Practicing Academic Kindness in the Classroom

by guest author Philipp Schulz

This text was first published on the blog „Duck of Minerva“ on February 17, 2020. The blog focuses on world politics from an academic perspective. We thank the author and publishers for the opportunity to share this article on our Toolbox-Blog.

Academic competitiveness and pettiness is alive and real. From expediting demands of the competitive academic job market, disrespectful peer review comments, to micro-aggressions and open hostilities at conferences – in particular to early career, women and/or people of colour scholars – there seem to be countless examples for an acute absence of kindness and empathy in the academy. Probably most of us, although to varying degrees, have been confronted with the unkind aspects of academic environments. In many ways, of course, these problems are embedded in wider structural problems of racism and sexism within the academy at large.

Fortunately, there seems to be increasing (albeit slow) recognition of the toxic practices of academic work cultures. As an early career researcher, I am particularly excited about some of the kindness that many of my peers are extending and the horizontal generosity that is beginning to spread across conferences, workshops and social media. Yet, I do believe that the (sub-)field of feminist international relations is particularly unique in that way, perhaps not unrelated to some of the disciplinary sanctioning and marginalizing that the field still experiences in the discipline more widely.

Kindness through Thank You Emails

Inspired by some of that inclusivity and kindness of the scholars I look up to and read – and I am specifically looking at Cynthia Enloe here, who has often been praised for being ‘amazingly generous to feminist colleagues and graduate students’, or my former supervisor Fionnuala Ní Aoláin – I too aim to be more mindfully generous and kind, in my research and writing, as well as during conferences/workshops and teaching. Here, I want to share one particular way in which I try to practice (and teach) academic kindness in the classroom: Together with my students, for each session in our seminars, we write an email to the authors we read that day, to share our appreciation for their work.

The idea came to me when a scholar whose work I absolutely admire in an email also mentioned that she had assigned one my recently published articles in one of her seminars, and that the students liked the text. For me, this was the first time I heard that someone had used any of my writing in class, let alone that it was apparently well received, and so this was an absolute highlight for me that semester. I have also been inspired by others following similar paths, such as Megan Mackenzie, who has previously recorded thank you videos with her students for the authors they read in class, and shared those publicly via twitter.

Influenced by that, I intend to myself share more positive feedback with the authors I read – whether for research or for teaching. We all get so used to receiving and articulating critique (mostly constructive, but often also harsh, unreasonable and imbalanced) about our work and papers, whether at conferences, during peer-review or from supervisors and/or peers. But in my experience so far, we too seldom just articulate positive, affirmative, encouraging and generous feedback about something we truly enjoyed reading, and from which we benefited intellectually, politically or even personally.

In order to change that, for the past two semesters now, I have made it a practice of together with my students sending positive feedback emails to the authors we read. With these emails, we aim to let the authors know how we engaged with their work, to recognize and thank them for their work, and to share with them how this has been beneficial for us.

How does this look like in practice? „Practicing Academic Kindness in the Classroom“ weiterlesen

Holen Sie sich ein Zwischenfeedback der Studierenden – auch zur Umsetzung gender- und diversitätsbewusster Lehre

Der Dezember ist ein guter Zeitpunkt, um nach etwa der Hälfte des Wintersemesters eine Zwischenevaluation durchzuführen. Sie ist ein hervorragendes Instrument zur Verbesserung der Lehre, denn wenn Sie nicht bis zum Semesterende warten, um sich ein Feedback von Studierenden zu holen, können Sie Kritik und Anregungen direkt umsetzen.

Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren bisherigen Plan über Bord werfen müssen. Auch kleinere Modifikationen können den Lernprozess verbessern. Sie nehmen die Studierenden dadurch ernst und oft erhöht sich die allgemeine Zufriedenheit bereits dadurch deutlich. Unter Umständen kann so auch unkommentiertes Fernbleiben von Studierenden verhindert werden. Beispielsweise ermöglicht eine Zwischenevaluation, zu prüfen, ob der Vorbereitungsaufwand und das Lernniveau angemessen sind oder ob Studierende unter- oder überfordert sind.

