Wie gendergerecht war Ihre Lehre? Online-Tool zur Selbstevaluation der Universität Freiburg (CH)

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Bald endet die Vorlesungszeit des Sommersemesters und damit auch viele Lehrveranstaltungen. Zur Verbesserung der eigenen Lehre empfehlen wir allen Lehrenden eine systematische Nachbereitung. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit und halten Sie alle Überlegungen, Eindrücke, Schwierigkeiten, Erfolge, Rückmeldungen und Änderungsideen schriftlich fest, so dass Sie die Notizen für Ihre weitere Lehrplanung auch zu einem späteren Zeitpunkt nutzen können.

Besonders anregend für die Reflexion von Geschlechtergerechtigkeit in der Lehre ist das komfortable Online-Selbstevaluationstool der Universität Freiburg (CH).

So funktioniert das Tool

(1) Zunächst wählen Sie aus, ob Sie mit einem expliziten oder einen impliziten Ansatz geschlechtergerechter Lehre gearbeitet haben: Beim impliziten Ansatz geht es darum, für alle Studierenden – unabhängig vom Geschlecht – gute Lernmöglichkeiten zu schaffen. Es bedeutet zum Beispiel, Zuschreibungen zu hinterfragen und Stereotypisierungen zu vermeiden. Der explizite Ansatz beinhaltet diese Aspekte ebenfalls, geht aber darüber hinaus: „Der Erwerb von Genderkompetenz durch die Studierenden ist in Ihrer Veranstaltung oder im Curriculum als Lernziel deklariert.“

(2) Anschließend entscheiden Sie, welche Dimensionen Sie mit dem Tool gerne evaluieren möchten:

  • Kommunikation durch die Lehrperson
  • Fachinhalte
  • Lehr-/Lernmethoden
  • Interaktion in der Lehre
  • Selbstverständnis als Lehrperson
  • Überprüfung der Leistung von Studierenden
  • Evaluation der eigenen Lehre

(3) Dann beantworten Sie einige Fragen mit Hilfe einer Skala. Zu jeder Frage können Sie eine Erläuterung anklicken, in der die Bedeutung der Frage erklärt wird. Im letzten Schritt erhalten Sie ein Feedback mit weiteren Anregungen.

Beispiel für Auswahloptionen „impliziter Ansatz“ und „Fachinhalte“

Bei dieser Vorauswahl beantworten Sie zum Beispiele folgende Frage:

In der Erläuterung zu dieser Frage finden Sie einen Text, der die Bedeutung der Frage erläutert: „In vielen Fachbereichen ist der Kanon von männlichen Autoren dominiert. Autorinnen werden erwiesenermaßen weniger oft zitiert. Wenn es inhaltlich angebracht ist, achten Sie darauf, in der Zusammenstellung von Literatur zu Ihrer Lehrveranstaltung auch Fachbeiträge von Autorinnen aufzuführen. Sie nehmen dafür gelegentlich auch zusätzlichen Suchaufwand in Kauf.“

Stärken und Schwächen des Tools

Das Online-Selbstevaluationstool hilft, eine große Bandbreite an Aspekten wahrzunehmen, die für geschlechtergerechte Lehre wichtig sind. Sie können Ihre eigene Praxis und Haltung reflektieren. Kritisch anzumerken ist allerdings, dass die Kategorie Geschlecht hier ausschließlich binär verstanden wird, also beispielsweise nur nach männlichen und weiblichen Studierenden gefragt wird. Die real existierende und mittlerweile auch rechtlich in Deutschland anerkannte Vielfalt von geschlechtlicher Identität, wie z. B. die „dritte Option“ beim Eintrag des Personenstands, wird hier nicht berücksichtigt. Auch weitere Diversitätsdimensionen wie soziale Herkunft oder Alter werden, wie die Verfasser*innen auch transparent machen, selten explizit berücksichtigt. Es ist also wichtig, sich dieser Engführung bewusst zu sein und ggf. selbständig mehr Vielfalt in den Blick zu nehmen.

Das Online-Selbstevaluationstool wurde im Rahmen des Projekts E-qual + „Lehrevaluation als Instrument zur Gleichstellungsförderung“ am Centre de Didactique Universitaire der Universität Freiburg (CH) entwickelt.

Es wird unter der Creative-Commons-Lizenz Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported zur Verfügung gestellt.

L’outil d’auto-évaluation est mis à disposition en allemand et français.

Weitere Hinweise zur Nachbereitung von Lehrveranstaltungen, z.B. auch im Kolleg*innenkreis, finden Sie in der Toolbox Gender und Diversity in der Lehre

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