Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 veröffentlicht

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat diese Woche die 20 nominierten Romane für den Deutschen Buchpreis bekanntgegeben. Erst seit 2005 verliehen, gilt die mit insgesamt 37.500 Euro dotierte Auszeichnung als deutsche Antwort auf den französischen Prix Goncourt oder den britischen Booker Prize.

Zaimoglu zum fünften, Bonné, Lehr, Poschmann und Schulze zum dritten

In diesem Jahr treffen die Werke von 14 Deutschen, fünf Österreichern und eines Schweizers aufeinander. Unter den sieben nominierten Autorinnen und 13 Autoren sind neun schon mit dem Gefühl vertraut, mit einem Werk auf der Longlist zu stehen. Das größte Déjà-vu trifft zweifelsohne Feridun Zaimoglu, der bereits zum fünften Mal auf der Nominiertenliste zu finden ist und nun zum ersten Mal auf die Shortlist der besten sechs Romane gelangen könnte. In seinem neuesten Werk Evangelio begibt sich Zaimoglu auf die Wartburg Martin Luthers und wählt den Blickwinkel eines sorgenvollen katholischen Landesknechts, der dem Reformator beschützend zur Seite gestellt wird.

In der Vergangenheit aus Buchpreis-Sicht erfolgreicher gewesen sind Mirko Bonné, Thomas Lehr, Marion Poschmann und Ingo Schulze, die es allesamt mindestens einmal auf die Shortlist und es zum dritten Mal unter die Top 20 geschafft haben. Bonné überträgt in seinen Liebesroman Lichter als der Tag laut Buchpreis-Jury das Wahlverwandtschaften-Thema in die Gegenwart. Der studierte Naturwissenschaftler Thomas Lehr hat vor seiner Autorenkarriere bis 1999 als EDV-Spezialist für unser Bibliothekssystem gearbeitet und im Sommersemester 2011 die Heiner Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der FU übertragen bekommen. Sein Roman Schlafende Sonne (in Erwerbung) spannt den Bogen vom Ersten Weltkrieg bis ins Berlin des Jahres 2011 und wird zu den stilistisch anspruchsvollsten Kandidaten gezählt. Im Mittelpunkt stehen historische Katastrophen und die privaten Verwicklungen dreier Menschen. Marion Poschmann schickt in ihrem leichten Roman Die Kieferninseln ihre Hauptfigur, einen Privatdozenten und betrogenen Ehemann, auf eine Pilgerreise nach Japan, während der von vielen Kritikern favorisierte Ingo Schulze in seiner Kapitalismus-Komödie Peter Holtz den Titelhelden vom Waisenkind zum Millionär wider Willen aufsteigen lässt.

Von Zwillingen, Nachkriegskindern und Herrn Lehmann

Einzige Debütantin im Feld ist die in Russland geborene Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann. In Außer sich folgt die Hausautorin des Maxim Gorki Theaters einem Zwillingspaar, das erst in einer kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der Postsowjetjahre und dann in einem Asylbewerberheim in der westdeutschen Provinz aufwächst. Salzmann hat für ihr Romandebüt erst ein paar Tage zuvor den mit 15.000 Euro dotieren Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung gewonnen. Die Jury würdigte das Werk als „gewagte wie gelungene Gratwanderung zwischen kulturellen und geschlechtlichen Identitäten“ und als „ein facettenreiches Generationspanorama von der Sowjetunion im 20. Jahrhundert bis ins Europa der Gegenwart“.

Für ihren zweiten Roman wurde die frühere FU-Studentin Julia Wolf nominiert, die mit Walter Nowak bleibt liegen laut Buchpreis-Jury ein „eindrucksvolles Männerporträt“ abliefere. Ihr Titelheld – ein egomanischer und ebenso passionierter Schwimmer – bricht eines Tages im Badezimmer zusammen. Bewegungsunfähig streifen Gedankenfetzen seine Kindheit als unehelicher Sohn eines GIs in der Nachkriegszeit, die kaputte Ehe und eine unheilvolle ärztliche Diagnose. Wolf hatte mit ihrem gleichnamigen Textauszug im letzten Jahr um den Ingeborg-Bachmann-Preis konkurriert und den 3sat-Preis erhalten. Wieder auferstehen lässt dagegen Sven Regener seinen Kulthelden Herrn Lehmann. 16 Jahre nach seinem erfolgreichen Romandebüt begibt sich Regener in Wiener Straße erneut ins Kreuzberg der 1980er-Jahre und wartet u. a. mit rebellische Berufsnichten, österreichischen Aktionskünstlern, Kettensägen und einem Schwangerschaftssimulator auf.

