Laila Lehming (WiSe 2025.26)
1. Persönliche Positionierung und Einleitung
Als eine in Deutschland aufgewachsene Studentin im Fach Politikwissenschaft reflektiere ich über globale Sportmedien aus einer westlich sowie weiblich geprägten Perspektive. Meine Wahrnehmung ist dabei stark durch deutsch- und englischsprachige Medien geprägt. Beide galten für mich lange als selbstverständliche Referenz.
Seit dem Vize-Europameisterschafts-Erfolg der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft bei der EM im Sommer 2022 verfolge ich den Sport und die Berichterstattung darüber intensiv. Seit der EM 2022 sowie der darauffolgenden WM 2023 ist die mediale Berichterstattung über diesen Sport enorm gestiegen. Dabei ist vor allem bei der WM 2023 aufgefallen, dass afrikanische Mannschaften medial eine andere Aufmerksamkeit erlangen als europäische Teams.
Während die englischen „Lionesses” in den Medien stets als „kämpferisch” (Schicklinski 2025) beschrieben werden, die spanische Nationalmannschaft als extrem technisch versiert und bei den Französinnen ihre Schnelligkeit hervorgehoben wird, werden afrikanische Mannschaften] meistens relativ ähnlich beschrieben. Und das trotz ihrer vorhandenen Differenzen. Oft werden deren Spielstile im Vergleich zu europäischen Teams auf ihre „Physis” oder eine (oft in westlichen Vereinen spielende) einzelne Spielerin beschränkt. Diese wiederkehrende Zuschreibung erzeugt ein homogenisiertes Bild afrikanischer Mannschaften, welches ihre sportliche Vielfalt und taktische Unterschiedlichkeit kaum abbildet. Medial werden sie dadurch nicht als gleichwertige Konkurrentinnen in internationalen Wettbewerben dargestellt, sondern als eine Abweichung von westlichen Normen. Hinzu kommt, dass unabhängig von ihren letzten Erfolgen afrikanische Teams im Vergleich zu europäischen Teams konstant als „Underdog” gesehen werden.
Diese Unterschiede in der Berichterstattung sind dabei mehr als zufällige Beobachtungen, sondern weisen auf tief verankerte strukturelle Machtverhältnisse innerhalb globaler Sportmedien hin. Besonders deutlich wird hierbei, dass sich die geschlechtsspezifische Benachteiligung im Frauenfußball mit rassistischen und postkolonialen Zuschreibungen überlagert, wodurch afrikanische Spielerinnen mehrfach marginalisiert werden.
Diese Problematik gewinnt insbesondere im Hinblick auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien an Relevanz. Vor dem Hintergrund anhaltender geschlechtlicher und rassistischer Diskriminierungsstrukturen stellt sich die Frage, inwiefern zukünftige mediale Berichterstattung bestehende Machtverhältnisse reproduzieren oder potenziell aufbrechen kann. Eine kritische Untersuchung dieser Dynamiken erscheint daher von zentraler Bedeutung.
2. Kontextualisierung
2.1 Frauenfußball im afrikanischen Kontext
Entgegen weit verbreiteter Annahmen stellt der Frauenfußball in afrikanischen Kontexten kein randständiges oder qualitativ unterlegenes Phänomen dar, sondern ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil internationaler Wettbewerbe. Afrikanische Frauennationalmannschaften nehmen regelmäßig an Turnieren wie den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften teil. Im CAF Africa’s Women’s Cup of Nations ist die Qualität der Mannschaften stark zusammengerückt. Der „afrikanische Fußball der Frauen macht Quantensprünge in Sachen Qualitätsdichte und das seit mehreren Jahren” (Emrich 2025). Trotz sportlicher Erfolge und wachsender Professionalisierung, wie z.B. die Gründung eines „High-Performance-Centre“ an der Universität Pretoria, das gezielt Fußballspielerinnen fördern soll, ist der Frauenfußball in den afrikanischen Ländern „massiv unterfinanziert” (ntv.de 2023). Begrenzte finanzielle Mittel, mangelhafte Trainingsbedingungen, fehlende institutionelle Unterstützung sowie die Nichtzahlung von Prämien prägen die strukturellen Rahmenbedingungen. Hinzu kommen schwerwiegende Vorwürfe sexualisierter Gewalt innerhalb einzelner Verbände, die auf tiefgreifende Machtungleichgewichte hinweisen. Die Trainingskonditionen sind oft „einfach nur schlecht” (ntv.de 2023). Die Aussage der ehemaligen Kapitänin der südafrikanischen Nationalmannschaft Janine van Wyk, „die Kluft zwischen [den Bedingungen] im afrikanischen Fußball und dem Rest der Welt ist riesig“ (ntv.de 2023), verdeutlicht, dass sportlicher Erfolg bislang nicht mit gleichwertigen strukturellen Voraussetzungen einhergeht.
