Grün statt Grau: Wie die Terrasse der Campusbibliothek neu gedacht wurde

Ein Erlebnisbericht von Tom Luca Czerny

Wer öfter in der Campusbibliothek der Freien Universität Berlin lernt, kennt die Terrasse im Neubau wahrscheinlich eher als Durchgangsort. Grau, unauffällig, kaum jemand hat sich dort wirklich aufgehalten. Dies war der entscheidende Anlass für meine Teilnahme an einem wöchentlichen Seminar, das sich über ein gesamtes Semester hinweg ausschließlich diesem Ort widmete. Ziel war eine Neugestaltung der Terrasse mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Begrünung.

Studierende gestalten die Terrasse – der Kompetenzbereich Nachhaltige Entwicklung

Aus den Angeboten der Wahlpflichtmodule der Allgemeine Berufsvorbereitung (ABV) in Bachelorstudiengängen der Freien Universität gibt es Seminare zu: „Nachhaltigkeit verstehen und gestalten“. Ich studiere Geographie, mit Schwerpunkten unter anderem in Ökologie und Nachhaltigkeit. Insofern lag es nahe, sich für ein Seminar zu entscheiden, das genau diese Themen aufgreift, aber eben nicht nur theoretisch. Was mich konkret angesprochen hat: Die Bibliothek war mir als Lernort schon vertraut, die Terrasse dort aber wirkte ungenutzt. Einen Ort, den man kennt und trotzdem übersieht, praktisch mitzugestalten, fand ich naheliegender als ein weiteres Seminar, in dem Nachhaltigkeit nur diskutiert statt umgesetzt wird. Ob Lehre und Nachhaltigkeit zusammengehören, wurde im Seminar selbst eigentlich nicht groß thematisiert, aber genau darin lag für mich der Punkt: Man hat es einfach gemacht, statt lange darüber zu reden.

Von der Idee zum Hochbeet

Der Einstieg ins Seminar war der Teil, der mir am meisten gebracht hat. Wir haben uns damit beschäftigt, welche regionalen, ökologisch wertvollen Pflanzen für die Beete überhaupt infrage kommen: Was ist für Insekten besonders wertvoll, was verträgt sich mit den Standortbedingungen auf der Terrasse, was spendet Schatten. Das war der Punkt, an dem aus einem vagen Nachhaltigkeitsbegriff etwas Konkretes wurde.

Danach ging es an die eigentliche Gestaltung, hier war der Spielraum
unterschiedlich groß. Einige Elemente standen von vornherein fest, etwa die Pergola mit Sitzgelegenheit und die barrierefreie Tisch-Bank-Kombination. Hintergrund war, dass das Team der Campusbibliothek das Seminar mit einem bereits genehmigten Förderprojekt verknüpft hat. Für die Ausschreibung der „FUturist“-Förderung wurden vorab konkrete Ideen zur Umsetzung formuliert.

Pergola Bau mit allen Studierenden, Mai 2026

Bei den drei Hochbeeten und der übrigen Möblierung, den Sonnenstühlen, konnten wir dagegen eigene Ideen einbringen und ausprobieren.
Was mir weniger gut gefallen hat: Der Gestaltungsrahmen war an mehreren Stellen enger vorgegeben, als ich erwartet hatte. Gerade weil der Einstieg so offen und explorativ war, wollte ich bei der eigentlichen Umsetzung mehr eigene Entscheidungen treffen, als am Ende möglich war. Das schmälert das Ergebnis nicht, aber es war ein Punkt, der mich im Semester phasenweise etwas frustriert hat.

Learned Lessons

Für mich überraschende Erkenntnisse aus dem Semester: Gartenarbeit macht Spaß und auch handwerkliches Arbeiten hat mir mehr Freude bereitet, als ich vorher gedacht hätte. Beides waren keine Bereiche, mit denen ich mich vor dem Seminar aktiv beschäftigt habe. Insofern war der praktische Teil, das tatsächliche Anpacken, für mich fast wichtiger als der inhaltliche Input zu Beginn.

Mein Blick auf Bibliotheken hat sich durch das Projekt konkret verändert, weniger abstrakt als vielmehr im Alltag spürbar. Wenn man in der Pause auf einer begrünten Terrasse sitzt, fast wie in einer Art Garten, fällt es einfach leichter, sich davon auch mental etwas zu lösen. Vorher war die Bibliothek für mich fast ausschließlich ein Ort zum Lernen, ein Zweckort. Jetzt sehe ich sie auch als Aufenthaltsort, an dem man sich gerne aufhält, unabhängig davon, ob man gerade etwas lesen oder schreiben muss oder nicht.

