Bewerbungen zum „Preis der Zivilgesellschaft 2019“ ab sofort geöffnet

Quelle: EWSA

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss verleiht jährlich einen Preis der Zivilgesellschaft. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Mehr Frauen in der europäischen Gesellschaft und Wirtschaft“. Ziel des jährlich verliehenen Preises der Zivilgesellschaft ist es, konkrete Initiativen und Leistungen von Organisationen der Zivilgesellschaft und/oder Einzelpersonen zu belohnen und zu fördern, die einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der europäischen Identität und Integration geleistet haben.

In diesem Jahr werden innovative Initiativen von Organisationen der Zivilgesellschaft und/oder Einzelpersonen auf dem Gebiet der EU ausgezeichnet, die darauf abzielen, das Bewusstsein für die Gleichstellung der Geschlechter in der EU zu schärfen und für sie zu kämpfen.

Der Preis ist mit insgesamt 50 000 EUR dotiert und wird unter höchstens fünf Preisträgern aufgeteilt. Die Bewerbungsfrist endet am 6. September 2019 um 10.00 Uhr. Die Preisverleihung findet am 12. Dezember 2019 in Brüssel statt. Bewerben für den Preis können Sie sich hier.

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Interaktiver Europäischer Luftqualitätsindex

Quelle: by Yente Van Eynde from Pexels

Der Europäische Luftqualitätsindex der Europäischen Umweltagentur (EUA) und der Europäischen Kommission ist eine interaktive Landkarte, mit der die fünf gefährlichsten Luft-Schadstoffen für Mensch und Umwelt (Feinstaub (PM2,5 und PM10), bodennahes Ozon (O3), Stickstoffdioxid (NO2) und Schwefeldioxid (SO2) durch Messstationen angezeigt werden. Der Index zeigt für jede Messstation eine Gesamtbewertung an, die durch einen farbigen Punkt auf der Landkarte gekennzeichnet wird. Die Farbe richtet sich nach der schlechtesten Einstufung für einen der fünf Schadstoffe.

Mehr als 2000 Überwachungsstationen in ganz Europa werden im Europäischen Luftqualitätsindex ausgewertet – die Grundlage dafür bieten  Luftqualitätsmessungen durch diese Stationen. So können Sie als Nutzerinnen und Nutzer die Luftqualität in Ihrer Stadt / Region tagesaktuell auslesen.

Der aktuelle „Air quality in Europe“ Report von 2018 ist kostenlos auf den Webseiten des EU-Bookshops bestellbar. Sie können dort auch eine papierlose Version einsehen oder das pdf herunterladen.

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ShareTheMeal erreicht über 40 Millionen geteilte Mahlzeiten

© ShareTheMeal – Quelle: ShareTheMeal_Press_Kit

Die Crowdfunding-App „ShareTheMeal“ hat über 40 Millionen geteilte Mahlzeiten erreicht. Die App wurde von einem Independent Start-Up aus Berlin im April 2014 entwickelt und ist seit dem Sommer 2015 Teil des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen.

Als wir zum ersten Mal über die App berichtet haben (Blog vom Januar ’18), hatte die App mit Hilfe der Vereinten Nationen „nur“ 20 Millionen Mahlzeiten an Menschen in Not-Situationen verteilt. Im Jahresbericht 2018 wird deutlich, dass alleine im Jahr 2018 durch die Benutzerinnen und Benutzer der App über 11 Millionen Mahlzeiten gespendet wurden. In diesem Jahr wird sich diese Zahl noch deutlich erhöhen. Die Anzahl der Spender und Spenderinnen beläuft sich laut App auf momentan über 1.500.000 Menschen (im Jahresbericht 2018 waren es noch ca. 200.000 weniger).

Doch wie funktioniert ShareTheMeal eigentlich? Durch eine einmalige Spende von 40 Cent kann ein Kind für einen Tag in einem selbstgewählten Krisen-Gebiet (es stehen immer zeitgleich mehrere Orte zur Auswahl) ernährt werden. Es gibt auch wöchentliche, monatliche und jährliche Spendenoptionen.

