Europawahl 2019: Informationen, Aktionen und Material zur Europawahl

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Das Europe Direct Informationszentrum Berlin (EDIC) hat unter dem Punkt Europawahl 2019 verschiedene Informationen und Aktionen zusammengetragen.

So finden sich unter Europawahl erklärt generelle Informationen zur Wahl: Wer kann teilnehmen, wer wird gewählt, wie läuft die Wahl ab und allgemeine politische Informationen.

Unter Aktionen zur Wahl werden verschiedene Aktionen von Poetry-Slam über die Kampagne diesmalwähleich.eu oder jup!Berlin vorgestellt und zum Mitmachen angeregt.

Unter dem Punkt Material zur Europawahl finden sich Filme, Broschüren, Allgemeines zur Geschichte Europas und verlässliche Informationen zur EU, um „Fake News“ etwas entgegnen zu können.
Noch mehr Informationen zur EU bekommen Sie in unserem Dokumentationszentrum UN-EU.

Shortlist für Man Booker International Prize 2019 bekanntgegeben

Diese Woche sind die Finalisten für den Man Booker International Prize bekanntgegeben worden. Der britische Literaturpreis wird seit 2016 jährlich an einen fremdsprachigen, ins Englische übersetzten und im Vereinigten Königreich veröffentlichten Roman oder Kurzgeschichtenband vergeben.

Unter den sechs Preisaspiranten befindet sich mit der Deutschen Marion Poschmann auch eine ehmalige FU-Angehörige. In ihrem leichten, 167-seitigen Roman Die Kieferninseln, englischsprachiger Titel The Pine Islands, schickt sie ihre Hauptfigur, einen Privatdozenten und betrogenen Ehemann, auf eine Pilgerreise nach Japan. Das Buch hatte bereits 2017 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gestanden und 2018 den Klopstock-Preis erhalten.

Marion Poschmann auf der Frankfurter Buchmesse 2017 (Quelle: Heike Huslage-Koch, Lizenz: CC-BY-SA-4.0)
Marion Poschmann auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Poschmann, 1969 in Essen geboren, hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der FU Berlin Germanistik, Philosophie und Slawistik studiert. Für ihre Prosa- und Lyrikwerke wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2013 mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und 2018 mit dem Berliner Literaturpreis, mit dem auch eine Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft einher ging.

Die Konkurrenz für Poschmann ist groß und überwiegend weiblich. Jokha Alharthi blickt in Celestial Bodies auf den sich verändernden Oman aus der Sicht dreier Schwestern vom Land. Sie ist damit die erste arabische Autorin auf der Shortlist. Die Französin Annie Ernaux fand für die Übersetzung ihrer gefeierten Autobiografie Die Jahre, The Years, Berücksichtigung. Vorjahressiegerin Olga Tokarczuk ist mit der Übersetzung ihres Tierschutzkrimis Der Gesang der Fledermäuse vertreten, der 2017 in Polen von Agnieszka Holland unter dem Titel Die Spur für das Kino verfilmt wurde. Alia Trabucco Zerán  blickt in The Remainder (in Erwerbung) auf die Auswirkungen der chilenischen Militärdiktatur. Einziger männlicher Autor unter den Nominierten ist der Kolumbianer Juan Gabriel Vásquez mit dem Roman The Shape of the Ruins (Originaltitel: La forma de las ruinas), der in Deutschland unter dem Titel Die Gestalt der Ruinen bekannt ist. Der Thriller um die folgenschwere Ermordung des liberalen Politikers Jorge Eliécer Gaitán in Kolumbien lässt bald Parallelen zu den Attentaten auf General Rafael Uribe Uribe und John F. Kennedy erkennen.

Egal wie die fünfköpfige, international besetzte Jury um die englische Historikerin Bettany Hughes am 21. Mai 2019 entscheidet – den Übersetzerpreis wird in jedem Fall eine Frau gewinnen, da kein männlicher Übersetzer bis ins Finale gelangte. Auch bei den drei bisherigen Auflagen des Preises waren stets Übersetzerinnen erfolgreich. Vielleicht sind Frauen ja doch die besseren Mittlerinnen zwischen den Sprachen?

