NATürlich Studium! – NATürlich Ausbildung!

Seit 13 Jahren gibt es NATürlich Studium! – Schülerinnen treffen Naturwissenschaftlerinnen an der FU. 2021 startete dann NATürlich Ausbildung! – Schülerinnen entdecken Ausbildungsberufe. In beiden Projekten dienen weibliche Vorbilder, der Besuch des Arbeitsplatzes und das Durchführen von berufsrelevanten Tätigkeiten der Studiums- und Berufsorientierung.

Wie die Idee entstand: Als junge Wissenschaftlerin der Neurobiologie an der Brandeis University, Massachusetts, nahm Petra Skiebe-Corrette, seit 2010 Professorin am Fachbereich Biologie, Chemie und Pharmazie (BCP), an einer Vorlesungsreihe für Frauen teil. In dieser wurde nicht nur aktuelle Forschung vorgestellt, sondern interessierte Zuhörerinnen konnten im Anschluss an die Vorträge – bei Kaffee und Donuts – mit den Wissenschaftlerinnen auch über deren Karriereweg und dessen Herausforderungen reden. Auf ihrer ersten großen amerikanischen Tagung der Society of Neuroscience hat Skiebe-Corrette an einem Treffen der Women in Neuroscience teilgenommen. Dort konnte sie sich mit Frauen austauschen, die ihr Interesse an der Neurobiologie teilten. Beide Veranstaltungen und immer wieder auch weibliche Vorbilder, wie z.B. ihre damalige Chefin, die US-amerikanische Neurobiologin Eve Marder, haben ihre Kariere positiv beeinflusst, genauso wie später das ProFiL-Programm der FU, an dem sie teilnahm.

2004 übernahm Skiebe-Corrette die Leitung des Schülerlabors NatLab des Fachbereichs BCP der FU.  Dessen Aufgaben sind die praxisorientierte Lehramtsausbildung, die Förderung des Interesses von Schüler*innen an den Naturwissenschaften und die Öffentlichkeitsarbeit für die Universität und den Fachbereich BCP. 2009 konnte sie ihre Erfahrungen aus den USA auf die Berufsorientierung von Schülerinnen hier in der Region übertragen. In Zusammenarbeit mit den damaligen Frauenbeauftragten des Fachbereichs BCP, Sabine Artelt und Sabine Buchert, sowie mit Hilfe der Frauenfördermittel konnte NATürlich – Schülerinnen treffen Naturwissenschaftlerinnen für Mädchen ab der Klassenstufe 10 ins Leben gerufen werden. Hier treffen Mädchen andere Mädchen mit gleichen Interessen, sie lernen Rollenvorbilder, deren Arbeitsalltag und Karrierewege kennen. Sie begegnen Wissenschaftlerinnen an Forschungseinrichtungen, in der Industrie oder an öffentlichen Einrichtungen sowie Studentinnen verschiedener naturwissenschaftlicher Studiengänge.  

Wie sieht der Ablauf von NATürlich Studium! aus? Die Seminarreihe beginnt in der Regel mit einer Auftaktveranstaltung zum Kennenlernen und endet mit einer Abschlussveranstaltung, in der Studentinnen ihre naturwissenschaftlichen Studiengänge vorstellen. Nachzuhören in der Reihe „Mein Fach in 5 Minuten – Studierende berichten“. An sechs weiteren Terminen hören die Teilnehmerinnen Vorträge von Wissenschaftlerinnen und besuchen diese am Arbeitsplatz, an dem sie auch selbst experimentieren und arbeiten dürfen. Zudem wird über Arbeitsbedingungen, Berufsperspektiven und Lebenswege diskutiert. Ziel ist es, MINT-interessierte Schülerinnen ab Klassenstufe 10 bei der Studienwahl zu unterstützen und ihnen realistische Berufsperspektiven aufzuzeigen.

NATürlich online während der Pandemie
Foto: Petra Skiebe-Corrette

Seit Beginn der der Corona-Pandemie wird NATürlich Studium! – Schülerinnen treffen Naturwissenschaftlerinnen online angeboten. Per Webex bespricht eine studentische Mitarbeiterin vorab mit jeder Schülerin den Programmablauf, individuelle Interessengebiete und hilft bei technischen Fragen. Da die Wissenschaftlerinnen zu Pandemiezeiten nicht besucht werden können, erhalten die Schülerinnen vorab Porträts der Referentinnen. Das Experimentieren am Arbeitsplatz wird durch Experimente oder Rechercheaufgaben mit Themenbezug ersetzt, die zuhause durchgeführt und im Seminar besprochen werden. Teilnehmerinnen der virtuellen Seminarreihen haben positiv bewertet, dass nun auch Schülerinnen aus anderen Bundesländern und dem Ausland teilnehmen konnten, und Teilnehmerinnen aus Berlin/Brandenburg schätzten den Wegfall der Anfahrtswege. Positiv wurden auch die Aufgaben für zuhause bewertet.

