Die Toolbox wird sieben – eine Bilanz zum Geburtstag

Im Januar 2015 begannen zwei Projektmitarbeiterinnen, Inga Nüthen und Pia Garske, mit der systematischen Arbeit an der Toolbox Gender und Diversity in der Lehre. „Instrumentenkasten“ hieß das Projekt damals. Der Name unseres Laufwerks erinnert uns heute noch daran.

Das Margherita-von-Brentano-Zentrum (damals „Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung“) und das Team Zentrale Frauenbeauftragte (damals „Büro der Zentralen Frauenbeauftragten“) hatten erfolgreiche Vorarbeit geleistet. Anfang 2013 hatten sie einen hochschulweiten Arbeitskreis „Gender in der Lehre“ ins Leben gerufen und zum 1. Januar 2015 konnte die Toolbox mit zwei 50%-Projektstellen starten, finanziert als gleichstellungsfördernde Maßnahme im Rahmen des Professorinnenprogramms II.

2016, knapp zwei Jahre nach Projektstart, ging die Toolbox online zunächst noch im nicht-responsiven Design der Freien Universität Berlin. Pia Garske und Melanie Bittner hatten den Launch kurz vor der Deadline realisiert. Die gab es, weil vom 24. bis 26. November 2016 die Tagung „Gender und Diversity in die Lehre! Strategien, Praxen, Widerstände“ stattfand.

Pia Garske und Melanie Bittner vor einer Pinnwand mit Toolbox-Plakaten
Zwei sehr erschöpfte und glückliche Mitarbeiterinnen, Pia Garske und Melanie Bittner, während der Toolbox-Konferenz

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Video Documentation: Transnational Feminist Dialogues in Times of the Neoliberal University

MvBZ YouTube Channel

The Margherita von Brentano Center for Gender Studies at Freie Universität Berlin has organized this summer term 2021, the third edition of the Transnational Feminist Dialogues.

The series has focused on the neoliberal character of today´s higher educational system and has address some structural phenomena related to power relations from a critical perspective. The invitation was to reflect and discuss which discourses, policies and actors are shaping universities in times when neoliberalism has reached all spheres of the higher educational system and what alternatives we have to counter this one-sidedness

The first session, „Dismantling Knowledge Asymmetries and Power Relations in Gender Studies” with Teresa Kulawik (Södertörn University) and Maria do Mar Pereira (University of Warwick), has focused on the question about the asymmetries that shape the production and circulation of knowledge not only within Gender Studies, but also within/between Diversity, Queer, Intersectionality and Postcolonial Studies. Both guests discussed about the way in which marginalized and/or critical perspectives and voices find their way in the neoliberal higher educational system, but also the depoliticization of this feminist intellectual projects in the neoliberal university.

The second session, “Questioning racist structures in Academia: perspectives from the Gender Studies” with Heidi Safia Mirza (Goldsmith) and Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Justus-Liebig-Universität Giessen), has put the focus on the racist structures that shape science and academia. The focus was also put on the contributions that Gender Studies can make to dismantle them, forms of resistance and the possibilities of solidarity, both within the academy/university context and beyond its borders. 

The third session, „Decolonizing Feminist Teaching in Neoliberal Times” with Radhika Govinda (University of Edinburgh), Sara de Jong (University of York) and Rosalba Icaza (Erasmus University Rotterdam)  brought to discussion what a decolonization of feminist teaching would look like and how it can take place in the neoliberal higher educational system. Questions they have discussed were: What happens with feminist pedagogies nowadays? Do they have a challenging power? Is it possible to create radical and alternative spaces within neoliberal academia? What possibilities does the pedagogical space offers unlike other academic practices?

Find the video documentation under the following Link:

https://youtube.com/playlist?list=PLqiyv4YjL2YLl2YXmbGCQzkX0IJiJK-jp

 

MvBZ Open Call: ‚Seed Money‘ für Projekte im Bereich der Geschlechterforschung an der FU Berlin

Bild von Markus Spiske auf Unsplash

– ‚Seed Money‘ for Projects in the field of Gender Studies at FU Berlin For information in English please visit the following page

Aus den Mitteln des Interdisziplinären Zentrums Geschlechterforschung, dessen Aufgaben das Margherita-von-Brentano-Zentrum übernommen hat, werden erneut Fördermittel für die Anschubfinanzierung von innovativen Projekten aus dem Bereich der Geschlechterforschung ausgeschrieben. Antragsberechtigt sind fortgeschrittene Studierende, Promovierende, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Hochschullehrer*innen an der Freien Universität Berlin.