Trotz dieser strukturellen Missstände befindet sich der Frauenfußball in Afrika in einer Phase des deutlichen Aufschwungs. Die erstmalige Qualifikation von vier afrikanischen Teams für die Weltmeisterschaft 2023 markiert einen historischen Moment und führte in vielen Ländern zu gesteigerter öffentlicher Aufmerksamkeit. Diese sportliche Entwicklung steht jedoch in einem Spannungsverhältnis zur weiterhin marginalen medialen Repräsentation auf globaler Ebene.
2.2 Mediale Sichtbarkeiten afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften
Trotz der beschriebenen sportlichen Entwicklung und wachsenden Professionalisierung afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften spiegelt sich dieser Fortschritt bislang nur wenig in ihrer medialen Repräsentation wider.
Der Frauenfußball im Allgemeinen erlebt global einen rasanten Aufschwung an Popularität. Er ist der am stärksten wachsende und stetig populärer werdende Teamsport der Welt (vgl. Staab 2017, S.56). Nationale Ligen sowie internationale Turniere knacken regelmäßig Publikumsrekorde (vgl. DPA, 2022). Trotzdem bleibt seine mediale Behandlung von strukturellen Ungleichheiten geprägt. Dies zeigte sich unter anderem in der verzögerten Sicherung der Übertragungsrechte der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2023 in Deutschland, die erst kurz vor Turnierbeginn finalisiert wurde (vgl. deutschlandfunk 2023). Die lange Unsicherheit verdeutlicht, dass selbst auf nationaler Ebene Frauenfußball medial noch immer nicht als selbstverständlicher Bestandteil sportlicher Berichterstattung gilt. Sowohl in Europa als auch in Südamerika ist Fußball noch immer eine reine „Männerdomäne” (Dunning 2003, S.473).
Erklärt werden kann dies dadurch, dass sozial und kulturell vermittelt wird, dass die „wahre Männlichkeit” der Anreiz des Sportes insgesamt ist (vgl. Sülze 2011, S.303). So stellen Fußball und die Fußballfankultur einen wichtigen Ort gesellschaftlich wirkmächtiger Konstruktionen von Männlichkeit dar, in dem die Anwesenheit von Frauen* ausgeblendet wird (vgl. Küppers 2018, S.87f). Dennoch ist es erschreckend, dass der Fußball trotz der Tatsache, dass er immer wieder versucht, den Anschein der Diversität zu vermitteln, explizit die Kategorie „Geschlecht” auslässt.
Allgemein lässt sich sagen, dass die globale Sportberichterstattung maßgeblich von Medienhäusern im globalen Norden geprägt ist. Diese entscheiden darüber, welche Teams, Spielerinnen und Narrative als berichtenswert gelten. Sichtbarkeit im internationalen Sport ist somit nicht ausschließlich an sportliche Leistung geknüpft, sondern auch an ökonomische Interessen und bestehende Machtverhältnisse.