Die 20 Nominierten im Überblick
(verfügbare Titel sind verlinkt und überwiegend in der Philologischen Bibliothek vorhanden):

  • Mirko Bonné: Lichter als der Tag (Schöffling & Co, Juli 2017)
  • Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)
  • Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)
  • Monika Helfer: Schau mich an, wenn ich mit dir rede! (Jung und Jung, März 2017)
  • Christoph Höhtker: Das Jahr der Frauen (Weissbooks, August 2017)
  • Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017) – in Erwerbung
  • Jonas Lüscher: Kraft (C.H. Beck, März 2017)
  • Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)
  • Birgit Müller-Wieland: Flugschnee (Otto Müller, Februar 2017)
  • Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten (Matthes & Seitz Berlin, März
    2017)
  • Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)
  • Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo (Berlin Verlag, März 2017)
  • Robert Prosser: Phantome (Ullstein fünf, September 2017)
  • Sven Regener: Wiener Straße (Galiani Berlin, September 2017)
  • Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)
  • Ingo Schulze: Peter Holtz (S. Fischer, September 2017)
  • Michael Wildenhain: Das Singen der Sirenen (Klett-Cotta, September 2017)
  • Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen (Frankfurter Verlagsanstalt, März 2017)
  • Christine Wunnicke: Katie (Berenberg, März 2017)
  • Feridun Zaimoglu: Evangelio (Kiepenheuer & Witsch, März 2017)

Die Longlist wird am 12. September 2017 von der Jury um Sprecherin Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk), Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Maria Gazzetti (Casa di Goethe, Rom), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker, Berlin) und Lothar Schröder (Rheinische Post) auf sechs finale Romane reduziert, die sogenannte „Shortlist“. Die Preisverleihung findet zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 9. Oktober 2017 statt.

Zwar ist die kostenfreie App mit Artikelanfängen seit 2014 passé, aber über detektor.fm lassen sich nach und nach kostenfrei Auszüge aus den nominierten Romanen anhören (auch als App verfügbar). Wer nicht darauf warten will, findet auf der Webseite des Buchpreises unter den jeweiligen Romanprofilen alle bereits freigeschalteten Hörproben (zwischen 8-11 Minuten lang).

Neu in Primo: Datenbanken

Das Bibliotheksportal Primo ist seit kurzem um einen neuen Suchraum erweitert worden. Nach Semesterlisten und Universitätsbibliographie (vgl. Meldung vom 12. Juni 2017) ist der Menüpunkt Datenbanken ergänzt worden.

Der neue Suchraum "Datenbanken" im Bibliotheksportal Primo

Der neue Suchraum enthält bibliografische Nachweise zu über 1900 Datenbanken, die aus dem FU-eigenen Datenbank-Infosystem (DBIS) gespeist werden. Waren seit jeher die lizenzpflichtigen Ressourcen in Primo aufzufinden (inkl. Nationallizenzen gegenwärtig über 900 Datenbanken), bestand kein Nachweis von freien Ressourcen oder Testdatenbanken (gegenwärtig ebenfalls über 900 Titel). Mit dem neuen Menüpunkt ist diese Lücke endlich geschlossen und wir hoffen auf mehr Sichtbarkeit für diese Datenbanken, die auch bei der Recherche hilfreich sein können.

