Zugriff auf DDR-Presse wiederhergestellt

Ende 2011 wurden aus dem Online-Zeitungsportal der Staatsbibliothek zu Berlin zahlreiche Digitalisate aus lizenzrechtlichen Gründen entfernt (Biblioblog berichtete). Betroffen war auch das komplette Archiv des Neuen Deutschlands (ND), dem Zentralorgan der DDR-Staatspartei SED (1946-1990). Nun wird im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts der Online-Zugriff auf den Titel (Berichtszeit: 23. April 1946 – 3. Oktober 1990) wiederhergestellt.

Im Rahmen des Projekts DDR-Presse sollen neben den ND-Ausgaben zwei weitere DDR-Tageszeitungen digitalisiert und im Volltext erschlossen werden – die Berliner Zeitung (BZ, Berichtszeitraum: 21. Mai 1945 – 3. Oktober 1990) und die Neue Zeit (ND, 22. Juli 1945 – 5. Juli 1994). Die Jahrgänge 1946 bis 1970 des Neuen Deutschlands sind bereits wieder online zugänglich. Die Archivtexte wurden automatisch digitalisiert und können daher Fehler enthalten. Ergänzend zur Textversion wird jeweils eine Faksimile-Version der Zeitungsseite als PDF-Download angeboten. Neben einer Volltextsuche steht zum Stöbern eine Kalenderfunktion zur Verfügung. Das Angebot soll laut der Staatsbibliothek zu Berlin laufend vervollständigt werden.

Für den Zugriff auf das ND-Archiv benötigt man keinen Benutzungsausweis der Staatsbibliothek. Es lässt sich auch mit Hilfe eines kostenfreien OpenID-Kontos bei xlogon.net benutzten (s. Zugangshinweise auf den Seiten der Stabi). OpenID ermöglicht das sogenannte Single-Sign-On-Verfahren (SSO), nach dem sich ein Anwender nur einmal an einem System anmeldet und dann – ohne weitere Anmeldungen – Zugriff auf alle Anwendungen und Dienste hat, die ihm zur Verfügung stehen. Via xlogon.net ist Anonymität quasi möglich, da der Benutzer nur ein Namensfeld und eine E-Mail-Adresse angeben muss bzw. über Pseudonyme agieren kann.

Wer lieber nicht online zugreifen möchte, für den besteht die Möglichkeit über die Sozialwissenschaftliche Bibliothek und Bibliothek des Osteuropa-Instituts an die Mikrofilmausgaben der drei Pressetitel mit überwiegend gleichem Berichtszeitraum zu gelangen.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-T0220-0307 / CC-BY-SA

ICC als Bibliothek?

Das Boulevardblatt B.Z. hatte Mitte Juni 2012 vom Vorschlag eines CDU-Abgeordneten berichtet, der sich für den Ausbau des Internationalen Congress Centrums (ICC) zur neuen Landeszentralbibliothek aussprach. Tatsächlich ist der Vorschlag von einem bekannten Berliner Architektenbüro mit Erfahrung in Bibliotheksbauten aufgegriffen worden. Erste Pläne sind nun vorgestellt worden.

Nach einer Asbest-Sanierung könnte die Kongresshalle u. a. einen ca. 300 Meter langen und 90 Meter breiten, lichtdurchfluteten Lesesaal nebst Freitreppe Platz bieten. Den dazugehörigen Artikel mit zwei Grafiken gibt es auf den Webseiten der B.Z.

Bild: Avantique (Lizenz: GFDL / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0)
Gesehen im netbib weblog

Tag der Bibliotheken

Über das Jahr gesehen gibt es eine Unmenge an Gedenk- und Aktionstagen. Natürlich wurde auch an die Bibliotheken gedacht und so wird alljährlich am 24. Oktober der „Tag der Bibliotheken“ begangen. Ausgerufen 1995 unter der Schirmherrschaft des früheren deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, erinnert das Datum an die Gründung der ersten öffentlichen Bibliothek in Deutschland im Jahr 1828, der Vaterländischen Bürger-Bibliothek im sächsischen Großenhain (heute als Karl-Preusker-Bücherei bekannt).