Nachhaltigkeit an der Universität?

Auch mein Blick auf die Freie Universität Berlin hat sich verändert. Ich hätte nicht erwartet, dass Studierende bei einem Nachhaltigkeitsprojekt auf dem Campus so viel Gestaltungsspielraum bekommen, wie wir ihn hatten. Ein Semester lang an einem Ort mitzuarbeiten, den danach alle nutzen können, ist etwas anderes als eine Hausarbeit zu schreiben, die am Ende in der Schublade landet. Partizipation ist an der Universität offenbar keine leere Floskel, zumindest habe ich das in diesem Seminar so erlebt. Und wenn die Universität Studierenden solche Projekte tatsächlich zutraut, sagt das auch etwas über ihr
Verständnis von Nachhaltigkeit aus: nicht nur als Strategiepapier, sondern als etwas, das konkret angepackt wird.

Die Terrasse der Campusbibliothek ist jetzt grüner, mit drei Hochbeeten, Schatten unter der Pergola und Platz zum Sitzen für alle. Ob sie dadurch auch wirklich mehr genutzt wird, zeigt sich erst, wenn die ersten warmen Tage kommen und die Leute anfangen, dort tatsächlich zu sitzen statt nur vorbeizulaufen.

Fertige Pergola, die zukünftig begrünt Schatten spenden soll.

Text von Tom Luca Czerny (Studierender im Sommersemester 2026 an der Freien Universität Berlin)

Fotos: Diana Merten (Team Campusbibliothek)

Gemütlich & grün: Die Geowissenschaftliche Bibliothek am Campus Lankwitz

Mit Betreten der Geowissenschaftlichen Bibliothek tritt schnell ein Gefühl von Gemütlichkeit und Wohnzimmer-Atmosphäre ein. Wahrlich grün sind die vielzähligen Ecken, Buchregale und Lernorte: Überall gibt es Zimmerpflanzen, die gedeihen, und Raumtrenner in Grüntönen zwischen dem Sitzmobiliar.

Das Team der Geowissenschaftlichen Bibliothek hat in Zusammenarbeit mit Studierenden des Fachbereichs sowie der Initiative Blühender Campus um das Bibliotheksgebäude herum eine Vielzahl von nachhaltigen Aktivitäten umgesetzt: Eine Blühwiese zentral vor dem Hauptgebäude und verschiedene selbst gesetzte Pflanzen erhöhen die Biodiversität, das Anlegen von Totholzecken bietet Insekten und Kleintieren Schutz und Überwinterungsmöglichkeiten.

Die Lernräume werden partizipativ weiterentwickelt: Studierende werden befragt, welche Ausstattungen sie sich für den Lernort Bibliothek wünschen. Schalldämpfende Raumelemente wurden angeschafft, zusammen mit Re-Use Mobiliar entsteht so eine angenehme und einladende Raumatmosphäre in der gesamten Bibliothek.


Zudem findet sich nicht nur im großen Umfang Literatur zu Klima- und Umweltschutz, sondern im Arbeitsumfeld ist Nachhaltigkeit gelebte Praxis. Pflanzen verbessern die Luft, produzieren Sauerstoff, schaffen einen ästhetischen Blickfang, beruhigen ein frustriertes Gemüt oder dienen als stille Gesprächspartner*innen und Projektionsfläche. Das Team nutzt Förderprojekte im Rahmen der „FUturist-Ausschreibung“ des Ideen- und Innovationsmanagements der Stabsstelle Nachhaltigkeit, denn eine grüne Universität braucht die Tatkraft und Ideen ihrer Mitarbeitenden.


Die Freie Universität Berlin hat das „Biodiversitätsjahr 2024“ ausgerufen. In der Pressemitteilung des Präsidiums werden auch die „Grünen Bibliotheken“ der Freien Universität genannt. Ein Grund mehr, auch vor den Bibliotheksgebäuden darauf zu achten, wie das Stadtgrün wachsen kann, um mehr Biodiversität zu erhalten. Mit dem Fokus auf Artenvielfalt ist es wichtiger denn je, auf dem Campus der FU gemeinsam mehr Grünflächen zu schaffen und Böden zu entsiegeln, denn versiegelte Böden können kein Wasser speichern. Um in heißen Sommerzeiten mehr Kühlung in der Umgebung zu erreichen, die auch den Gebäuden zugute kommt, ist das Thema Entsiegelung für Lernorte wie Bibliotheken bedeutsam. Studierende erwarten eine gute Lernatmosphäre in ihrer Bibliothek. Denn wer lernt schon gern in aufgeheizten Gebäuden mit stickiger Luft?

Bildquellen: © Jonas Schramm