Alternativer Weg über den DBIS-Link in der „Details“-Anzeige (orange eingefärbt)

Die Arbeiten bei den Datenbanken sind noch nicht abgeschlossen. Bei einigen Einträgen kann es passieren, dass ein Klick auf die Schaltfläche „Online-Ressource“ eine Fehlermeldung verursacht, anstatt direkt auf die Datenbankoberfläche weiterzuleiten. Wir sind bemüht, diesen Fehler bis zum kommenden Wintersemester zu bereinigen. Wer auf einen solchen Titel stößt, kann auf die Schaltfläche „Details“ ausweichen und dem Link zum „Zugang über das Datenbank Infosystem (DBIS)“ folgen.

Natürlich kann man Datenbanken wie gewohnt auch über das FU-eigene Datenbank-Infosystem (http://dbis.ur.de/fachliste.php?bib_id=fub) recherchieren.

In der Primo-Ergebnisliste gibt es Filtermöglichkeiten nach Thema, Fachgebiet (nach Dewey-Dezimalklassifikation – DDC), Datenbanktyp und Lizenz („frei im Web“, „Campusnetz“, „Nationallizenz“, „Campusnetz – befristeter Test“).

Bibliotheksdoku konkurriert beim Filmfestival von Venedig

Heute wurden in Rom die Wettbewerbsfilme für die vom 30. August bis 9. September stattfindenden 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig bekanntgegeben. Unter den Anwärtern auf den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Filmfestivals, befinden sich so bekannte Autorenfilmer und Hollywood-Größen wie die bereits vielfach prämierten Alexander Payne (Downsizing), Darren Aronofsky (mother!), George Clooney (Suburbicon), Guillermo del Toro (The Shape Of Water), Abdellatif Kechiche (Mektoub, My Love: Canto Uno) oder auch der chinesische Künstler und Menschenrechtler Ai Weiwei (Human Flow). Aber auch ein „kleiner“ Dokumentarfilm über das Bibliothekswesen darf sich Hoffnungen auf eine Auszeichnung der Wettbewerbsjury unter Leitung der US-amerikanischen Schauspielerin Annette Bening machen – Ex Libris – New York Public Library von Frederick Wiseman erhielt ebenfalls eine Einladung (vgl. Artikel bei screendaily.com).

Frederick Wiseman im Jahr 2005 (Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0)
Frederick Wiseman im Jahr 2005

Wiseman, geboren 1930 in Boston, zählt zu den wichtigsten amerikanischen Vertretern des sogenannten „Direct Cinema“, einer Form des Dokumentarfilms, die Anfang der 1960er-Jahre in den USA entstand. Seit 1967 hat der letztjährige Ehrenoscar-Preisträger über 40 Filme gedreht. Als unabhängiger Filmemacher hat er sich nie für den Markt interessiert. Seine zum Teil sozialkritischen Dokumentarfilme die u. a. um Nervenheilanstalten, High Schools, das American Ballet Theatre oder zuletzt um die National Gallery in London kreisten, vergleicht er selbst mit Theaterstücken, Romanen oder Gedichten (vgl. Biografie bei Munzinger Online). Was liegt da näher, als seinen neuesten Dokumentarfilm in der Bibliothekslandschaft spielen zu lassen?  Auf der Webseite von Wisemans Filmgesellschaft Zipporah Films, ist nachzulesen, dass er bei Ex Libris – New York Public Library einen Blick hinter die Kulissen des öffentlichen Bibliothekssystems in New York wagt. „Die NYPL ist gesegnet mit gleichmäßig leidenschaftlichen Mitarbeitern und zutiefst hingebungsvollen, dankbaren Bibliophilen und Nutznießern in ihren 92 Zweigstellen. Der Film zeigt einen ehrwürdigen Ort des Willkommens, kulturellen Austausches und der intellektuellen Kreativität.“, so die offizielle Beschreibung. Laut einem älteren Artikel des Branchendiensts Indiewire soll auch der Spagat zwischen der Aufrechterhaltung traditioneller bibliothekarischer Dienstleistungen auf der einen und die Anpassung an den digitalen Wandel auf der anderen Seite thematisiert werden.