Nominierte (Shortlist) Titel
(Originaltitel)
Deutscher Titel
Jokha Alharthi (Oman),
Marilyn Booth (Übersetzung)
Celestial Bodies
(سيدات القمر, Sayyidat al-qamar)
nicht bekannt
Annie Ernaux (Frankreich),
Alison L. Strayer (Übersetzung)
The Years
(Les Années)
Die Jahre
Marion Poschmann (Deutschland),
Jen Calleja (Übersetzung)
The Pine Islands
(Die Kieferninseln)
Die Kieferninseln
Olga Tokarczuk (Polen),
Antonia Lloyd-Jones (Übersetzung)
Drive your Plow over the Bones of the Dead
(Prowadź swój pług przez kości umarłych)
Der Gesang der Fledermäuse
Juan Gabriel Vásquez (Kolumbien),
Anne McLean (Übersetzung)
The Shape of the Ruins
(La forma de las ruinas)
Die Gestalt der Ruinen
Alia Trabucco Zerán (Chile),
Sophie Hughes (Übersetzung)
The Remainder
(La resta)
nicht bekannt

Der Man Booker International Prize ergänzt den seit 1969 vergebenen „Man Booker Prize for Fiction“ für englischsprachige Literatur. Der Preis ist mit insgesamt 62.000 Pfund Sterling (ca. 71.000 Euro) dotiert, wobei sich Autor und Übersetzer das Preisgeld teilen. Bis 2015 ehrte die Auszeichnung das Gesamtwerk eines internationalen Autors. Im letzten Jahr waren die polnische Autorin Olga Tokarczuk und die Übersetzerin Jennifer Croft für Flights, der englischen Übertragung des Romans Bieguni, erfolgreich. In Deutschlands war das Werk bereits 2009 unter dem Titel Unrast erschienen.

Bild: Heike Huslage-Koch via Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-4.0

Europaabgeordnete verabschieden Urheberrechtsregeln für das Internet

Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben am 26.03.2019 die Richtlinie für Urheberrechtsregeln für das Internet (348 Ja-Stimmen, 274 Gegenstimmen, 36 Enthaltungen) angenommen.

Damit endet das bereits 2016 begonnene Gesetzgebungsverfahren für das Europäische Parlament. Nun müssen die Mitgliedstaaten den gebilligten Beschluss des Parlaments ihrerseits im Europäischen Rat billigen. Wird er angenommen, muss der Text im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden und tritt dann in Kraft. Die Mitgliedstaaten haben von da an zwei Jahre Zeit, die Bestimmungen in nationale Gesetzgebung umzusetzen.

Begleitet wurde der Prozess der Verabschiedung der Richtlinien mit kontroversen Diskussionen und Protesten gegen eine Beschränkung der Meinungsfreiheit im Netz. Unter anderem wurden unter „Stop the censorship-machinery! Save the Internet!“ massiv Stimmen gegen die Richtlinien gesammelt. Der Protest wendet sich vor allem gegen Artikel 11 und 13 des Proposal for a DIRECTIVE OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL on copyright in the Digital Single Market.

Alles zum Urheberrechtsschutz aus Sicht des Europäischen Parlaments und häufig gestellten Fragen und Antworten finden sie hier.

Das Verfahren der Richtlinienfindung kann hier verfolgt werden.

Die Pressekonferenz des Berichterstatters Axel Voss (EPP, DE) können Sie hier verfolgen.

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Ohne Risiken und Nebenwirkungen? Globale Gesundheit und die Vereinten Nationen

Im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und deren Sustainable Development Goals (SDGs), ist als Ziel Nr.  3 „Ensure healthy lives and promote well-being for all at all ages“ festgehalten. Hier geht es u. a. um die Bekämpfung von Krankheiten mit geringen Überlebenschancen für die Betroffenen (AIDS, Ebola, etc.), die Bekämpfung von Mütter- und Kindersterblichkeit aber auch, um die Verbesserung der Gesundheitsvorsorge für alle.

Neben nationalen Maßnahmen bedarf es vor allem der internationalen Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Denn: Gesundheit trägt nicht nur zu nachhaltiger Entwicklung bei, sondern besitzt auch eine menschenrechtliche und sicherheitspolitische Dimension.