Vor diesem Hintergrund erfahren afrikanische Frauenfußballnationalmannschaften eine doppelte Marginalisierung medialer Präsenz. Zum einen sind sie Teil eines generell benachteiligten Frauenfußballs, zum anderen sind Mannschaften aus dem globalen Süden von medialen Selektionsmechanismen besonders betroffen. Die sportlichen Leistungen von Frauennationalmannschaften aus Afrika werden häufig durch eurozentrierte Deutungsmuster gefiltert. Über Teams aus dem globalen Süden wird in den internationalen Medien nur sehr begrenzt berichtet. Und wenn, dann nur zu internationalen Turnieren, mit der Beteiligung westlicher Mannschaften. Das zeigt sich daran, dass innerkontinentale Turniere wie der Women’s Africa Cup of Nations kaum mediale Aufmerksamkeit bekommen (vgl. Letura 2024) und die Spiele in keinem etablierten internationalen Sender zu sehen sind. Es sind kaum Informationen über Spielerinnen, Spielstile, Mannschaftsentwicklung und Statistiken verfügbar. Das fehlende Wissen verhindert, dass diese Informationen auch weitergegeben werden können, weder an Fans noch an die Fachöffentlichkeit. Dieser Effekt wird durch postkoloniale Machtverhältnisse verstärkt, da sich globale Sportmedien primär an Zielgruppen aus dem globalen Norden orientieren. Vor allem die langfristige Begleitung von Teams aus dem globalen Süden fehlt, da sportliche Erfolge häufig nur als überraschende Ausnahmeereignisse thematisiert werden.
3. Zwischenfazit: Intersektionale Perspektive auf Diskriminierung im Frauenfußball
Die zuvor beschriebenen Mechanismen zeigen auf, dass die Benachteiligung afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften nicht eindimensional ist. Frauen* sind im Sport allgemein strukturell benachteiligt, etwa durch geringere mediale Präsenz oder niedrigere finanzielle Ressourcen. Für afrikanische Spielerinnen kommt die Marginalisierung durch eurozentrierte Medienlogiken und postkoloniale Deutungsmuster hinzu, die ihre Professionalität, taktische Qualität und Kontinuität systematisch unterbewerten. Intersektional betrachtet sind die Spielerinnen sowohl Opfer geschlechtsspezifischer Diskriminierung als auch von postkolonial ungleich verteilten Machtstrukturen. Die Folgen zeigen sich in fehlender langfristiger medialer Begleitung, mangelndem internationalen Ansehen und eingeschränkten Karrierechancen. Die Probleme werden durch die globale Medienstruktur reproduziert.
4. Kritische Reflexion
Die mediale Marginalisierung afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis struktureller, eurozentrierter und postkolonialer Machtverhältnisse und wird aktuell nur selten aufgebrochen. Als eine in Deutschland aufgewachsene, in Berlin studierende Politikwissenschafts-Studentin bin ich selbst Teil der medialen und akademischen Wissenshierarchie. Diese bestimmen mit, welche sportlichen Leistungen sichtbar werden und welche unbeachtet bleiben.
Durch mein ausgeprägtes Interesse am Frauenfußball beschäftige ich mich im Allgemeinen intensiver mit diesem Themenfeld als andere Medienkonsument*innen. Hinzu kommt, dass ich als politikwissenschaftlich geprägte, weibliche Studentin eine erhöhte Sensibilität für Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und struktureller Ungleichheit mitbringe. Trotzdem hat mir die Auseinandersetzung mit medialen Repräsentationen afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften gezeigt, dass auch mein eigenes Wissen von eurozentrierten Medienstrukturen geprägt ist.
Meiner Erfahrung nach existiert in wissenschaftlicher Literatur, insbesondere in explizit auf Frauenfußball fokussierten Arbeiten wie auch in Universitäts-Seminaren eine differenzierte Auseinandersetzung mit afrikanischen Teams und ihren Entwicklungen. Dieses Wissen ist aber aktuell weitgehend auf spezialisierte Diskurse beschränkt und findet nur selten Platz in der breiten medialen Öffentlichkeit. Auch meine eigene Wahrnehmung afrikanischer Nationalmannschaften entstand primär im Kontext internationaler Turniere und häufig erst in Spielen gegen mir bekanntere, meist westliche Teams.
Auch wurden einzelne Spielerinnen mir zudem oftmals erst dann nähergebracht, wenn sie bereits in westlichen Ligen aktiv waren und dort mediale Aufmerksamkeit erhielten. Diese eigene Reflexion verdeutlicht mir, wie stark ich mich, auch trotz bewusster Auseinandersetzung mit dem Thema, auf westliche Medien als primäre Wissensquelle verlasse.