Und was ist der Sinn des Ganzen? Die App verfolgt gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen eines von insgesamt 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (https://17ziele.de/). Ziel des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen ist es, bis 2030 die Zahl der weltweit hungernden Menschen auf null zu reduzieren.

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Wahl-O-Mat zur Europa-Wahl 2019

Der Wahl-O-Mat zur Europa-Wahl 2019 ist online! Sie können unter folgendem Link https://www.wahl-o-mat.de/europawahl2019/ 38 Fragen beantworten und Ihre Antworten mit den Wahlprogrammen von allen 41 in Deutschland zur Wahl stehenden Parteien abgleichen lassen.

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Shortlist für Man Booker International Prize 2019 bekanntgegeben

Diese Woche sind die Finalisten für den Man Booker International Prize bekanntgegeben worden. Der britische Literaturpreis wird seit 2016 jährlich an einen fremdsprachigen, ins Englische übersetzten und im Vereinigten Königreich veröffentlichten Roman oder Kurzgeschichtenband vergeben.

Unter den sechs Preisaspiranten befindet sich mit der Deutschen Marion Poschmann auch eine ehmalige FU-Angehörige. In ihrem leichten, 167-seitigen Roman Die Kieferninseln, englischsprachiger Titel The Pine Islands, schickt sie ihre Hauptfigur, einen Privatdozenten und betrogenen Ehemann, auf eine Pilgerreise nach Japan. Das Buch hatte bereits 2017 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gestanden und 2018 den Klopstock-Preis erhalten.

Marion Poschmann auf der Frankfurter Buchmesse 2017 (Quelle: Heike Huslage-Koch, Lizenz: CC-BY-SA-4.0)
Marion Poschmann auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Poschmann, 1969 in Essen geboren, hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der FU Berlin Germanistik, Philosophie und Slawistik studiert. Für ihre Prosa- und Lyrikwerke wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2013 mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und 2018 mit dem Berliner Literaturpreis, mit dem auch eine Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft einher ging.

Die Konkurrenz für Poschmann ist groß und überwiegend weiblich. Jokha Alharthi blickt in Celestial Bodies auf den sich verändernden Oman aus der Sicht dreier Schwestern vom Land. Sie ist damit die erste arabische Autorin auf der Shortlist. Die Französin Annie Ernaux fand für die Übersetzung ihrer gefeierten Autobiografie Die Jahre, The Years, Berücksichtigung. Vorjahressiegerin Olga Tokarczuk ist mit der Übersetzung ihres Tierschutzkrimis Der Gesang der Fledermäuse vertreten, der 2017 in Polen von Agnieszka Holland unter dem Titel Die Spur für das Kino verfilmt wurde. Alia Trabucco Zerán  blickt in The Remainder (in Erwerbung) auf die Auswirkungen der chilenischen Militärdiktatur. Einziger männlicher Autor unter den Nominierten ist der Kolumbianer Juan Gabriel Vásquez mit dem Roman The Shape of the Ruins (Originaltitel: La forma de las ruinas), der in Deutschland unter dem Titel Die Gestalt der Ruinen bekannt ist. Der Thriller um die folgenschwere Ermordung des liberalen Politikers Jorge Eliécer Gaitán in Kolumbien lässt bald Parallelen zu den Attentaten auf General Rafael Uribe Uribe und John F. Kennedy erkennen.

Egal wie die fünfköpfige, international besetzte Jury um die englische Historikerin Bettany Hughes am 21. Mai 2019 entscheidet – den Übersetzerpreis wird in jedem Fall eine Frau gewinnen, da kein männlicher Übersetzer bis ins Finale gelangte. Auch bei den drei bisherigen Auflagen des Preises waren stets Übersetzerinnen erfolgreich. Vielleicht sind Frauen ja doch die besseren Mittlerinnen zwischen den Sprachen?

