Radelnde Bibliothekare im Baltikum

Nachdem sich im letzten Jahr erstmals sportliche Bibliothekare aufs Fahrrad schwangen, um im Vorfeld des 100. Bibliothekartages innerhalb von zehn Tagen die Strecke Kopenhagen-Berlin zurückzulegen, ist Ende Juli eine zweite Auflage gestartet. „Cycling for Libraries“ (kurz „Cyc4lib“) versteht sich als „politisch und wirtschaftlich unabhängige internationale Unkonferenz für Bibliothekare und Bibliotheksliebhaber“. Von Einzelpersonen organisiert, startete man die 2012er-Auflage am 28. Juli im litauischen Vilnius. Ankunft ist heute im estnischen Tallinn.

Begleitet wurden die internationalen Radler von einem Bücherfahrrad und einem estnischen Bücherbus mit lokalen Autoren. Unterwegs sollten Fachthemen diskutiert, Bibliotheken besichtigt und mit örtlichen Bibliotheksvertretern ins Gespräch gekommen werden. Wie erfolgreich die Aktion war, lässt sich auf der Webseite der radelnden Unkonferenz erfahren, wo neben täglichen Videos die Teilnehmer auch in kurzen Postings und Bildern über berufliche und private Dinge sinnieren. „Cyc4lib“ fand in diesem Jahr im Vorfeld der Konferenz der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) statt, die vom 11. Bis 17. August in Helsinki abgehalten wird.

Chinesische Studenten an deutschen Hochschulen top

Nicht nur in Sachen Olympia ist die Volksrepublik China derzeit führend, sondern auch was die Zahl an eingeschriebenen ausländischen Studenten und wissenschaftlicher Mitarbeiter an deutschen Hochschulen angeht. Laut einem aktuellen Bericht des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) stellt das Reich der Mitte schon seit mehreren Jahren die größte Gruppe an ausländischen Studierenden. 2011 waren 22.828 Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Auch die meisten geförderten Aufenthalte von chinesischen Wissenschaftlern werden in Deutschland abgehalten, was auf den mittlerweile 750 Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen beruht, darunter auch die FU.

Passend zum Thema hat im letzten Monat Bibliothekarisch.de ein YouTube-Video vorgestellt, in dem englischsprachig erklärt wird, wie das Wort BibliothekarIn mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben wird und wie man es korrekt ausspricht. Immerhin ein winzig kleiner Schritt hin zur chinesischen Sprache, mit dem man eventuell das chinesische Bibliothekspublikum beeindrucken kann ;)

Unter der Webpräsenz wissenschaft-weltoffen.de sind weitere Daten zum jährlich erhobenen Datenreport des DAAD und HIS-HF zu finden.

Link des Monats August 2012: Gallica

Gallica ist das in den 1990er Jahren gestartete Digitalisierungsprojekt der Französischen Nationalbibliothek (BnF), unser Link des Monats August. Aktuell haben Benutzer Zugriff auf mehr als 1,8 Mio. Dokumente, darunter E-Bücher, Karten, Handschriften, Fotografien aber auch einen reichen Bestand an Tageszeitungsarchiven vor Ende des Zweiten Weltkriegs, darunter Le Figaro. Seit Ende Juni ist die Suchoberfläche auch in deutscher Sprache verfügbar.

Zwölfjähriger programmiert eigene Bibliothekssoftware

Früh übt sich – während andere Schüler in den Sommerferien faulenzen, hat ein zwölfjähriger Ire ein eigene Bibliotheksverwaltungssoftware programmiert. Auf die Idee war er gekommen, nachdem seine Schule eine große Summe Geldes für ein System mit Mängeln ausgegeben hatte. Die Software des Jungen aus Dublin verspricht die simple Ausleihe und Rückgabe von Medien indem die ISBN-Nummer per Smart-Phone-Kamera eingelesen wird. Den gesamten Artikel gibt es auf den Seiten der Tageszeitung Irish Times zum Nachlesen.

Gesehen bei Netbib Weblog bzw. VÖBBLOG

Olympia-Medaille für FU-Studentin

Während bei den Olympischen Spielen in London der Knoten bei der deutschen Mannschaft mittlerweile geplatzt zu sein scheint, hat am gestrigen Tag auch eine FU-Studentin eine der begehrten Medaillen gewonnen. Am ersten Tag der Ruder-Finalwettkämpfe auf dem Dorney Lake errang der deutsche Doppelvierer der Frauen die Silbermedaille hinter den favorisierten Ukrainerinnen. Neben Carina Bär (Heilbronn), Annekatrin Thiele (Leipzig) und Britta Oppelt (Berlin) wurde die Besetzung durch die Berlinerin Julia Richter komplettiert. Sie studiert an der FU Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Das FU-eigene Magazin Campus.Leben hatte Richter vor einigen Tagen zu Beginn der Spiele noch unter dem Titel Dabei sein ist (fast) alles einen Artikel gewidmet und wartet nun auch mit einem aktuellen Interview auf. Herzlichen Glückwünsch zu Olympia-Silber!