Es werden Projekte in zwei Förderlinien finanziert:

  • „Symposien, Workshops und Konferenzen“ (bis zu 5.000 Euro)
  • „Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer“ (bis zu 2.500 Euro)

Mehr können Sie erfahren unter: https://www.mvbz.fu-berlin.de/vernetzung/wissenschaftler_innenfoerderung/seed-money-fuer-projekte-im-bereich-der-geschlechterforschung/index.html

Anträge können jederzeit eingereicht werden. Eine Auswahl erfolgt dreimal pro Jahr jeweils Mitte März, Juni und Dezember.

Toolbox Newsletter Nr. 8 – WiSe 2020/21

Liebe Lehrende und Toolbox-Interessierte,

kurz vor Ende des Wintersemesters melden wir uns mit einer neuen Ausgabe des Newsletters zurück.

(Anti-)Rassismus an Hochschulen

Bereits im vorletzten Newsletter haben wir angekündigt, uns zukünftig stärker mit (Anti-)Rassismus an Hochschulen zu beschäftigen. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe, die wir zusammen mit Dr. Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisieren, machte im Dezember eine digitale Podiumsdiskussion. Themen waren zum Beispiel Ausschlussmechanismen an der Hochschule, Rassismus in Lehrplänen und natürlich auch mögliche Gegenstrategien. Wir sprachen darüber mit Diskutant*innen aus Forschung, (Hochschul-)Politik, Medien und Verwaltung: Mohamed Amjahid (Autor und Journalist), Dr. Denise Bergold-Caldwell (Philipps-Universität Marburg), Nataly Castillo Bennett, Naledi Mmoledi und Santiago Velez Vargas (BIPoC-Referat des AStA der FU), Dr. Doris Liebscher (Ombudsstelle der Landes-Antidiskriminierungsstelle Berlin) und Saboura Naqshband (DeZIM Berlin).

Die Veranstaltung traf offensichtlich einen Nerv: Mehr als 200 Interessierte waren dabei. Wir haben das Gespräch über (Anti-)Rassismus an Hochschulen zum Nachhören aufgenommen. In der verlinkten Dokumentation sind neben dem Audio-Mitschnitt auch eine Literaturliste und Informationen zu unseren Panelist*innen zu finden.

Auch das Interesse an unserem Workshop ‚Rassismuskritisch lehren und lernen‘ am 19.03.21 war groß. Leider konnten wegen der Teilnahmebegrenzung bei Weitem nicht alle Interessierten teilnehmen. Wir prüfen gerade die Möglichkeit, den Workshop erneut anzubieten.

Workshops in Kooperation mit dem Dahlem Center for Academic Teaching (DCAT)

Unsere bisherige Kooperation mit SUPPORT für die Lehre setzen wir mit der neu gegründeten Nachfolgeeinrichtung DCAT fort. Im Sommersemester gibt es wieder zwei Termine unseres beliebten Halbtages-Workshops zur gender- und diversitätsbewussten Gestaltung von Lehrveranstaltungen:

Donnerstag, 29.04.21, 14.00-17.30 Uhr

Freitag, 28.05.21, 9.00-12.30 Uhr

Darüber hinaus führen wir Workshops und Präsentationen auch auf Anfrage durch, z.B. für Tutor*innen, Arbeitsbereiche oder Kollegs. Kontaktieren Sie uns gerne!

Aktualisiertes Gender- und Diversity-Quiz

Was ist die ‚Charta der Vielfalt‘? Wann erwarb die erste Frau ihren Doktortitel an einer deutschen Universität? Und welche Dimension sozialer Ungleichheit wird im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eigentlich nicht berücksichtigt?

