Beschwerden nach dem LADG. Sie war vorher 8 Jahre wissen-schaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt Law Clinic Grund- und Menschenrechte an der Juristischen Fakultät der HU Berlin.

Saboura Naqshband ist Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in und Empowermenttrainer*in. Saboura ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter*in am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Dozent*in für Intersektionale Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin, Mitbegründer*in des „Berlin Muslim Feminists“ Kollektivs, sowie (u)nd Mitglied des postkolonialen Bildungslabs „b*lab“. Saboura arbeitet aktivistisch und akademisch zur Intersektion von Religion, Geschlecht und Sexualität, sowie zu (antimuslimischem) Rassismus und Dekolonisierung. Außerdem forscht sie zur sozialen und politischen Teilhabe von Migrantisierten, BIPoC und Geflüchteten in Deutschland; gegenwärtig ist sie an einer Pilotstudie zu Karrierewegen von BIPoC-Wissenschaftler*innen in der Migrationsforschung beteiligt.

 

Publikationen von und mit den Panelist*innen (Auswahl):

Amjahid, Mohamed. 2021. Der weiße Fleck: Eine Anleitung zu antirassistischem Denken. München: Piper.

Amjahid, Mohamed. 2017. Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein. Berlin: Hanser Berlin.

Bergold-Caldwell, Denise; Georg, Eva. 2017. Bildung postkolonial?! – Subjektivierung und Rassifizierung in Bildungskontexten. Eine Problematisierung pädagogischer Antworten auf Flucht, Migration. In: Mai, Hanna; Merl, Thorsten; Mohseni, Maryam (Hg.): Differenzverhältnisse in der Pädagogik: Machtkritische Perspektiven erziehungswissenschaftlicher Forschung und pädagogischer Praxis. Wiesbaden: Springer VS, S. 69-89.

Kuria, Emily Ngubia. Übers. Naqshband, Saboura. 2015. Eingeschrieben: Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen. Insel Hiddensee: w_orten & meer.

Klose, Alexander; Liebscher, Doris. 2015. Antidiskriminierungspolitik in der deutschen Einwanderungsgesellschaft. Stand, Defizite, Empfehlungen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann-Stiftung.
hier abrufbar

Naqshband, Saboura et al. 2019. Selbstorganisation und feministische Arbeit im Kontext von Migration. In: International Women* Space e.V. (Hg.): Als ich nach Deutschland kam, Gespräche über Vertragsarbeit, Gastarbeit, Flucht, Rassismus und feministische Kämpfe. Münster: UNRAST-Verlag, S. 151-174.

Parbey, Celia. 15.12.2020. Brauchen Schwarze Frauen ein bestimmtes Äußeres, um aufzusteigen? (Interview mit Denise Bergold-Caldwell auf zeit.de).
hier abrufbar.

 

Weitere Literaturhinweise aus der Podiumsdiskussion:

Arndt, Susan; Eggers, Maureen Maisha; Kilomba, Grada; Piesche, Peggy (Hrsg.). 2017. Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: UNRAST-Verlag.

Diehl, Claudia; Fick, Patrick. 2016. Ethnische Diskriminierung im deutschen Bildungssystem. In: Diehl, Claudia, Hunkler, Christian, Kristen, Cornelia (Hrsg.): Ethnische Ungleichheiten im Bildungsverlauf. Mechanismen, Befunde, Debatten. Wiesbaden: Springer VS, S. 243-286.

Gomolla, Mechthild; Radtke, Frank-Olaf. 2009. Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Wiesbaden: Springer VS.

Smith, Linda Tuhiwai. 2017. Decolonizing Methodologies: Research and Indigenous Peoples. London: Zed Books.

 

Vernetzung und weitere Hinweise

Gerne ergänzen wir weitere Inititativen von Studierenden oder Instituten an der FU, die gegründet wurden.

AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color: Dieses Referat hat sich zum Ziel gesetzt, einen „safer space“ für Schwarze Studierende und Studierende of Color zu gestalten sowie Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten zu schaffen.

