Der Duft der Bücher

Im Zeitalter des E-Books ist nicht nur die Haptik gewöhnungsbedürftig, auch der entsprechende Duft, den neue oder alte Bücher bisweilen verströmen, kann ein Lesegerät nicht nachahmen. Abhilfe bei diesem Problem schafft da diese Woche ein Podcast von radioeins. Unter dem Titel „Stimmt’s, dass man den Geruch alter Bücher kaufen kann?“ wird in 1:45 Minuten auf das Aroma von neuen und alten Büchern eingegangen und wie es zustande kommt. Bei der angesprochenen wissenschaftlichen Studie handelt es sich vermutlich um „Material Degradomics: On the Smell of Old Books“, 2009 erschienen in der Fachzeitschrift Analytical Chemistry (81 (20), pp 8617–8622) und im FU-Campusnetz frei abrufbar. Mitautor Matija Strlic, Chemiker am University College London, stand im selben Jahr auch in einem Artikel vom Telegraph („The smell of old books analysed by scientists“, 12. November 2009) Rede und Antwort.

Das Auge von Tianjin

Unter dem Titel „Das Leseraumschiff“ hat Spiegel Online diese Woche einen Artikel über die neu errichtete, sehr futuristisch anmutende Tianjin Binhai Library in der chinesischen Hafenstadt Tianjin veröffentlicht. Das gläserne, illuminierte Atrium mit Kugel in der Mitte erinnert von außen an ein überdimensionales menschliches Auge.

Für den Bibliotheksneubau war das niederländische Architekturbüro MVRDV zuständig, das im Jahr 2000 auch den niederländischen Pavillon auf der Expo entwarf. Weitere beeindruckende Fotos und Informationen auf Englisch lassen sich der Website von MVRDV bzw. der Architekturseite ArchDaily entnehmen.

Die schönsten Bibliotheken der Welt

William Cook (BBC) blickte diesen Monat in einem Artikel auf die „Zehn schönsten modernen Bibliotheksbauten der Welt“. Aus dem deutschsprachigen Raum fanden die Philologische Bibliothek der FU Berlin, das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) der BTU Cottbus sowie die Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien Aufnahme. Herzlichen Glückwunsch!

Zeitschriftendatenbank im neuen Design

Die Zeitschriftendatenbank (ZDB) ist das überregionale Nachweisinstrument für Zeitschriften und Zeitungen (teilw. auch Serien und Datenbanken) in deutschen und österreichischen Bibliotheken. Sie wird in Kooperation von 3.700 Bibliotheken erstellt.

Nach vielen Jahren hat die ZDB-Suchmaschine eine grundlegende Überarbeitung und ein neues Layout bekommen:
http://zdb-katalog.de

Zu den Neuerungen zählen die verbesserten Filtermöglichkeiten sowie die bessere Nutzbarkeit auf Mobilgeräten. Interessant ist die neue Funktion der visuellen Darstellung von Titelrelationen, die bei Zeitschriften und Zeitungen mit einer umfangreichen Historie besonders nützlich sein kann (Beispiel: Neue Leipziger Tageszeitung).

Wie bei allen Datenbanken muss man sich als NutzerIn mit der neu strukturierten  Oberfläche etwas vertraut machen und schauen wo Funktionalitäten, wie bspw. die Überleitung in die KOBV-Fernleihe, abgeblieben sind.

Die Zeitschriftenbestände der FU Berlin werden übrigens in der ZDB gepflegt und dann in unser Bibliotheksportal Primo kopiert. Eine Umgewöhnung für unsere eigenen Bestände ist also nicht notwendig.

Bis zum Frühjahr 2018 wird der alte ZDB-OPAC noch parallel zur Verfügung stehen.

Das bisher im alten ZDB-OPAC enthaltene Sigelverzeichnis entfällt in der neuen ZDB.
Die Suchmöglichkeit nach Einträgen zu Bibliotheken, Archiven, Museen und verwandten Einrichtungen mit einem ISIL bzw. Sigel, Produktsigel gibt es jetzt unter:
http://sigel.staatsbibliothek-berlin.de/nc/suche/.

