Eröffnung der Frankfurter Buchmesse

Dienstagabend wurde die Frankfurter Buchmesse von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Xi Jinping, Vizepräsident Chinas, eröffnet. Das Reich der Mitte ist dieses Jahr unter dem Motto „Tradition & Innovation“ Gastland. Wenig Innovationskraft und stattdessen Schelte musste sich noch Mitte September Buchmesse-Direktor Juergen Boos gefallen lassen. Auf einem vorgezogenen China-Symposium verließ ein Großteil der chinesischen Delegation den Saal, nachdem die regierungskritische Journalistin Dai Qing und der in den USA lebende Lyriker Bei Ling das Wort ergriffen hatten. Beide waren zuvor auf Druck Chinas ausgeladen worden. Umso mehr ist die diesjährige Auflage in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, wie auch ein kurzer Blick in die Feuilletons der letzten Tage belegt:

Gut die Hälfte der 500 Veranstaltungen zum Gastland sollen China-Kritiker bestreiten, so Die Welt, die nackte Zahlen präsentiert. Alice Grünfelder (Tagesspiegel) beginnt mit einem illusorischen (aber schönen!) Szenario und schaut kritischer auf das diesjährige Programm. Felicitas von Lovenberg (FAZ) hat mit dem Tiananmen-Massaker einen weißen Fleck auf der Buchmesse entdeckt. Arno Widmann (Stuttgarter Zeitung) traf auf den chinesischen Botschafter Wu Hongbo, mit dem er über Chinas Ambitionen, ausgeladene Autoren und Meinungsfreiheit sprach. Andreas Landwehr (Stuttgarter Nachrichten) hat sich bei der Leiterin des Buchinformationszentrums Peking auf der Messe u. a. nach dem chinesischen Verlagswesen und Leseverhalten erkundigt. Die Süddeutsche Zeitung hat eine passende Montagsfrage im Angebot. Peking-Korrespondent Bernhard Bartsch (NZZ) entdeckt Buchläden als Nische der Meinungsfreiheit.

Die taz widmet sich einem besonders ambitionierten „Experiment“: unter https://buchmesse.taz.de entsteht erstmals ein eigenes Nachrichtenportal zur Buchmesse. Die Hauptstadt-Zeitung stellt dafür sieben Mitarbeiter plus drei renommierte Pekinger Journalisten ab, um „eine unabhängige und meinungsstarke journalistische Plattform“ zu bieten. In einem der ersten Artikel befürchtet der nicht eingeladene Buchautor Xu Xing weitere Eklats.

Grimm-Zentrum öffnet seine Pforten

Ab heute beginnen die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Berliner Humboldt-Universität. In den nächsten 15 Monaten sollen ca. 150 Veranstaltungen zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft zum Thema Hochschulen geben. Einher geht dieses geschichtsträchtige Datum mit der Eröffnung des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums in Mitte.
Der 75,5 Millionen Euro teure Neubau des Schweizer Architekten Max Dudler beherbergt von nun an die neue Zentralbibliothek sowie mehrere Zweig- und Teilbibliotheken der HU. Nach mehrmonatigen Notbetrieb (unser BiblioBlog berichtete) kann man sich nun auf eine Bibliothek mit ca. zwei Millionen Bänden in frei zugänglicher Aufstellung freuen – die Hauptstadt biete ein vortreffliches Panorama dieses Bautyps so Die Welt in ihrer heutigen Online-Ausgabe, zu dem auch die Philologische Bibliothek der Freien Universität (erbaut von Norman Foster), die Parlamentsbibliothek im Marie-Elisabeth-Lüders Haus (Stephan Braunfels), die beiden Häuser der Staatsbibliothek (HG Merz und Hans Scharoun) und die Universitätsbibliothek der FU (Heinrich Sobotka und Gustav Müller) gezählt werden.

Von dieser Stelle aus die besten Glückwünsche an die HU-Kollegen zu ihrem Neubau, die sich ab heute auch über einen schicken Relaunch ihrer Website freuen können!

Hier geht es zu einer Fotostrecke, die das UB-Webteam, das die Bibliothek vorab besuchen durfte, ins Netz gestellt hat.