Nominierte (Shortlist) Titel
(Originaltitel)
Deutscher Titel
Jokha Alharthi (Oman),
Marilyn Booth (Übersetzung)
Celestial Bodies
(سيدات القمر, Sayyidat al-qamar)
nicht bekannt
Annie Ernaux (Frankreich),
Alison L. Strayer (Übersetzung)
The Years
(Les Années)
Die Jahre
Marion Poschmann (Deutschland),
Jen Calleja (Übersetzung)
The Pine Islands
(Die Kieferninseln)
Die Kieferninseln
Olga Tokarczuk (Polen),
Antonia Lloyd-Jones (Übersetzung)
Drive your Plow over the Bones of the Dead
(Prowadź swój pług przez kości umarłych)
Der Gesang der Fledermäuse
Juan Gabriel Vásquez (Kolumbien),
Anne McLean (Übersetzung)
The Shape of the Ruins
(La forma de las ruinas)
Die Gestalt der Ruinen
Alia Trabucco Zerán (Chile),
Sophie Hughes (Übersetzung)
The Remainder
(La resta)
nicht bekannt

Der Man Booker International Prize ergänzt den seit 1969 vergebenen „Man Booker Prize for Fiction“ für englischsprachige Literatur. Der Preis ist mit insgesamt 62.000 Pfund Sterling (ca. 71.000 Euro) dotiert, wobei sich Autor und Übersetzer das Preisgeld teilen. Bis 2015 ehrte die Auszeichnung das Gesamtwerk eines internationalen Autors. Im letzten Jahr waren die polnische Autorin Olga Tokarczuk und die Übersetzerin Jennifer Croft für Flights, der englischen Übertragung des Romans Bieguni, erfolgreich. In Deutschlands war das Werk bereits 2009 unter dem Titel Unrast erschienen.

Bild: Heike Huslage-Koch via Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-4.0

Noch bis zum 06.05. für den internationalen Freiwilligendienst kulturweit bewerben!

Liebe Leserinnen und Leser, unter der Webseite https://www.kulturweit.de/ können Sie sich noch bis zum 06.05. um 12 Uhr für einen internationalen Freiwilligendienst bewerben. Voraussetzung ist, dass Sie während des Aufenthalts zwischen 18 und 26 Jahre alt sind.

Kulturweit ist der internationale Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, gefördert vom Auswärtigen Amt. Bewerben können Sie sich in den Bereichen „Kultur“ & „Natur“ für eine Aufenthaltsdauer von 6  und 12 Monaten.  Einsatzstellen finden sich vor allem in Ländern des globalen Südens, Osteuropas und der GUS. Der Aufenthalt wird finanziell unterstützt und bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich neuen Erfahrungen zu stellen und sich erweiterte Kompetenzen anzueigenen.

Informationen, wie Sie sich bewerben und welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, finden Sie hier.

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Preis der Leipziger Buchmesse 2019 vergeben

Auf der Leipziger Buchmesse sind zum 15. Mal die mit jeweils 20.000 Euro dotieren Preise in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik sowie Übersetzung vergeben worden.

Den Preis in der Kategorie Belletristik gewann die 1971 in Stuttgart geborene Anke Stelling für ihren achten, scheinbar semiautobiografischen Roman Schäfchen im Trockenen (Philologische Bibliothek – in Erwerbung). In Zeiten von steigenden Mieten in der Hauptstadt stellt sie mit Resi eine Schriftstellerin und Mutter von vier Kindern in den Mittelpunkt, der die Altbauwohnung im hippen Prenzl’berg gekündigt wird. Existenz- und Abstiegsängste folgen. Die Jury lobte den Roman für seine Aktualität und starken Affekte und verstand ihn als „verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme der Gegenwart“.