Bild: Charles Haynes / CC-BY-SA-2.0

Wie auch immer das Abenteuer in Venedig für Frederick Wiseman ausgeht, wir dürfen auf Ex Libris – New York Public Library gespannt sein – und auf einen deutschen Kinostart hoffen. Mit einer angekündigten Länge von 197 Minuten (der längste Film im Wettbewerb!) dürfte das für die hiesigen Verleiher eine große Herausforderung darstellen 😉.

Schiet Wetter

Regenschirme vor dem UB-Lesesaal (Bildquelle: Marc Spieseke)Diese lebendige Kunstinstallation aus Holz, Metall, Plastik bzw. Nylon und anderen Polyamiden ist wettertechnisch hoffentlich nur noch bis morgen Mittag vor dem Lesesaal der Universitätsbibliothek zu besichtigen 😉.

Auf das der Sommer bald wieder zu uns zurückfindet (und sich der vorläufige Berliner Wetterbericht zum Wochenende bewahrheitet)!

Frankfurter Allgemeine Archiv überarbeitet

Fünf Jahre nach dem letzten Upgrade hat die Benutzeroberfläche des Frankfurter Allgemeine Archivs eine Überarbeitung erfahren. Das neu gestaltete F.A.Z.-Bibliotheksportal 4.0 ist seit letzter Woche nutzbar.

Blick auf das neue Portal (Ausschnitt)
Blick auf das neue Portal (Ausschnitt)

Die F.A.Z. verspricht  eine neue, zeitgemäßere Benutzeroberfläche für mehr Übersichtlichkeit. Neben der vorgeschalteten Einfachen Suche nach Stichwort oder Zeitraum kann auch die Erweiterte Suche rein nach Themen oder Formalkriterien (Rubrik, Ressort, Quelle, Sachgebiet, Person, Firma, Land, Branche) oder eine Expertensuche („Expertenmodus“) genutzt werden.

Inhaltlich neu dazugekommen sind die F.A.Z.-Woche, Frankfurter Allgemeine Quarterly und Metropol, womit nun alle Publikationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung durchsucht werden können, darunter natürlich auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung ab der Erstausgabe 1949 ff. sowie der Sonntagsausgabe. Konnte man auf der alten Benutzeroberfläche „nur“ in den Ausgaben der letzten Woche zu stöbern, bietet die neue Funktion F.A.Z.-Seiten nun die Möglichkeit in allen Ausgaben der F.A.Z., Sonntagszeitung, Frankfurter Allgemeinen Woche und des F.A.Z.-Magazins zu blättern. Die persönlichen Nutzerkonten der alten Plattform wurden migriert und können nach E-Mail- und Passwort-Update z. B. für individuelle Merklisten oder E-Mail-Alerts weitergenutzt werden.

Aus lizenzrechtlichen Gründen ist die Nutzung des Frankfurter Allgemeine Archivs ähnlich wie bei den juristischen Datenbanken beck-online oder Juris auf das lokale Netzwerk der FU Berlin (Rechner in den PC-Pools der Bibliotheken bzw. der ZEDAT) beschränkt. Ein Zugriff über WLAN/LAN und VPN von privaten Rechnern ist nicht erlaubt!

Online-Bibliografien zu Anthropologie und Internationalem Recht lizenziert

Ab sofort können über das FU-Campusnetz die Datenbanken Oxford Bibliographies / Anthropology und -International Law dauerhaft genutzt werden.

Beide Datenbanken verbinden Eigenschaften einer annotierten Bibliografie mit denen einer Enzyklopädie. Man möchte sich grundlegend in ein Thema einarbeiten und kennt noch nicht die passende Literatur? Oxford Bibliographies bietet in wenigen Klicks Rat mit zahlreichen englischsprachigen Übersichtsartikeln plus verlässlichen Literaturhinweisen.

