Online-Material zu Literaturnobelpreisträgern García Márquez und Ishiguro

Gabriel García Márquez (2009)
Gabriel García Márquez (2009)

Kurz nach der Ehrung der diesjährigen Nobelpreisträger am Sonntag hat das Harry Ransom Center an der Universität von Texas in Austin die Gabriel García Márquez Collection kostenfrei online veröffentlicht.

Die Sammlung bietet Zugriff auf zahlreiche digitalisierte Objekte aus dem Nachlass des kolumbianischen Schriftstellers und Journalisten (1927-2014). Enthalten sind u. a. Manuskripte zu veröffentlichten und unveröffentlichten Werken, Forschungsmaterial, Fotografien, Sammelalben, Briefwechsel, Zeitungsausschnitte, Notizbücher, Drehbücher, Druckmaterialien, Ephemera sowie eine Tonbandaufnahme von García Márquez‘ Nobelpreisrede aus dem Jahr 1982. Nicht enthalten sind die zehn Entwürfe zu seinem letzten, nicht fertiggestellten Roman En agosto nos vemos (engl.: We’ll See Each Other in August), dessen erstes Kapitel 2014 von der spanischen Zeitung La Vanguardia veröffentlicht wurde.

Der Nachlass des Autors war im Jahr 2014 für 2,2 Mio. US-Dollar durch das Harry Ransom Center angekauft worden. Es wird eine englische und spanischsprachige Nutzer-Oberfläche angeboten. Insgesamt verbrachten Bibliothekare, Archivare, Studenten und Techniker rund 18 Monate, um das Material im Volltext in den beiden Sprachen durchsuchbar zu machen (vgl. INFOdocket.com). Laut Anbieter ist gegenwärtig die Hälfte des Archivguts online abrufbar.

Eine Inspiration war García Márquez scheinbar auch für den diesjährigen Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro, wenn man dessen Nobelpreisvorlesung studiert. Im auch in deutscher Übersetzung vorliegenden Text  Mein napoleonischer Abend – und andere kleine Offenbarungen nimmt uns der Brite japanischer Herkunft mit auf eine Reise in den Herbst 1979 und die entscheidenden Momente, die ihn zum Schriftsteller werden ließen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bob Dylan nahm Ishiguro am Sonntag die Auszeichnung persönlich in Stockholm entgegen. Sein  überschaubares Œuvres aus sieben Romanen sowie einem Kurzgeschichtenband ist gerade frisch von der Universitätsbibliothek eingekauft worden (Ausgaben des Heyne-Verlags, 2016) und über das Bibliotheksportal Primo vorbestellbar:

Bild: Festival Internacional de Cine en Guadalajara (CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons)

Digitale Bibliothek zu Südostasien

Neu im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen ist die kostenfreie ASEAN Digital Library (ADL).

Die ADL ermöglicht eine Suche über die digitalisierten Bestände von zehn Nationalbibliotheken aus dem Verband südostasiatischer Nationen (engl.: Association of Southeast Asian Nations, ASEAN). Nachgewiesen werden gegenwärtig über 80.000 Objekte, u. a. Bücher, Handschriften, Karten, Zeichnungen, Gemälde, Fotografien, Zeitungen, Forschungsarbeiten, sowie Audio- und Videomaterialien aus folgenden Ländern:

  • Brunei (146 Objekte)
  • Indonesien (259)
  • Kambodscha (3568)
  • Laos (12.168)
  • Malaysia (1268)
  • Myanmar (5)
  • Philippinen (9867)
  • Singapur (26.113)
  • Thailand (209)
  • Vietnam (29.337)

Das Projekt wurde vom National Library Board of Singapore (NLB) ins Leben gerufen, unterstützt vom ASEAN Committee on Culture and Information (COCI).

Die Recherche-Maske unterstützt alphanumerische Zeichen. Die ASEAN Digital Library soll laut Anbieter laufend um weitere Inhalte bzw. Partnerinstitutionen ergänzt werden.

Alles online, oder was?

In einer nicht repräsentativen Stichprobe haben KollegInnen der Zentralbibliothek Zürich zufällig drei Bücherregale mit fast 700 gedruckten Titeln (Bücher in modernen Sprachen, außer Deutsch, Erscheinungsjahre: 1983-2011) ausgewählt, um das Verhältnis von analogen und digitalen Angeboten zu untersuchen. Weitere Details und die Auflösung, wie viele Bücher davon tatsächlich online verfügbar sind, bietet der digithek blog.

Detail des UB-Magazinturms am Morgen (Collage, Bildquelle: Marc Spieseke)
Detail des UB-Magazinturms am Morgen (Collage, Bildquelle: Marc Spieseke)

Passend zum Thema weist das Blog Archivalia auf eine im Sommer 2017 gestartete Umfrage bei ca. 1000 europäischen Museen, Bibliothek, Archiven hin („ENUMERATE-Report“). Demnach sind 42 Prozent des europäischen Kulturerbes nicht digital zugänglich.

