Machen ist wie wollen – nur krasser! Nachhaltigkeit zum Anfassen & dabei sein

Studierende der Freien Universität besuchen Sie an 7 Tagen die Woche: Die Campusbibliothek der Universitätsbibliothek ist eine der besucherstärksten Fachbibliotheken und bietet moderne Lernorte im Innenbereich. Die angrenzenden Terrassen bieten Potenziale, draußen zu sitzen, zu entspannen und sich zu begegnen. Mit viel Grün und selbstgebautem Mobiliar entstand viel Neues, denn die graue und wenig genutzte Bibliotheksterrasse im Neubau wandelte sich im Sommersemester 2026 zur grünen Bibliotheksterrasse.

Machen!

Alles beginnt mit … einer Chance & Mut, Orte neu zu denken. Zum wiederholten Mal wurde der FUturist-Preis vom Ideen- und Innovationsmanagement der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie ausgeschrieben. Die Universitätsbibliothek hat in den letzten Jahren bereits viele Ideen eingereicht, das Team der Campusbibliothek bewarb sich zum ersten Mal. Im Vordergrund stand die Idee der Umgestaltung der Bibliotheksterrasse zu einem naturnahen, begrünten, attraktiven Lern- und Begegnungsort. Nachhaltigkeit im Sinne einer grünen Bibliothek setzt Schwerpunkte im Bereich ökologisch-sozialer Handlungsfelder: Partizipation, Ressourcenschonung, Biodiversität und das Schaffen von Werten für das Gemeinwohl.

Wollen!

Im Februar 2026 gab es die Förderzusage für das eingereichte Projekt: „Bibliotheksterrasse als grüner Lern- und Entspannungsort“, die FUturist-Jury gab motivierendes Feedback zu den Stärken des Projekts. Biodiversität trifft auf soziale Nachhaltigkeit – Mitmachstrukturen, praxisnahe Lösungen und die Förderung von niedrigschwelliger ökologischer Bildung überzeugten die Jurymitglieder. Das dreiköpfige Team der Campusbibliothek steckte zusammen mit der Nachhaltigkeits-AG „GreenFUBib“ die Köpfe zusammen und nahm sich eine Empfehlung der Jury sehr zu Herzen: Die Einbindung von Studierenden, um das Projekt umzusetzen im Rahmen „Nachhaltigkeit in der Lehre/ABV Modul Nachhaltige Entwicklung“. Die Planung eines gesamten Moduls musste her: Seminarbeschreibung, Inhalte, Zielformulierungen, Methodenauswahl, Zeitmanagement uvm. Challenge accepted!

Mitmachen & Wirken!

Es war überwältigend: Das Modulangebot wurde schnell belegt und es musste eine Warteliste angelegt werden. Unsere erfahrenen Kommunikationskolleginnen im Team haben mit tollen Plakaten in der Campusbibliothek und gezielter Werbung auf den sozialen Medien die richtige Zielgruppe erreicht: Studierende aus den verschiedensten Studienrichtungen wollten mitmachen. Viele von Ihnen waren intrinsisch motiviert und angesprochen von der Formulierung: Studierende, die Lust haben, sowohl handwerklich als auch als Newcomer mitanzupacken und statt PowerPoint und Hausarbeit praktische Aktionen während des Moduls bevorzugen. (Auszug aus der Seminarbeschreibung, Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2026) Der „Sprung ins kalte Wasser“ ist überwiegend geglückt: jeden Mittwoch fand das Modul während des Sommersemesters statt.

Es wurde gepflanzt, gebaut, geplant, gesät, gerückt, gestrichen, getestet auf der Bibliotheksterrasse oder im Seminarraum. Abwechslung gab es jedes Mal, die Studierenden konnten hier und da entscheiden: Möchte ich mich handwerklich am Bau der Pergola beteiligen oder meine kommunikativen Fähigkeiten erweitern? Persönliche Erfahrungsberichte der Studierenden wurden nach dem Modul verfasst und sind hier nachzulesen:

Output an der Universität

Das Sommersemester 2026 ist vorüber, das FUturist-Team und GreenFUBib kümmern sich zusammen um die weitere Sichtbarkeit des Projekts und auch um das Gedeihen der Pflanzen auf der Terrasse. Im Angebot „Primo der Dinge“ gibt es nun Gartenboxen zu leihen, mit denen Nutzende auf der Terrasse sofort aktiv werden können. Passende Literaturlisten werden zum Thema „Biodiversität & heimische Wildpflanzen“ zusammengestellt und eine barrierefreie Sitzgruppe ergänzt bald die Möglichkeit zum Verweilen. Vielseitige und aktive Kommunikation wurde und wird weiterhin in der Campusbibliothek und auf dem Campus Dahlem praktiziert:


Ende September wird das Projekt auch internationalen Gästen präsentiert: Auf der Konferenz „Sustainability in Higher Education“ gibt es die Möglichkeit, den geförderten FUturist-Projekten beim Midterm-Event zuzuhören: Ein Besuch auf die nahe gelegene Bibliotheksterrasse bietet sich an und zeigt praxisnah: Bibliotheken können Wissen und Handeln verbinden, um nachhaltige, zukunftsfähige Lösungen für alle zu befördern!