Kooperationen mit Sonderforschungsbereichen

Das Projekt kooperiert mit verschiedenen Sonderforschungsbereichen (SFB 937, 958, 1315, 1449) und Forschungsgruppen (FOR 5026). Seit 2020 gib es auch eine Kooperation mit Bianca Reinisch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG Krüger in der Didaktik der Biologie. Daraus entstand 2021 eine Masterarbeit von Janine Seidel, die den „Einfluss der NATürlich-Seminarreihe auf die Vorstellungen von Schülerinnen über Naturwissenschaftlerinnen und ihre Arbeit“ untersucht.  Diese Kooperation soll weiter ausgebaut werden.

Im März startete eine neue Online-Seminarreihe, die im Laufe des Jahres hoffentlich in Präsenz übergehen kann. Einige Elemente der Onlineveranstaltungen werden wir auch in Zukunft beibehalten und hybride Formate anbieten, insbesondere dann, wenn wieder Schülerinnen dabei sind, die nicht aus Berlin kommen. Es wäre auch zu überlegen, ob es zwei NATürlich-Programme geben sollte, eins in Präsenz und eins online.

NATürlich Ausbildung stellt Ausbildungsberufe im MINT-Bereich vor

Ein Folgeprojekt von NATürlich Studium! ist NATürlich Ausbildung!, das Anfang 2021 als ein Teil des vom Bildungsministerium für Bildung und Forschung geförderten MINT-Clusters Mach’s GenaU! an den Start gegangen ist. Ziel dieses Projektes ist es, mit interessanten Nachmittagsangeboten besonders Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten anzusprechen.

Inspiriert von NATürlich Studium! richtet sich auch NATürlich Ausbildung! speziell an Mädchen schon ab der 9. Klasse und als Kooperationsprojekt mit anderen in Berlin ansässigen außerschulischen Einrichtungen. Der Fokus liegt hier auf der Vorstellung von Ausbildungsberufen im MINT-Bereich. Pro Halbjahr lernen die Teilnehmerinnen mindestens sechs naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe kennen. Gemeinsam mit den Vertreterinnen der jeweiligen Ausbildungsberufe werden berufsrelevante Tätigkeiten ausgeführt. So haben die Mädchen in Vorbereitung auf die Veranstaltung zum Ausbildungsberuf der Präparatorin Tiere aus Ton geformt und beim Ausbildungsberuf der Gärtnerin Pflanzen zu Hause großgezogen.

Die drei beteiligten Institutionen – neben dem NatLab der FU das Museum für Naturkunde Berlin und das Gläserne Labor auf dem Campus Buch – stellen jeweils zwei Berufe pro Durchlauf vor. Bisher wurden zehn verschiedene Ausbildungsberufe vorgestellt. Die Chemielaborantin und die Biologielaborantin stoßen dabei immer wieder auf besonders hohes Interesse bei den Mädchen. Aber auch die anderen Berufe begeistern: Die Tierpflegerin, die es ihren Labortieren so gut gehen lassen möchte wie möglich, die Fachinformatikerin, die durch Zufall zu ihrem Traumberuf kam und ihr Hobby so zum Beruf machte, die Eventmanagerin im Naturkundemuseum, die exotische Ausstellungen plant und umsetzt, die Konservatorin, die Spinnen sammelt, oder auch die politisch aktive, sympathische Gärtnerin, die zeigen kann, wie meditativ und beruhigend der Beruf der Gärtnerin im Botanischen Garten Berlin sein kann. Alle haben eins gemeinsam: das Gefühl am richtigen Ort zu sein und das für sie Richtige gefunden zu haben. Und genau da holt Natürlich Ausbildung! die 14- bis 15-jährigen Mädchen ab, die sich gerade aufmachen, den für sie passenden Beruf zu finden. Die Liebe zur Naturwissenschaft und zum Beruf zieht sich durch alle Veranstaltungen. Es ist dieser Funke der Begeisterung, der unversehens auf die Mädchen überspringt.

Und damit nichts schief geht, werden den Mädchen bei der Abschlussveranstaltung Bewerbungstipps und -tricks gezeigt. Sie können sich mit Ausbildungsleitern, Frauenbeauftragten und anderen Expertinnen austauschen und ihre Bewerbungen gegenlesen lassen. Momentan findet die Veranstaltungsreihe digital statt, aber mit der Perspektive, in absehbarer Zeit einige der Rollenvorbilder wieder an ihrem Arbeitsplatz besuchen zu können.