Grafik: Thadius856/Quibik (gemeinfrei)

Neue LOTSE-Fächer im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften

Das Angebot wurde zum Jahreswechsel 2016/17 eingestellt!

Wie der Webis-Blog diesen Monat berichtete, stehen neue Tutorials zu den Fächerkombinationen Kommunikationswissenschaft / Medienwissenschaft und Filmwissenschaft / Theaterwissenschaft bei LOTSE zur Verfügung. Neben grundlegenden Einführungstexten zur Literaturrecherche und dem Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten stehen auch kommentierte Linksammlungen und Videoskripte zur Verfügung, die vor allem Studienanfängern helfen können.

Das Navigations- und Schulungssystem (engl. für “Library Online Tour and Self Paced Education”) wurde im Jahr 2003 von der Universitäts- und Landesbibliothek Münster ins Leben gerufen und hat seit Herbst 2008 mit finanzieller Hilfe von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) interessante Tutorials zum Erlernen wissenschaftlicher Arbeitstechniken erstellt.

Auch die Universitätsbibliothek der FU bleibt in Sachen Informationskompetenz nicht untätig und bietet im kommenden Wintersemester wieder zahlreiche Veranstaltungen an. Von der allgemeinen Bibliothekseinführung bis zur professionellen Literaturverwaltung mit Citavi und EndNote. Das Online-Vorlesungsverzeichnis mit den Kursen wird voraussichtlich Anfang August 2012 veröffentlicht.

Kleines Olympia-Dossier

Nun ist es bald soweit. In 7 Tagen beginnen die 30. Olympischen Spiele der Neuzeit in London (s. auch www.london2012.com/).

Rechtzeitig zur Einstimmung hat die Staatsbibliothek zu Berlin (PK) ein kleines Olympia-Dossier zusammengestellt mit Hintergrundinfos und einer umfangreichen Literaturliste (u.a. „Lords of the Rings: Power, Money, and Drugs“).

P.S. Mit den 5 Ringen wird ja in vielerlei Hinsicht eine Menge Geld verdient; das Emblem ist z.B. markenrechtlich geschützt. Wir greifen daher – kostenneutral – zur Illustration auf einen Bildausschnitt einer Grafikdatei von Wikimedia zurück, s.o. (Dank an David Monniaux); hier geht es erkennbar auch um „Ringen“ … 😉

Englischsprachige Wikipedia feiert viermillionsten Eintrag

Die englischsprachige Wikipedia hat am letzten Freitag (auch noch einem 13.  ;)) einen Meilenstein gefeiert. Mit dem Artikel Izbat Al Burj hält das Online-Nachschlagewerk elf Jahre nach seiner Entstehung nun vier Millionen Einträge. Verfasst wurde der Artikel von dem Benutzer „Meno25“, der laut dem offiziellen Blog des Trägervereins Wikimedia bürgerlich Mohammed Farag heißt und aus dem ägyptischen Alexandria stammt.

Ursprünglich als Enzylopädie mit herkömmlichen Peer-Review-Verfahren („Nupedia“) von dem Internetunternehmer Jimmy „Jimbo“ Wales und Philosophie-Doktoranden Larry Sanger gegründet, gilt Wikipedia heute als eines der Internet-Vorzeigeprojekte. Der Name ist ein Kofferwort und setzt sich aus dem hawaiianischen „wiki“ für „schnell“ und „encyclopedia“ zusammen.

Die Benutzer engagieren sich ehrenamtlich und erstellen in ihrer Freizeit Enzyklopädie-Artikel zu den verschiedensten Themen. Diese stehen unter freien Lizenzen, können kostenfrei gelesen und auch zu kommerziellen Zwecken weiterverwendet werden. Durch das Fehlen eines herkömmlichen Peer-Review-Verfahrens wachsen die einzelnen Sprachversionen teilweise rasant an und haben den herkömmlichen gedruckten Enzyklopädien den Rang abgelaufen. Zuletzt wurde in diesem Frühjahr die Druckausgabe der altehrwürdigen Encyclopædia Britannica eingestellt.

