Preis der Leipziger Buchmesse 2017 vergeben

Zu Beginn der Leipziger Buchmesse sind gestern ihre mit 45.000 Euro dotierten Preise in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben worden.

In der Kategorie Belletristik gewann die in Berlin lebende Schriftstellerin Natascha Wodin mit ihrem Werk Sie kam aus Mariupol. Ihr Manuskript war bereits 2015 mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet worden. Wodin erzählt die Geschichte ihrer Mutter Jewgenia, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte und als Angehörige einer Adelsfamilie den stalinistischen Terror erlebte und später im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. Auch ihre Tante Lidia wird porträtiert, die in ein sowjetisches Straflager interniert wurde. Die Jury hob hervor, dass Wodins Buch ausdrücklich nicht die Bezeichnung Roman trage. „Doch an der Grenze von Fiktion und Nichtfiktion, wo es angesiedelt ist, betreibt es autobiografisches Schreiben mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und romanhaftes Schreiben […]“ sowie „unerhört zeitgenössisch“, lobte die Jurybegründung. Sie kam aus Mariupol ist in der Philologischen Bibliothek vorrätig und via Primo vormerkbar (ähnliche Schicksale lassen sich über die Oral-History-Datenbank Zwangsarbeit: 1939-1945 recherchieren). Ebenfalls ausleihbar sind die nominierten Werke Hagard (Lukas Bärfuss), Der Scheik von Aachen (Brigitte Kronauer), 118 (Stefan Popp) und Kirio (Anne Weber).

Als bestes Sachbuch wurde Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit von der deutschen Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger ausgezeichnet. Das Buch ist im Campusnetz über die Online-Plattform C.H.Beck-eLibrary als E-Book abrufbar. Einzelne Kapitel können für den Eigengebrauch als PDF-Dateien heruntergeladen werden. Die übrigen Nominierten in dieser Kategorie sind über Primo ganz klassisch in Printform ausleihbar bzw. vormerkbar: Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höpfen des 17. und 18. Jahrhunderts (Leonhard Horowski), Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen (Klaus Reichert), Siegfried Kracauer. Eine Biografie (Jörg Später) und Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes (Volker Weiß).

Die Schweizer Sinologin und Übersetzerin Eva Lüdi Kong wurde für ihre Übertragung des chinesischen Romans Die Reise in den Westen geehrt, die momentan in Erwerbung ist. Lüdi Kong arbeitete zehn Jahre an der Übersetzung des Werkes, das im 16. Jahrhundert zur Zeit der Ming-Dynastie verfasst wurde und zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur zählt. Der Verlag Reclam investierte 80.000 Euro in die Veröffentlichung des über 1300 Seiten langen Werkes, das im Printformat auf ein Gewicht von 1,5 kg kommt (vgl. Welt Online).

Preisträgerinnen 2017 (von li. nach re.): Eva Lüdi Kong, Barbara Stollberg-Rilinger und Natascha Wodin (Bild: Heike Huslage-Koch, Lizenz: CC-BY-SA-4.0)
Preisträgerinnen 2017 (von li. nach re.): Eva Lüdi Kong, Barbara Stollberg-Rilinger und Natascha Wodin (Bild: Heike Huslage-Koch, Lizenz: CC-BY-SA-4.0)

Mathias Énard oder wo bleibt der deutsche Campusroman?
Bereits am Vortag war der französische Schriftsteller Mathias Énard mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt worden. Er hat die Auszeichnung für seinen ins Deutsche übersetzten Roman Kompass erhalten, der 2015 bereits den renommierten Prix Goncourt gewonnen hatte. Darin denkt der Musikwissenschaftler Franz Ritter in einer schlaflosen Nacht an seine Reisen nach Palmyra, Aleppo und Teheran zurück und erinnert sich an die Liebe zu einer Literaturwissenschaftlerin. Die gut aufgenommenen Reden von der tunesischen Historikerin und Laudatorin Leyla Dhakli sowie von Énard können bei buchhandel.de nachgelesen werden.