Preis für Bibliotheksdokumentation beim Filmfestival von Venedig

Nachdem wir Ende Juli schon darüber berichtet hatten, dass eine Dokumentarfilm über das Bibliothekswesen bei den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig gezeigt wird, hat diese am letzten Festivaltag auch einen Preis erhalten. Ex Libris – The New York Public Library des US-Amerikaners Frederick Wiseman gewann den FIPRESCI-Preis der gleichnamigen internationalen Filmkritikervereinigung für den besten Wettbewerbsfilm (vgl. fipresci.org). Damit stach Wiseman zumindest aus Sicht der Kritiker so bekannte Autorenfilmer und Hollywood-Größen wie Alexander Payne (Downsizing), Darren Aronofsky (Mother!), George Clooney (Suburbicon), Guillermo del Toro (The Shape Of Water), Abdellatif Kechiche (Mektoub, My Love: Canto Uno) oder auch den chinesischen Künstler und Menschenrechtler Ai Weiwei (Human Flow) aus. Den Goldenen Löwen der Wettbewerbsjury um Annette Bening erhielt dagegen der Spielfilm The Shape of Water (vgl. labiennale.org)

Steinerner Löwe vor dem Haupteingang der New York Public Library an der Fifth Avenue

Über drei Stunden lang blickt der Dokumentarfilm auf die New York Public Library und ihre insgesamt 92 Zweigstellen. Bibliotheken werden als ein Ort der Wissensvermittlung dargestellt, in deren Zentrum die Mitarbeiter und Besucher stehen. Ohne direkte Interviews oder Kommentare dokumentiert der Film die innere Struktur der Bibliothek, fängt beispielsweise die Querelen um knappe Bibliotheksetats, die Antizipation digitaler Trends, Vorträge über das Thema Sklaverei, eine Buchpräsentation von Elvis Costello oder Jobkurse mit Krankenhelfern und Feuerwehrmännern ein. Porträtiert wird sowohl die Situation an Standorten in Manhattan, als auch in weniger frequentierten Wohngegenden sowie die Situation von Zuwanderern.

Bild: Another Believer / CC-BY-SA-4.0

Bei Ex Libris – The New York Public Library handelt es sich um die 42. Regiarbeit von Frederick Wiseman (vgl. Profil mit Trailer bei zipporah.com). Die Dreharbeiten fanden über mehrere Wochen im Jahr 2015 statt (vgl. tiff.net). Der Filmmemacher gab an, von den vielen verschiedenen Dienstleistungen überrascht gewesen zu sein, die Bibliotheken heute anbieten: „Bibliotheken von heute sind Gemeindezentren mit Schulprogrammen für Kinder und Kurse für Erwachsenenbildung in Sprachen, Staatsbürgerschaft, Wirtschaft und Computerprogrammierung geworden. Unabhängig von der aktuellen amerikanischen Politikszene bleibt die Bibliothek ein Ideal der Inklusion, Demokratie und Meinungsfreiheit.“, so Wiseman (vgl. labiennale.org). Bei der Vorstellung seines Films in Venedig gab er an, dass die Bibliothek ein „Gegengift“ zum darwinistischen Gesellschaftsbild des US-Präsidenten Donald Trump sei (vgl. tagesspiegel.de).

Lob der internationalen Filmkritik

Nach ihrer Premiere erhielt die Dokumentation im anglo-amerikanischen Raum ausnahmslos lobende Kritiken. Auf der Website Rotten Tomatoes, die Kritiken auswertet, hält der Film derzeit eine Bewertung von 100 Prozent mit einer Durchschnittswertung von 8,5 von 10 Punkten und konnte alle gelisteten Kritiker überzeugen.