Pro und Kontra Wikipedia

Einer der Nachteile ist, dass die Mehrheit der Lexikon-Autoren anonym bzw. unter Pseudonymen agiert. Damit ist auch deren Qualifikation unklar. Gerade hinter den Kulissen wird in sensiblen Bereichen wie Religion, Politik oder Geschichte in langen Diskussionen mitunter hart um Formulierungen gefeilscht. Auf der anderen Seite steigt die Qualität der Artikel von Jahr zu Jahr an. Fußnoten mit Nachweisen zu renommierten Pressequellen oder wissenschaftlicher Literatur begegnet man immer häufiger bei den Einträgen. Im halbjährlich stattfindenden „Schreibwettbewerb“ der deutschen Sprachversion setzte sich der überarbeitete Eintrag zum Schriftsteller Peter-Paul Zahl durch, der fast 80 Fußnoten umfasst und sogar mit einem internen Prädikat versehen ist.

Heute existieren 275 Wikipedia-Sprachversionen mit mehr als 22 Mio. Artikeln. Die größte ist die englischsprachige Version. Auf Platz zwei, etwas weiter abgeschlagen, steht die deutschsprachige Wikipedia mit über 1,4 Mio. Artikeln. Neben der hohen Anzahl an potentiellen Mitwirkenden ist dies auch strengeren Aufnahmekriterien geschuldet, die man unter „Wikipedia:Relevanzkriterien“ nachlesen kann. Täglich wächst die deutsche Sprachfassung um mehrere hundert Beiträge an. Noch am Tag des englischsprachigen Meilensteins wurde der ägyptische Städte-Artikel in die deutschsprachige Version übernommen und übersetzt.

Trotz immer wieder aufkommender Meinungsverschiedenheiten und Kritik an dem Projekt, einen herzlichen Glückwunsch und Dank an die unentgeltlich arbeitende Autoren-Community. Auch im Bibliotheksalltag ist das freie Mitmachlexikon mitunter einer der ersten Anlaufpunkte zur Orientierung.

Bild: Lane Hartwell für die Wikimedia Foundation (© & ™)
Grafik: Markus Schweiß (CC-BY-SA 3.0/GFDL)

Bibliothekarische Vornamen

In jeder Berufsbranche stößt man auf die merkwürdigsten Kürzel und Akronyme. In dieser Hinsicht bildet der Bibliotheksbereich keine Ausnahme, wie man bei Bibliothekarisch.de nachlesen kann. Dort wird aktuell in einem Blogposting nach Akronymen aus dem Arbeitsalltag gefahndet, die Vornamen ähneln. Für werdende Mütter aus der Branche die schnelle und bequeme Alternative zum Griff ins Namenslexikon. Wer kann schon ungeniert von sich behaupten, an seinem Arbeitstag mit Stella geflirtet oder die Hilfe von Ariadne, Dafne oder Heidi in Anspruch genommen zu haben? Wer hat heute nicht schon ein Auge auf Dewey geworfen und wem kam das Treffen mit Pauly zu kurzweilig vor? Wer hat Marc nicht bekommen und wie sieht es eigentlich mit dem fest eingeplanten Besuch von Alma aus? Sind noch weitere Hilfswerkzeuge im Bibliotheksalltag geläufig, die man theoretisch dutzen könnte?

Manifest zur Neugründung Europas von unten

Der Betrieb des „Dokumentationszentrums UN – EU“ wird eingestellt. Die entsprechende Literatur bleibt im Bestand und ist weiterhin zugänglich.

Hauptaufgabe des Europäischen Dokumentationszentrums (EDZ) in der Universitätsbibliothek ist es, Studium, Lehre und Forschung zu Themen der europäische Integration zu unterstützen. Das EDZ macht keine Werbung für die Europäische Union, es informiert über die EU.

Dennoch: Hier kommt aus dem EDZ zur Abwechslung mal der Hinweis auf eine politische Initiative: Der Aufruf Wir sind Europa! Manifest zur Neugründung Europas von unten fordert die zuständigen europäischen und nationalen Einrichtungen dazu auf, „sowohl die finanziellen wie auch rechtlichen Voraussetzungen für ein Freiwilliges Europäisches Jahr für alle bereitzustellen – als Gegenmodell zum Europa von oben, dem bisher vorherrschenden Europa der Eliten und Technokraten“. Anknüpfungspunkte für die Initiative sind der bereits existierende Europäische Freiwilligendienst und das von der EU-Kommission ab 2014 geplante Programm Erasmus für alle. Wenn man das Motto der Initiatoren Ulrich Beck und Daniel Cohn-Bendit gut findet – „Frage nicht, was Europa für dich tun kann, frage vielmehr, was du für Europa tun kannst“, kann man den Aufruf unterschreiben.