Kompass wurde bereits letzte Woche von Jan Wieler im Feuilleton der FAZ zitiert. In seinem Artikel Wo bleibt der neue Campusroman? (13.03., S. 9) lobte er Énard für seine realistische Darstellung des akademischen Milieus. Gleichzeitig beklagte Wieler, dass sich die deutsche Gegenwartsliteratur im Gegensatz zu den USA und Frankreich schwer mit diesem Thema tue, vor allem die jüngeren Schriftsteller. Ausnahmen seien Aljoscha Brells Roman Kress (2015), über einen Berliner Studenten, der verbissen und hochmütig sein Germanistikstudium verfolgt und nicht über den sozialen Kontakt zu einer Taube hinauskommt sowie Jonas Lüschers dieses Jahr erschienene Gelehrtensatire Kraft. Auch über die Gründe philosophiert Wieler und hofft, dass seine möglichen Antworten (Bildungsverfall, Bildungsverachtung, Bologna-Punktesammel-Fetischismus oder inspirationsloses Studium) nicht stimmen. Der Artikel ist im Campusnetz kostenfrei über das Frankfurter Allgemeine Archiv einsehbar, dass die Print-Artikel ab 1949 ff. enthält.

Lizenz für „Chemistry World“

Chemistry WorldAb sofort kann über das FU-Campusnetz auf das Online-Portal Chemistry World zugegriffen werden.

Das Portal wird von der Royal Society of Chemistry (RSC) betrieben. Es vereint die ehemalige Zeitschrift Chemistry World mit weiteren Informationen rund um die Fachgebiete Chemie, Biotechnologie und Biologie. Die Zeitschrift erschien ursprünglich seit 1965 unter dem Namen Chemistry in Britain, der im Jahr 2004 in den aktuellen Namen geändert wurde.

Auf der Webseite werden Reviews, Nachrichten und Forscher-Karrieren sowie thematische Webinare (vorherige Anmeldung erforderlich) und Podcasts bereitgestellt.

Der Beschreibungstext ist dem Datenbank-Infosystem (DBIS) entnommen.

Imagefilm zum Ausbildungsberuf „FaMI“

Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und und Informationsdienste (FaMI) haben Juliana Kornmayer (Philologische Bibliothek) und Marie-Theres Bauer (John-F.-Kennedy Institut) einen Imagefilm erstellt. Ich bin FaMI! ist auf YouTube verfügbar und klärt gewitzt in zwei Minuten über das Berufsbild auf.
Ich bin FaMI

Neugierig auf den Ausbildungsberuf geworden? Weitere Infos zum FaMI gibt es auf den Seiten der Universitätsbibliothek.

Online-Wörterbuch zur Religionswissenschaft verfügbar

Vocabulary of the Story of Religion OnlineAb sofort kann über das FU-Campusnetz auf das Online-Wörterbuch Vocabulary for the Study of Religion zugegriffen werden.

Das englischsprachige Wörterbuch bietet ein breites Spektrum an gängigen Fachbegriffen aus den Religionswissenschaften. Die über 400 Einträge wurden von Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen erstellt. Das Vokabular schließt dabei auch die angrenzenden Fachdisziplinen wie Soziologie, Anthropologie, Historiografie, Theologie, Philologie, Literaturwissenschaften, Psychologie, Philosophie, Kulturwissenschaften und Politologie mit ein.

Die einzelnen Einträge sind namentlich gekennzeichnet und verfügen über weiterführende Literatur. Teile können für den Eigengebrauch kopiert bzw. ausgedruckt werden.

Online-Datenbank „Dictionary of Old English“ lizenziert

Nach einem Test Ende 2016 kann nun über das FU-Campusnetz regulär auf das Dictionary of Old English (DOE) zugegriffen werden. Die Datenbank war bislang „nur“ als CD-ROM verfügbar.

Logo des Dictionary of Old English
Das Dictionary of Old English (DOE) verzeichnet das Vokabular der englischen Sprache der Zeit von 600 bis 1150. Es umfasst in der Online-Version über 11.000 Stichwörter zu den Buchstaben A bis F, die gegenüber der CD-ROM-Version erweitert und überarbeitet wurden sowie tausende Stichwörter zu den Buchstaben G und H.

Das dem Wörterbuch zugrunde liegende Textkorpus, das über 3000 altenglische Texte im HTML-, SGML- und XML-Format aus der Zeit von 600 bis 1150 umfasst, ist als CD-ROM-Datenbank zugänglich (s. Dictionary of Old English Corpus).

„Oxford Dictionary of National Biography“ lizenziert

Oxford Dictionary of National Biography
Mit Lizenz der Online-Ausgabe muss nicht mehr zur Druckausgabe gegriffen werden.

Ab sofort kann über das FU-Campusnetz auf die Datenbank Oxford Dictionary of National Biography (Oxford DNB) zugegriffen werden.