Auch im deutschsprachigen Raum erhielt der Dokumentarfilm überwiegend positive Kritiken:

Michael Pekler (Der Standard) zählte den Dokumentarfilm zu den „Höhepunkten des Festivals“. Wiseman zeige die Bibliothek „nicht als Ort der Aufbewahrung von Büchern, sondern als einen der Wissensvermittlung, in dessen Zentrum die Mitarbeiter und Besucher stehen“. Der Filmemacher verzichte wie immer auf Interviews und Kommentar und vertraue „seiner scharfsinnigen Beobachtung und einer ausgefeilten Montage“.

Frederick Wiseman im Jahr 2005 (Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0)
Frederick Wiseman im Jahr 2005

Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0

Tim Caspar Boehme (die tageszeitung) relativierte die Laufzeit von dreieinhalb Stunden, die man dem Film kaum anmerke. Wie Pekler merkte er an, dass sich Bibliotheken „in erster Linie als Orte verstehen, an denen Leute mit Bildung ermächtigt werden sollen, heute vor allem über das Internet“, und nicht nur als „Lagerhäuser für Bücher“. Wiseman wechsle „dabei unmerklich zwischen nüchtern abgefilmten Veranstaltungen und atmosphärischen Einstellungen, ohne seinen Gegenstand zweckfrei für schöne Motive auszuschlachten“, so Boehme.

Laut Andreas Borcholte (Spiegel Online) beweise der Regisseur trotz seines hohen Alters „noch ein Gespür für den aktuellen politischen Zeitgeist“, indem der Film „vor allem die Belange der afroamerikanischen Gemeinde New Yorks“ betone. Wiseman „spektakulär nüchterner Showcase“ sei im Wettbewerb von Venedig „das wohltuend rationale Gegenstück“ zur „Mother!-Hysterie“ seines Landsmanns Darren Aronofsky.

Etwas kritischer sah Susanne Ostwald (Neue Zürcher Zeitung) den Film. Sie bemerkte reiche Eindrücke, Ex Libris summiere sich jedoch „zu einer etwas distanzlosen Werbeaktion im Dienst der guten Sache“.

Mit dem Fair Play Cinema Award gewann Wiseman einen weiteren Preis, noch vor Ai Weiweis Dokumentarfilm Human Flow (vgl. labiennale.org).

Der Autor spendete diesen Text gleichzeitig der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia

Afghanistans Bibliothekslandschaft

Kommt jemandem bei der Nennung Afghanistans Bibliotheken in den Sinn? Die US-amerikanische Bibliothekswissenschaftlerin Rebecca L. Miller arbeitet seit 2012 in dem Land, u. a. war sie als Bibliotheksdirektorin für die American University of Afghanistan (AUAF) tätig. 2016 hat sie eine Bestandsaufnahme der afghanischen Bibliothekslandschaft (sowohl öffentliche als auch wissenschaftliche Bibliotheken) veröffentlicht – das deutschsprachige Blog BII Stories zitiert Umfragen aus der 33-seitigen Studie und verlinkt auf den Volltext.

Bibliotheksdoku konkurriert beim Filmfestival von Venedig

Heute wurden in Rom die Wettbewerbsfilme für die vom 30. August bis 9. September stattfindenden 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig bekanntgegeben. Unter den Anwärtern auf den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Filmfestivals, befinden sich so bekannte Autorenfilmer und Hollywood-Größen wie die bereits vielfach prämierten Alexander Payne (Downsizing), Darren Aronofsky (mother!), George Clooney (Suburbicon), Guillermo del Toro (The Shape Of Water), Abdellatif Kechiche (Mektoub, My Love: Canto Uno) oder auch der chinesische Künstler und Menschenrechtler Ai Weiwei (Human Flow). Aber auch ein „kleiner“ Dokumentarfilm über das Bibliothekswesen darf sich Hoffnungen auf eine Auszeichnung der Wettbewerbsjury unter Leitung der US-amerikanischen Schauspielerin Annette Bening machen – Ex Libris – New York Public Library von Frederick Wiseman erhielt ebenfalls eine Einladung (vgl. Artikel bei screendaily.com).