Text: Janet Wagner

Bilder & Grafiken: Diana Merten, Tobias Schober, Sandra Schönwandt

ReUse in und durch Bibliotheken –Ein Rückblick auf die Sustainability Days 2026 an der Freien Universität Berlin


Bibliotheken sind Orte des (Aus)Tauschs – von Wissen zu Büchern und Ideen. Aber was geht noch? Auf diese Frage kamen viele verschiedene Akteure vom 01.-02.07.2026 auf dem Campus der Freien Universität Berlin zusammen. Die Nachhaltigkeitsinitiative „Sustain it!“ hatte zu den Sustainability Days eingeladen. Die AG Nachhaltigkeit GreenFUBib der Universitätsbibliothek war bei der Veranstaltung erneut mit einem Stand vertreten. Mitglieder der AG und FaMI-Auszubildende zeigten, wie nachhaltiges Handeln in punkto Ressourcenschonung praktisch gelebt werden kann.

Was sind die Sustainability Days?

Seit 16 Jahren steht das Motto: „Sustain it!“ für nachhaltigkeitsbezogene Initiativen an der Freien Universität. Gegründet wurde sie von 25 damaligen Studierenden und zwei Mitarbeitenden, die Engagement für gelebte Nachhaltigkeit an der Universität zeigen wollten. Ob Lebensmittelrettung, naturnahes Gärtnern oder gemeinsame ReUse-Aktionen für den Arbeitsplatz oder den Privatalltag: Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Die Sustainability Days finden jährlich im Sommersemester statt und richten sich an alle Angehörige der Universität.

Mehrweg, Pflanzen & Wiederverwendung

Grundsätzlich werden für den Stand ausschließlich ReUse-Materialien verwendet, nur QR-Codes ausgelegt, keine großen Anschaffungen getätigt und alles mit einem Lastenrad transportiert. Nachhaltige Veranstaltungen werden in Bibliotheken vielfach gelebt: Die praktische „Event N Toolbox“ dient hier seit Jahren als Vorbild.

Das E-Lastenrad der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie kann für Veranstaltungen ausgeliehen werden.

Der thematische Aufhänger der Nachhaltigkeits-Arbeitsgruppe GreenFUBib war in diesem Jahr: ReUse von Fundsachen, die in großen Mengen in den Bibliotheken anfallen. Ein großer Anteil sind dabei Mehrweg-Trinkflaschen, die leider oft vergessen werden. Hochwertige Trinkflaschen aus Edelstahl oder Glas sind teuer, benötigen viele Ressourcen für die Herstellung und verdienen ein „2. Leben“. Werden die gefundenen Flaschen in der Aufbewahrungszeit nicht abgeholt, stellt sich die Frage: Was machen Bibliotheken damit?

Wiederverwendbarkeit und Ressourcenschonung lassen sich mit dem Thema Fundsachen in Bibliotheken gut verbinden. Die gesäuberten Trinkflaschen konnte man gewinnen und sein Wissen dazu testen. Einige unserer Auszubildenden entwickelten diese Fragestellungen und entwarfen ein Design für den Stand.

  • Welches Material der Mehrwegflaschen hat den geringsten Fußabdruck?
  • Welchen Vorteil bieten Mehrwegtrinkflaschen generell?
  • Welches gängige Material ist am besten recyclebar?

Pflanzenableger, Trinkwasserflaschen und das Zukunftsbild luden zu Gesprächen ein.

Grün wurde es beim Pflanzenquiz: Pflegeleichte Zimmerpflanzen sind beliebt und etwas Wissen zu den Arten hilft, lange etwas vom Grün zu haben. Für richtige Antworten gab es als Preis selbst gezogene Pflanzenableger zur Begrünung der eigenen vier Wände. Auch viele Bibliotheken haben sich der Aufgabe angenommen, grüne Pflanzen in ihren Räumlichkeiten zu ergänzen und dadurch den Nutzenden ein besseres Raumklima und eine Wohlfühlatmosphäre anzubieten.


Was geht? – Für eine gute Zukunft für alle?

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – das ausgestellte Zukunftsbild von der „Bibliothek von morgen“, kreiert von der Künstlerin Lea Ebeling, lud Interessierte ein, positive Zukunftsbilder von Bibliotheken zu entdecken. Nicht nur das Recht auf Bildung und Information unterstützt Menschen für eine gute Zukunft, es sind vielmehr die Orte, die sie zusammenbringen, um nicht nur Wissen sondern auch Selbstwirksamkeit durch eigenes Tun zu erfahren. Bibliotheken bekennen sich weltweit zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Sie sind konsumfreie, niederschwellige, inklusive, tolerante und offene Orte und bieten Lernumgebungen, die Konzentration und Begegnungen fördern. Das und noch viel mehr zeigt dieses Zukunftsbild.