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik hatte der Journalist und Kritiker Harald Jähner die Nase vorn. In seinem Werk Wolfszeit (Universitätsbibliothek – in Erwerbung) blickt der frühere Feuilletonchef der Berliner Zeitung auf die Nachkriegsdeutschen und den Wandel ihrer Alltagswelt zwischen 1945 und 1955. Das Buch zeige „auf beeindruckende Weise, wie sich nach der Stunde Null ein ganzes Land neu erfunden hat“, so die Buchpreisjury.

In der Kategorie Übersetzung gewann die in Berlin lebende Eva Ruth Wemme. Sie übertrug Gabriela Adameşteanus 1983 erschienenen, systemkritischen Roman Verlorener Morgen (Universitätsbibliothek) vom Rumänischen erstmals ins Deutsche. Auf dem Höhepunkt der Ceausescu-Regierungsjahre verwebt Adameşteanu die Geschichte ihres Landes anhand eines einziges Tages um die Bukarester Erzählerin Vica. Laut Jury habe Wemme Adameşteanus  Hauptwerk „mit großem Gespür für den lästerlichen Ton“ der Hauptfigur übersetzt.

Preisträger 2019: v.l.n.r. Eva Ruth Wumme (Übersetzung), Anke Stelling (Belletristik) und Harald Jähner (Sachbuch/Essayistik). Bild: Amrei-Marie, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-4.0
Preisträger 2019: v.l.n.r. Eva Ruth Wumme (Übersetzung), Anke Stelling (Belletristik) und Harald Jähner (Sachbuch/Essayistik)

Die siebenköpfige Jury um Jens Bisky sichtete laut Pressemeldung insgesamt 359 eingereichte Titel von 114 Verlagen, 44 Bewerbungen weniger als im Vorjahr. Der Preis wird traditionell zu Beginn der Buchmesse in der Glashalle vergeben. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert, gilt aber auch als schlechtes Stimmungsbarometer für den im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse vergebenen Deutschen Buchpreis. Bis jetzt konnte keine Romanautorin oder -autor beide Preise innerhalb eines Jahres gewinnen.

Die Preisträger und Nominierten im Überblick (verfügbare Titel verlinkt, Update 09.04.19):

Belletristik

Preisträgerin: Anke Stelling: „Schäfchen im Trockenen“ (Verbrecher Verlag, August 2018) – Philologische Bibliothek

Nominiert:

  • Kenah Cusanit: „Babel“ (Carl Hanser Verlag, Januar 2019) – Philologische Bibliothek
  • Matthias Nawrat: „Der traurige Gast“ (Rowohlt Verlag, Januar 2019) – Philologische Bibliothek
  • Jaroslav Rudiš: „Winterbergs letzte Reise“ (Luchterhand Literaturverlag,
    Februar 2019) – Philologische Bibliothek
  • Feridun Zaimoglu: „Die Geschichte der Frau“ (Kiepenheuer & Witsch, März 2019) – Philologische Bibliothek

Sachbuch/Essayistik

Preisträger: Harald Jähner: „Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955“ (Rowohlt Berlin, Februar 2019) – Universitätsbibliothek

Nominiert:

Übersetzung

Preisträgerin: Eva Ruth Wemme für die Übersetzung von Gabriela Adameşteanus Roman „Verlorener Morgen“ aus dem Rumänischen (Die Andere Bibliothek, August 2018) – Universitätsbibliothek

Nominiert:

  • Georg Aescht, für die Übersetzung von Liviu Rebreanus „Der Wald der Gehenkten“ aus dem Rumänischen (Paul Zsolnay Verlag, August 2018) – Philologische Bibliothek
  • Susanne Lange für die Übersetzung von Aura Xilonens Roman „Gringo Champ“ aus dem Spanischen (Carl Hanser Verlag, Januar 2019)
  • Timea Tankó für die Übersetzung von György Dragománs Novellen „Löwenchor“ (Suhrkamp Verlag, Februar 2019) aus dem Ungarischen
  • Karin Uttendörfer für die Übersetzung von Jean-Baptiste Del Amos Roman „Tierreich“ aus dem Französischen (Verlag Matthes & Seitz Berlin, März 2019)
Bild: Amrei-Marie, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA-4.0

