Online-Handbuch zu Todesopfern des Eisernen Vorhangs veröffentlicht

Seit Anfang Oktober 2020 steht mit dem Titel Biografisches Handbuch – Todesopfer der Grenzregime am Eisernen Vorhang eine neue, kostenfreie Online-Datenbank zur Verfügung. Das Angebot richtet sich vor allem an Schulen sowie regionale Institutionen der politischen Bildung.

Das digitale Handbuch soll an die Todesopfer an der innerdeutschen Grenze sowie an die tödlich gescheiterten Fluchten von DDR-Bürgern über die Ostsee und die Ostblockstaaten erinnern. Ein erstes Teilprojekt mit über 300 Einträgen dokumentiert die Lebensgeschichten und Todesumstände der Menschen, die an der Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik starben. Neben zum Teil detaillierten Biografien, zeitgenössischen Fotografien oder Zeitungsausschnitten werden die gesammelten Daten auch auf einer Karte via OpenStreetMap visualisiert. Damit soll die Herkunft der Betroffenen und ihre Fluchtwege besser nachvollzogen werden. Auch verfügt die Datenbank über detaillierte Filterfunktionen.

Die Inhalte stammen vom Forschungskonsortium Eiserner Vorhang – Tödliche Fluchten und Rechtsbeugung, das von der Freien Universität Berlin, der Universität Greifswald und der Universität Potsdam betrieben wird. Bis 2022 sollen die Biografien der Todesopfer ergänzt werden, die bei Fluchtversuchen in der Ostsee und in den mit der DDR verbündeten Staaten starben. Auch geplant ist dei Einrichtung eines digitalen Interviewarchivs für wissenschaftliche und pädagogische Zwecke.

Für die technische Umsetzung war das Center für digitale Systeme (CeDiS) verantwortlich, das noch weitere Oral-History-Sammlungen zu Themen wie Nationalsozialismus und Holocaust oder zur deutschen Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ in Chile bereithält, aber auch zur Geschichte der FU Berlin. Auch halten wir verschiedene lizenzpflichtige und freie Online-Zeitzeugenarchive weiterer Anbieter in der gleichnamigen „DBIS-Sammlung“ für Sie parat.

Neu in der Digitalen Bibliothek: der AGGB-Katalog

Im Vergleich zum Bibliotheksportal | Primo kommt der Online-Katalog der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB) im Handling doch etwas „altbacken“ daher, dennoch haben wir ihn in die Digitale Bibliothek aufgenommen. Nachgewiesen werden Bestände von Bibliotheken die sich an Orten von NS-Verbrechen, NS-Dokumentationszentren, Gedenkstätten und weiteren Institutionen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und zu zeitgeschichtlichen Forschungseinrichtungen befinden.

Verzeichnet werden Bücher, Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden, Broschüren und elektronische Medien, wobei laut Anbieter die Literatur vor 1945 noch nicht vollständig verzeichnet wird. Der Online-Katalog wird monatlich aktualisiert und enthält momentan Bestände folgender Bibliotheken:

  • Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.
  • Deutsche Nationalbibliothek Anne-Frank-Shoah-Bibliothek (Leipzig)
  • Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Berlin)
  • Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
  • Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
  • KZ-Gedenkstätte Neuengamme
  • NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
  • Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

„Wer war wer in der DDR?“ aufgestockt

Die seit mehreren Jahren von der Bundesstiftung Aufarbeitung angebotene Datenbank wurde zwischenzeitlich erweitert und aktualisiert. Die Artikel aus dem „Lexikon ostdeutscher Biographien“ orientieren sich nun an der Druckausgabe aus dem Jahr 2010 des Ch. Links Verlags (5. Aufl.). Ergänzt werden die 4000 Biografien durch das Nachschlagewerk „Deutsche Kommunisten: Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ des Karl Dietz Verlags aus dem Jahr 2008 mit rund 1400 Lebensläufen.

Daneben bietet die Webseite der Bundesstiftung Aufarbeitung in ihrem „Recherche“-Bereich einen Historischen Kalender mit Daten zur SED-Diktatur und zur deutschen Teilungsgeschichte, diverse Linklisten, eine kleine Mediathek sowie die Online-Version des von Ulrich Mählert herausgegebenen Vademekum DDR-Forschung aus dem Jahr 2002.