13 Jahre NATürlich in Zahlen

  • 2009 Gründung von NATürlich Studium!
  • 358 teilnehmende Mädchen
  • 17 Durchgänge
  • 80 vorgestellte Wissenschaftlerinnen
  • 16 Studiengänge
    5 Projektkoordinatorinnen seit 2009: Jessica Krüger, Nadine Hermann, Antonia Strutz, Lea Dämpfling (Ehemalige); Petra Skiebe-Corrette
  • 6 studentische Mitarbeiterinnen: Johanna Hofmann, Aileen Müller-Mechsner, Elodie Lorentz, Janine Seidel, Paula Leupold (Ehemalige); Luise Grapentin (aktuelle Mitarbeitende)
  • Nadine Hermann hat in Anlehnung an NATürlich ein Modul für Studentinnen entwickelt
  • 2020 NATürlich – online
  • 2021 Gründung von NATürlich Ausbildung!
  • 31 teilnehmende Mädchen
  • 2 Durchgänge
  • 10 Ausbildungsberufe
  • 4 Projektkoordinatorinnen: Charoula Finkelnburg (GenaU), Petra Skiebe-Corrette (NatLab, FUB), Claudia Jacob (Gläsernes Labor), Astrid Faber (Museum für Naturkunde Berlin)
  • 2 studentische Mitarbeiterinnen: Arda Güner (FUB) und Natalie Köppe (Museum für Naturkunde Berlin)

Anmeldung

Petra Skiebe-Corrette, Professorin und Projektkoordinatorin am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität Berlin

Charoula Finkelnburg, Projektkoordinatorin von Mach’s GenaU! des Schülerlabor-Netzwerks GenaU

Marthe-Vogt-Preis für MINT-Forscherinnen

– Ausschreibungsfrist: 31.05.2022 – Noch bis Monatsende können Kandidatinnen für den Marthe-Vogt-Preis vorgeschlagen werden. In Frage kommen Wissenschaftlerinnen, die in den letzten zwei Jahren eine mathematisch-naturwissenschaftliche Promotion an einer Hochschule oder einer Forschungseinrichtung in Berlin oder Brandenburg mit Prädikat abgeschlossen haben.

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„In vielen Ländern ist Informatik Frauensache“

Katinka Wolter, Professorin für Informatik an der Freien Universität, berichtet im Interview über Höhen und Tiefen auf ihrem Weg zur Professur. Durch Informatik die Welt zu verstehen begeistert sie ebenso wie der Kontakt mit Studierenden und die Vernetzung innerhalb der internationalen Fach-Community, in der Frauen deutlich stärker vertreten sind als in Deutschland.

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International Women in Mathematics Day

– 12. 05. 2022, 14-20h: Arnimallee 22, Großer Hörsaal – Anlässlich des Internationalen Tags der Frauen in der Mathematik laden die Arbeitsgruppe Gender Studies in der Mathematik und der SFB 1114 Scaling Cascades in Complex Systems zu einer Veranstaltung ein, um Frauen in der Mathematik zu feiern und ihre Erfolge sichtbarer zu machen.

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Mathematikerinnen und Informatikerinnen live

– Ringvorlesung, dienstags 16-18h, ab 26.04.22 – Sechs Wissenschaftlerinnen geben unter dem Titel „Mathematikerinnen und Informatikerinnen heute“ Einblicke in ihre persönlichen Lebens- und Karrierewege sowie ihre Forschungs- und Tätigkeitsfelder. Dazu laden die Frauenbeauftragte des Fachbereichs und die Arbeitsstelle Gender Studies in der Mathematik ein.

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„In der Schule fand ich Physik langweilig“

Christiane Koch, Professorin für Theoretische Physik an der Freien Universität, berichtet im Interview über ihren Weg in die Physik und die Wissenschaft. Anhaltende Freude an der Arbeit und internationale Kooperationen kennzeichnen ihn ebenso wie Durststrecken und erfahrene Unterstützung, u.a. durch das ProFiL-Programm.

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Wie weiblich ist MINT an der FU?

Frauen sind in MINT-Fächern noch immer unterrepräsentiert, doch zeigen sich zwischen den einzelnen Fächern große Unterschiede. Besonders Informatik und Physik sind männlich dominiert. Die FU hingegen hat in diesen Fächern Studentinnen hinzugewinnen können und schneidet auch im Bundesvergleich gut ab. Komplexer ist die Bilanz für die unbefristeten Professuren.

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Leaky Pipeline im Exzellenzcluster MATH+?

Ein Blick auf Auswertungen amtlicher Hochschuldaten zeigt für Deutschland Folgendes: kaum Veränderungen des Anteils von Professorinnen in der Mathematik in den letzten mehr als 25 Jahren – und dies obwohl sich sehr wohl immer mehr Frauen auf den vorgelagerten Karrierestufen befinden, vor allem unter Studierenden und Promovierenden.

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„Mathematik ist eine Liebesgeschichte“

Ein Gespräch über Frauen in der Wissenschaft, soziale Herkunft und die ästhetische Dimension von Mathematik mit Hélène Esnault. Die Mathematikerin war von 2012 bis 2019 die erste Einstein-Professorin an der Freien Universität. Die deutsche Mathematiker-Vereinigung bezeichnet Esnault, geboren 1953 in Paris, als „eine der weltweit profiliertesten Persönlichkeiten in der Mathematik“.

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Im Fokus: Geschlechtergerechtigkeit in MINT

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – bis heute entscheiden sich viel weniger Frauen als Männer für ein Studium dieser Fächer. Das bundesweit größte Angebot, um Schülerinnen für MINT zu begeistern, ist der jährliche Girls’Day. Seit 20 Jahren beteiligt sich die FU daran – Anlass für einen Blog-Themenmonat zu Geschlechtergerechtigkeit in MINT.

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