Diese und weitere Fragen können Interessierte in unserem aktualisierten Quiz zum Thema ‚Institutionalisierung von Gender & Diversity‘ beantworten, das nun im H5P-Format zur Verfügung steht. Es kann so unkompliziert in Blackboard eingebunden und für die Lehre genutzt werden. Weitere offene Bildungsmaterialien finden Sie auf unserer Übersichtsseite zu digitaler Lehre.

Neuigkeiten aus der FU rund um Gender und Diversity

Wir freuen uns sehr, dass die FU am Diversity-Audit des Stifterverbands teilnimmt! Sie können sich hier über den Prozess informieren und auch eine Mailingliste zu den wichtigsten Entwicklungen abonnieren.

Außerdem wurde bereits im November die aktualisierte Richtlinie zum Umgang mit sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt verabschiedet. Sie ist nun auch auf Englisch verfügbar. Alle Informationen zum Thema, wie z.B. Beratungsangebote, finden Sie auf der Website NEIN heißt NEIN.

Mit gleich zwei hochaktuellen Schwerpunkten beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs des Teams Zentrale Frauenbeauftragte: Abwehrkräfte gegen Antifeminismus‘ und Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise‘.

Ein Jahr Corona – das ist auch ein guter Anlass, um Sie auf die spannenden Beiträge im #DossierCorona #TransnationalFeminisms hinzuweisen, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe ‚Transnational Feminist Dialogues in Times of Corona Crisis‘ des Margherita-von-Brentano-Zentrums entstanden sind und im Trafo-Blog veröffentlicht wurden.

Kommen Sie gesund durch die nächsten Monate und bis zum nächsten Mal!

Melanie Bittner

Wenn Sie diesen Newsletter direkt von uns erhalten möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de.

Toolbox-Newsletter Nr. 7 – WiSe 2020/21

Wir alle starten in das zweite Semester mit weitgehend digitalen Lehrveranstaltungen. Viele Aspekte gender- und diversitätsbewusster Didaktik lassen sich von der Präsenzlehre auf die digitale Lehre übertragen. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, wie die Vor- und Nachteile von asynchroner und synchroner Lehre, sowie zusätzliche Herausforderungen durch die Pandemiebedingungen. Deshalb haben wir eine Sammlung erstellt, die Ihnen die gender- und diversitätsbewusste Planung und Durchführung von digitalen Lehrveranstaltungen erleichtern soll. Sie finden dort:

  • wichtige Angebote und Regelungen der Freien Universität Berlin wie den Code of Conduct für die digitale Lehre oder die Option zur Namensänderung für Studierende in Webex und Blackboard
  • Handreichungen für die digitale Lehre, z.B. zur Förderung respektvoller Kommunikation oder Barrierefreiheit
  • online verfügbare Materialien (Open Educational Resources) und Texte für die Lehre

Die Toolbox-Website wurde außerdem um eine Seite zu Gender Sensitivity in English erweitert. Das Englische wird häufig als genderneutrale Sprache wahrgenommen, obwohl es z.B. bei der Verwendung von Berufsbezeichnungen, Titeln und Pronomen zu Ausschlüssen und Stereotypisierung kommen kann. Informieren Sie sich, wie Sie auch auf Englisch genderbewusst kommunizieren können.

Für Lehrende der Freien Universität bieten wir regelmäßig Workshops zur Erweiterung ihrer Gender- und Diversitykompetenz an. Am 24.11.20 findet in Kooperation mit SUPPORT für die Lehre eine Halbtagsworkshop „(Digitale) Lehre gender- und diversitätsbewusst gestalten“ statt. Wenn Sie einen Eindruck von unseren Angeboten bekommen möchten, lesen Sie den Beitrag einer Teilnehmerin „Nichts ist neutral!“ im Online-Magazin campus.leben. Außerdem wird im laufenden Semester ein Tagesworkshop zu „Rassismuskritischer Hochschullehre“ stattfinden. Der genaue Termin wird noch festgelegt.  Wenn Sie uns eine E-Mail schreiben, informieren wir Sie gerne, sobald der Termin feststeht. Darüber hinaus führen wir Workshops und Präsentationen auch auf Anfragen durch, z.B. für Tutor*innen, Arbeitsbereiche oder Kollegs. Kontaktieren Sie uns gerne!