„Digital Democracy“ für US-Bundesstaaten

Neu im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen ist das kostenfreie Online-Plattform Digital Democracy.

Die Datenbank wurde vom Institute for Advanced Technology and Public Policy an der California Polytechnic University in San Luis Obispo entwickelt. Sie ermöglicht die Recherche nach Video-Aufnahmen zu öffentlichen Anhörungen von Gesetzgebungsausschüssen der US-Bundesstaaten Kalifornien und New York ab dem Jahr 2015 fortlaufend. Aufnahmen aus Florida und Texas sind in Vorbereitung.

Die Videos wurden transkribiert und können nach Stichwörtern, Thema, Redner, Institution oder Datum durchsucht werden. Ferner lassen sich Aussagen und Positionen der einzelnen Teilnehmer sowie zum Teil andere wichtige Informationen wie die Annahme zu Spenden oder Geschenken darstellen. Darüber hinaus bietet Digital Democracy die vollständigen Texte, die Geschichte und andere Informationen zu Gesetzesvorlagen, die vom Gesetzgeber der jeweiligen Bundesstaaten eingeführt wurden sowie Analysen und Informationen zu bevorstehenden Anhörungen. Nach kostenfreier Registrierung haben Nutzer die Möglichkeit, Inhalte in einem persönlichen Bereich abzuspeichern, die bereitgestellten Videos selber zu schneiden oder E-Mail-Alert-Dienste zu nutzen.

Kostenfreies „Grimm-Portal“ online

Neu im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen ist das kostenfreie Grimm-Portal der Universität Kassel.

Das im Aufbau befindliche Online-Portal versammelt Grimm-Bestände des Hessischen Staatsarchivs Marburg und der Universitätsbibliothek Kassel, die in einem gemeinsamen Projekt digitalisiert wurden. Es handelt sich hierbei um Briefe von und an Jacob und Wilhelm Grimm, weitere handschriftliche Zeugnisse der Familie Grimm, Handexemplare der Grimmschen Privatbibliothek, darunter eigene Werke der Brüder Grimm sowie Ausgaben anderer Autoren mit handschriftlichen Eintragungen der Brüder. Außerdem finden sich hier Bilder, Visitenkarten und zeitgenössische Rezensionen aus dem Nachlass der Brüder Grimm.

Die Digitalisate, die teilweise auch an anderer Stelle abrufbar sind (Online-Plattform ORKA der Universität Kassel und Arcinsys), werden im Grimm-Portal zusammengeführt und in einer eigens entwickelten thematisch strukturierten Umgebung präsentiert.

Der Beschreibungstext ist weitgehend den Informationen des Anbieters entnommen

Noch 20 Türchen …

Traditionsgemäß präsentiert das Blog Bibliothekarisch.de wie in den vergangenen Jahren auch eine Linkliste mit Online-Adventskalendern von Bibliotheken, Verlagen, Hochschulen usw. (teilweise auch mit kommerziellem Hintergrund). Wer meint, aus dem Alter der klassischen Schokoladen-Weihnachtskalender herausgewachsen zu sein, findet dort in der Zeit von Christstollen, Glühwein, Spekulatius & Co. mit Sicherheit eine passende kalorienärmere Variante 😉 …

Kostenfreies „Graphikportal“ gestartet

Neu im Datenbank-Infosystem (DBIS) nachgewiesen ist das in diesem Monat online gegangene, kostenfreie Graphikportal.

Das Graphikportal präsentiert erstmals die Bestände graphischer Sammlungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie Italien auf einer gemeinsamen Online-Plattform und stellt diese für die wissenschaftliche Recherche zur Verfügung. Gegenwärtig sind mehr als 300.000 digitalisierte Werke kostenfrei abrufbar, darunter Objekte von Albrecht Dürer, Max Liebermann, Adolph von Menzel, Rembrandt oder Henri de Toulouse-Lautrec. Bevorzugte Sammlungsbestände sind Handzeichnungen, Malerei auf Papier (inklusive Inkunabeln) sowie sämtliche druckgraphisch hergestellte Werke. Im Graphikportal finden sich auch Illustrationen aus anatomischen Lehrbüchern, Scheibenrisse oder Entwürfe für Monogramme. Künstlerische Fotografie wird aufgrund der Vielfalt der Bestände zunächst ausgeschlossen.

Derzeit vernetzt sind die Bestände aus 24 Sammlungen zahlreicher Institutionen, darunter die Kupferstichkabinette von Berlin und Dresden, die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig, die Universitätsbibliotheken von Frankfurt/Main und Heidelberg, die Albertina in Wien, die Herzog August-Bibliothek in Wolfenbüttel sowie die ETH Zürich. Das Graphikportal wird vom Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg betrieben, einer Einrichtung der Philipps-Universität Marburg.