Eine Zwischenevaluation können Sie mündlich und/oder schriftlich durchführen, wobei verschiedene Grade der Freiwilligkeit und Anonymität möglich sind. Die Evaluation sollte sich sowohl auf Lernerfolge als auch auf Lernprozesse beziehen. Praktische Hinweise zur Formulierung von Fragen und die methodische Durchführung finden Sie in der Feedback-Methodenbar der Universität Duisburg-Essen. Die Kolleg*innen stellen knapp und anschaulich elf Methoden vor, die Sie an Ihre Bedarfe anpassen können.

Nutzen Sie die die Zwischenevaluation auch, um Ihre Studierenden zu fragen, wie gender- und diversitätsbewusst sie Ihre Lehrveranstaltung bislang wahrgenommen haben. Wenn Sie eine Rückmeldung zu Gender- und Diversityaspekten bekommen möchten, können Sie entweder direkt oder indirekt nachfragen.

Beispielfragen zu Sprache und Interaktion

  • direkte Frage: „Verwendete die Lehrperson gender- und diversitätsbewusste Sprache?“
  • indirekte Frage: „Konnten Sie sich an der Lehrveranstaltung aktiv beteiligen? Konnten Sie sich in Diskussionen, Übungen, Gruppenarbeiten etc. in angemessener Weise einbringen? Wenn nicht, warum?“

Beispielfragen zu Lehr- und Studieninhalten

  • direkte Frage: „Nahm die Lehrperson Bezug auf Theorien oder Daten der Gender- und Diversityforschung?“
  • indirekte Frage: „Fand eine Auseinandersetzung mit dem Kanon Ihres Fachs statt?“

Entscheiden Sie je nach Fachkultur und abhängig von Ihrer Einschätzung der Studierenden, was für Ihre Lehrveranstaltung passend ist. Weitere Vorschläge für Evaluationsfragen zu Lehrmethoden, Lehr- und Studieninhalten sowie Sprache und Interaktion finden Sie in der Toolbox auf der Seite „Von der Planung bis zum Abschluss„.

Wie bei der Abschlussevaluation können Sie natürlich auch die Ergebnisse der Zwischenevaluation sowie mögliche Schlussfolgerungen in der folgenden Sitzung mit den Studierenden diskutieren.

 

 

 

Es reden immer die Gleichen? 17 Anregungen für Lehrende

Autorin: Melanie Bittner

Es ist eine Situation, die die meisten Lehrenden kennen: Fragen und Wortbeiträge kommen immer von den gleichen Studierenden, viele Teilnehmende schweigen. Das macht Diskussionen manchmal zäh und oft einseitig.

Dazu kommt, dass es nicht ganz zufällig ist, wer häufiger und länger und möglicherweise auch mit mehr Fachbegriffen und Selbstbewusstsein spricht. Denn solche Verhaltensmuster entsprechen eher dem erlernten Verhalten von männlichen Personen. Traditionell wird ein solches Kommunikationsverhalten bei ihnen auch positiv bewertet, während Frauen eher negativ wahrgenommen werden, wenn sie sich in Gesprächen zu dominant verhalten und mehr Raum einnehmen. Das heißt auch, dass in Diskussionen nicht nur quantitativ Perspektiven fehlen, sondern tendenziell auch qualitativ unterschiedliche Perspektiven.