NEIN heißt NEIN! Am 25. November wird jährlich der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Aus diesem Anlass findet in diesem Jahr zum zweiten Mal der FU-weite Beratungstag statt, der von der Geschäftsstelle der AG Gegen Sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt organisiert wird. Wir beteiligen uns an diesem wichtigen Angebot und beraten insbesondere zu Anliegen aus dem Bereich Lehre.

Save the date

15.12.20, 16-17.30 Uhr: Podiumsdiskussion „(Anti-)Rassismus an Hochschulen“

Die Veranstaltung wird von Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) organisiert.

Kommen Sie gut durch die nächsten Monate!

Die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ verschickt pro Semester 1-2 Newsletter per E-Mail. Die Newsletter informieren beispielsweise über neue Inhalte auf der Homepage der Toolbox und über anstehende Termine.
Wenn Sie Interesse am Newsletter der Toolbox haben, schicken Sie uns bitte eine E-Mail an  kontakt@genderdiversitylehre.fu-berlin.de. Wir speichern Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse und ggf. ihren Arbeitsbereich an der FU in einer Excel-Datei und nutzen Ihre Daten ausschließlich für die Verschickung des Newsletters.
Sie können den Newsletter jederzeit per E-Mail abbestellen.

 

Die Rhetorik der Universität entzaubern: Interview mit Angie Martiens vom Lehrprojekt „Understanding University“

"Wir wollen mit 'Understanding University' die Möglichkeit schaffen, kritisch reflektiert über die Universität nachzudenken und über diese intensive Auseinandersetzung mit der Universität die Möglichkeit für Empowerment schaffen." (Angie Martiens)

An der Universität kommt es nicht nur darauf an, was wir sagen, sondern auch, wie wir es tun. Die universitäre Rhetorik umfasst viele subtile Regeln und Codes. Für Studierende zeigt sich das z.B. in folgenden Situationen: Wann ist in einer Vorlesung ein guter Zeitpunkt, um eine Frage zu stellen? Was mache ich, wenn ich Fachbegriffe oder Fremdwörter nicht verstehe? Wie schreibe ich eine gelungene Mail an eine Professorin? Ein bildungssprachlicher Duktus prägt das Sprechen an Universitäten. Je nach Disziplin sind unterschiedliche Ausdrucksweisen und Fachbegriffe nötig, um Inhalte zu kommunizieren. Zudem haben sich spezifische Formen entwickelt, wie etwa wissenschaftliche Debatten geführt werden oder wie Diskussionen in Lehrveranstaltungen ablaufen. Wie leicht oder schwierig die Gewöhnung an die universitäre Rhetorik für Studierende ist, hängt oft nicht von ihren Fähigkeiten und ihrem Fachwissen, sondern anderen Faktoren ab: Ob sie aus einem akademischen Elternhaus kommen, in dem eine universitätsnahe Sprechweise zum Alltag gehört, oder ob sie als Erste in der Familie studieren und ihnen ein solcher Rückhalt fehlt.

Sprechen über ungeschriebene Regeln – Diversität und akademische Rhetorik

Solche Unterschiede und Voraussetzungen werden in universitären Lehrveranstaltungen bisher wenig thematisiert. In diesem Good-Practice-Bespiel stellen wir ein Lehrprojekt vor, das diesen Umstand ändern möchte: „Understanding University – The Rhetoric(s) of German Academia“ ging aus einem Projekt der Romanistikprofessorin Anita Traninger und ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen Angie MartiensIsabelle Fellner und Oliver Gent im Sonderforschungsbereich 980 „Episteme in Bewegung“ hervor. 2017 erhielt es den Zentralen Lehrpreis der Freien Universität Berlin. In dem Jahr wurden explizit Veranstaltungen mit Diversity-Bezug ausgezeichnet, die aktuelle Forschung innovativ in die Lehre umsetzen.

