ReUse in und durch Bibliotheken –Ein Rückblick auf die Sustainability Days 2026 an der Freien Universität Berlin


Bibliotheken sind Orte des (Aus)Tauschs – von Wissen zu Büchern und Ideen. Aber was geht noch? Auf diese Frage kamen viele verschiedene Akteure vom 01.-02.07.2026 auf dem Campus der Freien Universität Berlin zusammen. Die Nachhaltigkeitsinitiative „Sustain it!“ hatte zu den Sustainability Days eingeladen. Die AG Nachhaltigkeit GreenFUBib der Universitätsbibliothek war bei der Veranstaltung erneut mit einem Stand vertreten. Mitglieder der AG und FaMI-Auszubildende zeigten, wie nachhaltiges Handeln in punkto Ressourcenschonung praktisch gelebt werden kann.

Was sind die Sustainability Days?

Seit 16 Jahren steht das Motto: „Sustain it!“ für nachhaltigkeitsbezogene Initiativen an der Freien Universität. Gegründet wurde sie von 25 damaligen Studierenden und zwei Mitarbeitenden, die Engagement für gelebte Nachhaltigkeit an der Universität zeigen wollten. Ob Lebensmittelrettung, naturnahes Gärtnern oder gemeinsame ReUse-Aktionen für den Arbeitsplatz oder den Privatalltag: Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Die Sustainability Days finden jährlich im Sommersemester statt und richten sich an alle Angehörige der Universität.

Mehrweg, Pflanzen & Wiederverwendung

Grundsätzlich werden für den Stand ausschließlich ReUse-Materialien verwendet, nur QR-Codes ausgelegt, keine großen Anschaffungen getätigt und alles mit einem Lastenrad transportiert. Nachhaltige Veranstaltungen werden in Bibliotheken vielfach gelebt: Die praktische „Event N Toolbox“ dient hier seit Jahren als Vorbild.

Das E-Lastenrad der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie kann für Veranstaltungen ausgeliehen werden.

Der thematische Aufhänger der Nachhaltigkeits-Arbeitsgruppe GreenFUBib war in diesem Jahr: ReUse von Fundsachen, die in großen Mengen in den Bibliotheken anfallen. Ein großer Anteil sind dabei Mehrweg-Trinkflaschen, die leider oft vergessen werden. Hochwertige Trinkflaschen aus Edelstahl oder Glas sind teuer, benötigen viele Ressourcen für die Herstellung und verdienen ein „2. Leben“. Werden die gefundenen Flaschen in der Aufbewahrungszeit nicht abgeholt, stellt sich die Frage: Was machen Bibliotheken damit?

Wiederverwendbarkeit und Ressourcenschonung lassen sich mit dem Thema Fundsachen in Bibliotheken gut verbinden. Die gesäuberten Trinkflaschen konnte man gewinnen und sein Wissen dazu testen. Einige unserer Auszubildenden entwickelten diese Fragestellungen und entwarfen ein Design für den Stand.

  • Welches Material der Mehrwegflaschen hat den geringsten Fußabdruck?
  • Welchen Vorteil bieten Mehrwegtrinkflaschen generell?
  • Welches gängige Material ist am besten recyclebar?

Pflanzenableger, Trinkwasserflaschen und das Zukunftsbild luden zu Gesprächen ein.

Grün wurde es beim Pflanzenquiz: Pflegeleichte Zimmerpflanzen sind beliebt und etwas Wissen zu den Arten hilft, lange etwas vom Grün zu haben. Für richtige Antworten gab es als Preis selbst gezogene Pflanzenableger zur Begrünung der eigenen vier Wände. Auch viele Bibliotheken haben sich der Aufgabe angenommen, grüne Pflanzen in ihren Räumlichkeiten zu ergänzen und dadurch den Nutzenden ein besseres Raumklima und eine Wohlfühlatmosphäre anzubieten.


Was geht? – Für eine gute Zukunft für alle?