Alljährlich wird an diesem Datum auch der Preis „Bibliothek des Jahres“ vergeben. Gestiftet wurde die Auszeichnung im Jahr 2000 von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Es ist der einzige nationale Bibliothekspreis in Deutschland. In der Vergangenheit tummelten sich unter den Gewinnern sowohl öffentliche, als auch wissenschaftliche Bibliotheken und sogar eine Gefängnisbibliothek. Dieses Jahr geht die Auszeichnung an die Bibliothek der Technischen Hochschule Wildau (FH) (s. auch dbv-Themendienst, Nr. 5) – Glückwünsche nach Brandenburg, wo zum ersten Mal Bibliotheksarbeit honoriert wird. Im Jahr zuvor hatte man die Anton-Saefkow-Bibliothek in Berlin-Lichtenberg preisgekrönt. An eine Berliner wissenschaftliche Bibliothek ging die Auszeichnung allerdings noch nie, aber es gibt ja bekanntlich immer ein erstes Mal … ;)

Deutsches Beamten-Jahrbuch Berlin lizenziert

Die CD-ROM zur gedruckten Loseblattausgabe enthält alle wichtigen Gesetze und einschlägigen Verordnungen für das Beamtenrecht Berlin (Stand: Juli 2012). Sie bilden die Arbeitsgrundlage für Personalbearbeitung und Personalführung.

Im Standardwerk enthalten sind:

  • Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht
  • Allgemeines Beamtenrecht
  • Besoldungsrecht
  • Versorgungsrecht
  • Disziplinarrecht, Korruption
  • Personalvertretungsrecht
  • Reisekosten-, Umzugskostenrecht
  • Fürsorge-, Beihilferecht
  • Sozialrecht, Schutzvorschriften, Familienförderung, Vermögensbildung

Die Volltexte lassen sich u. a. Kopieren bzw. als PDF-Datei herunterladen.

Berliner Literaturpreis an Lukas Bärfuss

Der Berliner Literaturpreis 2013 hat die Stiftung Preußische
Seehandlung diese Woche dem Schweizer Lukas Bärfuss zuerkannt. Einher geht diese Ehrung mit der Annahme der Heiner Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin.

Der Dramatiker und Schriftsteller (* 1971) aus Zürich fand seine Berufung nach Umwegen als u. a. Tabakbauer, Gabelstaplerfahrer, Eisenleger und Gärtner. Seit dem Abschluss einer Buchhändlerlehre im Jahr 1997 in Bern arbeitet Bärfuss als freier Schriftsteller. Er gründete 1998 die Künstlergruppe „400asa“ und erlangte ab dem Jahr 2000 mit ihr Erfolg als Dramatiker. 2002 gab Bärfuss sein Prosadebüt mit der Novelle Die toten Männer. Neben mehreren veröffentlichten Stücken und Schauspielen folgte 2010 der Roman Hundert Tage. Laut Jurybegründung geben den Ton in Bärfuss Werk „die Freaks und Träumer, die Schlafwandler und Fremdlinge“ an. Literatur von Lukas Bärfuss im FU-Katalog

Der Berliner Literaturpreis zeichnet Schriftsteller und Schriftstellerinnen aus, die mit ihrem literarischen Werk einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur geleistet haben. Seit 2005 bietet die Auszeichnung den Preisträgern zugleich ein Forum für die Textarbeit mit literaturinteressierten Studierenden im Rahmen der undotierten Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin. Bisherige Preisträger sind Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr und Rainald Goetz. Bärfuss wird den Preis am 27. Februar 2013 im Berliner Roten Rathaus im Beisein von Bürgermeister Klaus Wowereit entgegen nehmen.

Samuel-Fischer-Gastprofessur an Andrew Sean Greer
In diesem Wintersemester obliegt auch Andrew Sean Greer die Samuel-Fischer-Gastprofessur für Literatur. Der 1970 geborene US-Amerikaner studierte an der Brown University und verdingte sich mehrere Jahre in New York mit Gelegenheitsjobs wie u. a. als Chauffeur und Fernsehstatist. Nach einem Master-of-Fine-Arts-Abschluss an der Universität von Montana zog er nach San Francisco, wo er erste Texte in Zeitschriften veröffentlichte, denen mehrere Romane folgten (Die Nacht des Lichts, 2003; Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli, 2004; Geschichte einer Ehe, 2008). Literatur von Andrew Sean Greer im FU-Katalog

Ziel der 1998 eingeführten Samuel-Fischer-Gastprofessur am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft ist es kritisch über die Literaturen der Welt gemeinsam mit Schriftstellern aus verschiedenen kulturellen Kontexten zu reflektieren. In der Vergangenheit oblag diese Aufgabe so bekannten Autoren wie Nuruddin Farah, Daniel Kehlmann, Alberto Manguel, Yann Martel oder Kenzaburo Oe. Das Seminar ist offen für Studierende aller Fachrichtungen. Greer hat es „Reading as a Writer“ betitelt.