Das Oxford Dictionary of National Biography umfasst über 60.000 Biografien von Personen, die alle Aspekte der Geschichte Großbritanniens entscheidend geprägt haben, etwa ein Fünftel der Artikel sind illustriert. Lebende Persönlichkeiten sind dabei ausgeschlossen. Die Datenbank war schon einmal im FU-Bereich bis 2015 lizenziert. Der neue Vertrag sieht einen dauerhaften Zugriff bis einschließlich 2019 vor.

Die einzelnen Einträge von Oxford DNB sind sehr ausführlich gehalten, mit Verweisen auf weitere Biografien und Hinweisen auf weiterführende Literatur versehen. Die abgedeckte Zeitspanne der beschriebenen Personen reicht zurück bis ins 4. Jahrhundert v. Chr.

Die Datenbank enthält auch den vollständigen Text des ab 1885 erschienenen Dictionary of National Biography incl. sämtlicher Supplemente (soweit vorhanden aufrufbar über den Link DNB archive, beim jeweiligen Eintrag zu einer Person im linken unteren Menübereich zu finden).

Die „Themes section“ ergänzt die biographischen Einträge um die Rubriken:

  • Reference lists: tabellarische Übersichten über Regenten, Amtsinhaber, Preisträger etc.
  • Reference groups: Überblicksartige Artikel zu bestimmten Personengruppen (z. B. Metaphysical Poets, Gunpowder plotters)
  • Feature essays: Artikel zu speziellen Themen der britischen Geschichte (z. B. Roman Britain, The great fire of London)

Die Datenbank wird alle vier Monate aktualisiert.

Der Text ist weitgehend der Information in DBIS entnommen.

Kostenfreies Online-Tool zu den Themen Klimawandel, Umweltveränderungen und staatliche Fragilität

ECC FactbookNeu im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen ist die freie Online-Ressource ECC Factbook.

Das ECC Factbook ist ein interaktives Online-Tool, mit dem sich die komplexen Beziehungen zwischen Klimawandel, Umweltveränderungen und staatlicher Fragilität in allen Teilen der Welt nachvollziehen lassen. Das Factbook, realisiert von adelphi und unterstützt vom Auswärtigen Amt, greift die sieben Risikokomplexe aus dem G7-Bericht „A New Climate for Peace“ auf und zeigt anhand von mehr als 120 Fallstudien die Wirkungsweisen und Mechanismen auf, die den Klimawandel zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für Stabilität und Sicherheit machen.

Die Fälle sind mit quantitativen Daten und Visualisierungen verknüpft, die es erlauben, die Hintergründe der jeweiligen Konflikte zu untersuchen und zu vergleichen. Das Factbook soll einen einfachen Zugang zu der komplexen Problematik des Zusammenspiels zwischen Umweltwandel und gesellschaftlichen Faktoren bei staatlicher Fragilität erleichtern.

Das Factbook richtet sich an politische Entscheidungsträger sowie Wissenschaftler, Journalisten und Praktiker aus den Bereichen Außenpolitik, Friedensentwicklung, Entwicklungspolitik und humanitärer Hilfe, bietet aber auch der interessierten Öffentlichkeit einen intuitiven Zugang zu diesem Thema.

Ergänzend wird in der ECC Platform Library Literatur zum Thema nachgewiesen, gegenwärtig über 3700 Artikel, Publikationen, Conflict Factsheets und Videos.

Der Infotext ist weitgehend der Anbieterseite entnommen.

Libraryspotting

Zur Uraufführung des Films T2 Trainspotting von Danny Boyle hat Phil Bradley Ende Januar via Flickr die bekannte „Choose Life“-Rede von Erzähler Mark Renton (gespielt von Ewan McGregor) kurzerhand für Bibliotheken umgeschrieben ?:

Libraryspotting

(Creator: Phily Bradley, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

In Deutschland wird der Film außer Konkurrenz bei den gestern gestarteten Internationalen Filmfestspielen Berlin erstmals gezeigt.

Online-Archivdokumente zur britischen East India Company testen

Die Datenbank wurde nach dem Testzeitraum nicht weiterlizenziert.

Flagge von British East IndiaBis 6. März 2017 kann über das FU-Campusnetz kostenfrei die noch im Aufbau befindliche Datenbank East India Company getestet werden.