Die DGVN lädt am 10.04.2019 von 18:30 – 21:00 Uhr zu einer Diskussionsveranstaltung über folgende Fragen ein: Welche Schwerpunkte setzt Deutschland im Bereich der globalen Gesundheit? Was verbirgt sich hinter dem Globalen Aktionsplan für ein gesundes Leben und Wohlergehen aller Menschen? Und wie kann das Menschenrecht auf Gesundheit verwirklicht werden?

Programm:

Begrüßung: Detlef Dzembritzki, DGVN-Vorsitzender

Deutschlands Politik im Bereich der globalen Gesundheit

  • Prof. Dr. Andrew Ullmann, MdB, stellv. Vorsitzender Unterausschuss Globale Gesundheit
  • Karolin Seitz, Global Policy Forum

Kommentar: Das Menschenrecht auf Gesundheit
Dr. Kerstin Leitner
, DGVN-Präsidium

Kommentar: Gesundheit und Sicherheit
Daniela Braun
, Konrad-Adenauer-Stiftung

Diskussion | Moderation: Maike Voss, Stiftung Wissenschaft und Politik

anschließend Empfang

Veranstaltungsort: Hotel Aquino / Katholische Akademie Berlin, Hannoversche Str. 5b, 10115 Berlin

Es wird um Anmeldung gebeten.

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UB veröffentlicht Publikationsgebühren für Zeitschriftenartikel

Die Universitätsbibliothek, die den DFG geförderten Publikationsfonds  seit 2012 verwaltet, hat nun Ihre Ausgaben für das abgeschlossene Fondsjahr 2018 unter einer freien Lizenz veröffentlicht.

s. Blogbeitrag des Projekts Intact:
https://openapc.github.io/general/openapc/2019/03/27/fuberlin/

Mehr unter
https://treemaps.intact-project.org/apcdata/fu-berlin/

Veranstaltungsreihe in der Staatsbibliothek: Lost in Dissertation?

Das Netzwerk Informationskompetenz Berlin/Brandenburg
bietet vom 2. bis zum 11. April 2019 wieder eine Vortragsreihe für Doktorandinnen und Doktoranden an. Unter dem Titel „Lost in Dissertation?“ werden an sechs Terminen Aspekte rund um die Erstellung und Veröffentlichung einer Doktorarbeit beleuchtet.

  • Wie manage ich die Arbeit, die Zeit und die Literatur?
  • Wie misst man die Qualität wissenschaftlicher Publikationen?
  • Was sind Forschungsdaten, wie recherchiert und publiziert man sie?
  • Wie kann ich Open-Access-Publizieren? Wie finanziere ich das und wie sieht der rechtliche Hintergrund aus?

Durch die Themen führen Expertinnen und Experten der Staatsbibliothek zu Berlin, der Freien Universität Berlin, der Humboldt Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin. Details entnehmen Sie bitte dem Flyer zur Veranstaltungsreihe.

Alle Veranstaltungen finden im Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße 33, statt.
Um Anmeldung wird gebeten.

Preis der Leipziger Buchmesse 2019 vergeben

Auf der Leipziger Buchmesse sind zum 15. Mal die mit jeweils 20.000 Euro dotieren Preise in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik sowie Übersetzung vergeben worden.

Den Preis in der Kategorie Belletristik gewann die 1971 in Stuttgart geborene Anke Stelling für ihren achten, scheinbar semiautobiografischen Roman Schäfchen im Trockenen (Philologische Bibliothek – in Erwerbung). In Zeiten von steigenden Mieten in der Hauptstadt stellt sie mit Resi eine Schriftstellerin und Mutter von vier Kindern in den Mittelpunkt, der die Altbauwohnung im hippen Prenzl’berg gekündigt wird. Existenz- und Abstiegsängste folgen. Die Jury lobte den Roman für seine Aktualität und starken Affekte und verstand ihn als „verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme der Gegenwart“.

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik hatte der Journalist und Kritiker Harald Jähner die Nase vorn. In seinem Werk Wolfszeit (Universitätsbibliothek – in Erwerbung) blickt der frühere Feuilletonchef der Berliner Zeitung auf die Nachkriegsdeutschen und den Wandel ihrer Alltagswelt zwischen 1945 und 1955. Das Buch zeige „auf beeindruckende Weise, wie sich nach der Stunde Null ein ganzes Land neu erfunden hat“, so die Buchpreisjury.

