Wikipedia geht aus Protest offline

Wer öfters in der englischsprachigen Wikipedia nachschlägt, wird die Artikel heute „nur“ für eine Millisekunde zu Gesicht bekommen, ehe sich ein schwarzes Banner über das gesamte Fenster legt. Für ganze 24 Stunden hat sich die freie Online-Enzyklopädie verabschiedet, um gegen ein Gesetzespaket des US-Kongresses zu protestieren – den Stop Online Piracy Act (SOPA).

Ursprünglich ist das Gesetzespaket dafür gedacht, US-Bürgern die Verbreitung von illegal kopierten Filmen oder Musiktiteln zu erschweren. Da in den Planungen aber auch sogenannte Schwarze Listen (Blacklists) auftauchten, die Internet Provider gerichtlich dazu zwingen könnten, ausländische Webseiten systematisch zu sperren, wird von Kritikern eine mögliche Zensur befürchtet. Das Gesetz sei laut ihrer Ansicht mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit nicht vereinbar. Selbst das bloße Verlinken auf Webseiten, die eventuell irgendwo auf ihren Seiten eine Urheberrechtsverletzung begangen haben, könnte unter Strafe gestellt werden.

Der Gesetzesentwurf wurde am 26. Oktober 2011 vom republikanischen Abgeordneten Lamar Smith aus Texas dem US-amerikanischen Repräsentantenhaus vorgelegt. Zur Zeit wird noch darüber beraten. Jedoch wird schon am 24. Januar der US-amerikanische Senat über ein ähnliches Gesetz abstimmen – den Protect IP Act (PIPA). Dieses hatte der demokratische Senator Patrick Leahy aus Vermont eingebracht. Gegenwärtig sind auch Online-Riesen wie Google oder Amazon am überlegen, ihre Dienste kurzfristig abzuschalten. Die Obama-Administration hat schon vor ein paar Tagen eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich gegen das SOPA-Gesetz ausspricht – zumindest in der aktuellen Fassung.

Die deutschsprachige Wikipedia hat sich nicht dem Protest angeschlossen. Wer im Verlauf des Tages dennoch auf die englischsprachige Oberfläche zugreifen möchte, sei die Cache-Funktion bei Google empfohlen, durch die man ohne Probleme auf ältere Versionen der englischsprachigen Wikipedia-Artikel zugreifen kann (rot eingefärbt):

Bild: Jorm (Wikimedia Foundation)

Bilder für Bibliophile

Auf der Website mit dem etwas aufmerksamkeitsheischenden Titel „Bookshelf Porn” sammelt der Werbefachmann Anthony Dever seit 2009 Bilder von Bücherregalen aus aller Welt. „One day I was in a second-hand bookstore talking to its owner telling him that if I took a photo of his bookshelves it would be loved by people on the internet like porn for book lovers. He laughed at me, but I thought to myself why not start a blog that just had amazing bookshelf photos and call it Bookshelf Porn.”, so Dever gegenüber newyorker.com zum ungewöhnlichen Einfall und zur Namensgebung.

Die Seite setzt auf den Mikroblogging-Dienst Tumblr auf, wo Nutzer wie bei Facebook auch die Möglichkeit haben besondere Bilder entsprechend zu „liken“ bzw. weiterzuempfehlen. Einfach mal die Timeline herunterscrollen und sich überraschen lassen (der Einfachheit halber die Bilder zum Vergrößern besser in einem neuen Tab öffnen). Es finden sich sowohl futuristisch anmutende Bibliotheken, als auch traurig dreinblickende Bücherregale, die den ungebremsten Trend zum E-Book wohl schon erahnen. Auch der ein oder andere Artikel ist verlinkt, darunter einer mit dem verheißungsvollen Titel „Date a girl who reads”.