Beratung für Internationale Studierende und Studierende of Color: Der AStA unterstützt hier insbesondere bei Fragen von Leistungsanerkennungen und Studienzulassungen für ausländische Studierende.

„Nein heißt Nein!“ – Anlaufstellen bei Vorfällen sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt: Diese FU-Seite sammelt interne und externe Anlaufstellen, an die Betroffene von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt sich wenden können. Einige davon verfolgen dabei einen explizit antirassistischen und queerfreundlichen Ansatz und bieten ihre Beratung in vielen Sprachen an, so etwa GLADT e.V. oder die Frauenberatung TARA.

LADG-Ombudsstelle: Hier können Diskriminierungen auf Basis des LADG (Landesantidiskriminierungsgesetz) gemeldet werden. Auf Wunsch beraten die LADG-Ombudsstelle und die Berliner Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) auch zum weiteren Vorgehen nach dem Vorfall.

 

 

Rassismuskritisch lehren und lernen – Workshop mit Ayla Satilmis am 19.03.21

Rassismus ist allgegenwärtig und als ein institutionelles Problem im Bildungssystem vielerorts vorzufinden. So gibt es auch im Wissenschaftsbetrieb institutionellen Rassismus, der sich beispielsweise in der mangelnden Diversität von Lehrenden und an eurozentrischen Wissenschafts- und Forschungsperspektiven zeigt sowie bei Lehrinhalten und -materialien zum Vorschein kommt. 

In diesem Workshop geht es darum, die Hochschule aus einer rassismuskritischen Perspektive zu betrachten und ein Bewusstsein für Antidiskriminierung im Lehr-Lern-Alltag zu entwickeln. Zentral befassen wir uns mit der Frage: Wie kann rassismuskritisches Lehren und Lernen aussehen? 

In einer Kombination von Theorie, anwendungsorientierten Inputs und Reflexion gehen wir dieser Frage nach und werden uns dabei mit verschiedenen Facetten von Rassismus im Hochschulkontext auseinandersetzen, intersektionale Herausforderungen diskutieren und kritisches Weiß-Sein im Lehr-Lern-Setting reflektieren. Der Workshop bietet Raum für Austausch und Denkanstöße für rassismuskritische, diversitätsbewusste Lehr-Lern-Bedingungen. Vermittelt werden konkrete Ideen zur Gestaltung (digitaler) Lehre und Beratung im Lichte der Antidiskriminierung, die mit zentralen Prinzipien guter Lehre verknüpft werden. 

Bitte beachten:

  • Der Workshop beinhaltet eine Vorbereitungsaufgabe, die Sie eine Woche vorher zugeschickt bekommen und für deren Bearbeitung Sie 60 Minuten einplanen sollten.  

Ziele: 

  • Auseinandersetzung mit rassismuskritischen und intersektionalen Perspektiven im Hochschul- und Wissenschaftskontext 
  • Vermittlung rassismuskritischer Handlungskompetenzen in der Lehrgestaltung und Beratung 
  • Reflexion und Erarbeitung rassismuskritischer, diversitätssensibler Lehr- und Lernszenarien 

Trainerin:

Ayla Satilmis, Politikwissenschaftlerin mit langjährigen Lehr- und Forschungserfahrungen an der Universität Bremen sowie freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Antidiskriminierung, Rassismuskritik, Demokratisierung des Wissenschaftsbetriebs sowie diversitätssensible und partizipative Lehr-Lern-Formate; Kontakt: satilmis@uni-bremen.de

Anmeldung:

Bitte mit Angabe des Fachs, in dem Sie an der Freien Universität Berlin lehren, unter kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de

Zeit & Ort

19.03.2021 | 09:00 – 15:00

Online-Workshop

„Gleichstellung ist…“ – Twitter-Aktion zum 8. März

„Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Erst recht!“ 

Clara Zetkin (1857-1933), Frauenrechtlerin , Kommunistin und Wegbereiterin des Frauentags in Deutschland

Dass Frauen wählen und die politische Zukunft ihres Landes mitbestimmen können: Anfang des 20. Jahrhunderts war das die zentrale Forderung sozialistischer Feministinnen in Europa. Ein Frauentag sollte bei der Propagierung dieses Ziels helfen. In vielen Ländern wurde dies 1918 zumindest teilweise erreicht. Doch die Ungleichbehandlung endete nicht an der Wahlurne: Frauenrechtlerinnen kämpften auch für das Recht auf freie Berufswahl, Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohneinbußen, Schulspeisungen für Kinder oder legale Schwangerschaftsabbrüche.