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – das ausgestellte Zukunftsbild von der „Bibliothek von morgen“, kreiert von der Künstlerin Lea Ebeling, lud Interessierte ein, positive Zukunftsbilder von Bibliotheken zu entdecken. Nicht nur das Recht auf Bildung und Information unterstützt Menschen für eine gute Zukunft, es sind vielmehr die Orte, die sie zusammenbringen, um nicht nur Wissen sondern auch Selbstwirksamkeit durch eigenes Tun zu erfahren. Bibliotheken bekennen sich weltweit zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Sie sind konsumfreie, niederschwellige, inklusive, tolerante und offene Orte und bieten Lernumgebungen, die Konzentration und Begegnungen fördern. Das und noch viel mehr zeigt dieses Zukunftsbild.

Lea Ebeling mit dem fertigen Zukunftsbild: BiblioCon 2026 in Berlin

Viele interessierte Besuchende unterschiedlicher Altersgruppen nutzten die Möglichkeit am Stand zum Mitmachen, Rätseln und Austauschen. Es zeigt, dass Nachhaltigkeit ein präsentes Thema ist, das auch Spaß machen kann.

Was geht?! – Es geht viel in und durch Bibliotheken! Als eine Akteurin von vielen müssen und werden wir uns auch zukünftig an Hochschulen, in Kommunen, Städten und Gemeinden dafür stark machen, dass ein gutes Leben für alle gelingen kann.

Fotos: Sandra Schönwandt & Janet Wagner

Text: Lara Senst & Janet Wagner

Nachhaltigkeit in der FaMI-Ausbildung – Workshoptag an der Berufsschule in Leipzig

Eine große Stärke von Bibliotheken ist die Vernetzung und die Weitergabe von Praxiswissen. Die Universitätsbibliothek der Freien Universität bietet in der dualen FaMI-Ausbildung (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste) Ideenumsetzungen zum Thema Nachhaltigkeit und „grüne Bibliothek“ in Projekttagen an. Die Sächsische Landesfachstelle für Bibliotheken lud nun Ausbilderin Janet Wagner in die Berufsschule in Leipzig ein. Ein Bericht.

Machen! Wollen! Wirken!

Eine gelungene Ausbildung hängt stark davon ab, wie Theorie und Praxis ineinandergreifen. Was in der Berufsschule für den Job in der Bibliothek vermittelt wird, soll im besten Fall praktisch im Bibliotheksalltag angewandt und vertieft werden. „Umweltschutz & Nachhaltigkeit“ sind als verbindliche Inhalte seit 2021 in der Standardberufsbildposition verankert. Doch auch im Jahr 2025 fehlt Lehrkräften, Ausbilder*innen und Bibliotheken meist die genaue Vorstellung davon, wie nachhaltige Entwicklung und die Merkmale einer grünen Bibliothek gut vermittelt werden können.

Auszubildende und Ausbilder*innen einiger sächsischen Bibliotheken folgten der Einladung der Landesfachstelle, sich an der Gutenbergschule in Leipzig einem Tag lang dem Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“/“Grüne Bibliothek“ zu widmen. Inputvortrag, Graffiti-Methode, Gallery-Walk und intensive Ideenfindung in Gruppen machten den Tag abwechslungsreich und sicherten viel Gelegenheit zur Inspiration.

17 Ziele im Kontext von Bibliotheken

Janet Wagner stellte die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung als „Weltvertrag der Welt für ein gutes Leben für alle“ vor. Einige Hände gingen hoch, bei der Frage, wer die 17 Ziele kennt. Doch welchen Beitrag Bibliotheken zur deren Umsetzung leisten können, zeigte sich auf den erarbeiteten Plakaten. In der Graffiti-Methode entstanden vielzählige Antworten der Auszubildenden.

Das Denken in die Zukunft, die eigene Selbstwirksamkeit entdecken und das Verstehen von Diskursen: „Was ist denn eigentlich nachhaltig in meiner Bibliothek?“ gehört dazu, wenn es um das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung geht. Aha-Momente („Das kenne ich, das machen wir schon!“) oder auch die Erkenntnis: „Auch das gehört zu Nachhaltigkeit?!“ befördern Auszubildende Ausbilder*innen gleichermaßen in der Ausbildungszeit dem Thema mehr Raum und Ressourcen zu geben.