Wikipedia aus Protest offline

Wer heute in der deutschsprachigen Wikipedia nachschlagen möchte, wird durch eine Protestnote daran gehindert. Seit Mitternacht ist das beliebte Mitmach-Lexikon komplett abgeschaltet, allerdings „nur“ für einen Tag, wie bereits letzte Woche im Blog des Vereins Wikimedia Deutschland zu lesen war. Protestiert wird gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform, über die nächste Woche im Europäischen Parlament abgestimmt werden soll.

Anfang März 2019 hatten sich in einem Meinungsbild (Link ist erst ab Freitag wieder abrufbar) zwei Drittel von 222 registrierten Mitgliedern für einen Protest ausgesprochen. Kritisiert werden vor allem die Artikel 11 und 13 des geplanten Gesetzes. Paragraf 11 sieht ein strenges Leistungsschutzrecht für Presseverleger vor. Zukünftig würde für die Nutzung kleinster Ausschnitte journalistischer Inhalte im Netz zwingend die Lizenz des Verlegers benötigt. Davon wären beispielsweise die über soziale Medien gern geteilten automatischen Previews bzw. Snippets zu Nachrichten-Artikeln mit Bild und Textausschnitt betroffen. Mit Artikel 13 sollen zukünftig kommerzielle Apps und Online-Plattformen in die Pflicht genommen werden, hochgeladene Beiträge ihrer Mitglieder vorab auf urheberrechtlich geschütztes Material zu prüfen. Dies wäre technisch nur mit sogenannten Upload-Filtern möglich. Diese Computerprogramme gelten aber als fehleranfällig und könnten auch reguläre Beiträge blockieren. Die Wikipedia-Community fürchtet also, dass die geplante EU-Reform dazu führen könnte, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wirkt. Die Kritik wird u. a. auch vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) geteilt, der die Urheberrechtsreform im Widerspruch zu bibliothekarischen Werten sieht.

Doch was tun, falls man heute in die Verlegenheit kommt, einen Begriff nachzuschlagen? Biblioblog präsentiert vier Alternativen, um den Tag zu überstehen:

    1.  Wikipedia-App: Aufgrund des technischen Aufwands war es  nicht möglich, den Protest auch auf die App-Versionen zu übertragen. Man kann sie nach wie vor in den bekannten App Stores (z. B. iOS-Version via App Store oder Android-Version via Google) herunterladen und regulär benutzen. Wer vorab die App bereits installiert hatte und diese auch als Standard beim Nachschlagen ausgewählt hat, wird kaum etwas von dem heutigen Protest mitbekommen, es sei denn, man versucht die Wikipedia-Startseite zu besuchen.
    2. Andere Wikipedia-Sprachversion nutzen: Wikipedia existiert in fast 300 Sprachen. Von der Abschaltung sind „nur“ die deutsche Version bzw. Versionen in deutschsprachigen Dialekten (vgl. Alemannische Wikipedia) betroffen. Via www.wikipedia.org lässt sich beispielsweise die englischsprachige Version ohne Einschränkung nutzen, die aufgrund der zahlenmäßig größeren Sprachgemeinschaft mit 5,8 Mio. Artikeln mehr als doppelt so viele Inhalte bietet.
    3. Mirror nutzen: Die Wikipedia-Inhalte unterliegen einer Creative-Commons-Lizenz, die u. a. die Weitergabe unter gleichen Bedingungen, auch für kommerzielle Projekte, erlaubt. Viele Dienste haben sich das zu Nutze gemacht und präsentieren Original-Wikipedia-Artikel einfach unter einem anderen Layout. So hat beispielsweise das Zentrum für Bildungsinformatik der Pädagogischen Hochschule Bern mit Wikibu.ch einen Mirror geschaffen, der Hilfestellung bei der Qualitätseinschätzung von Artikeln gibt (für Details siehe Artikel im Biblioblog 07/2009).
    4. Alternativen nutzen: Vom Umfang und der Beliebtheit  her kann es wohl kein anderer Anbieter mit der deutschsprachigen Wikipedia aufnehmen. Aktuell umfasst sie etwa 2,3. Mio. Artikel und wird ca. 30 Mio. Mal am Tag aufgerufen. Man muss nicht gleich zur analogen Alternative greifen, wie sueddeutsche.de in einem gestrigen Artikel skandierte. Die FU Berlin verzeichnet in ihrem Datenbank-Infosystem (DBIS) mehr als 2100 lizenzpflichtige und freie Online-Ressourcen, darunter zahlreiche Fachenzyklopädien. Munzinger Online wartet beispielsweise mit redaktionell aufbereiteten Länderprofilen, einem Gedenktage-Kalender oder Biografien auf. Wer im Bereich Literatur recherchiert, kommt kaum am Killy, Kindlers Literatur-Lexikon oder an der Verfasser-Datenbank vorbei. Das ebenfalls von der FU lizenzierte World Biographical Information System umfasst rund 8,5 Millionen biografische Artikel zu mehr als sechs Millionen Personen aus etwa 8.600 Nachschlagewerken, die vom 16. bis zum Beginn des 21. Jahrhundert reichen. Wer des Englischen mächtig ist, kann auf das kostenfreie Online-Angebot der altehrwürdigen Encyclopædia Britannica ausweichen.
Bild: Lane Hartwell (abgeleitetes Werk; CC-BY-SA-3.0)

Bericht vom 1. Berliner Rundgespräch Open-Access-Bücher

Konzipiert und moderiert vom Open-Access-Büro Berlin fand am 10. September 2018 in der Uni-Bibliothek der TU Berlin das erste „Berliner Rundgespräch Open-Access-Bücher“ statt. Gesprochen wurde über die Veränderungen und die neuen Herausforderungen, welche die Open-Access-Transformation, vor allem im Hinblick auf Wissenschaftspublikationen, mit sich bringt.

Dazu trafen sich Vertreter der Universitätsbibliotheken der FU, HU und TU mit Mitarbeitern aus fünf Verlagen, die bereits Erfahrung im Bereich Open-Access-Bücher haben: Barbara Budrich, De Gruyter, Peter Lang, Transcript und WBV Media. Der Fokus dieses ersten Treffens lag auf den Themen: Geschäftsmodelle, Qualitätsstandards sowie Veränderte Beziehungen zwischen Verlagen, WissenschaftlerInnen und Bibliotheken.

Es wurde deutlich, dass die Fortsetzung des Dialogs sowie die Förderung von gegenseitigem Verständnis der beteiligten Akteure untereinander unverzichtbar sein werden für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Feld Open-Access-Monographien. Den Bericht des Austausches kann man auf dem UB-Blog der TU einsehen.

Vielfalt statt Macht – über Open-Source-Saatgut

Quelle: pixabay.com/de/lebensmittel-frisch-obst-grün-1239195/ – CC0 License

Mit ihrer neuen Kampagne „Vielfalt statt Macht“ möchte die Heinrich-Böll-Stiftung die Open-Source-Bewegung vorantreiben und macht auf Open-Source-Saatgut aufmerksam. Doch was genau ist eigentlich Open-Source-Saatgut?

Unter einer Open-Source-Saatgut-Lizenz (die Lizenz wird beim Kauf des Saatguts „erworben“) versteht man Saatgut, welches nach den Prinzipien von Open Source gezüchtet und verbreitet werden kann. Dadurch wird die Möglichkeit gegeben, dass Nutzpflanzen sich vermehren und aus diesen wiederum neues Saatgut genutzt werden kann.