In meiner Analyse spreche ich von „Afrika“ als Kontinent, da gemeinsame koloniale Erfahrungen und die Art und Weise, wie Teams international medial behandelt werden, bestimmte strukturelle Parallelen erkennen lassen. Es ist mir aber bewusst, dass diese Pauschalisierung problematisch ist, da sie die große kulturelle, politische und sportliche Vielfalt der einzelnen Länder verschleiert und wichtige lokale Unterschiede unsichtbar macht.
5. Handlungsperspektiven
Meine Analyse und eigene Reflexion verdeutlichen, dass strukturelle Ungleichheiten nicht auf individueller Ebene aufgelöst werden können. Um diese Diskriminierung erfolgreich und langfristig aufzubrechen, bedarf es gezielter Intervention auf medialer, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene.
Die zentrale Rolle bei der Reproduktion und dadurch auch bei einer möglichen Reduktion struktureller Ungleichheiten spielen Sportmedien. Um die Sichtbarkeit afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften zu erhöhen, bedarf es einer kontinuierlichen und kontextualisierten Berichterstattung. Diese kann an den medialen Erfolg eines internationalen Turniers geknüpft sein, muss aber darüber hinausgehen. Auch darf diese Thematisierung nicht ausschließlich im Vergleich mit westlichen Mannschaften geschehen. Diese sollte eine langfristige Entwicklung, taktische Konzepte sowie individuelle Spielerinnenbiografien in den Fokus rücken. Für die langfristige Berichterstattung bedarf es unbedingt auch der Übertragung oder wenigstens der Ergebnisverkündung von afrikanischen interkontinentalen Turnieren. Ich sehe darin eine besondere Bedeutung, da sie eurozentrierte Deutungsmuster aufbricht und afrikanischen Frauenfußball als eigenständigen, konkurrenzfähigen und nicht von westlicher Anerkennung abhängigen Sport sichtbar macht.
Darüber hinaus ist eine kritische Reflexion eurozentrierter Bewertungsmaßstäbe im Sportjournalismus notwendig. Eine dekoloniale Medienpraxis würde bedeuten, sportliche Qualität nicht ausschließlich anhand westlicher Normen und Ligen zu messen, sondern lokale Kontexte, Ressourcenunterschiede und strukturelle Rahmenbedingungen stärker zu berücksichtigen.
Neben den Medien tragen in jedem Fall auch internationale und kontinentale Sportorganisationen Verantwortung für die Sichtbarkeit afrikanischer Frauenfußballteams. Institutionen wie die FIFA oder die CAF müssten durch gezielte Förderprogramme und Investitionen in Infrastruktur und Trainingsbedingungen zur Professionalisierung beitragen.
Darüber hinaus sollten internationale und kontinentale Sportorganisationen sicherstellen, dass Turnier- und Leistungsprämien tatsächlich bei den Spielerinnen ankommen. Eine transparente und möglichst direkte Auszahlung der Prämien, und das unabhängig von nationalen Verbänden, könnte dazu beitragen, finanzielle Ungleichheiten zu reduzieren und die Autonomie der Spielerinnen zu stärken. Dies liegt nicht zuletzt im Interesse der Organisationen selbst, da faire finanzielle Rahmenbedingungen langfristig zu einem ausgeglicheneren Wettbewerb und einer nachhaltigen Professionalisierung des internationalen Frauenfußballs beitragen. Es sollten sich gleichzeitig mediale Mindeststandards für internationale Turniere etablieren, um eine gleichwertige Berichterstattung sicherzustellen.
Es ist wichtig, bei der Förderung von Frauenfußball den intersektionalen Aspekt nicht außen vor zu lassen. Maßnahmen, die Geschlechtergerechtigkeit adressieren, sollten immer auch rassistische und postkoloniale Machtverhältnisse berücksichtigen. Sonst besteht die Gefahr, bestehende Ungleichheiten unbeabsichtigt zu reproduzieren.
Auch auf gesellschaftlicher Ebene sind Veränderungen notwendig. Konkret muss eine Sensibilisierung für die Rolle von Medien in der Wissensproduktion geschehen. Es muss sichtbar werden, dass das „Angebot-und-Nachfrage”-Konzept der Medien oft sehr hinterherhinkt. Die Annahme, Frauenfußball generiere zu wenig Publikum, erweist sich immer wieder als gesellschaftlich (und medial) erzeugte Verzerrung. Übertragungen zu regulären Sendezeiten erzielen nachweislich hohe bis sehr hohe Reichweiten. Deshalb kann nicht einfach angenommen werden, dass Teams aus dem globalen Süden medial kein Publikum erreichen würden.