Das Modul Anthropology enthält von A wie „Agriculture“ bis Y wie „Youth Culture“ z. Zt. 176 Artikel zu den Bereichen Sozial- und Kulturanthropologie, Archäologie, linguistische und biologische Anthropologie. International Law umfasst ausgewählte Themenbereiche aus dem Gebiet des Völkerrechts. Gegenwärtig stehen in diesen Modul über 150 Einträge bereit – von „African Commission on Human and Peoples‘ Rights…“ bis hin zu „Western Sahara“. Pro Jahr folgen laut Anbieter fortlaufend neue Einträge (ca. 50-75). Jeder Beitrag wird regelmäßig um Hinweise auf verwandte Lexikoneinträge und ähnliche Themenfelder ergänzt.

Die zu den jeweiligen Themen mitgelieferten kommentierten Literaturhinweise können Bücher, Buchkapitel, Zeitschriftenaufsätze, Konferenz- und Festschriften, aber auch Websites, Datenbanken und Blogs beinhalten. Links führen zum Volltext oder zum Standort des Dokuments (wenn dieses verfügbar ist), außerdem zu verwandten oder weiterführenden Einträgen. Der Export in Literaturverwaltungsprogramme (u. a. EndNote, RefWorks oder Zotero) ist möglich. Optional können nach einem kostenfreien Login direkt auf der Online-Plattform eigene Literaturlisten erstellt und mit Anmerkungen versehen oder häufig getätigte Recherchen gespeichert werden.

Neben Oxford Bibliographies / Anthropology und International Law hat die FU Berlin gegenwärtig die Online-Bibliografien zu den Bereichen African Studies, Chinese Studies, Classics, International Relations und Political Science fest lizenziert.

Neue Zeitzeugen-Datenbank gestartet

Gestern wurde im Berliner Tränenpalast im Beisein von Kulturstaatsministerin Monika Grütters die neue Online-Datenbank Zeitzeugenportal vorgestellt. Die multimediale, kostenfreie Plattform mit Zeitzeugeninterviews aus über 100 Jahren deutscher Geschichte ging aus dem Bestand des Vereins „Gedächtnis der Nation“ und dessen gleichnamiger Datenbank hervor, der sich in Liquidation befindet.

Ursprünglich von Steven Spielbergs Visual History Archive (von der FU lizenziert) inspiriert, enthält das Zeitzeugenportal ca. 1000 Interviews zur deutschen Geschichte, die in rund 8000 einzelne Clips aufgegliedert sind. Hinzu kommt Material aus dem Archivbestand des ZDF, darunter etwa 40 Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Zeitgeschichte, darunter Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Simon Wiesenthal, Marcel Reich-Ranicki, Katarina Witt, aber auch Interviews von vielen „normalen“ Bürgern. Die Inhalte sind über die drei Zugänge „Zeiträume“, „Themen“ oder „Personen“ erschließbar und umspannen die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart.

Der Bestand vom Zeitzeugenportal soll sukzessive ergänzt werden. Gegenwärtig sind bei verschiedenen Institutionen ca. 13.000 Zeitzeugen-Interviews aus dem 20. Jahrhundert gesammelt worden, die nun für die Datenbank aufbereitet werden sollen (vgl. deutschlandfunk.de). Als neuer Träger und Servicestelle für Digitalisierung fungiert die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv in Koblenz. Ein detaillierteres Interview zum Projekt mit Harald Biermann, Leiter der Kommunikation am HdG, ist beim WDR nachzulesen.

„Encyclopedia of Atmospheric Sciences“ online lizenziert

Ab sofort kann über das FU-Campusnetz auf die Encyclopedia of Atmospheric Sciences zugegriffen werden.

Das umfassende Online-Referenzwerk enthält über 320 Beiträge zu den Atmosphärenwissenschaften. Von A wie „Aerosol–Cloud Interactions“ bis W wie „Wildfire Weather“ wird thematisch u. a. auf die Atmosphärenchemie, Klimatologie, Ozeanographie und Meteorologie eingegangen. Behandelt werden atmosphärische Prozesse und deren Wechselwirkungen mit Land, Ozeanen, Eis und Biosphäre von der molekularen bis globalen Skala und von kurzlebigen Phänomenen wie Turbulenz und Gewittern bis zu langfristigen Klimaänderungen. Sämtliche Beiträge sind mit Grafiken und Bildern versehen und enthalten ausführliche Literaturhinweise.