Während etwa das Wahlrecht für Frauen mittlerweile selbstverständlich scheint, kommen einige der mindestens 100 Jahre alten Forderungen erstaunlich aktuell daher. Die Mehrfachbelastung von Frauen durch Sorge- und Lohnarbeit, die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz sind noch heute Thema. Fakt ist: Ausschlussmechanismen auf Basis des Geschlechts wirken fort. Weil dies für die ganze Gesellschaft gilt, sind auch Hochschulen nicht frei von diesen strukturellen Barrieren.

An deren Abbau arbeiten Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte seit den 1990er Jahren . Anlässlich des 8. März möchten wir ihre Tätigkeiten, Positionen und Angebote in dieser Woche sichtbarer machen. Deshalb übernimmt der Bereich der Zentralen Frauenbeauftragten diese Woche unseren Twitter-Account und organisiert dort eine besondere Aktion: Jeden Tag vervollständigen (dezentrale) Frauenbeauftragte unterschiedlicher Fachbereiche sowie andere gleichstellungpolitische Akteur*innen der FU den Satz „Gleichstellung bedeutet…“. Dabei setzen sie ihre eigenen Schwerpunkte, machen auf intersektionale Verschränkungen oder gesellschaftliche Verantwortlichkeiten aufmerksam. Zu den Aussagen gesellen sich im Laufe der Woche Zitate inspirierender, feministischer, mit der FU verbundener Persönlichkeiten wie Margherita von Brentano und Audre Lorde.

Die Beschäftigung mit Diskriminierung, gesellschaftlichen Ausschlüssen und institutionellen Hindernissen kann deprimieren . Sie kann aber auch mutig, sogar kämpferisch stimmen, und an Clara Zetkin erinnern: „Erst recht!“

Erzählen Sie uns: Wie würden Sie „Gleichstellung bedeutet…“ vervollständigen? Wir freuen uns über Likes, Retweets, Kommentare auf Twitter oder hier im Blog, und wünschen einen inspirierenden 8. März!

Quiz: Institutionalisierung Gender & Diversity

Update: Quizfragen lassen sich auch in Blackboard einbinden! Sie eignen sich hervorragend als dynamischer Einstieg für die Lehrveranstaltung, als Auflockerung nach Input-Phasen oder als Impulsgeber für Diskussionen.

Wie es geht, können Sie in dieser bebilderten Anleitung nachlesen.
Auf Ihrer Webseite können Sie die Inhalte mit dem „Embed“-Button per iFrame einbinden. Verzerrungen in der Darstellung sind möglich, überprüfen Sie die Nutzbarkeit deshalb bitte vor der Verbreitung.

Dass Frauen wählen und promovieren dürfen, dass es diverse Anlaufstellen für geschlechterbezogene, rassistische oder behindertenfeindliche Diskriminierung gibt – all das mag im Jahr 2021 selbstverständlich erscheinen. Oft ist es aber noch gar nicht so lange her, dass diese Grundrechte in Deutschland gesetzlich verankert wurden, und es bleibt viel zu tun. In unserem Quiz, „Institutionalisierung Gender und Diversity“, das wir Ihnen heute in aktualisierter und überarbeiteter Form vorstellen, können Sie Ihr vorhandenes Wissen testen und neues erwerben. Eine englischsprachige Version und ein weiteres Quiz folgen bald.

Viel Erfolg!

Version Februar 2021. Soweit nicht anders gekennzeichnet, ist dieses Werk unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz lizensiert.

Maximalpräsenz in Homeoffice und Kinderzimmer – eine studierende Mutter berichtet.