Gesehen im VÖBBLOG

Link des Monats Januar 2012: Europäische Geschichte Online

Unser Link des Monats Januar 2012 ist diesmal Europäische Geschichte Online (EGO). Dabei handelt es sich – wie unschwer abzulesen – um eine Internet-Plattform zur Geschichte Europas, die sich aus multimedialen Wissenseinheiten zu europäischen Transferprozessen von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zusammensetzt. Autoren und Fachreferenten rekrutieren sich aus der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft.

Erste E-Book-Bestsellerliste für Sachbücher

Nachdem Media Control Anfang September erstmals E-Book-Belletristik-Charts für den deutschen Buchmarkt vorlegte, kommen nun auch die Sachbücher nicht mehr zu kurz. Bei den ersten offiziellen E-Book-Charts für Sachbücher gibt es bei der Führungsposition allerdings keine große Überraschung – Walter Isaacsons Biografie über den verstorbenen Apple-Mitgründer Steve Jobs hat ebenso wie bei den Hardcover-Titellisten die Nase vorn. Wer noch nicht dazu kam, das Buch zu lesen, kann die englischsprachige Originalausgabe übrigens ab Montag wieder in der Bibliothek des J.F. Kennedy-Instituts ausleihen.

Die E-Book-Bestsellerlisten setzen sich aus Informationen von Händlern und E-Book-Plattformen sowie Konsumenten- und Verlagsangaben zusammen. Sie präsentieren keine absoluten Verkaufszahlen.

Google für Profis

Anfang Dezember hat Bibliothekarisch.de hat eine nette Grafik veröffentlicht, die einige mehr oder weniger bekannte Tipps und Tricks im Umgang mit Google anbietet. Natürlich sind die englischsprachigen Hinweise auch auf das deutschsprachige Such-Interface anwendbar. Jedoch sollte man den Tipp ganz unten „Use Your Library’s Website“ natürlich nicht vergessen. Auch die Bibliothekare vor Ort helfen bei eventuellem Suchfrust gerne weiter  ;)

Gegenwärtig hat sich Google mit einem kleinen „Easter Egg“ übrigens perfekt auf das bevorstehende Weihnachtsfest vorbereitet. Einfach mal in den Suchschlitz „let it snow“ eingeben und überraschen lassen. Das gleiche gilt für die Suchen nach „tilt“ oder „do a barrel roll“.

PS: Wer nicht unbedingt auf Google angewiesen sein möchte, für den bietet boersenblatt.net einige Varianten an.

Verspäteter Hörtipp

Deutschlandradio Wissen hat im Monat Dezember in der Rubrik „Mein Studium“ den Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaften porträtiert. Zwar liefen die Radiobeiträge bereits letzte Woche, doch lassen sich diese weiterhin kostenfrei unter wissen.dradio.de anhören. In fünf Beiträgen à 8 bis 10 Minuten wird der Studiengang vorgestellt und dabei auch unser heutiges Berufsfeld und Chancen auf dem Arbeitsmarkt thematisiert.

Kleiner Tipp: Du möchtest (noch) nicht studieren, kannst Dir aber dennoch deine berufliche Zukunft in einer wissenschaftlichen Bibliothek vorstellen? Noch bis Ende Januar 2012 gibt es Gelegenheit, sich bei der Universitätsbibliothek der FU als Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste zu bewerben. Ausbildungsbeginn ist der September 2012 (zum Ausschreibungstext).

Bibliotheksparfum „In the library“!?

Der New Yorker Parfümeur Christopher Brosius bietet auf seiner Webseite diverse orginelle Duftwässerchen an. In seiner Serie „I hate perfums“ gibt es auch ein Parfüm, das „In the Library“ heisst.

In the Library is a warm blend of English Novel*, Russian & Moroccan Leather Bindings, Worn Cloth and a hint of Wood Polish.

Das wäre eigentlich das perfekte Weihnachtsgeschenk für Bibliotheksmenschen, aber „getragene Kleidung“ und „Möbelpolitur“ erscheinen mir doch ziemlich gewagt!!!