In der Kategorie Übersetzung gewann die in Berlin lebende Eva Ruth Wemme. Sie übertrug Gabriela Adameşteanus 1983 erschienenen, systemkritischen Roman Verlorener Morgen (Universitätsbibliothek) vom Rumänischen erstmals ins Deutsche. Auf dem Höhepunkt der Ceausescu-Regierungsjahre verwebt Adameşteanu die Geschichte ihres Landes anhand eines einziges Tages um die Bukarester Erzählerin Vica. Laut Jury habe Wemme Adameşteanus  Hauptwerk „mit großem Gespür für den lästerlichen Ton“ der Hauptfigur übersetzt.

Preisträger 2019: v.l.n.r. Eva Ruth Wumme (Übersetzung), Anke Stelling (Belletristik) und Harald Jähner (Sachbuch/Essayistik). Bild: Amrei-Marie, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-4.0
Preisträger 2019: v.l.n.r. Eva Ruth Wumme (Übersetzung), Anke Stelling (Belletristik) und Harald Jähner (Sachbuch/Essayistik)

Die siebenköpfige Jury um Jens Bisky sichtete laut Pressemeldung insgesamt 359 eingereichte Titel von 114 Verlagen, 44 Bewerbungen weniger als im Vorjahr. Der Preis wird traditionell zu Beginn der Buchmesse in der Glashalle vergeben. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert, gilt aber auch als schlechtes Stimmungsbarometer für den im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse vergebenen Deutschen Buchpreis. Bis jetzt konnte keine Romanautorin oder -autor beide Preise innerhalb eines Jahres gewinnen.

Die Preisträger und Nominierten im Überblick (verfügbare Titel verlinkt, Update 09.04.19):

Belletristik

Preisträgerin: Anke Stelling: „Schäfchen im Trockenen“ (Verbrecher Verlag, August 2018) – Philologische Bibliothek

Nominiert:

  • Kenah Cusanit: „Babel“ (Carl Hanser Verlag, Januar 2019) – Philologische Bibliothek
  • Matthias Nawrat: „Der traurige Gast“ (Rowohlt Verlag, Januar 2019) – Philologische Bibliothek
  • Jaroslav Rudiš: „Winterbergs letzte Reise“ (Luchterhand Literaturverlag,
    Februar 2019) – Philologische Bibliothek
  • Feridun Zaimoglu: „Die Geschichte der Frau“ (Kiepenheuer & Witsch, März 2019) – Philologische Bibliothek

Sachbuch/Essayistik

Preisträger: Harald Jähner: „Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955“ (Rowohlt Berlin, Februar 2019) – Universitätsbibliothek

Nominiert:

Übersetzung

Preisträgerin: Eva Ruth Wemme für die Übersetzung von Gabriela Adameşteanus Roman „Verlorener Morgen“ aus dem Rumänischen (Die Andere Bibliothek, August 2018) – Universitätsbibliothek

Nominiert:

  • Georg Aescht, für die Übersetzung von Liviu Rebreanus „Der Wald der Gehenkten“ aus dem Rumänischen (Paul Zsolnay Verlag, August 2018) – Philologische Bibliothek
  • Susanne Lange für die Übersetzung von Aura Xilonens Roman „Gringo Champ“ aus dem Spanischen (Carl Hanser Verlag, Januar 2019)
  • Timea Tankó für die Übersetzung von György Dragománs Novellen „Löwenchor“ (Suhrkamp Verlag, Februar 2019) aus dem Ungarischen
  • Karin Uttendörfer für die Übersetzung von Jean-Baptiste Del Amos Roman „Tierreich“ aus dem Französischen (Verlag Matthes & Seitz Berlin, März 2019)
Bild: Amrei-Marie, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-4.0

„Grenzenlos studieren. Europa wählen!“

Am 12. März 2019 startete die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und das Deutsche Studentenwerk (DSW) eine gemeinsame, bundesweite Aktion, um Studierende zu motivieren, sich an der Wahl zum Europaparlament am 26. Mai 2019 zu beteiligen: „Grenzenlos studieren. Europa wählen!

