Alles online, oder was?

In einer nicht repräsentativen Stichprobe haben KollegInnen der Zentralbibliothek Zürich zufällig drei Bücherregale mit fast 700 gedruckten Titeln (Bücher in modernen Sprachen, außer Deutsch, Erscheinungsjahre: 1983-2011) ausgewählt, um das Verhältnis von analogen und digitalen Angeboten zu untersuchen. Weitere Details und die Auflösung, wie viele Bücher davon tatsächlich online verfügbar sind, bietet der digithek blog.

Detail des UB-Magazinturms am Morgen (Collage, Bildquelle: Marc Spieseke)
Detail des UB-Magazinturms am Morgen (Collage, Bildquelle: Marc Spieseke)

Passend zum Thema weist das Blog Archivalia auf eine im Sommer 2017 gestartete Umfrage bei ca. 1000 europäischen Museen, Bibliothek, Archiven hin („ENUMERATE-Report“). Demnach sind 42 Prozent des europäischen Kulturerbes nicht digital zugänglich.

Leseverhalten der Generation Smartphone

Zur Jahrestagung der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft in München (20.-22. September) wurde der Medienwissenschaftler Henning Lobin von Deutschlandfunk Kultur befragt. In Zeiten von Like-Buttons, kurzen Twitter-Nachrichten und Emojis ging es um die Frage, ob junge Leser überhaupt noch lange Texte verstehen können. Aber keine Angst, Lobin weiß in Sachen Harry-Potter-Generation zu beruhigen 😉 …

(Gesehen im Vöbblog)

Neu in der Digitalen Bibliothek: eBooks on Demand

Neu in der Digitalen Bibliothek der FU Berlin vertreten ist eBooks on Demand.

Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis von Büchern die in den am Projekt teilnehmenden Bibliotheken auf Nutzerwunsch digitalisiert werden. Über die Suchmaschine kann in einem Bestand von 4,2 Mio. Büchern gesucht werden. Die Bücher können kostenpflichtig als PDF oder als Reprint bestellt werden. Bereits vorhandene E-Books können über die Advanced Search ermittelt werden, indem man bei „Format“ E-Book auswählt.

Zurzeit nehmen etwa 27 Bibliotheken aus 10 europäischen Ländern an dem Projekt teil.

Zukunft der Bibliotheken – Klaus-Reiner Brintzinger im Deutschlandfunk

Anlässlich des Bibliothekartags (wir berichteten …) werden auch manche Medien auf Bibliotheken und die bibliothekarische Zunft aufmerksam. Klaus-Reiner Brintzinger, Direktor der UB der LMU München und Vorsitzender des Vereins Deutscher Bibliothekare, erhielt heute morgen im Deutschlandfunk die Gelegenheit sich der Gretchen-Frage zu stellen: „Wenn eines Tages aber alles digitalisiert und im Netz abrufbar sein wird, wozu benötigen wir dann noch Bibliotheken …?

Neben dem immer attraktiver werdenden „Lernort Bibliothek“ wäre sicherlich auch noch zu denken an eine bleibende Kernaufgabe: Literatur und Informationen, die nicht frei verfügbar sind, den Bürgerinnen und Bürgern, den Studierenden und Wissenschaftlern weiterhin zu erschließen und kostenlos zur Verfügung zu stellen und damit Wissen umfassend, verlässlich und nachhaltig zu verbreiten. Spannend wird sein, wie groß dieser Anteil an der Literatur- und Wissensproduktion noch sein wird. Entscheidend hierfür ist u.a. die weitere Entwicklung im Bereich Open Access und beim Urheberrecht.

Digitalisierungsprojekte auf einen Blick

Neu aufgenommen in die Digitale Bibliothek wurde kulturerbe-digital.de. Das Fachportal sammelt Informationen zur Digitalisierung von Kulturgut in Deutschland: Nachweise über laufende und abgeschlossene Digitalisierungsprojekte, Handreichungen, Arbeitsmaterialien und Richtlinien zur Digitalisierung von Kulturgut. Informationen zur Förderung und zu Förderern der Digitalisierung werden ebenfalls bereitsgestellt.

Das Ziel der Online-Plattform ist es, für aktuelle Digitalisierungsprojekte Hilfestellung zu geben, Vernetzung zu ermöglichen und Erfahrungen aus abgeschlossenen Digitalisierungsvorhaben zugänglich zu machen. Gegenwärtig wird auf über 920 Digitalisierungsprojekte hingewiesen. Eine komplette Liste der erfassten Projekte im PDF-Format ist hier verfügbar.

