ZEFYS etwas geschrumpft

Ende August hatten wir im Biblioblog auf das Zeitungsinformationssystem (kurz „ZEFYS“) hingewiesen. Gegenwärtig wird es zum Zeitungsportal der Staatsbibliothek Berlin ausgebaut. Hatte es vor ein paar Monaten noch mehr als 82.000 digitalisierte Ausgaben von historischen Zeitungen gegeben, hat der Datenbestand nun leider etwas abgenommen. Gegenwärtig sind noch rund 67.000 Ausgaben im Angebot.

Betroffen sind u. a. das komplette Archiv vom „Neuen Deutschland“, dem Zentralorgan der DDR-Staatspartei SED (1946-1990). Aus lizenzrechtlichen Gründen wurden die digitalen Ausgaben entfernt und werden voraussichtlich erst wieder im Februar 2012 (mit Volltextrecherche) zur Verfügung stehen. Als Alternative bietet sich gegenwärtig ein Gratisangebot der PPS GmbH an, wo eine große Auswahl an Ausgaben zu Testzwecken nach Login zur Verfügung gestellt wird (durchsuchbare PDF-Dateien).

In Grabbes Texten schmökern

Diesen Herbst ist das Grabbe-Portal online gegangen. Erstellt von der Lippischen Landesbibliothek Detmold in Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Universität Trier, bietet es kostenfreien Zugriff auf sämtliche erhaltene Texte Christian Dietrich Grabbes (1801-1836) an. Der Autor aus Detmold gilt neben Georg Büchner als wichtigster Neuerer des Dramas in seiner Zeit. Als Vorreiter einer progressiven Dramatik fand er erst posthum zu Anerkennung – viele seiner Werke wurden erst im 20. Jahrhundert uraufgeführt (vgl. Kindlers Literatur-Lexikon).

Die Grundlage für die digitale Edition bildet die historisch-kritische Gesamtausgabe von Alfred Bergmann (1960-1973). Neben Grabbes dramatischen Werken werden auch Rezensionen, theoretische Schriften und kleinere biographische Texte präsentiert. Auch der Briefwechsel darf nicht fehlen – insgesamt finden sich mehr als 750 Briefe von, an und über Grabbe. Dabei konnten neben den Bänden 5 und 6 der Bergmann-Gesamtausgabe 21 neue oder wieder aufgefundene Schriftstücke ergänzt werden. Abgerundet wird die Vielzahl an Material zusätzlich durch über 7500 Faksimiles von Handschriften, Bildern und Erstausgaben.

Bild: Grabbe-Denkmal in Düsseldorf (Fotografin: Alice Wiegand, GFDL/CC-BY-SA)

Weiterer Korpus zur französischen Literatur verfügbar

Mit dem Corpus de la littérature narrative du moyen âge au XXe siècle hat die FU Berlin von Classiques Garnier Numérique dauerhaft eine weitere Volltextsammlung zur französischen Literatur lizenziert.

Enthalten sind Werke zur erzählenden Literatur vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert – ca. 1000 Romane, Erzählungen, Novellen und weiteren Texttypen (u. a. Chanson de geste, Chantefable, Fable, Fabliau, Lai). Die Texte des rund 30,2 Millionen Wörter und über 268.000 Wortformen umfassenden Korpus werden vollständig, in der Regel nach der jeweiligen Ausgabe letzter Hand oder nach einer anerkannten Referenzausgabe wiedergegeben.

Die vertretenen Editionstypen reichen von der diplomatischen Transkription über die orthographisch modernisierte Edition bis zur Übertragung in das moderne Französisch bei alt- und mittelfranzösischen Texten.

Obiger Text ist im Wesentlichen der Produktinformation bei digento.de entnommen.

Volltextdatenbank „Bibliothèque des Lettres“ zur französischen Literatur lizenziert

Mit der Bibliothèque des Lettres hat die FU Berlin ihren Angehörigen eine umfangreiche Volltextdatenbank lizenziert. Angeboten werden über 1.800 literarische, historische, literatur- und kunstkritische Texte in französischer Sprache, darunter das Gesamtwerk zahlreicher bekannter französischer Autoren. Die zeitliche Abdeckung reicht vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Die Bibliothèque des Lettres des Verlags Classiques Garnier Numérique vereinigt die folgenden  neun thematischen Sammlungen:

  • La Littérature narrative et d’idées, théâtre
    Enthält 267 Werke von 54 Autoren im Volltext über eine Zeitspanne von sechs Jahrhunderten (u. a. Dumas d. Ä., Flaubert, Musset, Marquis de Sade, Zola).
  • Théâtre du Grand Siècle
    Beinhaltet ca. 77 Werke im Volltext von Corneille, Molière und Racine.
  • Autour du romantisme
    Enthält rund 243 Romane von 63 Autoren des 18. und 19. Jh. (u. a. Hugo, Mérimée, Musset, Sand).
  • Romanciers réalistes et naturalistes
    Besteht aus 300 Romanen der Jahre 1820 bis 1910 (u. a. Balzac, Flaubert, Maupassant, Zola).
  • La Critique littéraire
    Enthält 115 Texte zur Literaturtheorie und –kritik von 29 Autoren aus den Jahren 1786-1925 (u. a. Baudelaire, Laharpe, Maupassant, Proust).
  • Les Écrits sur l’art
    Verfügt über 250 Texte zur Kunstkritik und Kunstgeschichtsschreibung der Jahre 1741 bis 1919 (u. a. Apollinaire, Balzac, Proust, Zola).
  • La Révolution et l’Empire
    Enthält Texte aus der Sicht der zeitgenössischen Geschichtsschreibung von der Französischen Revolution bis zum Zweiten Kaiserreich (u. a. Chateaubriand, Mme de Staël, Tocqueville).
  • La Poésie française
    Beinhaltet eine Lyriksammlung von über 40 Hauptvertretern der Gattung, vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg (u. a. Molière, Musset, Rimbaud).
  • Le roman du XVIIe siècle
    Enthält französische Erzählliteratur des 17. Jh. (u. a. Mlle de Scudéry).

Eine vollständige Titelliste der enthaltenen Werke liegt beim Fachhändler digento.de als PDF-Datei (22 S.) bereit.

Patrologia Latina Database lizenziert

Ebenfalls neu lizenziert ist die Patrologia Latina Database. Es handelt sich dabei um die vollständige elektronische Ausgabe von Jacques-Paul Mignes Patrologiae cursus completus, Series Latina. Diese beläuft sich auf 217 Text- und 4 Index-Bände, die 1844-1855 und 1862-1865 erschienen.

Die Volltextdatenbank enthält die Werke der Kirchenväter von Tertullian 200 n. Chr. bis zum Tod von Papst Innozenz III im Jahr 1216 und macht damit die wichtigen christlich-lateinischen Autoren und die einflussreichsten Werke spätantiker und frühmittelalterlicher Theologie, Philosophie, Geschichte und Literatur zugänglich. Neben den Originaltexten beinhaltet die Datenbank auch alle einleitenden Texte, den kritischen Apparat, die Register, Mignes Kolumnenziffern und die Illustrationen.

Die Datenbank ist wie die vorangeganenen beiden Datenbanken zu Bertolt Brecht und der Deutsche Lyrik vom selben Anbieter.

Obiger Text ist im Wesentlichen der Produktinformation bei digento.de entnommen.

Deutschsprachige Lyrik aus 500 Jahren

Nach Brecht haben wir auch ein Herz für deutsche Lyriker, deshalb können FU-Angehörige ab sofort ebenso auf die Datenbank Die Deutsche Lyrik in Reclams Universal-Bibliothek (Die Deutsche Lyrik im WWW) zugreifen.

Die Volltextdatenbank bietet Zugriff auf Gedichte aus der Zeit von 1457 bis 1929. Insgesamt umfasst die Sammlung über 14.000 Gedichte von 510 Autoren. Ausgewählt wurden diese aus Autorenbänden und Anthologien, die in Reclams Universal-Bibliothek erschienen sind. Ausgenommen noch urheberrechtlich geschützte Texte. Neben dem Gedicht wurden auch Widmungen oder Anmerkungen des Autors aufgenommen. Ausgeschlossen blieben i. d. R. Vor- und Nachworte von Herausgebern, Einleitungen, editorischer Apparat, Biographien, Glossare und Indices.

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Brechts Werke lizenziert

Ab sofort können FU-Angehörige die Datenbank Bertolt Brechts Werke im WWW nutzen. Dabei handelt es sich – wie unschwer am Titel zu erkennen – um eine Volltextausgabe der literarischen Werke und Schriften Bertolt Brechts und die erste autorisierte elektronische Ausgabe. Grundlage bildeten die „Ausgewählten Werke in sechs Bänden“, die anlässlich des 100. Geburtstag Brechts 1997 vom Suhrkamp-Verlag aufgelegt wurde.