Unterscheidungen statt Unterschiede – doing gender

Hilfreich zum Verständnis von Differenzen und Geschlecht ist der Begriff des doing gender. Dieses Konzept wurde in der Ethnomethodologie, einer Forschungsrichtung der Soziologie, entwickelt. Geschlecht ist demzufolge nicht etwas, das wir haben, sondern etwas, das wir tun:

„Doing Gender betrifft zum einen Handlungsformen, mithilfe derer Akteur*innen signalisieren, dass sie einem Geschlecht angehören (z.B. Weisen der Gesprächsführung, des Gehens und Sitzens, des Verhaltens zum eigenen Körper und zu dem anderer, etwa wer wen wann, wie und wie lange anschaut). Darüber hinaus interessiert, wie sie sich zu dieser Mitgliedschaft verhalten (bspw. affirmativ, ritualistisch, ironisch, kritisch oder subversiv). Zuletzt verweist Doing Gender auf das praktische Wissen, das nötig ist, um diese Signale zu verstehen und sich zum Geschlechtshandeln anderer in Beziehung zu setzen, etwa zu bewerten, ob dieses Handeln angemessen ist, deplatziert, abwegig oder unverständlich.“ (Westheuser 2018)

Wie wir Handlungen wahrnehmen und bewerten hängt zudem nicht nur von der Kategorie Geschlecht ab, sondern beispielsweise auch von Alter oder sozialer Herkunft. In diesem Beitrag zur Beteiligung in Lehrveranstaltungen wird vor allem deshalb Gender in den Fokus genommen, weil in Veranstaltungen des Toolbox-Projekts am häufigsten danach gefragt wird.

Doing gender ist ein Ansatz des Sozialkonstruktivismus, der Geschlecht und auch die Norm der Zweigeschlechtlichkeit nicht als gegeben betrachtet. Diese Perspektive ist daher auch nützlich bei der Beobachtung von vergeschlechtlichten Verhaltensmustern in Lehrveranstaltungen. Es kann verunsichernd sein, solche Differenzen wahrzunehmen, weil wir eigentlich Studierende individuell wahrnehmen wollen und auch Unterschiede eher auflösen als festschreiben wollen. Umfangreiche oder zurückhaltende Beteiligung können mit Hilfe des interaktionstheoretischen Ansatzes als Varianten von doing masculinity oder doing femininity gedeutet werden. Geschlecht wird damit weder naturalisiert noch unabhängig von anderen Diversitätsdimensionen konzipiert. Damit lässt es sich nicht nur theoriegeleitet analysieren, sondern ist auch durch Interaktion veränderbar.

Beteiligung aller fördern – Praxisanregungen

Konkrete Anregungen, wie Sie mit ungleichem Beteiligungs- und Gesprächsverhalten in der Lehre umgehen können, finden Sie im neuen Methodenblatt „Es reden immer die Gleichen? 17 Anregungen für Lehrende“ zum Download in der Toolbox. Die Vorschläge reichen von methodischen Ansätzen, über die Gestaltung der Gesprächs- und Lernkultur oder die explizite Thematisierung von ungleichem Redeverhalten bis hin zu Fragen zur Selbstreflektion.

Welche Erfahrungen haben Sie mit ungleichem Redeverhalten in Lehrveranstaltungen gemacht? Kennen Sie noch andere Strategien für Lehrende, damit umzugehen? Teilen Sie gerne mit uns und den anderen Leser*innen ihre Überlegungen und Vorschläge in den Kommentaren.

Literatur

Westheuser, Linus (2018). Doing Gender. In Gender Glossar / Gender Glossary (5 Absätze). Verfügbar unter http://gender-glossar.de

Einen guter Start ins Semester fördern: gender- und diversitätsbewusste Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung

Was sollte in der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung passieren, um Studierende in ihrer Vielfalt zu adressieren und Diskriminierung abzubauen? Wie können Sie eine Grundlage für eine gute Lernatmosphäre während des Semesters legen? Wir schlagen acht Punkte für die erste Sitzung jeder Lehrveranstaltung vor:

1. Inhalte motivierend darstellen: In der ersten Sitzung sollten die Studierenden eine Vorstellung von den Inhalten und dem Ablauf der Lehrveranstaltung gewinnen, deren roten Faden nachvollziehen können. Dabei ist es wichtig, die Studierenden neugierig auf das Thema zu machen und sie für die Lehrveranstaltung zu motivieren. Versuchen Sie zu vermitteln, warum Sie selbst das Thema so spannend finden oder erzählen Sie von Ihrem eigenen Forschungs- und Lernprozess. Die Kolleg*innen von hochschuldidaktik online empfehlen in ihrem Blog, sich nicht gleich zu Beginn der Sitzung in die (wichtigen, aber manchmal ermüdenden) organisatorischen Details zu stürzen, sondern die Methode des Storytelling zu nutzen, um Studierende zu motivieren.
Stellen Sie, wenn möglich, die Bedeutung der Gender- und Diversitätsforschung für das Thema der Lehrveranstaltung dar. Sie können ggf. auch auf die Auswahl der Literatur eingehen und Ihre Kriterien transparent machen. Selbst wenn die Autor*innen wenig Diversität repräsentieren, kann das eine wissenschaftskritische Perspektive auf den Lehrinhalt ermöglichen.

2. Kennenlernen: Es ist gut für die Lernatmosphäre, wenn sich die Teilnehmenden ein bisschen kennen und so Sicherheit gewinnen. Der Vorteil vieler Kennenlernmethoden ist zudem, dass Sie durch eine Verknüpfung mit den Themen der Lehrveranstaltung selbst etwas über die Interessen, Bedürfnisse und Kenntnisstände der Studierenden erfahren und diese in Ihre weitere Planung einbeziehen können. Hierfür eignen sich viele Vorschläge aus der Toolbox zur Aktivierung von Studierenden. Ich selbst nutze sehr gerne Aufstellungen im Raum zu verschiedenen Thesen oder ein Speeddating zu Beginn einer Lehrveranstaltung. Für große Gruppen sind digitale Tools, insbesondere Online-Response-Systeme, sehr gut geeignet.

3. Studierende respektvoll ansprechen: Zu einer guten Diskussionsatmosphäre trägt auch bei, wenn sich alle mit Namen adressieren können. Namensschilder in den ersten Sitzungen oder auch während des gesamten Semesters sind deshalb sehr hilfreich. Sie können den Studierenden auch anbieten, das Personalpronomen, mit dem sie adressiert werden möchten, auf dem Namensschild zu notieren, oder (bei bis zu 25 Personen) eine Pronomenrunde (S. 379) durchführen. Um eine unzutreffende Geschlechtszuschreibung durch die Adressierung als Herr/Frau + Nachname zu vermeiden, können Sie die Vornamen der Studierenden verwenden und sie dennoch siezen („Hamburger Sie“). Das ist auch praktisch für die Studierenden, die sich untereinander mit Vornamen ansprechen.
Hinweise zu gender- und diversitätsbewusster Sprache im Allgemeinen finden Sie in unserem Starter-Kit.

4. Datenschutz beachten: Verwenden Sie zur Erstellung der Teilnehmendenliste besser nicht die Namensliste aus dem Campusmanagement, sondern eine Blanko-Liste oder ‑Tabelle, die Sie herumgeben. Nicht alle Studierenden wollen mit dem Namen adressiert werden, mit dem sie offiziell eingeschrieben sind, z. B. wenn sie trans* sind. Wenn Sie den „alten“ Namen durch Herumgeben einer Liste oder durch das Aufrufen auf Grundlage der Liste verwenden, „outen“ Sie diese Studierenden unter Umständen. Dies kann zu Diskriminierungen und hohen Belastungen führen, die nicht nur leicht vermeidbar sind, sondern auch dem gesetzlichen Offenbarungs-Verbot („Outing-Verbot“) zuwiderlaufen. Achten Sie auch bei der Sammlung oder Veröffentlichung auf Anforderungen des Datenschutzes.