Wie sieht der Alltag studierender und berufstätiger Eltern unter Corona-Bedingungen aus? Ein Erfahrungsbericht von Anna Helfer, ehemalige Mitarbeiterin im Team Zentrale Frauenbeauftragte und Doktorandin am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin. Dieser Beitrag erschien zuerst im Wissenschaftlerinnen-Rundbrief.

Angesichts der veränderten Arbeitsbedingungen durch die Corona-Pandemie forderte die Landeskonferenz der Frauenbeauftragten an Berliner Hochschulen (LaKoF) Anfang April eine Entlastung, insbesondere für Familien, durch Arbeitgeber*innen. In der Stellungnahme heißt es, dass sich Familien mit der bundesweiten Kita- und Schulschließung von einem auf den anderen Tag mit einer extremen Mehrfachbelastung konfrontiert sahen: der Betreuung von Kita-Kindern und dem Homeschooling von Schulkindern bei gleichzeitiger Lohnarbeit, die auch in nicht-systemrelevanten Berufen vor täglichen Anforderungen und Deadlines nicht Halt macht.

Die Maßnahmen der Berliner Senatsverwaltung sahen in erster Linie individuelle Lösungen vor

Diese umfassten beispielsweise die Nutzung von mobilem Arbeiten, Ausgleich von Überstunden, Regel- oder Erholungsurlaub. Erst wenn diese Maßnahmen ausgeschöpft seien, bestehe ein Anspruch auf eine 10-tägige Freistellung gemäß § 29 Absatz TV-L. Aber auch die zu diesem Zeitpunkt veranlassten Regelungen stellten keine langfristigen Lösungen dar, die der ungewissen Dauer der neuen Arbeitssituation durch COVID-19 Rechnung trugen. In ihrer Stellungnahme forderten die LaKoF und Berliner Frauenverbände daher Unternehmens-, Hochschul- und Behördenleitungen auf, „die Beschäftigten im Homeoffice mit Familienverpflichtungen soweit wie möglich zu unterstützen und die geltenden Regelungen großzügig auszulegen und anzuwenden“. Dass es sich hierbei lediglich um eine Empfehlung handelt, wird spätestens dann jeder Familie – und besonders berufstätigen Alleinerziehenden – bewusst, wenn man vor der Aufgabe steht, aus dem Stand Lösungen für die Bewältigung von Beruf und gleichzeitiger Kinderbetreuung zu finden.

Als Mutter von zwei Kleinkindern, Studierende, studentische Mitarbeiterin und direkt Betroffene von der Schließung der Kitas fragte ich mich, wie wir als Familie in Absprache mit unseren Arbeitgeber*innen die Stellungnahme in konkrete Empfehlungen umsetzen können. Wie genau sieht ein Alltag zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung aus, wie können Eltern den Anforderungen beider Bereiche gerecht werden? Inwieweit kann man auf die Unterstützung von Arbeitgeber*in, Vorgesetzten und Kolleg*innen zählen?

Plötzlich brach nicht nur die Kitabetreuung, sondern auch unser soziales Netzwerk weg

Wie viele andere Familien auch, mussten mein Partner und ich unseren Alltag in kürzester Zeit umstrukturieren und überlegen, wie wir Arbeit und Kinderbetreuung miteinander vereinen können. Unsere Kinder waren bei Beginn des Lockdowns und der Kitaschließung ein und drei Jahre alt. Zuvor wurden sie dort von Montag bis Freitag von 8:30 bis 15 Uhr betreut. Mein Partner ist mit 40 Stunden in der freien Wirtschaft (Film) fest angestellt. Ich war zu diesem Zeitpunkt Vollzeitstudentin und zudem als studentische Mitarbeiterin mit 10 Wochenstunden an der Freien Universität beschäftigt.

Das Abholen der Kinder aus der Kita und die Nachmittagsbetreuung teilten wir uns für gewöhnlich mit Unterstützung aus unserem Familien- und Bekanntenkreis auf. Mit dem Ausbruch von Corona brach daher nicht nur plötzlich die Kitabetreuung, sondern auch unser Familien-Freund*innen-Netzwerk weg.