Im Aula-Raum der Schule lagen über 40 verschiedene Thementafeln, wurde ein langer Ideen-Tisch mit Literatur und Begleitmaterialien angeboten. Die sehr praxisnahe Info-Broschüre der Landesfachstelle „Einführung von Bildung für nachhaltige Entwicklung im öffentlichen Bibliothekswesen in Sachsen“ zeigt unzählige Beispiele, was alles möglich ist.

Projektideen und Ausblick

Ein Tag reicht nicht, um ein konkretes Projekt zu formulieren. Dennoch brachte die Gruppenarbeit viel Output: „Therapiri – gesundes und soziales Miteinander im Bibliotheksteam“, die „Radelberger – Lastenfahrrad für die Bibliothek auf Rädern“ und weitere Ideen wurden im Gallery-Walk bewertet. Die Landesfachfachstelle bietet zusammen mit dem Netzwerk Grüne Bibliothek nun eine Prämierung der Projekte, die bis Ende März 2026 auch erste Umsetzungen zeigen.

Der Tag endete mit unterschiedlichen Eindrücken und Rückmeldungen: Viele der Auszubildenden waren inspiriert und konnten die 17 Ziele gut mit den Aufgaben Ihrer Bibliothek verbinden. Mehr Vorbereitung auf das Thema an sich wünschten sich zudem die Teilnehmenden. Es war dennoch ein gelungener Tag und 2026 wird es spannend, welche Projekte in die konkrete Umsetzung kommen.

Kiekste, kennste, machste – Nachhaltigkeit in der FaMI-Ausbildung

Bereits zum zweiten Mal stand im praktischen Ausbildungsplan der Auszubildenden der Universitätsbibliothek die Woche zum Thema „Grüne Bibliothek“ auf dem Programm. In der dualen Berufsausbildung zur/zum Fachangestellte/n für Medien- und Informationsdienste (FaMI), sind die Ausbildungsinhalte zum Thema Nachhaltigkeit in der Standardberufsbildposition verankert – praktisch kann das so aussehen…

Projektauftakt: Eigene Themenwahl in der Bibliothek und dem Archiv

Einige Monaten nach Ausbildungsbeginn kennen die Auszubildenden im 1. Lehrjahr ihre Ausbildungsbibliothek bzw. ihr Archiv und haben sich an der großen Universität etwas besser eingelebt. Zu Beginn ihrer Ausbildungszeit im September 2024 gab es viel Input zum Thema: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeit in und durch Bibliotheken sowie die Bedeutsamkeit des Themas Nachhaltigkeit & Umwelt an der Freien Universität Berlin. Im Mai 2025 stand die Projektwoche „Grüne Bibliothek“ auf der Agenda, mit einem Auftakttreffen und einiger Vorab-Absprachen sollte jede Auszubildende, allein oder im Team, ein Projekt benennen und daraus Umsetzungsschritte entwickeln.

Die Ausbilderin stellte den Azubis eine eigene Wiki-Seite für das Projekt zur Verfügung und stellte einige Fragen vorab:

Digitales Aufräumen im Archiv und Re-Use Mobiliar für Studierende

Unsere Auszubildende aus dem Universitätsarchiv entwickelte ein Konzept plus Checkliste zum digitalen Aufräumen für das Archiv-Team. CO2-Einsparungen am Arbeitsplatz lassen sich mit Löschroutinen, Aufräumen von Bilderordnern und dem regelmäßigen Prüfen von Aufbewahrungsfristen von digitalen Dokumenten erzielen. Eine Erkenntnis gab es: Bisher finden sich in anderen Archiven dazu keine Beispiele, dass digitales Aufräumen regelmäßig Teil der Tätigkeiten ist.

Input-Vortrag fürs Team gab es von der Auszubildenden, Grafik für die interne Kommunikation wurde erstellt.

Zweite Chance für Möbel und Sitzgelegenheiten für Studierende im Lichthof

Im Sinne des Re-Use-Gedankens haben drei Auszubildende Ideen mit gebrauchten Möbeln und Paletten umgesetzt. Studierende in den Fachbibliotheken der Geowissenschaften und der Wirtschaftswissenschaft erhielten Sitzgelegenheiten für den Lichthof (Garystr. 21) und Stühle für den Bibliotheksgarten am Campus Lankwitz. An der Freien Universität Berlin bieten ein internes Möbellager und die FUndgrube viel an Mobiliar und Materialien, um Dingen eine zweite Chance zur Weiternutzung zu geben. Bei den Projekten wurde für die Kommunikation zudem konkret ermittelt, wie viel CO2 Einsparungen gebrauchte Dinge erzielen können.