Mehr zu dem Good-Practice-Beispiel im Toolbox-Beitrag:

  • Vorstellung des Lehrkonzepts
  • Links zu verwendeten Materialien
  • Einfluss von Fachkulturen
  • Videointerview mit Angie Martiens, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Understanding University“
  • Literaturhinweise

„Porn in the USA“ – ein Seminarbesuch

Wissenschaftliche Neugier schlägt Shitstorm: Madita Oeming forscht zu Geschichte, Ästhetik, Produktion, Konsum und kultureller Funktion von Pornographie

„Feminism is not a dirty word“ – weiße Schrift auf schwarzem Stoff. Diese  Worte auf Madita Oemings T-Shirt springen mir sofort ins Auge, als sie, flankiert von zwei Sicherheitsangestellten, mich und ihre Studierenden vor dem Seminarraum 201 des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien empfängt. Es herrschen strengere Einlasskontrollen als im legendären Berliner Club Berghain, denn es werden nur Studierende eingelassen, die sich für den Kurs eingeschrieben haben und nachweislich volljährig sind. Enttäuschte Gesichter bei denjenigen, die diese Kriterien nicht erfüllen. Sogar ein Vertreter des Präsidiums der Freien Universität ist vor Ort, um sicher zu gehen, dass alles seine Ordnung hat. Was war geschehen?

Die Amerikanistin und Doktorandin der Universität Paderborn gibt im Wintersemester 2019/20 ein B.A.-Seminar zum Thema „Porn in the USA“ an der Freien Universität. Bereits die Ankündigung ihres Seminars auf Twitter sorgte für große öffentlich Resonanz bis hin zum Shitstorm in den sozialen Medien. „Als Kolleg*innen und Wissenschaftler*innen des Kennedy-Instituts waren wir geschockt, von massiven sexistischen Anfeindungen, antisemitischer Hetze und Todesdrohungen, denen Madita Oeming in den sozialen Medien ausgesetzt war“, sagt Dr. David Bosold, Studiendekan des John-F.-Kennedy-Instituts ( JFKI) und verweist neben all dieser Aufregung um Oemings Seminar darauf: „Forschung und Lehre sind nach Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes frei – hierunter fallen selbstverständlich auch kontroverse Themen wie das in diesem Semester unterrichtete Seminar ‘Porn in the USA‘.“

Ein Interview, das Madita Oeming Spiegel Online gab, erhielt unzählige Aufrufe, und auch in den USA hat sie an Bekanntheit gewonnen. Aber was genau steht nun hinter dem Forschungsthema dieser Wissenschaftlerin, die in der VICE Germany schreibt, dass sie den „Traum eines Teenagers“ lebt – sich „für’s Porno-Gucken bezahlen“ lässt.

Auch ich bin neugierig geworden. Deshalb befinde ich mich an diesem Donnerstagnachmittag zwischen 30 erwartungsvollen B.A.-Studierenden. Oeming stellt klar, dass sie nicht die Sextherapeutin ihrer Studierenden sei. Vielmehr sollen die Studierenden die unterschiedlichen Genres der Pornografie in den USA kennenlernen und ein analytisches Verständnis ihrer Geschichte, Ästhetik, Produktion, Konsum und kulturellen Funktion erlangen. Hierzu werden einzelne Filmszenen genauer betrachtet und analysiert; Pornofilme werden behandelt wie Romane in den Literaturwissenschaften. Die erste Hausaufgabe besteht darin, den PorYes Feminist Porn Award oder das Berlin Pornfilmfestival zu besuchen, die Eindrücke aufzunehmen und ein zweiseitiges response paper zu schreiben.

„Es gibt“, so sagt Professor Frank Kelleter, Leiter der Abteilung Kultur am JFKI, „in Deutschland aktuell nur wenige Wissenschaftler*innen, die sich ernsthaft und historisch verlässlich mit Pornografie und der Geschichte ihrer Bewertung auseinandersetzen“. Kelleter kennt und schätzt Madita Oemings Arbeiten und ihr feministisches Engagement u.a. von ihrer Beteiligung an der DFG-Forschergruppe „Populäre Serialität“, in der sie als wissenschaftliche Hilfskraft tätig war. „Später, auf der internationalen Abschlusskonferenz“, erinnert sich Kelleter, habe Oeming einen der besten und meistbeachteten Vorträge gehalten: zur Frage des Seriellen in der Pornografie.