Oder etwa nicht? 😉

Hier der Link zur Webseite – interessant auch die „Story“ zum Parfum:
https://www.cbihateperfume.com/in-the-library.html.

Mehr dazu auch im Artikel von Thomas Helbing in Libreas mit dem Titel „Das Knistern zwischen den Bücherregalen“.

Die Anregung zu diesem Posting kam von Dr. Martin Eichhorn via Inetbib-Mailingliste.

Klaus Haller verstorben

Laut dem Blog kibibbayer bzw. bib-info.de ist Dr. Klaus Haller bereits am 25. November, einen Tag vor seinem 72. Geburtstag, verstorben. Der größeren Allgemeinheit dürfte der Name kaum etwas sagen, umso mehr war er in der deutschen Bibliothekslandschaft präsent. Anfang der 1980er Jahre begleitete Haller die Einführung eines modernen Erschließungssystems für deutsche Bibliotheken, das die aus dem 19. Jh. stammenden „Preußischen Instruktionen“ (PI) als bibliothekarisches Regelwerk ablösten.

Noch heute finden die „Regeln für die alphabetische Katalogisierung“ (RAK) an wissenschaftlichen Bibliotheken Anwendung. Gleichzeitig ertappt man sich bei schwierigen Katalogaufnahmen auch immer wieder dabei, in seinem vielfach aufgelegten Standardwerk „Katalogisierung nach den RAK-WB“ nachzuschlagen. Das blaue Büchlein, unter Bibliothekaren kurz als „Haller“ bekannt, dürfte in fast jeder wissenschaftlichen Bibliothek in Deutschland zu finden sein.

Einen längeren Nachruf zu Klaus Haller gibt es bei merkur-online.de.

Verspäteter Fernsehtipp

Am Montagabend sendete Arte ein sehenswertes Porträt über Eugen Ruge. Der Berliner Autor, der 2011 den Deutschen Buchpreis für seinen semi-autobiographischen Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts gewann (Biblioblog berichtete), wurde seit 2009 von dem Filmemacher Arpad Bondy begleitet. Neben Einblicken in Ruges Schreibprozess, der am liebsten mit dicken Ohrenschützern am Laptop arbeitet, gewährt die Dokumentation auch einen seltenen Blick hinter die Kulissen des Rowohlt Verlags (inkl. Verkaufsverhandlungen, Layout- und Pressearbeit).

Die Dokumentation Eugen Ruge – eine Familiengeschichte wird zum Bestseller kann man sich noch die nächsten Tage kostenfrei auf ARTE+7 ansehen. Ruges Erfolgsroman ist im Bestand der Philologischen Bibliothek zu finden.

Bild: Lesekreis (CC-Zero)

FaMI im Porträt

Im Rahmen der Berliner-Morgenpost-Serie „Ich bin ein Berliner“ stand am Sonntag Sina Latza im Mittelpunkt. Die 20-Jährige absolviert ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz „FaMI“) in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek der FU und engagiert sich in Ihrer Freizeit ehrenamtlich für ein Lesepaten-Projekt. Regelmäßig betreut sie mit anderen Auszubildenden Erst- und Drittklässler aus einer Lichterfelder Schule, ist „große Schwester“ und Freundin für eine Vielzahl an Jungen und Mädchen, häufig mit Migrationshintergrund. Ziel ist es, nicht nur zum Lesen zu motivieren, sondern auch die Fantasie der Kinder zu fördern, so Latza. Der vollständige Artikel mit einem Video findet sich bei morgenpost.de. Weitere Infos zum Projekt gibt es im Lesepaten-Blog.

Na, etwas neugierig auf den FaMI geworden? Im Bibliothekssystem der FU werden jedes Jahr Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Bibliothek und in unregelmäßigen Abständen auch in der Fachrichtung Archiv ausgebildet. Nächster Ausbildungsbeginn ist im September 2012. Schriftlich bewerben kann man sich bis 31. Januar 2012.