Das war bereits früher eine gängige Praxis bei Bauern, wurde aber durch patentiertes Saatgut der Agrarkonzerne unterbunden oder durch hybride Züchtungen verhindert. Problem bei hybridem Saatgut ist z.B. deutlicher Ertragsverlust von nachkommenden Pflanzen – bei Mais beispielsweise um etwa 30%.

Wer kann Open-Source-Saatgut nutzen?

Sie selbst. Auf mehreren Seiten finden Sie mittlerweile Möglichkeiten, Open-Source-Saatgut zu kaufen (wie hier). Bei der Nutzung müssen allerdings folgende drei Regeln eingehalten werden:

Regel 1: Jeder darf das Saatgut frei nutzen, es vermehren, weiterentwickeln, züchterisch bearbeiten und es im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben.

Regel 2: Niemand darf das Saatgut und seine Weiterentwicklungen mit geistigen Eigentumsrechten wie Patenten und Sortenschutzrechten belegen.

Regel 3: Jeder Empfänger überträgt zukünftigen Nutzern des Saatguts und seinen Weiterentwicklungen die gleichen Rechte und Pflichten.

Wozu brauchen wir überhaupt Open-Source-Saatgut?

„Im Supermarkt finde ich doch alles was ich brauche.“ Das mag soweit stimmen, aber durch die Macht einiger wenige Konzerne, die Saatgut kontrollieren, ergibt sich der Preis zu welchem Produkte angeboten werden. Das wiederum führt zu Gestaltungsmacht und politischem Einfluss – was bereits bei lokalen Bauern anfängt, die das teure Saatgut kaufen müssen, was nur von den Agrar-Unternehmen angeboten wird.

Durch eine Vielfalt an Sorten und Pflanzen wird eine natürliche Widerstandskraft gegenüber extremen Wetterlagen geschaffen. Ernährung, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Vielfalt gehen also Hand in Hand.

Für weitere Informationen haben wir eine Auswahl an Publikationen für Sie zusammengestellt.

Agrar-Atlas – Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft – „Nicht ein Sektor ist so stark mit der Gestaltung von Lebensräumen verwoben wie die Landwirtschaft. Ändert sie sich, ändern sich auch die ökologischen und sozialen Systeme, die darin beheimatet sind. Schnell wandelt sich überall in Europa die Art, wie Äcker bewirtschaftet und Tiere gehalten werden. Vielerorts geben Betriebe auf. Die verbleibenden Höfe werden größer, und jeder Fleck wird möglichst intensiv genutzt.“

Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung – „Kein anderer Sektor trägt so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, der Rodung von Wäldern und der Zerstörung unseres Klimas, der Gefährdung unserer Gesundheitssysteme und zum Leid der Tiere bei wie die industrielle Fleischproduktion. Die Folgen sind wissenschaftlich belegt und Land auf und ab diskutiert. Jetzt ist es höchste Zeit zu handeln: Sollen die Ziele der globalen Nachhaltigkeitsagenda 2030 und das Pariser Klimaabkommen erreicht werden, muss die Fleischproduktion grundlegend umgebaut werden.“

Konzernatlas – Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie – „Wie ist die Situation am Saatgutmarkt? Bis vor kurzem dominierten sieben Unternehmen die weltweite Produktion von Pestiziden und Saatgut. Doch dieses Oligopol hat sich neu formiert – und die Zahl der Akteure ist geschrumpft. Die beiden US-Konzerne DuPont und Dow Chemical haben fusioniert, ChemChina hat Syngenta aus der Schweiz aufgekauft, und der deutsche Bayer-Konzern hat zuletzt Monsanto übernommen. Jetzt beherrschen drei Konzerne mehr als 60 Prozent der Märkte für kommerzielles Saatgut und für Agrarchemikalien. Sie bieten fast alle gentechnisch veränderten Pflanzen dieses Planeten an.“

Noch mehr Informationen zur UN/EU bekommen Sie in unserem Dokumentationszentrum UN-EU.