New York Times bleibt bei LexisNexis

Wie die LexisNexis Group vorgestern bekannt gab, werden die Inhalte der New York Times auch die kommenden Jahre über Bestandteil des Angebots bleiben. Ein Langzeitvertrag über zehn Jahre wurde abgeschlossen, der neben den Printinhalten auch in Zukunft die Übernahme der NYT-Blog-Inhalte und des –Text-Feed-Services vorsieht.

LexisNexis bietet seit den 1970er Jahren einen Online-Volltextdienst, der Rechts-, Medien- und Wirtschaftsinformationen miteinschließt. Die Freie Universität hat u. a. die Datenbank LexisNexis Wirtschaft lizenziert. In dieser können FU-Angehörige kostenfrei auf tagesaktuelle Artikel und Archive deutscher Presseerzeugnisse (u. a. Spiegel, Zeit, Welt) sowie der wichtigsten internationalen Medien (z. B. The Guardian, Le Monde, El País oder eben die New York Times) zugreifen.

In der Vergangenheit war es leider des Öfteren dazu gekommen, dass bekannte Zeitungsverlage ihre Verträge mit LexisNexis nicht verlängert hatten, darunter die Süddeutsche Zeitung, die mit einem eigenen Online-Archiv ihre Inhalte vertreibt (ebenfalls von der FU angeboten: das Süddeutsche Zeitung: Online-Archiv).

Online-Enzyklopädie im moralischen Zwiespalt

Auch auf Wikipedia und ihren Gründer Jimmy Wales (Bild) ist nicht immer Verlass – aus einem sehr zwiespältigem Grund, wie die Medien in den letzten Tagen zu berichten wissen. Vor wenigen Wochen konnte sich der US-Journalist David Rohde selbstständig aus seiner Geiselhaft in Afghanistan befreien, nachdem Taliban-Kämpfer ihn und zwei weitere Begleiter im November 2008 entführt hatten. Daraufhin hatte die New York Times, der Arbeitgeber des zweimaligen Pulitzer-Preisträgers, alles daran gesetzt, Rohdes Leben zu retten.

Die Tageszeitung zog zahlreiche Pressedienste ins Vertrauen, nachdem schon ausländische Agenturen über den Entführungsfall berichtet hatten. Daraufhin wurde eine Nachrichtensperre verhängt, die auch auf die englischsprachige Wikipedia ausgedehnt wurde. Rohdes Eintrag stand seitdem unter der Beobachtung von Administratoren unter der Führung von Jimmy Wales. Änderungen von Autoren, die die Nachricht über den Entführungsfall in den Artikel eingebracht hatten, wurden zurückgesetzt, der Artikel selbst mehrfach für die Bearbeitung gesperrt.

Die New York Times „korrigierte“ in den folgenden Monaten ihr Online-Archiv, um ein äußerst positives und auf gar keinen Fall islamkritisches Bild des Entführten zu vermitteln. Gleiches erfolgte bei Wikipedia, wo ein mit Rohde befreundeter Journalist die Biografie schönte. Mit dem Ende der Entführung vor anderthalb Wochen ist eine Diskussion in der Community und den Medien entstanden – die „freie Enzyklopädie“, doch nicht ganz so frei?

Mit der Selbstzensur, laut Kritikern, habe Gründer Jimmy Wales gegen die eigenen formulierten Grundsätze verstoßen, andere belobigen die Nachrichtensperre als verantwortliches Handeln. Die Wikipedia-Community leidet an diesem Präzedenz-Fall, so Spiegel-Autor Frank Patalong. Rechtfertigt ein Menschenleben die Zensierung von Informationen? Wäre Rohdes Leben durch eine Ergänzung des Artikels überhaupt in größerer Gefahr gewesen? In der deutschsprachigen Wikipedia hat sich diese Frage nie gestellt – erst nach der Enthüllung der ganzen Geschichte machte sich ein Autor daran, den englischen Artikel zu übersetzen.

Danke für das Bild an Wikimedia Commons!