Bildquelle: privat

Verena Specht ist dezentrale Frauenbeauftragte und Fremdsprachensekretärin am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Seit vier Jahren widmet sie sich mit viel Freude und Enthusiasmus der Gleichstellungsarbeit und der Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf am JFK-I.

Kontakt: verena.specht@fu-berlin.de

Dieser Text ist eine leicht geänderte Version eines Beitrags im gerade erschienenen Wissenschaftlerinnen-Rundbriefs Nr. 2/2019 zum Schwerpunkt „Klima und Geschlechterverhältnisse“, der von der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universität Berlin herausgegeben wird.

Toolbox-Newsletter Nr. 5 – WiSe 2019/20

Liebe Kolleg*innen und Toolbox-Interessierte,

in diesem Newsletter erhalten Sie Informationen über aktuelle Veranstaltungen, zu denen Sie sich anmelden können, über neue und geplante Beiträge im Toolbox-Blog sowie den Link zu unserem neuen Methodenblatt zu ungleicher Beteiligung von Studierenden auf Deutsch und Englisch.

#4GenderStudies: Genderkompetenz für die Lehre
Online-Veranstaltung am 18.12.19 von 14-15.30 Uhr
Sie haben sich bislang erst wenig oder noch nicht mit Genderaspekten in der Forschung und Genderkompetenz in der Lehre beschäftigt? Sie wünschen sich einen Einstieg ins Thema und die Möglichkeit der Selbstreflexion? Sie möchten wissen, wie Sie Gender in Ihren Lehrveranstaltungen mitdenken und berücksichtigen können?
In diesem Online-Workshop bekommen Sie einen ersten Einblick in das Thema und erweitern Ihre Genderkompetenz.

Folgende Inhalte sind geplant:

  • Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Diskriminierung und Privilegierung
  • Gender als Lehr- und Forschungsinhalt
  • Gendertheoretische Ansätze als Ressource für die Reflexion und Planung von Lehrmethoden

Über Gender zu sprechen ist nicht immer einfach. Oft treffen dabei sehr unterschiedliche Erfahrungen, Verletzlichkeiten, Annahmen und Befürchtungen aufeinander. Um mit diesen Spannungen umzugehen, arbeiten wir mit dem Konzept der Fehlerfreundlichkeit.
Anlass des Webinars ist der Wissenschaftstag #4GenderStudies, der am 18. Dezember dieses Jahres bereits zum dritten Mal im gesamten deutschsprachigen Raum stattfindet. In Online- und Offline- Formaten geben Wissenschaftler*innen und andere Hochschulangehörige Einblicke in ihr Forschungsfeld.
Die Veranstaltung wird von Melanie Bittner (Toolbox Gender und Diversity in der Lehre) und Heike Pantelmann (Margherita-von-Brentano-Zentrum) angeboten. Hier finden Sie Informationen zur Technik und zur Anmeldung.

Getting to know the “Toolbox Gender and Diversity in Teaching”
Online-Veranstaltung on 2020/15/01, 2-3 p.m.
This webinar is an introduction to gender and diversity conscious teaching. We will use the materials on the toolbox-website to learn about different aspects of teaching like using non-discriminating language and images, choosing methods that engage all students and how to broach the issue of gender and diversity within different subjects. There will be time for a Q&A. You can find information concerning registration and technical aspects here.

Kamingespräch Gender und Diversity in Prüfungen
22.01.20 von 18-21 Uhr am Berliner Zentrum für Hochschullehre (BZHL)
Prüfungen zu konzipieren, durchzuführen und zu bewerten ist eine ungeliebte Aufgabe vieler Lehrender – nicht zuletzt, weil sie unterschiedlichen Anforderungen und Ansprüchen genügen wollen. Dazu gehört, der Vielfalt von Studierenden gerecht zu werden. Doch wie kann das funktionieren?
Mehr Informationen zum Inhalt, dem Format des Kamingesprächs und zur Anmeldung hier.