Die von der Bundes- und Landesregierung veranlassten Maßnahmen und Empfehlungen, soziale Kontakte zu minimieren, bedeuteten für uns im Konkreten, dass die Großmutter, die einmal in der Woche die Enkelkinder von der Kita abholt und auch öfters in Krankheitsfällen einspringt, unerwartet ausfiel – ebenso wie die Babysitterin oder Freund*innen.

Wie also sollten wir es schaffen, unsere 30- bis 40-Arbeitsstundenwoche und Vollzeitkinderbetreuung ohne Unterstützung zu organisieren?

Die LaKoF argumentiert zu Recht, dass diese Anforderungen kaum zu bewältigen sind und daher Eltern mit Sorgepflicht entlastet werden müssen. Aber wie? In unserer Familie musste mein Partner und Vater der Kinder weiterhin an drei Tagen in der Woche zur Arbeit gehen, an denen ich mich folglich um die Kinder kümmern musste. An zwei Tagen der Woche arbeitete er im 8 Homeoffice und betreute die Kinder vormittags. Diese zwei Tage Homeoffice, inklusive der freigestellten Zeit für die Kinderbetreuung (8 Stunden/Woche), war Ergebnis eines Gespräches meines Partners mit seinen Vorgesetzten, das er von sich aus anstoßen musste. Trotz der zeitlichen Freistellung blieben für ihn der Arbeitsdruck und die zeitlichen Deadlines weiterhin bestehen – auch in der Zeit, in der er die Kinder betreute. So stand er des Öfteren vor der Herausforderung, E-Mails schreiben und Telefonate führen zu müssen, während die Kinder um ihn herumsprangen. Spätestens hier zeigte sich für uns auch die falsch verstandene Idee von Homeoffice.

Nicht immer sieht das Leben mit Kindern so harmonisch aus – schon gar nicht bei einer Mehrfachbelastung der Eltern. (Foto: A. Helfer)

Wenn die Landes- und die Bundesregierung die Vereinbarkeit von beruflicher Tätigkeit sowie Betreuungs- und Sorgepflicht mit dem mobilen und flexiblen Arbeiten erfüllt sehen, dann haben sie vergessen, wie ein Alltag mit kleinen Kindern tatsächlich aussieht und wie wenig „flexibel“ Kinder sind: Aufstehen, Frühstück, Windelwechseln, Anziehen, Zähneputzen – und weil kleine Kinder schnell ungeduldig werden, ist es gut, oft und regelmäßig das Haus zu verlassen für Spaziergänge mit Laufrad und Kinderwagen durch den Park und Kiez – Spielplätze waren geschlossen; danach Mittagessen vorbereiten, essen, Mittagsschlaf inklusive Vorsingen und Vorlesen. Durchatmen. Ein bisschen arbeiten. Dann entweder spielen, basteln, malen oder rausgehen, Abendessen vorbereiten, Zähneputzen, Schlafanzug anziehen und ins Bett bringen mit Gutenachtgeschichte vorlesen. Durchatmen und dann arbeiten? Wenn ich mich nicht gerade selbst um 20 Uhr nach 12 Stunden Betreuungs- und Haushaltsarbeit in den Schlaf gesungen habe, dann hatte ich bestimmt keine Energie oder Kapazitäten mehr, auch nur irgendetwas zu machen, außer auszuruhen. Wann und wieviel Zeit bleibt also an so einem Tag für die berufliche Arbeit?

Unsere Familiensituation zeigt, wie die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vor allem mich als Frau traf

