Die Siegerin steht fest!
Am 5. Oktober war es wieder so weit. Seit 2005 zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten deutschprachigen Roman des Jahres aus.
Die sieben Jurymitglieder Theresa Donner (Buchhandlung heiter bis wolkig, Haale an der Saale), Jan Ehlert (NDR), Maha El Hissy (Literaturwissenschaftlerin), Cornelia Geißler (Berliner Zeitung), Emily Grunert (Literaturbüro NRW), Stefanie Kreuzer (Universität Kassel) und Adam Sobocynski (Die Zeit) hatten seit dem Ausschreibungsbeginn 205 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2025 bis Anfang September 2026 erschienen waren. Nach Veröffentlichung von Long- und Shortlist steht nun der beste Roman des Jahres fest:
Die Lücken von Shida Bazyar

Shida Bazyars Roman Die Lücken (vormerkbar über unser Bibliotheksportal Primo) erzählt am fiktiven Ort Heimesbach neunzig Jahre deutscher Geschichte und zeigt, wie verdrängte Vergangenheit die Gegenwart prägt. Anhand jüdischer Familien, NS-Profiteure und iranischer Geflüchteter thematisiert der Roman Schuld, Erinnerung, Flucht und die schwierige Suche nach Heimat. Pate für Heimesbach war die Stadt Hermeskeil nahe Trier, wo die Tochter iranischer Eltern geboren wurde und auch aufwuchs.
Begründung der Jury
[…] Der Roman „Die Lücken“ von Shida Bazyar reflektiert anhand einzelner Figurenschicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens. Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen. Die Autorin wählt überzeugende literarische Strategien: Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen. Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes. Ein Roman gegen Gleichgültigkeit.
Shida Bazyar darf sich über ein Preisgeld von 25.000 Euro freuen. Für ihren Roman hatte sie im Vorfeld auch den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis erhalten. Ihre fünf Mitfinalist*innen auf der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.
- Orca – Franziska Gänsler
- Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle – Valeria Gordeev
- Schleifen – Elias Hirschl
- Selbstregulierung des Herzens – Peggy Mädler
- Anton und Alma – Dana Vowinckel
14 weitere Titel bzw. Autor*innen gelangten auf die Longlist:
- Wer möchte nicht im Leben bleiben – Helene Bukowski
- Unerwünschte Töchter – Miriam Carbe
- King Cobra – Muri Darida
- Parasiti – Alisha Gamisch
- Liefern – Tomer Gardi
- Nelka – Svenja Leiber
- Glaszeit – Leh-Wei Liao
- Aus anderem Holz – Giuliano Musio
- Anti Müller – Yade Yasemin Önder
- Sanditz –Lukas Rietzschel
- Das Wasser im August – Ingo Schulze
- Memories of Heidelberg – Heinz Strunk
- Gulistan – Karosh Taha
- Mit beiden Händen den Himmel stützen – Lilli Tollkien
Alle verlinkten Titel sind in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität ausleihbar oder können vorgemerkt werden.
Der Deutsche Buchpreis ist nicht die einzige literarische Auszeichnung, die diese Woche verliehen wird. Am morgigen Donnerstag wird der Nobelpreis für Literatur vergeben. Bei Buchmachern gelten die kanadische Dichterin Anne Carson und die experimentelle chinesische Autorin Can Xue als Favoritinnen, dicht gefolgt vom Japaner Haruki Murakami, Gerald Murnane aus Australien und dem US-Amerikaner Thomas Pynchon. Im letzten Jahr war der Ungar László Krasznahorkai erfolgreich.
Vielen Dank an Pia Keindorf (Auszubildende zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste) für die Mithilfe bei diesem Posting!