Die Sammlung soll bei ihrer Fertigstellung 2019 über 1,2 Mio. Seiten von Originaldokumenten der in der British Library gelagerten „India Office Records“ beinhalten. Diese gelten als wichtigstes Archiv zur Erforschung der britischen East India Company (EIC).

Die East India Company, auch unter den Namen English East India Company, sowie offiziell von 1600-1708 „Governor and Company of Merchants of London Trading into the East Indies“ bzw. von 1708–1873 „United Company of Merchants of England Trading to the East Indies“ bekannt, war eine englische Gesellschaft, die im Jahr 1600 durch einen Freibrief von Königin Elisabeth I. entstand. Sie verfolgte das Ziel, den Handel mit Ost- und Südostasien zu intensivieren. Die Geschäfte der Gesellschaft blühten in nie gekanntem Ausmaß und man erhielt als Vertreter des Britischen Imperialismus von Beginn des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts bedeutenden Einfluss auf die politischen Verhältnisse in Indien. Ergänzend wirkte die East India Company im 19. Jahrhundert als Katalysator für die britische Expansion in China. Nach Niederschlagung des Indischen Aufstands von 1857 übertrug man die Rechte der Kompanie an die britische Krone, ehe Indien 1947 unabhängig wurde.

Die Datenbank von Adam Matthew Publications gibt mit digitalisierten Original-Dokumenten wie königlichen Freibriefen, Briefwechseln, Handelsbüchern, Ratsprotokollen und Expeditionsberichten Einblick in die Geschichte der ersten großen multinationalen Gesellschaft, des britischen Imperialismus, Seehandels und globalen Handelsverkehrs. East India Company gliedert sich in folgende drei Module:

  • I: Trade, Governance and Empire, 1600-1947
  • Veröffentlichung 2018/19: II and III: Factory Records for South Asia, South East Asia, China, Japan and the Middle East (1595-1870)

Die Möglichkeit, Seiten als PDF oder Image-Dateien abzuspeichern, sind während des Testzeitraums vom Anbieter unterbunden.

Sie möchten die Datenbank über das Testende hinaus nutzen? Dann lassen Sie uns einfach Ihre Bewertung zukommen!
Bild: Flagge der Britischen Ostindien-Kompanie (1801–1858; Quelle: Wikimedia Commons)

Täterdatenbank zum Konzentrationslager Auschwitz veröffentlicht

193px-Auschwitz-birkenau-main_trackNeu im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen ist die freie Ressource Załoga SS KL Auschwitz / SS-Mannschaft KL Auschwitz.

Die Ende Januar 2017 veröffentlichte Datenbank beinhaltet Angaben zu 8502 SS-Männern, die im Konzentrationslager Auschwitz ihren Dienst taten. Es handelt sich fast ausnahmslos um deutsche Staatsangehörige sowie einige Ukrainer, Litauer und Letten, keine Personen polnischer Staatsangehörigkeit. Die Informationen wurden vom seit Beginn der 1980er-Jahre zum Thema forschenden Alexander Lasik, Professor an der Kazimierz-Wielki-Universität in Bydgoszcz und vom polnischen Institut für Nationales Gedenken (IPN) zur Verfügung gestellt. Die Datenbank wird in Polnisch, Deutsch und Englisch angeboten, wobei die ursprünglichen deutschsprachigen Bezeichnungen für z. B. Ränge erhalten blieben. Ergänzend finden sich für ca. zehn Prozent der Personen Bilder und Prozessunterlagen wie Anklageschriften und Gerichtsurteile (418 PDF-Dateien).

Nicht enthalten sind außerhalb Polens erstellte Urkunden oder Urteile ausländischer Gerichte. Auch kann die Datenbank aufgrund von Abweichungen oder Unterschieden bei Geburtsdaten oder Familiennamen Dubletten zu gleichen Personen beinhalten.

Die Datenbank soll um Mitarbeiter weiterer deutscher Lager ergänzt werden. Gegenwärtig seien etwa 25.000 KZ-Mitarbeiter namentlich bekannt. Auch sollen Informationen zu weiblichen Hilfskräften (SS-Aufseherinnen oder Nachrichtenmaiden) hinzugefügt werden, deren Zahl im Konzentrationslager Auschwitz auf ca. 200 geschätzt wird.

Bild: Auschwitz II – Birkenau – Eingangstor und Hauptgleis (Fotograf: C.Puisney, Lizenz: CC-BY-SA-3.0/GFDL)