Trotz gewachsenem Einfluss populistischer und nationalistischer Kräfte in ganz Europa, erscheint den meisten jungen Erwachsenen ein anderes als ein friedliches, grenzenloses Europa undenkbar – uneingeschränkte Mobilität in Studium und Beruf sind für sie selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit sorgt, wie z.B. das Brexit-Referendum 2016 gezeigt hat, für eine gewisse Nachlässigkeit Europa per Wahl zu bestätigen.

Die Organisatoren haben Hochschulen und Studierendenwerke um ihre Unterstützung gebeten und zu lokalen und regionalen Aktionen aufgerufen.

Die internationale Zusammenarbeit ist für Studierende, WissenschaftlerInnen und Verwaltungen elementar. Für die Leistungsfähigkeit der Hochschulen ist sie unverzichtbar. Diese Leitlinie ist sowohl in der internationalen Strategie der HRK als auch in der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung festgehalten.

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Wikipedia aus Protest offline

Wer heute in der deutschsprachigen Wikipedia nachschlagen möchte, wird durch eine Protestnote daran gehindert. Seit Mitternacht ist das beliebte Mitmach-Lexikon komplett abgeschaltet, allerdings „nur“ für einen Tag, wie bereits letzte Woche im Blog des Vereins Wikimedia Deutschland zu lesen war. Protestiert wird gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform, über die nächste Woche im Europäischen Parlament abgestimmt werden soll.

Anfang März 2019 hatten sich in einem Meinungsbild (Link ist erst ab Freitag wieder abrufbar) zwei Drittel von 222 registrierten Mitgliedern für einen Protest ausgesprochen. Kritisiert werden vor allem die Artikel 11 und 13 des geplanten Gesetzes. Paragraf 11 sieht ein strenges Leistungsschutzrecht für Presseverleger vor. Zukünftig würde für die Nutzung kleinster Ausschnitte journalistischer Inhalte im Netz zwingend die Lizenz des Verlegers benötigt. Davon wären beispielsweise die über soziale Medien gern geteilten automatischen Previews bzw. Snippets zu Nachrichten-Artikeln mit Bild und Textausschnitt betroffen. Mit Artikel 13 sollen zukünftig kommerzielle Apps und Online-Plattformen in die Pflicht genommen werden, hochgeladene Beiträge ihrer Mitglieder vorab auf urheberrechtlich geschütztes Material zu prüfen. Dies wäre technisch nur mit sogenannten Upload-Filtern möglich. Diese Computerprogramme gelten aber als fehleranfällig und könnten auch reguläre Beiträge blockieren. Die Wikipedia-Community fürchtet also, dass die geplante EU-Reform dazu führen könnte, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wirkt. Die Kritik wird u. a. auch vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) geteilt, der die Urheberrechtsreform im Widerspruch zu bibliothekarischen Werten sieht.

Doch was tun, falls man heute in die Verlegenheit kommt, einen Begriff nachzuschlagen? Biblioblog präsentiert vier Alternativen, um den Tag zu überstehen:

    1.  Wikipedia-App: Aufgrund des technischen Aufwands war es  nicht möglich, den Protest auch auf die App-Versionen zu übertragen. Man kann sie nach wie vor in den bekannten App Stores (z. B. iOS-Version via App Store oder Android-Version via Google) herunterladen und regulär benutzen. Wer vorab die App bereits installiert hatte und diese auch als Standard beim Nachschlagen ausgewählt hat, wird kaum etwas von dem heutigen Protest mitbekommen, es sei denn, man versucht die Wikipedia-Startseite zu besuchen.
    2. Andere Wikipedia-Sprachversion nutzen: Wikipedia existiert in fast 300 Sprachen. Von der Abschaltung sind „nur“ die deutsche Version bzw. Versionen in deutschsprachigen Dialekten (vgl. Alemannische Wikipedia) betroffen. Via www.wikipedia.org lässt sich beispielsweise die englischsprachige Version ohne Einschränkung nutzen, die aufgrund der zahlenmäßig größeren Sprachgemeinschaft mit 5,8 Mio. Artikeln mehr als doppelt so viele Inhalte bietet.
    3. Mirror nutzen: Die Wikipedia-Inhalte unterliegen einer Creative-Commons-Lizenz, die u. a. die Weitergabe unter gleichen Bedingungen, auch für kommerzielle Projekte, erlaubt. Viele Dienste haben sich das zu Nutze gemacht und präsentieren Original-Wikipedia-Artikel einfach unter einem anderen Layout. So hat beispielsweise das Zentrum für Bildungsinformatik der Pädagogischen Hochschule Bern mit Wikibu.ch einen Mirror geschaffen, der Hilfestellung bei der Qualitätseinschätzung von Artikeln gibt (für Details siehe Artikel im Biblioblog 07/2009).
    4. Alternativen nutzen: Vom Umfang und der Beliebtheit  her kann es wohl kein anderer Anbieter mit der deutschsprachigen Wikipedia aufnehmen. Aktuell umfasst sie etwa 2,3. Mio. Artikel und wird ca. 30 Mio. Mal am Tag aufgerufen. Man muss nicht gleich zur analogen Alternative greifen, wie sueddeutsche.de in einem gestrigen Artikel skandierte. Die FU Berlin verzeichnet in ihrem Datenbank-Infosystem (DBIS) mehr als 2100 lizenzpflichtige und freie Online-Ressourcen, darunter zahlreiche Fachenzyklopädien. Munzinger Online wartet beispielsweise mit redaktionell aufbereiteten Länderprofilen, einem Gedenktage-Kalender oder Biografien auf. Wer im Bereich Literatur recherchiert, kommt kaum am Killy, Kindlers Literatur-Lexikon oder an der Verfasser-Datenbank vorbei. Das ebenfalls von der FU lizenzierte World Biographical Information System umfasst rund 8,5 Millionen biografische Artikel zu mehr als sechs Millionen Personen aus etwa 8.600 Nachschlagewerken, die vom 16. bis zum Beginn des 21. Jahrhundert reichen. Wer des Englischen mächtig ist, kann auf das kostenfreie Online-Angebot der altehrwürdigen Encyclopædia Britannica ausweichen.
Bild: Lane Hartwell (abgeleitetes Werk; CC-BY-SA-3.0)

Digitalisierungsprojekt „Altsinica“ startet an der Campusbibliothek

An der Campusbibliothek wurde im Februar das Projekt „Altsinica“ eingerichtet, das die Digitalisierung und Kuratierung älterer chinesischer Drucke vorbereiten und Anwendungsmöglichkeiten der Digital Humanities erproben wird. Während des Pilotprojekts sollen Methoden und Werkzeuge identifiziert und getestet werden, die geeignet sind, die wissenschaftliche Auswertung digitaler Texte speziell in komplexen Sprachen zu verbessern.

Das FU-Projekt „Altsinica“ ist auf eine Laufzeit von einem Jahr angelegt und wird aus den Mitteln für Digitalisierungsmaßnahmen aus dem Hochschulvertrag der FU Berlin mit dem Berliner Senat finanziert.

Ausgangslage

Materialgrundlage des Projekts ist eine Auswahl chinesischer Drucke des 17. bis 19. Jahrhunderts im Bestand der Campusbibliothek. Diese „Altsinica“ gelten, ebenso wie Texte in anderen nicht-lateinischen Schriften oder Handschriften, als besonders komplexe Herausforderung für die maschinelle Texterkennung. Die Lückenhaftigkeit und geringe Zuverlässigkeit der mit den gängigen OCR-Methoden erreichbaren Ergebnisse erweisen sich wiederum als gravierendes Hindernis für die wissenschaftliche Auswertung und Textanalyse.

Projektziel

Übergeordnetes Ziel des Projekts „Altsinica“ ist es, digitale Werkzeuge und
Plattformen zu erproben, die die wissenschaftliche Textanalyse von digitalisierten chinesischen Textkorpora ermöglichen. Dabei geht das Projekt von den Altsinica als Anwendungsbeispiel aus. Es nimmt aber auch andere nicht-lateinische Schriften in den Blick, um generische Lösungen für die Tiefenerschließung von Text- und Bilddigitalisaten ohne verfügbares OCR zu finden.

In einem ersten Schritt werden hierzu verschiedene methodische Ansätze der Digitalisierung, Texterkennung, Annotation und Kuratierung miteinander verglichen. Aus dem Altsinica-Bestand werden in einem zweiten Schritt Textbeispiele digitalisiert und Testsets gebildet, um Methoden der Texterkennung und -analyse zu erproben. Abschließend werden die dem Material und den wissenschaftlichen Anforderungen adäquaten Visualisierungsumgebungen untersucht.