5. Positive Gesprächskultur fördern: Für das Gelingen einer Lehrveranstaltung sind alle Beteiligten verantwortlich. Als Lehrende*r sind Sie dafür zuständig, möglichst gute Voraussetzungen für eine konstruktive Gesprächskultur zu schaffen. Gerade bei der Thematisierung von Gender und Diversity gibt es oft lebhafte Diskussionen, sehr unterschiedliche Grade der Sensibilisierung und leider auch Verletzungen.
Um eine gute Diskussionsatmosphäre zu fördern, ist es sinnvoll, von Anfang an Regeln für den Umgang miteinander in Form einer Seminarvereinbarung zu formulieren. Dies dient der Transparenz und gibt Sicherheit, weil im Zweifel im Laufe des Semesters auf die Vereinbarungen verwiesen werden kann. Dabei können einerseits Sie als Lehrende*r bestimmte Grundsätze einführen, die enthalten, was Sie sich wünschen (z. B. wertschätzende Kommunikation oder Beteiligung möglichst vieler Studierender) oder welches Verhalten Sie nicht dulden (z. B. Beleidigungen, sexualisierte Belästigung). Eine höhere Akzeptanz von Vereinbarungen entsteht, wenn Sie diese demokratisch zusammen mit den Studierenden erarbeiten oder zumindest gemeinsam als „Seminarvereinbarung“ beschließen, was sich vor allem in kleineren Lehrveranstaltungen anbietet.
Sehr empfehlenswert ist es auch, das Konzept der Fehlerfreundlichkeit einzuführen, das bewusst berücksichtigt, dass Hochschullehre kein machtfreier Raum ist, und versucht, mit dem Spannungsverhältnis zwischen Lernraum und Schutzraum konstruktiv umzugehen.

6. Formale Aspekte kommunizieren: Die Studierenden müssen nach der ersten Sitzung wissen, welche Materialien sie brauchen und wie sie diese bekommen. Die Leistungsanforderungen sowie formale Teilnahmebedingungen wie Fristen etc. sollten ebenfalls bekannt und transparent gemacht werden. Es empfiehlt sich, solche Unterlagen schriftlich zur Verfügung zu stellen, am besten als Handout und digital. Tipps zur Erstellung von barrierefreien pdf-Dokumenten finden Sie z. B. bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit.

7. Erreichbarkeit der Lehrenden thematisieren: Die Studierenden sollten wissen, wie Sie als Lehrende*r bei Fragen oder Problemen zu erreichen sind. Geben Sie einige Beispiele, mit welchen Anliegen Studierende ggf. in Ihre Sprechstunde kommen können. Dies kann eine große Erleichterung für Studierende sein, die noch nicht über solches informelles Wissen der Hochschulkultur verfügen, wie z. B. Arbeiterkinder insbesondere zu Beginn des Studiums. Signalisieren Sie, dass sich Studierende gerne an Sie wenden können, wenn Sie Probleme oder spezifische Bedürfnisse haben, die Sie als Lehrende*r berücksichtigen sollten, seien es Ersatzleistungen bei unvermeidbarer Abwesenheit, Bedarfe zur Barrierefreiheit, der Wunsch auf eine bestimmte Weise adressiert zu werden etc. Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen haben zur Förderung der Chancengleichheit einen Anspruch auf Nachteilsausgleich. Dieser lässt sich erfahrungsgemäß am besten umsetzen, wenn die Beantragung und Planung mit ausreichend Vorlauf geschieht.

8. Beratungsstellen bekannt machen: Nutzen Sie die erste Sitzung auch, um auf Beratungsstellen an der Freien Universität zu verweisen, an die sich die Studierenden z.B. zu Themen wie Vereinbarkeit, Nachteilsausgleich, Finanzierung des Studiums oder Diskriminierungserfahrungen wenden können. Damit machen Sie nicht nur die verschiedenen Einrichtungen und Stellen bekannter, Sie signalisieren auch, dass Ihnen verschiedene Lebenssituationen und Bedarfslagen bewusst sind. Viele Studierende nehmen Beratung nicht oder sehr spät in Anspruch, weil sie Angst vor Stigmatisierung haben. Wenn Sie die Einrichtungen an Ihrer Universität kennen und regelmäßig darauf verweisen, können Sie zur Enttabuisierung beitragen.