Sämtliche Texte folgen dabei der „Großen kommentierten Berliner und Frankfurter Ausgabe“ von Suhrkamp (1988-1999). Beigefügt sind Anmerkungen, die Hinweise zur Entstehungs-, Text- und Wirkungsgeschichte geben sowie Angaben über Mitarbeiter, Quellen, Vorlagen und Einzelerläuterungen enthalten.

Die Bände im Überblick (das Inhaltsverzeichnis ist über die Suche – am rechten Bildschirmrand – erreichbar):

  • Band 1: Stücke 1
  • Band 2: Stücke 2
  • Band 3: Gedichte (Sammlungen)
  • Band 4: Gedichte (1913-1956)
  • Band 5: Prosa
  • Band 6: Schriften (1920-1956)

Brecht (1898-1956) gilt als letzter Universalist der deutschen Literatur und als Begründer des Lehrstücks und des epischen Theaters.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-W0409-300 / Kolbe, Jörg / CC-BY-SA

Klaus Haller verstorben

Laut dem Blog kibibbayer bzw. bib-info.de ist Dr. Klaus Haller bereits am 25. November, einen Tag vor seinem 72. Geburtstag, verstorben. Der größeren Allgemeinheit dürfte der Name kaum etwas sagen, umso mehr war er in der deutschen Bibliothekslandschaft präsent. Anfang der 1980er Jahre begleitete Haller die Einführung eines modernen Erschließungssystems für deutsche Bibliotheken, das die aus dem 19. Jh. stammenden „Preußischen Instruktionen“ (PI) als bibliothekarisches Regelwerk ablösten.

Noch heute finden die „Regeln für die alphabetische Katalogisierung“ (RAK) an wissenschaftlichen Bibliotheken Anwendung. Gleichzeitig ertappt man sich bei schwierigen Katalogaufnahmen auch immer wieder dabei, in seinem vielfach aufgelegten Standardwerk „Katalogisierung nach den RAK-WB“ nachzuschlagen. Das blaue Büchlein, unter Bibliothekaren kurz als „Haller“ bekannt, dürfte in fast jeder wissenschaftlichen Bibliothek in Deutschland zu finden sein.

Einen längeren Nachruf zu Klaus Haller gibt es bei merkur-online.de.

Kostenfrei nutzen: Biodiversity Heritage Library

Die Biodiversity Heritage Library (BHL) ist ein Konsortium aus zwölf Bibliotheken und Forschungeinrichtungen aus den Bereichen Naturkunde und Botanik, darunter das American Museum of Natural History (New York), das Field Museum of Natural History (Chicago), die Harvard University (Cambridge, Massachusetts), das Natural History Museum (London) und die Smithsonian Institution (Washington D.C.). Seit 2005 digitalisieren die verschiedenen Einrichtungen ihre Bestände zur Biodiversität und stellen diese auf einer kostenfreien Online-Plattform zu Verfügung. Mit fast 50.000 Titeln und mehr als 35 Mio. Seiten gilt die BHL als weltweit führendes Digitalisierungsprojekt für Biodiversitätsliteratur. Neben Büchern finden sich auch ca. 2000 Zeitschriftentitel. Der Fokus konzentriert sich überwiegend auf gemeinfreie Werke, die vor 1920 veröffentlicht wurden.

Die Inhalte können kostenfrei eingesehen, ausgedruckt und u. a. im PDF-, OCR-Text- oder JPG2000-Format abgespeichert werden. Die Inhalte der Datenbank speisen u. a. die im Aufbau befindliche Encyclopedia of Life (EOL). Ebenfalls existieren im Aufbau befindliche Schwesterprojekte in Europa (BHL-Europe) und China (BHL-China).

Verspäteter Fernsehtipp

Am Montagabend sendete Arte ein sehenswertes Porträt über Eugen Ruge. Der Berliner Autor, der 2011 den Deutschen Buchpreis für seinen semi-autobiographischen Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts gewann (Biblioblog berichtete), wurde seit 2009 von dem Filmemacher Arpad Bondy begleitet. Neben Einblicken in Ruges Schreibprozess, der am liebsten mit dicken Ohrenschützern am Laptop arbeitet, gewährt die Dokumentation auch einen seltenen Blick hinter die Kulissen des Rowohlt Verlags (inkl. Verkaufsverhandlungen, Layout- und Pressearbeit).

Die Dokumentation Eugen Ruge – eine Familiengeschichte wird zum Bestseller kann man sich noch die nächsten Tage kostenfrei auf ARTE+7 ansehen. Ruges Erfolgsroman ist im Bestand der Philologischen Bibliothek zu finden.

Bild: Lesekreis (CC-Zero)