Zwei kritische Stimmen zum neuen Online-Portal haben sich bereits eingefunden, nachzulesen in den Blogs von Archivalia (Klaus Graf) und arthistoricum.net (Georg Schelbert, HU Berlin).

Von chinesischen Büchertapeten und Stolperfallen

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dieses Sprichwort ist recht zutreffend für die neu eröffnete  Tianjin Binhai Library in der Volksrepublik China, über die wir hier im Blog auch vor ein paar Wochen berichteten. Wie das Schweizer Nachrichtenportal „watson“ vor einigten Tagen mitteilte, ist das futuristisch anmutende Atrium nur auf dem ersten Blick bis zur Decke mit Büchern gefüllt – tatsächlich handelt es sich größtenteils „nur“ um Fotowände mit Einbandmotiven. Die wenigen Bücher, die bislang dort untergebracht waren, würden nun in andere Bereiche verlegt. Viele Smartphone-affine Besucher hätten zudem Probleme mit den runden Formen der Treppenstufen,  die zum Stolpern einladen würden. Das hindert dennoch Interessierte nicht daran, die Bibliothek in der Nähe von Peking zu besuchen – pro Wochenende werden ca. 15.000 Besucher gezählt!

Gesehen via Vöbblog

Neues Online-Zeitzeugenarchiv zum Holocaust

193px-Auschwitz-birkenau-main_trackAb sofort ist in den Räumen der Universitätsbibliothek die Datenbank Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies kostenfrei nutzbar.

Die Freie Universität Berlin bietet deutschlandweit als erste Einrichtung Zugriff auf die Datenbank der Yale University mit ca. 4500 Video-Interviews mit Überlebenden des Holocaust an. Die Online-Ressource ist allerdings nicht über das Campusnetz, sondern „nur“ über den Multimediaraum (118 G) in der Universitätsbibliothek nutzbar. Der Raum kann im Vorfeld für FU-Angehörige kostenfrei reserviert werden (Infos zur Raumbuchung).

Das Fortunoff Video Archive enthält Zeitzeugen-Interviews mit einer Gesamtdauer von über 12.000 Stunden und in 22 Sprachen. Die Interviewten berichten über das Überleben im Versteck und in den Konzentrations- und Vernichtungslagern sowie über ihre Erfahrungen als Widerstandskämpfer und Befreier. Die in den Videos verwendete Interviewmethode legt besonderen Wert darauf, dass die Überlebenden ihre Erzählung selbst strukturieren können. So werden die Interviewten als Experten und Expertinnen ihrer eigenen Lebensgeschichte verstanden. Die Datenbank gilt als Wegbereiter der videografierten Oral History und ein Vorläufer des bekannteren Visual History Archive (VHA), das die FU Berlin ebenfalls lizenziert hat.

Die Rercherche nach den Video-Interviews erfolgt etwas umständlich in Orbis, dem Online-Katalog der Yale University. Hierfür muss im Suchschlitz das Kürzel „hvt“ (= Holocaust Video Testimony) möglichen Suchbegriffen vorangestellt werden (s. in DBIS hinterlegte Anleitungen). Bei erstmaliger Nutzung ist eine kostenfreie Registrierung beim Anbieter erforderlich. Die Bereitstellung der Videos kann bis zu 72 Stunden in Anspruch nehmen!

Weitere Zeitzeugen-Archive online im Überblick

Bild: Auschwitz II – Birkenau – Eingangstor und Hauptgleis (Fotograf: C.Puisney, Lizenz: CC-BY-SA-3.0/GFDL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Auschwitz-birkenau-main_track.jpg)

Phantom-Fachartikel fast 400 Mal zitiert

„If something looks fishy, it probably IS fishy!” (dt. „Wenn etwas faul aussieht, ist es wahrscheinlich faul!“), resümiert die Wissenschaftlerin Anne-Wil Harzing (Middlesex University) in ihrem im Oktober erschienenen Blog-Artikel „The mystery of the phantom reference“. Nur durch Zufall kam ein Kollege von ihr einem nie geschriebenen Fachartikel auf die Spur, der allerdings laut dem Web of Science 398 Mal zitiert worden war:

Van der Geer, J., Hanraads, J.A.J., Lupton, R.A., 2000. The art of writing a scientific article. J Sci. Commun. 163 (2) 51-59. [The journal name can also be found with its full title Journal of Science Communications]

Der Standard fasst die Ergebnisse in einem Artikel auch nochmal auf Deutsch zusammen.
Du bist dir selbst unsicher bei der Recherche nach qualitativ hochwertigen Quellen? Dann sichere dir einen Platz in unserem Kurs Qualitätskriterien für die Literaturauswahl (Donnerstag, 18. Januar 2018, 10-11:30 Uhr) in der Universitätsbibliothek!