Mit dem CO2-Rechner vom Re-Use-Store der Berliner Senatsverwaltung können diese Einsparungen im Vergleich zum Neukauf berechnet werden. Ein überzeugender Beweis dafür, dass kleine Schritte in Sachen Nachhaltigkeit eine spürbare Wirkung haben können.


Sticker für die Stühle: Kommunikation ist wichtig, um als „grüne Bibliothek“ zu zeigen, was hinter den Angeboten steckt.

Mit dieser Projektwoche möchten wir zeigen, wie einfach Nachhaltigkeit im Alltag umgesetzt werden kann – und dass auch alte Möbel noch viel Potenzial haben.

Auszubildende am Ende der Projektwoche

FaMIs for Future – Nachhaltigkeit in der dualen Ausbildung an der Universitätsbibliothek als Best Practice

Überall herrscht Fachkräftemangel – auch in Bibliotheken. Die duale Ausbildung zur/zum „FaMI“ (Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste)sorgt an der Universitätsbibliothek der Freien Universität für Nachwuchs und hat in der praktischen Ausbildung seit drei Jahren Inhalte zu nachhaltigem und zukunftsfähigem Handeln. Das spricht sich herum: Wir wurden eingeladen zum Erfahrungsaustausch der Ausbildungsleitungen von Nordrhein-Westfalen.

Einmal jährlich treffen sich die Ausbildungsleitungen öffentlicher und wissenschaftlicher Bibliotheken am Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung, ZBIW Köln. Nordrhein-Westfalen hat als größtes Bundesland entsprechend viele Bibliotheken und es wird stetig ausgebildet.

Eine berufliche Zukunft in der Bibliothek kann sehr vielfältig sein: Nach der dualen Ausbildung gibt es verstärkt mehr Angebote, sich mit berufsbegleitenden Studiengängen weiter zu qualifizieren. Die Ausbildungsleitungen erfuhren von verschiedenen Möglichkeiten, Ihren Berufsanfänger*innen Qualifizierungsangebote zu unterbreiten: Auch das ist nachhaltig und Personalentwicklung ist ein bedeutsamer Faktor, wenn es um Berufsnachwuchs geht.

Gruppenbild der Ausbildungsleitungen mit Themenschildern

Das Thema: „Nachhaltigkeit in der dualen FaMI-Ausbildung“ wurde gewünscht und Janet Wagner als Ausbilderin und erfahrene Kollegin eingeladen. Best Practice Beispiele der Universitätsbibliothek waren mit im Gepäck, als auch Janet Wagners Ergebnisse Ihrer Masterarbeit zum Thema: „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der praktischen FaMI-Ausbildung – Möglichkeiten & Grenzen“.

Viele Ausbildungsinhalte lassen sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit und Digitalisierung“ verknüpfen. Es bedarf jedoch mehr Kontextualisierung: Was haben die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung mit der Bibliothek zu tun? Welchen Beitrag leisten Bibliotheken zur sozial-ökologischen Transformation?

Es gibt unzählige Bildungsmaterialien, z.B. zum „Handabdruck“. Ruft man die Potenziale und Interessen der Auszubildenden ab, gibt es in Projekttagen jede Chance, um den Ausbildungsjahrgängen die Dimensionen von Nachhaltigkeit zu vermitteln und dabei selbstwirksames Handeln zu entwickeln.

Es braucht dazu Offenheit, Vertrauen und Neugier auf beiden Seiten. Das zeigte sich eindrücklich in den Gruppenarbeiten und an den verschiedenen Stationen, an denen praktische Ausbildungsinhalte zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt werden sollten. Die Motivation der Ausbildungsleitungen war spürbar, so gibt es „FaMIsForFuture“ Ausbildungsinhalte dann hoffentlich bald immer in der praktischen Ausbildung in Bibliotheken.

Foto: Kontanze Sigel/ZBIW Köln

Text: Janet Wagner