Ein konzentriertes Arbeiten gelang mir meist nur in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr, wenn die Kinder noch schliefen. Allein der Versuch, mich während des Tages kurz an meinen Laptop zu begeben, löste bei den Kindern Protest aus, der es mir unmöglich machte, meiner Arbeit mit voller Aufmerksamkeit nachzugehen. Die Male, die ich notgedrungen gemeinsam mit meinen Kindern an einer Videokonferenz teilnahm, waren für mich unmöglich zu handhaben. Die Kinder forderten meine Aufmerksamkeit: Sie sind auf mir herumgeklettert, haben am Laptop die Tasten gedrückt, irgendwann wollten sie nicht mehr und fingen an zu quengeln. Die Unmöglichkeit zu arbeiten, fing ich in den ersten Wochen damit auf, dass ich Erholungsurlaub und die von der Freien Universität gewährte 10-tägige Freistellung in Anspruch nahm. An die Arbeit für das Studium setzte ich mich frühmorgens an den zwei Vormittagen in der Woche, an denen mein Partner die Kinder betreute, und am Wochenende. Dennoch, es war zu wenig Zeit, um Studium und Job gerecht zu werden. In unserem Fall lag das auch daran, dass ich sehr viel mehr Betreuungsverantwortung übernehmen musste als mein Partner.

Wie auch in der LaKoF-Stellungnahme formuliert, zeigt sich an unserem Familienbeispiel, wie die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vor allem mich als Frau traf. Zwar bemühte sich der Arbeitgeber meines Partners um eine familiengerechte Lösung, die allerdings in der Praxis aufgrund der fortdauernden Arbeit und der durch Corona erhöhten Furcht vor finanziellen Einbußen bzw. dem Arbeitsplatzverlust nicht ausreichend funktionierte.

Gesellschaftliche Probleme, individuelle Lösungen

Im Gegensatz zu dem Plädoyer der LaKoF, dass Sorgeverpflichtung keine ausschließlich private Angelegenheit sein darf, sahen wir uns letztendlich mit einem Problem konfrontiert, welches wir individuell lösen mussten. Dank der Unterstützung meiner Kolleginnen empfand ich in meinem Arbeitszusammenhang nicht den gleichen Arbeitsdruck wie mein Partner. Sie bestärkten mich darin, nur so viel und so flexibel zu arbeiten, wie es mir unter den aktuellen Umständen möglich war. Dennoch plagte mich in der Zeit das schlechte Gewissen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass wir die Arbeitssituation meines Partners auf dem Rücken meiner Arbeitskolleginnen austrugen.

Ich war grundsätzlich sehr verunsichert darüber, wie ich die Aussagen meiner Kolleginnen und auch die Stellungnahme der LaKoF für mich begreifen und umsetzen könnte. Ich arbeitete daher sehr flexibel und holte angesammelte Unterstunden am Wochenende, an Feiertagen, im Sommerurlaub und nach dem Ende der Kitaschließzeit nach. Das war in einigen Wochen mal mehr und mal weniger, bot mir jedoch die Möglichkeit, die Situation handhaben und der Fürsorgepflicht meinen Kindern gegenüber weiterhin verantwortungsvoll gerecht werden zu können.

Was bei der Diskussion um die Vereinbarkeit von Arbeit und Betreuung in Corona-Zeiten zu kurz kommt, ist das Wohl der Kinder und die Rolle, die Kitas und Erzieher*innen dafür spielen. Für unsere Kinder war die Situation sehr ungewohnt und auch schwierig. Als Eltern war es uns daher wichtig, unseren Kindern weiterhin einen an die Kita angelehnten strukturierten Alltag zu ermöglichen.

Wie systemrelevant ist die Beaufsichtigung, Erziehung und Förderung von Kindern?

Für uns beinhaltete das folglich, auch die Funktion der Kita in der neuen Situation zu übernehmen. Genauer bedeutete dies, die Kinder nicht einfach nur zu beaufsichtigen, sondern sie im Sinne der frühkindlichen Bildung (Sprachentwicklung, Motorik/Bewegung, Kreativität, Sozialverhalten) zu betreuen und zu fördern. Für uns zeigte sich an der allgemeinen Diskussion um Homeoffice und Kinderbetreuung auch die fehlende Wertschätzung für Kita-Betreuung und Erziehung. Diese steht offensichtlich in keinem Verhältnis zu ihrer gesellschaftlichen – und systemrelevanten – Bedeutung für Kindererziehung. Ich bin daher zu dem Schluss gekommen, dass die Parallelität von Homeoffice und Kinderbetreuung nicht funktioniert, weder Beruf noch Kindern gerecht werden kann. Mit der Unterstützung meiner Kolleginnen konnte ich meinen Kindern jedoch einen halbwegs kindgerechten Alltag ermöglichen, wofür ich sehr dankbar bin.