Wir wünschen Ihnen allen einen guten Semesterstart!

Wenn Sie sich kurzfristig zur gender- und diversitätsbewussten Gestaltung der ersten Sitzung einer Lehrveranstaltung austauschen möchten, können Sie an unserem Webinar am 09.10.19 von 14 bis 15 Uhr teilnehmen.

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Methodenpool für aktivierende und abwechslungsreiche Lehre

Gender- und diversitätsbewusste Lehre dient der Verbesserung der Lehre. Das heißt: Kriterien für gute Lehre werden nicht über Bord geworfen oder neu erfunden, sondern sie werden ergänzt und unter spezifischen Gesichtspunkten weiterentwickelt. Dabei sind zwei didaktische Prinzipien besonders hilfreich für gender- und diversitätsbewusste Lehre: Methodenvielfalt und Aktivierung von Studierenden.

Durch den Einsatz abwechslungsreicher Methoden schaffen Sie unterschiedliche Lernmöglichkeiten für Studierende, denn Methoden bringen unter Umständen für bestimmte Studierende spezifische Barrieren oder Potentiale mit sich. Für Studierende mit einer beHinderung des Sprechens oder sehr zurückhaltende Studierende kann es z.B. unangenehm sein, aufgefordert zu werden, vor der gesamten Gruppe zu sprechen. Für Sie als Lehrende*r kann dann der Eindruck schlechter Vorbereitung oder Leistung entstehen, obwohl die Studierenden sich vielleicht in einer kleineren Arbeitsgruppe hervorragend hätten einbringen können. Anderen fällt es vielleicht sehr schwer, mit ihnen unbekannten Kommiliton*innen spontan zusammen zu arbeiten, so dass sie in einer individuellen Auseinandersetzung mit dem Thema oder in einer längerfristigen Projektgruppe am meisten lernen könnten. In jedem Fall können Sie durch die Verwendung vielfältiger Methoden dazu beitragen, die Chancengleichheit zu verbessern.

Mehr dazu, warum Methodenvielfalt und Aktivierung wichtig für gender- und diversityitätsbewusste Lehre sind sowie erste Umsetzungsmöglichkeiten, finden Sie in der Toolbox unter Didaktische Prinzipien. Noch konkreter wird es dann in unserem umfangreichen Methodenpool. Dort finden Sie Links zu aktuell 28 Methodensammlungen, sowohl ohne speziellen Bezug zu Gender und Diversity als auch für die explizite Thematisierung von Gender und Diversity in der Lehre. Die Sammlungen kommen aus der Hochschuldidaktik, der Erwachsenenbildung und der politischen Bildung. Lassen Sie sich anregen, seien Sie kreativ und passen Sie die methodischen Vorschläge für Ihren Kontext an.

Zur Auswahl von Methoden finden Sie in der Toolbox auch fünf Leitfragen mit denen Sie z.B. reflektieren können, ob eine Methode problematische Gruppendynamiken oder gesellschaftliche Machtverhältnisse reproduziert. Dieses Instrument zur Methodenplanung und -auswertung stellen wir auch in einem Webinar am 14.11.19 um 14.30 Uhr vor, das im Rahmen der Online-Kurzberatung für Tutor*innen an der Freien Universität Berlin angeboten wird. Alle Interessierten können ohne Anmeldung daran teilnehmen.

Snacks für Eilige: Erklärfilm und Checkliste zu Gender und Diversity in der Lehre

Je nach Gesprächspartner*in scheint der Umfang der Toolbox-Website ihre Stärke oder ihre Schwäche zu sein. Diese Woche haben wir deshalb zwei Tipps für die Lehrvorbereitung: einen schnellen Überblick zum Thema (1.) und eine kompakte Zusammenstellung von Umsetzungsmöglichkeiten (2.) für gender- und diversitätsbewusste Lehre finden alle Interessierten in Eile in unserem Starter-Kit.