Der Online-Ausgabe liegt die 2014 in 2. erweiterter und überarbeiteter Auflage erschienene, 6-bändige Printausgabe zugrunde.

Die Volltexte liegen auf der Online-Plattform ScienceDirect des Anbieters Elsevier jeweils als PDF-Dateien vor und können in Auswahl für den Eigengebrauch ausgedruckt bzw. abgespeichert werden.

(Die Beschreibung ist weitgehend dem Text des Fachhändlers Digento entnommen.)

100.000 Frauen

Mit dem Artikel zur deutschen Mathematikerin Simone Warzel feierte die Online-Enzyklopädie Wikipedia gestern 100.000 Frauenbiografien. Mit Hilfe eines Kategoriensystems – in der Wikipedia ganz am Ende eines Artikels zu finden – werden Personenartikel nicht nur nach z. B. Geburts- und Sterbejahr, Nationalität oder Beruf geordnet, sondern auch nach dem Geschlecht. Während die Damen nun im fünfstelligen Bereich angekommen sind, haben sich die Herren der Schöpfung einen historisch begründeten, schier unendlichen Vorsprung erarbeitet – mit aktuell über 552.000 Artikeln finden sich fünfeinhalb Mal mehr biografische Artikel über Männer in dem freien Mitmach-Lexikon.

Kleiner Nachtrag: Auch der erste biografische Artikel überhaupt widmete sich einem Mann, nämlich dem lateinischer Dichter und Epiker Vergil (vgl. „Wikipedia:Meilensteine“). Aufgrund eines Bugs wurden allerdings die ursprünglichen Versionen des Artikels gelöscht – in der Anfangszeit bei Wikipedia wurde aufgrund fehlenden Speicherplatzes Altversionen gelöscht, sobald sie eine bestimmte Anzahl erreicht hatten.

Fachinformationsdienst Romanistik ersetzt „Vifarom“ und „cibera“

Vor kurzer Zeit ging der Fachinformationsdienst Romanistik online. Das neue Suchportal richtet sich an ein wissenschaftliches Zielpublikum und löst die beiden bisherigen virtuellen Fachbibliotheken Vifarom (Virtuelle Fachbibliothek Romanischer Kulturkreis) und cibera ab. Die Inhalte der früheren Internetportale waren nicht nach Disziplinen, sondern nach Regionen ausgerichtet.

Der neue FID Romanistik befindet sich noch in der Beta-Version. Der Suchraum erstreckt sich gegenwärtig über die Bestände der federführenden FID-Bibliotheken, den Bibliothekskatalog des Ibero-Amerikanischen Instituts (IAI) Berlin, die Online-Contents-Datenbanken Romanischer Kulturkreis und Ibero-Amerika, Spanien und Portugal sowie den Fachausschnitt des Directory of Open Access Journals. Neben Aufsätzen werden auch Inhaltsverzeichnisse und Rezensionen ausgewertet. Darüber hinaus sollen Services im Umgang mit Forschungsdaten und das Publizieren im Open-Access-Verfahren aufgebaut werden.

Nachdem die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jahrzehntelang ein System der Sondersammelgebiete (SSG) an wissenschaftlichen Bibliotheken gefördert hatte, wurde dieses seit 2013 sukzessive durch sogenannte Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) abgelöst. Der Fachinformationsdienst Romanistik wird von der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn und der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg betreut. Beide waren bereits von 1949 bis 2015 für die romanistischen Sondersammelgebiete zuständig. Als Kooperationspartner für das neue Online-Portal fungieren u. a. die AG Digitale Romanistik, die Bayerische Staatsbibliothek München (für die Balkanromanistik), romanistik.de und die Universitätsbibliothek Mainz (Forum Interkulturelle Frankreichforschung). Gegenwärtig noch in Planung befindet sich ein Online-Portal für die Geschichtswissenschaft, das von der Bayerischen Staatsbibliothek aufgebaut wird.

Wir werden die Entwicklungen in diesem Bereich weiterverfolgen und darüber im Biblioblog berichten.