Lehre gender- und diversitätsbewusst gestalten
Support-Aufbaumodul am 05.05.20 von 9.00-17.00 Uhr
Die Diversität von Studierenden gehört zur Realität des Hochschulalltags. Teilnehmende in Lehrveranstaltungen bringen unterschiedliche Lebensrealitäten mit und haben unterschiedliche Perspektiven auf die Themen und Rahmenbedingungen ihres Studiums. Das hängt auch mit Erfahrungen von Diskriminierung und Privilegierung in gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen zusammen. Gender- und diversitätsbewusste Lehre berücksichtigt die Vielfalt der Studierenden und ermöglicht allen gutes Lernen. „Toolbox-Newsletter Nr. 5 – WiSe 2019/20“ weiterlesen

Sichtbarkeit queerer Geschichte(n) im Geschichtsunterricht

Das queerhistoryLab. – Ein Lehr-Lern-Labor zur Geschlechter- und Sexualitätsgeschichte

Schule ist kein geschlechtsneutraler Raum. Durch schulische Curricula, Lernmaterialien bzw. -methoden sowie Interaktionen zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen werden hierarchisch-heteronormative Strukturen und eine binäre Geschlechtervorstellung im Schullalltag stetig reproduziert. Nach unseren demokratischen Grundsätzen haben alle Menschen, unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Orientierung oder sexuellen Identität dieselben Rechte. Als zentrale Bildungsinstitution unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung sollte die Schule diese Grundsätze fokussieren und zu einem reflektierten Umgang mit Ungleichheiten, geschlechtsspezifischen Zuweisungen und Hierarchisierungen beitragen. Zwar ist bereits im Kontext Schule ein verstärktes Bewusstsein über den Umgang mit Heterogenität vorhanden, dies zeigt sich jedoch lediglich in der individuellen Förderung von Schüler*innen und lässt dabei Ungleichheits- und Machtkonstellationen völlig außer Acht. Mit der Implementierung neuer Forschungserkenntnisse aus den Gender- und Queer Studies kann im Rahmen der Kompetenzorientierung angehender Lehrpersonen die Entwicklung einer gendersensiblen Haltung mit einer intersektionalen Perspektive gefördert werden.

An der Freien Universität sind seit Jahren die Gender- und Diversitykompetenz für Studierende als integraler Bestandteil der Allgemeinen Berufsvorbereitung in den Studienordnungen theoretisch festgelegt. Geschlechtsspezifische Inhalte sollen demnach im Studienangebot mehr Berücksichtigung finden. Auch im Hochschulvertrag für die Jahre 2018-2022 zwischen der Universität und dem Land Berlin wird die Relevanz von Geschlechtergerechtigkeit und Diversity im Kontext Hochschule hervorgehoben. So wurden auf verschiedenen Ebenen der Universität wie Forschung, Lehre und Verwaltung genderzentrierte Aspekte implementiert. Seit Ende 2016 bietet beispielsweise die Internetplattform ‚Toolbox Gender und Diversity in Lehre‚ den Lehrenden Informationen und Methoden für die Gestaltung einer gender- und diversitätssensible Lehrveranstaltung. Trotz dieser positiven Entwicklung fehlen aber gerade bei der Ausbildung von angehenden Lehrpersonen in den Fachdidaktiken die allgemeinen Voraussetzungen zur Entwicklung eines professionellen Umgangs mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Gender in der Geschichtsdidaktik

Unter den Geschichtsfachdidaktiker*innen, die sich aktiv mit Geschlecht im Geschichtsunterricht befassen, besteht ein allgemeiner Konsens darüber, dass Geschlecht eine Strukturkategorie für vergangene und gegenwärtige Gesellschaften ist. Dieser Umstand wird in Diskursen über theoretische Konzeptionen und Modelle aber zumeist unterschwellig behandelt. In konkreten Auseinandersetzungen wird sich wiederum nur auf eine binäre Geschlechterordnung bezogen, die den dichotomen Konstruktionsmodus von Geschlecht und auch die Existenz anderer Geschlechter völlig ausblendet.

Das queerhistoryLab.-Seminar setzt daher den Schwerpunkt auf die Förderung von gendersensiblen Kompetenzen bei Lehramtsstudent*innen im Fach Geschichte. „Sichtbarkeit queerer Geschichte(n) im Geschichtsunterricht“ weiterlesen

Die Toolbox wird drei: Happy Birthday!