  1. Der dreiminütige Erklärfilm ist ein leichter Einstieg, wenn Sie gerade erst anfangen, sich mit Gender und Diversity in der Lehre zu beschäftigen. Er enthält einige anschauliche Daten zu Gender und Diversity an deutschen Hochschulen und erklärt, warum gute Lehre gender- und diversitätsbewusst ist. Verschiedene Handlungsansätze werden genannt.
    Der Film steht auf deutsch und englisch zur Verfügung. Untertitel in der gleichen Sprache können jeweils an- oder ausgeschaltet werden. Die deutsche Volltextversion gibt es als pdf-Datei zum Download.
  2. In der zweiseitigen Checkliste zur gender- und diversitätsbewussten Didaktik finden Sie Reflexionsfragen zu den Dimensionen
    Inhalte, Lehrende, Lernende, Methodik und Rahmenbedingungen. Sie können prüfen, in welcher Hinsicht Sie zufrieden mit Ihrer Lehre sind und wo es vielleicht noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.
    Dies fünf didaktischen Dimensionen wurden von den Bildungsforscherinnen Gerrit Kaschuba und Karin Derichs-Kunstmann im Rahmen eines empirischen Projekts zu gendergerechter Erwachsenenbildung entwickelt. Melanie Ebenfeld hat für die Checkliste erweitert und die Verankerung und Repräsentation von sexueller Orientierung, Alter, soziale Herkunft, (Nicht-)Behinderung, Ethnizität/race und Religion/Weltanschauung integriert.

Der Film und die  Checkliste sind sehr kompakt, bieten jedoch keine schlichte to-do-Liste zum Abhaken. Damit stehen sie auch für den Ansatz der Toolbox, die umfassende Entwicklung von Gender- und Diversitykompetenz von Lehrenden durch viele Angebote – online und offline – zu unterstützen. Anwendungsorientierung: unbedingt! Einfache Rezepte: nein, dafür ist gender- und diversitätsbewusste Lehre zu wichtig und zu komplex.

Warum Sie einen Beitrag für die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) einreichen sollten

Beiträge zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) können bis zum 15.09.2019 eingereicht werden

Autorin: Melanie Bittner

Vom 10.-13.10.2020 findet die Jahrestagung der dghd an der Freien Universität statt. Die dghd ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Hochschuldidaktik.

Ich war im September 2016 bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) und finde es lohnt sich, dabei zu sein – und sicher noch mehr, die Gelegenheit für Feedback zu Fragen der Hochschullehre nutzen.

Wir standen zu dem Zeitpunkt kurz vor der Veröffentlichung der Toolbox und wollten uns über hochschuldidaktische Diskurse und Praxen anderer Hochschulen informieren. Natürlich war ich besonders neugierig, ob auch gender- und diversitätsbewusste Lehre ein Thema sein würden. Und obwohl es schon ganz schön lang her ist, erinnere mich an viele Eindrücke, deren Schilderung Sie vielleicht motiviert, einen eigenen Beitrag zu der Tagung einzureichen.

Am Veranstaltungsort wurden wir von schwebenden Luftballons in blau und grün, den Designfarben der Ruhr-Universität Bochum, begrüßt. Dieser freundliche Empfang, der die Orientierung auf dem Campus sehr erleichterte, passte gut zur Atmosphäre der Tagung. Die Stimmung dort habe ich als sehr offen, locker und kommunikativ wahrgenommen.

Die Organisator*innen nahmen außerdem hochschuldidaktische Prinzipien ernst und boten ganz unterschiedliche Formate an. Neben der ,klassischen‘ Keynote und Workshops zum Erfahrungsaustausch fand ich die schnellen und quirligen DisQspaces sehr bereichernd. „Warum Sie einen Beitrag für die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) einreichen sollten“ weiterlesen