„Iranian Video Oral History Online Collection“ lizenziert

RAIOHAb sofort kann über das FU-Campusnetz auf die Iranian Video Oral History Online Collection zugegriffen werden.

Die persischsprachige Webseite bietet Zugriff zu Oral-History-Beständen der Research Association for Iranian Oral History (RAIOH). Der „Forschungsverein für Iranische Mündliche Geschichte“ wurde im Jahr 2000 in Berlin von dem iranischen Exilanten Hamid Ahmadi gegründet und widmet sich Video-Interviews von Mitgliedern entsprechender politischer oder sozialer Gruppen aus dem Land – der Großteil der Interviewten entstammt dem iranischen Mittelstand oder der Unterschicht. Ahmadi studierte an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften, publizierte zu sozialistischen und kommunistischen Strömungen im Iran im 20. Jahrhundert und war Leiter des Video Oral History Iranian Left Project am International Institute of Social History (IISH) in Amsterdam.

Die persischsprachigen Video-Zeitzeugenberichte entstanden in den Jahren 1994 bis 2010 und haben eine Laufzeit von ca. 1000 Stunden. Gegenstand sind Personen und Aktivisten, die sich in der Politik, im bewaffneten Kampf, Wissenschaft, der Kunst, Studenten- oder Frauenbewegung eingesetzt haben. Die Interviewten stammen aus vier Generationen und decken einen Zeitraum von 1919 bis 2010 ab. Jeder Interviewte beginnt mit Erzählungen aus der Kindheit und endet in der Gegenwart. Die Bild- und Tonqualität variiert von Video zu Video. Interview-Transkripte werden nicht angeboten.

Link des Monats Dezember 2014: Civil Rights History Project

Mit dem Civil Rights History Project (CRHP) ist seit diesem Jahr eine einzigartige Sammlung an Video-Interviews kostenfrei online einsehbar. Es handelt sich dabei um Zeitzeugeninterviews zur US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die von der Library of Congress auf einer eigenen Online-Plattform bereitgestellt werden. Die Interviewten, mehrheitlich Afroamerikaner, erlebten die Bürgerrechtsbewegung als Jugendliche oder junge Erwachsene mit und rekapitulieren so bedeutsame Ereignisse wie den Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit (1963) oder die Selma-nach-Montgomery-Märsche (1965).

Neu im Buchregal: „Erinnern an Zwangsarbeit“

cover_tagungsband Der Band ist hervorgegangen aus einer gleichnamigen Tagung, die das Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ vom 4. bis 6. Oktober 2012 in Berlin veranstaltete. Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über den Umgang mit Zeitzeugen-Interviews im digitalen Zeitalter in Forschung, Museum, Internet und Bildung. Ein Zeitzeugengespräch mit dem Auschwitz-Überlebenden Paul Schaffer und eine Bus-Exkursion zu Orten der Zwangsarbeit in Berlin vervollständigten seinerzeit das Programm.

Der von Nicolas Apostolopoulos und Cord Pagenstecher (beide CeDiS, FU Berlin) herausgegebene Band soll zu einer Reflexion über Potenziale, Herausforderungen und Qualitätsstandards beim Aufbau eines Interview-Archivs – von der Interviewführung bis zur Online-Darstellung – einladen. Neben wissenschaftlichen Analysen werden auch Werkstattberichte des interdisziplinären Archiv-Teams sowie Best-Practice-Beispiele anderer Interviewprojekte im In- und Ausland thematisiert.

Bibliographische Daten:
Apostolopoulos, Nicolas:
Erinnern an Zwangsarbeit : Zeitzeugen-Interviews in der digitalen Welt / Nicolas Apostolopoulos … (Hrsg.). – Berlin : Metropol-Verl., 2013. – 296 S.. – Ill., graph. Darst. . – ISBN: 978-3-86331-156-8

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Oral-History-Datenbank „Refugee Voices“ lizenziert

Als erste Einrichtung in Deutschland bietet die Freie Universität Berlin Zugriff auf die Oral-History-Sammlung Refugee Voices der Association of Jewish Refugees (AJR). Die Datenbank enthält 150 lebensgeschichtliche Video-Interviews von jüdischen Überlebenden des Nationalsozialismus (NS) und ergänzt die bisher angebotenen Plattformen Visual History Archive (ca. 52.000 Interviews) sowie Zwangsarbeit 1939-1945 (ca. 590).

Das Archiv umfasst insgesamt 450 Interviewstunden. Die Interviews wurden in englischer Sprache geführt. Die Interviewpartner sind zumeist selbst Mitglieder der AJR. Sie wurden zum großen Teil in Deutschland und Österreich geboren und sind während oder nach dem Nationalsozialismus nach Großbritannien immigriert. Neben dem Leben im nationalsozialistischen Deutschland und in den von Deutschland besetzten Ländern werden insbesondere Migrations- und Exilerfahrungen wiedergegeben.

Unter den Interviewten finden sich auch so bekannte Namen wie der Oscar-prämierte Filmausstatter Ken Adam, die Psychotherapeutin Helen Bamber, die Künstlerin Milein Cosman, der Historiker Edgar Feuchtwanger (Neffe von Lion Feuchtwanger), die Schriftstellerin Eva Figes, der Zionistenführer Arieh Handler, der Komponist Joseph Horovitz sowie der Wissenschaftler und Fernsehmoderator Heinz Wolff.

Die Video-Interviews sind vollständig transkribiert. Die Transkriptionen sind mit einem Timecode versehen, der ein einfaches Auffinden der entsprechenden Stellen in den Video-Aufzeichnungen und umgekehrt ermöglicht. Zwar entfällt im Gegensatz zu VHA und Zwangsarbeiter-Archiv die kostenfreie Registrierung, dafür verfügt Refugee Voices leider über keine komfortable Suchfunktion. Einzig über den Transcript Catalogue („Catalogue“) – eine statische Liste mit Informationen zu allen 150 Interviewten (mehr als 40 unterschiedliche Kategorien) – ist ein strukturierter(er) Zugriff möglich.

Wichtiger Hinweis: Momentan gibt es Schwierigkeiten, die Datenbanken Refugee Voices und Visual History Archive an den Arbeisplätzen in den FU-Bibliotheken („Thinclients“) zu nutzen. Wir bemühen uns, das Problem bis spätestens Mitte November Dezember in den Griff zu bekommen!

Bild: Einfahrt zum KZ Auschwitz (Bundesarchiv, Bild 175-04413 / CC-BY-SA)