Im Sinne einer dekolonialen Wissensproduktion wäre es wichtig, Stimmen aus dem globalen Süden stärker einzubeziehen und nicht nur über afrikanische Frauenfußballnationalmannschaften zu sprechen, sondern ihnen selbst eine Stimme und Raum zu geben.
Letztlich sind ergänzend zu den medialen und institutionellen Handlungsebenen auch alternative Formen der Wissensproduktion wichtig. Soziale Medien, unabhängiger Sportjournalismus und wissenschaftliche Auseinandersetzungen können dazu beitragen, bestehende mediale Leerstellen zu füllen und so Wissen über afrikanische Frauenfußballteams jenseits etablierter westlich-zentrierter Medienlogiken zu verbreiten. Vor allem in den Bereichen, wo klassische Sportmedien ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, hat diese Art der Medien eine hohe Relevanz.
6. Fazit
Die geringe Sichtbarkeit von afrikanischen Frauenfußballnationalmannschaften fällt strukturell auf. Sie ist weniger auf sportliche Leistungen zurückzuführen als auf strukturelle, postkoloniale-, geschlechter- und machtpolitische Ungleichheiten. Diese prägen die Medienlandschaft bis heute. Die Reflexion darüber hat auch meine eigene Wahrnehmung und Wissensproduktion kritisch infrage gestellt.
Diese Arbeit hat verdeutlicht, dass Frauenfußball insgesamt strukturell benachteiligt ist und afrikanische Nationalmannschaften dabei einer doppelten Marginalisierung unterliegen. Intersektional betrachtet sind afrikanische Teams Teil eines weiterhin unterrepräsentierten Frauensports, gleichzeitig werden sie als Teams aus dem globalen Süden in internationalen Medien seltener kontinuierlich begleitet. Ihre sportlichen Leistungen werden häufig nur im Kontext internationaler Großturniere wie WM oder Olympia beleuchtet und dann oft nur in Begegnung oder Vergleich mit westlichen Mannschaften. Dabei werden sie oftmals als überraschende Ausnahmeereignisse gerahmt. Langfristige Entwicklungen, taktische Konzepte und individuelle Spielerinnenbiografien bleiben oft außen vor.
Auch wurde deutlich, dass Medien nicht lediglich gesellschaftliches Interesse widerspiegeln, sondern diese aktiv mitgestalten. Die verbreitete Annahme, insbesondere der Frauenfußball aus dem globalen Süden generiere zu wenig Publikum, ist eine mediale Verzerrung. Wo Übertragungen stattfinden und redaktionelle Begleitung gewährleistet ist, zeigen sich stabile Reichweiten und wachsendes Interesse. Die ungleiche Sichtbarkeit afrikanischer Frauenfußballteams ist nicht naturgegeben. Sie ist das Ergebnis selektiver Berichterstattung und westlich-zentrierter Bewertungsmaßstäbe.
Dieses Phänomen darf nicht losgelöst von den strukturellen Bedingungen betrachtet werden, unter denen viele afrikanische Frauenfußballnationalmannschaften agieren. Diskriminierung ist materiell und körperlich. Das wird in schlechten Trainingsbedingungen, ausbleibenden Prämienzahlungen sowie schwerwiegenden Vorwürfen sexualisierter Gewalt innerhalb nationaler Verbände deutlich. Besonders problematisch ist es, dass internationale Organisationen wie die FIFA trotz ihrer Verantwortung als Turnierausrichter häufig nicht konsequent eingreifen. Dass Trainer mit gravierenden Vorwürfen sexualisierter Gewalt weiterhin Teams bei Weltmeisterschaften betreuen dürfen oder Föderationen bekannte Prämien vorenthalten, ist ein institutionelles Versagen. Auch hier tragen internationale Verbände Verantwortung. Zu dieser Verantwortung gehört es, nicht nur sportliche Wettbewerbe zu organisieren, sondern Mindeststandards für Schutz, Transparenz und Gleichberechtigung durchzusetzen und Verstöße öffentlich zu thematisieren.