Online-Publikationen zur Aeronautik und Raumfahrt lizenziert

Nachgereicht in der Digitalen Bibliothek wurde das AIAA Meeting Papers and Journals Archive. Dieses Online-Archiv via Nationallizenz umfasst für FU-Angehörige den kostenfreien Zugriff auf Konferenz- sowie Zeitschriftenbeiträge der Jahre 1963 bis 2007. Insgesamt sind ca. 120.000 Papers und 50.000 Zeitschriftenartikel abrufbar.

Das Archiv wird von der American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA) bereitgestellt, dem US-amerikanischen Berufsverband für Luft- und Raumfahrttechnik. Dieser entstand 1963 aus dem Zusammenschluss der beiden Vorgängerinstitutionen American Rocket Society (ARS) und Institute of Aerospace Sciences (IAS). Das AIAA zählt heute über 39.000, überwiegend US-amerikanische Mitglieder.

Die neun lizenzierten Fachzeitschriften im Überblick:

– AIAA Journal
– Journal of Aerospace Computing, Information, and Communication
– Journal of Aircraft
– Journal of Energy
– Journal of Guidance, Control, and Dynamics
– Journal of Hydronautics
– Journal of Propulsion and Power
– Journal of Spacecraft and Rockets
– Journal of Thermophysics and Heat Transfer

Die Volltexte liegen im PDF- bzw. PDF-Plus-Format vor.

Online-Neuerscheinungsdienst für deutschen Buchmarkt

neuebuecher.de bietet einen Überblick über deutschsprachige Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Aufgenommen werden alle Titel des Verzeichnisses Lieferbarer Bücher (VLB), die in den vergangenen drei Monaten erschienen sind oder in den kommenden drei Monaten erscheinen werden. Ebenfalls enthalten sind E-Books, DVDs, Kalender und Non-Books (soweit im VLB gelistet).

Nach einer kostenfreien Registrierung bestehen verschiedene Optionen der Personalisierung. Neben altbekannten RSS-Feeds und Merkliste gibt es auch einen Benachrichtigungsservice sowie die Möglichkeit, individuelle Widgets zu kreieren.

Der kostenfreie Service wird von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH angeboten, die zu einem Wirtschaftstochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gehört.

Bibliotheksclip preisgekrönt

Ende letzten Monats wurde der Werbeclip „ABC“ des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) preisgekrönt. Der anderthalbminütige Film, der 2011 im Rahmen der Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“ im Auftrag gegeben wurde, belegte bei der Verleihung des Deutschen Wirtschaftsfilmpreises den ersten Platz in der Kategorie Nachwuchs. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle nachträglich! Der originelle und witzige Streifen lässt sich via YouTube-Channel des dbv ansehen.

Historische Quelle über China

Die Encyclopaedia Sinica ist ein umfassendes englischsprachiges Nachschlagewerk über China, das 1917 veröffentlicht wurde. Verfasst wurde es von dem Engländer Samuel Couling (1859-1922), der 25 Jahre als Missionar in Shandong lebte und in Shanghai die Zeitschrift „New China Review“ herausgab.
Das Werk gilt noch heute als geeignete Quelle, wie das Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesehen und gedeutet wurde.

Der Titel ist einer von derzeit über 1000 Monographien, Handbüchern und sonstigen Nachschlagewerken, die über die Brill E-Book Collections Online abrufbar sind. Das Titelangebot gliedert sich in die Fachbereichspakete Asian Studies, Biblical Studies, Ancient Near East and Early Christianity, Classical Studies, European History and Culture, Middle East and Islamic Studies, Religious Studies, Theology and Philosophy sowie Social Sciences.