Lea Ebeling mit dem fertigen Zukunftsbild: BiblioCon 2026 in Berlin

Viele interessierte Besuchende unterschiedlicher Altersgruppen nutzten die Möglichkeit am Stand zum Mitmachen, Rätseln und Austauschen. Es zeigt, dass Nachhaltigkeit ein präsentes Thema ist, das auch Spaß machen kann.

Was geht?! – Es geht viel in und durch Bibliotheken! Als eine Akteurin von vielen müssen und werden wir uns auch zukünftig an Hochschulen, in Kommunen, Städten und Gemeinden dafür stark machen, dass ein gutes Leben für alle gelingen kann.

Fotos: Sandra Schönwandt & Janet Wagner

Text: Lara Senst & Janet Wagner

Kiekste, kennste, machste – Nachhaltigkeit in der FaMI-Ausbildung

Bereits zum zweiten Mal stand im praktischen Ausbildungsplan der Auszubildenden der Universitätsbibliothek die Woche zum Thema „Grüne Bibliothek“ auf dem Programm. In der dualen Berufsausbildung zur/zum Fachangestellte/n für Medien- und Informationsdienste (FaMI), sind die Ausbildungsinhalte zum Thema Nachhaltigkeit in der Standardberufsbildposition verankert – praktisch kann das so aussehen…

Projektauftakt: Eigene Themenwahl in der Bibliothek und dem Archiv

Einige Monaten nach Ausbildungsbeginn kennen die Auszubildenden im 1. Lehrjahr ihre Ausbildungsbibliothek bzw. ihr Archiv und haben sich an der großen Universität etwas besser eingelebt. Zu Beginn ihrer Ausbildungszeit im September 2024 gab es viel Input zum Thema: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeit in und durch Bibliotheken sowie die Bedeutsamkeit des Themas Nachhaltigkeit & Umwelt an der Freien Universität Berlin. Im Mai 2025 stand die Projektwoche „Grüne Bibliothek“ auf der Agenda, mit einem Auftakttreffen und einiger Vorab-Absprachen sollte jede Auszubildende, allein oder im Team, ein Projekt benennen und daraus Umsetzungsschritte entwickeln.

Die Ausbilderin stellte den Azubis eine eigene Wiki-Seite für das Projekt zur Verfügung und stellte einige Fragen vorab:

Digitales Aufräumen im Archiv und Re-Use Mobiliar für Studierende

Unsere Auszubildende aus dem Universitätsarchiv entwickelte ein Konzept plus Checkliste zum digitalen Aufräumen für das Archiv-Team. CO2-Einsparungen am Arbeitsplatz lassen sich mit Löschroutinen, Aufräumen von Bilderordnern und dem regelmäßigen Prüfen von Aufbewahrungsfristen von digitalen Dokumenten erzielen. Eine Erkenntnis gab es: Bisher finden sich in anderen Archiven dazu keine Beispiele, dass digitales Aufräumen regelmäßig Teil der Tätigkeiten ist.

Input-Vortrag fürs Team gab es von der Auszubildenden, Grafik für die interne Kommunikation wurde erstellt.

Zweite Chance für Möbel und Sitzgelegenheiten für Studierende im Lichthof

Im Sinne des Re-Use-Gedankens haben drei Auszubildende Ideen mit gebrauchten Möbeln und Paletten umgesetzt. Studierende in den Fachbibliotheken der Geowissenschaften und der Wirtschaftswissenschaft erhielten Sitzgelegenheiten für den Lichthof (Garystr. 21) und Stühle für den Bibliotheksgarten am Campus Lankwitz. An der Freien Universität Berlin bieten ein internes Möbellager und die FUndgrube viel an Mobiliar und Materialien, um Dingen eine zweite Chance zur Weiternutzung zu geben. Bei den Projekten wurde für die Kommunikation zudem konkret ermittelt, wie viel CO2 Einsparungen gebrauchte Dinge erzielen können.

Mit dem CO2-Rechner vom Re-Use-Store der Berliner Senatsverwaltung können diese Einsparungen im Vergleich zum Neukauf berechnet werden. Ein überzeugender Beweis dafür, dass kleine Schritte in Sachen Nachhaltigkeit eine spürbare Wirkung haben können.


Sticker für die Stühle: Kommunikation ist wichtig, um als „grüne Bibliothek“ zu zeigen, was hinter den Angeboten steckt.

Mit dieser Projektwoche möchten wir zeigen, wie einfach Nachhaltigkeit im Alltag umgesetzt werden kann – und dass auch alte Möbel noch viel Potenzial haben.

Auszubildende am Ende der Projektwoche