Frederick Wiseman im Jahr 2005 (Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0)
Frederick Wiseman im Jahr 2005

Wiseman, geboren 1930 in Boston, zählt zu den wichtigsten amerikanischen Vertretern des sogenannten „Direct Cinema“, einer Form des Dokumentarfilms, die Anfang der 1960er-Jahre in den USA entstand. Seit 1967 hat der letztjährige Ehrenoscar-Preisträger über 40 Filme gedreht. Als unabhängiger Filmemacher hat er sich nie für den Markt interessiert. Seine zum Teil sozialkritischen Dokumentarfilme die u. a. um Nervenheilanstalten, High Schools, das American Ballet Theatre oder zuletzt um die National Gallery in London kreisten, vergleicht er selbst mit Theaterstücken, Romanen oder Gedichten (vgl. Biografie bei Munzinger Online). Was liegt da näher, als seinen neuesten Dokumentarfilm in der Bibliothekslandschaft spielen zu lassen?  Auf der Webseite von Wisemans Filmgesellschaft Zipporah Films, ist nachzulesen, dass er bei Ex Libris – New York Public Library einen Blick hinter die Kulissen des öffentlichen Bibliothekssystems in New York wagt. „Die NYPL ist gesegnet mit gleichmäßig leidenschaftlichen Mitarbeitern und zutiefst hingebungsvollen, dankbaren Bibliophilen und Nutznießern in ihren 92 Zweigstellen. Der Film zeigt einen ehrwürdigen Ort des Willkommens, kulturellen Austausches und der intellektuellen Kreativität.“, so die offizielle Beschreibung. Laut einem älteren Artikel des Branchendiensts Indiewire soll auch der Spagat zwischen der Aufrechterhaltung traditioneller bibliothekarischer Dienstleistungen auf der einen und die Anpassung an den digitalen Wandel auf der anderen Seite thematisiert werden.

Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0

Wie auch immer das Abenteuer in Venedig für Frederick Wiseman ausgeht, wir dürfen auf Ex Libris – New York Public Library gespannt sein – und auf einen deutschen Kinostart hoffen. Mit einer angekündigten Länge von 197 Minuten (der längste Film im Wettbewerb!) dürfte das für die hiesigen Verleiher eine große Herausforderung darstellen 😉.

Lizenzvertrag mit Elsevier wird gekündigt

Die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Charité – Universitätsmedizin Berlin kündigen ihren Vertrag für Zeitschriften Abos mit dem internationalen Verlag Elsevier. Sie fordern wie bereits 70 weitere wissenschaftliche Einrichtungen faire Preise und den freien Zugang zu Wissen.

Der bis Ende 2017 laufende Vertrag wird nicht verlängert.

Mehr Informationen zu den Hintergründen finden Sie in der Gemeinsamen Pressemitteilung der oben genannten Institutionen.

BibliotheksreferendarInnen gesucht

Im Bibliothekssystem der Freien Universität Berlin werden in unregelmäßigen Abständen Bibliothekarinnen und Bibliothekare für den wissenschaftlichen Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken ausgebildet. Die zweijährige Ausbildung beginnt jeweils am 1. Oktober.

Zurzeit sind zwei bis 2019 zeitlich befristete Stellen (pdf-Datei) ausgeschrieben, deren Bewerbungsfrist am 1. Mai 2017 endet.  Mehr Informationen zum Berufsbild finden Sie auf der Ausbildungsseite der Universitätsbibliothek.

Imagefilm zum Ausbildungsberuf „FaMI“

Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und und Informationsdienste (FaMI) haben Juliana Kornmayer (Philologische Bibliothek) und Marie-Theres Bauer (John-F.-Kennedy Institut) einen Imagefilm erstellt. Ich bin FaMI! ist auf YouTube verfügbar und klärt gewitzt in zwei Minuten über das Berufsbild auf.
Ich bin FaMI

Neugierig auf den Ausbildungsberuf geworden? Weitere Infos zum FaMI gibt es auf den Seiten der Universitätsbibliothek.