In meiner kritischen Reflexion wurde mir deutlich, dass auch mein eigenes Wissen über afrikanische Frauenfußballnationalmannschaften maßgeblich durch westliche Medien geprägt ist. Selbst als Frau mit ausgeprägtem Interesse am Frauenfußball habe ich viele Teams und Spielerinnen erst im Rahmen internationaler Turniere oder über ihre Präsenz in westlichen Ligen wahrgenommen. Für mich hat das unterstrichen, wie wirkmächtig mediale Strukturen sind. Auch zeigt es, wie begrenzt alternative Perspektiven bislang sind.
Eine gerechte Repräsentation afrikanischer Frauenfußballnationalmannschaften kann nur durch ein Zusammenspiel medialer, institutioneller und gesellschaftlicher Veränderungen erreicht werden. Das bedarf einer dekolonialen Medienpraxis, einer kontinuierlichen Berichterstattung, der Einbindung lokaler Kontexte und der Stärkung von Stimmen aus dem globalen Süden. Sichtbarkeit im Sport ist nicht nur eine Frage der Aufmerksamkeit. Sport ist in vielen Aspekten ein Spiegel der Gesellschaft. Die faire Berichterstattung über afrikanische Frauenfußballnationalmannschaften ist es eine Frage von Anerkennung, Teilhabe und globaler Gerechtigkeit.
7. Quellenverzeichnis
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Emrich, Jonas 2025: Wie der afrikanische Frauenfußball immer besser wird:
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Gerstenberger, Olivia; Sturmberg, Jessica 2023: FIFA Frauen-WM 2023: Poker um TV-Rechte. deutschlandfunk. [https://www.deutschlandfunk.de/tv-rechte-fussball-wm-frauen-faeser-australien-neuseeland-100.html#Warum] Abruf 01.02.2026.
Küppers, Carolin. 2018: Die mediale Konstruktion von Männlichkeit und Heteronormativität zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. In Sexismus und Homophobie im Sport: interdisziplinäre Perspektiven auf ein vernachlässigtes Forschungsfeld, 85-104. Wiesbaden, Deutschland: Springer (VS).
Letura, Tuka 2024: WAFCON 2024: African Women’s Football Deserves Better Broadcast Coverage. Afrocritik [https://afrocritik.com/wafcon-2024-african-women-football-deserves-better-broadcast-coverage/] Abruf 01.02.2026.
Schicklinski, Johann 2025: EM-Finalistinnen im Vergleich
Spanien ist besser besetzt als England, aber. sportschau. [https://www.sportschau.de/fussball/frauen-em/england-gegen-spanien-die-spielerinnen-im-direktvergleich,england-gegen-spanien-spielerinnen-im-direktvergleich-100.html] Abruf am 30.01.2026.
Staab, Monika 2017: Erlebte Geschichte: Die Anfänge des Frauenfußballs nach 1970. In Sobiech, Gabriele/ Günter, Sandra (Hrsg.): Sport & Gender – (inter)nationale sportsoziologische Geschlechterforschung – Theoretische Ansätze, Praktiken und Perspektiven, 49- 58, Wiesbaden, Deutschland: Springer Fachmedien.
Sülzle, Almut 2011: Fußball, Frauen, Männlichkeiten. Eine ethnographische Studie im Fanblock, Frankfurt am Main, Deutschland: Campus Verlag.
Übergriffe, Beleidigungen, Häme: Der schwierige Weg für Afrikas Fußballerinnen. 2023. ntv.de. [https://www.n-tv.de/sport/fussball/Der-schwierige-Weg-fuer-Afrikas-Fussballerinnen-article24240735.html] Abruf am 31.01.2026.
Quelle: Laila Lehring, Afrikanische Frauenfußballnationalmannschaften zwischen westlich-zentrierter Berichterstattung und postkolonialen Machtstrukturen, in: Blog ABV Gender- und Diversitykompetenz FU Berlin, 18.03.2026, https://blogs.fu-berlin.de/abv-gender-diversity/?p=560