„Abwehrkräfte gegen Antifeminismus“ – Neuer Wissenschaftlerinnen-Rundbrief erschienen!

Die Pandemie trifft alle, aber sie trifft nicht alle gleich. Gerade Familien mit kleinen Kindern, Betroffene von häuslicher Gewalt oder Pflegekräfte erlebten zuletzt oft enorme zusätzliche Belastungen – nicht nur in Deutschland. Ohne einen feministischen Blick auf die Krise blieben solche Perspektiven oft außen vor. Auch deshalb haben unsere Kolleg*innen im Bereich der Zentralen Frauenbeauftragten diesem Thema einen Schwerpunkt im aktuellen „Wissenschaftlerinnenrundbrief“ gewidmet.

Dieser erschien im Dezember als Doppelausgabe und trägt den Titel „Abwehrkräfte gegen Antifeminismus“. Wo das Coronavirus viele bereits bestehende gesellschaftliche Probleme weiter verstärkt hat – etwa den Pflegenotstand und den Care-Gap – sind andere Ausschlussmechanismen in den Hintergrund geraten. Das neue Heft nimmt sich in einem zweiten Schwerpunkt deshalb dem Thema „Antifeminismus von rechts“ an. Wie legitimiert er sich, wie funktioniert er an der Hochschule und was lässt sich ihm entgegensetzen? Diese und weitere Fragen diskutieren renommierte Autor*innen auf fast 30 Seiten.

Die aktuelle und ältere Ausgaben zu spannenden Themen wie „Klimawandel und Geschlechterverhältnisse“ oder „Geschlechterverhältnisse in der Mathematik“ kann auf der Seite der Zentralen Frauenbeauftragten kostenlos heruntergeladen werden. Einzelne Beiträge werden außerdem gesondert auf diesem Blog veröffentlicht.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Online-Podiumsdiskussion zu „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“ am 15.12.2020

Welche Rolle spielen Hochschulen im aktuellen Diskurs über Rassismus? Wie wirkt institutioneller Rassismus an Hochschulen? Welche antirassistischen Forderungen und Initiativen gibt es?

Das Margherita-von-Brentano-Zentrum und die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ laden alle Mitglieder der Freien Universität Berlin sowie weitere interessierte Personen zu einer Podiumsdiskussion ein, bei der diese Fragen thematisiert werden. Sie soll der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe zu (Anti-)Rassismus an Hochschulen im Sommersemester 2021 sein. Mit diesem Angebot möchten wir zur dringend notwendigen Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen im Hochschulkontext beitragen und Räume schaffen, in denen Wege zur Stärkung von Antidiskriminierung an der Freien Universität entwickelt werden können. 

Die Podiumsdiskussion ist Teil der Aktivitäten zum Wissenschaftstag #4Gender Studies, der nun zum vierten Mal deutschlandweit rund um den 18. Dezember stattfindet. Er verfolgt das Anliegen, die Bandbreite der Themen, Forschungsergebnisse und Akteur*innen der Gender Studies sichtbarer zu machen. Dieses Jahr beschäftigen sich die Angebote in Berlin mit dem Themenschwerpunkt „Institutioneller Rassismus“. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

Es diskutieren:

  • AStA Referat für Schwarze Studierende und Studierende of Color, vertreten durch Naledi Maskia Mmoledi (Politikwissenschaft), Santiago Velez Vargas (Politikwissenschaft) und Nataly Castillo Bennett (Lateinamerikastudien)
  • Mohamed Amjahid (Politikwissenschaftler, Journalist und Autor)
  • Dr. Denise Bergold-Caldwell (Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung an der Philipps-Universität Marburg)
  • Dr. Doris Liebscher (Juristin, Leiterin der Ombudsstelle der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung)
  • Saboura Naqshband (Politikwissenschaftler*in, Sozial- und Kulturanthropolog*in, Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) 

Veranstalterinnen:

Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum)

Organisatorische Informationen:

Die Podiumsdiskussion findet in Webex-Events statt. Sie können sich über einen moderierten Chat an der Diskussion beteiligen. Bitte melden Sie sich bis zum 13.12. über das Anmeldeformular für die Veranstaltung an. Den Webex-Link erhalten Sie dann wenige Tage vor der Podiumsdiskussion.