Ein ähnliches kostenfreies Projekt, das auf digitale Sammlungen und Bestände von Archiven, Bibliotheken und Museen aufmerksam machen möchte, ist MICHAEL. Das Online-Verzeichnis weist entsprechende Bestände in Deutschland nach und liefert diese auch an das europäische MICHAEL-Portal.

Es führt zu digitalisierten Handschriften, Büchern und Urkunden, zu Museumsobjekten wie Münzen oder Skulpturen, zu Fotos, Gemälden, technischen Plänen, Landkarten und vielem mehr. Als Zielpublikum werden ForscherInnen ebenso genannt wie auch Kunstliebhaber, Schüler, Studenten, Journalisten und Lehrer. In Deutschland sind sieben Kulturinstitutionen am EU-Projekt MICHAEL Plus, in dessen Rahmen das deutsche Portal aufgebaut wird, beteiligt: die Bayerische Staatsbibliothek, das Bundesarchiv, das Deutsche Museum, die Deutsche Nationalbibliothek, das Landesarchiv Baden-Württemberg, die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.“

Dieser Text basiert überwiegend auf den Informationen des jeweiligen Seitenbetreibers.

Bionischer Finger & freie Katalogdaten

Die Bayern tun es, die Göttinger tun es, die Österreicher erst Recht – die Digitalisierung wissenschaftlich relevanter Texte in großer Fülle. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt der Futurezone-Artikel Digitalisieren mit dem „bionischen Finger“ von Claudia Glechner, die ein Wiener Startup-Unternehmen besucht hat. Auch nicht zu verachten ist der Artikel Freiheit für Bibliotheken, in dem das ORF-Magazin die Veröffentlichung der Katalogdaten der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln vom Wochenende bespricht.

Digitale Bibliothek für Deutschland

Ein „Jahrhundertprojekt“, ein „Quantensprung in der Welt der digitalen Information“, so hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann (Bild) gestern die Errichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) angekündigt. Das vom Bundeskabinett beschlossene Projekt soll bis 2011 ca. 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland vernetzen und allen Bürgern kostenfreien Zugriff auf Bücher, Bilder, Skulpturen, Noten, Musik und Filme gewähren – vorerst nur urheberrechtsfreie Werke.

Die DDB soll auch einen Gegenentwurf zur viel diskutierten Plattform Google Books bilden, die zahlreiche Scans aus Büchern anbietet, deren Urheberrecht noch nicht abgelaufen ist. Dies hat große Bedenken von Verlegern und Autoren nach sich gezogen, die beim Bibliotheksprojekt übergangen wurden. Vor einigen Wochen hatte der Suchmaschinen-Betreiber auf die Kritik reagiert und versichert, nur noch in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien oder Großbritannien veröffentliche Bücher zuzulassen. Dies könnte jedoch gerade für Europa einen Rückschritt bei der Digitalisierung von Büchern bedeuten, wie Kritiker bemängelten.

Die Europäische Union hat darauf reagiert und Ende November den Ausbau der Internetplattform Europeana angekündigt. Gerade urheberrechtsfreie deutschsprachige Texte von beispielsweise Goethe, Schiller & Co. hat man in der vor einem Jahr gegründeten Digitalen Bibliothek für Europa bisher vergeblich gesucht. Dies wird sich mit dem Erscheinen der Deutschen Digitalen Bibliothek ändern, die in die Europeana integriert werden soll.

Für die Infrastruktur des deutschen Digitaliserungsprojekts sind fünf Mio. Euro vorgesehen, ab 2011 soll die DDB dann jährlich mit einer Summe von 2,6 Mio. Euro unterstützt werden, die aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes kommt. Auf das Ergebnis dürfen wir gespannt sein, zumal unser Kulturgut nicht einem kommerziell denkenden Unternehmen anvertraut wird und das Urheberrecht gewahrt bleiben soll.

Danke für das Bild an WikiCommons!

19th Century British Pamphlets Collection – kostenlos bis 30.6.2009

Im Rahmen unseres Lizenzvertrags mit JSTOR steht den Angehörigen der FU Berlin zunächst bis Ende Juni 2009 der Zugang zu einer neuen JSTOR-Collection kostenlos zur Verfügung. Bei der „19th Century British Pamphlets Collection“ handelt es sich um circa 8.200 hochwertig digitalisierte Flugschriften u.a aus der Knowsley Pamphlet Collection (University of Liverpool), den Cowen Tracts (Newcastle University) und den Hume Tracts (University College London). Die „British Pamphlet Collection“ ist eine bisher schwer zugängliche Primärquelle, die sich für das Studium der soziopolitischen und ökonomischen Landschaft Großbritanniens im 19. Jahrhundert eignet. In der „Advanced Search“ kann der Filter „Pamphlets“ angehakt werden.