Liao Yiwu mit Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet

Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am Sonntag ist Liao Yiwu mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Der chinesische Schriftsteller nahm die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Die Laudatio auf ihn hielt die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Felicitas von Lovenberg. Liao liefere „einen ernüchternden und verstörenden Blick auf das moderne China“, so von Lovenberg, und lobte sein Werk als „Literatur-verdichtete Oral History Chinas“. Er schildere Hunger, Schmerz, Angst oder Einsamkeit aus bitterster eigener Erfahrung und müsste nichts hinzudichten oder übertreiben, so von Lovenberg.

Unendlich großer „Müllhaufen
Liao Yiwu selbst erinnerte in seiner Preisrede unter anderem wiederholt an das Tian’anmen-Massaker von 1989, den Bau der chinesischen Mauer sowie Mao Zedongs berüchtigte Kulturrevolution mit Millionen Toten. „Wir sind keine Dichter mehr, wir sind Zeugen der Geschichte.“, zitierte Liao Yiwu einen Dichter, den er im Jahr 1989 nach dem Massaker getroffen hatte. Seitdem hätte die Verelendung zugenommen. Die Menschen würden immer weiter abstumpfen, konträr zum stetigen wirtschaftlichen Aufschwung in China. „Mit jedem Todesstoß steigen die Bilanzen der Wirtschaft […] Die Henker triumphieren, weil das ganze Land zu ihrem Sklaven geworden ist.“, so Liao Yiwu über das heutige Profitdenken in seiner Heimat. Das chinesische Großreich, „dieser unendlich große Müllhaufen“ müsse auseinander brechen, so der Preisträger, der zum Abschluss das Klagelied der betroffenen Mütter des Tian’anmen-Massakers aufführte.

Der Sohn eines während der chinesischen Kulturrevolution verfolgten Intellektuellen wurde 1958 in der Provinzhauptstadt Sichuan geboren und wuchs unter ärmlichen Bedingungen auf. Obwohl Liao Yiwu der Universitätsbesuch verweigert wurde, gelang dem wortgewandten Dichter in den 1970er-Jahren mit seiner Lyrik der Aufstieg zum Staatsschriftsteller. Aufgrund seines westlichen Schreibstils kritisch von der Regierung beäugt, zog er sich den Zorn des Regimes 1990 durch sein episches Gedicht Massaker zu. In diesem verurteilte er das im Jahr zuvor begangene Tian’anmen-Massaker.

Vom Dichter zum Reportageschriftsteller
Ab den 1990er Jahren wandelte sich Liao Yiwu als politischer Häftling zum Reportageschriftsteller und beschrieb in dem spät veröffentlichten Buch Für ein Lied und hundert Lieder (2011) die Einzelschicksale von Mithäftlingen (vormerkbar in der Universitätsbibliothek). Von der Kritik mit Paul Celans Gedicht Todesfuge verglichen, hatte er es dreimal neu schreiben müssen, da das Manuskript mehrfach durch chinesische Behörden beschlagnahmt worden war. Internationale Bekanntheit erlangte er durch Fräulein Hallo und der Bauernkaiser (2008), in dem Liao Yiwu Interviews mit „Chinas Gesellschaft von unten“, wie Wanderarbeitern, Kloputzern, Bauern, Prostituierten oder auch politischen Flüchtlingen aus seiner Heimatregion sammelte (ausleihbar in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek). Im Juli 2011 reiste der prominente Regimekritiker eigenen Angaben zufolge legal aus China aus und lebt seither im deutschen Exil.

Vor der Preisverleihung kritisierte Liao Yiwu in einem Interview mit Spiegel Online die diesjährige Zuerkennung des Literaturnobelpreises an seinen Landsmann Mo Yan. Er sei „fassungslos“ über die Auszeichnung für den „Staatsdichter“. Liaos Freunde in China würden sich fragen, „ob sich der Westen als Verlängerung, als Erweiterung des chinesischen Systems“ verstehe. Bereits zuvor hatte der bekannte Künstler Ai Weiwei Kritik über die Nobelpreisvergabe an Mo Yan geäußert (vgl. Zeit Online).

Bild: Elke Wetzig/Elya (Lizenz: GFDL/CC-BY-SA-3.0)