Toolbox-Newsletter Nr. 7 – WiSe 2020/21

Wir alle starten in das zweite Semester mit weitgehend digitalen Lehrveranstaltungen. Viele Aspekte gender- und diversitätsbewusster Didaktik lassen sich von der Präsenzlehre auf die digitale Lehre übertragen. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, wie die Vor- und Nachteile von asynchroner und synchroner Lehre, sowie zusätzliche Herausforderungen durch die Pandemiebedingungen. Deshalb haben wir eine Sammlung erstellt, die Ihnen die gender- und diversitätsbewusste Planung und Durchführung von digitalen Lehrveranstaltungen erleichtern soll. Sie finden dort:

  • wichtige Angebote und Regelungen der Freien Universität Berlin wie den Code of Conduct für die digitale Lehre oder die Option zur Namensänderung für Studierende in Webex und Blackboard
  • Handreichungen für die digitale Lehre, z.B. zur Förderung respektvoller Kommunikation oder Barrierefreiheit
  • online verfügbare Materialien (Open Educational Resources) und Texte für die Lehre

Die Toolbox-Website wurde außerdem um eine Seite zu Gender Sensitivity in English erweitert. Das Englische wird häufig als genderneutrale Sprache wahrgenommen, obwohl es z.B. bei der Verwendung von Berufsbezeichnungen, Titeln und Pronomen zu Ausschlüssen und Stereotypisierung kommen kann. Informieren Sie sich, wie Sie auch auf Englisch genderbewusst kommunizieren können.

Für Lehrende der Freien Universität bieten wir regelmäßig Workshops zur Erweiterung ihrer Gender- und Diversitykompetenz an. Am 24.11.20 findet in Kooperation mit SUPPORT für die Lehre eine Halbtagsworkshop „(Digitale) Lehre gender- und diversitätsbewusst gestalten“ statt. Wenn Sie einen Eindruck von unseren Angeboten bekommen möchten, lesen Sie den Beitrag einer Teilnehmerin „Nichts ist neutral!“ im Online-Magazin campus.leben. Außerdem wird im laufenden Semester ein Tagesworkshop zu „Rassismuskritischer Hochschullehre“ stattfinden. Der genaue Termin wird noch festgelegt.  Wenn Sie uns eine E-Mail schreiben, informieren wir Sie gerne, sobald der Termin feststeht. Darüber hinaus führen wir Workshops und Präsentationen auch auf Anfragen durch, z.B. für Tutor*innen, Arbeitsbereiche oder Kollegs. Kontaktieren Sie uns gerne!

NEIN heißt NEIN! Am 25. November wird jährlich der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Aus diesem Anlass findet in diesem Jahr zum zweiten Mal der FU-weite Beratungstag statt, der von der Geschäftsstelle der AG Gegen Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt organisiert wird. Wir beteiligen uns an diesem wichtigen Angebot und beraten insbesondere zu Anliegen aus dem Bereich Lehre.

Save the date

15.12.20, 16-17.30 Uhr: Podiumsdiskussion „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“

Die Veranstaltung wird von Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisiert.

Kommen Sie gut durch die nächsten Monate!

Die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ verschickt pro Semester 1-2 Newsletter per E-Mail. Die Newsletter informieren beispielsweise über neue Inhalte auf der Homepage der Toolbox und über anstehende Termine.
Wenn Sie Interesse am Newsletter der Toolbox haben, schicken Sie uns bitte eine E-Mail an  kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de. Wir speichern Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse und ggf. ihren Arbeitsbereich an der FU in einer Excel-Datei und nutzen Ihre Daten ausschließlich für die Verschickung des Newsletters.
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