Vom 24.-26.11.2016, also vor genau drei Jahren, veranstalteten wir die Konferenz „Gender und Diversity in die Lehre! Strategien – Praxen – Widerstände“, zu der mehr als 200 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anreisten und auf Panels, in Workshops und Arbeitsgruppen diskutierten. Kurz davor ging die Toolbox-Website online – zuerst ganz still und leise. Schließlich war es unglaublich aufregend, all die Inhalte, die wir so lange diskutiert hatten, nun online zu wissen. Bei der Konferenzeröffnung hatte die Toolbox dann allerdings ihren öffentlichen Auftritt.

Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildungen

Die Website ist der Kern des Projekts. Unser Ziel aber ist eine Veränderung der Lehrpraxis, denn gute Lehre ist gender- und diversitätsbewusste Lehre! Um die ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ bekannt zu machen, wurden alleine an der Freien Universität etwa 35 Präsentationen, neun Kurzworkshops, ein Tagesworkshop, ein Webinar und zwei Online-Kurzberatungen in Kooperation mit dem Career Service durchgeführt. Auch bei verschiedenen Tagungen hatten wir Gelegenheit, die Toolbox vorzustellen und Workshops anzubieten.

Seit Juli 2018 gibt es außerdem den Toolbox-Newsletter, von dem bislang vier Ausgaben erschienen sind. Im Sommer 2019 kamen der Toolbox-Blog und ein Twitter-Account dazu. Beide ermöglichen aktuellere, zu unterschiedlichen Phase des Semesterrhythmus passende Informationen und mehr Vernetzung.

Ein besonderes Anliegen der Toolbox ist, alle Online-Inhalte und Webinare nicht nur Mitgliedern der Freien Universität zur Verfügung zu stellen, sondern dank eines Open-Acess-Ansatzes alle Interessierten zur Nutzung einzuladen. Wir verwenden außerdem Creative Commons Linzenzen, die es zu festgelegten Bedingungen erlauben, die Inhalte aufzugreifen, bei Bedarf zu verändern und neu zu veröffentlichen. Wir freuen uns, dass diese Möglichkeit bereits genutzt wurde, so dass Gender und Diversity in der Lehre nachhaltiger umgesetzt werden kann.

Erweiterung der Website

Seit dem Launch vor zwei Jahren ist die Website mit zwei neuen Unterseiten noch ein bisschen umfangreicher geworden: Unter Good Practice stellen wir besonders gelungene Beispiele für Gender und Diversity in der Lehre sowie die Gestaltung gender- und diversitätsbewusster Rahmenbedingungen vor. Sie wurden an verschiedenen Fachbereichen der Freien Universität Berlin und an anderen Hochschulen konzipiert und erprobt. Die Sammlung wird laufend ergänzt und wir freuen uns über Vorschläge von Lehrenden, die Konzepte oder Methoden als Open Educational Ressource (OER) zur Verfügung stellen möchten. Außerdem wurde in Kooperation mit Memucho ein interaktives Quiz eingefügt. Interessiert können dort ihr Wissen zu Diversität an Hochschulen sowie zur Institutionalisierung von Gender und Diversity testen und werden auf einschlägige Quellen verwiesen.

Neu hinzugekommen sind außerdem Methodenblätter zum Download:

Dankeschön statt Wunschliste

Wir möchten unseren Geburtstag nutzen, uns bei allen zu bedanken, die uns eingeladen und Feedback gegeben haben, mit uns kooperiert und mit uns diskutiert haben. Außerdem nutzen wird die Gelegenheit Inga Nuethen, Pia Garske, Kathleen Heft sowie Jamina Diehl, Lian Hüntelmann und Ellen Fischer, den bisherigen Mitarbeiter*innen bzw. studentischen Mitarbeiter*innen des Toolbox-Projekts zu danken.

Es ist schön, dass das Interesse an der ‚Toolbox Gender und Diversity in der Lehre‘ nicht kleiner zu werden scheint, sondern dass wir von ganz unterschiedlichen Fachbereichen spannnende Anfragen erhalten. Wir haben noch viele Ideen, was wir gerne anstoßen und umsetzen möchten. Happy Birthday, Toolbox!